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Die Loreley – Der Bauplan einer Sage

Shownotes

Rheinkilometer 555, rechtes Ufer: ein Schieferfelsen, eine enge Flusskurve und eine Passage, die Schiffer über Jahrhunderte vor besondere Herausforderungen stellte. Um diesen realen Ort hat sich eine Geschichte gelegt, die heute fast untrennbar mit ihm verbunden ist.

Die Loreley mit dem goldenen Haar scheint aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit zu stammen. Tatsächlich lässt sich die Entstehung dieser Frauengestalt ungewöhnlich genau verfolgen. Vor Clemens Brentanos Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ von 1801 ist sie nicht belegt. Wenige Jahrzehnte später galt sie bereits als alte Rheinlegende.

In dieser Folge trenne ich zwischen historischen Befunden, literarischen Texten, späteren Überlieferungen und modernen Deutungen. Ich gehe der Frage nach, welche Geschichten schon vor Brentano mit dem Felsen verbunden waren, wie Reiseführer und Dichter die neue Figur weiterentwickelten und weshalb Heinrich Heines Loreleylied schließlich wie überliefertes Volksgut wirkte.

Außerdem geht es um das historische Echo, die tatsächlichen Gefahren der Rheinschifffahrt, die Rheinromantik, die nationalsozialistische Auslöschung von Heines Namen und den häufig behaupteten, bisher jedoch nicht belegten Vermerk „Dichter unbekannt“. Auch die Schiffsunglücke der MS Loreley im Jahr 2003 und des Tankmotorschiffs Waldhof im Jahr 2011, das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und der heutige Umgang mit dem Loreleyfelsen sind Teil der Geschichte.

INHALTSWARNUNG

Diese Folge behandelt unter anderem den Todeswunsch und den tödlichen Sturz einer literarischen Figur, Ertrinken und Schiffsunglücke mit Todesopfern sowie Nationalsozialismus und Bücherverbrennungen. Die Schilderungen sind nicht grafisch.

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STIMME, PRODUKTION UND RECHTE

Recherche, Skript, Stimme, Aufnahme, Schnitt und Produktion: Antje

Stimme und Stimmrechte: Antje

Die Stimme dieser Folge ist meine eigene und wurde nicht künstlich erzeugt. Sämtliche Rechte an den Sprachaufnahmen liegen bei mir. Eine Nutzung zur Nachbildung oder künstlichen Erzeugung meiner Stimme ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung nicht gestattet.

Die Titelmelodie, das Titelbild und die in dieser Folge verwendeten Sounds wurden von mir mithilfe von KI erstellt.

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR

Onlinequellen zuletzt geprüft am 29. August 2026. Literarische Handlungen wurden nach den Originaltexten wiedergegeben. Aktuelle Angaben beruhen möglichst auf amtlichen oder institutionellen Quellen. Wo Quellen voneinander abweichen, wurde auf scheinpräzise Angaben verzichtet.

LITERARISCHE PRIMÄRQUELLEN

FORSCHUNG ZUR LORELEY UND IHRER WIRKUNG

GEOLOGIE, ARCHÄOLOGIE UND WELTERBE

SCHIFFFAHRT, UNFÄLLE UND GEGENWART

https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Aktenzeichen=1+B+11201%2F12&Datum=29.11.2012&Gericht=OVG+Rheinland-Pfalz

URHEBERRECHTLICHER HINWEIS

Die in der Folge vollständig wiedergegebene Fassung von Heinrich Heines Loreleygedicht sowie die verwendeten historischen Originaltexte sind in Deutschland gemeinfrei. Nach § 64 UrhG erlischt das Urheberrecht grundsätzlich siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__64.html

Moderne Übersetzungen, Notenausgaben, Tonaufnahmen, Fotografien, Filmaufnahmen und Bearbeitungen können unabhängig vom gemeinfreien Ausgangswerk weiterhin geschützt sein. Aus Sylvia Plaths „Lorelei“ wird deshalb nicht zitiert. Die Nennung von Werktiteln, historischen Tatsachen und Quellen ist urheberrechtlich unproblematisch. Dieser Hinweis ist eine redaktionelle Einordnung und keine individuelle Rechtsberatung.

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Transkript anzeigen

00:00:08: Jetzt dich willkommen bei Chronik der Schatten.

00:01:02: Schön, dass ihr da seid!

00:01:04: Es gibt Orte an denen zwei Dinge übereinander liegen die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

00:01:09: Unten ein Stück Landschaft das man vermessen kann Meter, Tiefe, Strömung, Zahlen in einer Behördenakte.

00:01:17: Und darüber eine Geschichte die sich so fest um diesen Ort gelegt hat dass fast niemand mehr merkt wo das eine aufhört und das andere anfängt.

00:01:26: Heute stehen wir an so einem Ort.

00:01:29: Rein Kilometer fünfundundfünfzig rechtes Ufer ein schiefer Felsen bei St.

00:01:35: Gorshausen in Rheinland-Pfalz.

00:01:37: Von unten sieht er aus wie eine graue Wand die sich in den Fluss schiebt.

00:01:41: Er hat einen Namen, den vermutlich jeder von euch schon einmal gehört hat und dieser Name gehört heute nicht mehr dem Felsen sondern einer Frau mit goldenem Haar die dort oben sitzt und singt.

00:01:52: Die Lorelei!

00:01:55: Bevor wir loslegen.

00:01:56: wie immer eine Sache die mir wichtig ist und die ich in der Folge genau ein einziges Mal sage damit ich euch nicht ständig unterbreche Ich trenne heute sauber zwischen historischem Befunden, literarischen Texten, späteren Überlieferungen und Deutungen.

00:02:10: Wenn ich eine sage, eine Ballade oder eine nicht gesicherte Behauptung wiedergebe, sage ich das

00:02:15: ausdrücklich.".

00:02:17: Und wo die Forschung keine eindeutige Antwort hat behaupte ich auch keiner!

00:02:21: Die Quellen findet ihr in den Shownotes.

00:02:23: Gerade bei der Lorelei ist diese Trennung wichtig – für die Frauengestalt gibt es vor.

00:02:28: Clemens Britannus-Ballade von.

00:02:32: Wie aus dieser literarischen Erfindung eine vermeintlich alte Sage wurde, lässt sich ungewöhnlich gut verfolgen.

00:02:40: Wir machen es heute in zwei großen Schritten.

00:02:42: Zuerst erzähle ich euch die Geschichte von Anfang an der Reihe nach ohne Vorgriffe.

00:02:48: Danach im zweiten Teil schauen wir uns an was dahinter steckt – warum dieser Ort?

00:02:52: Warum diese Figur?

00:02:54: Warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt?

00:02:56: und welche unterschiedlichen Deutungen es bis heute gibt!

00:03:00: Nehmt euch etwas zu trinken.

00:03:01: Das wird eine lange Reise.

00:03:44: Fangen wir an einem Punkt an, an dem es noch keine Menschen gab – keine Namen, keine Schiffe!

00:03:50: Nur Gestein.

00:03:51: Das Material des Felsens geht auf Ablagerungen in ein Meer des Devons zurück vor ungefähr vierhundert Millionen Jahren.

00:03:59: Aus Schlamm-, Sand- und anderen Sedimenten entstanden unter druckfeste Gesteine.

00:04:04: Während der waristischen Gebirgsbildung wurden die Schichten gefaltet und geschiefert.

00:04:09: Härtere Quazitlagen blieben darin erhalten.

00:04:12: Das alte Gebirge wurde über sehr lange Zeit wieder abgetragen.

00:04:16: Die Landschaft, die wir heute sehen entstand wesentlich später.

00:04:20: Hebung und Erosion formten das Rheinische Schiefergebirge.

00:04:24: Besonders während des Quarters also in den Eiszeiten und den dazwischen liegenden Warmzeiten schnitten sich rein- und Nebenflüsse tiefer ein.

00:04:33: Die Terrassen an den Hängen markieren ältere Niveaus des Stroms.

00:04:37: Bei Rheinkilometer fünfundfünfundfünfzig ragt die Lorelei am rechten Ufer bei St.

00:04:42: Görshausen auf.

00:04:43: Höhen, Breiten und Tiefenangaben weichen je nach Messpunkt- und Wasserstand voneinander ab.

00:04:49: Sicher ist – Die Strecke gehört zu den engsten und tiefsten Abschnitten des Mittelrheins!

00:04:54: Der Fels zwingt den Strom zugleich in eine ausgeprägte Kurve.

00:04:58: Merkt euch diese Kombination.

00:05:00: sie wird für alles weitere wichtig.

00:05:02: Eng, tief, kurvig Strömung, Querströmungen, wechselnde Wasserstände und früher auch Felsen im Fahrwasser machten die Passage anspruchsvoll.

00:05:12: Vieles davon ist von oben nicht zu sehen!

00:05:28: Wann Menschen zum ersten Mal auf diesem Fels entstanden wissen wir nicht genau.

00:05:32: was wir haben sind archäologische Spuren.

00:05:35: Im Jahr four wurde das Plateau untersucht.

00:05:38: dabei fand man die Reste einer Befestigung einen sogenannten Abschnittswall.

00:05:42: Das ist eine Bauweise, bei der man nicht rundherum eine Mauer zieht sondern nur dort wo der Berg zugänglich ist.

00:05:49: Die Steilseiten übernimmt die Natur – die dokumentierte Steinmauer war etwa vier einhalb Meter dick.

00:05:55: Dazu kamen Funde, die auf eine Besiedlung in der Hallstadtzeit hindeuten Keramikscherben verbrannter Hüttenlehm Knochen.

00:06:03: In der Umgebung liegen Grabhügel, die der Hunsrück Eifelkultur zugeordnet werden.

00:06:09: Wir reden hier also über die älteste Eisenzeit, über eine Zeit lange vor den Römern.

00:06:14: Es ist eine plausible Wahl – wer sich in dieser Landschaft schützen will geht nach oben!

00:06:19: Und dieser Felsen bietet Übersicht über eine Flussstrecke auf der jeder vorbei muss, der Waren

00:06:25: transportiert.".

00:06:27: Von dieser Anlage ist heute kaum noch etwas zu sehen.

00:06:30: Spätere Bebauung darunter eine Jugendherberge und ein Restaurant hat dem Befund stark beeinträchtigt.

00:06:36: Reste des Grabens sind noch erkennbar….

00:06:38: Der berühmte Felsen trug also lange vor der Lorelei Sage eine vorgeschichtliche Befestigung.

00:06:44: Was davon erhalten blieb, ist nur noch eingeschränkt zu untersuchen.

00:06:48: Springen wir in die frühchristliche Zeit!

00:06:51: Am linken Ufer – dem Felsenschräg gegenüber liegt St Goa.

00:06:55: Der Ort trägt den Namen eines Einsiedlers, der sich der Überlieferung nach im sechsten Jahrhundert am Rhein niederließ.

00:07:02: Die älteste erhaltene Lebensbeschreibung entstand jedoch erst später und ist ein Heiligenviter kein zeitgenössisches Protokoll.

00:07:10: Sie schildert Goa als Frommmann der reisende und kranke Aufnahme und versorgte, dass sein eigentlicher Zweck die Rettung schiffbrüchiger gewesen sei lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

00:07:20: Unabhängig von einer heiligen Legende galt die Lorelei Strecke über Jahrhunderte als schwierige Passage.

00:07:26: Lotzen, Tridelwege und andere Einrichtungen der Schifffahrt belegen wie viel Ortskenntnis der Fluss verlangte.

00:07:33: Damit wir die Gefahren dieser Strecke einordnen können, müssen wir uns zunächst ansehen wie die Schifffahrt auf dem Rhein vor der Motorisierung funktionierte.

00:07:41: Schiffe konnten ihre Fahrtrichtung und Geschwindigkeit damals weit weniger unabhängig von Strömung, Wind- und Wasserstand bestimmen als heute.

00:07:50: Teilwärts – also mit der Strömmung – kamen die Fahrzeuge zwar schneller voran Das machte die Fahrt jedoch nicht automatisch einfacher.

00:07:58: Besonders in engen Kurven musste die Besatzung frühzeitig reagieren, weil ein schwer beladenes Schiff nicht plötzlich anhalten oder seine Richtung ändern konnte.

00:08:07: Untiefen Felsen und wechselnde Strömungen konnten ein Fahrzeug seitlich versetzen oder vom vorgesehenen Kurs abbringen.

00:08:14: An der Lorelei kamen mehrere Schwierigkeiten zusammen – die enge Fahrrinne, die ausgeprägte Flusskurve, eingeschränkte Sicht und die Felsin, die damals noch im Flussbett lagen.

00:08:25: Bergwärts mussten die Schiffe gegen die Strömung ankommen.

00:08:28: Je nach Fahrzeug, Wind- und Streckenabschnitt wurde gesegelt, gerudert oder getreidelt.

00:08:34: Beim Treideln zogen Menschen oder Zugtiere ein Schiff an langen Seilen vom Ufer aus flussaufwärts.

00:08:40: Dafür gab es entlang des Rheins sogenannte Lein-undtreidelbwade.

00:08:45: Welche Methode genutzt wurde unterschied sich jedoch nach Zeit-, Ort- und Schiffstyp.

00:08:50: Eine besondere Herausforderung war die Flüsserei.

00:08:53: Dabei wurden Baumstämme zu größeren Verbänden zusammengefügt und Fluss abwärts transportiert.

00:08:59: Solche Flöße besaßen keinen eigenen Antrieb, ihre Besatzungen konnten sie zwar steuern und abbremsen waren dabei aber stark von der Strömung abhängig.

00:09:08: in den engen Kurven des Mittelrheins war es deshalb schwierig rechtzeitig die Richtung zu ändern.

00:09:14: Ab den Achtzehnhundertzwanziger Jahren gewann die Dampfschifffahrt auf dem Rhein zunehmend an Bedeutung.

00:09:20: Später folgten motorisierte Frachtschiffe und schließlich große Schubverbände.

00:09:24: Die Fahrzeuge konnten sich nun aus eigener Kraft bewegen, wurden zugleich aber schneller und teilweise erheblich größer.

00:09:32: Durch die Motorisierung ließen sich die Schiffe zwar besser steuern – die besonderen Gefahren der Lorelei-Strecke blieben jedoch bestehen!

00:09:39: Die Lorelai-Strecke blieb ein anspruchsvolles Nadelöhr in dem Strömung, Kurvenverlauf-, Sichtverhältnisse und gegen Verkehr besondere Aufmerksamkeit und lange Zeit auch genaue Ortskenntnis verlangten.

00:10:27: Kommen wir jetzt zum Namen denn der ist deutlich älter als die Frau!

00:10:31: Der Felsen erscheint in mittelalterlichen Quellen in Formen wie Lula Berch, Lulei oder Lurelei – das ist zunächst nichts weiter als eine Ortsbezeichnung.

00:10:41: Woher genau diese Bezeichnung stammt und was sie bedeutet, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

00:10:46: Ich hebe mir die sprachwissenschaftliche Diskussion für den hinteren Teil auf weil sie in dem Hintergrund gehört und nicht in die Erzählung.

00:10:54: Was aber schon im Mittelalter an diesem Felsen hängt, ist eine andere Geschichte – und die hat mit Gold zu tun!

00:11:01: Im dreizehnten Jahrhundert ist bei einem fahrenden Sanktspruch Dichter, der unter dem Namen der Mana bekannt ist ein Hinweis überliefert, dass der Schatz der Nibelungen im Lullenberg liege.

00:11:12: Die Formulierung, die dazu zitiert wird, lautet sinngemäß – denn Nibelungenhord liege in dem Lullenberge!

00:11:20: Der Fers wird in der Forschung gewöhnlich mit der Lorelayen Verbindung

00:11:23: gebracht.".

00:11:24: Er ist ein mittelalterlicher, literarischer Beleg für die Verbindung des Ortes mit dem Nibelungenort.

00:11:30: Aber noch kein Beweis einer örtlich-mündlich erzählten Lorelei sage.

00:11:34: Vor allem kommt darin keine Frauengestalt vor!

00:11:37: Der Berg wirkt einen Schatz – er verführt keine Schiffer.

00:11:41: Ich halte das für einen der interessantesten Punkte des ganzen Themas und wir kommen darauf zurück….

00:11:46: denn wenn ein Ort einmal als Berg in dem etwas Verborgen liegt markiert ist, dann ist er offenbar bereit immer wieder neu befüllt zu

00:11:53: werden.".

00:12:19: Im Mittelalter war der Rhein nicht nur Verkehrsweg, er war Einnahmequelle.

00:12:23: Wer ein Ufer kontrollierte konnte kassieren.

00:12:25: Rund um diese Engstelle entstand eine ungewöhnliche Dichte an Burgen.

00:12:30: Im oberen Mittellrheintal stehen rund vierzig Burgen, Festungen und Schlösser die über viele Jahrhunderte entstanden.

00:12:37: Viele wurden später aufgegeben oder in den Kriegen des siebzehnten Jahrhunderts zerstört und beschädigt.

00:12:42: Sie dienten als Herrschaftswohn- und Wehranlagen.

00:12:45: Einige standen außerdem im Zusammenhang mit Reinzöllen.

00:12:49: Die Ruinenlandschaft lässt sich deshalb nicht auf Zollstationen reduzieren.

00:12:54: Der Grund für diese Dichte ist derselbe wie der Grund für die Gefahr!

00:12:57: Die Schiffe mussten hier langsam fahren, sie mussten sich durch die Engstelle tasten und sie kamen an keiner Stelle vorbei ohne von oben gesehen zu werden.

00:13:06: Was den Fluss für die Schiffer gefährlich machte, machte ihn für die Landesherren lukrativ.

00:13:12: Und jetzt wird es interessant denn wir nähern uns dem Kern.

00:13:15: Der Lorelay Felsen hatte über Jahrhunderte eine Eigenschaft, die Reisende beeindruckt hat.

00:13:20: Ein außergewöhnliches Echo!

00:13:22: Historische Beschreibungen sprechen von Mehrfachen teils bis zu siebenfachen Rückwürfen und bringen das Phänomen mit Felsüberhängen gegen überliegenden Talwänden und einem Wasserfall am Galgenbach in Verbindung.

00:13:35: Moderne Messungen, die diese genaue Zahl bestätigen liegen mir nicht vor.

00:13:39: Ein Echo an einer Felswand lässt sich physikalisch erklären.

00:13:42: Frühneuzeitliche Geleerte beschrieben das Phänomen jedoch in der Bildsprache antiker und volkstümlicher Wesen.

00:13:49: Um fifteenhundert findet sich bei dem Humanisten Conrad Keltis die Vorstellung, in den Höhlen des felsen lebten Waldgeister möglicherweise Zwerge – diese verursachten das Echo.

00:14:00: Etwa.

00:14:00: einhundert Jahre später, sechzehnhundert zwölf, greift der gelehrte Marquard Friedrich Frea die Erklärung auf und spricht von Wald- und Bergknüpfen.

00:14:10: Das ist nicht zufällig gewählt!

00:14:11: Die bekannteste Bergknünfe der griechische Mythologie heißt Echo.

00:14:16: Beides sind gelehrt literarisch mythologische Beschreibungen des akustischen Phänomens.

00:14:21: Sie beweisen weder dass die örtliche Bevölkerung diese Wesen für real hielt noch das ihr das Prinzip des Echos unbekannt war.

00:14:29: Und in beiden gibt es keine einzelne Frauengestalt, keinen goldenen Kamm, keinen Gesang der Schiffer in den Tod lockt.

00:14:36: Es sind Geister im Plural – kollektive Wesen wie man sie überall in Europa an merkwürdigen Orten vermutete.

00:14:43: Bis hierhin und das ist der entscheidende Satz für alles folgende, gibt es kein Lorelei als Person!

00:14:49: Es gibt einen Felsen mit einem alten Namen ein Echo, ein paar Geister, einen sagenhaften Schatz im Berg und eine sehr reale, sehr gefährliche Flusspassage.

00:14:59: Die Frau kommt später – und wir wissen auch ziemlich genau wann!

00:15:24: Wir sind jetzt am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts und wechseln vom Fluss an einen Schreibtisch.

00:15:30: Clemens Brentano geborent in Ehren-Breitstein und gestorben in Erschaffenburg, gehört zu den zentralen Autoren der deutschen Romantik.

00:15:41: Seit dem Frühsommer-Siebzehnhundertachtenneinzig arbeitete er mit Unterbrechungen an einem zweibändigen Roman, Gott wie und das steinerne Bild der Mutter.

00:15:51: Im Untertitel bezeichnete er das Werk selbst als einen verwilderten Roman – veröffentlicht wurde es unter dem Pseudonym Maria beim Bremer Verleger Friedrich Willmanns.

00:16:02: Der erste Band war bereits um den Jahreswechsel eighteenhundert auf achtzehnhunderteins erhältlich.

00:16:07: Das Gesamtwerk war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen!

00:16:11: Britano arbeitete weiter am zweiten Band, den er Anfang August einhundert und eins beendete.

00:16:17: Er erschien Ende Oktober oder Anfang November des selben Jahres.

00:16:21: Der Roman war kein Erfolg!

00:16:24: Die zeitgenössischen Reaktionen fielen überwiegend kritisch aus – besonders scharf urteilte Friedrich Schlegel.

00:16:30: Anschließend geriet das Werk für lange Zeit weitgehend in Vergessenheit.

00:16:35: Am Ende des Zweiten Bandes steht jedoch eine fragmentarisch gebliebene Fortsetzung.

00:16:40: Darin wird ein Gedicht von einer Romanfigur gesungen.

00:16:43: Einen eigenen Titel trägt es an dieser Stelle nicht, bekannt geworden ist das nach seiner ersten Zeile als zu Bannerach am Rheine.

00:16:52: In diesem Gedicht erscheint erstmals eine literarische Frauengestalt namens Lore Leigh.

00:16:58: Der Roman verschwand weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein.

00:17:02: die von Britano geschaffene Figur blieb.

00:17:05: Ich gebe euch jetzt den Inhalt dieser Ballade wieder.

00:17:08: Das ist eine Erzählung, ein erfundener literarischer Text – ich erzähle Sie so wie sie dort steht!

00:17:14: Zu Bacharach am Rhein, So beginnt es wohnt eine Zauberin.

00:17:19: Sie heißt Lore Ley.

00:17:20: Sie ist schön, so schön dass jeder Mann der sie ansieht ihr verfällt.

00:17:25: und das ist ihr Problem nicht Ihr Werkzeug.

00:17:28: Die Männer die ihr begegnen gehen an ihr zugrunde.

00:17:31: Sie selbst hat davon nichts.

00:17:34: Die Menschen der Umgebung sind überzeugt, dass hier Zauberei im Spiel sein muss.

00:17:38: Sie bringen sie vor dem Bischof damit er über sie richtet.

00:17:41: Der Bischoff sieht sie an und auch er kann sich ihrer Wirkung nicht entziehen!

00:17:46: Er bringt es nicht fertig, sie zu verurteilen – er fragt sie stattdessen warum sie das tue.

00:17:52: Ihre Antwort ist der Kern der ganzen Ballade und sie isst nicht das was man erwartet.

00:17:57: Sie sei unglücklich verliebt, ihr Geliebter habe sie verlassen und sie wolle sterben weil ihre Kraft ihr nichts nütze.

00:18:08: Im Britannus Text bittet sie also selbst um den Tod.

00:18:12: Der Bischof bringt das nicht über sich.

00:18:14: Er beschließt einen Kompromiss.

00:18:16: Sie sollen ins Kloster gehen.

00:18:18: Drei Ritter werden abgestellt um sie dort hinzubringen.

00:18:21: Auf dem Weg kommen sie an den Felsen am Rhein.

00:18:24: Sie bittet die Ritter noch einmal hinaufsteigen zu dürfen, sie will von oben aus ein letztes Mal in Richtung der Burg ihres Geliebten sehen.

00:18:32: Die Ritter erlauben es – sie steigen mit hinauf.

00:18:36: Oben steht sie am Rand.

00:18:38: Unten auf dem Fluss zieht ein Schiff vorbei.

00:18:41: Sie glaubt ihren Geliebn darin zu erkennen, ruft, beugt sich vor und stürzt ihnen rein!

00:18:48: So schließt es, halt ihr Name vom Felsen wieder.

00:18:57: Das Echo das die Reisenden hörten ist in dieser Erzählung ihre Stimme!

00:19:17: Sie stirbt am Ende.

00:19:24: Sie wird nicht zum dauerhaften Wesen auf dem Felsen, sie stürzt

00:19:28: hinab.".

00:19:29: Drittens und das ist der wichtigste Punkt – Das Ganze ist gebaut wie eine Erklärungsgeschichte!

00:19:34: Am Anfang steht eine Frage nämlich woher das Echo kommt?

00:19:38: Am Ende steht die Antwort.

00:19:40: Fachlich nennt man so etwas eine Ethiologie, eine Ursprungserzählung.

00:19:45: Britano nimmt ein reales Phänomen an einem realen Ort und legt eine erfundene Ursache darunter.

00:19:51: Und noch etwas.

00:19:53: Britano ist der erste von dem wir wissen, dass er den Namen des Felsens auf eine Frau überträgt.

00:19:58: Vor eighteenhundert-eins gibt es dafür keinen Beleg – Der Fels heißt Lurley und seit diesem Gedicht heißt eine Frau so.

00:20:32: Britanno selbst kam auf den Stoff zurück.

00:20:35: Zwischen etwa achtzehnhunderteen und achtzehnhundert zwölf arbeitete er an seinem Rheinmärchen einem Zyklus um den Rhein und den Müller Radlauf.

00:20:43: Darin erscheint Frau Lourelay erneut, aber anders als spätere Kurzfassungen ist oft erzählen.

00:20:51: Sie sitzt in einer Felsenburg in einem Saal auf sieben Drohnen, bewacht den Nibelungen Hoardt und hat sieben Töchter.

00:20:58: Ruf der Schiffer vom Rhein zu ihr hinauf, ruft sie ihre Töchter – deren Antwort kehrt als vielfaches Echo zurück.

00:21:05: Britano bezeichnet Frau Lurelay in diesem Märchen ausdrücklich als Tochter der Fantasie und verbindet sie mit dem

00:21:11: Echo.".

00:21:12: Der berühmte goldene Kamm kommt in einer späteren Szene ebenfalls vor.

00:21:16: Dort kennt die Figur Murmeltier das Haar von Frau Lourelay und Frau Elze.

00:21:21: Das ist aber nicht die spätere Szene einer Frau, die allein über dem Strom sitzt, sinkt und schifferabsichtlich in den Tod lockt – diese vertraute Bildform entstand erst durch weitere Bearbeitungen!

00:21:33: Ein Detail zur Veröffentlichungsgeschichte, dass ich wichtig finde….

00:21:37: Diese Rheinmärchen sind zu Britannus-Lebzeiten nicht erschienen.

00:21:42: Herausgegeben wurden sie erst eighteenhundertsechsenvierzig, vier Jahre nach seinem Tod durch Guido Görres.

00:21:48: Für die Verbreitung des Lorelei Bildes im frühen neunzehnten Jahrhundert konnten Sie also unmittelbar keine Rolle spielen – Die Figur, die dann berühmt wurde hat sich auf anderen Wegen

00:21:58: entwickelt.".

00:21:59: Damit sind wir bei dem Schritt der aus einem Gedicht eine Sage macht und der ist gut dokumentiert!

00:22:05: Niklas Vogt, ein Historiker aus dem Mainzer Umfeld verarbeitete eighteenhundertelft in Stoff.

00:22:11: Er stellte die Stimme einer am Felsen zu Tode gekommenen Frau als ältere Überlieferung dar.

00:22:16: Nach späteren Berichten nahm er diese Einordnung zurück, als er erkannte das Britano die Figur erfunden hatte.

00:22:22: Das ist der entscheidende Übergang!

00:22:24: Ein zehn Jahre alter Kunsttext erhält den Anschein einer überlieferten Sage.

00:22:29: Weil Vogts genaue Darstellung selbst nur über die Forschungsgeschichte greifbar ist, sollten wir hier nicht mehr behaupten als die Quellen tragen.

00:22:37: Der Vorgang zeigt ein häufiges Muster – eine Geschichte kann durch die Autorität des Mediums glaubwürdig wirken auch wenn ihre Herkunft nicht geprüft wurde.

00:22:51: Alois Wilhelm Schreiber, Schriftsteller und Reiseschriftstelle aus Baden nahm die Geschichte eighteenhundertzwölf in seinen Handbuch für Reisende am Rhein auf.

00:23:00: Achtzehnhundertachzehn erschien eine stark erweiterte zweite Ausgabe.

00:23:04: Die unterschiedlichen Jahreszahlen, die man dazu findet bezeichnen also verschiedene Ausgaben und nicht zwingend einen Widerspruch.

00:23:12: In Schreibers Darstellung steht die Lorelei neben anderen Reinüberlieferungen und kann deshalb wie eine ältere Sage wirken Aus der unglücklich verliebten wird zudem stärker eine singende Wasser- und Zaubergestalt.

00:23:24: Schreiber's Reinhandbuch war verbreitet, wurde auch von englischsprachigen Reisenden genutzt.

00:23:30: Wer damit den Rhein bereiste konnte die Geschichte direkt am bezeichneten Felsen lesen.

00:23:35: Man muss sich klar machen was das bedeutet!

00:23:37: Der Reiseführer war das Bindeglied.

00:23:39: Er brachte die erfundene Geschichte an den realen Ort und legte sie den Leuten in dem Moment vor indem Sie hinschauten.

00:23:47: Für einen Reisenden von eighteenhundertzwanzig gab es keinerlei Anlass daran zu zweifeln.

00:23:52: Der Felsen war da, das Echo war da – die Sage stand gedruckt im Buch!

00:23:57: Wir sind jetzt in den Jahren zwischen achtzehnhundertsechs und achtzehundertfünfzehn und ich muss kurz die politische Lage einblenden weil sonst nicht verständlich wird warum eine Rheinsage in diesem Moment auf so fruchtbaren Boden fiel.

00:24:14: Das linke Reihenufer gehörte über anderthalb Jahrzehnte zu Frankreich.

00:24:18: Die Frage, wem dieser Fluss gehört war eine Hochpolitische und in genau dieser Phase begann eine Bewegung die man später Rheinromantik genannt hat – die Wiederentdeckung des Flusses als Landschaft, als Geschichtsraum, als Ort von Burgen, Ruinen und Sagen.

00:24:34: Der Rhein wurde zum Sehnsuchtsort.

00:24:36: Reisende aus England kamen in wachsender Zahl, angezogen von einer Landschaft die genau das lieferte was die Romantik suchte – Steilhänge, Ruinen, Nebel, Geschichte.

00:24:47: Lord Byron widmete dem Rheintal, im dritten Gesang seines Fers Epos Child Harold's Pilgrimage-Trophen, die europaweit gelesen wurden.

00:24:59: In dieser Stimmung war eine Frauengestalt auf einem Felsen über dem Rhein besonders anschlussfähig.

00:25:04: Das ist eine historische Deutung, keine beweisbare Einzelursache für ihren Erfolg.

00:25:10: Parallel dazu greifen andere Dichter den Stoff auf und formen ihn weiter.

00:25:14: In mehreren Bearbeitungen wird die Figur dunkler und gefährlicher.

00:25:18: Joseph von Eichendorf schrieb ein Gedicht mit dem Titel Waldgespräch.

00:25:22: Entstanden ist es um eighteenhundertzwölf, veröffentlicht wurde es achtzehnhundertfünfzehn eingebunden in seinen Roman Ahnung und Gegenwart.

00:25:31: Ich gebe euch den Inhalt wieder als Erzählung.

00:25:33: Ein Reiter trifft im Wald spät am Abend eine schöne Frau.

00:25:37: Er bietet ihr an sie nach Hause zu bringen Und spricht sie darauf an wie schön sie sei.

00:25:42: Sie warnt ihn!

00:25:43: Sie sagt ihm die Männerlist sei groß Sein Horn klinge wunderbar und er solle fliehen.

00:25:48: Er wisse nicht wer sie sei.

00:25:50: Dann erkennt er sie.

00:25:51: Er sagt, sie sei die Hexe Lorelei und sie bestätigt es.

00:25:55: Sie sagt ihm Es sei schon spät, es sei schon kalt Und er werde nimmer mehr aus diesem Wald herauskommen.

00:26:03: Hier ist die Verwandlung deutlich sichtbar.

00:26:05: Eichendorf's Figur steht nicht am Rhein sondern im Wald.

00:26:09: Sie isst keine verzweifelte Meer Sondern eine Hexe.

00:26:12: Das Gedicht kündigt an Dass der Reiter den Wald nicht mehr verlassen werde.

00:26:16: Ob-und wie die Lorelei seinen Tod beabsichtigt wird nicht ausdrücklich erzählt.

00:26:21: Das Gedicht wurde später von Robert Schumann vertont und fand als Teil des Liederkreises Opus neununddreißig seinen Weg in die Konzertsäle.

00:26:30: Es ist heute weniger bekannt, aber es zeigt wie schnell sich die Figur von ihrem Ursprung löste.

00:27:02: Der nächste Schritt kommt von einem Autor den heute kaum noch jemand kennt... Otto Heinrich Graf von Löben, geboren in den letzten Jahren.

00:27:09: Geboren im April der ersten Zeit, gestorben am dritten April, im Jahr die erste Zeit.

00:27:14: Keine neununddreißig Jahre alt.

00:27:17: In den vergangenen Jahren veröffentlichte er ein Gedicht mit dem Titel «Der Lurley Fels».

00:27:23: Bei Löben sitzt ein Zauberfräulein auf dem Felsen und ihr Blick und ihr Gesang sind gefährlich.

00:27:28: Das Gedicht warnt den Schiffer jedoch ausdrücklich davor zu glauben sie meine ihn!

00:27:33: Zugleich heißt es, er solle die Tücke des Wassers scheuen denn die Flut bleibe falsch und kühl.

00:27:39: Von einem eindeutig vorsätzlichen Mord erzählt der Text

00:27:42: nicht.".

00:27:43: Damit rückt Löben die Frauengestalt in das Bild, dass später vertraut wird.

00:27:47: Oben der Fels und der Gesang unten der gefährdete Schiffer.

00:27:51: Die Absicht der Figur bleibt dabei offen.

00:27:54: Für unsere Chronologie ist Löbens Gedicht aus einem anderen Grund wichtig Er gilt als eine der wahrscheinlichsten Vorlagen für den Text, der drei Jahre später alles überstrahlen wird.

00:28:32: Heinrich Heine, geboren in Düsseldorf, gestorben in Paris in Paris, ist im Jahr eighteenhundertzehn und zwanzig Jahre alt, Student, Jude in einem Land das ihm viele Berufswege verschließt und ein Dichter, der die Romantik gleichzeitig beherrscht und durchschaut.

00:28:50: Zur Entstehung des Gedichts gibt es eine ziemlich präzise Eingrenzung.

00:28:54: Es ist zwischen Januar, und März, entstanden vermutlich im Sommer oder Herbst, der erste Druck erfolgte am sechsenzwanzigsten März in der Zeitschrift Der Gesellschafta wo es einen Gedichtzyklus eröffnete.

00:29:13: Später ordnete Heine es in seinen Zyklus die Heimkehr ein.

00:29:17: dort an zweiter Stelle.

00:29:19: In dieser Position ist es in allen weiteren Auflagen geblieben.

00:29:23: Der Zyklus erschien eighteenhundertsechsenzwanzig im ersten Teil der Reisebilder und achtzehnhundertsiebenzwanziger wurde erteilt des Bandes, der Heine weltberühmt machen sollte – dem Buch der Lieder.

00:29:35: Dieser Band erlebte zu Heinis Lebzeiten zwölf Auflagen.

00:29:39: Das Gedicht ist gemeinfrei ich kann es euch also vollständig vorlesen.

00:29:43: Es hat sechs Strophen.

00:29:45: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten?

00:29:47: Dass ich so traurig bin.

00:29:49: Ein Märchen aus alten Zeiten – das kommt mir nicht aus dem Sinn!

00:29:53: Die Luft ist kühlen und dunkelt Und ruhig fließt er rein.

00:29:58: Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein.

00:30:02: Die schönste Jungfrau sitzt Dort oben wunderbar.

00:30:06: Ihr goldenes Geschmeide blitzet Sie kämmert ihr goldenes Haar.

00:30:10: Sie kämet es mit goldenem Kammel Und singt ein Lied dabei.

00:30:14: Das hat eine wundersame, gewaltige Melodei.

00:30:18: Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh.

00:30:22: Er schaut nicht die Felsenriffe er schaut nur hinauf in die Höhe.

00:30:27: Ich glaube die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn Und das hat mit ihrem Singen die Lore leigetan.

00:30:37: Der Satz steht ganz vorne in der dritten Zeile.

00:30:47: Ein Märchen aus alten Zeiten.

00:30:50: Zu dem Zeitpunkt, an dem Heine das Schreibt ist die Geschichte etwa zwanzig Jahre alt.

00:30:54: Sie stammt aus einem gescheiterten Roman eines Zeitgenossen.

00:30:57: sie ist ungefähr so alt wie Heine selbst.

00:31:01: Ich sage nicht dass Heine hier gelogen hat.

00:31:03: Wir wissen nicht sicher, was er über die Herkunft des Stoffes wusste.

00:31:06: Als Vorlagen kommen die Bearbeitungen von Schreiber und von Löben in Frage – und in denen war die Geschichte bereits als Sage etikettiert!

00:31:15: Möglich ist also das Erselbst glaubte aus alten Bestand zu schöpfen.

00:31:19: Möglich ist auch dass die Formulierung eine bewusste Setzung ist — ein Ton den ein romantisches Gedicht damals anschlagen

00:31:26: musste.".

00:31:28: Was sich sagen lässt, mit der Formulierung Märchen aus alten Zeiten erhält der junge Stoff im Gedicht den Klang überlieferter Vergangenheit.

00:31:36: Das ist eine illiterarische Ramung keine historische Datierung und keine überprüfbare Tatsachenbehauptung.

00:31:43: Zum Inhalt heine greift Motive auf die in bereits veröffentlichten Bearbeitungen vor allem bei Schreiber- und Löben vorbereitet waren.

00:31:51: Auf Britannus damals noch unveröffentlichte Rheinmärchen lässt sich eine direkte Übernahme nicht stützen.

00:31:58: Die Frau sitzt oben, kämmt goldenes Haar mit einem goldenen Kamm und singt.

00:32:02: Der Schiffer sieht nach oben statt auf die Felsriffe – und der Fluss holt ihn!

00:32:06: Was Heine dazu tut ist die Perspektive.

00:32:10: Das Gedicht beginnt nicht mit ihr, sondern mit einem Ich das traurig isst und ich weiß warum.

00:32:16: Es endet nicht mit einer Feststellung, sondern ein Zweifel.

00:32:20: Ich glaube die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn.

00:32:24: Nicht so wahr ist, sondern ich glaube so wird es ausgehen!

00:32:27: Diese Doppelbödigkeit ist der Grund warum über dieses Gedicht bis heute gestritten werden.

00:32:32: Wir kommen am Ende ausführlich darauf zurück.

00:32:42: Er schrieb eine schlichte, strophische Melodie im Volksliedton wie sich für Köre-, Gesangsvereine und den Schulgebrauch eignete.

00:32:53: Siljas Vertonung trug entscheidend dazu bei dem Text in Köre-Schulen- und Gesangvereine zu bringen.

00:33:00: Ein Volkslied ist weder per Definition alt noch anonym aber die schlichtestrophische Form ließ das Stück wie überliefertes Liedgut wirken und konnte so das Missverständnis eines hohen Alters verstärken.

00:33:11: Innerhalb weniger Jahrzehnte hatte sich die Lorelei so vollständig in den Bestand der deutschen Volkslieder eingefügt, dass ihr literarischer Ursprung im allgemeinen Bewusstsein verschwand.

00:33:22: Ein vergleichbarer Fall ist Goethes Heidenröslein das ebenfalls als Volkslied wahrgenommen wird obwohl es einen bekannten Autor hat.

00:33:31: Siljas Fassung war nicht die einzige sie war nur die erfolgreichste.

00:33:34: Im neunzehnten Jahrhundert entstanden neben ihr über vierzig weitere Vertonungen des Heine-Textes.

00:33:40: Zu den bekanntesten Zählen.

00:33:42: Franz Liszt komponierte seine Fassung im November, in Kassel.

00:33:48: Sie gilt als eines seiner frühsten Lieder überhaupt – geschrieben für Mezzo-Sopran oder Tenor mit Klavier und er widmete sie Marie de Gould mit der Eintragung für Marie.

00:33:59: geschrieben Später überarbeitete Liszt das Stück in den Achtzehnhundertfünfzigerjahren, orchestrierte es Achtzenthundertsechzig und diese Fassung erschien Achtzenhundertzeinzechszig im Druck.

00:34:11: Seine Lorelei arbeitet mit Tonmalerei und einer szenischen Stimmungsschilderung die mit sichers schlichterweise nichts gemeinhart hat.

00:34:20: Clara Schumann schrieb, dass ein Lied für Singstimme und Klavier nach demselben Text ist.

00:34:26: Heine gehört zu den meist vertonten deutschsprachigen Dichtern.

00:34:30: Die Forschung verzeichnet für seine Texte eine außergewöhnlich große Zahl musikalischer Bearbeitungen.

00:34:36: Genaue Zählungen hängen davon ab welche Fassungen und Bearbeitungen einbezogen werden.

00:34:41: Was ich daran bemerkenswert finde Der Text, der die Wirkung eines Gesangs beschreibt wurde selbst immer wieder vertont.

00:34:48: Das Gedicht handelt von einer mächtigen Melodie und erzählt eine ganze Reihe eigener Melodien.

00:35:20: Parallel zur musikalischen Karriere entwickelte sich am Fluss selbst ein Geschäft.

00:35:25: Ab eighteenhundertdreinfünfzig boten die Dampfschiffe der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft Fahrten an bei denen der Felsen zum Programmpunkt gehörte – und dazu gehört auch das Echo.

00:35:36: Überliefert ist eine Praxis, die ich für eines der ehrlichsten Details dieser ganzen Geschichte halte.

00:35:41: Es wurde eigens ein Mann beschäftigt, der das Echo auslöste.

00:35:45: Er feuerte Pistolenschüsse ab oder blies in's Horn damit die Passagiere den Halbe kamen, für denen sie bezahlt

00:35:52: hatten.".

00:35:52: Das ist der Moment, in dem der Kreis sich schließt.

00:35:55: Am Anfang stand ein Echo das früh neuzeitliche Autoren mit Zwergen oder Nymphen beschrieben – am Ende steht nach späteren Berichten einen Angestellter, der den Hall auf Kommando erzeugt damit Reisende das berühmte Phänomen erleben konnten!

00:36:09: Die Lorelei war zu diesem Zeitpunkt bereits eine der festen Stationen der Rheinreise.

00:36:14: Die Reiseliteratur des neunzehnten Jahrhunderts, allen voran die Handbücher, die aus Schreibers Tradition hervorgehen, hatten den Felsen als Pflichtpunkt etabliert.

00:36:28: Er stellt sie seinen amerikanischen Lesern als Ancient Legend of the Rhine vor, als alte Rheinlegende.

00:36:47: Druckt eine englische Übersetzung des Liedtextes ab und sogar die Noten dazu.

00:36:53: Damit ist die Erfindung eines deutschen Romantikers von eighteenhundert eins keine achtzig Jahre später in den Vereinigten Staaten als alterwürdige europäische Überlieferung angekommen gedruckt von einem der meist gelesenen Autoren seiner Zeit.

00:37:07: Trains Buch zeigt jedenfalls, dass die junge deutsche Kunstsage innerhalb weniger Jahrzehnte international als alte Rheinlegende gelesen wurde.

00:37:36: Wir bleiben im neunzehnten Jahrhundert aber wir wechseln von der Kultur in die Politik weil beides in dieser Zeit kaum zu trennen ist.

00:37:43: Der Rhein war seit den napoleonischen Kriegen ein nationales Symbol.

00:37:48: Die Frage, ob er Grenze oder deutscher Strom sei wurde in Liedern, Gedichten und Zeitungen verhandelt.

00:37:54: In dieser Auseinandersetzung wurde die Lorelei zu einer Personifikation des deutschen Reins.

00:38:00: Sie war dabei allerdings nicht die einzige Kandidatin – auch nicht die stärkste!

00:38:04: Für das nationale Pathos war die Germania geeigneter, kriegerischer, wehrhafter.

00:38:10: Die Lorelei blieb daneben das andere Bild, das verführerische, gefährliche und weiche….

00:38:15: Heinis Verhältnis zu Deutschland war komplex.

00:38:18: Er kritisierte chauvinistischen Nationalismus scharf, beschäftigte sich aber intensiv mit deutscher Politik und Kultur.

00:38:34: Wie sehr sich dieser Widerspruch später zuspitzen würde, konnte damals noch niemand ahnen.

00:38:46: Während die Lorelei als Bild weiter wirkte wurde am realen Fluss technisch in die Gefahrenstelle eingegriffen.

00:38:53: In den neunzehnhundertdreißiger Jahren wurden im Reihenbett an dieser Passage Felsen gesprengt.

00:38:58: Riffe, die über Jahrhunderte Schiffe aufgerissen hatten, wurden beseitigt oder abgetragen.

00:39:02: Die Fahrrinne wurde beherrschbarer Die Arbeiten verringerten Gefahren durch einzelne Felsen und Riffe, beseitigten aber weder die Kurve noch die anspruchsvollen Strömungs- und Sichtverhältnisse.

00:39:14: Die Passage wurde technisch sicherer, aber nicht gefahrlos.

00:39:17: Später kamen Lichtsignalstellen hinzu – sie zeigen der Talfahrt an ob und wie viele Bergfahrer sich in den unübersichtlichen Abschnitten nähern.

00:39:26: Außerdem können sie Sperrungen anzeigen.

00:39:29: Sie ersetzen nicht die Verantwortung der Schiffsführung und sind keine einfache Ampelschaltung, die Begegnungen generell verhindert.

00:39:36: Und es gab die Lotzen – wer die Strecke nicht kannte konnte einen ortskundigen Lotzen an Bord nehmen!

00:39:42: Dieser Beruf blieb am Mittlerein bis weit ins zwanzigste Jahrhundert wichtig und verlor erst mit Technik, Ausbildung und veränderten Schiffsantrieben seine frühere

00:39:51: Bedeutung.".

00:39:52: Zurück auf das Plateau, denn dort entstand in den selben Jahren etwas, dass den Ort bis heute prägt.

00:39:57: Die Idee zu einer Freilichtbühne entstand neunzehntundertzweihen dreißig noch vor der nationalsozialistischen Machtübernahme.

00:40:04: ab.

00:40:04: neunzenthundertvierhendreißig übernahmen die neuen Machthaber des Projekts.

00:40:09: zunächst arbeiteten Angehörige des freiwilligen Arbeitstienstes daran Ab neunzenhundertsechsen Dreißig des Reichsarbeitsdienstes.

00:40:17: Der Entwurf stammte vom Architekten Hermann Senf Im August, die Anlage war im Wesentlichen fertiggestellt.

00:40:24: Das Zuschauer-Rund erhielt rund viertausend dreihundert Sitzplätze und Raum für mehrere tausend Stehplätze.

00:40:31: Zeitgenössische Planungen nannten bis zu etwa achttausende bis zehntausenden.

00:40:36: Vorgesehen waren die Anlagen sowohl für Freilichtheater als auch für große politische und kultische Veranstaltungen des Regimes.

00:40:43: Die feierliche Eröffnung fand zur Sommersondenwende neunzehundertneinundreißig statt.

00:40:48: Am vierentzwanzigsten Juni wurde Schillas Wilhelm Tell gespielt.

00:40:52: Freilichtanlagen dieser Art gehörten zum Repertoire der NS-Kulturpolitik, die Landschaft, Geschichte und Massenwirkung miteinander verbannt.

00:41:01: Für welche politischen Veranstaltungen die Lorelay Anlage tatsächlich genutzt wurde muss jeweils einzeln belegt werden – ihre Planung als Ort nationalsozialistischer Repräsentation ist dagegen

00:41:11: dokumentiert.".

00:41:15: Daher kommen wir zu dem Kapitel, das bei diesem Thema am häufigsten erzählt und am seltensten geprüft wird.

00:42:00: Ich gebe euch hier zunächst nur die Fakten in ihrer zeitlichen Abfolge!

00:42:04: Die Auseinandersetzung darüber – was genau davon belegt ist – führen wir im Teil am Ende, weil sie dorthin gehört.

00:42:12: Heinrich Heine war Jude.

00:42:14: Das machte ihn für die nationalsozialistische Kulturpolitik zu einem Autor, der aus dem deutschen Kanon verschwinden sollte.

00:42:21: Seine Werke wurden verboten – aus Bibliotheken entfernt und bei den Bücherverbrennungen von.

00:42:31: Das Lorelai-Lied war zu diesem Zeitpunkt seit rund hundert Jahren fester Bestandteil des deutschen Liedguts.

00:42:37: Es stand in Schulliedbüchern, es wurde in Vereinen gesungen und es war in einem Maß präsent das ein Verbot praktisch undurchführbar machte.

00:42:45: Belegt ist dass es nach neunzehnhundertdreißig anonyme Veröffentlichungen des Liedes gab, in denen nur noch Friedrich Silcher als Komponist genannt wurde und der Verfasser des Texts fehlte.

00:42:57: Weit verbreitet ist außerdem die Darstellung in Liederbüchern jener Zeit habe unter dem Titel Ausdrücklich der Zusatz Dichter Unbekannt gestanden.

00:43:06: Diese Darstellung findet man in unzähligen Büchern, Aufsätzen und Sendungen – ob sie zutrifft, ist Gegenstand einer Fachdebatte, die ich euch später vorstelle!

00:43:15: Die Freilicht-Bühne wurde nach Nr.

00:43:26: änderte sich das Publikum.

00:43:27: Im Juli, in den letzten Jahren spielte Genesis eines der frühen Großen Rockkonzerte auf der Lorelei.

00:43:34: Von da an entwickelte sich die Anlage zu einer der bekanntesten Open-Air Bühnen Deutschlands.

00:43:39: Zwischen in den ersten Jahren von dem Jahr war hier das Bizarre Festival statt.

00:43:46: Über die Jahrzehnte trat eine Reihe von Künstlern auf, die von Bob Dylan bis Metallica erreicht.

00:43:51: Nach mehreren Umbauten und Sanierungen wird die Bühne bis heute für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt.

00:43:58: An einer Anlage, die das NS-Regime für seine Kultur- und Massenwirkung beanspruchte, findet seit Jahrzehnten internationale Rockmusik statt.

00:44:07: Die Nutzung hat sich grundlegend verändert – die monumentale Form ist geblieben.

00:44:12: Passt.

00:44:12: zweihundert Jahre lang war die Lorelay ein Texteinlied Ein Bild in Köpfen.

00:44:18: In der Mitte von St.

00:44:19: Paul.

00:44:19: in Frankreich wurde die Figur der Stadt übergeben und am Rhein aufgestellt.

00:44:25: Die Bildhauerin Natascha Alexandrovna Prinzessin Yusopo, die in St.Paul in Frankrich lebte, schuf eine Lorelai-Statur.

00:44:35: Aufgestellt wurde sie nicht oben auf dem Felsen sondern unten auf der Hafendamm des Lorelaihafens bei St.Gorshausen direkt am Wasser.

00:44:44: Der Standort war vertraglich mit der Stadt St.

00:44:46: Gorshausen festgelegt.

00:44:49: Wer heute dorthin läuft, steht neben einer sitzenden Frauenfigur die aufs Wasser blickt – mit dem Felsen im Rücken.

00:44:55: Bei Hochwasser steht sie regelmäßig in den Fluten.

00:44:58: Über die künstlerische Qualität lässt sich streiten.

00:45:01: Interessant ist etwas anderes!

00:45:03: Rund einhundert-achtzig Jahre nach Brentanos Ballade wurde die literarische Figur am Ort als Denkmal sichtbar.

00:45:10: Ein Denkmal beweist keinen Glauben an ihre historische Existenz, wohl aber auch an ihre kulturelle Wirkung.

00:45:17: Im Jahr zweitausend eröffnete auf dem Plateau ein Besucherzentrum mit einem Museum das die Geschichte des Felsens der Sage und der Schifffahrt aufbereitet.

00:45:26: Zwei Jahre später kam die Entscheidung, die den Umgang mit der gesamten Region verändert hat.

00:45:30: In zwei Jahren nahm die UNESCO das obere Mittelrheintal in die Welterbeliste auf.

00:45:36: Die Fakten dazu?

00:45:37: Das Gebiet erstreckt sich über rund sixty-fünf Kilometer Rheinlauf zwischen Bingen und Rüdesheim im Süden und Koblenz im Norden, über die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen.

00:45:52: Begründet wurde sie damit, dass es sich um eine außergewöhnliche organisch gewachsende Kulturlandschaft handelt, die seit zwei Jahrtausenden Handel und kulturellen Austausch zwischen dem Mittelmeerraum und Nordeuropa ermöglicht hat.

00:46:05: Rund vierzig Burgen, Festungen und Schlösser prägen das Bild!

00:46:09: Ausdrücklich gehört zur Begründung auch die kulturelle Wirkung.

00:46:13: Das Tal ist der Ort, an dem sich die Rheinromantik ausgebildet hat – mit allem was daraus an Dichtung, Malerei und Musik hervorgegangen ist!

00:46:21: Die Lorelei verkörpert besonders anschaulich jene kulturellen Verbindungen, die die UNESCO in ihrer Begrünnung beschreibt.

00:46:34: Als anhaltende Probleme des Gebietes werden unter anderem die Lärmbelästigung durch die Bahnstrecken in beiden Talseiten benannt sowie der wirtschaftliche Druck auf den traditionellen Weinbau.

00:47:10: Dass die Passage auch im XXI Jahrhundert kein Selbstläufer ist, zeigten zwei Ereignisse innerhalb von acht Jahren – das erste war ein Niedrigwasserunfall.

00:47:20: Am August, September, hat das Fahrgast Schiff MS Lorelei Grundberührung.

00:47:27: An Bord waren dreihundertneunundvierzig Passagiere und elf Besatzungsmitglieder.

00:47:31: Einenundvierzig Menschen wurden verletzt – mehrere kamen ins Krankenhaus.

00:47:35: Das Schiff wurde erst im Jahr zwanziviert nach einem Umbau in MS Rheinvision umbenannt.

00:47:42: An der Messstelle bei Kaup wurde damals ein außergewöhnlich niedriger Wasserstand festgestellt.

00:47:47: Die dort angezeigte Pegelhöhe darf jedoch nicht mit der tatsächlichen Wassertiefe in der Fahrrinne verwechselt werden.

00:47:53: Entscheidend war, dass über den Untiefen nur wenig Wasser stand und die Propeller nach der Grundberührung ausfielen.

00:48:00: Das ist ein Gefahrenbild das in keiner Sage vorkommt – kein Gesang, keine Verführung sondern Niedrigwasser, Grundberörung.

00:48:10: Das zweite Ereignis war schwerer.

00:48:12: Am dreizehnten Januar, das Tankmotorschiff Waldorf kennt hatte am Betteg bei Rheinkilometer fünfundunddreiundfünfzigkommasiebenfünf.

00:48:21: Es hatte rund zweitausend dreihundertseitig Tonnen Schwefelsäure geladen.

00:48:25: Von vier Besatzungsmitgliedern wurden zwei gerettet.

00:48:29: Ein Besatzungsmitglied starb, ein weiteres blieb vermisst.

00:48:32: Der Untersuchungsbericht der Zentralkommission für die Reinschifffahrt stellte fest, dass die Stabilität des Schiffes für diese Ladung und ihre Verteilung nicht ausreichend nachgewiesen war.

00:48:42: Die Schwefelsäure hatte eine Dichte von etwa ¼ Tonnen pro Kubikmeter – während die vorhandenen Stabilitätsunterlagen nur bis ½ reichten.

00:48:52: Zudem waren alle sieben Ladetanks nur teilweise gefüllt!

00:48:56: Dadurch entstanden große freie Flüssigkeitsoberflächen, die die Stabilität zusätzlich verminderten.

00:49:02: Die Untersuchung diente ausdrücklich der Unfallaufklärung – nicht der Feststellung zivil oder strafrechtlicher Schuld!

00:49:09: Die Bergung und die zeitweise Sperrung des Rheins beeinträchtigten die Schifffahrt erheblich.

00:49:15: Der Bericht formulierte Sicherheitsempfehlungen unter anderem zu Stabilitätsberechnungen, Beladung.

00:49:23: Weitgehende Behauptungen, bestimmte spätere Verkehrs- oder Ausrüstungspflichten seien unmittelbar allein durch dieses Unglück eingeführt worden.

00:49:31: Lassen sich aus dem Bericht nicht

00:49:33: ableiten.".

00:49:34: Ein Toter und ein Vermister an der Lorelay im Januar, Keine Sage – Ein Untersuchungsbericht.

00:49:54: Die letzten beiden Jahrzehnte handeln von einer Frage die für das Tal bis heute nicht entschieden ist.

00:49:59: Wie viel Nutzung verträgt eine Welterbe?

00:50:01: Im Mai, hier eröffnete auf dem Plateau eine Sommerrodelbahn.

00:50:06: Die Abfahrtstrecke ist rund siebenhundert Meter lang und verläuft über eine Wiese – die Reaktion kam schnell!

00:50:12: Im Juni, im Fall das Welterbekommitee Deutschland die endgültige Genehmigung zu verweigern, die Bahn abzubauen und die Fläche zu renaturieren.

00:50:22: Das war eine deutliche fachpolitische Forderung des Komites aber kein unmittelbar vollstreckbarer deutscher Verwaltungsakt.

00:50:29: Zurückgebaut wurde sie nicht.

00:50:31: Der Betreiber verfügte über eine Baugenehmigung, das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hatte einen Eilantrag des Bund gegen das Vorhaben bereits Ende zwölf abgelehnt.

00:50:42: Die UNESCO Empfehlung hob die innerstaatliche Genehmigung nicht auf.

00:50:46: Parallel dazu lief eine neue Gestaltung des gesamten Plateaus.

00:50:53: Im Herbst, sie begann die Bauarbeiten.

00:50:57: In dem Jahr wurde der Kultur- und Landschaftspark Lorelay eröffnet.

00:51:01: Dazu gehören unter anderem gestaltete Wege über das Plateau, die die Besucher zum Felsen um ihn herumführten.

00:51:08: Der nächste große Einschnitt ist bereits terminiert!

00:51:11: Der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal erhielt den Zuschlag für eine Bundesgartenschau.

00:51:17: Ursprünglich für im Jahr two-tausenddreißig, mit Beschluss vom fünften Oktober zwei-tauzehnundachzehnten vorgezogen auf das Jahr zwei-tausendneunzwanzig.

00:51:26: Diese Gartenschau soll sich über siebenundsechzig Kilometer Rheinlänge zwischen Koblenz im Norden und Bingen und Rüdesheim im Süden erstrecken.

00:51:33: Nach dem aktuellen Planungsstand umfasst das Budget onehundertzweiundvierzig Millionen Euro.

00:51:39: Die Bundesgartenschau sollte vom neunzehnte April bis siebten Oktober zweitausendneinzwanzigs stattfinden!

00:51:44: Vorgesehen sind acht Parks.

00:51:46: Der Landschaftspark Lorelei ist einer von fünf eintrittspflichtigen Bundesgartenschau-Parks, damit sind wir in der Gegenwart angekommen.

00:51:55: Das war die Geschichte der Reihe nach Von einem Meeresboden im Devon Über eine eiszeitliche Befestigung, einen überlieferten Einsiedler am Rhein, ein Schatz im Berg, Zwerge im Echo.

00:52:07: Ein gescheiterten Roman von eighteenhunderteins.

00:52:09: Einen Historiker der sich erte, einen Reiseführer der den Irrtum verbreitete.

00:52:14: Dichter die aus einer verzweifelten und gefährlichen Zauberfrau formten.

00:52:18: Eine Melodie von achtzehnhundertsiebenunddreißig, die den Text weiterhin bekannt machte bis hin zu Sprengungen, Lotsen, Konzerten, einer Bronzufigur dem Waldhof um... Unglück von zehntausend elf und einer Gartenschau im Jahr zweitausend neunundzwanzig.

00:52:34: Jetzt drehen wir uns um und schauen uns an, was das alles bedeutet.

00:52:52: Beginnen wir mit dem Phänomen, dass am Anfang von allem stand und schauen wir es uns physikalisch an!

00:52:58: Ein Echo entsteht wenn Schall auf eine Fläche trifft und zurückgeworfen wird.

00:53:02: Ob wir den Rückwurf als eigenes Ereignis oder nur als Nachhall wahrnehmen hängt unter anderem vom Signal laut Stärke- und Umgebung ab.

00:53:11: Als grober Bereich werden oft etwa fünfzig bis einhundert Millisekunden genannt.

00:53:15: Bei einer Zehntelsekunde in einer Schallgeschwindigkeit von rund dreihundertvierzig Metern pro Sekunde liegt die reflektierende Fläche wegen Hin- und Rückweg ungefähr siebzehn Meter entfernt.

00:53:25: An dieser Stelle des Rheintals stehen sich steile Fels- und Hangflächen gegenüber, das Reisende dort ein starkes und teils mehrfaches Echo beschrieben ist historisch belegt.

00:53:35: Welche Flächen welchen einzelnen Rückwurf erzeugten, ließe sich jedoch nur durch Messungen sicher bestimmen.

00:53:41: Mehrere unterschiedlich weit entfernte Reflektionsflächen können zeitlich versetzte Rückwürfe erzeugen – das ist eine plausible physikalische Erklärung für die historische Rede von einem mehrfachem bis zu siebenfachem Echo.

00:53:54: In älteren Beschreibungen wird außerdem ein Wasserfall am Galgenbach erwähnt.

00:53:58: Ich habe keine belastbare moderne Messreihe gefunden, die das historische Echo mit heutigen Verhältnissen vergleicht.

00:54:04: Deshalb sage ich dazu nichts

00:54:05: Verbindliches.".

00:54:06: Was sich aber feststellen lässt – Die akustischen Randbedingungen an diesem Ort haben sich im zwanzigsten Jahrhundert erheblich verändert.

00:54:13: Es wurde im Flussbett gesprengt!

00:54:16: Auf beiden Talseiten verlaufen stark befahrene Bahnstrecken, dazukommen Straßen- und Schiffsverkehr.

00:54:21: Ein Ort an dem man früher eine Stimme rufen und auf Antwort warten konnte ist heute ein Ort mit permanentem Grundgeräusch.

00:54:29: Die Bilder von Zwergen und Nymphen zeigen wie gelehrte das echo literarisch und mythologisch beschrieben.

00:54:34: Daraus folgt nicht dass Menschen der Zeit keine physikalische Vorstellung vom Echo hatten oder die Gestalten wörtlich für real hielten.

00:54:42: Belegt es die Bildsprache.

00:54:44: Alles Weitere wäre Spekulation.

00:54:46: Der zweite reale Faktor ist die Hydraulik und der ist tödlicher als die Akustik.

00:54:52: Wenn sich der durchströmte Querschnitt eines Flusses verändert, verändern sich auch Geschwindigkeit- und Strömungsbild.

00:54:57: An der Lorelei kommen eine enge Fahrrinne große Tiefe, die ausgeprägte Kurve und je nach Wasser stand unterschiedliche Strömungen zusammen.

00:55:06: Starre Angaben zu Breite und Tiefe schwanken nach Messpunkt und Pegel.

00:55:10: Die Strecke gehört jedoch unstreitig zu den engsten und tiefsten Abschnitten des Mittelrheins.

00:55:15: Dazu kommt die Kurve, in einer Flusskrümmung fließt das Wasser außen schneller als innen.

00:55:20: Es entstehen Querströmungen und Walzen, die ein Fahrzeug nicht spürbar anschieben sondern zeitlich versetzen.

00:55:27: Ein Schiff, dass genau gerade auszufahren scheint treibt in Wahrheit quer zur Fahrtrichtung.

00:55:33: Für die Schifffahrt vor der Motorisierung war es eine sehr konkrete Gefahr.

00:55:37: Große Flöße waren Träge und schwer zu manövrieren.

00:55:40: Segel- und Tridelfahrzeuge hatten nur begrenzte Möglichkeiten, einer seitlichen Strömung entgegenzuwirken – unter Wasser lagen zudem bis in die neunzehnhundertdreißiger Jahre Riffe.

00:55:51: Es gibt noch einen dritten Faktor der in keiner Sage vorkommt — Die Sichtverhältnisse.

00:55:56: In einer engen Krümmung sieht man nicht, wer entgegen kommt.

00:55:59: Zwei große Fahrzeuge die sich in der Engstelle begegnen haben wenig Platz für Fehler.

00:56:03: Die Lichtsignalstellen informieren die Talfahrt über entgegengene Bergfahrer in den unübersichtlichen Abschnitten.

00:56:09: Das solche Signale bestehen und Lotzen hier lange gefragt waren zeigt die bleibende Bedeutung von Sicht, Strömung und Ortskenntnis.

00:56:16: Wenn man das zusammennimmt ergibt sich ein Bild dass ich fast eleganter finde als die Sage.

00:56:22: An dieser Stelle wurden Schiffe nicht von etwas an der Oberfläche abgelenkt, sondern von etwas unter die Oberflächen erfasst.

00:56:28: Die Gefahr war unsichtbar – sie kam von unten!

00:56:31: Als Deutung lässt sich hinzufügen, unsichtbare Gefahren werden in Erzählungen häufig durch handelnde Gestalten anschaulich gemacht.

00:56:39: Die Lorelay gibt der Gefahr ein Gesicht.

00:56:41: Beweisen lässt sich daraus keine einzelne Ursache ihrer Entstehung.

00:57:11: Jetzt zu der Frage, die ich im ersten Teil aufgeschoben habe.

00:57:14: Der zweite Bestandteil ist vergleichsweise klar.

00:57:16: Lei, auch Lai oder Leib bezeichnet im regionalen Sprachgebrauch einen Felsen- oder Stein, stellenweise auch Schiefer.

00:57:24: Eine weiter zurückreichende kältische Herleitung wird häufig genannt ist sprachgeschichtlich aber nicht unumstritten.

00:57:31: Der erste Bestandteil bleibt schwieriger.

00:57:33: Ältere Literatur verbindet ihn mit Wörtern für heulen, rufen, summmen und lauern.

00:57:39: Andere Deutungen beziehen ihn auf sogenannte luren also geister oder elfenartige Wesen.

00:57:45: Keine dieser Herleitungen ist abschließend bewiesen.

00:57:48: Möglich ist deshalb, dass der Name auf den Klang oder das Echo des Felsens anspielte – man darf daraus aber nicht die gesicherte Übersetzung «der Fels der Laut gibt» machen!

00:57:58: Die Ethymologie bleibt offen.

00:58:00: Dass die Figur um eighteenhundert entstand und rasch verbreitet wurde lässt sich im historischen Kontext der Romantik besser verstehen.

00:58:08: Dieser Kontext erklärt nicht alles bietet einen plausiblen Deutungsrahmen.

00:58:12: Die Generation, zu der Brentano gehörte, wuchs in einer Welt auf die Zusammenbrach.

00:58:17: Die französische Revolution hatte die alte Ordnung zerschlagen – die Aufklärung hatte religiöse und ständige Gewissheiten aufgelöst.

00:58:25: Die Koalitionskriege zogen durch Mitteleuropa, das linke Rhein-Ufer wechselte den Staat, das heilige römische Reich stand vor seinem Ende, dass eighteenhundert sechs kamen.

00:58:35: Die Romantik reagierte unter anderem auf diese Umbrüche.

00:58:39: Viele ihre Autoren interessierten sich für das Nächteliche, das Wunderbare, das Volkstümliche und ein neu bewertetes Mittelalter.

00:58:47: Daraus folgten Lied- und Märchensammlungen ebenso wie neue literarische Sagen.

00:58:52: Brentano selbst war an dieser Bewegung führend beteiligt.

00:58:56: Zusammen mit Achim von Arnim gab er zwischen eighteenhundertfünfundachzehnhundertacht die Lidersammlung des Knabenwunderhohern heraus eines der wirkungsmächtigsten Bücher der deutschen Literaturgeschichte.

00:59:08: Und schon dieses Werk ist ein aufschlussreicher Fall, denn Arnim und Brentano haben die Texte nicht dokumentarisch abgedruckt sondern bearbeitet ergänzt teils selbst gedichtet.

00:59:18: Was als Sammlung von Volksliedern erschien war zu erheblichen Teilen Literatur.

00:59:23: Wer das weiß sieht die Lorelei als Teil einer literarischen Praxis die ältere Stoffe sammelte, bearbeitete und neue Überlieferungen im Ton des alten Schufs.

00:59:34: Das macht Brentanus Geschichte nicht zu einer Fälschung.

00:59:36: Im Roman erscheint es als Literatur, erst spätere Einordnungen ließen es wie mündlich überliefertes Volksgutwirken.

00:59:44: Hinzu kam die politische Aufladung des Reins.

00:59:47: Geschichten konnten dazu beitragen, Landschaft als kulturellen Erinnerungsraum zu markieren – sagen, als Besitzansprüche in erzählter Form zu bezeichnen wäre jedoch bereits eine Interpretation und keine allgemein beweisbare Funktion jeder

01:00:01: Sage.".

01:00:02: Ich möchte den Mechanismus, dem wir im ersten Teil chronologisch durchgegangen sind als analytisches Modell zusammenfassen.

01:00:09: Es beschreibt diesen Fall ist aber kein Gesetz nachdem jede Überlieferung entstehen muss – es sind wenn man es zerlegt fünf Schritte.

01:00:17: Erstens jemand erfindet einen Text und knüpft ihn an einen realen auffälligen Ort.

01:00:22: Der Ort liefert die Beglaubigung der Felsen ist echt das Echo ist echt Die Gefahr ist echt nur die Frau ist es nicht.

01:00:30: Zweitens, eine Darstellung mit wissenschaftlicher Autorität behandelt den literarischen Stoff als ältere Überlieferung.

01:00:37: In unserem Fall geschieht das bei Niklas Vogt – nach späteren Berichten korrigierte er diese Einordnung wieder!

01:00:43: Drittens, die Erzählung wird in ein Gebrauchsmedium überführt, dass keine Fußnoten kennt…in unserem Fall der Reiseführer.

01:00:51: Ein Reisefuhrer wird nicht gelesen um Herkunftsfragen zu klären sondern um zu wissen worauf man schaut.

01:00:57: Viertens Die Erzählung erhält Formen, die beim Publikum den Eindruck von Überlieferung fördern können.

01:01:03: Heines Text spricht vom Märchen aus alten Zeiten – Silchas Vertonung steht in der Tradition des strophischen Volksnitons.

01:01:11: Eine schlichte Melodie ist nicht automatisch alt, kann aber so wahrgenommen werden!

01:01:16: Fünftens – die Erzählung geht ins Ausland und kommt als Bestätigung zurück.

01:01:21: Wenn ein amerikanischer Bessellerautor in Nordamerika über die alte Rheinlegende schreibt, dann liest sich das in Deutschland wie ein Beleg von außen.

01:01:29: Nach diesen fünf Schritten wird die Frage nach der Herkunft praktisch nicht mehr gestellt.

01:01:34: Die Geschichte wirkt inzwischen so selbstverständlich überliefert, dass kaum noch jemand nach ihrem Ursprung fragt….

01:01:39: Für dieses Phänomen gibt es Fachbegriffe und ich finde sie gehören in diese Folge, weil sie zeigen dass die Lorelei kein Einzelfall ist.

01:01:46: Der amerikanische Volkskundler Richard M. Dorsen prägte in den Begriff Fake Law für Material, das als echte Volksüberlieferung präsentiert wird – obwohl es modern hergestellt oder stark verändert ist.

01:02:00: Der Begriff ist wertend und in der Forschung nicht unumstritten.

01:02:04: Auf die Lorelei lässt er sich nur dann anwenden wenn eine literarische Erfindung ausdrücklich als alte Überlieferungen ausgegeben.

01:02:11: Nach dieser Unterscheidung ist Brentano kein Fälscher.

01:02:14: Er hat ein Gedicht geschrieben und in einen Roman gestellt.

01:02:18: Fake Lore wird daraus in dem Moment, in dem ein Historiker und Reiseführer die Erfindung als Überlieferung ausgeben.

01:02:26: Der Volkskundler Hans Moser führte in den Verwandten Begriff Volklorismus in die deutsche Fachdiskussion ein.

01:02:34: Er beschreibt die Verwendung und Inszenierung von Volkskultur außerhalb ihres früheren Zusammenhangs häufig auch für Touristen und Unterhaltungen.

01:02:47: auslöst ist dafür ein fast leerbuchhaftes Beispiel.

01:03:16: Fake Lore dort, wo der moderne Ursprung verschleiert wurde.

01:03:20: Volklorismus bei touristischen Inszenierungen.

01:03:23: Erfundene Tradition dort – wo gemeinsames Singen, Denkmäler oder wiederholte Rituale die Erzählung als ererbten Bestandteil

01:03:30: behandeln.".

01:03:31: Das ist eine mögliche wissenschaftliche Einordnung kein abschließendes Etikett!

01:03:36: Schauen wir uns jetzt an, was mit der Frauengestalt selbst passiert ist.

01:03:39: Denn dieser Wandel erzählt mehr über die Zeit als über den Felsen!

01:03:43: Bei Brentano-Achzehnthunderteins ist sie eine Frau, die unter ihrer Wirkung leidet – Sie bittet um den Tod.

01:03:49: Ihre Schönheit ist ein Fluch, den sie nicht bestellt hat und der einzige Mensch, der über sie richten soll, ist selbst befangen.

01:03:56: Man kann das als Gerichtskritik lesen, als Aussage über eine Gesellschaft, die Frauen für die Wirkung verantwortlich macht, die sie auf Männer

01:04:03: haben.".

01:04:04: Bei Eichendorf ist sie eine Hexe.

01:04:06: Sie warnt den Reiter zwar noch, aber sie lässt ihn nach den Worten des Gedichts nicht mehr aus dem Wald.

01:04:11: Ob sie seinen Tod absichtlich herbeiführt bleibt offen.

01:04:14: Bei Löben-Achzehnhundertzwanzig isst sie eine gefährliche Zauberfrau auf dem Felsen – das Gedicht warnt vor ihrem Gesang und zugleich vor der Tücke des Wassers.

01:04:23: Einem Mordvorsatz nennt es nicht!

01:04:26: Bei Heine schließlich sitzt die, kämmt ihr Haar.

01:04:29: Sie handelt also, aber der Text sagt nicht ausdrücklich dass sie den Schiffer anspricht, ruft oder täuscht.

01:04:35: Der Schiffer sieht hinauf und beachtet die Felsenriffe nicht.

01:04:38: Das ist eine bemerkenswerte Konstruktion.

01:04:40: Die Schuld liegt in der letzten Strophe zwar bei ihr Und das hat mit ihrem Singen die Lorelei getan, aber dass ist die Behauptung eines Erzählers der zwei Zeilen vorher noch ich glaube sagt.

01:04:52: Was im Gedicht tatsächlich beschrieben wird es ein Mann denn nicht auf den Weg achtet!

01:04:57: Diese Offenheit ermöglicht verschiedene Lesarten.

01:05:00: Die Lorelei kann als Verursacherin erscheinen.

01:05:02: zugleich bleibt ihre Absicht ungesagt.

01:05:05: Das gerade diese Ambivalenz den langen Nachhalt erklärt ist eine plausible literarische Deutung kein beweisbarer Wirkungsauslöser.

01:05:13: Die Lorelei steht nicht allein, sie steht in einer Motivreihe die viel älter ist als Sie.

01:05:18: In Homer's Odyssey gibt es die Sirenen, Wesen deren Gesangseefahrer anzieht und deren Insel vom Knochen gesäumt ist.

01:05:26: Odysseus lässt sich an den Mast binden und verstopft seinen Gefährten die Ohren mit Wachs.

01:05:31: Auch dort ist die Gefahr akustisch – auch dort geht es um einen Klang, dem man nicht widerstehen kann!

01:05:37: In der europäischen Sagen- und Literaturgeschichte gibt es Wasserfrauen in vielen unterschiedlichen Ausprägungen.

01:05:43: Nixen, Meerjungfrauen, Melosinenstoffe An-Din von eighteenhundertelf.

01:05:50: Diese Figuren sind nicht überall gleich, sie teilen aber einzelne Motive mit der Lorelei – etwa Wasser, Schönheit, Gesang, Fremdtheit oder Gefahr.

01:05:59: Warum solche Motive so verbreitet sind lässt sich nicht auf eine Ursache reduzieren!

01:06:03: Die folgenden drei Punkte sind mögliche Lesarten keine gesicherten Universalerklärungen.

01:06:09: Die erste ist Funktional.

01:06:11: Wasser is tödlich und ertrinken iest ein Tod ohne Kampf, ohne sichtbaren Gegner.

01:06:15: Kulturen erzeugen für solche Tode Handelnde, weil ein Unglück ohne Ursache schwerer auszuhalten ist als sein Ungluck mit Schuldigem.

01:06:23: Die zweite ist sozialgeschichtlich – viele überlieferte Texte wurden von Männern in patriarchal geprägten Gesellschaften aufgeschrieben.

01:06:31: In dieser Lesart kann die gefährliche Wasserfrau männliche Ängste vor weiblicher Sexualität oder vor dem Verlust von Kontrollespiegeln.

01:06:39: Die Dritte ist berufsbezogen – Schifffahrt und Fischerei waren lange stark männlich geprägte, gefährliche Tätigkeiten mit langen Abwesenheiten.

01:06:47: Manche Forschende lesen Erzählungen über Verführung auf den Wasser deshalb auch im Zusammenhang mit Treue, Heimkehr- und Berufsrisiko.

01:06:55: Für die Lorelai speziell kommt hinzu, dass sie eine Besonderheit hat.

01:06:59: Sie ist keine Meeresgestalt – sie gehört zu einem Binnenfluss und zu einem konkreten benannten besuchbaren Felsen.

01:07:06: Man kann zu ihr hinfahren!

01:07:07: Das können die Sirenen nicht bieten.

01:07:10: Über die Frage wie Heines Gedicht zu lesen ist, gibt es unterschiedliche literaturwissenschaftliche Positionen?

01:07:16: Ich stelle euch auch hier drei mögliche Lesarten vor, sie bilden nicht die gesamte Forschung ab.

01:07:21: Erste Lesart Es ist genau das, wonach es aussieht.

01:07:25: Ein romantisches Gedicht über eine schöne gefährliche Gestalt in schlichter Volksliedstrofe mit klarem Bild und klarer Stimmung.

01:07:32: Dafür spricht die Wirkungsgeschichte – Generationen haben es so gelesen und gesungen!

01:07:37: Diese Wirkungsschichte gehört zu den möglichen Bedeutungen des Textes.

01:07:41: Die zweite Lesart ist….

01:07:45: Heine gilt als der Autor, der die romantischen Mittel beherrschte und sie gleichzeitig vorführte.

01:07:50: Für diese Lesart spricht die Bauweise des Textes das Ich glaube in der Schlussstrufe dass jede Aussage relativiert Die auffällige Häufung von Gold – die Behauptung des hohen Alters bei einem Stoff, der zwanzig Jahre alt war.

01:08:03: In dieser Lesart ist die Lorelei ein Gedicht über das Bedürfnis nach solchen Gedichten.

01:08:08: Und die dritte Lesart es lässt sich biografisch als Text über ausgeschlossen sein lesen.

01:08:13: Heine war Jude in einem Land, in dem ihm viele bürgerliche Berufswege verschlossen waren.

01:08:22: In den letzten Jahren, im Jahrzehntag, war es nicht so, dass die Bezüge der Erwärmung von Städten in Deutschland verwendet wurden.

01:08:55: Meine Einschätzung und ich sage ausdrücklich, dass es eine Einschätzung ist – diese Lesarten schließen sich nicht aus.

01:09:01: Gute Gedichte tragen mehr als eine Bedeutung und Heinz Talent bestand gerade darin ein Publikum zu bedienen und gleichzeitig unterlaufen.

01:09:09: Dass ein Text mit dieser Doppelbödigkeit ausgerechnet zum deutschen Volkslied wurde, ist einer der größeren Treppenwitze der Literaturgeschichte.

01:09:34: Kommen wir zu dem Punkt den ich im ersten Teil offen gelassen habe und dieser Punkt ist ein Musterbeispiel für das was wir hier eigentlich tun!

01:09:41: Die Geschichte, die fast überall erzählt wird geht so.

01:09:57: Diese Version steht in Reiseführern, in Schulmaterialien, in Nachschlagewerken, in Zeitungsartikeln und ist auch im Podcast.

01:10:04: Sie ist eingängig, sie ist moralisch klar und sie liefert ein perfektes Bild für die Absurdität einer Diktatur, die ein Lied liebt und seinen Autor hasst.

01:10:13: Nun gibt es dazu Forschung!

01:10:15: Im Heine-Jahrbuch, zwei Tausend Dreizehn erschien ein Beitrag von Arno Pylens und Christian Liedke unter dem Titel Die Wehrmacht sinkt die Lorelei.

01:10:23: Die Autoren gehen der Sache nach und ihr befundes Nüchtern.

01:10:26: Erstens Anonyme Veröffentlichungen des Lides nach neunzehntundertrein dreißig hat es tatsächlich gegeben.

01:10:33: Es gibt Drucke in denen nur noch Silcher als Komponist genannt wird und der Text dichter fehlt.

01:10:38: Der Vorgang der Verschleierung ist also real.

01:10:41: Zweitens Und das ist der entscheidende Satz Für den berühmten Zusatz Dichter Unbekannt wurde trotz intensiver Recherchen bislang kein Beleg gefunden.

01:10:50: Die Autoren bezeichnen die Behauptung als zählebige Legende!

01:10:54: Drittens führen sie ein inhaltliches Argument an.

01:10:57: Der Literaturwissenschaftler Hartmut Steinecke hat darauf hingewiesen, dass ein solcher Vermerk den strategischen Hauptlinien der nationalsozialistischen Literaturpolitik ohnehin widersprochen hätte.

01:11:08: Ein aufgedruckter Hinweis auf einen unbekannten Dichter lenkt die Aufmerksamkeit auf genau die Frage, die man vermeiden wollte – wer etwas verschwinden lassen will, kommentiert es nicht!

01:11:18: Ich will hier sehr genau sein, weil man an dieser Stelle leicht in die falsche Richtung kippt….

01:11:22: Der befund lautet nicht, dass die Nationalsozialisten Heine in Ruhe gelassen hätten.

01:11:27: Das Gegenteil ist der Fall – seine Werke wurden verbrannt, sein Name sollte aus dem Kanon verschwinden und anonyme Drucken des Liedes belegen genau diese Absicht.

01:11:35: Der befand lautet lediglich das für eine besonders anschauliche Formulierung, die überall zitiert wird bisher keine Quelle

01:11:42: vorliegt.".

01:11:44: Und jetzt schaut euch an, was hier passiert ist.

01:11:46: Wir behandeln heute eine Sage die erfunden wurde und für alt gehalten wird – und um die Sage hat sich hundert- dreißig Jahre später eine zweite Erzählung gelegt, die ebenfalls weitergegeben wird ohne dass jemand den Beleg sehen will!

01:11:59: Das gleiche Muster dieselbe Mechanik nur eine Etage höher.

01:12:03: Wenn ihr aus dieser Folge einen einzigen Gedanken mitnimmt dann vielleicht diesen….

01:12:07: Die Frage woher weiß ich das eigentlich?

01:12:10: Die Frage ist unbequem, sie macht Geschichten kürzer und sie ist trotzdem die Einzige, die uns vor der nächsten Legende schützt.

01:12:17: Der zweite große Streit betrifft nicht die Erzählung sondern den Feld selbst.

01:12:21: Auf der einen Seite steht der Schutzgedanke – ein Welterbe verpflichtet!

01:12:25: Das Welterbekommitee empfahl Zwei Tausend Dreizehn die Sommerrodelbahn abzubauen und die Fläche zu renaturieren.

01:12:32: Aus der Sicht des Welterbeschutzes beeinträchtigt die Anlage das Erscheinungsbild der exponierten Kulturlandschaft.

01:12:39: Auf der anderen Seite steht die Region.

01:12:41: Das Mittelrheintal hat mit denselben Problemen zu kämpfen wie viele ländliche Räume, Abwanderung, alternde Bevölkerung, wirtschaftlicher Druck auf den Weinbau lernt durch die Bahnstrecken auf beiden Talseiten.

01:12:52: Der Tourismus ist einer der wenigen fragfähigen Wirtschaftszweige – aus dieser Sicht nützt ein perfekt geschützter Felsen wenig wenn die Orte darunter leer stehen!

01:13:02: Rechtlich hat sich diese Spannung an der Rodelbahn gezeigt.

01:13:05: Das Welterbekommitee kann gegenüber dem Vertragstaat Empfehlungen und Forderungen formulieren, seine Entscheidung ersetzt aber keinen deutschen Verwaltungsakt.

01:13:14: Der Betreiber verfügte über eine Baugenehmigung und das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz lehnte den Eilantrag eines Umweltverbandes ab.

01:13:22: Zugleich ist der Welterbeschutz nicht bloß eine unverbindliche Auszeichnung.

01:13:26: Deutschland hat sich völkerrechtlich zum Schutz verpflichtet, umgesetzt wird er vor allem durch nationales Denkmal Planung und Baurecht.

01:13:35: Die selbe Frage stellt sich bei der Bundesgartenschau-Zweitausendneunzwanzig mit einem derzeit vorgesehenen Budget von wie bereits erwähnt Hundertzwierzig Millionen Euro.

01:13:44: Befürwörter sehen darin, die größte Chance seit der Welterbeernennung endlich in Infrastruktur Wege, Uferzonen und Ortsbilder zu investieren.

01:13:53: Kritiker fragen ob eine Großveranstaltung der richtige Weg ist ein Teil zu stärken dessen Wert gerade in seiner Ruhe und Unverbautheit liegt?

01:14:01: Ich habe darauf keine Antwort und ich glaube es gibt auch keine einfache.

01:14:04: Es ist die Grundfrage jedes berühmten Ortes, erlebt von Besuchern und erleidet auch unter

01:14:10: ihnen.".

01:14:45: Zum Schluss dieses Teils ein paar Belege dafür wie weit sich diese Erfindung von eighteenhundert eins ausgebreitet hat.

01:14:51: Der französische Dichter Gijom Apilnair schrieb einen Gedicht mit dem Titel La Lorelei das in seinem Band Alcolle von nineteenhundertdreizehn erschien.

01:15:01: Er greift Brentanus Handlung auf, nicht Heinis Bild.

01:15:04: Eine Frau die vor einem Bischof gebracht wird, die sterben will und die am Felsen in den Rhein stürzt.

01:15:10: Am neunten August eighteenhundertsechzechsundsiebzig entdeckte der Astronom C.H.F.

01:15:15: Peters im Klinden im Bundesstaat New York einen Asteroiden des Hauptgürtels.

01:15:20: Er bekam die Nummer hundertfünfundsechzig und den Namen Lorelei benannt nach der Gestalt aus der deutschen Sagenwelt.

01:15:26: Seit eighteenhundertsechstenzebzig zieht also ein Gesteinsbrocken zwischen Mars und Jupiter seine Bahn, und trägt den Namen einer literarischen Frau gestalt.

01:15:36: In der Mitte de Marilin Monroe spielte in dem Film Blondinen bevorzugt eine Figur namens Lorelei Li.

01:15:43: Die Figur stammt aus Anita-Los-Roman von nineteenhundertfünfundzwanzig.

01:15:48: Eine bewusste Benennung nach der Reinfigur liegt nahe – lässt sich ohne einen Beleg der Autorin aber nicht als Tatsache ausgeben!

01:15:55: Die amerikanische Dichterin Sylvia Plath schrieb ein Gedicht mit dem Titel Lorelei.

01:16:00: Ich zitiere daraus nichts, weil der Text urheberrechtlich geschützt ist – aber es lohnt sich ihn nachzulesen!

01:16:06: Bei Plath sind es nicht Schiffer die gerufen werden sondern die Sprecherin selbst und der Sog kommt von unten Und im Alltag ist der Name so verbreitet, dass er längst niemanden mehr auffällt.

01:16:17: Hotels Schiffe Weine Straßenvereine Produkte Ein Felsname aus dem Mittelalter über eine erfundene Frau zu einer Marke geworden.

01:16:26: Wir sind am Ende und ich möchte mit einer Frage schließen die mich bei der Arbeit an dieser Folge am längsten beschäftigt hat Macht es einen Unterschied das die Lorelei erfunden ist?

01:16:36: Die Antwort lautet Ja und zwar sehr.

01:16:39: Wer eine Erfindung für Überlieferung hält, hat ein falsches Bild von der eigenen Vergangenheit.

01:16:44: Und wer sich daran gewöhnt, dass ein hübsches Bild wichtiger ist als seine Herkunft wird auch bei anderen Erzählungen nicht mehr nachfragen – beisagen mag das oft weniger folgenreich sein!

01:16:53: Bei anderen Themen kann es erhebliche Folgen

01:16:55: haben.".

01:16:57: Die andere Antwort lautet «Nein, jedenfalls nicht so wie man denkt».

01:17:01: Denn die Lorelay ist inzwischen ein realer, kultureller Gegenstand geworden.

01:17:05: Millionen Menschen kennen sie!

01:17:06: Es gibt Lieder, Bilder, Filme – ein Denkmal, ein Museum und einen Asteroiden.

01:17:12: Ihr Entstehungsjahr ist für die historische Einordnung wichtig.

01:17:15: Zugleich ist sie heute ein realler, kultueller Gegenstand.

01:17:19: Jede Überlieferung, die wir für uralt halten hatte irgendwann einen ersten Tag.

01:17:24: bei dem meisten kennen wir ihn nur nicht.

01:17:26: Vielleicht ist gerade das der eigentliche Wert dieses Themas?

01:17:29: Die Lorelei ist einer der wenigen Fälle, in denen wir die ganze Kette sehen können.

01:17:34: Wir kennen den Erfinder – wir kennen das Jahr!

01:17:36: Wir kennen dem Historiker, der den Stoff als ältere Überlieferung behandelte, den Reiseführer, der ihn weiter trug und die Melodie, die ihn weit verbreitete.

01:17:45: Wir haben hier gewissermaßen den Bauplan einer Sage vorliegen – offen einsehbar.

01:17:51: Und darunter liegt der Rest….

01:17:52: Ein Fels aus devonischen Sedimentsgesteinen, eine der engsten und tiefsten Strecken des Mittelrheins.

01:17:59: Eine Kurve in der man nicht weit vorausblicken kann – ein Ort an dem Menschen gearbeitet, zollgezahlt, gelotzt und geflößt haben… Und an dem es schwere Unfälle gab wie das Schiffsunglück der Waldorf-Zweitausendelf

01:18:12: zeigte.".

01:18:13: Für eine historische Frau auf dem Felsen gibt es keinen Beleg.

01:18:16: Als literarischer Gestalt erscheint sie, die Gefahren der Flusspassage sind dagegen historic und bis in die Gegenwart

01:18:24: dokumentiert.".

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01:18:54: Dort nehme ich euch mit in meine Recherche, zeige Einblicke hinter die Kulissen und stelle euch kommende Themen vor.

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01:19:15: Danke dass Ihr mit mir durch die Schatten gereist.

01:19:17: seid und bleibt wachsam für die Geschichten hinter den legende und erheizt suchst du ne jede seite ein.

01:19:48: flüstern das tief in dir spricht bis die realität finstern ist breit.

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