Das Heilbronner Dachsteinunglück 1954
Shownotes
Am 15. April 1954 brechen zehn Schüler und vier erwachsene Begleitpersonen von Obertraun zu einer Wanderung ins Dachsteinmassiv auf. Eine Lehrerin entscheidet sich während des Aufstiegs zur Umkehr. Die übrigen dreizehn Menschen werden später von zwei Arbeitern der Materialseilbahn gesehen. Danach verliert sich ihre Spur im Schneesturm.
Diese Folge folgt dem Weg der Heilbronner Gruppe vom Aufbruch über die Schönbergalm bis ins offene Gelände des Dachsteinplateaus. Sie erzählt von den ersten Suchversuchen, der wochenlangen Bergungsaktion und den Spuren, anhand derer die letzten Stunden der Gruppe rekonstruiert wurden.
Auch die Frage nach Verantwortung gehört zu dieser Geschichte. Warum wurde die Route geändert? Welche Warnungen sind zuverlässig überliefert? Wurde das Wetter unterschätzt? Dabei werden die unterschiedlichen Einschätzungen des Filmemachers Hajo Baumgärtner, des Heilbronner Stadtarchivars Christhard Schrenk, ehemaliger Schüler und einer Angehörigen voneinander getrennt dargestellt.
Ab der letzten Begegnung mit den Seilbahnarbeitern endet das gesicherte Wissen. Rekonstruktionen, Vermutungen und persönliche Bewertungen werden deshalb ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Eine abschließende Schuldzuweisung erfolgt nicht.
Inhaltswarnung:
Die Folge behandelt den Tod von Jugendlichen und Erwachsenen durch Kälte und Erschöpfung. Auch die mehrwöchige Suche und einzelne Fundumstände werden sachlich beschrieben.
Quellen
- Stadtarchiv Heilbronn: Das Heilbronner Dachsteinunglück 1954
- Christhard Schrenk (Hrsg.): Das Heilbronner Dachsteinunglück 1954. Zehn Schüler und drei Lehrer verlieren am Karfreitag ihr Leben. Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Band 44, Heilbronn 2004, ISBN 978-3-928990-87-5. Publikationsübersicht des Stadtarchivs
- Gemeinde Obertraun: Heilbronner Dachstein-Tragödie 1954
- Bergrettung Obertraun: Heilbronner Tragödie
- Bergrettung Obertraun: Bergmesse zum 70. Jahrestag und die Bedeutung des Suchhundes Ajax
- Stadt Heilbronn: 70 Jahre Heilbronner Dachstein-Unglück
- News4teachers: „Sie führen die Schüler in den Tod!“ 1954: Unglück im Dachsteingebirge
- MeinBezirk Salzkammergut: Heilbronner Dachsteinunglück 1954
- Hallstatt.net: Heilbronner Tragödie
- Rudolf Lehr: Dachstein. Abenteuer in Vergangenheit und Gegenwart. OÖ Landesverlag, Linz 1982, ISBN 3-85214-333-0.
Dokumentationen und zeitgenössisches Material:
- Stadtarchiv Heilbronn: „Schulausflug in den Tod“, Dokumentarfilm von Hajo Baumgärtner
- ServusTV: Das Heilbronner Dachstein-Unglück – Ausflug in den Tod
- ORF-Archiv: Die Heilbronner Tragödie vom Dachstein
- British Pathé: Pupils and Teachers Die in the Austrian Alps, Filmmaterial von 1954
- SWR: Drama am Dachstein – Auf den Spuren der Kinder von Heilbronn, Dokumentarfilm von 2019.
- Oberösterreichische Nachrichten: Der Seiler hätte diese Tour nicht machen dürfen, 12. April 2014.
- Oberösterreichische Nachrichten: Dachstein-Drama: Aus der Tragödie wurde ein Mythos.
Weiterführende Literatur:
- Peter Gruber: Tod am Stein, Roman, Bibliothek der Provinz 2006, ISBN 3-85252-729-5.
- Peter Gruber: Informationen zur überarbeiteten Ausgabe von Tod am Stein aus dem Jahr 2023
- Kirchenmusik Heilbronn: Jochen Neuraths „Gefrorene Träume“ beim Gedenkkonzert 2014
Einige Einzelheiten werden in den ausgewerteten Quellen unterschiedlich wiedergegeben. Dazu gehören bestimmte Warnungen, die Bewertung der damaligen Wettervorhersage, der Zustand der Gruppe an der Schönbergalm, die Reihenfolge einzelner Funde und die Gesamtzahl der eingesetzten Helfer. Solche Angaben werden in der Folge entsprechend vorsichtig eingeordnet.
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Das Titelbild sowie der Gesang und die musikalische Umsetzung der Titelmusik wurden mithilfe generativer künstlicher Intelligenz erstellt. Der Liedtext stammt vollständig von mir.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
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Transkript anzeigen
00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zurück bei Kronik der Schatten.
00:01:02: Schön, dass ihr heute wieder dabei seid!
00:01:05: In dieser Folge führt uns unsere Reise in das Frühjahr.
00:01:09: Neun Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen.
00:01:12: In Heilbronn wird noch immer aufgebaut, repariert und versucht zu einem geregelten Alltag zurückzufinden.
00:01:19: Für eine Gruppe Jugendlicher steht während der Osterferien jedoch etwas bevor das weit über diesen Alltag hinausgeht – eine Reise nach Österreich.
00:01:27: Ihr Ziel ist Obertrauen, eine kleine Gemeinde im Salzkammergut.
00:01:31: Über dem Ort erhebt sich das Dachstein massiv mit seinen Felsen, Höhlen und weitläufigen Hochflächen.
00:01:38: Eine Landschaft, die damals bereits Besucheranzog und gleichzeitig nur begrenzte touristische Infrastruktur bot.
00:01:46: Wettervorhersagen waren weniger genau als heute – Die Kommunikation am Berg war schwieriger Und Hilfe konnte nicht überall schnell eintreffen.
00:01:54: Doch zunächst ist es eine Ferienreise!
00:01:57: Die Jugendlichen wollen gemeinsam unterwegs sein.
00:01:59: Sie wollen Ausflüge unternehmen und die Berge erleben.
00:02:02: Begleitet werden sie von Lehrkräften und weiteren Erwachsenen.
00:02:06: Die ersten Tage verlaufen ohne außergewöhnliche Zwischenfälle.
00:02:09: Es gibt Wanderungen, kleinere Übungen und einen Besuch in Hallstadt.
00:02:13: Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt das der Name dieser Reisegruppe wenige Tage später in Deutschland und Österreich bekannt sein wird!
00:02:21: Das Heilbronner Dachstein Unglück gehört zu jenen Ereignissen, über die schon während ihres Verlaufs sehr unterschiedliche Geschichten erzählt wurden.
00:02:29: Zeitungen suchten nach Erklärungen, Angehörige warteten auf Nachrichten und mit jedem Tag entstand neue Vermutung – später kamen Bücher, Filme- und Erinnerungsberichte hinzu.
00:02:40: Je häufiger die Geschichte weitererzählt wurde, desto eindeutiger klangen manche Darstellungen.
00:02:45: Warnungen erhielten einen genauen Wort laut!
00:02:48: Entscheidungen wurden mit bestimmten Motiven erklärt, die letzten Stunden der verunglückten erschienen in einigen Nacherzählungen beinahe lückenlos.
00:02:56: Die erhaltenen Unterlagen geben diese Sicherheit jedoch nicht her.
00:03:00: Ein Teil der Ereignisse ist gut dokumentiert – für andere Abschnitte existieren nur Fundorte, Fotografien, persönliche Gegenstände und spätere Rekonstruktionen.
00:03:10: Niemand kann mehr berichten was innerhalb der Gruppe besprochen wurde sobald sie keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen
00:03:16: hatten.".
00:03:17: Deshalb werde ich in dieser Folge wie immer klar unterscheiden zwischen zeitnah dokumentierten Ereignissen, späteren Erinnerungen und Vermutungen.
00:03:25: Wo Quellen voneinander abweichen sage ich das ausdrücklich.
00:03:28: Auch bei der Frage nach Verantwortung werde ich keine Gedanken oder Absichten als Tatsachen darstellen die sich heute nicht mehr belegen lassen.
00:03:41: Achtung Triggerwarnung.
00:03:43: Diese Folge enthält Schilderungen vom Tod Jugendlicher, von Erfrieren einer wochenlangen Suche der Bergung Verstorbena und der Trauer ihrer Angehörigen.
00:03:52: Ich verzichte auf unnötige drastische Einzelheiten!
00:03:55: Wenn euch diese Themen belasten entscheidet bitte selbst ob und wann ihr diese Folge hören möchtet.
00:04:06: Die wichtigste Grundlage für diese Folge ist die umfangreiche Dokumentation des Stadtarchivs Heilbronn.
00:04:12: Darin wurden amtliche Unterlagen, Einsatzberichte, meteorologische Daten, zeitgenössische Presseberichte sowie Aussagen von Beteiligten und Zeitzeugen ausgewertet.
00:04:23: Ergänzend habe ich offizielle und institutionelle Quellen aus Heilbronn-und-Obertrauen herangezogen.
00:04:29: Bevor wir uns dem Unglück selbst nähern müssen wir die Menschen kennen lernen um die es geht!
00:04:33: Wir müssen verstehen wie diese Reise zustande kam, wer daran teilnahm und welche Pläne es für Tage in Obertrauen
00:04:40: gab.".
00:04:40: Unsere Geschichte beginnt deshalb nicht auf dem Dachstein Plateau.
00:04:44: Sie beginnt in Heilbronn!
00:05:24: Neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befindet sich Heilbron noch immer im Wiederaufbau, die Zerstörung der Stadt ist im Alltag sichtbar.
00:05:32: Viele Familien haben Angehörige verloren, Wohnungen und Straßen werden neu errichtet – zwischen den Lücken entsteht langsam wieder ein normales Leben.
00:05:41: In diese Zeit fällt eine Reise, die für die teilnehmenden Jugendlichen außergewöhnlich.
00:05:46: Am elften April, der April, fährt eine große Reisegesellschaft nach Obertraun im Salzkammergut.
00:05:53: Zusammengestellt wurde sie von dem Reisevermittler Robert Ludwig aus Langen bei Frankfurt.
00:05:59: Nach der Dokumentation des Heilbronner Stadtarchivs sind es insgesamt onehundertzwanzig Menschen.
00:06:04: Zweiundvierzig von ihnen kommen aus Heilbronn – vierunddreißig Jugendliche, fünf Lehrkräfte und drei weitere Erwachsene!
00:06:11: Die Heilbronner Jugendlichen besuchen die Knabenmittelschule, aus der später-die-Damm-Realschule hervorgeht.
00:06:18: In Obertraun wohnen sie in der Bundessportschule am Fuß des Dachsteinmassivs.
00:06:23: Die gesamte Reise kostet ´九zigd Mark.
00:06:26: In einer Zeit, in der viele Familien noch mit den Folgen des Krieges und des Wiederaufbaus leben ist eine Ferienfahrt ins Ausland keineswegs
00:06:34: selbstverständlich.".
00:06:36: Offiziell wird die Fahrt jedoch nicht als schulische Veranstaltung behandelt.
00:06:40: Gut eine Woche vor der Abreise unterschreiben die Eltern eine Erklärung.
00:06:44: Darin heißt, dass die Reise seit keine schulischen Angelegenheit und die begleitenden Lehrer könnten für mögliche Unfälle nicht verantwortlich gemacht werden.
00:06:51: Ob diese Erklärungen tatsächlich jede Haftung ausschließen konnte war damit allerdings noch nicht geklärt – genau diese Frage wird nach dem Unglück erneut eine Rolle spielen!
00:07:01: Das Programm beginnt mit kleineren Touren.
00:07:03: Am zwölften April geht es auf den Saarstein, am dreizehnten April auf den Loser, am vierzehnten April nach Hallstadt.
00:07:10: Diese Ausflüge dienen auch dazu die Leistungsfähigkeit der Schüler einzuschätzen.
00:07:15: Die Verantwortung für den Heilbronnateil der Reise liegt vor allem bei Hans Georg Seiler.
00:07:20: Der neunundreißigjährige unterrichtet an der Knabenmittelschule und hat die Fahrt gemeinsam mit dem Reisevermittler vorbereitet.
00:07:28: Vor der Abpreise informiert er die Eltern über das Vorhaben und nimmt die Anmeldungen der Jugendlichen entgegen.
00:07:34: In Obertrauen plant er die Ausflüge und entscheidet, welche Schüler an den einzelnen Unternehmungen teilnehmen.
00:07:40: Am zwölften April wendet sich Seiler an Johann Bolz, dem Verwalter der Bundessportschule.
00:07:46: Er möchte Kletterseile und weitere alpine Ausrüstung ausleihen.
00:07:49: Nach den späteren Berichten von Bolz bezeichnet sich Seila in diesem Gespräch als gebürtigen Südtiroler- und erfahrenen Alpinisten.
00:07:57: Trotzdem gibt ihm der Verwalter das gewünschte Material nicht.
00:08:00: Nach dem Unglück erklärt Bolz, er habe befürchtet, Seiler könne damit gefährliche Touren unternehmen und er habe deshalb behauptet keine Ausrüstung verleihen zu können.
00:08:10: Seiler beschafft sich später in Bad Aussee dennoch Kletterseile – bei einem Ausflug auf dem Loser führt er damit kleinere Übungen durch um einzuschätzen welche Jugendlichen für anspruchsvolle Retouan geeignet sind!
00:08:23: Der Lehrer Hans-Georg Seiler plant für den fünften April eine anspruchsvollere Wanderung mit einer kleineren Auswahl.
00:08:29: Er hat bereits im Jahr zuvor eine ähnliche Reise geleitet.
00:08:33: Ehemalige Schüler erinnerten sich später an ihn als beliebten und bei früher Ausflügen vorsichtigen Lehrer.
00:08:41: Am Mittwoch, den vierzehnten April bespricht Seiler seine Absicht mit Johann Bolz.
00:08:45: Die angekündigte Route führt von Obertrauen über Krippenbrunnen zur Gheitalm und möglicherweise weiter auf den zwei-tausend-einhundert fünf Meter hohen Krippenstein.
00:08:55: Gegen achtzehn uhr dreißig will die Gruppe zurück sein.
00:08:58: Bolz hat gegen diesen Plan keine Einwände, der Weg nach Kripenbrunn ist breit und gut markiert.
00:09:04: Auch die Wettervorhersage klingt nicht nach einer unmittelbar bevorstehenden Katastrophe.
00:09:09: Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik kündigt für den nächsten Tag mäßige nordwestliche Winde, überwiegend starke Bewölkung, einzelne geringe Niederschläge und weiterhin verhältnismäßig milde Temperaturen an.
00:09:23: Es handelt sich allerdings weder um eine moderne Regionalprognose noch um eine spezielle Bergwettervorhersage.
00:09:31: Am Abend will Seiler diejenigen Schüler aus, die freiwillig mitgehen wollen und bei den vorherigen Touren als leistungsfähig aufgefallen sind.
00:09:39: Was zu diesem Zeitpunkt niemand weiß – Die angekündigte Wetterentwicklung wird auf dem Plateau sehr viel härtere Folgen haben, als die knappe Vorhersage vermuten lässt.
00:10:21: Um sechs Uhr morgens verlässt eine vierzehnköpfige Gruppe die Bundessportschule.
00:10:25: Eigentlich hatte Seiler schon um drei Uhr starten wollen, warum es schließlich sechs Uhr wird lässt sich aus den Akten nicht erklären.
00:10:33: Zur Gruppe gehören zehn Schüler und vier Erwachsene Hans Georg Seiler, Hans Werner Ruppt und Hildegard Mattes.
00:10:40: Sie haben acht Leibe Brot sowie Käse, Butter- und Marmelade dabei.
00:10:44: Ein warmes Frühstücksgetränk gibt's vor dem Aufbruch offenbar nicht.
00:10:48: Die Sicht ist zu dieser Stunde noch gut.
00:10:51: Das gehört zu den entscheidenden Fakten.
00:10:53: Die Gruppe startet nicht in einen bereits tobenden Schneesturm – im Tal liegen die Temperaturen am Morgen bei fünf bis sechs Grad, auf dem Plateau rund zweitausend Meter hoch werden dagegen schon minus drei bis vier Grad gemessen.
00:11:06: Kurzfristig ändert Seiler die am Vortag mit Johann Bolz besprochene Route.
00:11:11: Statt zunächst über Krippenbrunnen und die Geit-Alm zu gehen, steigt die Gruppe in Richtung Schönbergalm auf.
00:11:17: Später berichten zwei andere Lehrer – Seiler habe diese Variante möglicherweise am Vorabend mit einem Bergführer besprochen!
00:11:24: Wer dieser Mann gewesen sein soll ließ sich nicht klären.
00:11:27: Johann Bolz erklärte später ein Obertrauner-Bergführer könne es nicht gewesen sein, weil der einzige örtliche Führer damals im Ausland gewesen sei.
00:11:36: Wichtig ist deshalb nur was sich sicher sagen lässt….
00:11:39: Die Route wurde geändert.
00:11:41: Der Verwalter der Sportschule erfuhr davon vor dem Aufbruch nicht.
00:11:45: Diese fehlende Information erschwerte am Abend die Einschätzung, wo nach der Gruppe gesucht werden musste.
00:11:51: Der erste Abschnitt der späteren Dachsteinseilbahn vom Tal zu Schönberg-Alm ist zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt.
00:11:58: Wegen Wartungsarbeiten fährt sie am fünften April jedoch nicht – die Gruppe steigt deshalb zu Fuß auf einem gut ausgetretenem Pfad hinauf!
00:12:06: Noch vor der Schönberg Alm kehrt Hildegard Mattis um.
00:12:09: In vielen kurzen Nacherzählungen klingt das so, als habe sie wegen des Wetters eine lebensrettende Entscheidung getroffen – die Aktenlage beschreibt es anders.
00:12:18: Mattis hatte von Anfang an nur ein Stück mitgehen wollen weil sie am Nachmittag bekannte in St.
00:12:24: Wolfgang besuchen wollte.
00:12:26: Sie erreichte Obertrauen am späten Vormittag, aß dort zum Mittag und fuh anschließend wie geplant zu ihrem Besuch.
00:12:32: Ihr Rückweg war also kein spontaner Abbruch aus Angst vor dem Sturm.
00:12:36: Trotzdem ist sie damit die einzige Person aus der ursprünglichen Vierzehnergruppe, die nicht in die Katastrophe gerät.
00:12:54: Gegen neununddreißig erreichen die verbliebenen dreizehn Wanderer die Schönenbergalm.
00:12:58: Das dortige Schutzhaus ist geschlossen – es wird damals nur im Sommer betrieben!
00:13:03: Tee bekommen die Heilbronner in der benachbarten Seibernstation.
00:13:06: Susanna Beerschitz, die Frau des Stationsmaschinisten Karl Beerschiz bewirtet Sie.
00:13:12: Inzwischen hat sich das Wetter verschlechtert.
00:13:14: Susanna rät Seiler ins Tal zurückzukehren, drei Tage später berichtet sie die Gruppe sei ordentlich gekleidet gewesen Als die Wanderer die Station verließen habe jedoch bereits Sturm geherrscht bei einer Sichtweite von nur noch etwa zwanzig bis dreißig Metern.
00:13:30: Seiler entscheidet sich für das Weitergehen.
00:13:33: Von der Schönberg Alm zieht die Grupe ungefähr nach Süden in Richtung Däumelkogel.
00:13:37: In einigem Abstand verläuft die Trasse der nächsten noch im baubefindlichen Seilbahnstrecke zum Krippenstein.
00:13:44: Gegen elf Uhr begegnten die Heilbronner bei der Stütze Nummer fünf nahe dem Mittagskogel, Beschäftigten der Dachsteiner G. Die Arbeiter steigen wegen des schlechten Wetters zu Schönberg-Alm ab.
00:13:54: Eine spätere Rekonstruktion spricht auch an dieser Stelle von einem warnenden Zuruf.
00:14:00: Zeitnah belegen dessen genauen Wort laut nicht.
00:14:04: Das Zusammentreffen an der Seilbahn Stütze ist die letzte überlieferte Begegnung der Gruppe mit anderen Menschen.
00:14:10: Danach endet das Wissen der Zeugen.
00:14:36: Noch am Vormittag verdichtet sich auf dem Plateau der Nebel.
00:14:39: Die Sicht fällt zeitweise auf ungefähr zwanzig Meter.
00:14:43: Es schneit Windspitzen erreichen rund siebzig Kilometer pro Stunde, die Temperatur sinkt bis zum Mittag auf etwa minus sechs und am Abend auf ungefähr minus sieben Grad.
00:14:52: Auf der bereits vorhandenen Schneedecke von fünfzig bis einhundert Zentimetern lagern sich im Laufe des Tages weitere fünfzehn bis zwanzig Zentimeter ab.
00:15:01: Eine andere zeitgenössische Auswertung nennt für das Gebirge örtlich sogar zwanzi- bis fünfzig Zentimeter neue Schnee.
00:15:08: Unter diesen Bedingungen verliert die offene Casthochfläche ihre vertrauten Konturen.
00:15:13: Mulden, Rücken und Senken wechseln einander ab.
00:15:16: kleinere Geländeformen verschwinden unter dem Schnee.
00:15:19: Der kürzeste Weg ins Tal lässt sich deshalb nicht einfach dadurch finden, dass man bergab geht.
00:15:24: Eine Senke kann in falsche Richtungen führen, während Felsrücken spalten und Geländekanten bei einer Sichtweite von wenigen Metern kaum rechtzeitig zu erkennen sind.
00:15:34: Nebel-und verwete Spuren erschweren selbst ortskundige Menschen die Orientierung.
00:15:39: Die Heilbronner befinden sich jedoch im Gebiet, das ihnen nicht vertraut ist.
00:15:43: Was die Gruppe nach der Begegnung mit den Arbeitern an Stütze Nummer fünf unternimmt, ist nicht protokolliert.
00:15:49: Niemand aus der Gruppe überlebt – die später verbreiteten teilweise sehr genauen Schilderungen ihres weiteren Weges beruhen vor allem auf einer Rekonstruktion des Heimatforschers und hütten wir zu Roman Pilz.
00:16:00: Dafür zog er Fundorte, zurückgelassene Gegenstände und die erhaltenen Fotografien heran.
00:16:06: Eine Augenzeugenbeschreibung ist diese Rekonstruktion.
00:16:09: Die späteren Funde sprechen dafür, dass die Gruppe ihre beabsichtigte Richtung deutlich verfehlte und in das Gebiet von Markschirff und Speigberg geriet.
00:16:18: Wie sie sich dort bewegte, wann sie ihre Richtung änderte und welche Entscheidungen innerhalb der Gruppe getroffen wurden lässt sich nicht mehr sicher feststellen.
00:16:26: Während die Dreizehnwanderer auf dem Plateau keinen Kontakt mehr zu Außenwelt haben weiß im Tal zunächst niemand, dass sie sich überhaupt in Gefahr befinden.
00:16:35: Gegen zehn Uhr setzen auch im Tal Nebel- und Regen ein!
00:16:38: Johann Bolz, der Verwalter der Bundessportschule beginnt sich Gedanken über die verschiedenen Wandergruppen zu machen.
00:16:44: Von Seiler kennt er zu diesem Zeitpunkt nur die ursprünglich angekündigte Route über Krippenbrunnen und die Gheitalm.
00:16:50: Bolz lässt deshalb in Kripenbrunn nachfragen – dort halten sieben Personen auf!
00:16:55: Und für kurze Zeit glaubt er ein Teil der Heilbronner-Gruppe könne sich unter ihnen befinden.
00:17:00: Diese Hoffnung zerschlägt sich jedoch.
00:17:03: Um achtzehn Uhr dreißig beginnt in der Bundesportschule das Abendessen.
00:17:07: Seiler und die zwölf übrigen Wanderer sind noch immer nicht zurückgekehrt.
00:17:11: Erst jetzt erfährt Bolz von einem anderen Lehrer, dass Seiler die abgesprochene Route geändert hatte und am Morgen zunächst zu Schönberg-Alm aufgestiegen war.
00:17:19: Die weiteren Rückfragen ergeben, das die Gruppe weder in Krippenbrunn noch auf der Gleitalm angekommen ist.
00:17:25: Von der Schönbergalm kommt dagegen die Bestätigung, dass seiler und zwölfeitere Personen am Vormittag dort Tee getrunken hatten.
00:17:33: Anschließend waren sie in Richtung Däumelkugel und Geit allen weitergegangen.
00:17:38: Damit lässt sich der Bereich, in dem gesucht werden muss etwas eingrenzen.
00:17:42: Das Wetter die Dunkelheit und die kurzfristige Routenänderung erschwer jedoch jede Einschätzung.
00:17:47: Noch am Abend brechen die ersten Suchtrupps auf.
00:17:50: Von Krippenbrunnaus gehen der Wirtschaftsleiter ein Skilehrer und ein Seilbahner ins Gelände.
00:17:56: Wegen der Lawinengefahr müssen Sie ihre Suche abbrechen.
00:17:59: Gegen einhund dreißig kehren sie zurück.
00:18:02: Von der Geitalm aus machen sich die Seilbahner Ernst Hemetsberger und Johann Held auf dem Weg.
00:18:08: Trotz Turm, Nebel-und Dunkleid suchen sie nach den Vermissten und kontrollieren eine Bauhütte an der geplanten Bergstation auf dem Krippenstein.
00:18:16: Die Hütte ist leer – gegen drei Uhr dreißig erreichen auch Sie wieder ihren Ausgangspunkt!
00:18:22: Johann Bolz verständigt noch am Abend den Gendarmerieposten in Hallstadt.
00:18:26: Revierinspektor Leopold Wimmer übernimmt zunächst die Leitung der Suchaktion.
00:19:00: Am Karfreitag, den sechzehnten April bleiben die Bedingungen am Plateau extrem.
00:19:04: Die Temperaturen liegen bei etwa minus acht bis minus neun Grad.
00:19:08: Passt ununterbrochen fällt Schnee und die Sicht ist weiterhin stark eingeschränkt.
00:19:12: Am Morgen werden Jean-Damerie und Bergrettung mobilisiert.
00:19:15: Zu den Einsatzkräften gehören auch der Lawinensuch und Ajax und sein Hundeführer Matthäus Schatzel.
00:19:22: Ein bereitgestellter amerikanischer Hubschrauber kann wegen des Schneesturms und des dichten Nebels zunächst nicht starten!
00:19:28: Rund sechzig Menschen durchsuchen an diesem ersten großen Einsatztag verschiedene Bereiche zwischen Krippenstein, Däumelkogel, Speigberg und Magscherf.
00:19:36: Die Helfer arbeiten sich zu Fuß- und auf Skiern durch das unübersichtliche Gelände!
00:19:42: Wie gefährlich die Suche ist zeigt der Schicksal einer sechsköpfigen Suchtruppe.
00:19:46: Die Männer verirren sich im Sturm und müssen die Nacht im Gebiet Königreich im Freien verbringen.
00:19:51: Am folgenden Tag gelangen sie auf die steierische Seite des Dachsteinplateaus und erreichen schließlich Gröpming.
00:19:58: Von dort können Sie melden, dass sie in Sicherheit sind.
00:20:01: Selbst erfahrene Bergretter und ortskundige Helfer können sich unter diesen Bedingungen kaum orientieren.
00:20:06: Am Kasamstag wächst die Zahl der Einsatzkräfte weiter.
00:20:10: Jonda-Amerie Alpinisten und Bergretta aus mehreren Orten durchsuchen Höhlen, Hänge und Castmulden –.
00:20:16: zwei amerikanische Hubschrauber landen am Nachmittag in Obertraun.
00:20:19: Wegen des erneut schlechter werdenden Wetters können Sie das eigentliche Suchgebiet aber zunächst immer noch nicht absuchen!
00:20:26: In Heilbronn verbreitet sich die Nachricht währenddessen über Rundfunk, Zeitungen, Briefe, Telegramme und Telefonate.
00:20:33: Die Polizeidirektion richtet eine Auskunftsnummer ein und schreibt an die Angehörigen – die in Obertraun zurückgebliebenen Schüler schicken kurze Telegrammen nach Hause.
00:20:42: Einige teilen ihren Familien auf diesem Weg mit, dass sie nicht zu den Vermissten gehören!
00:20:48: Öffentliche Meldungen, persönliche Nachrichten und amtliche Benachrichtigungen erreichen Heilbronn nahezu gleichzeitig.
00:20:55: Am Samstagvormittag werden die Namen der Vermissten bekannt.
00:20:58: Wie jeder einzelne Familie zuerst von dem Unglück erfährt, lässt sich anhand der erhaltenen Unterlagen nicht mehr vollständig rekonstruieren.
00:21:06: Hinzu kommt dass Namen und Zahlen in den ersten Berichten nicht immer fehlerfrei wiedergegeben werden.
00:21:12: Am Ostersonntag treffen die ersten Angehörigen in Obertraun ein.
00:21:16: Auch der Heilbronneroberbürgermeister Paul Meyler reist an.
00:21:20: Zu diesem Zeitpunkt befinden sich bereits zahlreiche Journalisten im Ort.
00:21:24: Einsatzleitung, Behörden und Presse müssen sich zunächst eine einzige Telefonleitung teilen.
00:21:30: Erst später wird eine zweite Verbindung eingerichtet.
00:21:32: – am Ostermontag bessert sich das Wetter!
00:21:35: Rund einhundertsiebzig Menschen suchen zu Fuß und auf Skiern nach der Gruppe.
00:21:39: Amerikanische Flugzeuge erkunden das Gelände aus der Luft und schließlich können auch die Hubschrauber eingesetzt werden.
00:21:46: Doch an diesem Tag wird niemand gefunden!
00:22:19: Am Dienstag, dem zwanzigsten April entdecken schon Damen südlich des niederen Speikbergs mehrere Gegenstände die eindeutig zur vermissten Gruppe gehören.
00:22:28: Im Schnee liegen ein Brotbeutel, Teile einer Heilbronner Zeitung und Verpackungen von Lebensmitteln.
00:22:34: Außerdem stoßen die Sucher auf zahlreiche abgebrochene Latschenzweige mit denen eine größere Mulde ausgelegt worden war.
00:22:41: Damit finden sie erstmals einen Rast- oder Biwakplatz der Gruppe.
00:22:46: Als Biwak bezeichnet man einen provisorischen Lagerplatz im Freien, der ohne feste Unterkunft auskommen muss.
00:22:52: Er kann für eine längere Rast genutzt werden oder dazu dienen, eine Nacht bzw.
00:22:57: einer gefährliche Wetterlage notdürftig zu überstehen.
00:23:00: Ob die Heilbronnah an dieser Stelle übernachten wollten oder nur vorübergehend Schutz suchten lässt sich nicht feststellen.
00:23:06: Am selben Tag wird etwa zwei Kilometer nordwestlich davon am Markschirff der Wanderstock von Christa Vollmar
00:23:12: gefunden.".
00:23:13: Die beiden Fundstellen zeigen, dass die Gruppe weit von der ursprünglich geplanten Route abgekommen war.
00:23:19: Am XXI.
00:23:20: April schaufeln die Suchmannschaften den Rastplatz vollständig frei – er ist ungefähr neun mal zwölf Meter groß und etwa zwei Meter tief.
00:23:28: Erfahrene Helfer halten ihn für sorgfältig angelegt.
00:23:31: Nach ihrer Einschätzung hatten die Wanderer eine große Menge Ladchenzweige gesammelt um nicht unmittelbar auf dem Schnee liegen zu müssen und sich möglicherweise auch damit zu bedecken.
00:23:40: Doch der Platz ist leer!
00:23:42: Warum die Gruppe ihn wieder verließ, wissen wir nicht.
00:23:45: Vielleicht hofften die Wanderer noch immer einen besseren Schutzplatz oder einen Weg zurück ins Tal zu finden?
00:23:50: Belegen lässt sich das nicht!
00:23:52: Wer voraus ging, wer wen unterstützte und was innerhalb der Gruppe besprochen wurde bleibt unbekannt.
00:23:57: Die Funde bestätigen dass die Suchmannschaften im richtigen Gebiet arbeiten.
00:24:02: Gleichzeitig entstand eine neue Frage wohin gingen die dreizehn Menschen nachdem sie den Platz verlassen hatten?
00:24:08: Die Suche wird nun systematischer.
00:24:10: Immer mehr Helfer tasten den Schnee mit langen Sonden ab, steigen in Höhlen hinunter und kontrollieren Mulden, Feldspalten und windgeschützte Stellen.
00:24:18: Beim Sondieren wird der Schnee in engen Abständen mit langen Stangen durchstoßen.
00:24:23: Trift eine Sonde auf einen Widerstand ist zunächst nicht erkennbar, was sich darunter befindet.
00:24:29: Es kann sich um verhärteten Altschnee Holz nachgebende Latschen Fels oder ein menschlichen Körper handeln.
00:24:36: Diese Unterschiede richtig einzuschätzen verlangt Erfahrung.
00:24:39: Sobald sich ein konkreter Verdacht ergibt oder andere Hinweise auftauchen werden.
00:24:43: Lawinen suchen den zugezogen.
00:24:46: Die zugeschneite Castellandschaft erschwert diese Arbeit erheblich.
00:24:49: Eine Mulde kann von oben völlig unauffällig wirken, obwohl sich darunter ein Hohlraum befindet.
00:24:55: Zwischen fels, latschen und verwehtem Schnee sind selbst größere Gegenstände nur schwer zu erkennen – manche Flächen werden deshalb mehrmals abgesucht während andere Bereiche durch das Wetter zeitweise kaum erreichbar sind.
00:25:08: Ab dem Zweihnzwanzigsten April finden täglich drei Pressekonferenzen statt.
00:25:12: An ihnen nehmen jeweils ungefähr vierzig Journalistenteil.
00:25:16: Trotzdem gibt es nur wenige gesicherte Neuigkeiten, der Druck auf die Suchmannschaft wächst während weiterhin niemand weiß ob und wo sich die Vermissten unter der Schneedecke befinden.
00:25:26: Am XXIII.
00:25:27: April steigt die Zahl der Einsatzkräfte im Hinblick auf eine große Wochenendsuche auf rund zweihundertzwanzig.
00:25:33: Für den folgenden Tag wird ein weiterer Großeinsatz vorbereitet.
00:26:06: Am Samstag den vierentzwanzigsten April, dem neunten Tag der Suche läuft die große Wochenendsuche.
00:26:12: Die Quellen nennen für einzelne Phasen unterschiedliche Zahlen – die amtliche Gesamtbilanz spricht von zeitweise mehr als vierhundert Helfern gleichzeitig.
00:26:20: Am Vormittag entdeckt der Alpine-Jondarm Paul Sturm eine aus dem Schneeragen der Hand.
00:26:26: Bei der Bergrettung werden Christa Volmer, Hans Werner Rupp und der Schüler Wilfried Dengler gefunden.
00:26:33: Die amtliche Dokumentation weist darauf hin, dass die Berichte über die genaue Reihenfolge dieses ersten Fundes voneinander abweichen.
00:26:40: Noch am selben Nachmittag finden die Suchmannschaften sechs weitere Tote – Herbert Kurz, Peter Mössner, Roland Rauschmayer, Karl-Heinz Rienekar, Kurt Seitz und Dieter Steck!
00:26:53: Der Hallstetter Gemeindearzt stellt bei den Geborgennen den Tod durch Erfrieren fest….
00:26:57: Nun ist die Hoffnung auf überlebende, endgültig vorbei.
00:27:01: Aber vier Menschen werden noch vermisst – Peter Lenen, Rolf Mössner, Klaus Strobel und Hans Georg Seiler.
00:27:08: Am fünfundzwanzigsten April suchen etwa dreihundertfünfzig Menschen weiter.
00:27:12: Am sechsenzwanziger April sind es ungefähr zweihundertsiebzig Einsatzkräfte und fünfzehn Lawinensuchhunde.
00:27:19: Am sieben zwanzigste April findet in Obertraun eine Trauerfeier statt.
00:27:23: Anschließend werden die neuen Serge mit der Bahn nach Heilbronn überführt.
00:27:28: Am achtundzwanzigsten April wird bei relativ günstigen Wetter, die Leiche von Klaus Strobel gefunden rund vierhundert Meter vom Biwakplatz entfernt.
00:27:36: Bei ihm liegen Lebensmittel eine Landkarte Seilas und eine Armbandohr, die ungefähr um drei Uhr stehen geblieben ist.
00:27:44: Am folgenden Tag nimmt Heilbron in einer großen Trauerfeier Abschied von den bis dahin geborgenen Toten.
00:28:16: Nach Ende April wird der Großeinsatz schrittweise reduziert.
00:28:19: Das Gelände ist bereits mehrfach sondiert worden, doch die Schneedecke und die vielen Castformen machen die Suche äußerst schwierig.
00:28:26: Ab dem zweiten Mai bleiben tägliche Patrouillen im Gebiet.
00:28:30: Am dritten Mai beginnt erneut starker Schneefall.
00:28:33: Bis zum siebten Mai kommt fast ein Meter neue Schnee hinzu.
00:28:36: Am neunten Mai errichten John Dammerie Bergführer auf einer kleinen Anhöhe etwa einhundertfünfzig Meter westlich des Biwackplatzes, ein schlichtes Holzkreuz.
00:28:46: Sie nennen die Stelle Heilbronnakogel.
00:28:49: Eine Kupfertafel erinnert an die dreizehn verunglückten, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch drei von ihnen vermisst werden.
00:28:56: Als das Wetter milder wird setzt die Schneeschmelzgrenze ein.
00:28:59: Am sechzehnten Mai findet der Hüttenwirt, der Geid Alm-Josef genannt Zepp Schilcher durch Sondieren in einer Schneewächte Petalenen.
00:29:08: Der Schüler hatte ihn in einer Nische am Feldschutz gesucht – seine Armbanduhr war um drei Uhr fünfzehn stehen geblieben.
00:29:14: Danach fehlen noch Rolf Mössner und Hans Georg Seiler.
00:29:19: Am twenty-zwanzigsten Mai, nach dreiundvierzig Tagen entdeckte Hallstetterpatrouillenleiter Alois Radinger die beiden letzten Vermissten.
00:29:27: Sie liegen eng umschlungen in einer Mulde zwischen Hohem und Niederem Speichberg ungefähr fünfhundert Meter nördlich des Biwackplatzes.
00:29:35: Mehr lässt sich aus diesem Fund nicht sicher ableiten.
00:29:38: Die später verbreitete Vorstellung, Seiler habe den Jungen bis zuletzt getragen oder bewusst mit seinem Körper gewärmt ist eine mögliche Deutung – kein belegter Bericht über ihre letzten Stunden!
00:29:49: Mit diesem Fund endet die Suche.
00:30:08: Im Zentrum dieser Geschichte stehen keine Schiffren und keine Schlagzeilen.
00:30:12: Es stehen dreizehn Menschen mit Namen, Familien und einem Leben das vor ihnen lag.
00:30:17: Die zehn Schüler waren Wilfried Dengler, Herbert Kurz, fünfzehn Jahre.
00:30:25: Peter Lenen, fünftzehn jahre.
00:30:27: Peter Mössner, sechzehnjahre Rolf Möessner, vierzehnJahre Roland Rauschmayer, fünfzehn Jahre Karl-Heinz Rienekar, sechszehn Jahr Kurth Seitz, vierzen Jahr Dieter Steck, sechszehn und Klaus Strobel, Fünfzehne.
00:30:48: Mit ihnen starben die drei Lehrkräfte Hans-Werner Rupp und Christa Volmer, beide dreieundzwanzig Jahre alt sowie Hans Georg Seiler, neununddreißig Jahre.
00:30:58: In vielen späteren Listen werden Rupp & Volmer mit vierundzwantzig und Seiler mit vierzig angegeben – das entspricht dem Lebensalter, dass sie im Jahr nineteenhundertfünfzig noch erreicht hätten!
00:31:08: Nach den in der Stadtarchiv-Dokumentation genannten Geburtsdaten waren sie am fünfzehnten April jedoch dreiundzwanzig, dreiund zwanzig und neunund dreißig Jahre alt.
00:31:17: Ich verwende daher das kalendarisch korrekte Alter am
00:31:20: Unglückstag.".
00:31:21: Nach einer Katastrophe dieser Größe beginnt fast zwangsläufig die Suche nach Verantwortung – beim Dachsteinunglück setzt sie ein noch während die Vermissten gesucht werden.
00:31:30: Die belegbaren Entscheidungen sind deutlich.
00:31:33: Seiler änderte kurzfristig die abgesprochene Route, ohne Johann Bolz darüber zu informieren.
00:31:39: An der Schönberg Alm riet Susanna Beerschitz zurückkehr – die Gruppe ging weiter!
00:31:44: Nach späterer Überlieferung traf sie im Bereich der Seilbahnstütze auf Arbeiter, die wegen des Wetters abstiegen.
00:31:50: Danach verlor sie im Sturm die Orientierung.
00:31:53: Ebenso belegt ist aber, dass die offizielle Vorhersage vom Vortag keinen außergewöhnlichen Schneestum ankündigte und das beim Aufbruch gute Sicht herrschte.
00:32:02: Johann Bolz hatte die ursprünglich abgesprochene Route über Krippenbrunn und die Gleitalm für vertretbar gehalten.
00:32:08: Der schwere Wettersturz traf das Plateau erst im Laufe des Vormittags.
00:32:13: Diese Punkte erklären warum das Unglück bis heute unterschiedlich gedeutet wird – sie heben einander nicht auf!
00:32:19: Eine unzureichende Prognose macht eine Entscheidung zu weitergehen nicht automatisch richtig.
00:32:24: Umgekehrt beweist eine problematische Entscheidung noch keine Absicht oder Gleichgültigkeit.
00:32:29: Auch die juristische Geschichte ist klarer, als manche spätere Erzählungen vermuten lässt.
00:32:33: – Die Staatsanwaltschaft Heilbronn leitete Ermittlungen gegen Hans-Georg Seiler ein.
00:32:39: Am zehnten Juli-Ninzehnundertfünfzig stellte sie das Verfahren nach Paragraf Einundertseipzig Absatz zwei der Strafprozessordnung ein.
00:32:47: Der Grund ist, es bestand kein genügender Anlass zur Erhebung einer öffentlichen Klage.
00:32:51: Das ist kein gerichtlicher Freispruch denn es kam zu keinem Prozess.
00:32:55: Es ist aber ebenso wenig richtig zu behaupten eine strafrechtliche Schuld Seilas sei festgestellt worden.
00:33:02: Einige Eltern ließen später prüfen ob die Schulbehörde haften könnte.
00:33:06: Dabei spielte auch die Frage eine Rolle, ob die Reise rechtlich als Schulveranstaltung galt.
00:33:11: Zu einer Klage kam es nicht – die Familien wollten ihr Leid nicht noch einmal zum öffentlichen Streitfall machen.
00:33:17: In späteren Filmen und Artikeln wurde Seiler zum Teil sehr deutlich die Hauptverantwortung zugeschrieben.
00:33:23: Angehörige einzelner Opfer äußerten diese Einschätzung ebenfalls.
00:33:27: Andere ehemalige Schüler erinnerten sich an Seiler als verantwortungsbewussten und beliebten Lehrer, der vom Stadtarchiv herausgegebene Quelle im Band enthält beide Seiten und lässt die moralische Schuldfrage offen.
00:33:39: Für eine faktenbasierte Erzählung bedeutete das – wir können Entscheidungen benennen und bewerten!
00:33:44: Wir können sagen dass die Routenänderung die Suche erschwerte schlecht wetter Verhängnis voll war.
00:33:54: Wir können aber keine Gedanken oder Motive als Tatsachen ausgeben, die Seiler niemanden mehr erklären
00:34:00: konnte.".
00:34:01: Auch die besonders zugespitzten Warnsätze, die später entweder Susanna Bershitz oder einem Arbeiter zugeschrieben wurden sind in diesem Wortlaut nicht durchzeitnahe Akten belegt – sicher dokumentiert ist Berschitz' Rat zurückkehr!
00:34:14: Für die Begegnung an der Seilbahnstütze ist ein warnender Zuruf erst in späteren Darstellungen überliefert.
00:34:36: Zur Wirkungsgeschichte des Unglücks gehören Fotografien, die der Schüler Dieter Steck am fünften April aufgenommen hatte.
00:34:43: Sie zeigen Seiler an der Spitze der Gruppe – eine Pause im Schnee und vermutlich die letzte Aufnahme der Wanderer.
00:34:49: Diese Bilder lassen erkennen das die Gruppe unterwegs fotografierte und dass sich die Bedingungen im Tagesverlauf veränderten.
00:34:55: Sie zeigen jedoch nicht die gesamte Wanderung und können nicht jede spätere Behauptung über Kleidung, Nässe und Motivation
00:35:01: beantworten.".
00:35:03: Mehrere persönliche Gegenstände wurden erst im Laufe der wochenlangen Suche gefunden.
00:35:07: Ein Fotograf ließ Abzüge von einem geborgenen Film anfertigen und wollte sie nach der Darstellung um Stadtarchivband exklusiv verkaufen, obwohl Diskretion vereinbart worden war.
00:35:18: Das Bildmaterial wurde schließlich mehreren Medien zugänglich gemacht – das Unglück entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Medienereignis.
00:35:26: Rund vierzig Journalisten besuchten die späteren Pressekonferenzen in Obertraun.
00:35:30: Radioübertragungen, Wochenschauen, Tageszeitung und Illustrierte berichteten fortlaufend.
00:35:36: Manche Reporter arbeiteten sorgfältig andere veröffentlichten Spekulation falsche Namen oder pietätlose Bilder der Toten.
00:35:44: Das erklärt, warum sich Fakten und dramatische Ausschmückungen schon früh vermischten.
00:35:48: Tage lang gab es kaum neue gesicherte Informationen – aber Redaktionen erwarteten täglich neue Geschichten!
00:35:54: Die Informationslücke begünstigte Erzählungen über angeblich eindeutige Warnungen, über die Persönlichkeit des Lehrers und den genauen Todeskampf der Gruppe.
00:36:04: So wurde das Dachstein-Unglück nicht erst Jahrzehnte später zu Mythos.
00:36:07: Der Prozess begann bereits während der Suche….
00:36:11: Die Suchaktion machte deutlich, wie begrenzt die damaligen technischen und organisatorischen Möglichkeiten waren.
00:36:16: Hubschrauber konnten nur bei ausreichend guter Sicht eingesetzt werden.
00:36:20: Funkverbindungen waren lückenhaft.
00:36:22: Zeitweise mussten Meldungen über Ketten von Sprechfunkposten weitergegeben werden.
00:36:26: Zuständigkeiten zwischen Gendarmerie, Bergrettung und freiwilligen Helfern waren nicht so eingespielt wie heute.
00:36:33: Trotzdem arbeiteten die Beteiligten über Wochen bis zur Erschöpfung.
00:36:36: Zeitweise waren mehr als vierhundert Menschen und zahlreiche Lawinsuchhunde gleichzeitig am Berg.
00:36:41: Die Einsatzkräfte kamen aus Oberösterreich, der Steiermark und weiteren Regionen.
00:36:46: Amerikanische Besatzungstruppen stellten Flugzeuge, Hubschrauber, Zelte- und Schlafsäcke bereit.
00:36:52: Ajax, der Lawinensuchhund von Matteo Schatzl war vom sechzehnten April bis zum zwölften Mai – täglich bis zu zwölf Stunden im Einsatz.
00:37:00: Die Presse machte ihn zu einem der bekanntesten Tiere der Sucher.
00:37:03: Nach Angaben der Bergrettung Obertrauen war ein Salzburger Jondarm von Ajax so beeindruckt dass daraus später eine suchende Staffel in Salzburg entstand.
00:37:12: Auch die Regeln für Schulausflüge wurden im Baden-Württemberg neu gefasst.
00:37:16: Ein Erlass vom sechzehnten Juni, von der jährlichen Unternehmung nach Jahrgangsstufen begrenzte mehrtägige Schulausplüge und untersagte gefährliche Gebirgstouren sowie vergleichbare Unternehnungen.
00:37:27: Das Unglück führte also nicht zu einem vollständigen Ende von Klassenfahrten – wohl aber zu strengeren Vorgaben für Planung und Sicherheit.
00:37:35: Am neunten Mai, von dem Bivakplatz das erste einfache Holzkreuz stand nahe.
00:37:40: Das heutige Heilbronnerkreuz liegt am Weg zwischen Krippenstein und Gleitalm auf untausend neunhundertneinundfünfzig Metern höher.
00:37:48: Auf dem Heilbronner Hauptfriedhof entstand eine gemeinsame Grabstätte, dort erinnern die Namen der Toten an das Unglück.
00:37:55: Im Frühjahr deinerzeit in den letzten Jahren bildete sich ein Komitee für den Bau einer Kapelle auf dem Kripenstein.
00:38:01: Am elften Juli neunzehnhundert neunundfünftig wurde sie geweiht.
00:38:04: Die Stadt Heilbronnen stiftete eine Glocke, die bei der Weihe zum ersten Mal erklang.
00:38:09: Die Eltern der Schüler spendeten zehn Messingleuchter.
00:38:13: Aus der wochenlangen gemeinsamen Suche entstanden enge Verbindungen zwischen Heilbronn und Obertraun.
00:38:18: vor dem Hintergrund, der noch belasteten deutsch-österreichischen Nachkriegsbeziehungen hatte diese Zusammenarbeit eine besondere Bedeutung.
00:38:25: Die Erinnerung wurde über Besuche, Gedenkfeiern und persönliche Kontakte weitergetragen.
00:38:31: Auch Kunst- und Film griffen das Geschehen auf.
00:38:33: Peter Gruber veröffentlichte in den Roman Tod am Stein, den er in einer überarbeiteten Fassung neu herausgab.
00:38:42: H. J. Baum-Gärtners Dokumentarfilm erschien aus dem Jahr.
00:38:46: Weitere Produktionen kamen unter anderem vom ORF und Servus TV.
00:38:50: Zum sechzigsten Jahrestag komponierte Jochen Neu-Rad das werkgefrorene Träume für zwei gemischte Köre Akapella.
00:38:57: Die Ohraufführung fand im Rahmen zweier Konzerte am vierten und fünften April, in der Helbrona Kilianskirche statt.
00:39:05: Zum siebzigsten Jahrstag im April, veranstalteten die Damm-Realschule unter Stadtarchiv Halbronn gemeinsam einen Gedenkabend.
00:39:14: Schülerinnen und Schüler setzten sich in einem Fächerübergreifenden Projekt mit dem Unglück auseinander.
00:39:19: Im Oktober des selben Jahres erinnerte eine Bergmesse am Krippenstein, erneut an die Toten und an die Helfer.
00:39:55: Was bleibt nach dieser Geschichte?
00:39:56: Es bleibt eine Wanderung, die bei guter Sicht begann und in einem Schneestum endete.
00:40:01: Es bleibt, die Warnung an der Schönbergalm und die Entscheidung weiterzugehen.
00:40:11: Es bleibt ein Wetter sturzt dessen Heftigkeit die allgemeine Prognose vom Vortag nicht erkennen ließ.
00:40:16: Es bleiben dreizehn Menschen, die auf einer offenen Hochfläche die Orientierung verloren und keine Zuflucht mehr erreichten.
00:40:22: Und es bleibt die Pflicht zwischen dem zu unterscheiden was wir wissen und dem was spätere Generation in den Lücken hineinerzählt haben.
00:40:30: Hans Georg Seiler änderte die angekündigte Route und entschied sich an der Schoenbergalmen zum Weitergehen!
00:40:35: Diese dokumentierten Entscheidungen dürfen benannt und kritisch eingeordnet werden.
00:40:40: Eine strafrechtliche Schuld wurde jedoch nie vor Gericht festgestellt, das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt – was er dachte, welche Warnung er wie verstand und warum er weiter ging lässt sich nicht mehr mit Sicherheit beantworten.
00:40:52: Vielleicht ist das die unbequemste Wahrheit dieses Unglücks?
00:40:55: Fakten können einen Ablauf präziser machen ohne jede moralische Frage zu lösen!
00:41:00: Der Dachstein schweigt nicht über alles.
00:41:02: Die Akten, Wetterdaten, Fundorte und Einsatzberichte erzählen viel.
00:41:06: Aber an einer entscheidenden Stelle endet ihre Stimme – dort wo die letzte überlieferte Begegnung an der Seibernstütze endet und die dreizehn Heilbronner im Schnee verschwenden!
00:41:17: Unsere Aufgabe ist nicht diese Lücke mit Gewässheit zu füllen.
00:41:20: Unsere Aufgabe ist sie nicht mit einer Legende zu
00:41:23: verwechseln.".
00:41:24: Wenn euch diese Folge gefallen hat oder ihr eure Gedanken dazu mitmitteilen möchtet, findet ihr mich auf Instagram unter chronik.der.chatten.
00:41:31: Unterstrich Podcast.
00:41:33: Per Mail erreicht ihr mich unter podcastatchronik-der-chatten.de.
00:41:39: Außerdem freue ich mich wenn ihr dem Podcast abonniert, bewertet und weiterempfehlt – damit helft ihr die Geschichten hinter den Geschichten sichtbar zu machen!
00:41:46: Danke dass Ihr heute wieder mit mir durch die Schatten gereist.
00:41:49: seid und bleibt wachsam für die Geschichte hinter den Geschichte.
00:42:13: Hmm, legende und heiz suchst du nach jeder seite ein flüstern das tief in dir spricht bis die realität finsternis bricht.
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