Der Eisenberg bei Goldhausen - Deutschlands sagenumwobener Goldberg
Shownotes
In dieser Folge von "Chronik der Schatten" geht es nach Nordhessen – genauer gesagt zum Eisenberg bei Goldhausen, südwestlich von Korbach.
Auf den ersten Blick wirkt der Eisenberg unscheinbar: bewaldet, ruhig, mit einem alten Aussichtsturm auf der Kuppe. Doch in seinem Inneren liegt eine der bedeutendsten Goldlagerstätten Deutschlands. Über Jahrhunderte wurde hier Gold gewonnen – in engen Stollen, mit harter Handarbeit und unter Bedingungen, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.
Wir schauen uns an, wie dieses Gold überhaupt in den Berg kam, warum der Eisenberg eigentlich einen irreführenden Namen trägt und wie aus einer Bergmannssiedlung das heutige Goldhausen entstand.
Außerdem geht es um die Burg Eisenberg, später Schloss Eisenberg, die einst auf der Kuppe stand. Sie war Residenz der Grafen von Waldeck-Eisenberg, wurde ausgebaut, beschädigt, verlassen, abgetragen und schließlich fast vollständig vergessen – bis Archäologen ihre Grundmauern wieder sichtbar machten.
Natürlich darf auch die Sagenwelt nicht fehlen. Denn rund um den Eisenberg erzählen sich die Menschen Geschichten vom Zwerg Erpo, vom Goldhäuser Teich und von den Wichteln im Berg. Diese Erzählungen werden in der Folge klar als Sagen eingeordnet, zeigen aber sehr schön, wie tief sich der Goldbergbau in das Gedächtnis der Region eingegraben hat.
In dieser Folge geht es unter anderem um:
– den geologischen Ursprung des Goldes im Eisenberg – Goldbergbau seit dem Mittelalter – Albertus Magnus und die frühe Erwähnung des Korbacher Goldes – die Burg und das spätere Schloss Eisenberg – die Grafen von Waldeck-Eisenberg – Goldhausen als Bergmannssiedlung – auswärtige Investoren aus Nürnberg, Straßburg und Magdeburg – Verhandlungen mit den Fuggern – den Niedergang durch Krieg, Holzmangel und wirtschaftliche Grenzen – moderne Goldsuche im 20. Jahrhundert – die Wiederentdeckung der Burgruine – das Besucherbergwerk und die Goldspur Eisenberg
– den Zwerg Erpo, den Goldhäuser Teich und die Wichtel im Berg
Vielen Dank an das Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach. Dort durfte ich Fotos anfertigen, um auf Instagram einige der archäologischen Funde und Exponate aus dieser Episode zeigen zu können. Schaut sie euch gerne auf meinem Instagram-Kanal chronik.der.schatten_podcast an. Vielen Dank für die freundliche Unterstützung.
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Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.
Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.
Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.
Hinweis zur Verwendung künstlicher Intelligenz
Das Titelbild sowie der Gesang und die musikalische Umsetzung der Titelmusik wurden mithilfe generativer künstlicher Intelligenz erstellt. Der Liedtext stammt vollständig von mir.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSC
QUELLEN UND LITERATUR
Hinweis zur Arbeitsweise: Alle historischen Angaben dieser Folge beruhen auf den unten genannten Quellen. Sagen, Märchen und lokale Überlieferungen wurden ausdrücklich als Erzählgut gekennzeichnet und sinngemäß, nicht wörtlich, nach der Goldhäuser Überlieferung nacherzählt. Bei Jahreszahlen mit abweichender Überlieferung wurden die Unterschiede im Skript benannt.
Fachliteratur und wissenschaftliche Grundlagen:
• Jens Kulick: Burg Eisenberg bei Goldhausen. Führungsblatt zu den Wallanlagen und der Ruine Burg Eisenberg auf dem Eisenberg bei Korbach-Goldhausen, Kreis Waldeck-Frankenberg. Archäologische Denkmäler in Hessen, Heft 17. Landesamt für Denkmalpflege Hessen.
• Jens Kulick: Goldbergbau am Eisenberg bei Goldhausen. Führungsblatt zu einem Industriedenkmal des Mittelalters und der frühen Neuzeit bei Korbach-Goldhausen, Kreis Waldeck-Frankenberg. Archäologische Denkmäler in Hessen, Heft 143. Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1998.
• Walter Hellwig: Die Suche nach Gold in Deutschlands reichster Lagerstätte, dem Eisenberg bei Korbach und seiner Umgebung. Korbach, 2016.
• Walter Hellwig, Birgit Emde und Volker Emde: Durch Stollen und Schächte zum Gold. Zur Geschichte des Goldbergbaus im Eisenberg bei Goldhausen.
• Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen, 3. Auflage, 2000.
• Jörg Lindenthal: Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel, 2004.
• Rolf Müller: Schlösser, Burgen, alte Mauern. Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden, 1990.
• U. Bockshammer: Ältere Territorialgeschichte der Grafschaft Waldeck. Marburg, 1958.
Historische Quellen und ältere Überlieferung:
• Albertus Magnus: De mineralibus. Erwähnung des Goldes aus dem Raum Korbach beziehungsweise Eisenberg.
• Tacitus: Annalen. Hinweis auf den antiken Flussnamen Adrana, der häufig mit der heutigen Eder in Verbindung gebracht wird.
• Alfred Yark: Darstellung zur Burggeschichte des Eisenbergs. Waldeckische Gemeinnützige Zeitschrift, 1837; später auch in: Friedrich Gottschalck: Die Ritterburgen Deutschlands, Band 1, Magdeburg, 1840.
• Anonymer Verfasser: Historisch-kritischer Commentar über Yark’s Eisenberg. Waldeckische Gemeinnützige Zeitschrift, 1837.
Onlinequellen und Institutionen:
• Goldhausen im Ferienland Waldeck: Informationen zur Ortsgeschichte, zum Goldbergbau am Eisenberg, zur Burgruine Eisenberg, zum Besucherbergwerk, zur Goldspur Eisenberg sowie zu den Goldhäuser Sagen und Märchen.
• Hansestadt Korbach: Themenseite „Gold“ mit Informationen zur Goldlagerstätte, zum Besucherbergwerk, zur Goldspur Eisenberg und zum Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach.
• Geopark GrenzWelten: Informationen zum Goldbergbaurevier am Eisenberg, zur Entstehung der Goldlagerstätte, zu den historischen Stollen und zur Goldspur Eisenberg.
• Westfälische Hanse: Beiträge zu den „Korbacher Unterwelten“ sowie zu Gold, Kupfer und Eisen in Korbach.
• LAGIS Hessen: Eintrag zur Burg Eisenberg bei Korbach.
• Germanisches Nationalmuseum / Projekt „Renaissanceschlösser in Hessen“: Informationen zur Ruine Eisenberg bei Goldhausen.
• EBIDAT – Datenbank des Europäischen Burgeninstituts: Einträge „Eisenberg I–III“ bei Korbach.
• Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach: Informationen zur Dauerausstellung über Stadtgeschichte, Geologie, Archäologie, Goldbergbau und Burg Eisenberg.
• Wikipedia: Artikel „Burg Eisenberg (Korbach)“ und „Goldhausen (Korbach)“ als ergänzende Überblicksquellen und zur Orientierung bei Baugeschichte, Datierungen, Ortsgeschichte und weiterführenden Verweisen.
Sagen und Erzählgut:
• Goldhausen im Ferienland Waldeck: „Der Goldhäuser Teich“ nach M. Schmalz. Grundlage für die Sage um den Zwerg Erpo, den Goldhäuser Teich, den Königssohn vom Rhein, das Amulett und die verlorene Goldader.
• Goldhausen im Ferienland Waldeck: „Das Märchen von Goldhausen“. Grundlage für die Erzählung von den Goldhäuser Wichteln, der goldenen Kugel und dem Bergmann, der den Frieden des kleinen Volkes stört.
Hinweis: Die Sagen und Märchen wurden in der Folge nicht als historische Tatsachen dargestellt, sondern als lokale Überlieferungen eingeordnet.
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Transkript anzeigen
00:00:03: Herzlich willkommen zurück bei Chronik der Schatten.
00:01:02: Schön, dass ihr wieder da seid meine lieben Shadows!
00:01:04: Heute nehme ich euch mit nach Nordhessen in eine Landschaft auf sanften Bergkügeln, dunklen Wäldern und kleinen Dörfern – irgendwo zwischen Sauerland.
00:01:15: Dort, ein paar Kilometer südwestlich der Hansestadt Korbach erhebt sich einen Berg, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt.
00:01:22: Keine Schroffenfelsen, keine dramatische Silhouette – fünfundundsechzig Meter hoch bewaldet mit einem alten Aussichtsturm auf der Kuppe!
00:01:31: Trotzdem ist dieser Berg alles andere als gewöhnlich.
00:01:35: Man nennt ihn den Eisenberg — Ein Name, der in die Irre führt Denn was die Menschen über Jahrhunderte an diesem Berg gezogen hat, was sie tiefer und tiefer in seinen Bauch graben ließ war kein Eisen.
00:01:46: Es war Gold!
00:01:48: Der Eisenberg bei Goldhausen gilt als eine der bedeutendsten nach vielen Darstellungen sogar als die reichste Goldlagerstätte Deutschlands.
00:01:56: Mehr als eine Tonne reinen Goldes haben Menschen aus diesem Berg geholt mit Schlägel- und Eisen – bei Kerzenlicht im Gängen, die so eng sind dass man kaum darin knien kann.
00:02:07: Rund zwanzig Kilometer suchen Abbaustrecken durchziehen den Berg.
00:02:11: Hinzu kommen zahlreiche Schächte und alte Abbauspuren, fast alles wurde von Hand geschlagen.
00:02:16: Auf seinem Gipfel stand einst eine Burg später einen Schloss Residenz eines Grafenhauses.
00:02:23: Heute ist davon kaum mehr übrig als Grundmauern Ein Wall und ein Graben.
00:02:28: Eine Geschichte von Aufstieg und Glanz Von Krieg Blitzschlag Verfall Und vom Langsamen verschwinden Bevor wir losgehen, wie immer ein Wort zu unserer Reiseroute.
00:02:39: Alles was ihr in dieser Folge hört beruht auf belegbaren Fakten – Auf Urkunden, archäologischen Funden, historischen Kroniken und wissenschaftlichen Untersuchungen.
00:02:48: Dort wo wir das Reich der Fakte verlassen und in die Welt der Sagen- und Erzählungen eintauchen – und das werden wir denn dieser Berg hat auch davon einige zu bieten – sage ich es euch klar dazu!
00:02:59: Ihr werdet also immer wissen auf welchem Boden wir gerade stehen… Auf dem festen Grund der Geschichte oder auf dem schimmernden Nebel der Legende.
00:03:07: Dann lasst uns aufbrechen, hinauf auf den Eisenberg und hinein in seine Tiefe!
00:03:42: Jede Geschichte hat einen Anfang – die Geschichte des Eisenbergs beginnt nicht im Mittelalter, nicht bei Rittern- oder Bergleuten.
00:03:49: Sie beginnt vor rund dreihundertsechzig Millionen Jahren Zu einer Zeit, in der es weder den Eisenwerk noch Hessen noch überhaupt einen Menschen gab.
00:03:59: wo heute Wälder und Felder liegen, erstreckte sich damals ein Meer.
00:04:04: In diesem Meerwasser war – wie übrigens auch im Wasser der heutigen Ozeane – Gold gelöst in winzigsten fast unvorstellbar geringen Konzentrationen.
00:04:13: Um euch eine Vorstellung zu geben, wie wenig das ist die nachweisbare Menge entspricht ungefähr einem Stück Würfelzucker aufgelöst im randvollen Edersee Ein einzelnes Stück Zucker in einem ganzen Stausee.
00:04:27: Aus dieser hauchdünnen Spur sollte über geologische Zeiträume hinweg ein Schatz entstehen.
00:04:33: Am Boden dieses urzeitlichen Meeres lagerten sich über Jahrmillionen Sedimente ab – Schicht um Schicht!
00:04:40: In diesen Schichten reicherte sich das Gold an, später im Zuge der waristischen Gebirgsbildung.
00:04:46: vor rund dreihundertzehn bis dreihundertneunzig Millionen Jahren geriet die Erdkruste in Bewegung.
00:04:52: Das reinische Skifergebirge faltete sich auf.
00:04:55: Gewaltige Kräfte presten, zerbrachen und verschoben das Gestein.
00:05:00: In den Klüften und Spalten die dabei entstanden zirkulierten heiße Lösungen – in diesen Kluftbereichen konnte das Gold erneut angereichert werden und auskristallisieren!
00:05:10: So viel davon dass an dieser einen Stelle im späteren Eisenberg eine der außergewöhnlichsten Goldlagerstätten Deutschlands entstand.
00:05:19: Wichtig ist dabei eines und das unterscheidet den Eisenberg von den Bildern, die wir aus Alaska oder Kalifornien im Kopf haben.
00:05:26: Hier liegen keine dicken Nuggets im Bachbett!
00:05:29: Das Gold des Eisenbergs steckt als winzige Flitter- und Feinebleche in wenigen dünnem Gesteinschichten.
00:05:35: Unsichtbar für das geübte Auge – eingewachsenen dunklen Schiefer.
00:05:40: Wer es haben wollte musste den Berg aufbrechen, musste graben klopfen malen waschen.
00:05:46: Dieser Umstand wird die gesamte Geschichte prägen, die ich heute erzähle.
00:05:50: Denn der Eisenberg gab seinen Schatz nie freiwillig her – er verlangte immer einen Preis!
00:05:57: Eine Besonderheit kommt noch hinzu, die dem Berg aus geologischer Sicht bemerkenswert macht.
00:06:03: Am Eisenberg treten mehrere Bodenschätze nebeneinander auf — darunter Gold-, Kupfer- und Eisenerz.
00:06:10: Diese Konstellation gilt als ungewöhnlich und erklärt auch den Namen des Berges, denn das Eisenerz an der Oberfläche war früher sichtbarere als das verborgene Gold.
00:06:20: Der Berg trägt also gewissermaßen einen Decknamen – Eisenberg!
00:06:23: Dabei hätte Goldberg auf den ersten Blick besser gepasst.
00:06:27: Tatsächlich taucht in alten Urkunden ein Goldenberg auf… aber dazu kommen wir noch.
00:06:58: Springen wir vorwärts Viele Millionen Jahre vergehen.
00:07:04: Sein inneres voller verborgener Flitter.
00:07:07: Irgendwann kommen Menschen in diese Region, irgendwann bemerken sie etwas Glänzendes!
00:07:12: Ein früher Hinweis der in der Literatur manchmal mit dem Gold am Eisenberg verbunden wird führt bis in die Antike.
00:07:19: Der römische Geschichtsschreiber Takitus erwähnt einen Fluss namens Adrana – viele setzen diesen Fluss mit der heutigen Eder gleich.
00:07:28: Das klingt erst einmal spannend.
00:07:30: Es bedeutet aber noch nicht, dass die Menschen damals schon gezielt am Eisenberg nach Gold groben.
00:07:35: Dafür gibt es keinen sicheren Beleg.
00:07:37: Sicher sagen können wir nur – Die Bäche und Flüsse in dieser Region können winzige Goldflitter mit sich führen!
00:07:44: Dieses Gold stammt aus dem Gestein des Eisenbergs und wurde über lange Zeit aus dem Berg herausgewaschen.
00:07:50: Gut möglich also das Menschen zuerst in den Gewässern auf diese kleinen Goldspuren schließen….
00:07:55: Vielleicht war genau das der Anfang.
00:07:57: Ein Glitzern im Bachbett, ein winziger Schlitter im Sand und irgendwann die Frage woher dieses Gold eigentlich kam?
00:08:05: Ob das schon in der Antike geschah wissen wir nicht – es bleibt eine naheliegende Vermutung mehr aber auch nicht!
00:08:12: Greifbarer wird es im Hochmittelalter.
00:08:14: Nach Erkenntnissen zur Bergbaugeschichte des Eisenbergs wurde hier bereits im elften und zwölften Jahrhundert Gold im Tagebau gewonnen.
00:08:23: Die Menschen gruben sich also zunächst nicht tief in den Berg hinein, sondern arbeiteten an der Oberfläche – dort wo die goldführenden Schichten zu Tage traten.
00:08:31: Die Spuren dieser frühen Tagbauer – Mulden, Gruben und Halden sind im Gelände bis heute zu erkennen wenn man weiß, wonach man sucht.
00:08:39: Wer heute über den Eisenberg wandert läuft buchstäblich über die Arbeitsplätze von Menschen, die vor neunhundert Jahren hier schufteten.
00:08:49: Im Jahr elfhundert, sechsundzwanzig wird der Eisenberg erstmals urkundlich erwähnt.
00:08:54: Damals noch unter dem Namen Isenberg.
00:08:57: In dieser Urkunde geht es um Landbesitz.
00:08:59: Ein Stück Land am Eisenberg gelangt in den Besitz des Kloster Skorvi einer der bedeutendsten Reichsabteilen jener Zeit.
00:09:07: Es ist ein unscheinbarer Verwaltungsvorgang – einen Eintrag über Landbesetz.
00:09:12: Für uns ist das der Moment, indem der Berg aus dem Dunkel der schriftlosen Zeit heraustritt und einen Namen bekommt.
00:09:19: Gut hundert Jahre später folgt der Zeitraum, den man als die Geburtsstunde der schriftlich belegten Goldgeschichte des Eisenwerks bezeichnen kann.
00:09:27: Um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts wird das Gold aus dem Raum Korbach in einer gelehrten Schrift erwähnt und zwar von Albertus Magnus – Albert der Große, Theologe, Philosoph, Naturforscher, Lehrer des Thomas von Aquin und später Bischof von Regensburg.
00:09:45: In seinem naturkundlichen Werk über die Mineralien DeMineralibus schreibt Albertus Magnus über das Gold aus dem Berg bei Korbach.
00:09:54: Sinngemäß berichtet er, dass im westfälischen Raum bei einem Ort namens Korbach in einem Berg goldgefunden werde und dass dieses Gold von besonders guter Qualität sei weil bei seiner Verarbeitung weniger verloren gehe als bei anderem Gold.
00:10:10: Das gilt als eine der ältesten schriftlichen Erwähnungen des Eisenberger Goldes.
00:10:15: Diese Stelle ist bemerkenswert, sie zeigt zweierlei.
00:10:19: Erstens war der Goldbergbau am Eisenberg Mitte des dreizehnten Jahrhunderts bereits bekannt.
00:10:25: Zweitens hatte sich der Ruf dieses Goldes bis in gelehrte Kreise des Reichels herumgesprochen – ein Berg in den nordhessischen Provinz und einer der klügsten Köpfe Europas schreibt über ihn.
00:10:38: In dieselbe Zeit fällt ein weiteres Ereignis, das zeigt dass dieser Berg damals kein abgelegener Winkel war sondern einen Ort von politischem Gewicht.
00:10:47: Im Jahr twelvehundertneunundvierzig fand auf dem Eisenberg eine bedeutende Versammlung geistlicher und weltlicher Würdenträger statt unter den Anwesenden der Erzbischof von Köln Konrad von Hochstaaten jener Mann der den Grundstein des Kölner Domes gelegt hatte Dazu Bischof Simon von Paderborn, Abt Hermann von Korvi und Graf Adolf I. von Baldeck.
00:11:13: Man muss sich das vor Augen führen – die mächtigen Männer der weiteren Region treffen sich ausgerechnet hier auf diesem Berg.
00:11:20: Das war kaum Zufall.
00:11:22: Der Eisenberg lag exponiert weit hinsichtbar an der Schnittstelle von Einflusspferen Und in seinem Innern lag ein Schatz, von dem inzwischen viele wussten.
00:11:32: Die Überlieferung kennt für diese frühe Zeit übrigens noch eine ältere Anlage auf dem Berg, von der wir gleich noch hören werden.
00:11:40: Auf einem Vorsprung an der Nordostseite soll nach späterer Überlieführung bereits in Karolingischer Zeit eine Königsburg gestanden haben, auf der ein königlicher Beamter saß und unter Königsbahn gerichthielt.
00:11:53: Archäologisch fassbar ist an dieser Stelle ein sogenannter Burgstall, die stelle einer fast völlig verschwundene Burkanlage, die heute als Bodendenkt mal verzeichnet ist und in der Überlieferung Namen trägt wie Fürstenstuhl, Königsstuhl oder Königsburg.
00:12:09: Keramikfunde von dort datieren ins Dreizente- oder Vierzenteljahrhundert – hier wird es spannend!
00:12:15: Im Jahr twölfhundertvierund fünfzig erwähnt eine Urkunde ein Kastrum Goldenberg Eine Burg, Goldenberg.
00:12:23: Ob es sich dabei um genau diese Anlage auf dem Bergsporn handelt ist nicht abschließend geklärt.
00:12:29: Der Name spricht trotzdem Bände – Goldenberg!
00:12:32: Spätestens jetzt trug der Berg seinen Schatz also auch im Namen.
00:12:56: Kommen wir nun zu dem Bauwerk, dessen Reste heute noch auf der Kuppe des Eisenbergs zu sehen sind.
00:13:01: Die Burg Eisenberg!
00:13:03: Schaut dazu gerne mal bei mir auf Instagram vorbei unter chronik.der.schatten-podcast.
00:13:08: Da zeige ich auf jeden Fall Fotos und Videos zu dieser Folge.
00:13:12: Gleich zu Beginn dieses Kapitel stehen wir vor einem echten Rätsel – einem von der Sorte wie wir sie in dieser Chronik so lieben Denn wer diese Burg erbaut hat weiß niemand.
00:13:22: Die Erbauer sind schlicht nicht überliefert.
00:13:24: Was wir haben, sind Keramikfunde aus dem Graben der
00:13:27: Hauptburg.".
00:13:28: Diese Scherben wurden auf das Ende des Zwölften bzw.
00:13:31: den Beginn des dreizehnten Jahrhunderts datiert.
00:13:34: Demnach muss die Burg in dieser Zeit errichtet worden sein – also ungefähr in jener Epoche, in der auch Goldbergbau am Berg nachweislich lief und Albertus Magnus vom Korbacher Gold schrieb.
00:13:47: Für die Gründung kommen nach heutigem Forschungsstand zwei Kandidaten in Frage.
00:13:52: Entweder die Grafen von Waldeck, deren Aufstieg zur beherrschenden Kraft der Region damals begann oder die Herren von Itta, die als Herren im Ittagau über alte Rechte in diesem Raum verfügten.
00:14:04: Eine Entscheidung zwischen beiden lässt sich aus den Quellen nicht treffen – Die Burg steht also gewissermaßen ohne Geburtsurkunde da!
00:14:12: Dazu kommt eine weitere Eigentümlichkeit, die man ehrlich benennen muss.
00:14:16: Wenn man sich wie ich hier bei Chronik der Schatten an die Fakten halten will.
00:14:20: Zwischen der archäologischen Datierung und der schriftlichen Überlieferung klafft eine Lücke.
00:14:25: Die Keramik sagt Hier stand um Zwölfhundert etwas... ...die Urkunden aber schweigen lange!
00:14:32: Die örtliche Überlieführung nennt Dreizehnhundertvierzig als frühe urkundliche Erwähnung einer Burg auf dem Eisenberg.
00:14:39: In der bogenkundlichen Forschung gilt die erste sichere Nachricht über die Burg Eisenberg, ebenfalls im Besitz der Grafen von Waldeck.
00:14:49: Um das Jahr thirteenhundertneunfünfzig lassen sich zudem die Herren von Nordenbeck als Bewohner auf der Burg nachweisen – ein Adelsgeschlecht aus dem direkt benachbarten Norden Beck!
00:14:59: Was in den anderthalb Jahrhunderten davor auf der Kuppe geschah, wer dort lebte, wer da herrschte, liegt weitgehend im Dunkeln.
00:15:07: Eine Burg, die schweigend in die Geschichte
00:15:09: eintritt.".
00:15:10: Was sich hingegen sagen lässt – Der Standort war klug gewählt!
00:15:14: Der Eisenberg ist zwar weder der höchste Berg der Umgebung noch lag er im geografischen Zentrum des Waldekalandes.
00:15:21: Durch seine exponierte Lage gegenüber dem unmittelbaren Umland gilt er trotzdem als strategisch wichtiger Punkt der Region.
00:15:28: Wer oben stand, sah weit – bis ins Sauerland über die Ederberge und das Waldecker Land.
00:15:35: Wer dort oben eine Burg hielt, kontrollierte zweierlei.
00:15:38: Das Land trinkts um und den Berg darunter.
00:15:41: Den Berg mit dem
00:15:42: Gold.".
00:15:44: Um das Bild zu vervollständigen… Auf dem Eisenberg gibt es nicht nur die Burkroine und den erwähnten Königsstuhl ….
00:15:50: Es existiert noch eine dritte Anlage!
00:15:53: Eine Ringwall-Anlage südöstlich des heutigen Aussichtsturms mit flachem Wall und vorgelagerten Graben geteilt durch einen Zwischenwall.
00:16:01: Ihre Entstehungszeit ist bis heute nicht sicher bestimmt.
00:16:05: Scherbenfunde verweisen ins Dreizente und fünftzehnte Jahrhundert, früher hielt man die Anlage sogar für Kältisch – drei Befestigungen auf einem einzigen Berg!
00:16:15: Auch das erzählt etwas darüber wie wichtig dieser Ort den Menschen über die Jahrhunderte war….
00:16:48: Im fünften Jahrhundert wird das Bild deutlich schärfer.
00:16:52: Jetzt sprechen die Urkunden und sie erzählen von Familienpolitik, von Geld und vom Beginn einer regelrechten Goldgräber-Siedlung.
00:17:00: Im Jahr fourteenhundertundzwanzig kommt es im Hause Waldeck zu einer Teilung.
00:17:04: Graf Heinrich VII.
00:17:05: von Waldek tritt in Zuge der Aussöhnung und Teilung der Grafschaft die Burg Eisenberg an seinen Bruder Adolf ab.
00:17:12: Die örtliche Chronik überliefert dazu eine bemerkenswerte Zahl – dreihundertfünfzig goldgulden!
00:17:18: Für diesen Betrag wechselt die Burg den Besitzer, innerhalb der Familie.
00:17:23: Haltet diesen Gedanken kurz fest!
00:17:25: Eine Burg auf einem Goldberg bezahlt in Goldmünzen – Geschichte hat manchmal einen Sinn für Symbolik.
00:17:32: Fünf Jahre später, fourzehnhundertsechstenzwanzig geschieht etwas das die Gegend dauerhaft verändern wird.
00:17:38: Sächsische Bergleute siedeln am Fluss des Berges an Fachkräfte aus den großen Bergbauregionen des Reiches, angeworben oder angelockt vom Gold des Eisenbergs.
00:17:48: In diesem Zusammenhang werden erst mal die sogenannten Goldhüser erwähnt – die Goldhäuser.
00:17:54: Aus dieser Bergmann-Siedlung wird das Dorf entstehen, das heute Goldhausen heißt.
00:17:59: Lasst euch das auf der Zunge zergehen!
00:18:01: Dieses Dorf verdankt seine Existenz und seinen Namen dem Gold.
00:18:05: Es ist im Wortsinn ein Golddorf.
00:18:08: Urkundlich taucht der Ortsname Goldhusen dann Fünfzehn-Einenvierzig zum ersten Mal in dieser Form auf, aber seine Wurzeln liegen hier bei den Bergleuten des Jahres vierzehnhundertsechsenzwanzig.
00:18:20: Der Ruf des Berges trägt weit!
00:18:22: Schon vierzehnhundertneunundzwanziger werden Nürnberger Geschäftsleute aus einer der reichsten Handelstädte des Reiches viele Tagreisen entfernt Land beim Nachbarort Eppe um Gold zu gewinnen.
00:18:34: Nürnenberg investiert im Nordhessen.
00:18:36: Das zeigt, welchen Klang der Name Eisenberg in den Ohren der Geldleute jener Zeit gehabt haben muss.
00:18:42: Der Bergbau wird nun auch rechtlich geordnet.
00:18:45: Im Jahr vierzehnundhundertachzig erlässt Graf Philipp II von Waldeck eine Bergordnung ein Regelwerk das festlegt wer unter welchem Bedingungen am Berg graben darf und welchen Anteil die Herrschaft erhält.
00:18:56: Fünfzehnhundertzwanzig folgte Erlass einer Bergfreiheit mit der auswertige Bergleute und Investoren angelockt werden sollten.
00:19:04: Der Goldbergbau ist jetzt kein wildes Graben mehr, sondern ein organisiertes verwaltetes besteuertes Gewerbe.
00:19:12: Parallel dazu steigt die Burg auf – im Jahr fourzehnhundertsiebenundachtzig wird sie Sitz des Waldeckischen Amtes Eisenberg also Verwaltungszentrum für umliegenden Dörfer.
00:19:23: Mehr noch!
00:19:24: Sie wird Residenz.
00:19:25: eine eigene Linie des Giraffenhauses, die Linie Waldeckeisenberg macht die Burg zu ihrem Sitz.
00:19:31: Von fourteenhundertsiebenundachtzig an wird die Anlage über zwei Jahrhunderte das Zentrum dieser gräflichen Linie bleiben, bis zu deren Aussterben um sechzehnhundertzweiundneunzig.
00:19:42: Der Berg trägt jetzt beides – unten die Bergläute, oben die Grafen.
00:19:47: Unten wird das Gold gewonnen und oben wird regiert!
00:19:51: Wie Eng Beides zusammenhing zeigt eine Episode um das Jahr fifteenhundert.
00:19:56: Drei Jahre lang stritten Waldeck und die Herren von Vier Münden um den Bergbau am Eisenberg.
00:20:01: Die Vier-Münder, ein Adelsgeschlecht das um vierzehnhundertfünfzig selbst einen Burgsitz auf dem Eisenberg inne gehabt hatte, lagen mit dem Grafen im Konflikt darüber wem die Rechte am Berg zustanden – wo Gold ist, ist Streit!
00:20:14: Diese alte Wahrheit galt auch hier….
00:20:18: Dann ist dann noch eine Zahl, die aufhorchen lässt.
00:20:20: Für das Jahr fourzehnhundertneunundneinzig nennt die örtliche Kronik eine außergewöhnlich ergiebige Goldader, mit angeblich bis zu zweitausend Gramm Gold pro Tonne Gestein.
00:20:30: Zweitausends Gramm – zwei Kilogramm Gold in einer einzigen Tonne Gestein!
00:20:36: Zum Vergleich?
00:20:37: Moderne Goldminen arbeiten heute oft profitabel mit Gehalten von wenigen Gramm pro Tonnen.
00:20:42: Solche Spitzenwerte beziehen sich, wenn sie zutreffen auf einzelne schmale Partien des Berges und sollten nicht als Durchschnittswert verstanden werden.
00:20:52: Allgemein gilt?
00:20:53: Die Goldgehalte am Eisenberg schwankten stark, konnten in bestimmten Bereichen aber außergewöhnlich hoch sein – solche Funde waren es die den Goldrausch am Eisenbergen immer wieder neu entfachten!
00:21:25: Das sechzehnte Jahrhundert ist die große Zeit des Eisenberges oben wie unten.
00:21:30: Beginnen wir oben auf der Kuppe.
00:21:31: Im Jahr fifteenhundertzwanzig, Lassengraf Philipp III.
00:21:35: von Waldeck und seine Gemahlin Anna von Kleve die mittelalterliche Burg zum Schloss ausbauen.
00:21:40: Aus der wehrhaften Höhenburg wird eine repräsentative Residenz – eine Wappentafel der beiden Zeugte von diesem Umbau.
00:21:48: Fünfzehnhundertsechzig folgt der nächste Schritt.
00:21:51: Ein kleiner dreigeschossiger Renaissance-Bau wird angefügt das sogenannte Neue Schloss.
00:21:57: Fifteenhundertsächsenachzig erhält die Anlage eine eigene Schlosskapelle.
00:22:01: Im selben Zug wird die Burg in Stand gesetzt.
00:22:04: Aus derselben Zeit, dem Jahr fifteenhundertsechsten achtzig, stammt eine Zeichnung der Anlage von Johannes Berthold und sechzehnhundertfünf hält der Kartograph- und Zeichner Wilhelm Dillig das Schloss in einem Kupferstich fest.
00:22:17: Dank dieser Darstellungen wissen wir heute überhaupt wie das Schlos auf dem Eisenberg einmal ausgesehen hat.
00:22:23: Kernburg mit Turm Torbrücke der dreistöckige Renaissancebau, die Kapelle und unterhalb der Burg ein Gutshof eine Maillerei, die die Herrschaft versorgte.
00:22:35: Dort herrscht im fünften und sechzehnten Jahrhundert Hochbetrieb, die blühte Zeit des Goldbergbaus.
00:22:47: Bereits um twelve hundert waren die Goldgräber von der Oberfläche in die Tiefe vorgestoßen und in den folgenden vier Jahrhunderten durchlöcherten sie den Eisenbergregelrecht – man hat dafür das Bild eines Schweizer Käses gebraucht!
00:22:59: Rund zwanzig Kilometer Such- und Abbaustrecken sind auf engem Raum dokumentiert.
00:23:04: Fast alles Handarbeit Meter um Meter mit Schlägel und Eisen aus dem Fels geschlagen.
00:23:10: Wie mühsam das war, zeigt ein Detail vom heutigen Goldlehrpfad.
00:23:14: Ein einzelner kurzer Erkundungsstollen bedeutete für einen Bergmann etwa vier Jahre Handarbeit – vier Jahre seines Lebens für einen Stollen der am Ende womöglich gar kein Gold brachte!
00:23:26: Fünfzehnhundertsieben und dreißig wird in der Holtebeck eine Goldmühle errichtet.
00:23:32: Dort wurde das goldhaltige Gestein zermahlen um das Edelmetall anschließend auswaschen zu können.
00:23:37: Die Waschhalden, die Abraumhügel dieser Goldwäsche sind am Berg bis heute als Geländespur erhalten.
00:23:44: Ab fifteenhundertdreiundvierzig und bis fünfzehnhundert zweinneunzig häufen sich dann in den Archiven Urkunden Abrechnungen und Gewinnzahlen über die Goldgewinnung.
00:23:54: Jetzt lässt sich der Betrieb richtig greifend.
00:23:57: Für das Jahr fifteenhundertneunundfünfzig ist überliefert, zwei und dreißig Gewerkschaften – so nannte man die bergbaulichen Unternehmergesellschaften jener Zeit – fördern aus neunzehn Gruben- und Stollenjährlich fünfzehn Pfund Gold.
00:24:11: Investoren kommen von weit her!
00:24:13: Um fifteenhundhundertsiebzig arbeitet eine Straßburger Gewerksammer am Berg, von fünftienhundertsebeneinhalbzig bis fünfzehnhundertsebenundneunzig eine Markteburger Nürnberger waren ja ohnehin schon längst da.
00:24:28: Dann gibt es dann noch einen Namen, bei dem jeder hellhörig wird der sich mit der Wirtschaftsgeschichte der frühen Neuzeit beschäftigt – die Fuga!
00:24:36: Das Augsburger Handelshaus, die Bankierste Kaiser eines der mächtigsten Handelzäuser Europas.
00:24:43: Im Jahr fifteenhundert achtundvierzig kommt es zu Verhandlungen zwischen Graf Wollradt von Waldeck und den Fugern in Augsburg wegen des Bergbaus am Eisenberg.
00:24:51: Stellt euch das vor!
00:24:53: Der kleine nordhessische Goldberg ist Gesprächsthema in den Konturen der Fuga, zu einem Engagement der Augsburger Am Eisenberg kam es letztlich nicht – aber allein dass verhandelt wurde zeigt, in welcher Liga dieser Berg damals mitspielte….
00:25:08: Halten wir an dieser Stelle einen Moment inne und schauen auf das Gesamtbild um das Jahr sixteenhundert.
00:25:14: Auf der Kuppe ein stattliches Renaissance-Schloss mit Kapelle, Residenz einer grifflichen Linie.
00:25:20: Am Hang ein Bergmannsdorf – im Berg ein Labyrinth aus Stollen in dem Gewerkschaften aus halb Deutschland nach Gold graben!
00:25:28: Es ist der Höhepunkt.
00:25:30: wie so oft in der Geschichte folgt auf den Höhelpunkt der Absturz… Und er kommt schnell.
00:25:49: Die Jahre zwischen etwa sixteenhundertfünfzehn und sechzehntundzwanzig markieren eine Zäsur, die damals vermutlich niemand sofort als solche erkannt hat.
00:25:58: In dieser Zeit bricht die alte Goldgewinnung am Eisenberg in den Quellen ab.
00:26:02: Während dieser Zeit, sechzenhundertachzehn beginnt der Dreißigjährige Krieg.
00:26:07: Jene Katastrophe, die weite Teile Mitteleuropas verwüsten und entvölkern wird – sie macht auch vor dem Eisenberg nicht Halt!
00:26:15: Zunächst trifft es das Schloss.
00:26:17: Im Jahr sixteenhundert und zwanzig lässt Landgraf Moritz von Hessen Kassel Truppen in Waldeck einmarschieren.
00:26:23: Der Hintergrund ist ein alter Machtkonflikt.
00:26:26: Moritz beanspruchte über Waldek nicht nur die Lehnsherrschaft, sondern auch die Landeshoheit.
00:26:31: Er betrachtete die Waldeker Grafen also nicht als eigenständige Landesherren, sondern als seine Untergebenen.
00:26:38: Die hessischen Truppen zerstören dabei das Inventar des Schlosses auf dem Eisenberg – die Einrichtung wird verwüstet!
00:26:45: Das Gebäude selbst bleibt allerdings weitgehend unbeschädigt.
00:26:49: Es ist eine Demütigung mit Ansage, man zerschlägt dem Grafenhaus das Mobilea – man zeigt wer der stärkere ist!
00:26:57: Dann trifft es den Bergbau.
00:26:59: Um das Jahr sechzehntundertdreißig gilt das Bergwerk als stillgelegt.
00:27:03: Die Gründe dürften in mehreren Faktoren gelegen haben.
00:27:06: Der Krieg zerrüttete die Wirtschaft, Investoren und Fachkräfte blieben aus, die Menschen kämpften vielerorts ums Nackte überleben.
00:27:14: Hinzu kam ein Problem, dass dem Bergbau am Eisenberg schon länger plagte und auf dem heutigen Lehrpfad eigens thematisiert wird.
00:27:22: Der Holzmangel Ohne Holz- und ohne Holzkohle kein Metall Kein Grubenausbau kein Schmelzfeuer.
00:27:30: Im Walldeckerraum war Holz knapp geworden.
00:27:32: der Bergbau, der ohnehin an seine Grenzen schließ, kam im Krieg endgültig zum Erliegen.
00:27:38: Schließlich trifft es das Dorf.
00:27:40: Die Zahlen sprechen eine erschütternd klare Sprache.
00:27:43: Im Jahr sixteenhundertzwanzig bestand Goldhausen aus acht Häusern mit fünfzig Einwohnern, nach dem Krieg um sechzehnhundertfünfzig sind es noch fünf Häuser mit dreißig Einwohner.
00:27:55: Das einst vom goldlebende Dorf ist auf einen Rest geschrumpft.
00:27:59: Auch der Himmel scheint sich in diesen Jahren gegen den Berg verschworben zu haben.
00:28:02: Sechzehundertneunvierzig, ein Jahr nach dem Friedensschluss schlägt er Blitz in die Burg ein und beschädigt sie weiter!
00:28:10: Was Krieg und Vernachlässigung begonnen haben, setzt die Natur fort.
00:28:15: Todgesagt ist der Eisenberg trotzdem noch nicht.
00:28:18: In der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts kommt es zu einem letzten Aufbäumen – oben wie unten!
00:28:25: Im Jahr sixteenhunderteinundsechzig wird versucht den Bergbau wieder aufzunehmen.
00:28:29: Weitere Anläufe folgen.
00:28:30: sechzehnhundertachtundneunzig und siebzenhundert achtenzwanzig.
00:28:34: Keiner dieser Versuche führt zu dauerhaften Erfolg.
00:28:38: Der Berg so scheint es, hat seine große Zeit hinter sich.
00:28:41: Genauer gesagt?
00:28:43: Er war geologisch nicht leer!
00:28:44: Aber dass Gold das mit vertretbarem Aufwand und den technischen Mitteln der jeweiligen Zeit erreichbar war, war praktisch nicht mehr bauwürdig.
00:28:54: Oben auf der Kuppe unternimmt derweil ein Mann den Versuch dem Schloss neues Leben einzuhaufen – Graf Heinrich Wollrad von Waldeck-Eisenberg, Er ist der Letzte, der auf dem Burg residiert.
00:29:09: Gemeinsam mit seiner Frau Juliane Elisabeth lässt er die im Krieg verwüstete Anlage wieder in Stand setzen.
00:29:15: Davon zeugten die Wappen der beiden mit der Jahreszahl-Sechzehnhundertsechzeig.
00:29:19: Man kann sich vorstellen was dieses Datum bedeutet – ein junges Grafenpaar das nach den Schrecken des Krieges sein Stammschloss wieder herrichtet, dass an eine Zukunft auf dem Eisenberg glaubt!
00:29:31: Diese Zukunft wäre zwei Jahre….
00:29:33: Sechszehnhundertvierundsechzig stirbt Heinrich Wollrad.
00:29:37: Seine Witwe Juliane Elisabeth bleibt zunächst, zieht aber sechzehundertachtundsechtzig nach Wildung.
00:29:43: Das Schloss auf dem Berg verliert seine Bewohner und ein Schloss ohne Bewohner ist ein Gebäude auf Abruf.
00:29:48: Um sechzenthundertzweiundneinzig erlischt die Linie Waldeck-Eisenberg im Mannestamt vollständig.
00:29:54: Damit verliert die Anlage ihren letzten Daseinszweck als Residenz – niemand braucht dieses Schloss mehr!
00:30:01: Was dann folgt, ist eine Kronik des Sterbens in Zeitlupe.
00:30:04: Und sie lässt sich Jahr für Jahr verfolgen.
00:30:06: In den letzten Jahren beschädigt ein schweres Unwetter der Schloss stark.
00:30:11: Um das Jahrhundert steht es leer und wird in den Quellen als Verwarlust bezeichnet – im Jahrhundertejahr wird ein Brand in den Gebäuden.
00:30:19: Im Jahrhunder wird unterhalb der Burg ein neues Mayerei-Haus mit Wohnbau, Scheune und Fruchtboden errichtet aus dem Material des alten Schlosses.
00:30:29: Das Schloss wird jetzt also bereits ausgeschlachtet.
00:30:59: Denkt einen Moment darüber nach, was das bedeutet.
00:31:02: Die Residenz der Grafen von Waldeck-Eisenberg wurden nicht in einer Schlacht zerstört – sie wurde nicht geschleift und gesprengt.
00:31:09: Sie wurden abgetragen.
00:31:11: Stein für Stein fuhre umfuhre!
00:31:13: Und in den Mauern der Bauernhäuser ringsum verbaut.
00:31:16: Wer heute durch die alten Dörfer rund um den Eisenberg geht, läuft womöglich an Wänden vorbei, in denen Steine des Grafenschlosses stecken.
00:31:24: Das Schloß ist nicht verschwunden… es hat sich
00:31:27: verteilt.".
00:31:28: Am Ende war die Auslöschung so vollständig, dass buchstäblich nichts mehr zu sehen war.
00:31:33: Bis in die neunzehntsiebziger Jahre hinein konnte man auf dem Eisenberg nicht erkennen, das dort jemals einen Schloss gestanden hatte.
00:31:40: Nur ein paar überwachsene Steinhaufen verriet den geübten Auge, wie es ein Chronist formulierte, einmal etwas gewesen sein muss.
00:31:49: Den Waldecker Historikaner war die Burg nur noch aus der Literatur bekannt!
00:31:52: Ein Bauwerk, das fast fünfhundert Jahre lang auf diesem Berg gestanden hatte war aus der sichtbaren Welt getilgt.
00:31:59: Doch dazu später mehr – denn diese Geschichte hat so viel sei verraten.
00:32:03: noch ein bemerkenswertes letztes Kapitel!
00:32:43: Werfen wir einen Blick auf die Zeit, die nun folgt… Das achtzente und neunzentte Jahrhundert.
00:32:48: Es ist die unspektakulärste Phase unserer Geschichte und gerade deshalb gehört sie erzählt … Denn sie zeigt was von einem Goldrausch übrig bleibt wenn das Gold nicht mehr fließt.
00:32:59: Ein Dorf, das sich neu erfinden muss.
00:33:02: Goldhausen erholt sich langsam von den Kriegsverlusten.
00:33:22: Einen spürbaren Aufschwung bringt das Jahr eighteenhundertvierzehn als die Ländereien der ehemaligen gräflichen Meierei an zwölfe Einwohner verpachtet werden.
00:33:31: Das Erbe des Schlosses wird nun also auch wirtschaftlich unter den Dorfbewohnern aufgeteilt.
00:33:36: Achtzehnhundertneunvierzig wird die Meiereie selbst abgebrochen und ihr Land verteilt.
00:33:42: Achzehnundhundertsechsenvierzig erhält das Dorf ein eigenes Schulhaus, achzehnundertfünfzig einen Friedhof!
00:33:48: In den folgenden Jahrzehnten werden Straßen und Wege ausgebaut.
00:33:52: Um eighteenhundertfünfzig besteht Goldhausen aus etwa fünfundzwanzig Häusern mit einhundertsechzig Einwohnern, ein gewachsenes aber bescheidenes Dorf.
00:34:03: Aus dieser Zeit überliefert die Ortskronik auch ein düsteres Detail das zur Chronik der Schatten passt.
00:34:09: Auf dem Klusenberg, dem Nachbarberg des Eisenbergs befand sich eine Hinrichtungsstätte.
00:34:14: Die letzte Hinrichtung dort fand nach der Ortsüberlieferung im Jahr eighteenhundertdreizehn statt.
00:34:20: Andere Quellen nennen achtzehntundzwanzig, schon diese kleine Abweichung zeigt wie Ortsgeschichte funktioniert.
00:34:27: Selbst bei einem so einschneidenden Ereignis gehen die Überlieferungen auseinander.
00:34:33: Das Gold jedoch war nicht vergessen!
00:34:35: Achtzehntenhundertsieben und vierzig bemüht man sich erneut – und erneute vergeblich um eine Wiederaufnahme des Bergbaus.
00:34:42: Der Berg bleibt stumm Aber er bleibt im Gedächtnis.
00:34:46: Die Halden, die eingestürzten Stollen-Eingänge, die Pingen im Wald – all das erzählte den Goldhäusern täglich davon worauf ihr Dorf gebaut war.
00:34:56: Der Name des Ortes sowieso!
00:34:58: Gegen Ende des Jahrhunderts bekommt der Berg dann ein neues Wahrzeichen, eines das bis heute steht….
00:35:04: Im Juli, in Korbach wird beschlossen dem führst Georg Victor von Waldeck und Pyrmont ein Denkmal auf dem Eisenberg zu errichten.
00:35:18: Am dritten Juni, der Aussichtsturm wird im Beisein hoher Gäste feierlich eingeweiht.
00:35:33: Eine hübsche Poante der Geschichte, für den Bau wurde der Platz vor dem Turm planiert.
00:35:38: Dabei wurden ohne dass man es ahnte auch die letzten oberirdischen Spuren des alten Schlosses eingeebnet.
00:35:44: Das neue Denkmal half also unbeabsichtigt mit das alte Denk mal vollends unsichtbar zu machen.
00:35:59: Man könnte meinen die Goldgeschichte des Eisenbergs sei mit dem siebzehnten Jahrhundert auserzählt Doch das zwanzigste Jahrhundert schreibt noch ein eigenes Kapitel, mit Schürfrechten, Fördertürmen und Prospektoren aus Übersee.
00:36:13: Es beginnt in den Ersten Weltkrieg.
00:36:17: Carl Theodor Rauschenbush aus Kirchen an der Siege erwirbt die Schürfrechte im Eisenberg.
00:36:23: Raushenbush ist eine zentrale Figur für die moderne Forschung des Berges.
00:36:28: Seine Goldsammlung wird Jahrzehnte später im Korbacher Museum eine wichtige Rolle spielen!
00:36:35: In den Wirren der Inflationszeit wird der Bergbau tatsächlich wieder aufgenommen.
00:36:39: Die Analysen jener Jahre weisen für die untersuchten Partien Goldgehalte von fünfzig bis zweihundertvierzig Gramm pro Tonne aus, Werte, die Aufhorchen ließen!
00:36:50: In einer Zeit in der das Papiergeld stündlich an Wert verlor hatte ein bergvoller Gold eine ganz eigene Anziehungskraft.
00:36:59: Den größten Anlauf unternimmt dann der Staat selbst.
00:37:02: In den letzten Jahren, im Jahrzehntag, hat sich die Stadion der Berge von Karl-Heinz Göttingen gefeiert.
00:37:28: Das Gold des Eisenbergs sitzt zu fein verteilt in zu schmalen Schichten.
00:37:33: Die Gewinnung lohnt sich auch mit modernster Technik nicht.
00:37:36: Ganz aufgegeben hat die Welt dem Berg trotzdem nie, in den letzten Jahren untersucht die Union Corporation aus Südafrika ein Unternehmen aus einem der bedeutendsten Goldländer der damaligen Welt – die Lagerstätte Von neunzehundertneunundsiebzig bis neunzenthunderteinundachtzig prospektiert das kanadische Unternehmen Cominko am Eisenberg.
00:37:59: Das Ergebnis der Kanadier durchschnittliche Gehalte um zwölf Gramm Gold pro Tonne, durchaus respektabel aber ein Abbau wird wegen zu hoher Kosten nicht in Erwägung gezogen.
00:38:11: es bleibt dabei im Eisenberg liegt noch gold.
00:38:15: Es zu holen rechnet sich nur nicht.
00:38:17: Eine feine Ironie dieser ganzen Geschichte liegt darin, dass der Berg seinen Schatz nie ganz hergegeben hat.
00:38:23: Die Bergleute des Mittelalters holten was mit Schlägel, Eisen und unendlicher Geduld erreichbar war.
00:38:29: Zusammen gekommen mehr als eine Tonne nach Mantchenangaben rund eins Komma zwei Tonnen reinen Goldes.
00:38:36: Der Rest liegt bis heute dort wo er seit zweihundert neunzig Millionen Jahren liegt Bewacht von der Wirtschaftlichkeitsrechnung nüchterner und unbestechlicher als jeder Drache.
00:39:06: Nun zu jenem letzten Kapitel der Burggeschichte, das ich euch vorhin versprochen habe.
00:39:11: Erinnert ihr euch?
00:39:13: Bis in die neunzehntiebziger Jahre war vom Schloss auf dem Eisenberg fast nichts mehr zu sehen – planierter Boden über wachsende Steinhaufen, Erinnerungen nur noch in Büchern!
00:39:23: Dass wir heute wieder vorsichtbaren Grundmauern stehen können ist der Archäologie zu verdanken….
00:39:28: und ganz wesentlich einem Mann, dem Archäologen Dr.
00:39:32: Jens Kulig, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern die Zeugnisse der Geschichte buchstäblich wieder ans Licht holte.
00:39:39: Ab Mitte der Neunzehnhundertsiebzigerjahre wurde die Burgstelle ausgegraben – die Grundmauerreste wurden freigelegt und saniert.
00:39:46: Die Ortskronik nennt für die Grabungen den Zeitraum von neunzehnhundertfünfundsebzig bis neunzenhundertdachzig.
00:39:53: Andere Darstellungen beziffern die Grabungs- und Freilegungsphase leicht
00:39:57: abweichend.".
00:39:57: In den letzten Jahren waren die Grundmauern des Altenburg-Schlosses vollständig freigelegt.
00:40:03: Was dabei zum Vorschein kam, deckt sich bemerkenswert gut mit den alten Bildquellen – mit der Zeichnung von fifteenhundertsechstenachzig und dem Dillichtstich von sechzehnhundertfünf.
00:40:14: Die Kernburg mit Abmessungen von etwa achtunddreißig einhalb auf fünfundzwanzig Metern, der Turm, die Torbrücke, der Renaissancebau, die Kapelle Die Funde aus dem Boden erzählen vom Alltag der Bewohner, wir kommen gleich noch ausführlicher darauf zu sprechen.
00:40:30: Heute sind Grundmauern, Wall und Graben wieder sichtbar!
00:40:34: Die Fünde werden im Museum in Korbach ausgestellt – ein Bauwerk das die Geschichte vollständig verschluckt hat ist zumindest in seinen Umrissen zurückgekehrt.
00:40:43: Ich lade euch hierzu wie bereits erwähnt ein paar Fotos & Videos bei Instagram unter chronikpunktder.schattenunterstrichpodcast hoch….
00:40:51: denn Ich war selbst dort und ich fand es dann natürlich noch spannender, diese Geschichte zu recherchieren.
00:41:01: Auch der Berg selbst wurde neu erschlossen – diesmal nicht für Bergleute sondern für Besucher!
00:41:14: Im selben Jahr.
00:41:15: hier öffnet das Besucherberg weg im unteren tiefen Talstollen seine Türen, ein mittelalterlicher Stollen der bewusst weitgehend so belassen wurde wie ihn die alten Bergleute hinterlassen haben.
00:41:26: Ohne Beleuchtungsanlage ohne Grubenbahn dafür mit Helm und Gummistiefeln.
00:41:35: Dazu entsteht der Lehrpfad Goldspur Eisenberg, der auf zwei Rundwegen zu den Spuren der Goldsucher führt.
00:41:41: Vorbei an Waschhalden, Gruben, Stollenmundlöchern und der Burg-Ruine – ein Besuch dort lohnt sich!
00:41:47: Also falls ihr mal in der Nähe seid, fahrt doch gerne mal hin.
00:41:51: Und dann schreibt auch gerne mal in die Kommentare wie ihr es dort gefunden habt.
00:42:03: Heute widmet das Wolfgang Bohnhagen-Museum Korbach den Goldbergbau und der Burg eine Dauerausstellung.
00:42:10: Goldhausen selbst, seit der Gebietsreform von neunzehnhundertsiebzig ein Stadtteil von Korbach lebt heute auch vom Tourismus rund um seinen Berg und trägt seine achthundertjährige Goldgeschichte mit erkennbarem Stolz.
00:42:23: Der Kreis hat sich geschlossen.
00:42:24: Der Berg, der einst Bergleute aus Sachsen und Geldgeber aus Nürnberg, Straßburg und Magdeburg anzog, zieht heute Wanderer, Familien- und Geschichtsinteressierte an.
00:42:34: Das Gold liegt noch immer im Berg – aber sein eigentlicher Schatz ist die Geschichte selbst!
00:42:41: Damit sind wir am Ende der Chronologie angekommen von einem urzeitlichen Meer bis zum Besucher Bergwerk unserer Tage.
00:42:48: Doch wer Konig der Schatten kennt weiß, jetzt fängt der spannendste Teil erst an….
00:42:53: Jetzt schauen wir hinter die Daten.
00:42:55: Auf das Leben auf der Burg, auf die Bedeutung dieses Bergbaus – auf die offenen Fragen über die sich schon vor zweihundert Jahren Historiker in die Haare gerieten und natürlich auf die Sagen.
00:43:37: Beginnen wir mit der Frage, die sich vermutlich jeder stellt, der heute zwischen den freigelegten Grundmauern steht.
00:43:42: Wie hat man dort oben eigentlich gelebt?
00:43:45: Die ehrliche Antwort lautet Über das alltägliche Leben auf der Burg Eisenberg, wissen wir nicht.
00:43:50: aus Tagebüchern oder Briefen Bescheid.
00:43:53: Solche persönlichen Zeugnisse der Bewohner sind nicht überliefert.
00:43:56: Was wir haben ist etwas anderes und in gewisser Weise ist es sogar unmittelbarer – den Abfall die Verlierstücke, die zurückgelassenen Dinge!
00:44:05: Die Archäologie hat aus dem Boden der Burgstelle einen ganzen Querschnitt des Hausrats geborgen.
00:44:11: Eisenreste-und Metallbeschläge Fingerhüte und Stecknadeln, Siegel, Ofenplatten, Knochengriffe von Messern und Werkzeugen.
00:44:19: Lass diese Liste einen Moment wirken!
00:44:22: Fingerhütte und Stegnadeln – das ist Handarbeit, das sind Menschen die nähen und flicken.
00:44:26: Ofen platten?
00:44:27: Das sind beheizte Stuben, dass es da ein gewisser Wohnkomfort wie er sich in der frühen Neuzeit in herrschaftlichen Häusern durchsetzte.
00:44:34: Siegel – das is Verwaltung, Korrespondenz, Amtsgeschäfte….
00:44:38: Wir erinnern uns Die Burg war ab fourteenhundertsiebenundachtzig sitz des Amtes Eisenberg, hier wurde regiert und verwaltet.
00:44:46: Aus diesen unscheinbaren Dingen setzt sich das Bild eines Haushalts zusammen der Beides wahr.
00:44:51: Adelsresidenz- und Behörde-, Wohnort- und Wirtschaftsbetrieb versorgt von der Meierei unterhalb der Burg, jenem Gutshof, der die Bewohner mit Lebensmitteln belieferte.
00:45:02: Dann ist da ein Befund, der bemerkenswert ist – gerade weil er aus etwas besteht, dass kaum vorkommt!
00:45:07: Waffenreste.
00:45:09: In den zugänglichen Darstellungen der Grabungsfunde spielen Waffen offenbar nur eine sehr geringe Rolle.
00:45:14: Wenn diese Fundlage so zutrifft, spricht sie eher für ein Burg, deren Alltag stärker von Verwaltung, Wohnen und Versorgung geprägt war als von kriegerischen Auseinandersetzungen.
00:45:25: Für eine dramatische Belagerung oder Zerstörungsschlacht gibt es in der überlieferten Geschichte jedenfalls keinen belastbaren Hinweis.
00:45:32: Das passt zu dem was die Schriftquellen berichten – selbst der schlimmste Übergriff!
00:45:37: Ein Marsch der hessischen Truppen von sixteenhundert-einenzwanzig richtete sich gegen das Inventar, nicht gegen die Mauern.
00:45:44: Die Burg Eisenberg ist damit ein interessanter Gegenentwurf zum Klischee der Ritterburg.
00:45:49: Ihre Geschichte wurde nicht durch ein großes Schlachtgeschehen beendet – sie endete durch etwas wie Leiseres, durch Bedeutungsverlust, leere Kassen und den Zahn der Zeit.
00:45:59: Manche Burgen sterben im Feuer — diese hier ist schlicht eingeschlafen!
00:46:04: Auch die Wasserversorgung verdient einen Satz, denn sie war auf Höhenburgen stets das Kernproblem.
00:46:10: Auf dem heutigen Lehrfahrt wird eine Station gezeigt an der man beim Graben im Berg auf Wasser schieß – für die Bewohner der Burganlage wertvoller als Gold wie es dort treffend heißt!
00:46:21: Wer auf einem Berggipfel lebt, für den ist eine verlässliche Wasserstelle tatsächlich der eigentliche Schatz.
00:46:27: Reben wir nun über die Menschen, die in dieser Geschichte die eigentliche Hauptrolle spielen und die in den Urkunden doch fast immer namenlos bleiben.
00:46:35: Die Bergleute!
00:46:36: Den nüchternen Zahlen kennt ihr bereits – rund zwanzig Kilometer suchen Abbaustrecken mehr als eine Tonne nach manchen Angaben rund eins Komma zwei Tonnen gefördertes Gold über die Jahrhunderte.
00:46:47: Aber Zahlen erzählen nicht wie sich diese Arbeit angefühlt hat.
00:46:51: Versuchen wir es greifbar zu machen anhand dessen was Stollen- und Lehrpfad heute zeigen.
00:46:56: Die Gänge im Eisenberg sind über weite Strecken so niedrig und schmal, dass die Bergleute kauernd, knierend oder liegend arbeiteten.
00:47:04: Licht gab es nur von offenen Flammen.
00:47:07: Vorangetrieben wurde der Stollen mit Schlägel und Eisen – Hammer-und Meißel, Schlag um Schlag, Zentimeter um Zentimeter durch harten Fels!
00:47:16: Der bereits erwähnte Vergleich vom Lehrpfad bringt das auf den Punkt.
00:47:20: Ein kurzer Erkundungsstollen vier Jahre Handarbeit.
00:47:24: Auf dem Lehrpfad steht man an der Grube St.
00:47:26: Georg über mehr als einem Kilometer Golderz und die Tafel dort nennt diesen Ort, was er war – ein erbärmlicher Arbeitsplatz!
00:47:35: Dazu kam das Wasser.
00:47:36: Eindringendes Grubenwasser war der ständige Feind jedes tiefen Bergbaus und am Eisenberg löste man das Problem so wie es die großen Bergbau-Riviere vormachten mit einem Entwässerungsstollen, einem sogenannten Erbstollen, der das Wasser aus den tieferen Bauern ableitete.
00:47:53: Gleichzeitig brauchte man Wasser dringend, zum Waschen des zermahlenen Erzes etwa an der Goldmühle in der Holtebeck.
00:48:00: Wasser war am Eisenberg fluch und Werkzeug zugleich.
00:48:04: Es lauerte noch eine andere Falle in diesem Bergbau Eine fast schon poetische Das Katzengold Pyrit Schwefelkies Ein Mineral das Golden glänzt Und schon manchen Goldsuchernachte.
00:48:16: Auch am Eisenberg kommt es vor Und auch dort wurde es, wie der Lehrpfad eigens vermerkt oft mit dem echten Edelmittelverwechselt.
00:48:24: Man stelle sich den Moment vor – Tage der Arbeit!
00:48:27: Dann ein Glitz an im Schein der Flamme und das ist nur Kies.
00:48:32: Der Berg konnte grausam sein, auch ohne einzustürzen.
00:48:37: Was bedeutete dieser Bergbau?
00:48:39: nun über die Plackerei hinaus?
00:48:41: Drei Dinge denke ich sollte man festhalten.
00:48:44: Erstens Er schuf einen Ort.
00:48:47: Goldhausen existiert, weil vierzehnhundertsechsenzwanzig sächsische Bergleute kam.
00:48:52: Ohne das Gold gebe es dieses Dorf nicht und es hieße nicht so wie es heißt – Es gibt nicht viele Orte in Deutschland, deren Gründungsgeschichte so unmittelbar an ein Edelmitteil gekoppelt ist.
00:49:04: Zweitens Erband eine Randregion an die großen Wirtschaftsräume des Reiches.
00:49:09: Nürnberger kaufen vierzehnhundertundzwanzrig Land.
00:49:12: Straßburger und Markteburger Gewerkschaften graben im Berg.
00:49:16: Mit den Fuggern wird fünftzehnhundert achtenviertzig verhandelt.
00:49:20: Das Waldekkerland war politisch ein kleiner Akteur, aber über das Gold des Eisenbergs war es mit Augsburg, Nürnberg und Straßburg verbunden.
00:49:28: Kapital-, Fachwissen- und Bergleute wanderten hierher!
00:49:32: Der Eisenberg war modern gesprochen ein Stück Wirtschaftsgeschichte mit überregionaler Vernetzung.
00:49:39: Drittens Er war Machtinstrument der Landesherren.
00:49:42: Bergordnung, vierzehnhundertachzig.
00:49:45: Bergfreiheit, fünfzehn-hundertvierundzwanzig.
00:49:48: Der jahrelange Streit mit den Viermünden um Fünfzehn hundert.
00:49:51: All das zeigt, dass Bergregal das Recht am Berg war ein Herrschaftsrecht!
00:49:57: Die Grafen von Waldeck saßen kaum zufällig genau auf diesem Berg – die Residenz auf der Kuppe und die Stollen darunter waren zwei Seiten derselben Medaille.
00:50:05: Man könnte zuspitzen….
00:50:07: Das Schloss stand auf dem Gold … im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
00:50:12: Wie ertragreich das Ganze war, darf man sich dabei nicht als Dauerregen aus Gold vorstellen.
00:50:17: Fünfzehn Pfund im Jahr fifteenhundertneunundfünfzig – das war für die damalige Zeit beachtlich – machte aber niemanden automatisch zum Größes!
00:50:26: Der Eisenberg war kein zweites Gossler und kein böhmisches Silberrevier.
00:50:30: Sein Gold war außergewöhnlich rein- und fein-, aber es war mühsam zu gewinnen und in der Menge begrenzt.
00:50:36: Eine treffende Beschreibung wäre Ein Berg, der immer gerade genug versprach um die nächste Generation von Glücksrittern anzulocken.
00:50:44: Und der nie genug hergab, um sie dauerhaft reich zu machen!
00:50:48: Ein Versprechen mit eingebauter Enttäuschung.
00:50:51: Sechshundert Jahre lang – Von den Tagebauern des Hochmittelalters bis zur Preusage sind Menschen diesem Versprechen gefolgt.
00:50:58: oder freundlicher gesagt, Sie haben ihm vertraut.
00:51:27: Ich habe euch versprochen dass wir auch die verschiedenen Perspektiven anschauen Die Stellen, an denen die Geschichte des Eisenbergs nicht glatt und eindeutig ist.
00:51:37: Davon gibt es einige – und sie gehören zu den reizvollen Aspekten dieses Themas!
00:51:42: Da ist zunächst die Gründungsfrage der Burg, die wir schon gestreift haben.
00:51:47: Waldeck oder Ithar?
00:51:48: Die Keramik sagt um twelvehundert.
00:51:51: Die Urkunden schweigen bis weit ins vierzehnte Jahrhundert.
00:51:55: Seriös lässt sich diese Lücke nicht schließen.
00:51:57: Man kann nur beide Möglichkeiten nebeneinander stehen lassen….
00:52:01: Das tut die Forschung heute auch.
00:52:03: Dann ist die Frage der drei Anwagen auf dem Berg, Wie sie zueinander stehen, ob das Kastrum-Goldenberg von twelvehundertfünfzig mit dem Königstuhl identisch ist.
00:52:20: Ob dort wirklich eine karolingische Königsburg mit Gerichtsstätte voraus ging wie es die Überlieferung will und wie alt der Ringwald tatsächlich ist?
00:52:29: Das alles ist nur teilweise geklärt!
00:52:31: Der Berg stellt Erforschung bis heute Aufgaben.
00:52:34: Dann gibt es da eine Episode, die ich euch nicht vorenthalten will.
00:52:38: Weil sie zeigt, dass der Streit um die Wahrheit über den Eisenberg selbst schon Geschichte hat.
00:52:43: Im Jahr eighteenhundertsunddreißig veröffentlichte ein Autor namens Alfred Jagg in der Waldekischen gemeinnützigen Zeitschrift Eine Darstellung der Burggeschichte des Eisenbergs.
00:52:53: Sie erschien wenig später auch im überregionalen Sammelwerk über die Ritterburgen Deutschlands.
00:52:58: Noch im selben Jahr – in derselben Zeitsschrift – erschienen darauf eine vernichtende Erwiderung.
00:53:04: Ein anonymer Verfasser nahm Jax' Aufsatz in einem ausführlichen historisch-kritischen Kommentar regelrecht auseinander.
00:53:11: Er war auf ihm mehrfach offen Geschichtsfälschung vor und erklärte die Darstellung für weitgehend wertlos.
00:53:17: Warum erzähle ich euch das?
00:53:18: Weil es eine wunderbare Mahnung ist, auch für uns hier in Konig der Schatten!
00:53:23: Schon vor fast zweihundert Jahren kursierten über den Eisenberg Darstellungen, die mehr Dichtung als belegbare Geschichte waren.
00:53:30: Und schon damals gab es Menschen, die dagegen hielten und auf Nachweise pochten.
00:53:34: Wenn ihr also irgendwo besonders farbenprächtige Rittergeschichten über die Burg Eisenberg lest, voller Namen und Rahmen, die ihr in dieser Folge nicht gehört habt.
00:53:43: Es kann gut sein, dass sie auf jene alte längst kritisierte Überlieferungslinie zurückgehen – aus diesem Grund halten wir uns heute so eng an Urkunden, Grabungsbefunde und die kritische Forschung!
00:53:55: Ein letzter Punkt in Sachen Quellenlage der Ehrlichkeit halber Auch die soliden Angaben weichen im Detail voneinander ab.
00:54:01: Die örtliche Chronik nennt dreizehnhundertfünfvierzig als frühe urkundliche Erwähnung der Burg.
00:54:07: Die burgenkundliche Forschung dreizehnhundertsechzig als erste sichere Nachricht.
00:54:12: Die geförderte Goldmenge wird mal mit über einer Tonne, mal mit rund eins Komma zwei Tonnen angegeben.
00:54:18: die Grabungszeiträume werden mit neunzehndhundertviern siebzig bis neunzenhundertzweihen achtzig oder neunzenthundertfünfundsiebzig bislindhundert achtzig beziffert.
00:54:27: Das sind keine Skandale, sondern der Normalfall historischer Überlieferung.
00:54:32: Aber ihr sollt wissen dass es diese Unschärfen gibt!
00:54:35: Wo sie bestehen habe ich euch in dieser Folge bewusst beide Annahmen genannt.
00:54:59: Nun verlassen wir den festen Boden der Fakten.
00:55:01: was jetzt kommt ist Ich sage es klar und deutlich Keine belegte Geschichte mehr.
00:55:06: Es sind Sagen und Erzählungen wie sie in Goldhausen überliefert und gesammelt wurden.
00:55:11: Niemand behauptet das sich davon irgend etwas tatsächlich so zugetragen hat.
00:55:16: Aber Sagen sind nie nur Unsinn.
00:55:19: Sie sind das Echo, dass reale Erfahrungen im Gedächtnis der Menschen
00:55:22: hinterlassen.".
00:55:24: Am Eisenberg kann man diesem Echo besonders gut zuhören!
00:55:28: Die bekannteste dieser Erzählungen ist die Sage vom Goldhäuser Teich – überliefert in einer Fassung von M-Schmalz.
00:55:35: Ich gebe diese Sage frei.
00:55:36: nach der überlieferten Fassung wieder.
00:55:39: In alter Zeit, so heißt es, wohnte auf dem Eisenberg ein mächtiger König in seinem Schloss.
00:55:45: Eines Tages erschien vor ihm ein Zauberein Zwergengestalt und machte ihm ein Angebot.
00:55:50: Der König solle ihn den Teich unterhalb des Schlosses bei Goldhausen verpachten, dafür wolle er ihm jedes Jahr ein ganzes Fudergold an Pachzins zahlen!
00:56:00: Der Könige schlug ein – tatsächlich der Zwerk Erpova sein Name holte aus der Tiefe des Teiches ungeheure Mengen Gold.
00:56:09: Der König bekam Jahr für Jahr seinen Anteil und häufte das funkelnde Metall in einem großen Gewölbe im Innern des Eisenbergs an.
00:56:17: Doch wie es so ist mit Königen und Gold, es war ihm nicht genug!
00:56:21: Neide stachte er der Zwergspeise ihn mit einem Almosen ab und kündigte den Vertrag.
00:56:27: Erpo aber dachte nicht daran den Teich herzugeben – der König schickte Ritter aus, ihn zu fangen oder zu töten.
00:56:34: Vergebens."
00:56:35: Nahte Gefahr verwandelte sich der Zauberer in einen großen Frosch und sprang ins Wasser.
00:56:41: Nährte sich jemand mit einem Kahn, warf der Froschin um Und mancher Ritter ertrank Elend in seiner schweren Rüstung.
00:56:48: Da setzte der König eine Belohnung aus.
00:56:51: Wer den Zwerg bezwinge Solle drei Jahre lang die Einkünfte des Goldteiches erhalten Und dazu eine goldene Krone von unvergleichlicher Schönheit.
00:57:02: Eines Tages kam ein junger Königssohn vom Rhein in die Gegend.
00:57:05: Er weist von bösen Fettern um den Thron gebracht, in ein Kloster gesteckt und von dort geflohen.
00:57:11: Eine Rüstung besaß er nicht nur ein Schwert das er sich auf der Flucht bei einem Waffenschmied eingetauscht hatte gegen eine Amulett dass er seit Kindertagen am Hals trug.
00:57:21: Auf einem ausgehüllten Baumstamm wagte es sich auf dem Teich.
00:57:25: Erpo warf auch seinen Kahn um doch der junge Mann war ein guter Schwimmer und keine Rüstungen zog ihn hin ab.
00:57:32: Da griff der Zwerg zu Zauberei und verwandelte ihn kurzerhand in einen Schwan.
00:57:38: Als Schwan lebte, der Königssohn fortan auf dem Teich.
00:57:41: Bis eines Tages ein Mädchen aus Goldhausen vorbeikam das dem König auf dem Eisenberg frische Beeren brachte.
00:57:47: Es fütterte den schönen Schwan, kam wieder und wieder Und der Schwan wurde zutraulich.
00:57:53: Eines Tages flog auf dem Weg zum Teich eine Rabe von einem Baum auf Und aus seinem Schnabel viel etwas schimmerndes Ein seltsames Ding an einem güldenen Kettchen.
00:58:03: Das Mädchen hob es auf und hängte es halb im Spiel, dem Schwan und den Hals.
00:58:08: Im selben Augenblick stand der Königsohn vor ihr, denn das Kettchern war sein gestohlenes Amulett – und es besaß, was er selbst nie gewusst hatte die Kraft fortzaubereit zu schützen!
00:58:20: Der Königssohn tauchte nach seinem Schwert, dass auf dem Grund des Teiches lag, schwammt zur Insel des Zwerges und stellte ihn….
00:58:28: Erpo erkannte das Amulett, wusste dass seine Macht gebrochen war, warf sich auf die Knie und bettelte.
00:58:34: Doch das Schwert traf ihn ins Herz!
00:58:37: Der Königssohn erhielt vom König den versprochenen Lohn, setzte die goldene Krone seiner Retterin aufs Haupt, nahm sie zu Frau, zog mit ihr an den Rhein, warb ein Herr und gewann sein väterliches Erbe zurück.
00:58:52: Als nämlich der König auf dem Eisenberg danach selbst im Goldhäuser Teich nach Gold graben ließ, war der Ertrag bei Weitem nicht so groß wie zu Erposzeiten.
00:59:00: Denn der Zwerg allein kannte die Goldader und er hatte sein Geheimnis mit ins Grab genommen.
00:59:06: Mancher endet die Erzählung hat seitdem dort nach gold gesucht aber keiner hat je etwas gefunden.
00:59:15: Merkt ihr was diese Sage tut?
00:59:17: Sie erzählt in Bildern vieles von dem, was wir vorhin in Daten und Urkunden durchwandert haben.
00:59:23: Das ist natürlich eine Deutung keine historische Beweisführung – aber die Parallelen sind auffällig!
00:59:29: Ein Herrscher auf den Berg der vom Gold profitiert ohne selbst zu graben.
00:59:33: Darin kann man das Bergregal der Waldeckergrafen erkennen, denn zehnt die Pacht die handelsherrlichen Rechte.
00:59:40: Fremde, die das Geheimnis des Goldes kennen.
00:59:44: Das erinnert an die sächsischen Bergleute und an auswertige Gesellschaften mit ihrem Fachwissen.
00:59:49: Die Gier des Herrschers, die in der Sage die Quelle versiegen lässt – und am Ende eine verlorene Goldader, die niemand mehr findet!
00:59:57: Und viele, die vergeblich
00:59:58: suchen.".
01:00:00: Das klingt wie ein Märchenhaftes Echo auf die Geschichte aller gescheiterten Wiederaufnahmeversuche von Die Sage vom Zwerg Erpo lässt sich also als wirtschaftliche Geschichte des Eisenbergs lesen, übersetzt in die Sprache des Märchens.
01:00:16: Auch das Detail mit dem Gewölbe voller Gold im Innern des Berges hat einen möglichen realen Bezug – nur liegt das Gold dort nicht in Bachen gestapelt sondern als feiner Flitter im Gestein.
01:00:27: Selbst der Frosch hat Spuren hinterlassen!
01:00:29: Die Goldhäuser werden im Volksmund scherzhaft die Goldhäuser-Höpper genannt, Die Sage gilt als eine mögliche Erklärung für diesen Necknamen.
01:00:42: Daneben überliefert Goldhausen noch eine zweite Erzähltradition, ebenfalls keine belegte Geschichte sondern lokales Sagen und Märchengut – die Goldhäuser.
01:00:51: Wichtel In gereimter Form wird dort vom kleinen Volk erzählt das im Eisenberg wohnt.
01:00:58: Wichtl, die in klaren Sternennächten aus dem Berg schlüpfen vor dem Stoll in nem Wasser planchen deren Musik-und Stimmchen man aus dem Berg hören kann.
01:01:07: Die Erzählung kennt Episoden, die alle um dasselbe Motiv kreisen.
01:01:11: Wer die Wichtel achtet wird beschenkt!
01:01:14: Ein ehrliches Mädchen das eine gestohlene goldene Kugel zurückbringt erhält reiche Gaben.
01:01:20: Wer ihn aber zu nahe tritt verliert alles.
01:01:23: Ein Bergmann der trotz ihrer Bitten in das Dach ihrer Wohnung gräbt steht am Ende vor einem leeren Berg.
01:01:29: Die Wichteln ziehen fort und mit ihnen verschwindet das Erz.
01:01:34: Wir wohnten hier schon, e Goldhausen gebaut lassen die Ferse das kleine Volk sagen.
01:01:39: Lasst uns in Frieden!
01:01:41: Auch hier lohnt der zweite Blick – Das Motiv vom Bergmann, der zu gierig gräbt und dadurch den Reichtum des Berges für immer verliert trägt im Kern dieselbe Botschaft wie Die Erpo sage Und es passt zur Erfahrung von sechshundert Jahren Eisenberggeschichte.
01:01:57: Der Berg gibt was ergeben will.
01:01:59: Wer mehr verlangt geht leer aus.
01:02:01: Generationen von Goldhäusern haben erlebt, wie Bergbauversuche scheiterten.
01:02:06: Wie der Berg verstummte und nur das Klingen-und Rumpeln der Erinnerung blieb.
01:02:11: Die Sagen haben dieser Erfahrung eine Gestalt gegeben – einen Zwerg ein kleines Volk im Berg!
01:02:17: Mythen, so sage ich es in diesem Podcast ja so oft sind selten bloß ausgedachte Geschichten.
01:02:22: Sie sind erinnerte Geschichten die ein anderes Gewand
01:02:25: tragen.".
01:02:43: Lasst uns zum Schluss noch einmal hinaufsteigen auf die Kuppe des Eisenbergs und das Ganze von oben betrachten, so wie es heute jeder tun kann der die Stufen des Georg-Viktorturms erklimmt.
01:02:53: Von dort oben sieht man weit ins Sauerland und über die Ederberge.
01:02:57: Direkt unter dem Turm liegen die freigelegten Grundmauern des Grafenschlosses.
01:03:01: Achtunddreißig Meter mal fünfundzwanzig Meter Geschichte, Fünfhundert Jahre Adelsresidenz abgetragen und wiedergefunden Im Wald ringsum wenn man genau hinschaut Mulden Halden Verwachsene Gruben Die Narben von sechs Jahrhunderten Goldbergbau Unter den Füßen zwanzig Kilometer Such-Abbaustrecken Von Handgeschlagen Und in den dunklen Schichten des Gesteins noch immer gold das niemand holt Am Hang des Dorf, das ohne dieses Gold nie entstanden wäre und dass seinen Namen trägt wie eine Urkunde.
01:03:34: Der Eisenberg ist – wenn man so will – ein einziges großes Gedächtnis!
01:03:38: Erdgeschichte, Wirtschaftsgeschichte Adelsgeschichte Dorfgeschichte und Sagenwelt liegen hier nicht nebeneinander in Büchern sondern übereinander im selben Boden Schicht auf Schicht Wie die Sedimente jenes urzeitlichen Meeres mit dem alles begann.
01:03:54: Man muss nur graben.
01:03:55: Die einen taten es mit Schlägel und Eisen, die anderen mit Kelle und Pinsel.
01:04:00: Und wir heute tun es mit Urkunden, Grabungsgeschichten und einem
01:04:04: Mikrofon.".
01:04:05: Die wirklich große Geschichte versteckt sich manchmal nicht hinter berühmten Namen und gewaltigen Schlachten!
01:04:10: Manchmal liegt sie in einem unscheinbaren bewaldeten Berg im Nordhessen an dem die meisten Menschen vorbeifahren ohne zu ahnen dass sie gerade an einer der bedeutendsten Goldlagerstätten Deutschlands vorbei fahren… An einem Berg über den schon Albertus Magnus schrieb, um den die Fugger verhandelten auf dem Grafen residierten in dem Bergläute Lebzeit Kraft und Gesundheit ließen.
01:04:33: Und in dessen Teich wenn man den alten Geschichten glauben möchte einst einen Zwerg namens Erpo sein Geheimnis hütete.
01:04:40: Das Gold liegt noch da.
01:04:42: das Geheimniss könnte man sagen auch!
01:05:27: Das war sie unsere Reise zum Eisenberg bei Goldhausen Von einem Meer vor dreihundertsechzig Millionen Jahren über Gelehrte, Grafen und Glücksritter bis zu den Wichteln im Berg.
01:05:38: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann erzählt gern anderen davon.
01:05:42: lasst eine Bewertung da oder schreibt mir welche Geschichte ich als nächstes für euch aus den Schatten holen soll!
01:05:47: Und wer dem Eisenberg selbst einmal begegnen will er steht da geduldig wie seit Jahrmillionen mit seinem Turm seiner Ruine und seinem Stollen und wartet.
01:05:59: Ja, ich würde mich freuen wenn ihr auf Instagram mal vorbeischaut und wenn ihr schon da seid auch ein Follow da lasst findet mich da unter konik.der.chatten-Podcast.
01:06:09: Danke dass Ihr heute mit mir durch die Schatten gereist seid und bleibt wachsam für die Geschichten hinter den Geschichten Ja.
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