Johann Georg Schrepfer - Der Geisterbeschwörer von Leipzig
Shownotes
Achtung Triggerwarnung:
In dieser Folge geht es um Täuschung, Manipulation, psychischen Druck, angebliche Geistererscheinungen und den Tod eines Menschen. Außerdem sprechen wir über eine offiziell als Selbsttötung protokollierte Todesursache und spätere Zweifel an dieser Darstellung.
Bitte achtet beim Hören gut auf euch. Falls euch das Thema zu nah geht, macht eine Pause oder hört die Folge zu einem anderen Zeitpunkt weiter.
In dieser Folge reisen wir ins 18. Jahrhundert — nach Nürnberg, Leipzig und Dresden.
Es geht um Johann Georg Schrepfer, einen Mann aus einfachen Verhältnissen, der in Leipzig als Weinschenk und später als Kaffeehauswirt greifbar wird. Doch Schrepfer will offenbar mehr sein als ein gewöhnlicher Gastwirt. Er baut an einer größeren Identität, bewegt sich im Umfeld freimaurerischer Kreise und behauptet, Zugang zu höheren Graden, geheimen Orden und verborgenen Mächten zu haben.
Besonders gefährlich wird seine Geschichte, als er Männer aus dem Umfeld der Leipziger Loge Minerva zu den drei Palmen für sich gewinnt. In seinem Kaffeehaus im Barfußgäßchen veranstaltet er Abende, die an freimaurerische Zusammenkünfte erinnern, aber vollständig auf seine Wirkung zugeschnitten sind.
Im Mittelpunkt stehen angebliche Geistererscheinungen.
Aus heutiger Sicht spricht vieles für eine sorgfältige Inszenierung: Dunkelheit, Rauch, Stimmen, Erwartung, psychischer Druck und optische Technik aus dem Umfeld der Laterna Magica. Für Menschen des 18. Jahrhunderts konnte daraus jedoch etwas entstehen, das wie ein Blick in eine verborgene Welt wirkte.
Wir sprechen in dieser Folge über:
- Johann Georg Schrepfer und seine frühen Jahre in Nürnberg
- seinen Weg nach Leipzig
- das Kaffeehaus im Barfußgäßchen
- die spätere Verbindung zum heutigen Zill’s Tunnel
- die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen
- die Strikte Observanz, Jesuiten und Rosenkreuzer
- Schrepfers eigene „Loge der ächten Maurerey“
- angebliche Geistererscheinungen und mögliche optische Tricks
- die Laterna Magica als frühe Projektionstechnik
- den Konflikt mit der Loge Minerva
- Schrepfers Aufstieg bis nach Dresden
- die Geschichte um angebliche Cammercreditcassen-Scheine
- seinen Tod im Leipziger Rosental
- spätere Zweifel an der offiziellen Selbsttötungsdarstellung
- die Nachwirkung bei Mendelssohn, Schiller, Fontane und in der Phantasmagorie
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Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.
Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.
Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.
Hinweis zur Verwendung künstlicher Intelligenz
Das Titelbild sowie der Gesang und die musikalische Umsetzung der Titelmusik wurden mithilfe generativer künstlicher Intelligenz erstellt. Der Liedtext stammt vollständig von mir.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
Quellen und weiterführende Hinweise
Archivalische Quellen und dokumentierte Primärüberlieferung
• Taufbuch der St.-Sebald-Kirche Nürnberg, Eintrag vom 26. März 1738. Belegt ist damit Schrepfers Taufe als frühester sicherer Fixpunkt seines Lebens. Evangelisches Kirchenarchiv Nürnberg.
• Stadtarchiv Leipzig: Bürgereintrag Johann Georg Schrepfer, August 1761; Heiratseintrag Johann Georg Schrepfer und Johanna Katharina Herr, September 1761; Akten der gerichtlichen Untersuchung nach Schrepfers Tod am 8. Oktober 1774; Obduktionsbericht.
• Protokolle der Loge Minerva zu den drei Palmen, Leipzig. Teilweise erhalten beziehungsweise in späteren Sekundärquellen zitiert.
• Brief Johann Georg Schrepfers an den Rat der Stadt Leipzig, 1773. Original im Stadtarchiv Leipzig; auszugsweise dokumentiert bei Otto Werner Förster.
• Abschiedsbriefe Schrepfers vom 7./8. Oktober 1774: an seinen Bruder Johann George, an Belling und an den Freimaurer und Kaufmann Du Bosc. Dokumentiert bei Otto Werner Förster.
• Päpstliches Breve „Dominus ac Redemptor“ von Papst Clemens XIV., 21. Juli 1773. Aufhebung der Gesellschaft Jesu.
Wissenschaftliche, historische und zeitgenössische Literatur
• Otto Werner Förster: Tod eines Geistersehers. Johann Georg Schrepfer. Eine vertuschte sächsische Staatsaffäre, 1774. Taurus Verlag Leipzig, 2011. Grundlegendes Werk mit Originaldokumenten; enthält unter anderem die spätere rechtsmedizinische Begutachtung des Obduktionsberichts.
• Moses Mendelssohn: Anmerkungen über einen schriftlichen Aufsatz, die Wunderthaten des berüchtigten Schröpfers betreffend. In: Allgemeine Deutsche Bibliothek, 1775. Zeitgenössische aufklärerische Analyse der Schrepfer’schen Wunderberichte.
• Johann Salomo Semler: Samlungen von Briefen und Aufsätzen über die Gaßnerischen und Schröpferischen Geisterbeschwörungen. Halle, 1776. Zeitgenössische Auseinandersetzung mit Schrepfer und Johann Joseph Gaßner.
• Nachricht von dem berüchtigten Johann Schroepfer in Sachsen und seinen Geisterbeschwörungen. 1775. Zeitgenössische Quellenschrift.
• Gustav Wustmann: Schrepfer, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 32, 1891, S. 490–491. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Online abrufbar über Deutsche Biographie / Wikisource.
• Walter Kunz: Johann Georg Schröpfer, ein Magier des 18. Jahrhunderts. Rechtshilfe-Verlag, Zürich, 1957.
• Joachim Kalka: Phantome der Aufklärung. Von Geistern, Schwindlern und dem Perpetuum Mobile. Berenberg Verlag, Berlin, 2006.
• Eugen Sierke: Schwärmer und Schwindler des 18. Jahrhunderts. Leipzig, 1874, S. 288–332.
• Eugen Lennhoff / Oskar Posner: Internationales Freimaurer-Lexikon. Wien, 1932. Herangezogen über spätere Online-Zitierungen, insbesondere zu Schrepfer und zur Loge Minerva zu den drei Palmen.
• Arnold Marx: Die Gold- und Rosenkreuzer. Ein Mysterienbund des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Deutschland. Ergänzende Literatur zum historischen Hintergrund der Gold- und Rosenkreuzer.
Freimaurerei, Minerva, Jesuiten und Rosenkreuzer
• Deutsche Biographie / Allgemeine Deutsche Biographie: Eintrag zu Johann Georg Schrepfer. Ergänzend genutzt für ältere biografische Darstellungen und die zeitgenössische Einordnung als Figur zwischen Aufklärung, Mystizismus und Betrug.
• Freimaurer-Wiki: Johann Georg Schrepfer. Ergänzend genutzt für freimaurerische Überlieferungen, den Konflikt mit der Loge Minerva, den Bericht Bischoffwerders und den Ablauf der späteren Affäre.
• Freimaurer-Wiki: Minerva zu den drei Palmen. Ergänzend genutzt für die Leipziger Logengeschichte und den Bezug zur Strikten Observanz.
• Loge Minerva zu den drei Palmen / historische Darstellungen zur Logengeschichte: Gründungslinie von Aux trois compas, Minerva zum Cirkul und Minerva zu den drei Palmen.
• Portal to Jesuit Studies / Vatican.va: Dominus ac Redemptor, 1773. Ergänzend genutzt zur Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV.
• Literatur und Online-Nachweise zu den Rosenkreuzern und Gold- und Rosenkreuzern. Ergänzend genutzt zur Einordnung der Rosenkreuzer-Idee, der Rosenkreuzer-Manifeste und der Gold- und Rosenkreuzer im Umfeld der Hochgradfreimaurerei.
Orte, Museen und Sammlungen
• Museum Naturalienkabinett Waldenburg: Laterna Magica aus dem Linck’schen Bestand. Das Museum beschreibt die Laterna Magica als frühe Projektionsvorrichtung und verweist auf den Einsatz solcher Apparate bei vermeintlichen Geistererscheinungen mit künstlichem Nebel und Rezitationen. Außerdem nennt es Aufführungen im Leipziger Gartenhaus von Johann Heinrich Linck dem Jüngeren mit Johann Georg Schrepfer. Beim konkreten Objekt ist jedoch vorsichtig zu formulieren, da das Museum darauf hinweist, dass im Linck-Index zwei Laternae Magicae belegt sind und unklar bleibt, welche davon dem erhaltenen Objekt entspricht.
• Museum Naturalienkabinett Waldenburg: Informationen zum Kunst- und Naturalienkabinett der Leipziger Apothekerfamilie Linck.
• Linckianum: Schrepfer und der Leipziger Löwenapotheker Johann Heinrich Linck. Online-Auszug beziehungsweise Kontextmaterial zu Otto Werner Försters Darstellung.
• Leipzig-Lese: Zill’s Tunnel. Ergänzend genutzt zur Geschichte des Hauses im Barfußgäßchen, zur Weißleder’schen Kaffeewirtschaft ab 1753, zur Übernahme durch Schrepfer 1769 und zur späteren Namensgeschichte von Zill’s Tunnel.
• Bildlexikon Leipzig / ergänzende Leipzig-Quellen: Zill’s Tunnel und Leipziger Stadtgeschichte. Ergänzend genutzt zur Einordnung des Ortes.
Optische Technik, Laterna Magica und Phantasmagorie
• Museum Naturalienkabinett Waldenburg: Laterna Magica. Ergänzend genutzt zur technischen und musealen Einordnung.
• Magic Lantern Society / Crangle, Richard; Heard, Mervyn; van Dooren, Ine: Devices and Desires. In: Realms of Light. London, 2005. Ergänzende Literatur zur Geschichte der Laterna Magica und zur späteren Phantasmagorie.
• Filmlexikon / medienhistorische Darstellungen zur Phantasmagorie. Ergänzend genutzt zur Einordnung späterer Geisterprojektionen mit beweglichen Laternen, Rückprojektion, Rauch und Geräuscheffekten.
Literarische Quellen und Nachwirkung
• Friedrich Schiller: Der Geisterseher. Aus den Memoiren des Grafen von O**. Romanfragment, erschienen in der Zeitschrift Thalia, 1787–1789; spätere Buchausgaben ab 1789 beziehungsweise 1798. Erwähnt als literarischer Nachhall von Geisterbeschwörung, Täuschung, Geheimbünden und Manipulation.
• Zeno.org / digitale Textausgaben: Friedrich Schiller, Der Geisterseher. Ergänzend genutzt für Entstehungs- und Textkontext.
• Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 3, Havelland, Kapitel zu Schloss Marquardt und General Hans Rudolf von Bischoffwerder. Enthält eine spätere literarisch-historische Einordnung der Schrepfer-Affäre.
• Projekt Gutenberg / Zeno.org: Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Ergänzend genutzt für die Passage zu Bischoffwerder, Marquardt und Schrepfer.
• Wilhelm von Kügelgen: Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Erwähnt als spätere Erinnerungsliteratur mit Bezug auf Schrepfer und seine Nachwirkung.
Hinweis zur Quellenarbeit
Bei Johann Georg Schrepfer gibt es gut belegte historische Fixpunkte, aber auch abweichende Angaben, spätere Deutungen und Überlieferungen. In dieser Folge wird deshalb zwischen belegbaren Fakten, zeitgenössischen Berichten, späteren Interpretationen und offenen Fragen unterschieden.
Besonders wichtig ist: Die Taufe am 26. März 1738 ist ein belegter früher Fixpunkt, aber nicht automatisch ein gesichertes Geburtsdatum. Auch die Deutung seines Todes bleibt vorsichtig zu formulieren. Die offizielle Version lautete Selbsttötung. Spätere Auswertungen, besonders bei Otto Werner Förster, verweisen auf Zweifel an dieser Darstellung. Das rechtsmedizinische Gutachten zum Obduktionsbericht ist eine fachliche Einschätzung aus dem Jahr 2011, veröffentlicht bei Förster. Es ist kein Gerichtsurteil und kein gerichtlicher Mordnachweis.
Dort, wo Berichte auf Zeitzeugenerzählungen, freimaurerischen Überlieferungen oder späteren Deutungen beruhen, wird dies im Skript kenntlich gemacht.
Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSC
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Transkript anzeigen
00:00:03: Willkommen zurück bei Kronik der Schatten.
00:01:01: Ich hoffe es geht euch allen gut!
00:01:03: Heute geht's um Johann Georg Schreppfer, ein Mann, der im achtzenden Jahrhundert in Leipzig einen Kaffeehaus führte und aus diesem Kaffeeshaus heraus eine der merkwürdigsten Affären seiner Zeit auslöste.
00:01:15: Schreppfer stammte aus einfachen Verhältnissen.
00:01:18: Er war kein Fürst, kein Gelehrter und kein anerkanter Kirchenmann – er war Gastwirt, hochverschuldet, ehrgeizig und offenbar sehr sensibel dafür welche Wirkung krank, Geheimnis und große Namen auf andere Menschen haben konnten.
00:01:33: Er behauptete mehr zu wissen als die regulären Freimauera seiner Stadt.
00:01:37: Er gab sich als eingeweihter Aus, als jemand mit Zugang zur höheren geraden geheimen Orden und verborgenen
00:01:44: Mächten.".
00:01:44: Seine ungeheuerlichste Behauptung aber war diese, er könne die Toten erscheinen lassen.
00:01:50: Leipzig um siebzehnhundert zweiundsiebzig Ein Kaffehaus im Barfußgästchen Kerzenlicht Rauch Gedämpfte Stimmen Männer die später vielleicht lieber geschwiegen haben wenn es darum ging was sie dort gesehen haben wollten.
00:02:04: In einem abgedunkelten Raum steht Johann Georg Schrepfer.
00:02:08: Vor ihm sitzen Männer aus Leipziger Logenkreisen Männer mit Bildung Einfluss und Rang Männer, die an Rituale gewöhnt sind – an Symbole, an Verschwiegenheit und an die Vorstellung, dass es hinter dem Sichtbaren vielleicht noch tiefere Wahrheiten geben könnte.
00:02:25: Schrebt vernutzt diese Sehnsucht!
00:02:27: Er spricht von schottischer Maurerei, von Jesuiten, von Rosenkreuzern, von geheimen Wissen und einer Wahrheit, die angeblich tiefer reicht als alles was die offiziellen Logen kennen.
00:02:38: Dann beginnt die Inszenierung.
00:02:40: Räume werden vorbereitet Die Stimmung verändert sich, Rauch, Dunkelheit, Alkohol Erwartung und optische Tricks wirken zusammen.
00:02:50: Nach heutiger Einordnung spricht vieles dafür das hier keine echte Magie geschieht sondern eine sorgfältig vorbereitete Täuschung.
00:02:58: Für viele der Anwesenden fühlt es sich in diesem Moment trotzdem anders an.
00:03:02: Sie sitzen in diesem dunklen Raum umgeben von Rauch Stimmen und Erwartungen Und plötzlich glauben sie etwas zu sehen Vielleicht einen Geist Vielleicht einen Toten.
00:03:13: Vielleicht den Beweis, dass Johann Georg Schrepper tatsächlich Zugang zu einer Welt hat die anderen verborgen bleibt.
00:03:21: Darin liegt der Kern dieser Geschichte.
00:03:23: Es geht um ein Mann der andere täuschte und sich dabei vielleicht zeitweise selbst für größer hielt als er war.
00:03:30: es geht um Freimauralogen, geheime Grade religiöse Gerüchte politische Spannungen Und eine Zeit in der Aufklärung und Aberglaube manchmal im selben Raum standen.
00:03:41: Es geht um Macht, Manipulation und um die Frage warum gebildete Männer auf einen Mann wie Schrepfer hereinfallen konnten.
00:03:48: Am Ende führt diese Geschichte in das Leipziger Rosenthal zu einem Tod der bis heute Fragen offen lässt.
00:03:55: Heute nehme ich euch also mit in die Geschichte von Johann Georg Schreppfer – ein Gast wird aus Nürnberg, der in Leipzig zur rätselhaften Figur wurde.
00:04:04: Ein selbstersteller, der sich größer machte als er war!
00:04:07: Ein angeblicher Geisterbeschwörer, der für einen kurzen Moment so wirkte als könne er die Grenze zwischen Leben und Tod öffnen.
00:04:22: Bevor wir in diese Geschichte einsteigen möchte ich euch kurz darauf hinweisen dass es in dieser Folge um Täuschung, Manipulation, psychischen Druck, angebliche Geistererscheinungen und den Tod eines Menschen geht!
00:04:33: Auch eine offizielle als Selbsttötung protokollierte Todesursache wird Thema sein Ebenso spätere Zweifel an dieser Darstellung.
00:04:41: Bitte achtet beim Hören gut auf euch!
00:04:44: Falls euch das Thema zu nah geht, macht eine Pause oder hört die Folge zu einem anderen Zeitpunkt weiter.
00:04:55: Bevor wir beginnen möchte ich wie immer kurz die Quellenlage einordnen weil sie für diese Folge besonders wichtig ist.
00:05:02: Bei Johann Georg Schrepp vergibt es Dinge die historisch gut belegt sind Daten aus Kirchenbüchern, erhaltene Dokumente, Logenprotokolle, Berichte von Zeitgenossen und medizinische Unterlagen zu seinem Tod.
00:05:15: Daneben gibt es Überlieferungen, Gerüchte, spätere Deutungen und Erzählungen die schriftlich festgehalten wurden aber nur teilweise überprüfbar sind.
00:05:24: Bei Schrepfark kursieren in alten Darstellungen außerdem abweichende Angaben etwa zu seinem Geburtsjahr.
00:05:30: Für diese Folge orientiere ich mich an den belastbaren Fixpunkten, der Taufe in Nürnberg-Sebzehnhundertdreißig, den Leipziger Bürger und Heiratseinträgen von Sebzehundertsechzig und den später dokumentierten Ereignissen.
00:05:43: Ich werde sauber trennen – was ist belegt?
00:05:46: Was ist überliefert?
00:05:47: Was isst spätere
00:05:48: Interpretation?".
00:05:49: Das ist mir wichtig, denn die Geschichte braucht keine künstliche Ausschmückung!
00:05:54: Die belegten Fakten sind schon seltsam genug….
00:05:57: also Licht
00:05:58: aus.".
00:06:43: Johann Georg Schreppfahrt tritt für uns zum ersten Mal an einem sehr konkreten Ort aus dem Dunkel der Geschichte in Nürnberg, in der St.
00:06:50: Sebaldkirche.
00:06:51: Wir befinden uns im Jahr seventeenhundertdreißig.
00:06:54: Nürnenberg ist zu dieser Zeit noch eine freie Reichsstadt im heiligen römischen Reich Eine Stadt mit alten Mauern, engen Gassen Handwerkern Händlern Wirtstuben Kirchen und einem Rat, der über das städtische Leben wacht.
00:07:08: Der große Glanz der mittelalterlichen Handelsmetropole liegt zwar schon hinter ihr, doch Nürnberg ist weiterhin ein Ort an dem Waren, Nachrichten und Menschen zusammenkommen.
00:07:17: Man muss sich Nürnenberg in dieser Zeit anders vorstellen als unsere Städte heute – wenn es dunkel wurde gab es kein elektrisches Licht, es gab keine Motorengeräusche und keine hell erleuchteten Schaufenster!
00:07:28: Die Stadt wurde leiser, schattiger und enger.
00:07:32: Kerzen, Öllampe und Feuerstellen bestimmten was Menschen sehen konnten… und was im Dunkeln verschwand.
00:07:39: Wenn es Abend wurde, übernahm Kerzen Öl-Lampen und schatten die Räume.
00:07:43: Geräusche trugen sich anders durch die Straßen Schritte auf Stein Wagenräder Stimmen aus offenen Türen.
00:07:50: In dieser Welt wird Johann Georg Schrepper am sechsenzwanzigsten März, siebzehnhundertdreißig in der St.
00:07:55: Sebaldkirche getauft.
00:07:57: Diese Taufe ist der sicherste frühe Fixpunkt seines Lebens!
00:08:00: Sie stammt aus keinem späteren Mythos, aus keiner Selbstdarstellung und aus keiner Erzählung die Schreper über sich selbst verbreitete.
00:08:07: Sie steht als Eintrag im Kirchenbuch.
00:08:10: Sein Vater isst Gastwirt – zunächst betreibt er eine Wirtschaft am Weinmarkt, später eine weitere in der breiten Gasse.
00:08:17: Damit wächst Johann Georg in einer Umgebung auf, die selbst wie eine kleine Bühne funktioniert.
00:08:22: In einer Gastwirtschaft kommen Menschen ständig hinein und gehen wieder hinaus – Händler, Reisende, Handwerker, vielleicht Soldaten, vielleicht Männer, die mehr erzählen als sie erlebt haben!
00:08:33: Es wird gegessen, getrunken, verhandelt, gestritten, gelogen, geprahlt und zugehört.
00:08:39: Für ein Kind ist das eine Schule der Beobachtung.
00:08:42: Man lernt, wie Stimmen klingen wenn jemand überzeugen will.
00:08:45: Man lernt wie ein Raum kippen kann, wenn die Stimmung sich verändert.
00:08:49: Man lernte das Licht-, Geräusche-, Gerüche- und Worte mehr bewirken können als man auf den ersten Blick sieht.
00:08:56: Aus jedem Wirtskind wird natürlich kein späterer Geisterbeschwörer!
00:09:00: Bei Schrepfer ist dieser frühe Hintergrund trotzdem interessant – denn sein späteres Leben wird davon geprägt sein Räume zu beherrschen.
00:09:08: Er wird wissen wie man Menschen platziert, wie man Erwartungen aufbaut, wie aus Dunkelheit Bedeutung macht….
00:09:17: Von der Chronologie, die auf der Taufe von siebzehnhundertdreißig beruht ist Johann Georg zu diesem Zeitpunkt etwa sechs Jahre alt.
00:09:26: Sein Vater gerät wirtschaftlich in dem Bankrott.
00:09:29: Schrepfer verlässt Nürnberg mit zwei seiner Brüder.
00:09:33: Ab diesem Moment wird seine Spur schwieriger.
00:09:36: Die festen Dokumente werden weniger.
00:09:38: Dafür beginnen jene Geschichten, die Schrepfer später über sich selbst erzählt und bei ihm muss man sehr vorsichtig sein.
00:09:45: Nach eigenen Angaben soll er als preußischer Husar gedient haben.
00:09:49: anderen gegenüber stellt er sich als kaiserlicher Offizier dar.
00:09:53: Mal klingt seine Vergangenheit militärisch mal vornehmen mal gefährlich.
00:09:58: Welche Version der Wahrheit nahe kommt lässt sich heute nicht sicher klären.
00:10:02: Sicher ist nur Schreper beginnt an einer größeren Identität zu bauen.
00:10:07: Er kommt aus keiner adeligen Familie.
00:10:09: Er besitzt keinen alten Namen, kein großes Vermögen und keine gesicherte Stellung.
00:10:15: also baut er an einer Vergangenheit die größer klingt als sein tatsächlicher Ursprung.
00:10:20: Mal erscheint er als Soldat mal als Offizier, mal als Eingeweiter Immer als jemand der Dinge erlebt haben will Die andere kaum überprüfen können.
00:10:30: Das wird später eines seiner Muster.
00:10:32: Wo die Quellen schweigen Füllt Schrepper die Lücke selbst.
00:10:35: Erst in Leipzig wird er wieder klarer greifbar.
00:10:40: Um siebzehnhundertsechzig kommt er nach Leipzig, im August seventeinundsechszig wird Schrepfer dort als Bürger eingetragen – als Weinschenk!
00:10:49: Ein Monat später heiratet er Johanna Katharina her die Tochter eines Schneiders.
00:10:54: Diese Ehe ist mehr als ein privater Schritt, sie gibt ihm Halt in der Stadt, verbessert seine soziale Position und hilft ihm wirtschaftlich Fuß zu fassen….
00:11:02: Aus dem jungen Mann mit der schwer überprüfbaren Vergangenheit wird ein Leipziger Bürger.
00:11:07: Auf dem Papier ist er zunächst ein Weinschenk, ein Mann, der ausschenkt, Gäste bedient, Gespräche hört und versucht in Leipzig Fuß zu fassen.
00:11:16: Nach außen wirkt das jetzt erstmal unspektakulär – doch bei Schreppfer bleibt selten etwas schlicht!
00:11:22: Bei ihm begegnen uns immer wieder zwei Ebenen… die belegbare Aktenlage und die Legende, die sich um ihn gelegt hat.
00:11:29: Man erkennt einzelne feste Punkte Nürnberg, die Taufe der wirtschaftliche Zusammenbruch der Familie Leipzig.
00:11:36: Der Bürgereintrag Die Ehe.
00:11:38: dazwischen liegt Nebel.
00:11:40: In diesem Nebel konnte Johann Georg Schrepfer später arbeiten.
00:12:09: Acht Jahre lang bewegt sich Schreepfer in Leipzig im Geschäft mit Gästen Getränken und Gesprächen.
00:12:14: Als Weinschenk kennt er diese Welt aus eigener Erfahrung.
00:12:17: Menschen kommen herein, trinken, reden, hören zu, prallen, schweigen und werden mit jeder Stunde Empfänglicher für Geschichten die vorher vielleicht noch zu groß geklungen hätten.
00:12:27: Vielleicht erinnert ihn diese Welt auch an seine Kindheit?
00:12:30: Sein Vater war wie ihr wisst Gastwirt – und Johann Georg hatte seine ersten Lebensjahr in einem solchen Umfeld verbracht!
00:12:37: Wie viel davon bewusst in ihm blieb können wir nicht wissen….
00:12:41: Für seine spätere Geschichte ist aber entscheidend, Schrepper versteht Räume, Stimmungen und Menschen.
00:12:46: Sein nächstes Lokal wird darum mehr als sein Geschäft.
00:12:50: In den letzten Jahren kauft er das Kaffeehaus der weißlederschen Witwe im Barfußgäschen an der Ecke zu Klostergasse.
00:12:57: Damit übernimmt er einen Ort, der bereits vor ihm als weißlederische Kaffeewirtschaft bekannt ist.
00:13:03: Ab in den letzten Monaten hatte Johann Friedrich Weißleder dort eine öffentliche Kaffeeschenke betrieben.
00:13:10: Schreppfer übernimmt also Räume, in denen Menschen schon vorher zusammengekommen sind, getrunken, geredet und zeitverbracht haben.
00:13:17: Ein Kaffeehaus ist im achzehnten Jahrhundert mehr als ein Raum, indem man etwas trinkt – es ist ein Ort der Begegnung!
00:13:23: Hier werden Nachrichten ausgetauscht, Geschäfte besprochen, politische Entwicklungen kommentiert, Gerüchte weitergetragen und Kontakte gepflegt….
00:13:32: In einer Handels-und Messestadt wie Leipzig hat ein solcher Ort
00:13:35: Gewicht.".
00:13:36: Schrepfer erhält eine Konzession für Billiard-Spiel sowie den Ausschank von Kaffee und Tee.
00:13:42: Diese Erlaubnis ist wichtig, denn solche Betriebe unterliegen der städtischen Ordnung.
00:13:46: Der Rat der Stadt regelt wer welche Schank und Gewerberechte bekommt – auch Billiards.
00:13:51: kein belangloser Zeitvertreib!
00:13:53: Er ist eine gesellige Attraktion die Gäste länger im Haus hält.
00:13:58: Das Lokal liegt gut mitten in Barfußgäschen nahe am Markt, Rathaus und Städtischem Leben.
00:14:04: Es ist nah genug an der Öffentlichkeit, um Gäste anzuziehen und geschlossen genug, um hinter Türen eine eigene Atmosphäre zu schaffen.
00:14:12: Damit ihr diesen Ort richtig einordnen könnt, springen wir kurz in die Gegenwart!
00:14:16: Wer heute nach dem früheren Kaffeehaus im Barfußgäschen sucht, stößt meist auf einen späteren Namen – Zilztunnel.
00:14:23: Unter diesem Namen ist der Ort in Leipzig bis heute bekannt.
00:14:27: Zu Schreppfastzeit hieß das Lokal allerdings noch nicht so….
00:14:30: Im achtzehnten Jahrhundert befand sich dort die weißledersche Kaffeewirtschaft, also genau jenes Kaffeehaus das Schrepfer-siebzehnhundertneunzigzig übernahm.
00:14:39: Der Name Zilz Tunnel entstand erst viel später nachdem Johann Gottfried Zill die Gaststätte eighteenhunderteinvierzig übernommen hatte.
00:14:47: Für Schrepper selbst war dieser Ort die Kaffeevertschaft im Barfußgäßchen – ein Raum mitten in Leipzig nah am Markt, nah am Rathaus, nah an allem was diese Stadt lebendig machte.
00:14:58: Hier saßen Menschen bei Kaffee und Tee.
00:15:00: Hier wurde Billiard gespielt, gesprochen, gelauscht verhandelt und getratscht.
00:15:05: Nachrichten wanderten von Tisch zu Tisch Gerüchte bekamen Gewicht Kontakte entstanden beiläufig – manchmal vielleicht auch berechnend.
00:15:13: Für ein Mann wie Schreppfer ist das ideal.
00:15:15: Er braucht kein Schloss Kein Theater Und keine große öffentliche Bühne.
00:15:20: Er hat einen Kaffehaust.
00:15:22: Ausgerechnet dort, wo Öffentlichkeit Handel und Gespräch zusammenkommen wird er später einen Raum des Geheimnisses schaffen.
00:15:28: Draußen die Stadt – drinnen das Dunkel!
00:15:31: Doch über diesem Anfang liegt bereits Druck.
00:15:34: Der Kauf ist durch Schulden finanziert… hohe Schulden.
00:15:38: Schrepfer übernimmt also nicht nur ein Lokal sondern auch eine Last, die immer schwerer werden wird.
00:15:43: Dieser Druck wird seine Geschichte prägen.
00:16:20: Leipzig im späten achzehnten Jahrhundert ist keine gewöhnliche Stadt.
00:16:23: Die Stadt ist eine wichtige Handels- und Messestadt im heiligen Römischen Reich.
00:16:27: Sie hat eine Universität, ein starkes Buch und Verlagswesen, Kaufleute, Gelehrte, Juristen, Beamte und ein selbstbewusstes Bürgertum.
00:16:36: Hier kreuzen sich Geld, Wissen, Nachrichten um gesellschaftlicher Ehrgeiz.
00:16:41: Für Schreppers Geschichte ist genau dieses Umfeld entscheidend – denn Leipzig ist auch ein Ort der Logen!
00:16:47: Um Schrepper wirklich zu verstehen müssen wir für einen Moment in die Welt der Freimauralogen des achtzehnten Jahrhunderts
00:16:52: gehen.".
00:16:54: Gemeint ist hier die historische Freimaurerei jener Zeit.
00:16:57: Ein Netzwerk aus Logen, Ritualen, Symbolen, Verschwiegenheit, Bildungsidealen und gesellschaftlichen Kontakten.
00:17:04: Im achzehnten Jahrhundert prägt die Ständeordnung das Leben.
00:17:07: Herkunft, Drang und Titel entscheiden darüber wer mit wem verkehrt Wer Zugang bekommt, wer sprechen darf und wer gehört wird.
00:17:15: In einer Loge können Männer aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten auf einer formal gleicheren Ebene zusammentreffen, als es draußen im Alltag üblich ist.
00:17:24: Das ist ungewöhnlich!
00:17:26: In diesen Räumen begegnen sich Kaufleute, Beamte, Juristen, Professoren, Adelige und Männer aus dem städtischen Bürgertum – sie sprechen über Moral-, Überbildung-, Über Selbstvervollkommnung-, Über Brüderlichkeit-, Über Toleranz- und Humanität.
00:17:41: Viele Logen stehen auf klärerischem Denken nahe….
00:17:44: Sie sind Orte des Austauschs, der Netzwerke und der symbolischen Arbeit.
00:17:50: Zugleich haben sie etwas das nach außen geheimnisvoll wirkt – Rituale!
00:17:54: Es gibt bestimmte Abläufe Zeichen gerade Schwüre, Symbole und eine Sprache die nur eingeweihte vollständig verstehen.
00:18:03: Verschwiegenheit gehört zum System.
00:18:05: Sie schützt die Mitglieder weil Freimaurerei in verschiedenen Gegenden misstrauisch beobachtet wird.
00:18:11: Sie verstärkt aber auch die Wirkung nach Außen.
00:18:13: Wer nicht dabei ist, kann nur ahnen was hinter den Türen geschieht.
00:18:18: In Leipzig ist für Schreppfer später vor allem eine Loge wichtig – die Minerva zu den Dreipalmen.
00:18:23: Dieser Name steht allerdings nicht am Anfang!
00:18:26: Die Leipziger-Logengeschichte auf die sich die spätere Minervas zu den dreipalm zurückführt beginnt am zwanzigsten März, siebzehnhundert und vierzig.
00:18:34: Damals wird in Leipwig eine Freimauraloge gegründet.
00:18:38: In den Quellen wird sie zunächst als namenlose Stammloge des Leipzieger Oriens beschrieben….
00:18:43: Später erhält sie einen französischen Namen.
00:18:46: Utwa kong pa, also zu den drei Zirkeln.
00:18:50: Französisch passt in diese Zeit – es ist im achtzehnten Jahrhundert in vielen gebildeten und höfischen Kreisen eine Sprache von Bildung, von Weltläufigkeit und gesellschaftlichem Rang.
00:19:00: In den letzten Jahren werden die Städte in der Leipziger Freimaurer-Geschichte zusammengeführt und erscheinen als Minerva zum Zirkul, also Minervah zum Zirkel.
00:19:17: Damit tritt der Name Minervar in die Leipzieger Freimauerer Geschichte ein – dieser Name ist wichtig!
00:19:23: Minervá ist in der römischen Mythologie Die Göttin der Weisheit, der Künste des Wissens und des klugen Geordneten Denkens.
00:19:31: Für eine Freimauraloge ist das ein starkes Symbol.
00:19:35: Der Name verweist auf Bildung, Erkenntnis, Vernunft und moralische Arbeit an Menschen.
00:19:40: In den folgenden Jahren verändert sich die Leipziger-Loschenlandschaft weiter – Namen wechseln, Verbindungen lösen sich, andere entstehen neu, ältere Linien gehen ineinander über.
00:19:54: Die Palme ist ein altes Sinnbild Physik, Standhaftigkeit, Leben und geistige Erhebung.
00:20:30: Hier müssen wir aber vorsichtig bleiben.
00:20:32: Eine gesicherte Originalerklärung der damaligen Mitglieder für jedes einzelne Namensdetail liegt uns an dieser Stelle nicht vor!
00:20:39: Der Name arbeitet aber sichtbar mit Bildern, die Würde, Erkenntnis und Erhöhung ausstrahlen – Minerva zu den drei Palmen.
00:20:47: Schon dieser Name sagt hier geht es um mehr als um Geselligkeit, hier geht das um Bildung, Umhaltung, um innere Arbeit und symbolische Bedeutung.
00:20:56: Für Leipzig ist diese Lose ein angesehener Kreis.
00:20:59: Die Stadt ist, wie wir wissen geprägt von Handel-, Universität-, Messewesen-, Buchdruck-Verlagen und bürgerlichem Selbstbewusstsein.
00:21:07: In diesem Umfeld hat eine Freimauralogegewicht – in ihrem Umfeld bewegen sich Männer aus Bildung, Handel, Verwaltung und städtischem Bürgertum.
00:21:17: Wer Zugang zu dieser Loge hat, hat Zugang zur Gesprächen, Kontakten und Ansehen.
00:21:22: Für Schrepfer ist diese Welt ideal!
00:21:24: Die Minerva besitzt bereits vieles, woran er später anknüpfen kann.
00:21:27: Gesellschaftliches Gewicht?
00:21:29: Rituelle Formen, Verschwiegenheit und Männer die gewohnt sind in Symbolen, Graden und Eingeweihtsein zu denken.
00:21:37: Dazu kommt ein entscheidender Punkt!
00:21:39: Die Minerva zu den drei Palmen steht in dieser Zeit im Umfeld der sogenannten strikten Observanz.
00:21:45: Dieses frei maurirische Hochgrad-System ist dem deutschen Raum des achzenten Jahrhunderts besonders einflussreich, es arbeitet mit mehreren Graden, mit dem Mythos einer Verbindung zu den Tempelrättern und mit der Vorstellung Geheimer bzw unbekannter Oberer.
00:22:00: Für Männer die nach tieferer Erkenntnis suchen kann das stark wirken!
00:22:07: Also Lehrling, Geselle und Meister reichen manchen offenbar nicht aus.
00:22:12: Hochgradsysteme versprechen mehr – mehr Nähe zum inneren Kreis, mehr Erkenntnis, mehr Geheimnis, Mehrrang!
00:22:21: Ein höherer Grad bedeutet ich bin weiter als andere.
00:22:25: Ein geheimer Meister bedeutet es gibt jemandem der Meer weiß.
00:22:29: ein unbekannter Oberer bedeutet hinter dem sichtbaren steht noch eine höhere Autorität.
00:22:35: Das ist die geistige Landschaft, in der Schrepfer auftritt.
00:22:38: Er muss kein völlig neues Bedürfnis erschaffen – er findet es bereits vor!
00:22:43: In Leipzig gibt es diese angesehene Loge.
00:22:46: Es gibt Männer mit Bildung und Einfluss Es gibt Rituale, Grade, Verschwiegenheit und die Hoffnung auf tiefere Erkenntnisse.
00:22:53: Schreper beobachtet dieser Welt.
00:22:55: Er hört zu.
00:22:56: Er versteht, wonach manche Männer in diesem Umfeld suchen.
00:23:00: Sie suchen nach Anerkennung, Aufstieg, nach Geheimwissen.
00:23:04: Nach Nähe zu Macht und dem Gefühl weiter eingeweiht zu sein als andere.
00:23:09: Und an dieser Stelle setzt Schrepper an!
00:23:47: Diese Abende folgen keine anerkannten Leipzigologenordnung, sie sind auf Schreppfer zugeschnitten.
00:23:53: Auf seine Stimme, auf seine Behauptungen und auf seine Wirkung im Raum.
00:23:57: Er stellt sich als Manda der mehr weiß als die regulären Freimaurer der Stadt – mehr als die Männer der Minerva, mehr als jene, die sich selbst bereits als Eingeweite
00:24:07: verstehen.".
00:24:08: Das ist ein geschickter Zug, denn in einer Welt aus Graden, Ritualen und verborgenen Autoritäten wirkt die Behauptung höherer Verbindungen wie ein Versprechen.
00:24:17: Schrepp verbietet seinen Zuhörern keine gewöhnliche Unterhaltung – er bietet Aufstieg!
00:24:23: Er gibt sich als schottischer Maurer aus.
00:24:25: Dieser Begriff klingt für heutige Ohren vielleicht harmlos.
00:24:29: Damals kann er auf höhere Grade besonderes Wissen und Nähe zu freimaurerischen Hochgradsysteme
00:24:35: verweisen.".
00:24:37: Für Männer, die nach verborgenen Stufen und geheimen Meistern suchen ist das ein wirkungsvolles Versprechen.
00:24:43: Schrepfer sagt damit sinngemäß – ihr glaubt ihr seid eingeweiht?
00:24:47: Ich kenne eine tiefere Ebene!
00:24:49: Dazu kommen weitere große Namen.
00:24:51: Schrepfer behauptet Rückenbeckung der Jesuiten zu haben.
00:24:55: Um zu verstehen warum diese Behauptungen damals wirken kann müssen wir kurz einordnen wer die Jesuiten sind.
00:25:02: Die Jesuiten offiziell die Gesellschaft Jesus sind ein katholischer Orden.
00:25:07: Im achtzehnten Jahrhundert sind sie in Europa sehr bekannt.
00:25:10: Sie betreiben Schulen, wirken in der Mission, sind teilweise an Höfen präsent und gelten als gebildet, diszipliniert und international gut vernetzt.
00:25:20: Diese Stärke macht sie zugleich umstritten – viele bewundern ihre Bildung und ihre Organisationen.
00:25:26: Andere fürchten ihren Einfluss!
00:25:28: Für Gegner wirken die Jesuiten wie ein Orden, der zu viel Macht über Erziehung, Religion und Politik gewinnen kann….
00:25:35: In den letzten Jahren kam es zum Bruch.
00:25:38: Papst Clemens IV.
00:25:40: hebt die Gesellschaft Jesu offiziell auf, der Orden wird pepstlich unterdrückt.
00:25:46: Hinter dieser Entscheidung steht auch politischer Druck mehrerer katholischer Mächte, die den Einfluss der Jesuiten zurückbringen wollen.
00:25:53: Für Schrepfers Geschichte ist dieser Zeitpunkt wichtig.
00:25:56: Seine eigenen Auftritte fallen genau in diese Jahre!
00:26:00: Um siebzehntundertseinzebzig sammelt er Männer in seiner eigenen Loge.
00:26:04: In der Zeit wird der Jesuiden-Orden aufgehoben.
00:26:08: Wenn Schrepper in dieser Zeit behauptet, Rückendeckung der Jesuiten zu haben, hört sein Publikum darin mehr als nur ein religiösem Bezug.
00:26:16: Der Name steht für Bildung, Einfluss, internationale Verbindungen und für einen Orden, der offiziell unterdrückt wird – gerade dadurch aber noch rätselhafter wirkt!
00:26:27: Dazu kommt, dass der Orden verschwindet nicht überall vollständig aus.
00:26:33: In Russland und auch in Preußen wird die piepstliche Aufhebung teilweise nicht umgesetzt.
00:26:39: Dort können Jesuiten weiterarbeiten!
00:26:41: Für Gerüchte ist so eine Lage ideal – offiziell ist der Orden aufgehoben, in Teilen Europas existiert er weiter.
00:26:49: Manche bewundern ihn, andere fürchten ihn.
00:26:52: Für Außenstehende bleibt kaum zu erkennen wo sein Einfluss endet und wo vielleicht nur die Fantasie beginnt.
00:26:58: Wenn Schrepper behauptet mit solchen Kräften verbunden zu sein macht er sich größer als er isst.
00:27:03: Er klingt nicht mehr wie ein verschuldeter Kaffeehauswirt aus Leipzig, er klingt wie ein Mann hinter dem ein mächtiges verborgenes Netzwerk stehen könnte.
00:27:12: An dieser Stelle müssen wir sauber bleiben!
00:27:14: Belegt ist vor allem Schrepfer behauptet diese Nähe zu den Jesuiten – ob sie tatsächlich bestand in welcher Form sie bestand und wie weit sie reichte lässt sich historisch nicht sicher beweisen.
00:27:27: Für seine Wirkung ist aber entscheidend dass andere Männers ihm zutrauen
00:27:31: können.".
00:27:32: Dazu kommen die Rosenkreuzer.
00:27:35: Der Name geht auf Schriften aus dem siebzehnten Jahrhundert zurück.
00:27:38: In diesen Texten war von einer geheimen Bruderschaft um eine legendäre Figur namens Christian Rosenkreuz, die Rede.
00:27:45: Ob es diese Bruderschafft damals wirklich als feste Organisation gab ist historisch nicht gesichert.
00:27:51: Sicher ist aber – Die Idee wirkte enorm!
00:27:54: Rosenkreuzer standen für eine verborgene Welt aus christlicher Frömmigkeit, Geheimwissen, Alchemie, Symbolen und der Hoffnung hinter der sichtbaren Ordnung eine tiefere Wahrheit zu finden.
00:28:06: Im achtzehnten Jahrhundert griffen verschiedene Gruppen diese Vorstellungen wieder auf.
00:28:10: Besonders wichtig wurden im deutschen Raum die Gold- und Rosenkreuzer.
00:28:15: Sie bewegten sich im Umfeld der Hochgratfreimaurerei und verbanden religiöse, alchemistische und esoterische Ideen miteinander.
00:28:23: Für Männer, die ohnehin in Logen, Symbolen und Graden dachten, konnte das wie eine weitere Stufe wirken.
00:28:29: Die Freimauerei versprach ihnen Rituale, Brüderlichkeit und moralische Arbeit – die Rosenkreuzerei klang nach noch mehr!
00:28:37: Nach geheimem Wissen verborgener Ordnung und einer Wahrheit, die angeblich nur Eingeweite erreichen konnten.
00:28:44: Schreipfer verwendet rosengroizerisches Gedankengut.
00:28:47: Damit greift er Begriffe und Vorstellungen auf, die in eine mystische, magische und alchemistische Richtung weisen.
00:28:54: Auch hier gilt – wir dürfen daraus keine sichere Steuerung machen!
00:28:59: Ob Schrepfer fest in Rosenkreuzer Kreisen eingebunden war oder ob er diese Nähe vor allem für seine eigene Wirkung nutzte bleibt historisch unsicher.
00:29:08: Es gibt Hinweise, wie Kontakte möglich erscheinen lassen.
00:29:11: Nach seinem Tod spielen mehrere Männer aus seinem Umfeld eine wichtige Rolle bei den Gold- und Rosenkreuzern in Sachsen.
00:29:18: Das zeigt, Schrepfer steht nicht völlig außerhalb dieser Strömungen – es beweist aber keine klare Steuerung durch einen Orden!
00:29:25: Sauber erzählt heißt das?
00:29:27: Schreper greift nach Begriffen die in seiner Zeit sofort etwas auslösen.
00:29:31: Schottische Maurerei klingt nach höheren Graden Jesuiten nach Einfluss, Rosenkreuzer nach Geheimwissen, geheime Obere nach verborgener Macht und Totenbeschwörung nach dem Ungeheuerlichsten von allem.
00:29:45: Für uns klingt das schnell wie ein undurchsichtiges Gemisch aus Orden, Religion, Freimaurerei, Magie- und Selbstinszenierung – für manche Männer des achtzehnten Jahrhunderts kann es wie ein Hinweis auf eine tiefere Ebene
00:29:57: klingen.".
00:29:58: Schrepper behauptet diese tiefere Ebene für sich!
00:30:01: Er stellt sich als jemand da der die wahre Maurerei kennt — Die Verborgenne, die Mächtigere, die angeblich Ursprünglichere.
00:30:09: Das ist der Punkt, an dem seine Geschichte gefährlich wird.
00:30:12: Denn Schrepfer spricht nicht nur vor einem beliebigen Publikum!
00:30:16: Er bewegt sich in der Nähe der angesehenen Leipziger Loge Minerva zu den drei Palmen – jener angesehene Loge die wir eben eingeordnet haben.
00:30:24: Die Schreper bewegt sie in ihrer Nähe und versucht Männer aus diesen Kreisen für sich zu gewinnen.
00:30:29: Was Sie an Ritualen, Graden- und Verschwiegenheit kennen nutzt er als Ausgangspunkt.
00:30:34: Er bietet ihnen eine Steigerung an.
00:30:36: Wo die Minerva mit Symbolen, geordneten Ritualen und frei mauririschen Strukturen arbeitet, verspricht Schreppfer unmittelbare Erfahrung.
00:30:44: In seinem Kaffeehaus soll man angeblich sehen worüber andere nur sprechen – Geister, Tote und dem Beweis einer verborgenen Welt!
00:30:53: Er lädt Männer aus diesem Umfeld in seine Räume ein.
00:30:56: Seine Abende erinnern äußerlich an frei-maurirische Zusammenkünfte sind aber wie bereits vorhin einmal kurz erwähnt vollständig auf ihn zugeschnitten… Auf seine Stimme, seine Behauptung, seine Kontrolle über den Raum und seine angeblichen Erscheinungen.
00:31:11: Durch selbstsicheres Auftreten, Redegewandtheit und inszenierte Erlebnisse gewinnt er Anhänger – die Quellen nennen konkrete Namen!
00:31:20: In der späteren freimaurerischen Literatur werden unter anderem ein Leipziger Jurist- und Senator Dr.
00:31:26: Juris Marsche und der Görlitzer Kaufmann Christian Emanuel Fröhlich als besonders eifrige Anhänger erwähnt….
00:31:32: Das ist wichtig.
00:31:34: Schrepfer erreicht Männer mit Bildung, Stellung und Kontakten – Männer die in der damaligen Ordnung ihren Platz haben, Männer, die etwas zu verlieren haben.
00:31:43: Spätestens in den letzten Jahren gibt Schrempfer diese Bewegung eine eigene Form.
00:31:48: Er gründet seine Loge «der echten Maurerei».
00:31:51: Schon der Name ist eine Ansage!
00:31:53: Echte Maurerei.
00:31:55: Schrepfer behauptet damit sinngemäß, was die anderen tun, ist nur die äußere Form.
00:32:00: Bei ihm liegt das
00:32:01: eigentliche."
00:32:02: Das Ware, das was die regulären Freimauere angeblich verloren haben oder nie besessen haben.
00:32:09: Damit wird sein Kaffeehaus zu einem Gegenraum!
00:32:11: Auf der einen Seite steht die Leipziger Minerva – angesehen, eingebunden, geschützt durch freimaurerische Strukturen.
00:32:19: Auf der anderen Seite steht Schrepfer Ein hochverschuldeter Kaffeehaus wird, ohne sicher nachweisbare reguläre Aufnahme in die Freimaurerei.
00:32:27: Aber mit einer enormen Begabung für Wirkung, Versprechen und Inszenierung.
00:32:33: Schreppfasloge wirkt vertraut genug um ernst genommen zu werden – und fremd genug um geheimnisvoll zu erscheinen!
00:32:40: Es gibt regelmäßige Zusammenkünfte, Rituale, Verschwiegenheit und immer wieder diesen einen Anspruch.
00:32:46: Bei ihm erfahre man mehr als anderswo….
00:32:49: In älteren Darstellungen wird Schrepfer außerdem zugeschrieben, dass er Frauen die Teilnahme an seiner Loge gestattet habe.
00:32:55: Das ist auffällig weil reguläre Freimauralogen dieser Zeit überwiegend männliche Räume sind!
00:33:02: Für unsere Folge hier bleibt diese Angabe vorsichtig formuliert – sie ist überliefert aber kein Hauptbeweis für Schrempfers Wirken.
00:33:10: Entscheidend ist etwas anderes….
00:33:12: Schreepfer verkauft seine angeblichen Geister nicht am Rand der Gesellschaft.
00:33:16: Er trägt sie mitten hinein in eine Welt aus Bildung, Rang, Ritual und Geheimhaltung.
00:33:22: Sein Angebot ist etwas das die reguläre Freimaurerei in dieser Form nicht bieten kann – angebliche unmittelbare Erfahrung.
00:33:30: Symbole, Grade-und Worte über höhere Erkenntnis kennen diese Männer bereits aus der Looschenwelt.
00:33:35: Bei Schrepfaber soll daraus plötzlich etwas Sichtbares werden….
00:33:39: er verspricht eine Erfahrung im Raum!
00:33:41: Die Toten, die Geister, den scheinbaren Beweis dafür dass hinter der sichtbaren Welt noch etwas anderes liegt.
00:33:48: Damit bindet er seine Anhänger an sich.
00:34:21: Was geschah in diesen Räumen?
00:34:23: Wir wissen es durch Berichte von Teilnehmern, durch zeitgenössische Dokumente und durch spätere Auswertung dieser Überlieferungen.
00:34:31: Besonders wichtig sind dabei Beschreibungen aus dem Umfeld des Apothekers-und Naturforschers Johann Heinrich Link.
00:34:37: des Jüngeren Link war in Leipzig eine bedeutende Figur der Naturkunde.
00:34:42: Sein Umfeld ist wichtig, weil es zeigt das optische Instrumente und naturkundliche Sammlungen dieser Stadt nicht weit entfernt von Schreffers Weltlagen.
00:34:51: Schreffer bereitete seine Szenenksunsorgfältig vor – die Räume wurden abgedunkelt, sie wurden ausgeräuchert.
00:34:58: Welche Substanzen dabei verwendet wurden ist nicht vollständig überliefert.
00:35:02: Zeitgenössische Beschreibungen legen aber nahe, dass der Rauch die Stimmung anwesenden beeinflusste und zugleich als Projektionsfläche dienen konnte.
00:35:11: Vorab wurden Getränke gereicht – teilweise Alkohol.
00:35:15: Die Teilnehmer wurden auf Stühlen platziert und angewiesen sich nicht zu bewegen.
00:35:19: Wer aufstehe hieß es bringe sich in Lebensgefahr!
00:35:22: Das ist psychologisch
00:35:23: wichtig.".
00:35:25: Schreppwasch schafft damit eine Situation, in der die Menschen kaum handeln können.
00:35:29: Sie sitzen, sie warten – sie dürfen nicht aufstehen!
00:35:32: Sie sind angespannt und vorbereitet auf etwas Außergewöhnliches.
00:35:37: Dann wird es dunkel.
00:35:39: Vollständig
00:35:40: dunkel.".
00:35:41: Was anschließend erscheint, lässt sich nach heutiger Einordnung sehr wahrscheinlich mit den Mitteln eines geübten Illusionisten erklären….
00:35:48: Schrepper nutzte optische Technik, vor allem Projektionsapparate aus dem Umfeld der Laterna Magica.
00:35:55: Die Laterna magika war keine Erfindung Schreppers.
00:35:58: man kann sie sich vereinfacht wie einen frühen Diaprojektor vorstellen.
00:36:02: in einem Kasten brannte eine Lichtquelle zum Beispiel eine Kerze oder Öllampe.
00:36:06: davor wurden bemalte Glasplatten eingesetzt.
00:36:09: durch eine Linse wurde das Bild vergrößert nach außen geworfen auf eine Wand auf eine Leinwand oder besonders wirkungsvollen Rauch Mit dunklem Hintergrund.
00:36:19: auf den Glasplatten erschienen Figuren scheinbar frei im Raum, leuchtend körperlos bedrohlich.
00:36:26: Heute klingt das nach Technik – damals konnte es wie Magie erscheinen!
00:36:31: Stellt euch einen dunklen Raum vor….
00:36:33: Rauch liegt in der Luft.
00:36:36: Niemand weiß genau woher die Stimmen kommen – alle warten auf einen Geist.
00:36:41: Dann erscheint plötzlich eine helle körperlose Gestalt im Raum.
00:36:45: Für jemanden, der die Technik dahinter nicht kannte musste das erschütternd wirken.
00:36:49: Die frühe Geschichte der Laterna Magica ist mit mehreren Namen verbunden darunter Christian Höchens Thomas Walgensten und Athanasius Kircher.
00:37:00: Kircher wurde lange besonders häufig mit dem Gerät in Verbindung gebracht vor allem wegen seiner Schriften- und Verbreitung optischer Ideen.
00:37:07: Die Entwicklung selbst war aber kein Werk einer einzigen Person.
00:37:12: Im achtzehnten Jahrhundert war diese Technik der Laterna Magica für ein unvorbereitetes Publikum eindrucksvoll, besonders dann wenn sie in dunklen Räumen mit Rauch, Geräuschen und mystisch aufgeladenen Worten kombiniert wurde.
00:37:26: Dazu kamen akustische Mittel – zeitgenössische Schilderungen sprechen von Stimmen, Stöhnen und Geräuschern die aus unbestimmbarer Richtung zu kommen schienen.
00:37:37: Ob Schrepfers Kellner, seine Frau oder andere eingeweihte Personen daran beteiligt waren lässt sich im Einzelnen nicht sicher belegen.
00:37:45: Wahrscheinlich ist aber das Schrepfer mit Helfern arbeitete.
00:37:48: In einem abgedunkelten Raum nach langer Vorbereitung Rauch-, Alkohol- und psychischer Spannung musste diese Wirkung enorm gewesen sein – ein besonders auffälliges Detail wird in der Überlieferung immer wieder genannt!
00:38:01: Bei einer Seance soll ein Anwesender den Geist einer schwangeren Frau gesehen haben.
00:38:07: Schreppfers eigene Frau war zu dieser Zeit tatsächlich schwanger, daraus entstand später die Vermutung sie könne selbst oder zumindest ihr Umriss als Vorlage für eine Projektion gedient haben – beweisen lässt sich das nicht!
00:38:21: Aber es zeigt wie eng bei Schrepfer Täuschung persönliche Umstände und theatrale Inszenierung ineinandergreifen konnten….
00:38:30: Im Naturallienkabinett Waldenburg befindet sich heute eine Laterna Magica aus dem linken Bestand.
00:38:36: Das Museum beschreibt die Laterna magica als Urform des Diaprojektors und verweist ausdrücklich auf den Einsatz bei vermeintlichen Geistererscheinungen vor Publikum, häufig mit künstlichem Nebel- und Rezitationen.
00:38:49: Es nennt außerdem Aufführungen im Leipziger Gartenhaus von Johann Heinrich Lingt im Jüngeren mit Johann Georg Schrepfer.
00:38:57: Damit haben wir keinen magischen Beweis.
00:38:59: Was wir hier haben, ist ein technischer Kontext – Licht, Glas, Rauch, Projektionsfläche, Stimme, Dunkelheit und Erwartung!
00:39:08: Der Spuk kam sehr wahrscheinlich aus einer präzisen Inszenierung.
00:39:12: Schreppfass eigentliches Werkzeug war dabei aber der menschliche Kopf.
00:39:16: Dunkelheid desorientierte.
00:39:18: Erwartungen lenkte die Wahrnehmung.
00:39:20: Angst erfüllte den Raum zwischen dem was wirklich da war und dem was die Menschen zu sehen
00:39:26: glaubt.".
00:39:53: Schrepper ist kein stiller Trickbetrüger, der nur im Verborgenen arbeitet.
00:39:57: In den Quellen wirkt er wie ein Mann mit starkem Geltungsdrang, großem Selbstbewusstsein und wenig Neigung zum Rückzug.
00:40:05: Als die Loge Minerva zwei seiner Anhänger mit Ausschluss bedroht weil sie in Schreppers Orden eingetreten sind reagiert er nicht mit Vorsicht!
00:40:13: Er lässt nachts Zettel in den Straßen Leipzigs verteilen – öffentliche Schmähschriften gegen die Logee Minervah.
00:40:20: Dann kommt es zu einer Szene, die in freimaurerischen Darstellungen konkret datiert wird.
00:40:25: Am zweiten März, siebzehntundertreiundseipzig erscheint Schrepfer persönlich in der Loge Minerva.
00:40:31: Er sucht kein ruhiges Gespräch – er bringt keine Bitte vor!
00:40:35: Er kommt mit einer Pistole.
00:40:37: Die Waffe ist geladen.
00:40:38: Schreepfer bedroht die Anwesenden.
00:40:40: Abgefeuert wird sie offenbar nicht….
00:40:42: doch allein dieses Detail zeigt wie weit der Konflikt bereits eskaliert
00:40:46: ist.".
00:40:47: Hier geht es längst um mehr als einen Streit zwischen Lojenbrüdern.
00:40:51: Es geht um Deutungshoheit, um Mitglieder, um Ansehen und um die Frage wer im frei Maurerischen Leipzig überhaupt beanspruchen darf über wahre Geheimnisse zu verfügen.
00:41:02: Schrepfer beginnt außerdem angebliche Interner der loge Minerva öffentlich preiszugeben – Teile ihrer Rituale und ihrer Struktur!
00:41:09: Das verunsichert die Leipziger Loge und weitere freimaurerische Kreise.
00:41:14: Die Loge ruft schließlich ihren hochrangigen Protektor zu Hilfe.
00:41:18: Herzog Karl von Kurland, der in Dresden residiert.
00:41:21: Er ist eine bedeutende Figur im Umfeld des Sächsischen Hofes.
00:41:25: Damit verlässt er Konflikt endgültig den Rahmen eines Leipzigerlogenstreits.
00:41:30: Aus einem Streit um Rituale, Ansehen und Mitglieder wird eine Affäre mit politischer Sprengkraft.
00:42:09: Am siebzehnten September, Seventeenhundertreihensebzig lässt Herzog Karl von Kurland Schrepfer im Linken Garten festnehmen.
00:42:16: Also auf einem Privatgrundstück.
00:42:19: Rechtlich war dieser Vorgang mindestens höchst problematisch.
00:42:23: Schrepper war Bürger der Stadt Leipzig – Der Herzog hatte keine unmittelbare städtische Gerichtbarkeit über ihn.
00:42:29: Aus Sicht des Leipzigerrates war das ein Eingriff in die Rechte der Stadt.
00:42:34: Schrepfer beschwert sich beim Rat der Stadtleipzig.
00:42:36: Sein Schreiben an den in Anführungszeichen Hochweisenrat der hoch berühmten Handel statt Leipzig ist erhalten.
00:42:43: In dem Votum aber deutlichen Ton stellt er sich darin als treuer Bürger da, dem Unrecht geschehen sei.
00:42:49: Die Sache wird zwischen Leipzig und dem Umfeld des Herzugs verhandelt – ein großer öffentlicher Prozess folgt offenbar nicht.
00:42:57: Auch eine klare öffentliche Abrechnung bleibt aus.
00:43:00: Stattdessen nimmt die Geschichte eine seltsame Wendung Herzog Karl von Kurland lässt Schrepfer durch seinen Kammerherr Johann Rudolf vom Bischof Werder prüfen.
00:43:10: Nach späteren frei mauririschen Darstellungen fällt Bischoff Werders Bericht erstaunlich positiv aus, er erscheint von Schrempfers Auftreten und seine angeblichen Fähigkeiten beeindruckt gewesen zu sein.
00:43:22: Damit öffnet sich für Schreepfer eine Tür die kurz zuvor noch verschlossen schien.
00:43:26: Er wird nach Dresden berufen ins Kurländer Palais.
00:43:30: Dort soll er vor hochrangigen Männern aus Adel, Verwaltung und Looschenkreisen zeigen was er angeblich kann.
00:43:37: Was zunächst wie ein Niederlageschrepp das aussieht wird zu seinem größten Auftritt.
00:43:42: Unter den Anwesenden befanden sich nach den überlieferten Darstellungen unter anderem Minister von Wurmp, Kamerherr von Bischof Werder und weitere hochrangige sächsische Staatsbedienstete und Loosenbrüder.
00:43:55: Schreppfer, der kurz zuvor noch als Störenfried behandelt worden war wird plötzlich hoffiert.
00:44:01: Er gibt Alkohol aus, er räuchert die Zimmer aus, kontrolliert Licht, Raum, Stimmung und Erwartung.
00:44:07: Dann baut er die nächste Ebene seiner Täuschung auf – er erzählt von einem Schatz!
00:44:13: Von kurfürstlich sächsischen Kammerkredit-Krassen scheiden also Staatspapieren, die angeblich im Wert von Millionen Talern auf Schweizer Banken deponiert seien.
00:44:22: Er selbst habe Zugang zu diesem Vermögen.
00:44:25: Gegen Vorauszahlungen wolle er den Beteiligten Anteil sichern – das Ungeheuerliche ist einige Zahlen!
00:44:33: Es geht um sehr hohe Summen, um Schuldscheine und um Männer die eigentlich wissen müssten wie gefährlich solche Geschäfte sind.
00:44:40: Besonders brisant erscheint in den Quellen die Rolle des Konferenzministers Friedrich Ludwig von Wormpf.
00:44:46: Er war ein sächsischer Staatsbeamter, ausgerechnet in einem Bereich tätig, der mit den Staatspapieren verbunden war über die Schrempfer seine Geschichte aufbaute.
00:44:55: Damit wird aus einer Geisterinszenierung einen finanziell und politisch heikler Vorgang.
00:45:31: Von Dresden zurückgekehrt verhält sich Schrepper zunehmend wie ein Mann dem zu viel auf einmal gelungen ist – er tritt in französischer Offiziersuniform auf!
00:45:40: Er gibt sich als Französischer Oberist aus und behauptet der Sohn des Herzogs von Orleans zu sein….
00:45:45: Der französische Gesandte in Dresden reagiert darauf offenbar so deutlich, dass Schrepfer sein Offizierspatent vorlegen soll.
00:45:53: Andernfalls – so wird es überliefert – drohe sogar seine Verhaftung!
00:45:57: Ein diplomatisch heikler Moment ausgelöst durch ein leibziger Kaffeehauswirt mit Nürnberger Herkunft.
00:46:04: Gleichzeitig verbreiten sich Zweifel.
00:46:07: Die Vorführungen ziehen offenbar weniger Publikum Die Schulden wachsen.
00:46:11: Die Mechanik hinter den angeblichen Geistererscheinungen bleibt nicht dauerhaft ein Geheimnis.
00:46:16: Für Schrepper wird die Lage gefährlich, die Männer, die er getäuscht hatte sind keine Randfiguren – sie haben Geld, sie haben Ansehen!
00:46:23: Sie haben eine politische Stellung und Einfluss zu verlieren.
00:46:27: Nun rückt der Moment näher in dem seine große Erzählung über die angebliche Staatspapiere endgültig überprüft werden
00:46:34: soll.".
00:46:35: Am fünften September, siebzehnhundertfünfundsiebzig werden in Leipzig jene Kisten geöffnet, in denen sich angeblich die wertvollen Papiere befinden sollen.
00:46:46: Also die Kammerkredit-Kassenscheine mit den Schrepfer seinen Geldgebern den Zugang zu einem gewaltigen Vermögen versprochen hatte.
00:46:55: Anwesend sind hochrangige Lojenbrüder und Beteiligte der Affäre – Schreper selbst ist nicht dabei!
00:47:01: Er gibt ankurzfristig nach Skoyditch gereist zu sein nahe der Preußischen Grenze….
00:47:06: Zufall oder taktisches Ausweichen, das lässt sich heute nicht sicher sagen.
00:47:11: Fakt ist er befindet sich nicht im Raum als seine Geschichte zusammenbricht!
00:47:15: Die Kisten werden geöffnet – der Inhalt ist wertlos.
00:47:18: Damit stehen die Betroffenen vor einem Problem.
00:47:22: Eine öffentliche Anzeige hätte eine gerichtliche Untersuchung nach sich ziehen können.
00:47:26: Eine solche Untersuchungen hätte vermutlich auch sichtbar gemacht wer in welche Geschäfte verwickelt war Hochrangige sächsische Staatsbedienstete, geheime Netzwerke, logen Brüder und Männer die sich auf spekulative Geschäfte mit angeblichen Staatspapieren eingelassen hatten.
00:47:43: Ob deshalb bewusst auf eine öffentliche Eskalation verzichtet wurde lässt sich nicht in jedem Detail beweisen – aber die politische und gesellschaftliche Fallhöhe war enorm!
00:47:53: Was danach folgte ist der dunkelste Teil dieser Geschichte.
00:48:25: Am Abend des siebten Oktober, siebzehnhundertvierundsiebzig hält Schrepfer eine letzte Logensitzung ab.
00:48:31: Anwesend sind unter anderem der sächsische Kammer her Johann Rudolf von Bischofswerder, der Dresdenerkammer her Christian Friedrich vom Hopfgarten zwei Kaufleute aus Görlitz namens Petri und Fröhlich sowie der Leipziger Advokat Johann Heinrich Hoffmann.
00:48:48: in derselben Nacht schreibt Schreppfer Abschiedsbriefe.
00:48:51: In der späteren Forschung werden besonders drei dieser Briefe genannt Einer an seinen Bruder, einer an einen Freund namens Belling und einer an den Freimaurer- und Kaufmann Dubosc.
00:49:03: Der Historiker Otto Werner Förster dokumentierte diese Briefe in seiner Untersuchung.
00:49:08: Tod eines Geistersäers – die Zwei Tausend Elf im Taurus Verlag leibt sich erschienen!
00:49:13: In den frühen Morgenstunden des achten Oktober siebzehnhundertvierundsiebzig bricht die Gruppe der letzten Logensitzung zu einem Spaziergang ins Rosental auf, den Waldpark am Rand der Stadt.
00:49:24: Es ist noch dunkel – Die Sonne geht erst später auf!
00:49:27: Was dann geschieht wird offiziell als Selbsttötung protokolliert.
00:49:31: Schrepfer soll sich mit einer Pistole erschossen haben in Anwesenheit der Gruppe.
00:49:35: Er ist sechs und dreißig Jahre
00:49:37: alt.".
00:50:14: Der Obduktionsbericht zu Schreffers Tod liegt im Stadtarchiv Leipzig.
00:50:18: Lange wurde er zwar aufbewahrt, aber nicht in der Tiefe ausgewertet die dieser Fall eigentlich verlangt.
00:50:43: allein erschossen haben kann.
00:50:45: Anders gesagt, der Obduktionsbericht legt nach dieser späteren rechtsmedizinischen Einschätzung nahe das bei Schreffers Tod möglicherweise nachgeholfen wurde.
00:50:55: Das ist kein gerichtlicher Mordnachweis – es ist auch kein endgültiger Beweis gegen eine konkrete
00:51:00: Person.".
00:51:01: Aber es ist ein starkes Indiz dafür, dass die offizielle Version nicht alle Fragen beantwortet.
00:51:07: Hinzu kommen weitere auffällige Punkte – Die Zeugenaussagen, die unmittelbar nach dem Tod aufgenommen wurden, widersprechen sich in wesentlichen Details.
00:51:16: Die beiden kriegserfahrenden Kammerherren Bischofswerder und Hopfgarten wurden offenbar nicht als Zeugen vernommen, obwohl sie in der Tat Nacht anwesend waren.
00:51:25: Bischoffswerda verließ noch im selben Herbst seinen Posten in Dresden und ging nach Preußen.
00:51:30: Außerdem ließ der junge Kurfürst Friedrich August III Akten und Schreffers Briefwechsel nach Dresden bringen.
00:51:37: Der Briefwechsel kehrte nach den bekannten Darstellungen nicht zurück, gilt bis heute als verschwunden.
00:51:42: Die offizielle Version lautet Selbsttötung – die erhaltenen Dokumente lassen Zweifel offen.
00:51:48: Nach Fürsters Darstellung wurden weitere Untersuchungen durch den Dresdner Hof unterbunden.
00:51:53: Auch hier gilt, dass es eine historische Deutung auf Grundlage der erhaltenen Aktenlage aber keine spätere gerichtliche Feststellung.
00:52:01: Damit bleibt die Frage – wer hätte ein Interesse daran gehabt das Schrepfer nicht mehr aussagt?
00:52:06: Die geprellten Geldgeber hätten bei einer gerichtlichen Untersuchung erklären müssen, warum sie sich auf spekulative Geschäfte mit angeblichem Staatspapieren eingelassen hatten.
00:52:15: Hochrangige sächsische Beamte hätten in Zusammenhang mit geheimen Looschenkreisen und einem obskuren Geisterbeschwörer geraten können.
00:52:23: Falls Schrepper tatsächlich Verbindungen zu späteren Rosenkreuzerkreisen hatte, hätte ein Verhör auch für diese Netzwerke unangenehm werden können!
00:52:32: All das sind Motive, Möglichkeiten und historische Plausibilitäten.
00:52:36: Sie sind kein Beweis – aber sie ergeben ein Bild, dass sich nicht sauber auflösen lässt.
00:52:42: Aufgeklärt wurde der Fall nie!
00:52:48: Die Gold- und Rosenkreuzer waren ein esoterischer Geheimorden, der in der zweiten Hälfte des achzehnten Jahrhunderts in Teilen der deutschen Hochadels unter Freimaurerei an Bedeutung gewann.
00:52:58: Viele Historiker ordnen sie als antiaufklärerisch und restaurativ ein, weil sie mystik, alchämie- und religiös geprägte Geheimlernen in den Mittelpunkt stellten.
00:53:09: Die Verbindung zwischen Schreppfassumfeld und späteren Gold-und Rosenkreuzerkreisen ist durch Indizien gestützt.
00:53:15: Mehrere Männer aus seinem engeren Umfeld wurden nach seinem Tod führende Zirkelleiter der Gold- und Rosenkreuzer in Sachsen.
00:53:22: Auch Hans Rudolf von Bischofs Werder, der bei Schreffers Tod anwesend war, entwickelte sich später zu einem der einflussreichsten Rosenkreuzer im preußischen Umfeld und gewann Einfluss auf König Friedrich Wilhelm II.
00:53:34: von Preußen.
00:53:35: Was daraus für Schrepper selbst folgt müssen wir vorsichtig formulieren!
00:53:39: Schrepper könnte also mehr gewesen sein als ein einzelner Hochstapler, der nur für sich selbst agierte.
00:53:45: Seine Geschichte berührt größere Netzwerke – höfische Interessen und esoterische Strömungen die weit über sein Kaffeehaus hinausreichen.
00:53:53: Ob er diese Kreise bewusst nutzte, von ihnen genutzt wurde oder sich am Ende in Strukturen verstrickte, die er selbst nicht mehr kontrollieren konnte bleibt offen.
00:54:02: Belegen lässt sich nur, Schreppers Geschichte endet nicht bei ihm allein!
00:54:06: Aber die späteren Karrieren einiger Männer aus seinem Umfeld zeigen, Schrepfas Geschichte endet nicht im Rosental.
00:54:14: Sie führt hinein in politische esoterische und höfische Netzwerke des späten achtzehnten Jahrhunderts.
00:54:45: Nach Schreffas Tod löste seine Geschichte eine öffentliche Debatte aus – Nicht alle schwiegen!
00:54:50: Moses Mendelssohn Berliner Philosoph und einer der bedeutendsten Vertreter der Aufklärung veröffentlichte in der allgemeinen deutschen Bibliothek eine Analyse der schrepfaschen Wunderberichte.
00:55:03: Sein Text war keine bloße Empörung, er fragte Nüchtern, warum lassen sich gebildete Menschen täuschen?
00:55:09: Welche psychologischen Mechanismen sorgen dafür, dass Angst, Erwartungen und Dunkelheit zu scheinbarer Wahrnehmung
00:55:15: werden?".
00:55:16: Mendelsen kommt zu einer Antwort, die bis heute erstaunlich modern wirkt.
00:55:21: Sinngemäß beschreibt er – wer leicht hofft wird betrogen.
00:55:25: Furcht macht Täuschung wahrscheinlicher!
00:55:27: Das Fürchterliche hat für Menschen eine besondere Anziehungskraft.
00:55:31: Wir sehen nicht nur was vor uns steht, wir sehen auch, was wir erwarten und fürchten.
00:55:36: Heute würden wir dafür Begriffe aus der Psychologie verwenden.
00:55:40: Erwartungseffekt Bestätigungsfehler Suggestion Wahrnehmungsverzerrung.
00:55:45: Schrepfer kannte diese Begriffe nicht, aber er verstand das Prinzip.
00:55:49: Mendelsen war mit dieser Auseinandersetzung nicht allein.
00:55:53: Schrepfers Name taucht nach seinem Tod in einer breiteren Debatte auf die weit über Leipzig hinaus ging.
00:55:59: In den letzten Jahren erschien in Halle eine Sammlung von Briefen und Aufsetzen über die gassnerischen und schröpferischen Geisterbeschwörungen.
00:56:07: Schon der Titel zeigt, in welchem gedanklichen Umfeld Schrepfer verhandelt wurde.
00:56:11: Man stellt ihn neben Johann Josef Gassner, einen katholischen Priester und Exorzisten dessen angebliche Wunderkuren in den siebzenhundertsiebziger Jahren ebenfalls große Diskussionen ausgelöst hatten.
00:56:24: Es ging also nicht nur um ein leipziger Kaffeehauswirt – es ging eine Grundfrage der Aufklärung.
00:56:29: Wie erklärt man Phänomene die Menschen für übernatürlich halten?
00:56:33: Sind es Wunder-, Dämonen-, Betrug-, Einbildung-, Krankheit-, Suggestion- oder eine Mischung aus mehreren Dingen?
00:56:41: Schrepfer wurde dadurch zu einem Fallbeispiel.
00:56:43: An ihm konnte man diskutieren, wie leicht Menschen zu täuschen waren – aber auch warum diese Täuschung überhaupt funktionierte!
00:56:51: Die Aufklärer kämpften nicht nur gegen Dunkelheit im wörtlichen Sinn.
00:56:55: Sie kämpfte gegen eine Dunkelheid im Denken, gegen die Bereitschaft dort ein Wunder zu sehen, wo vielleicht nur Rauch, Glas und Erwartung waren.
00:57:13: Schreper stand in einer größeren Mediengeschichte.
00:57:16: was bei ihm noch als angebliche Totenbeschwörung verkauft wurde, entwickelte sich später zu einer eigenen Form der Schaukunst.
00:57:23: Der Phantasma-Gurri.
00:57:25: Dabei wurden Geister, Skelette oder Verstorbene mithilfe von Projektionsapparaten sichtbar gemacht.
00:57:31: Spätere Schausteller arbeiteten mit beweglichen Laternen, Rückprojekten, Rauch, Leinwänden Musik und Geräuscheffekten.
00:57:39: Figuren konnten wachsen, verschwinden oder scheinbar durch den Raum gleiten.
00:57:43: Der entscheidende Unterschied liegt in der Behauptung – bei späteren Vorführungen wusste das Publikum oft eher dass es sich um optische Kunststücke
00:57:51: handelte.".
00:57:51: Bei Schrepper war das anders.
00:57:53: Er präsentierte seine Effekte als Grenzüberschreitung, als Kontakt mit den Toten, als geheimes Wissen – das macht ihn so gefährlich!
00:58:01: Er nutzte technische Mittel die eigentlich in der Welt der Optik, Physik und Unterhaltung gehörten, stellte sie aber in den Dienst einer religiös, magisch-und freimaurerisch aufgeladenen Inszenierung.
00:58:12: Die Technik war modern.
00:58:17: Wenn man Schrepper nur als Hochstapler betrachtet, greift das zu kurz.
00:58:21: Die größere Frage lautet – wie konnte das funktionieren?
00:58:25: In einer Stadt wie Leipzig mit Universitäten, Verlagen, Handel, Kaufleuten und gebildeten Männern in einer Zeit die sich selbst als Zeitalter der Vernunft verstand.
00:58:39: Es war die Epoche der Aufklärung, zugleich aber auch ein Jahrhundert des Hungers nach dem Unerklärlichen.
00:58:45: Je mehr die Vernunft erklärte, desto stärker wurde bei manchen die Sehnsucht nach etwas das sich dieser Vernunft entzog.
00:58:51: Während Wissenschaft, Philosophie und aufklärerisches Denken an Bedeutung gewannen blühten zugleich Geistergeschichten Mesmerismus, Alchemie und Geheimgesellschaften weiter auf.
00:59:02: Schrepfer stand genau an dieser Bruchstelle – er war kein Zufall!
00:59:06: Er war ein Symptom seiner
00:59:07: Zeit.".
00:59:08: Er nutzte die Sehnsucht nach Geheimnis in einer Zeit, die alles erklären wollte.
00:59:13: Er verkaufte das Unsichtbare an Männer, die sich für aufgeklärt hielten.
00:59:17: Er zeigte wie verletzlich vernunft werden kann wenn Angst, Status und Hoffnung zusammenspielen.
00:59:24: Diese Wirkung blieb nicht auf Akten, logen Protokolle oder späte historische Untersuchungen beschränkt – sie wanderte auch in die
00:59:31: Literatur.".
00:59:33: Auch Friedrich Schiller begegnete dieser Geschichte indirekt.
00:59:36: Christian Gottfried Körner, Schillers Freund und Gastgeber in Dresden war Mitglied der Loge Minerva und kannte die Schrepferaffäre aus dem frei maurischen Umfeld.
00:59:46: Als Schiller später bei Körna in Dresten wohnte, hörte er von diesen Ereignissen.
00:59:51: Diese Berichte wurden zu einer wichtigen Anregung für eines seiner bekanntesten aber unvollendeten Werke – Der Geisterseer!
00:59:59: Der Geister Seeher ist ein Romanfragment, das Schiller zwischen siebzehntundertsieben und achtzig und seventeinundachtzig in der Zeitschrift Talia in Fortsetzung veröffentlichte.
01:00:10: Das Werk blieb unvollendet – Schiller selbst hatte ein schwieriges Verhältnis dazu!
01:00:15: Er brach die Arbeit mehrfach ab und schrieb später sinngemäß dass ihm der verfluchte Geisterseeher keine rechte Freude mache.
01:00:22: Trotzdem war das Fragment zu seinen Lebzeiten einer seiner größten Publikumserfolge….
01:00:27: Die Handlung – ein protestantischer Prinz wird im Venedig durch eine Geheimgesellschaft, durch Seonsen, Täuschung und Intrige schrittweise von seiner bisherigen Haltung entfernt.
01:00:37: Der Roman spielt mit Angst, Glauben, Manipulation, Geheimorden und politischer
01:00:43: Verführung.".
01:00:44: Das klingt vertraut!
01:00:45: Schrepfer war nicht die einzige Vorlage.
01:00:48: Auch Kagliostro, der einige Jahre nach Schreppers Tod in Europa für Aufsehen sorgte, floss in solche literarischen und gesellschaftlichen Vorstellungen ein.
01:00:58: Aber die Grundfigur des Geisterbeschwörers, der in abgedunkelten Räumen mit Täuschungen Erwartung arbeitet hat ein klares historisches Echo in der Leipziger Affäre.
01:01:07: Der Geisterseer ist damit mehr als Schauerliteratur.
01:01:11: Es ist ein literarischer Nachhall einer dokumentierten historischen Affäre und zugleich einen Text über Manipulationen, Verführung und die Frage wie leicht Menschen auf Inszenierungen hereinfallen können wenn diese ihre tiefsten Ängste oder Hoffnungen
01:01:25: berühren.".
01:01:57: Johann Georg Schrepfer verschwand nach seinem Tod nicht aus der Erinnerung.
01:02:01: Theodor Fontane griff die Affäre in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg auf, im Zusammenhang mit General Hans Rudolf vom Bischofswerder und Schloss Marquardt.
01:02:11: Fontane stellt Schreepfer in eine Reihe mit anderen Wunderleuten und Alchemisten aus dem Umfeld des Herzogskal von Kurland.
01:02:19: Sein Urteil ist interessant!
01:02:21: Fontane beschreibt Schreffers Apparat als bemerkenswert gut für seine Zeit und deutet zugleich an, Schreffer habe vielleicht selbst im gewissen Maß an seine Wirkung geglaubt.
01:02:31: Das ist eine spannende Frage!
01:02:33: War Schrepper ein kalter Betrüger?
01:02:35: Ein Selbstdarsteller der seine Rolle irgendwann selbst glaubte oder einen Mann, der zwischen Kalkül- und Selbsttäuschung
01:02:42: schwankte?!
01:02:43: Auch Wilhelm von Kügelgen, Maler und Schriftsteller berichtet in seinen Jugenderinnerungen eines alten Mannes über Schrepfer.
01:02:51: Aus einer Generation die noch Menschen kannte, die der Affäre zeitlich näher standen.
01:02:56: Sogar das Protokoll der Loge Minerva nach Schrepfers Tod hat einen fast spöttischen Nachklang – dort wird seine Stellung sinngemäß infrage gestellt!
01:03:05: War er Kaffeehauswirt?
01:03:06: War er Oberst?
01:03:07: oder war er vor allem das was er selbst aus sich machen
01:03:10: wollte?!
01:03:11: Die Loge war schrepferlos, aber die Geschichte blieb.
01:03:16: Was bleibt von Johann Georg Schrepfer?
01:03:19: Ein Gast wird aus Nürnberg der sich in Leipzig eine neue Identität erschuf – ein Mann, der mit Licht, Rauch, Glasplatten, Stimmen und einem außergewöhnlichen Gespür für menschliche Erwartung einen der kuriosesten Teuschungsfälle des achzenten Jahrhunderts hervorbrachte!
01:03:35: Er arbeitete sich in frei maurirische Sehnsüchte, höfische Eitelkeiten und politischen Netzwerke hinein.
01:03:42: Er täuschte andere, versprach viel Geld, machte sich selbst immer größer und starb am Ende in einer Affäre die bis heute mehr Fragen stellt als sie beantwortet.
01:03:52: Das interessanteste Anschreifer ist.
01:03:54: darum nicht nur was er tat – es ist das er es tun konnte!
01:03:58: In einem Jahrhundert, das sich selbst als Zeitalter der Vernunft verstand.
01:04:02: In einer Zeit voller gebildeter Männer funktionierte ein sehr seltener
01:04:06: Mechanismus.".
01:04:08: Wer behauptet Zugang zu verborgenem Wissen zu haben bekommt Macht über Menschen die daran glauben wollen.
01:04:14: Schrepper machte seine Welt geheimnisvoll – er machte sie gefährlich!
01:04:18: Er stellte Regeln auf… er erzeugte Dunkelheit … erwartete bis Angst Neugier Hoffnung und Statusdenken den Rest erledigten.
01:04:26: Moses Mendelsen beschrieb, im Kern diesen Mechanismus.
01:04:31: Menschen sehen in solchen Moment nicht nur was vor ihnen steht – sie sehen auch, was sie fürchten und erwarten.
01:04:38: Das gilt bis heute!
01:04:40: In Politik, Werbung, Verschwörungserzählungen und sozialen Medien funktionieren viele Täuschungen nach einem ähnlichen Prinzip.
01:04:48: Gibt Menschen ein Geheimnis?
01:04:50: Gib ihnen das Gefühl zu den Eingeweiten zu gehören.
01:04:53: Erzeuge Angst vor dem, was angeblich verborgen wird.
01:04:57: Irgendwann verteidigen sie die Illusion
01:04:59: selbst.".
01:05:00: Schrepfer ist seit mehr als zweihundertfünfzig Jahren tot – seine Methode lebt weiter!
01:05:05: Im heutigen Ziltstunnel am Barfußgäßchen, also an jenem Ort der mit Schreffers ehemaligen Kaffeehaus verbunden ist, sitzt man heute gemütlich beim Essen.
01:05:14: Wer dort durch die Räume geht hört Stimmen, Gespräche, Gläserschritte – vielleicht ist das der passendste Ort für diese Geschichte?
01:05:22: Denn dort wo heute Alltag ist standen einst Männer im Dunkeln und glaubten die Toten würden sprechen.
01:05:28: Dabei sprach wahrscheinlich nur einen Mann Johann Georg Schrepfer.
01:05:32: Er wusste, das Dunkel zeigt uns oft nicht die Wahrheit.
01:05:36: Es zeigt uns was wir hineinlegen!
01:05:39: Bevor wir uns für heute verabschieden möchte ich euch noch sagen diese Folge wurde in meinem Instagram Channel von den lieben Menschen ausgewählt die mir dort folgen.
01:05:47: Dort wurde abgestimmt, welches Thema an diesem Tag erscheinen soll und Johann Georg Schrepfer hat sich dabei durchgesetzt.
01:05:54: Falls ihr solche Entscheidungen in Zukunft auch ein wenig mitbestimmen möchtet kommt sehr gerne in meinen Instagram-Channel Shadows unter sich!
01:06:01: Dort nehme ich euch in Zukunft ein bisschen mehr mit hinter die Kulissen, frage euch nach euren Meinungen und lasse euch immer wieder bei Themen, Titeln oder kleinen Entscheidungen rund um Chronik der Schatten mithreden.
01:06:12: Ihr findet mich auf Instagram unter chronikpunkt der Punkt Schatten Unterstrich Podcast.
01:06:17: Hier würde ich mich sehr über ein Follow freuen und wenn ihr dann auch noch in den Channel kommen würdet, das wäre wirklich super toll.
01:06:23: Ich würde mich wirklich freuen, wenn unsere Shadows Community auf Instagram weiterwachsen würde!
01:06:28: Denn am schönsten ist diese Reise durch die Schatten, wenn wir sie gemeinsam gehen.
01:06:32: Lasst mir gerne auch hier wo ihr gerade hört einen Abo und ein Like da und vielleicht auch netten Kommentar denn das hilft mir wirklich sehr gesehen zu werden.
01:06:40: Danke dass ihr heute mit mir durch die schatten gereist.
01:06:43: seid und bleibt wachsam für die Geschichten hinter den Geschichten.
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