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Kaspar Hauser – Das Rätsel seiner Zeit

Shownotes

In dieser Folge reisen wir nach Nürnberg und Ansbach ins frühe 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Kaspar Hauser, der am 26. Mai 1828 plötzlich auf dem Nürnberger Unschlittplatz auftauchte und schon bald als „Kind Europas“ bekannt wurde.

Wir sprechen über seine ersten Tage in Nürnberg, die Briefe, die er bei sich trug, seine später erzählte Vorgeschichte, die Beobachtungen im Turm Luginsland, seine Zeit bei Georg Friedrich Daumer, Johann Biberbach, Gottlieb von Tucher und Johann Georg Meyer.

Außerdem geht es um Anselm von Feuerbach, die Idee eines „Verbrechens am Seelenleben“, die Prinzentheorie um das Haus Baden, Lord Stanhope, den tödlichen Vorfall im Ansbacher Hofgarten und die Frage, weshalb Kaspar Hausers Geschichte bis heute so stark nachwirkt.

Ein wichtiger Teil der Folge ist die moderne DNA-Forschung. Die Untersuchungen zeigen: Kaspar Hauser war nach heutigem wissenschaftlichem Stand kein badischer Erbprinz. Damit ist eine der berühmtesten Theorien widerlegt, aber seine eigentliche Herkunft bleibt weiterhin ungeklärt.

Wie immer gilt: In dieser Folge trenne ich zwischen belegbaren Fakten, zeitgenössischen Berichten, späteren Deutungen und offenen Fragen.

Triggerwarnung:

In dieser Folge geht es um mögliche Isolation, Vernachlässigung, psychische Belastung, Selbstverletzungstheorien, Gewalt und Tod. Bitte hört nur weiter, wenn ihr euch mit diesen Themen gerade wohlfühlt.

Erwähnte Themen in der Folge: Kaspar Hauser Nürnberg Ansbach Unschlittplatz Turm Luginsland Georg Friedrich Daumer Anselm von Feuerbach Lord Stanhope Haus Baden Stéphanie de Beauharnais Prinzentheorie DNA-Untersuchungen Kaspar-Hauser-Syndrom

Hofgarten Ansbach

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Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.

Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.

Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.

Hinweis zur Verwendung künstlicher Intelligenz

Das Titelbild sowie der Gesang und die musikalische Umsetzung der Titelmusik wurden mithilfe generativer künstlicher Intelligenz erstellt. Der Liedtext stammt vollständig von mir.

Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.

Quellenhinweise und weiterführende Literatur

Für diese Folge wurden historische Quellen, zeitgenössische Zeugnisse, wissenschaftliche Arbeiten, museale Informationen, neuere DNA-Untersuchungen sowie ausgewählte Darstellungen zur literarischen und filmischen Rezeption des Falls Kaspar Hauser genutzt.

Primärquellen und zeitgenössische Zeugnisse:

Anselm von Feuerbach: Kaspar Hauser. Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen, Ansbach 1832. Digitalisat über die Bayerische Staatsbibliothek / Münchener Digitalisierungszentrum.

Jakob Friedrich Binder: Bekanntmachung des Magistrats der Stadt Nürnberg, 1828. Die Bekanntmachung betrifft den in Nürnberg aufgefundenen jungen Menschen, der später als Kaspar Hauser bekannt wurde.

Philip Henry Earl Stanhope: Materialien zur Geschichte Kaspar Hausers, Heidelberg 1835.

Jochen Hörisch, Hrsg.: Ich möchte ein solcher werden wie … Materialien zur Sprachlosigkeit des Kaspar Hauser, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979.

Biografische und historische Überblicksquellen:

Deutsche Biographie: Eintrag Hauser, Kaspar.

Markgrafenmuseum Ansbach / Kaspar-Hauser-Abteilung: Informationen zu Leben, Tod und Nachwirkung Kaspar Hausers.

Stadt Ansbach / Tourismus Ansbach: Informationen zu Kaspar-Hauser-Orten, dem Markgrafenmuseum und den Ansbacher Erinnerungsorten.

Bayerische Schlösserverwaltung: Informationen zum Ansbacher Hofgarten und zum Vorfall vom 14. Dezember 1833.

Romantisches Franken: Informationen zum Kaspar-Hauser-Gedenkstein im Ansbacher Hofgarten mit der Inschrift „Hic occultus occulto occisus est“.

Wikipedia-Artikel Kaspar Hauser, deutschsprachige Fassung, als ergänzende Überblicksquelle und zur Orientierung über Literatur, Rezeption und Forschungsstand. Zentrale Angaben wurden mit weiteren Quellen abgeglichen.

Wissenschaftliche Literatur und Forschung:

Ivo Striedinger: Hauser Kaspar, der „rätselhafte Findling“, in: Lebensläufe aus Franken, Band III, 1927.

Ivo Striedinger: Neues Schrifttum über Kaspar Hauser, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 6. Jahrgang, 1933.

Jean Mistler: Gaspard Hauser, un drame de la personnalité, Fayard, Paris 1971.

Fritz Trautz: Zum Problem der Persönlichkeitsdeutung: Anläßlich des Kaspar-Hauser-Buches von Jean Mistler, in: Francia, Band 2, 1974.

Karl Leonhard: Kaspar Hauser und die moderne Kenntnis des Hospitalismus, in: Confinia Psychiatrica, Band 13, 1970.

Walther Schreibmüller: Bilanz einer 150jährigen Kaspar-Hauser-Forschung, in: Genealogisches Jahrbuch, Band 31, 1991, S. 43–84.

Peter Josef Keuler: Der Findling Kaspar Hauser als medizinisches Phänomen. Eine medizinhistorische Analyse der überlieferten Quellen, Dissertation, Bochum 1997.

Manfred Risse, Christine Bartsch, Thomas Dreyer, Günter Weiler: The death of Kaspar Hauser (17 Dec 1833) – assassination, suicide or self-inflicted injury?, in: Archiv für Kriminologie, 216, 2005, S. 43–53.

Johannes Mayer / Peter Tradowsky: Kaspar Hauser. Das Kind von Europa, Urachhaus, Stuttgart 1984. Diese Quelle wurde vor allem als weiterführende Literatur zur Deutungs- und Rezeptionsgeschichte berücksichtigt.

DNA-Analysen:

G. M. Weichhold, J. E. Bark, W. Korte, W. Eisenmenger, K. M. Sullivan: DNA analysis in the case of Kaspar Hauser, in: International Journal of Legal Medicine, 111, 1998, S. 287–291. Diese Untersuchung steht im Zusammenhang mit der 1996 bekannt gewordenen DNA-Analyse, die unter anderem durch den Spiegel öffentlich diskutiert wurde.

ZDF/ARTE-Dokumentation: Der Mordfall Kaspar Hauser, 2002, mit rechtsmedizinischen Untersuchungen unter Beteiligung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Münster / Bernd Brinkmann. Die Ergebnisse wurden später kontrovers diskutiert und durch neuere DNA-Untersuchungen erneut eingeordnet.

Walther Parson, Christina Amory, Turi King, Michaela Preick, Cordula Berger, Anna König, Gabriela Huber, Katja Anslinger, Birgit Bayer, Gottfried Weichhold, Timo Sänger, Sabine Lutz-Bonengel, Heidi Pfeiffer, Michael Hofreiter, Dietmar Pfründer, Carsten Hohoff, Bernd Brinkmann: Kaspar Hauser’s alleged noble origin – New molecular genetic analyses resolve the controversy, in: iScience, Volume 27, Issue 9, 2024.

Literarische und filmische Rezeption:

Paul Verlaine: Gaspard Hauser chante, aus dem Zyklus Sagesse, 1881.

Jakob Wassermann: Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens, 1908.

Werner Herzog: Jeder für sich und Gott gegen alle, Spielfilm, 1974.

Peter Sehr: Kaspar Hauser, Spielfilm, 1993, mit André Eisermann in der Titelrolle.

Hinweis zur Einordnung:

Der Fall Kaspar Hauser wurde über fast zwei Jahrhunderte hinweg sehr unterschiedlich gedeutet. In der Folge wird deshalb klar zwischen belegbaren historischen Angaben, zeitgenössischen Berichten, späteren Deutungen, wissenschaftlichen Untersuchungen und offenen Fragen unterschieden. Die moderne DNA-Forschung spricht nach aktuellem Stand gegen die sogenannte Prinzentheorie und gegen eine mütterliche Abstammung Kaspar Hausers vom Haus Baden. Seine tatsächliche Herkunft und die genauen Umstände vor seinem Auftauchen in Nürnberg bleiben jedoch weiterhin ungeklärt.

Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSC

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Transkript anzeigen

00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Chronik der Schatten.

00:01:03: Schön, dass ihr heute wieder dabei seid!

00:01:05: Manche Geschichten beginnen ganz klar... Mit einem Datum, mit einem Ort.

00:01:09: Mit einem Namen der in Akten auftaucht, in Kirchenbüchern oder in Geburtsregistern oder in alten Zeitungen.

00:01:16: Andere Geschichten beginnen mit einer Lücke – mit einem Menschen, der plötzlich da ist aber keine Vergangenheit mitbringt die sich sicher greifen lässt.

00:01:25: Keine Familie, die ihn erkennt.

00:01:27: Kein Zuhause aus dem er kommt!

00:01:29: Keine Kindheit, die man eindeutig nachzeichnen

00:01:32: kann.".

00:01:33: Die Geschichte von Kasper Hauser ist so eine Geschichte.

00:01:36: Sie beginnt für uns mit einem Auftauchen, mit einem jungen Mann der plötzlich da ist und mit einem Namen, der bald weit über Nürnberg hinaus bekannt werden wird.

00:01:47: Bis heute ist dieser Name mehr als der Name einer historischen Person – er steht für ein Rätsel, für einen Streitfall, für eine Geschichte die immer wieder neu erzählt, gedeutet und hinterfragt wurde.

00:01:58: War Kasperhauser ein Opfer?

00:02:00: War er ein Hochstapler?

00:02:02: War Er ein junger Mensch dem etwas Furchtbares widerfahren war oder jemand, der eine Geschichte mit sich trug, die im Laufe der Zeit größer wurde als er selbst.

00:02:12: Vielleicht ist es diese Unsicherheit, die den Fall bis heute so lebendig hält?

00:02:16: Denn bei Casper Hauser geht's um mehr als um die Frage woher er kam – Es geht auch darum wie Menschen mit einem Rätsel umgehen, wie schnell aus Mitgefühl Neugier wird, wie aus Neugiersensation entsteht und wie ein Mensch irgendwann hinter dem Mythos verschwindet, der um ihn herum wächst!

00:02:32: Auf seinem Grabstein in Ansbach stehen drei Zeilen.

00:02:35: Sie stehen dort seit fast zweihundert Jahren und sie wirken bis heute wie eine Zusammenfassung seines ganzen Lebens.

00:02:43: Hick, Jacquet, Kasparoshausa.

00:02:45: Hier liegt Kasper Hauser Enigma sui temporis das Rätsel seiner Zeit.

00:02:52: Egnota nativitas oculta morse Unbekannte Geburt dunkler Tod.

00:02:58: Drei Zeilen Und in diesen drei Zeilen steckt bereits alles, was diese Geschichte so außergewöhnlich macht.

00:03:05: Kurz zur Einordnung Wie immer halte ich mich an das, was sich historisch belegen lässt.

00:03:10: Bei Casper Hauser ist das besonders wichtig.

00:03:12: Kaum ein Fall des neunzehnten Jahrhunderts hat so viele Deutungen hervorgebracht Kaum einen Fall wurde so oft neu gelesen politisch aufgeladen medizinisch erklärt literarisch verarbeitet und wieder infrage gestellt.

00:03:26: Ich werde euch heute klar trennen, was gesichert ist, was plausibel erscheint und wo aus Quellen Vermutungen werden.

00:04:24: Monarchien stabilisieren sich, Verwaltungen werden aufgebaut.

00:04:27: Grenzen haben sich verschoben Die Welt wirkt geordneter als noch wenige Jahre zuvor doch unter dieser Ordnung liegen Unsicherheiten.

00:04:36: An diesem Nachmittag bewegt sich ein junger Mann durch Nürnberg der sofort auffallen muss.

00:04:40: Er geht unsicher, steif fast so als sei jeder Schritt etwas das ihm Mühe macht.

00:04:46: Seine Kleidung wirkt einfach, bäuerlich und grob In der Hand hält er einen Brief.

00:04:51: Wer ihn ansieht merkt schnell, dieser junge Mann wirkt nicht wie jemand der selbstbewusst ein Ziel ansteuert.

00:04:58: Er scheint eher irgendwo hingeschickt worden zu sein!

00:05:02: Auf dem Unschlittplatz treffen zwei Schumacher auf ihn – Meister Weikmann und sein Kollege Beck.

00:05:07: Vor ihnen steht ein Fremder, der kaum spricht, kaum erklären kann was er will und ihnen stattdessen einen Brief entgegenhält.

00:05:15: Auf dem Umschlag steht ein Name Friedrich von Wessening.

00:05:19: Von Wessening ist Rittmeister der vierten Eskadronen des sechsten Chevoloscherigiments in Nürnberg.

00:05:26: Ein Militär, ein Mann zu dem dieser Junge offenbar gebracht werden soll – also nehmen Weikmann und Beck ihn mit!

00:05:33: Für die beiden Männer ist es in diesem Moment vermutlich vor allem eine seltsame Begegnung.

00:05:38: Ein fremder Junge, der kaum sagen kann woher er kommt…ein Brief, der zu einem Ritt-Meister gebracht werden soll … mehr wissen sie

00:05:46: nicht.".

00:05:46: In von Wessennigs Wohnung versucht man herauszufinden, wer dieser junge Mensch ist und was er will.

00:05:52: Doch Kaspar kann kaum Auskunft geben!

00:05:55: Er weckt erschöpft unbeholfen und sprachlich stark eingeschränkt.

00:05:59: Vieles, was man ihn fragt scheint der entweder nicht zu verstehen oder nicht beantworten zu können.

00:06:05: Was er bei sich trägt ist dieser Brief – und was es sagen kann kreist offenbar immer wieder um denselben Wunsch.

00:06:13: So fällt einer der wenigen Sätze, die von diesem Tag an überliefert sind.

00:06:26: Es ist ein altbayerisch klingender Dialekt fremd in der fränkischen Stadt Nürnberg und dieser Dialekt wird Kasper Hauser sein Leben lang begleiten.

00:06:36: Von Wessening kann mit dem Jungen wenig anfangen.

00:06:38: Nach einem kurzen Aufenthalt in seiner Wohnung lässt er ihn zur Polizeiwache bringen.

00:06:43: Dort schreibt der Fremde auf ein Blatt Papier den Namen, unter dem er berühmt werden wird – Kasper Hauser.

00:06:50: Vielmehr lässt sich zunächst kaum aus ihm herausbekommen.

00:06:53: Er kennt Geld!

00:06:54: Er kann kurze Gebete sprechen.

00:06:56: Er kann in begrenztem Umfang lesen.

00:06:59: Doch wer er ist, woher er kommt und weshalb er nach Nürnberg geschickt wurde bleibt unklar….

00:07:05: Die Behörden bringen ihn zunächst in eine Arrestzelle im Turm-Lugensland auf der Nürnberger Burg.

00:07:12: Das geschieht nicht als Strafe, man weiß schlicht nicht wohin mit diesem jungen Menschen dessen Geschichte niemand einordnen kann!

00:07:20: Erst jetzt richtet sich der Blick genauer auf das was er bei sich hatte….

00:07:24: Der Brief an Von Wessening gibt vor, von einem armen Tagelöhner zu stammen.

00:07:29: Dieser Mann behauptet das Kind sei ihm im Oktober-Achzehnhundert zwölf vor die Tür gelegt worden Er habe zehn eigene Kinder könne sich um den Jungen nicht weiter kümmern und dieser wolle nun Soldat werden.

00:07:41: Zu diesem Schreiben gehört außerdem ein zweiter beiliegender Zettel.

00:07:45: er gibt vor von der Mutter des Kindes zu stamm.

00:07:48: Darin wird der Name Kasper genannt.

00:07:50: Außerdem heißt es, der Junge sei am dreißigsten April, eighteenhundertzwölf geboren.

00:07:55: Diese beiden Texte sind bis heute problematisch – Schriftanalysen aus dem neunzehnten Jahrhundert legten nahe das Briefe und Zettel von derselben Hand geschrieben worden sein könnten.

00:08:06: Möglich ist auch dass sie absichtlich so gestaltet wurden, dass Sie eine Herkunft andeuten ohne wirklich etwas preiszugeben.

00:08:13: Als sichere Quelle für Kaspar's Herkumpf taugen sie nicht!

00:08:52: In den Wochen und Monaten nach seinem Auftauchen begann Kaspar eine eigene Vorgeschichte zu schildern.

00:08:57: Diese Erzählung wurde zum dunklen Kern des Falls.

00:09:00: Nach seiner Darstellung hatte er einen großen Teil seines Lebens in einem kleinen, niedrigen Raum verbracht.

00:09:07: Er beschrieb ein Ort an dem er kaum stehen konnte – einen Raum ohne freie Bewegung, ohne normalen Kontakt zu Menschen, ohne Sprache, ohne Tageslicht wie ein Kind es eigentlich kennen müsste….

00:09:19: Er habe dort auf dem Boden gesessen oder gelegen.

00:09:22: Er habe Wasser und Brot

00:09:23: bekommen.".

00:09:23: Manchmal, so wurde es später überliefert, sei das Wasser anders gewesen als sonst.

00:09:29: Danach sah er eingeschlafen – wenn er wieder erwachte, seien Haare und Nägel geschnitten gewesen.

00:09:35: Der Raum war gereinigt und frisches Brot bereitgelegt!

00:09:38: Wer das getan habe, habe er nie gesehen.

00:09:41: Erst kurz vor seinem Auftauchen in Nürnberg sei nach dieser Darstellung ein unbekannter Mann zu ihm gekommen….

00:09:48: Dieser Mann habe ihm beigebracht, aufrecht zu stehen.

00:09:51: Er habe seine Hand geführt damit Kasper schreiben konnte.

00:09:54: Auch den Satz vom Reiter – denn Kasper später bei von Wessening sprach soll dieser Mann ihn beigebracht haben.

00:10:01: Diese Geschichte ist zentral aber sie bleibt quellenkritisch schwierig.

00:10:05: Sie stammt aus Kaspers späteren Angaben und aus Berichten der Menschen die ihn befragten.

00:10:11: Sie wurde aufgeschrieben, gedeutet weitererzählt und immer wieder neu bewertet.

00:10:16: Wenn sie im Kern stimmt, wäre Casper Hauser Opfer einer extremen Form von Isolation gewesen.

00:10:22: Falls sie ausgeschmückt oder verändert wurde bleibt trotzdem die Frage warum ein junger Mensch in diesem Zustand auf einem Nürnberger Platz auftauchte.

00:10:48: Der Turm Lugins Land wurde für Casper zu einem Übergangsort.

00:10:52: Er war dort untergebracht weil die Behörden keine bessere Lösung hatten.

00:10:56: Er passte in keine vertraute Kategorie.

00:10:59: War er ein ausgesetztes Kind?

00:11:01: Ein Betrüger Ein Opfer, ein Mensch der dringend Hilfe brauchte?

00:11:05: Niemand konnte das sicher sagen.

00:11:07: Der Ort selbst macht diese Unsicherheit greifbar!

00:11:11: Luginsland war kein Zuhause – es war ein Gefängnestor, ein Ort der Verwahrung.

00:11:17: Für Kasper bedeutete das er war nicht frei aber auch nicht sich selbst überlassen.

00:11:22: Die Stadt hat ihn aufgenommen weil sie erst herausfinden musste wer da eigentlich vor ihr stand.

00:11:28: Eine wichtige Person in diesen ersten Tagen war der Gefängniswerter Andreas Hildl.

00:11:33: Unter seiner Obhut begann für Casper so etwas wie ein erster geregelter Alltag.

00:11:38: Hildll und seine Familie erlebten ihn aus nächster Nähe, beim Essen, beim Gehen, beim Sprechen, beim Schlafen bei all den kleinen Dingen die für andere selbstverständlich waren und bei Casper plötzlich Bedeutung bekam.

00:11:52: Schon früh wurden körperliche Auffälligkeiten beschrieben.

00:11:55: Sein Körper galt als wohlgebildet, seine Muskulatur aber als schwach.

00:12:00: Seine Beine wirkten weich, als hätte er selten gestanden.

00:12:03: Seiner Haut wurde als ungewöhnlich hell beschrieben – auch seine Ernährung fiel auf!

00:12:09: Kasper nahm nach den frühen Berichten vor allem Brot und Wasser zu sich.

00:12:13: Fleisch und viele andere Speisen wies er zurück oder vertrug sie

00:12:17: kaum.".

00:12:18: All das wurde genau notiert, weil es zu der Vorstellung passte, dass dieser junge Mensch lange Zeit unter stark eingeschränkten Bedingungen gelebt haben könnte.

00:12:28: Zugleich war Kasper nicht völlig unzugänglich – er konnte einzelne Dinge lesen Kurze Gebete sprechen und zeigte bald, dass er lernen konnte.

00:12:36: Man begann mit ihm zu sprechen ihn zu befragen und im Unterricht zu geben.

00:12:40: Juristen, Theologen, Pädagogen und Ärzte interessierten sich für ihn weil an ihm scheinbar etwas sichtbar wurde das man damals kaum einordnen konnte.

00:12:50: Ein Jugendlicher der körperlich fast erwachsen war dem aber in vielen alltäglichen Dingen Erfahrung fehlte Am dritten Juni, der Stadtsgerichtsarzt Karl Preu ein Gut achten.

00:13:03: Darin stand zunächst noch die Vermutung im Raum – Kaspar könne wie ein halbwilder Mensch in Wäldern aufgewachsen sein!

00:13:10: Diese frühe Einschätzung zeigt, wie ratlos man war.

00:13:13: Man suchte nach Vergleichen, nach bekannten Mustern, nach irgendeiner Erklärung… doch keine passte so wirklich.

00:13:20: Für Kasper selbst muss diese Zeit kaum begreifbar gewesen

00:13:23: sein.".

00:13:23: Eben noch war er ein Mensch ohne bekannte Vergangenheit, ohne sicheren Ort und ohne klare Sprache.

00:13:29: Plötzlich wurde jeder Schritt jedes Wort jede Reaktion beobachtet was er aß wie er ging ob er Licht ertrug wie er auf Stimmen reagierte was er verstand was er wiederholte und was er nicht verstand.

00:13:42: in Luginsland begann deshalb nicht nur seine Unterbringung.

00:13:45: dort begann auch die öffentliche Deutung seines Lebens.

00:13:49: Noch war Kasper Hauser kein Mythos, noch war er vor allem ein fremder junger Mann in einem Gefängnisturm.

00:13:54: Aber in diesen ersten Tagen entstand das Material aus dem kurz darauf eine europäische Sensation werden sollte – Beobachtungen, Gutachten, Gespräche und Gerüchte!

00:14:05: Und die dringende Frage wer dieser Mensch eigentlich war?

00:14:25: Am siebten Juli-Achzehnhundertzwanzig veröffentlichte Bürgermeister Jakob Friedrich Binder eine Bekanntmachung über den Findling.

00:14:33: Spätestens damit wurde Kasper Hauser zu einer öffentlichen Figur.

00:14:37: Aus einem unbekannten Jungen wurde der Mensch, den man später das Kind Europas nannte – die Reaktion war enorm!

00:14:44: Anselm von Feuerbach, einer der wichtigsten Juristen seiner Zeit beschrieb später, dass Kasper vom Morgen bis zum Abend Besuch bekam.

00:14:52: Er vergliche das Interesse an ihm mit dem Zuspruch, den er sonst exotischen Tieren in eine Menagerie entgegenbrachte.

00:15:00: Dieser Vergleich ist hart aber aufschussreich….

00:15:02: Kasper wurde betrachtet wie eine Kuriosität.

00:15:06: Menschen kamen, stellten Fragen, beobachteten ihn machten sich Notizen.

00:15:11: Gelehrte, Theologen, Juristen und Schaulustige wollten an diesem außergewöhnlichen Fall teilhaben.

00:15:17: Der bayerische König setzte eine Belohnung von Zehntausend Gulden für denjenigen aus der Kaspers Ware Herkunft aufdecken könnte – das war eine enorme Summe!

00:15:26: Trotzdem meldete sich niemand mit einer belastbaren

00:15:29: Antwort.".

00:15:30: Im Juli, zu Caspar in das Haus des Gymnasialprofessors Georg Friedrich Daumer.

00:15:37: Daumer nahm sich seine Erziehung an – er unterrichtete ihn im Lesen, Schreiben und Rechnen.

00:15:42: Dabei zeigte sich schnell.

00:15:44: Caspar lernte auffallend rasch.

00:15:46: Innerhalb weniger Monate schrieb er an seiner eigenen Lebensbeschreibung.

00:15:50: Er malte, spielte Klavier, entwickelte eine feine Handschrift.

00:15:54: Für jemanden, der angeblich den größten Teil seines Lebens in einem dunklen Raum verbracht hatte, waren diese Fortschritte bemerkenswert.

00:16:02: Dauma beschrieb außerdem ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen.

00:16:05: Kaspar soll bei schwachem Licht gelesen haben wo andere kaum noch etwas erkannten.

00:16:10: Er soll Gerüche und Unterschiede zwischen Pflanzen wahrgenommen haben die anderen entging.

00:16:15: Dabei müssen wir vorsichtig bleiben!

00:16:17: Dauma war ein Mann seiner Zeit.

00:16:19: Das frühe neunzehnte Jahrhundert war geprägt von Aufklärung, Romantik, Naturphilosophie, Magnetismus, Spekulation und frühem wissenschaftlichen Interesse.

00:16:29: Casper wurde beobachtet, getestet und gedeutet – mit den Mitteln und Vorstellungen seiner Umgebung.

00:16:35: Diese Berichte sagen daher zweierlei!

00:16:38: Sie erzählen etwas über Casper….

00:16:40: Sie erzählen zugleich viel über eine Zeit in der Wissenschaft, Glaube an verborgene Kräfte, Pädagogik und Sensationslust eng nebeneinander standen.

00:16:50: Was sich in dieser Phase zeigt – Kasper Hauser war lernfähig aufmerksam und keineswegs ein leerer Mensch ohne Innenleben.

00:16:58: Zugleich erlebte er sehr schnell welche Wirkung seine Rätselhaftigkeit auf andere

00:17:02: hatte.".

00:17:17: Gut anderthalb Jahre nach seinem Auftauchen in Nürnberg kommt es im Haus von Georg Friedrich Daumer zu einem Vorfall, der Kaspar's Geschichte noch dunkler macht.

00:17:25: Kaspar wird dem Keller des Hauses bewusstlos aufgefunden – an seiner Stirn hat er eine Schnittwunde!

00:17:31: Als er später davon berichtet schildert er einen vermummten Mann, der in den Keller eingedrungen sei und ihn mit einem Messer angegriffen habe.

00:17:39: Dieser Mann, so Kaspar, habe ihm gedroht.

00:17:41: Er soll in Nürenberg verlassen, sonst werde er

00:17:43: sterben.".

00:17:44: Für alle, die an Kaspar's Geschichte glaubten musste dieser Moment wie eine Bestätigung wirken.

00:17:50: Wenn es diesen Angreifer gab dann war Kasper tatsächlich in Gefahr.

00:17:53: Dann war seine Vergangenheit vielleicht nicht nur rätselhaft sondern gefährlich.

00:17:58: Doch auch diesmal blieb vieles unklar – Die Verletzung war vorhanden daran gab es keinen Zweifel.

00:18:04: Nach den überlieferten Beschreibungen war sie jedoch nicht lebensbedrohlich und schon damals fragten sich einige, ob wirklich ein fremder Mann in das Haus eingedrungen war oder ob der Vorfall anders zu erklären sein könnte.

00:18:17: Anseln von Feuerbach glaubte Kasper – andere zweifelten!

00:18:21: Die Behörden aber konnten es sich nicht leisten die Sache einfach abzutun.

00:18:25: Nach dem Vorfall wurde Kasper bewacht.

00:18:27: Zwei Polizisten sollten ihn Tag und Nacht schützen.

00:18:30: Damit veränderte sich sein Alltag spürbar….

00:18:33: Aus dem jungen Mann, den man bestaunt befragt und unterrichtet hatte wurde nun auch jemand, der man sichern musste oder kontrollieren.

00:18:41: Je nachdem wie man den Vorfall deutete.

00:18:44: Für Kaspar bedeutete beides dasselbe – sein Leben wurde enger.

00:18:49: Nach dem Vorfall im Oktober eighteenhundertundzwanzig kam Kaspar zeitweise in das Haus des Magistratsrat Johann Biberbach.

00:18:56: Dort lebte er in einer vorsichtigeren Atmosphäre als zuvor.

00:19:00: Das öffentliche Staunen war noch nicht verschwunden, aber es mischte sich zunehmend mit Skepsis.

00:19:05: Kasper war inzwischen nicht mehr nur der geheimnisvolle Findling – einige seiner Betreuer beschrieben ihn als eitel empfindlich widersprüchlich oder schwer zu führen.

00:19:15: Aber solche Urteile müssen behutsam gelesen werden!

00:19:18: Sie sagen etwas über Kasper, aber auch über die Geduld, die Erwartungen und die Grenzen der Erwachsenen, Am dritten April, im Haus Biberbach kam es zu einem weiteren Rätselhaften Zwischenfall.

00:19:32: In Kaspar's Zimmer löste sich ein Pistolen-Schuss – man fand ihn bewusstlos und am Kopf blutend.

00:19:37: Kasper erklärte später er sei auf einen Stuhl gestiegen um nach Büchern zu greifen.

00:19:42: Der Stuhll sei umgekippt!

00:19:43: Im Versuch sich festzuhalten habe er eine Pistole berührt oder heruntergerissen die sich dabei gelöst haben.

00:19:51: Auch dieser Vorfall blieb umstritten.

00:19:53: Er konnte als Unfall gelesen werden, andere sahen darin aber eine Selbstinszenierung oder den Ausdruck einer Krise – sicher ist nur das Misstrauen Wuchs!

00:20:04: Der Pistolen-Schuss blieb ohne eindeutige Erklärung.

00:20:07: Doch für die Menschen, die für Caspar verantwortlich waren, war nach diesem Vorfall klar – so wie bisher konnte es kaum weitergehen!

00:20:15: Nach dem angeblichen Angriff im Keller, nach der Bewachung und den Spannungen in dem Haus Biberbach und nun auch noch nach diesem Schuss brauchte Caspar eine Umgebung, die ruhiger, geordneter und kontrollierter war.

00:20:27: Im Mai, eighteenhundertdreißig kam Caspar in die Obhut von Gott liebt freiherr von Tucher.

00:20:32: Tucha war Jurist am Nürnberger Stadtgericht und stammte aus einer bekannten Nürnenberger Patrizia-Familie.

00:20:39: Er war also kein zufälliger privater Wohltäter, sondern eine angesehene Persönlichkeit aus dem bürgerlich adeligen Umfeld der Stadt.

00:20:47: Unter Tucha wurde Kaspas Leben geordneter – aber auch strenger!

00:20:51: Der Zugang neugieriger Besucher wurde eingeschränkt.

00:20:54: Nach den unruhigen Monaten bei Daumer & Biberbach sollte Kaspar weniger ausgestellt und weniger befragt werden….

00:21:00: Für ihn bedeutete das mehr Schutz, aber auch mehr Kontrolle.

00:21:04: Die große Bühne Nürnbergs wurde kleiner – wo vorher Bewunderung gewesen war entstanden Aufsicht, Abstand und wachsende Zweifel.

00:21:12: Doch Kaspers Geschichte blieb nicht in Nürmberg.

00:21:14: Während sein Alltag enger wurde, bliebs ein Fall faszinierend genug um neue Gönner, neue Hoffnung und neue Theorien anzuziehen.

00:21:41: Einer dieser Menschen war Philipp Henry Earl Stanhope Ein englischer Adelieger, der viel reiste und sich für außergewöhnliche Lebensgeschichten interessierte.

00:21:50: Er lernte Kasper im Mai, und zeigte sich zunächst stark von ihm eingenommen.

00:21:56: Stanhope unterstützte Kasper finanziell und wollte seine Herkunft klären – besonders interessierte ihn zeitweise eine mögliche Verbindung nach Ungarn, weil Kasper bei ungarischen Sprachklängen oder Namen Erinnerungen zu zeigen schien.

00:22:10: Im Juli, im Jahr eighteenhundertdreißig wurde deshalb eine Reise in Richtung Ungarn unternommen.

00:22:15: Caspar reiste dabei unter Begleitung von Gottlieb von Tucha und John-Darmory Unterleutnant Josef Hickel.

00:22:22: Die Reise brachte keine Aufklärung und musste wegen der Kollerer-Gefahr im Raum Pressburg abgebrochen werden.

00:22:28: Am zweiten Dezember, achtzehnhunderteisig erhielt Stanhope schließlich die offizielle Pflegschaft über Caspar.

00:22:35: Kurz darauf brachte er ihn nach Ansbach, wo Kaspar in die Obhut des Lehrers Johann Georg Maier kam.

00:22:41: Auf Empfehlung Feuerbachs wurde außerdem Josef Hickel als eine Art Spezialkurator eingesetzt.

00:22:47: Im Januar eighteenhundertzweiunddreißig verließ Stanhope Ansbach und erschien nicht mehr persönlich bei Kaspar.

00:22:53: Eine weitere Nachforschung in Richtung Ungarn wurde noch unternommen – diesmal offenbar durch Hickell allein!

00:22:59: Auch sie blieb ohne Ergebnis….

00:23:01: Stanhope kam weiterhin für Caspers Unterhalt auf, doch das Näheverhältnis war vorbei.

00:23:07: Briefe die Casper an den Schrieb blieben unbeantwortet – aus der Hoffnung irgendwann mit Stanhope nach England zu gehen wurde nichts!

00:23:14: In Teilen der Literatur wurde Stanhops Verhalten später als Ansatzpunkt für Spekulation über politische Interessen gelesen.

00:23:21: Belastbare Belege dafür dass Stanhope an einem Angriff auf Casper Hauser oder an seinem Tod beteiligt war gibt es nicht.

00:23:28: Was bleibt es?

00:23:29: der Eindruck einer auffallenden Distanz?

00:23:31: Kaspas Alltag in Ansbach war deutlich nüchternah als sein früheres Leben in Nürnberg.

00:23:37: Dort war er einmal der berühmte Unbekannte gewesen, über den alle sprechen wollten – in Ansbach war davon nicht mehr viel übrig.

00:23:44: Er lebte bei Lehrer Johann Georg Meier und dieses Verhältnis galt als angespannt.

00:23:50: Meier wurde als streng und pedantisch beschrieben.

00:23:52: Mit Kaspas Ausreden, Widersprüchen und Unwahrheiten konnte er wenig anfangen!

00:23:57: Auch die Arbeit, die Feuerbach für Caspar am Appellationsgericht gefunden hatte war wohl ernüchternd.

00:24:03: Caspar sollte dort einfache Schreibarbeiten erledigen.

00:24:07: Für jemanden der einmal im Mittelpunkt einer europaweiten Sensation gestanden hatte muss das ein harter Absturz gewesen sein.

00:24:13: Aus dem rätselhaften Kind Europas war ein junger Mann geworden, der Akten und Dokumente

00:24:18: abschrieb.".

00:24:32: Während Kaspas Alltag in Ansbach immer nüchterner wurde, bekam sein Fall auf einer anderen Ebene neues Gewicht.

00:24:38: Denn längst beschäftigte sich nicht mehr nur die neugierige Öffentlichkeit mit ihm – auch Juristen, Beamte und Gelehrte versuchten zu begreifen was hier eigentlich geschehen war!

00:24:48: Einer von ihnen wurde für Kaspars Geschichte besonders wichtig….

00:24:51: Anselm von Feuerbach.

00:24:53: Von ihm habt ihr schon ein paar Mal jetzt gehört.

00:24:56: Feuerbach hatte Kaspath früh kennengelernt und sich intensiv mit seinem Fall beschäftigt... Er war Präsident des Appalationsgerichts in Ansbach, einer der bedeutendsten Juristen seiner Zeit und Verfasser des Bayerischen Strafgesetz Buches von eighteenhundertdreizehn.

00:25:11: Er sah in Kaspar's Geschichte vor allem ein Verbrechen.

00:25:15: Achtzehnhundertzwein dreißig veröffentlichte er seine Schrift Casper Hauser oder Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben eines Menschen.

00:25:22: Darin schilderte er Kaspar´s Geschichte als gezielten Angriff auf eine menschliche Seele durch jahrelange Isolation Ein Verbrechen, das Körper und Inneres eines Menschen gleichermaßen traf.

00:25:34: Der Begriff «Verbrechen am Seelenleben» war für seine Zeit bemerkenswert – heute ließe er sich vorsichtig mit sozialer Deprivation, emotionaler Verwahrlosung oder schwerer psychischer Misshandlung verbinden.

00:25:46: Soziale Deprivation bedeutet ein Mensch bekommt über längere Zeit nicht das was er für eine gesunde Entwicklung braucht.

00:25:53: Nähe?

00:25:54: Ansprache, Bindung, Reize, Sicherheit, Kontakt zu anderen Menschen.

00:25:59: Gerade bei Kindern kann das schwere Folgen haben, weil Sprache, Vertrauen, Selbstbild und der Umgang mit der Welt nicht einfach von alleine entstehen – sie entwickeln sich durch Beziehung!

00:26:09: Die heutigen Begriffe standen Feuerbach im neunzehnten Jahrhundert noch nicht zur Verfügung aber er erkannte etwas dass für seine Zeit ungewöhnlich modern war.

00:26:18: Man kann einem Menschen nicht nur durch körperliche Gewalt schweren Schaden zu fügen.

00:26:22: Auch das Vorenthalten von Nähe, Sprache, Erfahrung und menschlicher Zuwendung kann eine Form von Gewalt sein.

00:26:29: Für Feuerbach war Kaspar deshalb mehr als ein rätselhafter Findling.

00:26:33: Er sah in ihm einen Menschen dem jemand bewusst etwas genommen hatte Kindheit Entwicklung Sprache Herkunft Und vielleicht sogar seine eigene Identität.

00:26:44: Aus dieser Überzeugung entstand bei Feuerbach eine zweite Frage Wenn Caspar tatsächlich absichtlich Verborgen isoliert und später ausgesetzt worden war, warum?

00:26:54: Wer hätte ein Interesse daran haben können einen Kind verschwinden zu lassen.

00:26:58: Und welche Herkunft wäre es so bedeutend dass sie ein solches Verbrechen erklären könnte?

00:27:04: An diesem Punkt kommt die Theorie ins Spiel, die den Fall Casper Hauser bis heute begleitet – Die sogenannte Prinzentheorie.

00:27:11: Sie hängt mit dem Haus Baden zusammen.

00:27:14: Am neunundzwanzigsten September, eighteenhundert zwölf wurde in Karlsruhe ein Sohn des badischen Großherzogs Carl und seiner Frau Stephanie de Boerné geboren.

00:27:24: Stephanie war eine Adoptivtochter Napoleons und durch ihre Ehe Großherzugin von Baden geworden.

00:27:31: Ihr Sohn erhielt den Namen Carl Ludwig Friedrich – er war der Erdprinz!

00:27:36: Doch nur wenige Wochen später am sechzehnten Oktober, achtzehnthundert Zwölf starb dieses Kind nach offizieller Darstellung.

00:27:44: Die Prinzenteorie behauptet, dass dieser Erdprinz in Wahrheit nicht gestorben sei.

00:27:49: Stattdessen sei er als Säugling gegen ein sterbendes oder bereits verstorbenes Kind ausgetauscht worden.

00:27:55: Das tote Kind sei anschließend als badischer Erddprinze begraben worden während der echte Prinz heimlich verschwunden sei.

00:28:02: Kasper Hauser – so diese Theorie – sei dieser verschwundene Erddprint gewesen!

00:28:07: Der politische Kern dieser Erzählung liegt in der badischen Erdfolge.

00:28:11: Großherzog Karl Friedrich von Baden hatte nach dem Tod seiner ersten Frau ein zweites Mal geheiratet, Luise Caroline von Hochberg.

00:28:20: Diese Ehe galt als morganatisch – also nicht standesgleich!

00:28:25: Die Kinder aus dieser Verbindung standen zunächst nicht auf derselben dynastischen Stufe wie die Nachkommen der Ersten-Ehe.

00:28:33: Später erhielt die Hochberglinie jedoch Erbrechte.

00:28:37: Daraus entstand der Verdacht, der in der Prinzentheorie immer wieder formuliert wurde.

00:28:42: Wenn die legitimen männlichen Nachkommen aus der ersten Linie wegfielen konnte die Hochberglinia an die Macht gelangen.

00:28:49: Die Theorie unterstellte also ein dynastisches Motiv – Ein Kind verschwindet, ein anderes wird als Tod ausgegeben.

00:28:56: eine spätere Erbfolge verändert sich.

00:28:59: Wichtig ist das war eine Theorie keine bewiesene Tatsache!

00:29:04: Feuerbach kannte diese Gerüchte.

00:29:06: Zunächst hielt er sie selbst für unseriös.

00:29:08: Im April, bezeichnete er die Prinzengeschichte noch als romantische Sage der jeder juridisch tatsächliche Anhaltspunktfehle.

00:29:17: Doch zwei Jahre später hatte sich seine Haltung verändert.

00:29:20: In einem geheimen Memoir an die Königin Witwe Karoline von Bayern schrieb Feuerbach Anfang eighteenhundertzehnunddreißig, erhalte Kasper Hauser für sehr wahrscheinlich aus dem Großherzoglichen Haus Baden stammend.

00:29:32: Karoline war selbst eine geborene badische Prinzessin – Feuerbach wandte sich also an eine Frau, die politisch und familiär nah an diesem Thema stand!

00:29:41: Gleichzeitig räumte er ausdrücklich ein, dass seine Beweisführung vor keinem Richterstuhl entscheidendes Gewicht haben würde.

00:29:48: Das ist wichtig!

00:29:50: Feuerbach formulierte eine starke persönliche Überzeugung aber er lieferte keinen juristisch belastbaren Beweis.

00:29:57: Was seinen Wandel ausgelöst hatte lässt sich heute nicht sicher sagen... Vielleicht waren es neue Hinweise, vielleicht die wachsende emotionale Nähe zu Caspar.

00:30:08: Vielleicht politische Überlegungen – vielleicht auch der Wunsch für dieses ungeheure Schicksal eine ebenso ungeheure Erklärung zu finden!

00:30:16: In Feuerbach's Nachlass fand sich außerdem eine handschriftliche Notiz, die in auffallenden Gegensatz zu seiner veröffentlichten Haltung steht.

00:30:24: Darin bezeichnet er Caspar sinngemäß als küffigen durchtriebenen Kautz, als Schelm und

00:30:31: taugenichts."

00:30:32: Mit einer drastischen Schlussformulierung, die zeigt wie heftig seine innere Distanz oder Enttäuschung in diesem Moment gewesen sein muss.

00:30:40: Diese Notiz ist schwer einzuordnen – wir wissen nicht sicher wann sie entstand, in welchem Zusammenhang sie geschrieben wurde und ob sie nur eine momentane Verärgerung ausdrückte.

00:30:50: Sie zeigt aber dass Feuerbachs Verhältnis zu Kaspar nicht so eindeutig war, wie seine öffentliche Haltung zunächst vermuten lässt.

00:30:58: Er gab dem Fall eine juristische und moralische Sprache.

00:31:03: Gleichzeitig trug er dazu bei, dass aus einem ungeklärten Findlingsfall eine politische Legende wurde.

00:31:20: Trotz der Spannungen bestand Kaspar's Leben in Ansbach nicht nur aus Enttäuschung.

00:31:24: Es gab dort auch Menschen die ihn nicht nur als Problem oder Rätsel sahen.

00:31:28: Einer von ihnen war Pfarrer Heinrich Fuhrmann.

00:31:31: Am zwanzigsten Mai, eighteenhundertdreiunddreißig wurde Caspar in der St.

00:31:35: Gumberthuskirche in Ansbach konfirmiert.

00:31:38: Fuhrman hielt die Predigt zu dieser Konfirmationsfeier und ließ sie später drucken.

00:31:43: Diese Szene hat Gewicht, ein junger Mann dessen Herkunft ungeklärt war, dessen Kind halt im Dunkeln lag und dessen Geschichte Europa beschäftigte wurde wenige Monate vor seinem Tod in eine religiöse Gemeinschaft aufgenommen.

00:31:55: Für Casper durfte das mehr gewesen sein als ein formaler Akt – es war ein Moment von Zugehörigkeit!

00:32:01: Vielleicht einer der wenigen Momente, in denen ihm öffentlich einen Platz gegeben wurde ohne dass zuerst sein Rätsel im Mittelpunkt stand?

00:32:08: Nur wenige Tage später, am neunundzwanzigsten Mai, eighteenhundertdreißig starb Anselm von Feuerbach in Frankfurt am Main.

00:32:16: Manche Autoren sahen darin später einen verdächtigen Zufall, weil Feuerbach sich weiterhin mit Kaspar's Herkunft beschäftigen wollte.

00:32:23: Belege für einen gewaltsamen oder mysteriösen Tod Feuerbachs gibt es nicht!

00:32:28: Er war krank, hatte über Ohnmachtsanfälle und Gedächtnisschwund geklagt – sein Tod war für die damalige Zeit nicht

00:32:34: unerklärlich.".

00:32:35: Für Caspar war es trotzdem ein schwerer Verlust.

00:32:38: Einer der einflussreichsten Menschen, die an ihn geglaubt hatten, war nun

00:32:42: tot.".

00:33:16: Am vierzehnten Dezember, kam Kasper nach Hause und berichtete er sei im Hofgarten von Ansbach von einem Unbekannten angegriffen worden.

00:33:25: Dieser Mann habe ihm einen Brief mit dem Namen seiner Mutter versprochen.

00:33:29: Als Kasper die verabredete Stelle aufsuchte, habe der Mann auf ihn eingestochen.

00:33:33: Kasper hatte eine Stichwunde in der Brust – sie war tief genug um tödlich zu sein!

00:33:37: Drei Tage später am siebzehntem Dezmber, starb er an den Folgen dieser Verletzung.

00:33:44: Er war vermutlich einundzwanzig Jahre alt, falls die Angabe stimmt, dass er am dreißigsten April eighteenhundert zwölf geboren wurde.

00:33:59: Im Hofgarten fanden die Ermittler eine kleine ausgehobene Grube – darin lag ein Beutelchen mit einer Notiz.

00:34:05: Diese Notiz war ins Spiegelschrift geschrieben und enthielt Formulierungen, aus denen sich kein eindeutiger Name und kein klarer Hinweis

00:34:12: ergab.".

00:34:14: Für Anhänger der Mordtheorie war sie ein Zeichen dafür, dass jemand den Angriff vorbereitet hatte.

00:34:19: Für Vertreter der Selbstverletzungsthese wirkt sie konstruiert – Sie verwiesen auf die Spiegelschrift, auf sprachliche Eigenheiten und auf die Frage weshalb ein Täter überhaupt eine solche Spur hätte hinterlassen sollen!

00:34:31: Der bayerische König setzte erneut eine Belohnung aus diesmal für die Ergreifung des Mörders.

00:34:36: Niemand wurde verhaftet, niemand wurde

00:34:38: verurteilt.".

00:34:40: Heute erinnert im Ansbacher Hofgarten ein Gedenkstein an den Ort des Geschehens.

00:34:45: Darauf steht Hick Okultus okultu okissus est.

00:34:50: Sinngemäß, hier wurde ein Geheimnis voller auf geheimnisvolle Weise getötet.

00:34:55: Dieser Satz hält fest weshalb der Fall bis heute nicht zu Ruhr kommt – er gibt keine Antwort!

00:35:01: Er bewahrt das Rätsel.

00:35:03: Bei Kaspar's Tod stehen bis heute zwei große Deutungen nebeneinander.

00:35:07: Die eine lautet, die Verletzungen von eighteenhundertundzwanzig und achtzehnhundertdreien dreißig waren Selbstverletzung.

00:35:14: Kasper habe sich in Momenten von Krise, Enttäuschung oder schwindende Aufmerksamkeit selbst verletzt.

00:35:20: Achtzehn hundertdreiunddreißig sei diese Selbstversetzung tödlich

00:35:23: ausgegangen.".

00:35:25: Der Kriminologe und Historiker Schreibmüller kam nach Auswertung der verfügbaren Unterlagen zu dem Schluss, dass Hauser sich die Stichverletzung vom vierzehnten Dezember eighteenhundertdreiunddreißig selbst beigebracht habe.

00:35:37: Als mögliches Motiv nennt er das nachlassende Interesse den Tod Feuerbachs, das schwierige Verhältnis zum Meier und Kaspar's Enttäuschung über seine Lebenssituation.

00:35:47: Die andere Deutung lautet ... Kaspar wurde tatsächlich angegriffen, weil seine Herkunft oder sein Wissen für mächtige Menschen gefährlich werden konnte.

00:35:55: Diese Theorie hat bis heute Anhänger kann aber keinen belastbar belegten Täter benennen!

00:36:00: Die ehrlichste Antwort bleibt – der Tod ist ungeklärt.

00:36:05: Auffällig bleibt auch Stan Hoaps Reaktion Als Kasper im Dezember, in dem er den Tod seines ehemaligen Schützlings in einem kurz darauf geschriebenen Brief mit keinem Wort erwähnte.

00:36:16: Für jemanden der sich zunächst so stark engagiert hatte wirkt diese Distanz bis heute bemerkenswert.

00:36:22: Pfarrer Fuhrmann, der Kaspar wenige Monate zuvor konfirmiert hatte, hielt später auch die Trauerrede – damit war er einer der Menschen die Kaspers letzten Lebensabschnitt nicht nur aus der Distanz begleiteten sondern ihm auch in religiöser und menschlicher Form

00:36:36: begegneten.".

00:36:55: Mit Kasparstod war die Prinzentheorie nicht beendet.

00:36:58: Im Gegenteil, für viele Menschen wurde sie danach erst recht attraktiv – denn sie gab dem Fall eine Form!

00:37:05: Ein verschwundener Erbprinz?

00:37:06: Ein möglicher Austausch am Hof?

00:37:08: Ein politisches Motiv?

00:37:10: Eine mächtige Familie, die von einer veränderten Erbfolge profitiert haben

00:37:13: könnte?!

00:37:15: Aus einem rätselhaften Findling wurde in dieser Deutung ein Kind, dem Herkunft, Familie und Stellung geraubt worden waren….

00:37:22: Historisch blieb diese Theorie jedoch problematisch.

00:37:25: Es gab Berichte und Dokumente, die dafür sprachen, dass der badische Erdprinz im Oktober-Achzehnhundertzwölf tatsächlich gestorben war.

00:37:32: Ärzte und Hofangehörige bezeugten den Tod des Säuglings – ein heimlicher Austausch hätte in einem Hofumfeld mit vielen Beteiligten stattfinden und anschließend über Jahre verborgen bleiben müssen!

00:37:44: Belastbare Beweise für diesen Austausch gab es nicht.

00:37:47: Trotzdem hielt sich die Theorie, sie passte zu dem Bedürfnis Kaspas Leiden einen großen Grund zu geben.

00:37:54: Sie machte aus einem ungeklärten Schicksal eine politische Geschichte – darum blieb sie über Generationen hinweg lebendig bis die moderne DNA-Forschung den Fall noch einmal aufrollte.

00:38:10: Esse Kleidungsstück befand sich im Ansbacher Markgrafenmuseum.

00:38:22: Die Hoffnung war, wenn sich aus dieser Blutspur noch verwertbares Erbgut gewinnen ließ könnte man prüfen ob Casper Hauser tatsächlich zur badischen Linie passte.

00:38:32: Untersucht wurde dabei nicht die gesamte DNA, sondern die sogenannte Mitochondriale-DNA.

00:38:38: Das ist ein bestimmter Teil des Erbguts der über die mütterliche Linie weitergegeben wird.

00:38:43: Für die Prinzentheorie war das wichtig – denn Kasper Hauser hätte wenn er wirklich der badische Erbprinz gewesen wäre, müttherlich von Stephanie de Bouronnais abstammen müssen!

00:38:53: Seine Mitoachondrialle-Dna hitte also zu dieser Linie passen müssen.

00:38:57: Die Analysen wurden damals in München und Birmingham durchgeführt….

00:39:01: Das Ergebnis lautete, die untersuchte Blutprobe passte nicht zur mütterlichen Linie des Hauses Baden.

00:39:07: Bei der Probe fand man den Mythotyp W. Die badische Abstammungslinie gehört dagegen zum Mythotypen H-Ibsbs – vereinfacht gesagt, die genetischen Spur aus dieser Unterhose und die mütterliche Linie lagen nicht auf derselben Linie.

00:39:23: Damit schien die Prinzentheorie neunzehnhundertsechstenneinzig zunächst

00:39:26: erledigt.".

00:39:27: Wenn die Blutspur tatsächlich von Casper Hauser stammte, konnte er nicht der Sohn von Stephen Nidobrané und damit auch nicht der verschwundene badische Erdprinz gewesen sein.

00:39:38: Doch genau an diesem Punkt begann die Diskussion erneut – denn Anhänger der Prinzentheorie zweifelten weniger das genetische Ergebnis selbst an, sondern vor allem die Frage ob die untersuchte Unterhose und die Blutespur wirklich sicher Casperhauser zugeordnet werden konnten?

00:39:54: War das Ausgangsmaterial echt?

00:39:56: War es sauber überliefert?

00:39:58: Konnte man nach so langer Zeit wirklich ausschließen, dass die Probe falsch zugeordnet oder verunreinigt war?

00:40:04: Deshalb blieb die DNA-Frage trotz des Ergebnisses von nineteenhundertsechsenneunzig nicht endgültig abgeschlossen.

00:40:12: Sie war ein starker Hinweis gegen die Prinzentheorie aber für viele noch nicht das letzte Wort und aus diesem Grund kamen später zu neuen Untersuchungen.

00:40:21: Zwei Tausend zwei folgte eine neue Untersuchung im Rahmen einer ZDF Dokumentation.

00:40:26: Haare aus einer Haarlocke und Zellen vom Kleidungsstücken Kaspas wurden durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Münster analysiert.

00:40:34: Mehrere Proben wichen deutlich von der Blutprobe von內zehundertsechsenneunzig ab.

00:40:39: Eine Verwandtschaft mit dem Haus Baden wurde zunächst nicht ausgeschlossen, für Anhänger der Prinzentheorie war das ein neuer Anstoß – damit standen zwei DNA-Deutungen nebeneinander.

00:40:53: Ein internationales Team unter der Leitung von Walter Parson, von der Medizinischen Universität Innsbruck verwendete eine moderne Methode namens PEC MPS.

00:41:02: Damit lassen sich stark fragmentierte historische DNA-Proben zuverlässiger auswerten – ein zweites unabhängiges Labor bestätigte die Ergebnisse.

00:41:12: Das Ergebnis war eindeutig.

00:41:13: Die gesicherte Mitochondriale DNA-Sequenz von Casper Hauser gehört auch hier zum Metotyp W. Die badische Abstammungslinie weist, wie ich schon erzählt habe, Metotyph H-IbsbS auf.

00:41:25: Diese beiden Typen schließen eine mütterliche Verwandtschaft mit dem Haus Baden aus.

00:41:30: Die Ähnlichkeiten, die in den Jahren im Jahr zwei Tausend zwei diskutiert wurden, erklärte die neue Auswertung mit Kontamination der damaligen Proben.

00:41:38: Frühere PCR-Verfahren waren anfälliger für solche Probleme!

00:41:41: Die Prinzentheorie ist damit wissenschaftlich widerlegt, mit einer Sicherheit von neunneunzig Komma.

00:41:47: Neunneuenneun vier Prozent wie die Forscher formulierten.

00:41:50: Dieses Ergebnis bedeutet aber nicht dass Casper Hauser automatisch ein Betrüger war!

00:41:55: Die DNA beantwortet nur die Frage nach einer mütterlichen Verwandtschaft mit dem Haus Baden – sie sagt nicht wer Casper wirklich war, woher er kam und was ihm vor eighteenhundertachtundzwanzig geschah….

00:42:07: Fast zweihundert Jahre lang war die Prinzentheorie für viele Menschen eine Art Rettung der Geschichte.

00:42:12: Sie gab dem Leiden eine Richtung, ein Motiv und einen politischen Rahmen.

00:42:16: Die DNA nimmt dieser Deutung die Grundlage.

00:42:19: Zurück bleibt kein Prinz – zurück bleibt ein unbekannter junger Mann!

00:42:45: Seit dem zwanzigsten Jahrhundert wurde Casper Hauser's Geschichte immer wieder mit ihm verglichen.

00:42:49: was man heute über Deprivation, Isolation und früher Kindheitserfahrungen weiß….

00:42:54: Das Bild ist komplex.

00:42:56: Wer von Geburt an oder von frühster Kindheit an in völliger Isolation aufgewachsen wäre, müsste nach heutigem medizinischen Wissen gravierende Entwicklungsschäden erwarten

00:43:05: lassen.".

00:43:06: Sprache wird in sensiblen Phasen der Kindheit erworben.

00:43:09: Fehlt in diesen Phasern der sprachliche Kontakt, entstehen häufig schwere und oft bleibende Schwierigkeiten beim Spracherwerb.

00:43:16: Caspar lernte jedoch vergleichsweise schnell sprechen, schreiben und lesen – bei einer wörtlich verstandenen, lebenslang total Isolation ist das schwer

00:43:25: erklärbar.".

00:43:26: Seine körperlichen Auffälligkeiten bei der Ankunft sprechen gleichzeitig dafür, dass reale Erfahrungen von Einschränkung Entzug oder Abgeschlossenheit möglich sind.

00:43:39: auffällige Ernährung und berichtete Überempfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken passen zu einer belastenden Vorgeschichte.

00:43:47: Eine vorsichtige Möglichkeit formulierte der Stadtarchivar Werner Bürger vom Markgrafenmuseum Ansbach nach langjähriger Forschung.

00:43:55: Kaspar könnte Phasen von Sozialisolation erlebt haben, also Zeiten mit Kontakt zur Welt gefolgt von phasende Isolation.

00:44:03: Vielleicht sei er erst kurz vor seinem Eintreffen in Nürnberg für eine überschaubare Zeit ein... gesperrt worden.

00:44:10: Diese Überlegung erklärt nicht alles, sie macht aber verständlich weshalb Kaspar einerseits geprägt und auffällig wirkte andererseits schneller lernte als es bei einer lebenslangen völligen Isolation zu erwarten

00:44:22: wäre.".

00:44:24: In der Medizin trägt sein Name bis heute Bedeutung.

00:44:27: Das Casperhauser-Syndrom beschreibt tiefgreifende Entwicklungsstörungen bei Kindern, die in früher Kindheit sozial isoliert und emotional vernachlässigt wurden.

00:44:36: Ob Casper selbst genau das erlebt hat – was dieser Begriff beschreibt bleibt offen.

00:44:41: Sein Name wurde zu Diagnose obwohl seine eigene Geschichte nie vollständig geklärt wurde.

00:44:47: Am Ende lässt sich der Fall in mehrere Schichten trennen.

00:44:50: Gesichert ist, Kasper Hauser tauchte am sechsenzwanzigsten Mai, auf dem Nürnberger und Schlittplatz auf.

00:44:57: Er war körperlich auffällig, sprach nur begrenzt und reagierte ungewöhnlich auf Nahrung-und-Sinneseindrücke.

00:45:04: In den folgenden Jahren lernte er schnell, lebte in verschiedenen Pflegeverhältnissen in Nürnenberg und Ansbach und starb am siebzehnten Dezember, an den Folgen einer Stichwunde.

00:45:14: Kein Täter wurde je ermittelt.

00:45:16: Ebenfalls gesichert Die DNA-Analyse von hier schließt eine mütterliche Verwandtschaft mit dem Haus Baden wissenschaftlich aus.

00:45:25: Kasper Hauser war kein badischer Erdprinz.

00:45:28: Ungeklärt bleibt, was vor dem sechsenzwanzigsten Mai, achtzehnhundertachtundzwanzich geschah.

00:45:34: Eine jahrelange völlige Kerkerhaft lässt sich weder beweisen noch gut mit seinen späteren Lernfortschritten vereinbaren – eine kürzere oder anders geartete Form von Isolation bleibt

00:45:44: möglich.".

00:45:45: Auch die Verletzungen von Achtzehnhundertneunzwanzig und Achtsehundertdrein dreißig sind bis heute umstritten.

00:45:51: Der Pistolenstoß, von Aachzehundert Dreißig fügt sich in eine Reihe schwer einzuordnender Vorfälle.

00:45:57: Kriminalwissenschaftliche Untersuchung tendieren bei dem Messerverletzung zur Selbstverletzung – doch ein gerichtlicher Beweis existiert nicht!

00:46:05: Offen bleibt außerdem, ob Kasper bewusst täuschte, ob er eine reale Erfahrung ausschmückte.

00:46:10: Ob er selbst seine Herkunft nicht kannte oder ob mit der Zeit in eine Rolle hineinwuchs die andere für ihn geschaffen hatten.

00:46:18: Sicher bleibt nur – Kasper Hauser war ein realer Mensch!

00:46:21: Er wurde bestaunt, befragt, erzogen, kontrolliert und am Ende allein gelassen mit einer Geschichte, die größer wurde als er

00:46:29: selbst.".

00:47:09: Kaum ein historischer Fall des neunzehnten Jahrhunderts hat so viele Reaktionen ausgelöst wie der Fall Kasper Hauser.

00:47:15: Schon zu seinen Lebzeiten schrieben Gelehrte und Dichter über ihn, nach seinem Tod hörten die Deutungen nicht auf.

00:47:22: Paul Vellet griff die Figur später in seinem Gedicht Kasper Order schon auf.

00:47:27: Jakob Wassermann schrieb in den Roman Casperhauser oder die Trägheit des Herzens.

00:47:33: Werner Herzog verfilmte den Fall für einen Titel, jeder für sich und Gott gegen alle mit Bruno S. in der Titelrolle.

00:47:42: Peter Seher drehte in den drei Jahren eine weitere Filmmersion mit André Eisermann.

00:47:48: In Ansbach beschäftigt sich bis heute eine eigene Kasperhauser-Abteilung im Markgrafenmuseum mit seinem Leben, seinem Tod und seinem Nachwirken.

00:47:56: Die Faszination liegt nicht allein in der ungeklärten Herkunft – Kasper Hauser berührt eine tiefere Frage.

00:48:02: Was macht einen Menschen zu dem was er ist?

00:48:04: Sprache, Nähe, Schutz Erinnerung Zugehörigkeit.

00:48:09: Wenn all das fehlt oder weggenommen wird bleibt ein Mensch zurück der zugleich verletzlich und schwer fassbar ist.

00:48:16: Kaspar lernte, schrieb, malte, musizierte und suchte Anerkennung.

00:48:21: Gleichzeitig blieb er für seine Umgebung ein Fragezeichen – vielleicht erklärt genau das seine Wirkung bis heute?

00:48:28: Er ist nicht nur ein historischer Fall!

00:48:30: Er ist eine Projektionsfläche für die Frage was einen Mensch braucht um ein Mensch zu

00:48:34: werden.".

00:48:35: Der Grabstein in Ansbach sagt Hick Jaquet Kasparus Hausa Inigma Sui Temporis Ignota Nativitas Oculta Morse.

00:48:46: Im Ansbacher Hofgarten steht ein zweiter Satz.

00:48:49: Hicocultus oculto okissos est.

00:48:52: Hier wurde ein Geheimnis voller auf geheimnisvolle Weise getötet.

00:48:56: Zwischen diesen beiden Innenschriften liegt fast alles was Casperhauser bis heute ausmacht Die unbekannte Geburt, der dunkle Tod Der junge Mann der plötzlich auftauchte und nie ganz erklärbar wurde.

00:49:08: Er war kein badischer Prinz, das lässt sich heute sagen.

00:49:12: Wer er war, lässt sich noch immer nicht sagen!

00:49:14: Vielleicht war Casper Hauser ein Mensch dem reales Leid widerfahren ist der zugleich in eine Rolle geriet die er selbst mitformte, ausschmückte oder verteidigte?

00:49:23: Vielleicht war er ein Opfer und Mitgestalter seiner eigenen Legende?

00:49:27: Vielleicht bleibt jeder eindeutige Begriff zu klein für diesen Fall?

00:49:31: Das ist kein Urteil – es ist der Versuch einen Menschen in seiner Widersprüchtlichkeit zu

00:49:36: sehen.".

00:49:37: Kasper Hauser war das Rätsel seiner Zeit und vielleicht berührt er uns noch immer, weil seine Geschichte nicht nur nach Herkunft fragt sondern auch Menschlichkeit.

00:49:45: Was braucht ein Mensch um ein Mensch zu werden?

00:49:48: Und was geschieht wenn ihm genau das fehlt?

00:49:50: Schreibt mir eure Gedanken dazu doch gerne mal in die Kommentare oder schreibt mir auf Instagram unter chronikpunkt der Punkt Schatten Unterstrich Podcast.

00:50:00: Danke dass ihr heute mit mir durch die Schatten gereist.

00:50:02: seid und bleibt wachsam für die Geschichten.

00:50:04: hinter den Geschichten HMMMMMMM Schen Legende und Heiz suchst du nach jede Seite Ein Flüstern, das tief in mir spricht Bis die Realität durch die Finsternis bricht.

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