Rosemarie Nitribitt – Das Adressbuch und die Mauer des Schweigens | Teil 3
Shownotes
Dies ist Teil 3 von 4 unserer gemeinsamen Reihe über Rosemarie Nitribitt.
Nachdem wir in Teil 2 auf den Fund, den Tatort und die frühen Ermittlungsprobleme geschaut haben, geht es in dieser Folge um die Spuren auf Papier: Notizen, Briefe, Telefonnummern, Vernehmungen und das, was später oft als „Adressbuch“ bezeichnet wurde.
Wir sprechen darüber, warum dieses angebliche Adressbuch bis heute so eine große Rolle spielt – und warum man sauber unterscheiden muss zwischen belegbaren Unterlagen und späteren Erzählungen.
Denn ein Name auf einem Zettel beweist keine Schuld. Er kann aber zeigen, wer Kontakt hatte, wer befragt werden musste und welche Kreise durch den Fall plötzlich berührt wurden.
In Teil 3 geht es außerdem um bekannte Namen aus dem Umfeld der Ermittlungen, unter anderem Harald von Bohlen und Halbach, Harald Quandt sowie Ernst Wilhelm und Gunter Sachs. Dabei bleibt wichtig: Prominente Kontakte waren kriminalistisch relevant, sie sind aber kein Beweis für eine Täterschaft.
Dr. Maximilian von Schattenreich ordnet diese Folge aus seiner forensisch-psychologischen Perspektive ein. Dabei geht es unter anderem um Macht, Diskretion, gesellschaftliche Schutzmechanismen, die unterschiedliche Behandlung von Verdächtigen, die Rolle von Heinz Pohlmann, die Geschichte um Rudolf Endler und die Frage, wie sehr soziale Stellung Ermittlungen beeinflussen kann.
Außerdem wird die sogenannte Zwei-Täter-Hypothese thematisiert: eine spätere Deutung, die versucht, verschiedene Widersprüche des Falls zu erklären. Auch hier gilt: Es handelt sich um eine Hypothese, nicht um eine bewiesene Lösung.
Triggerwarnung:
In dieser Folge geht es um Mord, Gewalt, Sexarbeit, gesellschaftliche Abwertung, Ermittlungsfehler, mögliche Vertuschung, Machtmissbrauch, psychische Belastung und belastende Details rund um einen ungeklärten Kriminalfall. Bitte hört nur weiter, wenn ihr euch damit wohlfühlt.
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Kooperationspartner: Dr. Maximilian von Schattenreich Podcast: Jenseits der Beweise Instagram: @schattenreichs.spurensuche
Danke, dass ihr heute wieder mit mir durch die Schatten gereist seid.
Bleibt wachsam — für die Geschichten hinter den Geschichten.
Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir und Dr. Maximilian von Schattenreich vom Podcast „Jenseits der Beweise“.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.
Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.
Hinweis: Der Fall Rosemarie Nitribitt ist bis heute ungeklärt. In dieser Reihe trennen wir belegbare Fakten, spätere Darstellungen, offene Fragen und interpretierende Einordnungen voneinander.
Danke, dass ihr heute mit mir durch die Schatten gereist seid. Bleibt wachsam – für die Geschichten hinter den Geschichten.
Quellen und weiterführende Literatur zu Teil 3:
- Stiftung Haus der Geschichte / LeMO: Rosemarie Nitribitt – Biografie Grundlage für Rosemaries gesellschaftliche Einordnung, ihre Kontakte zu einflussreichen Familien, den ungeklärten Mordfall und die Wirkung des Falls als Spiegel der Doppelmoral der jungen Bundesrepublik.
- LVR / Portal Rheinische Geschichte: Jennifer Striewski: Rosemarie Nitribitt Wichtige Quelle zu Rosemaries Aufstieg, ihren Kontakten in gehobene Kreise, Harald von Bohlen und Halbach, Harald Quandt, Gunter Sachs, dem Notizbuch, den Ermittlungsfehlern, verschwundenen Aktenseiten, der medialen Spekulation und der späteren Einordnung des Falls.
- Hessisches Hauptstaatsarchiv / Arcinsys: Ermittlungen betr. die Ermordung der Prostituierten Rosemarie Nitribitt in Frankfurt a. M. Archivhinweis zu den erhaltenen Ermittlungsakten im Hessischen Hauptstaatsarchiv. Besonders passend für Teil 3, weil es hier um Akten, Papier-Spuren und die spätere Überlieferung des Falls geht.
- FOCUS: Akte Nitribitt – Was die Freier der feinen Gesellschaft ihrer Lebedame beichteten Ergänzende Quelle zu den wiederaufgetauchten Akten, dem Spurenbuch, dem Notizbuch, Vernehmungsbänden, Harald Quandt, Harald von Bohlen und Halbach sowie Ernst Wilhelm und Gunter Sachs.
- FOCUS: Mord an Edelhure – So tief war die Krupp-Spitze in den Fall Rosemarie verstrickt Ergänzende Quelle zu Harald von Bohlen und Halbach, Berthold Beitz, den später veröffentlichten Akten, der Weinflasche mit Fingerabdrücken und der Frage, warum bestimmte Spuren später als besonders brisant galten.
- Dieter Wunderlich: Rosemarie Nitribitt – Zeittafel / Biografie Ergänzende chronologische Übersicht zu Notizbuch, Prominenten-Gerüchten, Harald Quandt, Ernst Wilhelm und Gunter Sachs, Heinz Pohlmann, Rudolf Endler, dem Raubmotiv und dem späteren Presserummel.
- Google Books: David R. Simon / D. Stanley Eitzen: Elite Deviance Hintergrundquelle zum Begriff „Elite Deviance“, also zu abweichendem Verhalten in Macht- und Elitenstrukturen. Diese Quelle passt als theoretischer Hintergrund zu Dr. Maximilians Einordnung, ersetzt aber keine konkrete Fallquelle.
- JSTOR: Gresham M. Sykes / David Matza: Techniques of Neutralization: A Theory of Delinquency Theoretische Hintergrundquelle zu Neutralisierungstechniken, die in Maximilians Teil als kriminologische Einordnung auftauchen.
Literaturhinweise:
- Helga Dierichs: Rosemarie Nitribitt – Tod einer Hure, in: Helfried Spitra Hg., Die großen Kriminalfälle, München 2003.
- Martina Keiffenheim: Edelhure Nitribitt. Die Rosemarie aus Mendig, Aachen 1998.
- Erich Kuby: Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind, Hamburg 1961.
- Wendelin Leweke: Gretchen und die Nitribitt. Frankfurter Kriminalfälle, Frankfurt am Main 1991.
- Christian Steiger: Rosemarie Nitribitt. Autopsie eines deutschen Skandals, Königswinter 2007.
- Bernd Ulrich: Rosemarie Nitribitt, in: Joachim Scholtyseck / Bernd Ulrich Hg., Skandale in Deutschland nach 1945, Bielefeld 2007.
Hinweis:
Der Fall Rosemarie Nitribitt ist bis heute ungeklärt. Kontakte, Notizen, Vernehmungen und prominente Namen sind kriminalistisch relevant, beweisen für sich allein aber keine Täterschaft. Spekulationen, spätere Deutungen und Hypothesen werden in dieser Folge entsprechend eingeordnet.
Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSC
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:59: Hallo meine lieben Shadows, schön dass ihr wieder da seid.
00:01:02: Heute folgt Teil drei unserer vierteiligen Kooperation zwischen mir, Antje von Kronik der Schatten und Dr.
00:01:09: Maximilian von Schattenreich vom Podcast jenseits der Beweise.
00:01:13: In Teil eins haben wir auf Rosemarie Netribitz Leben geschaut In Teil zwei auf den Tatort, die ersten Ermittlungen und die vielen Probleme, die diesen Fall von Anfang an begleitet haben.
00:01:23: Wenn du die beiden Teile noch nicht gehört hast, empfehle ich dir zunächst dort reinzuhören und dann wieder hierhin zurückzukommen!
00:01:30: Heute geht es um die Spuren, die weniger sichtbar sind als ein Tatort aber manchmal genauso brisant werden können.
00:01:36: Papier, Notizen, Telefonnummern, Termine, Briefe, Namen... Der Fall Rosemarine Tribit wurde sehr früh mit prominenten Männern, einflussreichen Familien und gesellschaftlicher Macht verbunden.
00:01:48: Bis heute hält sich die Vorstellung es habe eine Art geheime Kundenliste gegeben, die den Fall politisch oder wirtschaftlich gefährlich gemacht haben – doch genau hier müssen wir besonders sauber bleiben!
00:01:59: Denn zwischen einem gesicherten Dokument, einem späteren Gerücht einer medialen Zuspitzung und einer echten kriminalistischen Spur liegen große Unterschiede….
00:02:07: In diesem Teil schauen wir deshalb darauf, was tatsächlich greifbar ist.
00:02:11: Welche Namen im Umfeld des Fals auftauchen?
00:02:13: welche Kontakte überprüft wurden?
00:02:15: welche prominenten Männer vernommen wurden oder in den Akten eine Rolle spielten?
00:02:20: welche Fragen bis heute offen sind und warum prominente Kontakte zwar relativ sein können aber niemals automatisch etwas überschuld aussagen.
00:02:28: Es geht auch um ein größeres Thema, um gesellschaftliche Fallhöhe.
00:02:32: Um Diskretion?
00:02:33: Um Rufschutz?
00:02:34: Um Ermittlungen in einer Zeit, in der ein Name manchmal mehr Gewicht hatte als eine Spur.
00:02:43: Achtung Triggerwarnung.
00:02:45: Auch im dieser Folge geht es um einen Mordfall und Prostitutionen, Machtverhältnisse mögliche Erpressungs-Szenarien und um öffentliche Verdächtigungen.
00:02:53: Bitte hört nur weiter wenn ihr euch damit wohl fühlt!
00:03:01: Teil drei führt uns also in dem Bereich, indem der Fallrosemarine-Tribut weit über einen einzelnen Morty rausweist.
00:03:07: Hinein in die Frage wie Macht und Wahrheit miteinander ringeln können?
00:03:24: Nach diesem forensischen Disaster bleibt etwas übrig das sich nicht wegrauchen, nicht wegtrampeln, nicht versehentlich verrücken lässt – jedenfalls längst nichts so schnell als eine Zigarettenkippe auf Paket!
00:03:36: Papier.
00:03:38: Wenn ein Tatort in den ersten Stunden seine Ordnung verliert, greifen Ermittlungen oft nach dem was unabhängig davon trägt.
00:03:45: Termine Notizen Briefe Telefonnummern.
00:03:49: Das klingt unspektakulär ist in vielen Fällen aber der Moment in dem aus einem wer war zuletzt hier Ein wen kannte dieses Opfer und wer wusste zu viel wird.
00:04:00: Bei Rosemarinit Ribbit war genau dieser Teil brisant.
00:04:03: Papier sagt nicht automatisch die Wahrheit.
00:04:06: Papier trägt Namen.
00:04:08: Namen haben in den fünftiger Jahren ein eigenes Gewicht, vor allem in einer Stadt in der Diskretion manchmal mehr zählt als ein sauberer
00:04:16: Lebenslauf.".
00:04:18: In den ersten Tagen nach dem Auffinden der Leiche richtet sich der Blick der Ermittler, wie Dr.
00:04:23: Maximilian es ausführlich erklärt hat – nicht nur auf Spuren im Raum sondern auch auf Spure im Leben!
00:04:29: Wer stand mit ihren Kontakt?
00:04:31: Wer wusste wann sie allein war?
00:04:33: Wer hatte Zugang zu Wohnung und Gewohnheiten zu ihrem Rhythmus?
00:04:38: In diesem Kontext taucht früh etwas auf das später fast nur noch als einziges Wort erzählt wird.
00:04:45: Im öffentlichen Raunen wird daraus weit mehr als ein Kalender.
00:04:49: Es wird zur Schifre, zu einer Liste in der angeblich die Namen Deras stehen, die man öffentlich nicht in der Nähe einer ermordeten Prostituierten sehen will.
00:04:58: Aus einem Mordfall wird damit ein gesellschaftliches Risiko – längst bevor Beweise auf dem Tisch liegen allein durch die Angst vor Bloßstellung!
00:05:07: Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Dingen, die im Laufe der Jahre gern ineinandergeschoben wurden….
00:05:13: Das Gerücht, Rosemarie habe eine Liste prominenter Kunden geführt.
00:05:17: Und das was tatsächlich als Notizen, Termine, Korrespondenz, Visitenkarten oder lose Zettel existierte und als Asservat gesichert wurde.
00:05:28: Beides wirkt ähnlich – beides wurde in der Erzählung Adressbuch genannt.
00:05:32: Trotzdem ist es nicht dasselbe!
00:05:35: Diese Unschärfe gehört selbst zur Geschichte.
00:05:38: Wenn er mittler von einer Kontaktliste ausgehen, suchen sie nicht bloß nach einem Buch.
00:05:43: Sie suchen nach dem typischen Alltagsträger.
00:05:45: Taschenkalender, Notizzettel, Briefumschläge, Telefonnummern auf Papierstreifen – nach allem was man rasch in eine Schublade schiebt wenn es klingelt!
00:05:55: Hier liegt ein entscheidender Punkt.
00:05:56: Ein Tatort ist zugleich der Ort eines Verbrechens und der Ort einer Biografie.
00:06:01: Wer dort sucht, sucht nach Spuren und wült gleichzeitig in einem Leben.
00:06:06: Sobald dieses Leben gesellschaftlich heikel ist, wird jede gefundenen Notiz automatisch größer als sie auf Papier aussieht.
00:06:14: Mit dem Fall Nitribit passiert sehr schnell etwas das Ermittlungen gleichzeitig antreiben und vergiften kann.
00:06:20: Noch bevor die erste Rekonstruktion sauber steht entsteht eine zweite Erzählung.
00:06:26: Die erste wäre schlicht Eine Frau wurde getötet.
00:06:28: Wer war es?
00:06:30: Die Zweite lautet Diese Frau kannte die falschen Leute.
00:06:34: Diese zweite Erzählung hängt sich an ein einziges Objekt, an dieses Adressbuch.
00:06:39: Ganz gleich wie es tatsächlich aussah.
00:06:42: Spätestens dort wird Papier zur Währung.
00:06:44: Wer Zugriff auf Namen hat gewinnt Einfluss auf Geschichten!
00:06:48: Wer Angst vor diesen Geschichten hat reagiert selten mit Neugier.
00:06:52: Häufiger folgt Abwehr.
00:06:54: Juristisch muss man an der Stelle sauber bleiben.
00:06:57: Belastbar.
00:06:58: belegbar ist nicht, dass die besseren Kreise aktiv Unterlagen verschwinden ließen – belastbar-belegbar vor allem war diese Vorstellung sehr früh da und wurde das Klimaprägte in dem ermittelt.
00:07:11: In Rückblicken taucht außerdem immer wieder die Frage auf ob die Gerüchteküche rund um ein brisantes Notizbuch einfach passierte oder ob sie Ermittlungen zusätzlich unter Druck setzte.
00:07:22: Ob und wie bewusst solche Dynamiken genutzt wurden, lässt sich nicht sicher festnageln.
00:07:27: Sicher ist das Gerücht war früh im Raum und es machte aus jedem Zettel einen potenziellen Sprengsatz.
00:07:34: Dann kommt der Punkt, der viele Legenden bis heute antreibt – die Aktenlage!
00:07:39: Hier zeigt sich bereits, wie eng dieses Kapitel mit dem zusammenhängt was Dr.
00:07:43: Maximilian zuvor herausgearbeitet hat….
00:07:46: Je mehr der Tatort in den ersten Stunden seine Verlässlichkeit verliert, desto stärker verschiebt sich das Gewicht der Ermittlung auf das was schriftlich greifbar bleibt.
00:07:55: Eben diese Kalender, Briefe, Notizen, Vernehmungen Sobald Spuren im Raum unsicher werden gewinnen Spuren auf Papier fast zwangsläufig an Bedeutung.
00:08:06: Über Jahrzehnte hielt sich hartnäckig die Erzählung entscheidende Unterlagen sein verschwunden.
00:08:11: Dies habe ich ja schon kurz erwähnt.
00:08:13: Tatsächlich ist belegbar, dass Teile der Ermittlungsunterlagen über lange Zeit nicht zugänglich oder nicht auffindbar waren und später wieder auftauchten.
00:08:22: Darunter Material das in der öffentlichen Fantasie genau in diese Adressbuchschublade gehörte – persönliche Notizen, Vernehmungsbände, Aservate, Bildmaterial.
00:08:33: Ein Detail rückt dabei vieles zurecht!
00:08:35: Ein zentrales Spurenbuch wurde nach später bekannt gewordener Aktenlage über Jahre fortgeführt und lag lange nicht dort, wo man es erwartet hätte.
00:08:44: Das ist ein Unterschied der für die Einordnung zählt – Nicht jede Lücke muss eine Verschwörung sein!
00:08:50: Mitunter ist sie auch das Ergebnis von Zuständigkeiten, Abläufen auf Bewahrung … Und von dem was bei Behördenakten passieren kann wenn Jahre zu Jahrzehnten werden….
00:09:00: Während die Debatte öffentlich gern beim Adressbuch stehen bleibt, gibt es noch eine zweite unangenehme Frage, die sich aus dem Tatortchaos ergibt.
00:09:09: Wie konnte es sein dass so viele Menschen so früh und unkontrolliert in dieser Wohnung waren?
00:09:15: Und das hinterher nicht mehr eindeutig feststand was zum Tatgeschehen gehört und was erst danach entstanden ist?
00:09:22: Belegt Der Tatort war in den ersten Stunden nicht konsequent abgeschirnt.
00:09:27: Es gab Berichte über Rauchen, über Lüften und über Bewegungen im Raum die man aus heutiger Sicht als kontaminierend beschreiben würde.
00:09:34: Hierüber hat euch Dr.
00:09:35: Maximilian von Schattenreich ausführlich berichtet.
00:09:38: In diesem Klima entstehen fast zwangsläufig weitere Behauptungen etwa es seinen Gegenstände mitgegangen oder später nicht mehr sauber zuzuordnen gewesen.
00:09:47: Solche konkreten Vorwürfe sind öffentlich jedoch schwergerichtsfest zu belegen.
00:09:52: Was sich zuverlässig sagen lässt, ist das Grundproblem.
00:09:55: Je mehr Unordnung am Anfang desto größer die Angriffsfläche für alles was später als Spur gelten soll.
00:10:02: Rückblickend wurde auch die frühe Führung der Ermittlungen kritisiert.
00:10:06: Weniger als Frage einer einzelnen Person, eher als Frage von Ablauf, Priorität, Absperrung und Dokumentationen.
00:10:14: Ob Einzelne Verantwortliche damals bereits viele Mordermittlungen geleitet hatten lässt sich aus öffentlich zugänglichen Darstellungen nicht durchgehend sauber nachprüfen.
00:10:22: Das Versäumnis auf das sich seriöse Rekonstruktion immer wieder zurückziehen ist greifbar.
00:10:28: Die Nullstunde wurde verschenkt und damit wurde aus einem Tatort ein Ort, über dem man später streiten kann statt ihnen beweisen zu können.
00:10:37: Schon die Möglichkeit genügt das Namen aus guten Kreisen auftauchen könnten um eine Mauer entstehen zu lassen – aus Ausweichen, aus glatten Formulierungen, aus plötzlicher Erinnerungslücke!
00:10:48: Diese Mauer wird in diesem Fall nicht erst im Gerichtsaal sichtbar sondern viel früher… In dem Moment in dem klar wird dass dieser Mord nicht im Schatten bleiben
00:10:57: wird.".
00:10:58: Sobald Notizen und Schriftstücke ausgewertet werden, verändert sich die Tonlage der Ermittlungen.
00:11:03: Aus Papier werden Vorladungen, aus möglichen Kontakten werden Aussagen, wie plötzlich juristisch zählen.
00:11:10: Ab dort geht es nicht mehr nur um die Frage ob jemand sie kannte – Es geht um Zeit, Zugang, Nähe zum Tatfenster.
00:11:17: Genau an diesem Punkt beginnt der Teil in dem die Ermittlung zwangsläufig in Kreise geraten, die ist nicht gewohnt sind im Präsidium über Privates zu sprechen….
00:11:26: Was diese Papierspuren so brisant macht, hat Dr.
00:11:29: Maximilian von Schattenreich im Kapitel davor bereits vorbereitet.
00:11:33: Ein unscharfes Tatfenster macht fast jede Aussage schwerer zu prüfen!
00:11:37: Wer einen Kontakt zugibt, gerät sofort in die Frage nach Zeit, Zugang und Gelegenheit.
00:11:42: Wer einen Kontakt klein redet, verschiebt die Ermittlungen in einem Bereich, in dem am Ende oft Aussage gegen Aussage steht.
00:11:50: Eine Geschichte, die oft erzählt wird?
00:11:52: Peter – eine Schwangerschaft und die Fremdenlegion.
00:11:56: Im Umfeld des Fals taucht immer wieder diese dramatische Episode auf und hier zeigt sich, wie absurd die Realität dieses Falles ist.
00:12:04: Was wie das billige Drehbuch eines Groschenromans klingt, ist keine spätere Nacherzählung sondern harte Aktenrealität.
00:12:11: Die Fürsorgeakten belegen unmissverständlich dass Rosemarie bereits im Jahr in der Provinz einen festen Freund namens Peter hatte den sie unbedingt heiraten wollte.
00:12:22: Als sie schwanger wurde oder eine Schwangerschaft zumindest als Erpressungsinstrument vorgab, flüchtete dieser Mann tatsächlich in die Fremden-Legion.
00:12:30: Für die Kriminalpolizei war dies架onzehntundertsiebenfünfzig scheinbar keine relevante Spur – doch es zeigt ihr extremes psychologisches Muster das in Frankfurt fatale Folgen haben
00:12:40: sollte.".
00:12:59: Schon kurz nach dem Auffinden der Leiche wird Harald von Bohlen und Halbach vernommen aus dem Umfeld der Kruppdynastie, Bruder von Alfred Kruppen von Bohle und Halbach dessen Name damals für einen der mächtigsten Industriekonzerne des Landes stand.
00:13:14: Der Termin ist aktenkundig – Sonntag, dritte November.
00:13:21: Als Grund werden in den Unterlagen Korrespondenz und gesicherte Schriftstücke genannt, aus denen sich ergeben habe dass er Rosemarin die Tribit kannte.
00:13:30: In seiner Aussage schildert er wie der Kontakt begonnen habe – nicht als Freundeskreis, nicht als offizielle Bekanntschaft sondern als Begegnung im Frankfurter Stadtbild mit dem Moment in dem sie ihn ansprach.
00:13:42: Solche Aussagen sind in diesem Fall doppelt heikel!
00:13:45: Sie können Nähe erklären, zugleich können sie gefährlich werden sobald es um Zeiträume geht.
00:13:51: Ab dort steht nicht mehr nur Kontakt im Raum sondern die Frage nach Besuchen und ob ein Besuch in einen Tatfenster passt das ohnehin unscharf ist.
00:14:00: Bei ihm kommt später ein Detail hinzu dass die Ermittlung sichtbar kippen lässt.
00:14:04: Am Tatort wird eine angebrochene Weinflasche geschildert, an der Spuren festgestellt werden.
00:14:09: In einem daktyluskopischen Gutachten wird später festgehalten dass Fingerabdrücke darauf ihm zugeordnet wurden.
00:14:16: Das ist ein Punkt der in der öffentlichen Erzählung schnell missverstanden wird.
00:14:20: Ein Fingerabdruck an einem Gegenstand kann belegen, dass jemand ihn berührt hat.
00:14:24: Er beweist nicht automatisch wann das war und er beweist nie automatisch eine Täterschaft.
00:14:30: In einer Wohnung in der Gäste ein- und ausgehen ist genau diese zeitliche Einordnung das Nadelöhr.
00:14:36: Trotzdem bleibt es kriminalistisch bedeutsam weil es eine Verbindung zwischen Personen und Tatort stützt und damit die Frage schärft welche Kontakte wirklich nur vom Sehen waren.
00:14:48: Fast automatisch landet man hier bei einer weiteren Frage, die sich in diesem Fall immer wieder stellt.
00:14:53: Warum wirkt es rückblickend so als hätte man auf manche Verdächtige sehr fest konzentriert – während man bei großen Namen eher vorsichtig blieb?
00:15:17: Zu dieser Vorsicht gegenüber den großen Namen passt auch eine Ermittlungslogik, die rückblicken schwer zu übersehen ist.
00:15:23: Früher arbeitete die Kripo mit der Vorstellung eines Raubmotivs In der Wohnung fehlte Bargeld und damit schien für die Ermittler ein Täterbild nahezuliegen, dass er in Richtung Habgier als in Richtung gesellschaftlich abgesicherter Wohlstand deutete.
00:15:37: Darin steckt ein bemerkenswerter Denkfehler – nicht eine konkrete Spur entschied sondern eine soziale Annahme!
00:15:44: Wer reich ist braucht das Geld nicht also wirkt er als Täter weniger plausibel.
00:15:49: Auf diese Weise verschiebt sich der Blick.
00:15:51: Verdacht entsteht dann nicht mehr nur aus Nähe zum Opfer oder aus einer Tatgelegenheit sondern auch aus dem Bild, dass man sich von einer Person und ihrer Schicht macht.
00:16:00: Wie großzügig solche Prüfungen ausfallen konnten zeigt die spätere Behandlung des Alibis von Harald von Bohlen und Halbach.
00:16:08: Die Fahnder vernahmen zwei Hausmädchen den Chauffeur, die Sekretärin und die Haushälterin der kurz zuvor verstorbene Mutter des Grupp nachkommen.
00:16:16: Diese Zeugen bestätigten ihm, er habe den mutmaßlichen Tatzeidraum zwischen dem XXIII.
00:16:21: und XXI.
00:16:22: Oktober in Essen verbracht.
00:16:26: Eine Hauswirtschafterin erklärte sogar sie würde bemerken wenn der längere Zeit abwesend wäre.
00:16:31: Die Ermittler hielten das für glaubwürdig und verwiesen ausdrücklich auf die streng solide und patriarchalische Lebensführung.
00:16:38: An solchen Stellen wird sichtbar, wie leicht soziale Fallhöhe in Ermittlungslogik umschlagen kann.
00:16:44: Aus einem zu prüfenden Verdacht wird schneller eine beruhigende Annahme.
00:16:48: Auch bei Harald Quant wirkt die Prüfung aus heutiger Sicht auffällig weich.
00:16:52: Eine Zeugin wollte seinen Fahrer kurz vor der Entdeckung des Mordes in der Nähe der Nitribit gesehen haben.
00:16:58: Der Industrielle bestritt seine Anwesenheit zur Tatzeit und bot den Direktor einer Frankfurter Bank als Alibi an.
00:17:04: Seine Frau Inge fahr wie es gegenüber den Ermittlern auf ihre Anwesenheit bei einem Kaffee-Clutch in Frankfurt und erklärte sie habe anschließend im Kino den Film Ariane lieber am Nachmittag gesehen.
00:17:16: Solche Angaben können zutreffen, zunächst bleiben sie trotzdem nur Angaben – in einem Fall mit unscharfen Tatzeitfenster hätten gerade solche Konstruktionen eigentlich mit besonderer Schärfe geprüft werden müssen!
00:17:29: Dass diese Schieflage kein bloßes Gefühl der Rückschau ist… zeigt noch ein weiterer Punkt.
00:17:34: In einer späteren Darstellung zum Fall wird ausdrücklich festgehalten, dass selbst die Verweigerung eines hochadeligen brauchbare Handflächenabdrücke abzugeben offenkundig keine ernsthafte Eskalation der Ermittlung auslöste.
00:17:47: auch das passt in dasselbe Muster.
00:17:49: je größer Name Rang oder gesellschaftliche Fallhöhe desto eher scheint aus einer Spur ein Nebensatz zu werden.
00:17:56: Wenn man sich die später bekannt gewordenen Protokolle in Rekonstruktion anschaut, wird daraus kein sauberer Beweis für Absicht.
00:18:03: Es wird eher ein Bild aus Entscheidungen!
00:18:05: Erstens Harald von Bohlen und Halbach wurde nicht gar nicht behälligt – er wurde früh vernommen, seine Verbindung zu Rosemarie wurde aufgenommen und mit dem Gutachten zur Weinflasche stand eine Tatortspur im Raum.
00:18:18: Gleichzeitig fällt in der späteren Bewertung auf, dass diese Spur am Ende nicht in eine Anklage mündete und relativ früh als nicht weiter erhärtbar eingeordnet wurde – gestützt auf Angaben zu seinem Umfeld-und Wegeargumente.
00:18:32: Das ist als Ermittlungsargument nachvollziehbar.
00:18:35: Angreifbar bleibt es trotzdem, solange das Tatzeitfenster selbst nichts sauber setzt.
00:18:40: Darin liegt eines der strukturellen Probleme dieses Falles.
00:18:43: Ein unscharfes Tatfenster macht jede Alibi-Prüfung anfälliger!
00:18:47: Wer in so einer Lage früh als gesellschaftlich unwahrscheinlich gilt, profitiert doppelt.
00:18:52: Zum einen vom Zweifel an der Zeit zum anderen von der Bereitschaft Erklärungen aus einem Umfeld schneller zu akzeptieren – das heißt nicht automatisch Vertuschung!
00:19:02: Es heißt aber sehr wohl dass Ermittlungen in einem sozialen Klima stattfanden indem der Verdacht nicht für alle denselben Druck erzeugte.
00:19:15: Zweitens Parallel dazu zeigt die Aktenlage, wie breit die Polizei bei anderen Kontaktspuren nachfasste.
00:19:22: In Notizen und Kalendern standen zahlreiche Namen.
00:19:25: Einzelne Personen wurden beschattet und mehrfach vernommen – teils über längere Zeiträume.
00:19:30: Das bedeutet aber nicht automatisch, die Kleinen mussten es ausbaden!
00:19:34: Sichtbar wird allerdings sehr deutlich, wie sehr Ermittlungsdruck, Greifbarkeit und soziale Fallhöhe mitbestimmen können.
00:19:41: Welche Spuren lange verfolgt werden?
00:19:43: Und welche irgendwann als unwahrscheinlich oder nicht weiter erhärtbar abgelegt werden?
00:19:53: Drittens – neben der Prominenz Schiene gab es im Fall Nitribit immer auch die naheliegende Milieusschiene.
00:19:59: In jeder Großstadt liegen bei einem Mord an einer Frau aus dem Prostitutionsumfeld automatisch Fragen im Raum Streit, Eifersucht, Geld, Gewalt, Kontrolle, mögliche Abhängigkeiten.
00:20:11: In späteren Deutungen taucht auch die These eines Revier- oder Konkurrenzkonfliktes auf – etwa weil Rosemarie als auffällig erfolgreiche Frau als eigenständig beschrieben wird.
00:20:22: Ob das im konkreten Fall trägt lässt sich öffentlich nicht belastbar festnageln.
00:20:27: Als Motivtheorie erklärt es eher das Klima als den Täter.
00:20:32: Zur Wahrheit dieses Fals gehört noch etwas.
00:20:34: Je mehr Spekulationen über oben entstehen, desto schneller geraten andere Ebenen aus dem Blick – jene die in einer Biografie bereits vorher angelegt sind.
00:20:44: In biographischen Darstellungen finden sich Hinweise auf schwere Gewalt und Brucherfahrung in ihrer Jugend.
00:20:50: Details dazu werden in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich erzählt.
00:20:54: Für die Mordaufklärung zählen sie nur dann wenn daraus konkrete belegbare Täter oder Spurenlinien
00:21:00: werden.".
00:21:01: Genau dort liegt das Grundproblem.
00:21:03: Es gibt viele Deutungen, aber nur wenige harte Ketten.
00:21:07: Harald von Bohlen und Halbach bleibt dabei nicht der einzige große Name, der als Kontaktspur auftaucht.
00:21:13: In seriösen Darstellungen wird festgehalten dass in Nitribitz-Unterlagen Kontakte zu bekannten Persönlichkeiten standen unter anderem aus Bekannten Unternehmerfamilien.
00:21:23: In diesem Zusammenhang werden Harald Quant, den habe ich eben schon mal kurz erwähnt und Gunter Sachs genannt.
00:21:29: In manchen Darstellungen taucht auch der Name Ernst Wilhelm Sachs auf.
00:21:33: Für die Ermittlungslogik ist an dieser Stelle vor allem eines entscheidend – Die Namen werden nicht als klatschwichtig sondern weil sie mit ihnen dieselbe Frage verbindet wie bei jeder anderen Spur auch Kontakt Zugang Zeit.
00:21:47: Hier liegt das struktuelle Problem dieses Falls.
00:21:50: Früher arbeitete man mit der Annahme eines Raubmords und in späteren Rekonstruktion wird kritisiert, dass einzelne Spuren in Richtung vermögende Kontakte darum teilt schnell als unwahrscheinlich bewertet oder nicht so tief verfolgt worden sein wie es ein sauber abgestecktes Tatzeitfenster vielleicht ermöglicht hätte.
00:22:07: Hier haben wir ja eben schon kurz drüber gesprochen.
00:22:10: Das Klingt abstrakt ist aber praktisch Wenn die Zeit nicht sitzt wird jeder Verdacht zur Debatte und jede Debatte zu Fluchtlinien.
00:22:18: Auch darin liegt eine direkte Verbindung zu Dr.
00:22:20: Maximilians Kapitel, er hat gezeigt wie folgenschwer die frühen Versäumnisse am Tatort für alles wurden was danach kam.
00:22:27: Sobald die forensische Grundlage unsicher ist werden auch Vernehmungen, Ali-Bis und Kontaktspuren weicher.
00:22:33: Aus einer harten Spur wird dann schnell eine Deutung und aus einer Deutkung im Zweifel ein Ausweg.
00:22:39: Parallel dazu läuft die zweite Maschine Öffentlichkeit.
00:22:42: Seitungen wollen Namen Fotografen wollen Bilder Gerüchte wollen Futter.
00:22:47: Damit wird jede Vernehmung potenziell zum Risiko.
00:22:50: Für die Befragten, für die Ermittler und für alle deren Name plötzlich mit diesem Fall verbunden werden
00:22:55: könnte.".
00:22:56: Ein später aktenkundig gewordener Vorgang zeigt wie groß die Angst vor öffentlichem Rufschaden in diesem Umfeld gewesen sein muss.
00:23:03: Im Januar neunzehntonundfünfzig versuchte das Haus Krupp unter Beteiligung von Konzernführer Berthold Bytes eine drohende Veröffentlichung in der Presse zu verhindern.
00:23:13: Im Raum stand dabei zunächst eine Forderung von einer Million Mark.
00:23:16: Danach wurde über einen Hamburger Medienanwalt ein Angebot von zweitausendfünfhundert Mark gemacht.
00:23:22: Der Informant erfuhr auf einem Münchner Filmball, wer tatsächlich hinter dem Angebot stand und versuchte daraufhin offenbar noch einmal höher zu pokern – damit platzte die Sache.
00:23:31: der Dealkam nicht zustande!
00:23:33: Für unsere Geschichte ist daran vor allem eines wichtig….
00:23:36: Dieser Vorgang zeigt, dass der öffentliche Name in diesem Fall als Gefahr wahrgenommen wurde.
00:23:42: Nicht nur die Tat selbst war brisant – auch die Frage wer mit Rosemarinettribit in Verbindung gebracht werden konnte hatte ein enormes Gewicht!
00:24:06: Wenn man sich diese Wochen nach dem ersten November veraugen führt wirken zwei Wirklichkeiten gleichzeitig.
00:24:13: In der einen Wirklichkeit sitzt die Kripo über Papier Namen, Telefonnummern, Hotelnotizen, Quittungen und Briefe.
00:24:20: Man versucht aus einem privaten Leben einen Ermittlungsplan zu bauen!
00:24:24: In der anderen Wirklichkeit läuft draußen die öffentliche Erzählung schneller, lauter, moralischer – sie will Skandal aber sie will keine Konsequenzen.
00:24:32: Sie will über Doppelmoral reden Aber sie will nicht das konkrete Namen an konkreten Türen klingeln.
00:24:38: So entsteht ein eigenartiger Zustand.
00:24:40: Viele ahnen, dass es prominente Kontakte gegeben haben soll!
00:24:44: Es wird angedeutet, geraunt geschrieben.
00:24:46: Je konkreter es wird, desto häufiger wird Sprache plötzlich weich.
00:24:50: Umschreibungen statt Klartext.
00:24:52: Darin liegt eine der unsichtbaren Mauern dieses Falls – einem Mauer aus vielen kleinen Schutzreflexen, Ausweichen und Abschwächung aus dem Bedürfnis heikle Nähe unschaft zu
00:25:03: halten.".
00:25:04: An dieser Stelle wird das Bild von der reinen Weste erstmals wirklich greifbar.
00:25:08: Dahinter steht keine klar sichtbare Einzelentscheidung, vielmehr wirkt hier das Zusammenspiel aus Ermittlungsannahmen und gesellschaftlicher Fallhöhe.
00:25:17: Denn in den gesicherten Unterlagen fanden sich Kontakte in bekannte Kreise – genau diese Spur wurde zwar registriert aber nicht in der Tiefe verfolgt die man bei einem Mordfall erwarten würde!
00:25:28: In späteren Zusammenfassungen des Fals wird ausdrücklich festgehalten, dass die Kriminalpolizei anfangs von einem Raubmord ausging und das einzelne sehr vermögende Kontaktperson deshalb früh als Täter unwahrscheinlich bewertet wurden.
00:25:42: Das hatte eine unmittelbare Folge.
00:25:44: Manche Vernehmungen blieben vergleichsweise kurz und vorsichtig – eher eine formale Klärung als ein konsequentes Festnageln auf Zeiten, Wege und konkrete Abläufe.
00:25:54: Hier liegt der Punkt, an dem Weste reinhalten weniger nach aktiver Vertuschung klingt – eher nach einem Systemeffekt.
00:26:01: Wer sehr viel zu verlieren hat, spricht kontrollierter.
00:26:05: Wer im Ermittlungsraster früh als nicht passend gilt wird seltener solange gedrückt Besprache zudeteilswürtt.
00:26:11: Auf diesem Weg wächst eine Mauer!
00:26:13: Sie setzt sich aus vielen kleinen Entscheidungen zusammen die am Ende denselben Nebel entstehen
00:26:18: lassen.".
00:26:19: Diskretion ist dabei nicht nur ein Wort, sondern ein System.
00:26:23: Eine Stadt wie Frankfurt bietet Räume in denen vieles ohne Zeugen stattfindet – Hotelbars, Taxis, kurze Treffen, private Wohnungen, Portiers die gelernt haben nichts zu sehen!
00:26:33: Solche Diskretionen erschwert Ermittlungen weil Spuren von vornherein weich sind.
00:26:38: Keine Quittung kein offizieller Eintrag oft keine neutralen Zeugen.
00:26:43: In Vernehmungen sieht man dann häufig eine zweite Schutztechnik, das Minimum Einräumen.
00:26:48: Ich kenne sie nur flüchtig – ich habe sie ein-zwei Mal gesehen!
00:26:52: Solche Sätze müssen nicht zwingend lügen, machen Beziehungen aber konturlos.
00:26:56: Ohne Kontur gibt es weniger Ansatzpunkte.
00:26:59: Keine Routinen keine festen Uhrzeiten kein Muster dass man abgleichen kann.
00:27:05: Dazu kommt die Aktenrealität, die solche Geschichten wie die von Rosemarinetribit füttert.
00:27:10: Das Unterlagen zeitweise nicht greifbar waren und das Material.
00:27:13: Lücken existierten, dass manches erst später wieder auftauchte.
00:27:17: Jede Lücke erzeugt automatisch dieselbe Frage.
00:27:21: Warum?
00:27:22: Vertuschung oder Verwaltung Absicht oder Chaos?
00:27:25: Solange man es nicht sauber belegen kann bleiben beide Deutungen in der Luft Und das macht den Nebel so stabil.
00:27:31: Je mehr Deutung, desto weniger Greifbares.
00:27:34: Am Ende bleibt eine bittere Bilanz.
00:27:37: Es gab Kontakte in gehobene Kreise es gab Vernehmungen es gab Materiales es gab Spekulationen über Einfluss es gab Empörung.
00:27:46: Trotzdem bleibt im Kern wenig übrig dass eine Tat erklärt und vor Gericht trägt Denn Prominenz ist kein Motiv Skandal ist kein Beweis Doppelmoral ist keine Spur.
00:27:58: Was ein Mordfall braucht, sind harte Ketten.
00:28:01: Wer war wann wo?
00:28:02: Und wer kann das bestätigen?
00:28:04: Welche Spur verbindet Personen und Tatort in einem relevanten Zeitraum?
00:28:09: Wenn ein Fall zu groß, so unübersichtlich, zu weich wird passiert etwas Unromantisches – er verengt sich!
00:28:16: Weg von der großen gesellschaftlichen Bühne hin zu einem Verdächtigen, der greifbar ist, den man fest nageln kann dessen Leben nicht aus Rufschutz und Anwälten besteht.
00:28:26: Was bleibt nach der Jagd nach Notizen?
00:28:28: Nach Vorladungen?
00:28:29: Nach dem Raunen über die besseren Kreise?
00:28:32: Ein Mordfall, der nicht nur an einem Täter scheitert sondern an Bedingungen.
00:28:37: An einem Tatort, der zu früh zur Bühne wurde.
00:28:40: An einen unscharfen Tatfenster.
00:28:42: An einem Klima in dem Diskretion ein Schutzraum ist und an einer Öffentlichkeit die wissen will ohne wirklich hinsehen zu
00:28:50: müssen.".
00:28:51: Damit gebe ich wieder ab an Dr.
00:28:53: Maximilian von Schattenreich.
00:29:15: Bevor ich fortfahre, möchte ich Sie auf eine Reise vorbereiten die nichts für schwache Gemüter ist.
00:29:22: Nicht wegen des Blutes!
00:29:24: Was sie gleich erwartet, ist von einer dunkleren zäheren Substanz.
00:29:29: Es isst die Reise in den Kern eines Phänomens das die Kriminologie mit einem Begriff belegt der so elegant wie erschreckend iest Die Elite de Vianz Das abweichende Verhalten der Eliten Die Kriminalität, die keine Handschellen kennt.
00:29:47: Wir schreiben das Jahr nineteenhundert siebenundfünfzig.
00:29:51: Frankfurt am Main liegt unter einem November-Himmel der die Farbe von verbrauchtem Motoröl hat.
00:29:57: Die Stadt riecht nach Bonawax nach frischem Brot aus den Bäckereien des Wiederaufbaus nach dem süßlichen Parfum des bundesdeutschen Wirtschaftswunders und es riegt noch nach etwas anderem Nach dem metallischen süßlich schweren Geruch, den die Lebenden die Luft des Todes nennen weil sie keinen besseren Namen dafür gefunden haben.
00:30:19: Und diese Luft des Todes steht in der Stiftstraße thirty-six im Appartement der Rose Marie Nitribit.
00:30:25: Wir haben in diesem Podcast bereits den Körper der Frau seziert, die die Zeitung Die Blonde Venus nannten und damit bereits deutlich machten dass sie mehr Symbol als Mensch war.
00:30:38: Wir haben über die Strangulationsmale gesprochen, über das Schädelhirntrauma.
00:30:43: Über jenes merkwürdige Handtuch, dass jemand mit einer Geste der Reue oder der Panik unter ihren Kopf schob.
00:30:50: Wir haben die forensischen Fehler benannt, die ein Gericht zur Weißglut treiben würden.
00:30:55: hätte einen Gericht jemals die Wahrheit gewollt.
00:30:59: Nun aber verlassen wir den Sektionssaal der Rechtsmedizin.
00:31:03: Wir betreten einen anderen, weitaus gewaltigeren und dunkleren Raum.
00:31:08: Den Sektionssaal der Jungen Bundesrepublik Deutschland.
00:31:26: Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer stellen sie sich ein Kraftfeld vor wie jenes das Physiker um elektrisch geladene Körper beschreiben Je näher man dem Zentrum kommt desto stärker die Kraft Im Falle von Reichtum, industriellem Einfluss und politischen Seilschaften.
00:31:43: ist dieses Kraftfeld nicht metaphorisch.
00:31:45: Es ist real!
00:31:47: Es lenkt Kugeln ab – es bricht Beweise.
00:31:50: Es lässt Akten in Archiven verschwinden und zwingt Zeugen zum Schweigen mit nichts weiter als einem Blick über den Brillenrand.
00:31:58: Rosemarie Nitri Bitt das Weisenkind aus der Eifel, das Kind der Armut und des Krieges hatte sich durch Intelligenz, durch Entschlossenheit durch jenen dunklen Handel, den die Welt Prostitution nennt in dem Magnetfeldbereich dieser Macht vorgearbeitet.
00:32:15: Mit ihrem schwarzen Mercedez-Ainhundertneunzig SL mit dem offenen Verdeck und den roten Leder sitzen – mit ihrer Wohnung in der Stiftstraße, ihren Pelzen, ihrem Konto!
00:32:29: Sie hatte das Kraftfeld nicht überwunden — sie war in sein Zentrum hineingezogen worden ….
00:32:35: Und dann war sie tot….
00:32:37: Die Frage, die wir uns heute stellen lautet nicht.
00:32:40: Wer hat Rosemarie Nitribit ermordet?
00:32:43: Die Frage lautet – wer hat dafür gesorgt, dass wir es nie erfahren würden?
00:32:59: Betrachten wir ein ominöses Beweisstück genauer.
00:33:03: Es existierte ein schwarzes Notizbuch in dem Rosemary Nitribitt die Namen und Vorlieben ihrer elitären Klienten verwarte.
00:33:12: Namen, die einen Staatsanwalt nicht mehr schlafen lassen sobald er sie kennt.
00:33:18: Doch es war kein gewöhnliches schwarzes Adressbuch.
00:33:21: Die forensische und psychologische Ironie dieses Objekts ist geradezu unübertrefflich, bei diesem Buch handelte es sich in Wahrheit um einen Heiligenkalender.
00:33:32: Eine Prostituierte notiert die intimen Geheimnisse der verheirateten bundesdeutschen Wirtschaftsbosse ausgerechnet in einem Allmannach der Keuschheit.
00:33:42: Die Behandlung dieses brisanten Dokuments durch die Mordkommission ist ein Kabinettsstück des institutionalisierten Vergessens.
00:33:50: Es verschwand, es tauchte wieder auf wurde nur selektiv geöffnet und ausgewertet.
00:33:56: bestimmte Seiten blieben offensichtlich unbehelligt.
00:33:59: und doch bark dieser heiligen Kalender Sprengstoff.
00:34:03: Lassen Sie uns ergänzen zu den Ausführungen von Antje noch einmal auf die Männer eingehen deren Namen die Akten dennoch wenn auch zögerlich und flüstern erwähnen.
00:34:17: Der Name ist schwer wie Kruppstahl, schwer wie die Kanonenrohre, die seine Familie für zwei Weltkriege schmiedete.
00:34:25: Harald von Bohlen & Halbach – ein Spross jener Industriedynastie, deren Fabrikschlote das zwanzigste Jahrhundert mitgeformt haben wie kein zweites deutsches Unternehmen.
00:34:36: Er saß am Sonntag den dritten November nineteenhundertsiebenundfünfzig in den Verhörprotokollen der Mordkommission.
00:34:44: Und schon der Ton dieser Protokolle, das fast höfliche Abtasten – das Zurückweichen vor zudirekten Fragen – verrät mehr über die Machtverhältnisse der Ära als jede sociologische Abhandlung.
00:34:57: Er habe Rosemarie Nitri Bit im März,� und fünftig kennengelernt gab er zu Protokollen Man habe sich aus dem Auto heraus in der Innenstadt kennengelernt, sei spazieren gegangen und habe dann in der Nähe der alten Oper eine Pension aufgesucht.
00:35:14: Dort checkte der Multimillionär mit seiner Begleiterin unter falschem Namen als Ehepaar ein.
00:35:19: Nach diesem Prozedere der Heimlichkeit habe man – so räumt er sehr sachlich ein – einen durchaus normal ausgeführten Geschlechtsverkehr gehabt.
00:35:28: Er zahlte der Frau mit dem falschen Namen zweihundert Mark für eine Stunde.
00:35:34: Doch hören sie auf die Nuancen.
00:35:36: Sie sei ihm sympathisch gewesen.
00:35:38: Bei Weitem nicht.
00:35:39: bei jedem Besuch sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen, er habe ihr eine Christophorus-Plaquette geschenkt damit sie auf der Straße nicht so frech überhole.
00:35:49: Forensisch psychologisch gesehen ist diese Aussage ein Meisterstück der Entsexualisierung.
00:35:55: Der Mächtige dem das grelle Licht der Behörden ins Gesicht scheint verwandelt die käufliche Beziehung in eine karitativ väterliche.
00:36:04: Er degradiert die Prostituierte zum Mündel, dem Erradschläge erteilt.
00:36:08: Er gibt Verkehrstipps, er verschenkt religiöse Schutzamulette – er wird zum Gönner, zum Mentor!
00:36:15: Und wer Radschlage gibt so die kalkulierte Implikation dieser Darstellung der tötet nicht.
00:36:22: Der Zynismus dieser Konstruktion ist atemberaubend.
00:36:26: Der Mann dessen Familienunternehmen Kanonengoss sorgt sich um die Fahrsicherheit einer Prostituierten.
00:36:33: Doch wenn wir einen Blick auf die tatsächlichen Asservate und Zeugenaussagen werfen, zerfällt diese väterliche Distanz in eine geradezu bizarre, intime Obsession.
00:36:44: Er war kein bloßer Kunde mehr!
00:36:46: Harald von Bohlen und Halbach richtete sich in der Wohnung seiner geliebten Beinahe häuslich ein.
00:36:52: Er hinterließ eine erdrückende Spur der Nähe, die weit über ein schützendes Amulett für den Straßenverkehr hinausging.
00:37:00: Er ließ Rosemarie kartonweise Rotwein in die Stiftstraße liefern, versehen mit dem auffälligen exklusiven Sinje der Kruppkonzern Kellerei.
00:37:10: Er überreichte ihr einen Band mit Liebesgedichten, der den vielsagenden Titel Reitvorschriften für eine geliebte Trug und legte diesem absurderweise ein Kinderfoto von sich selbst im Matrosenanzug bei.
00:37:30: Und er nahm Raum ein – physisch und psychologisch.
00:37:34: Er war es, der eigenhändig sämtliche Bilder an den Wänden ihres Appartements
00:37:38: aufhängte.".
00:37:40: Und als absoluter Höhepunkt der bürgerlichen Domestizierung schenkte der Spross der mächtigsten deutschen Industriedynastie, der Stadtbekannten prostituierten allen Ernstes einen Werkzeugkasten.
00:37:52: Er nannte seine geliebte Zärtlich Fohlen und die geschäftliche Distanz war ohnehin marginal – Die Frankfurter Kruppniederlassung lag bezeichnenderweise nur zwei G-Minuten vom Tatort entfernt in der Stiftstraße dreißig.
00:38:06: Die Domestizierung ihrer Welt ging so weit, dass auf dem grünen Ohrenbackensessel in ihrem Wohnzimmer angeblich niemand außer ihm Platz nehmen durfte.
00:38:16: Eine Insel der elitären Exklusivität mitten im Empfangszimmer einer Prostituierten.
00:38:21: Doch als Rosemarie Nitri Bitt die unsichtbare Grenze überschritt und ihn mit dem Wunsch nach Heirat und Familie konfrontierte prallte sie hart gegen das Kraftfeld der Macht.
00:38:32: Der Krupperbe reagierte schockiert.
00:38:36: Für eine Ehe mit ihr, so belehrte er sie zynisch, müsse man wohl zum Mond reisen.
00:38:42: Er stieß sie weg.
00:38:43: Bei ihrem letzten Treffen am XXIII.
00:38:46: Oktober wollte sie ihn auf einer Reise ins Elsas begleiten.
00:38:50: Er lehnte ab, flüchtete sich in eine Notlüge und fuhr allein in seinem grauen Jaguar davon.
00:38:57: Eine tragische Fußnote der Kriminalgeschichte.
00:39:00: Hätte er ihr an diesem Tag gestattet in seinen Wagen zu steigen, wäre sie in der Woche ihres Todes nicht in Frankfurt gewesen.
00:39:08: Oder – und diese Frage ist rein spekulativ – lehnte Harald von Bohlen und Halbach die Reisebegleitung vielleicht deshalb ab um sicherzustellen dass Rosemarie vor Ort blieb?
00:39:20: Wie tief diese Verstrickung reichte, zeigte sich am späten Abend des ersten November adhesive und fünfzig exakt an jenem Tag als die Leiche entdeckt wurde.
00:39:32: Harald von Bohlen und Halbach wählte die Nummer des Appartements in der Stiftstraße – doch anstelle seiner Blonden Geliebden meldete sich plötzlich eine fremde Männerstimme mit einem knappen Hallo!
00:39:43: Es war die Kriminalpolizei am Tatort.
00:39:45: Konstaniert und ahnungslos legte der Essener multimillionär auf.
00:39:50: Und wie reagierte der Apparat der jungen Bundesrepublik auf diesen Mann, als er zwei Tage später am Sonntag den dritten November zur offiziellen Vernehmung geladen wurde?
00:40:02: Behandelte man ihn wie den Handelsvertreter Heinz Polmann, den man durch das Blitzlichtgewitter der Reporter zerrte?
00:40:09: Nein.
00:40:10: Für den Krupperben öffneten sich im Frankfurter Polizeipräsidium lautlos die Türen des Hintereingangs.
00:40:17: Er durfte das Gebäude heimlich und abgeschirmt betreten, um der lauernden Presse zu entgehen.
00:40:31: Da er sie erst später kennengelernt hatte, erkannte er brüskiert dass es vor ihm bereits einen anderen Elitären Harald gegeben haben musste weshalb er sich selbst fortan zynisch aber passend Harald der Zweite nannte.
00:41:03: Harald Quant In den Ermittlungsakten geführt als Harald I Sohn von Magda geborene Behrend Später Ritchell und Günter Quant Stiefsohn von Josef Göbbels Adoptiert in die Quant-Industriefamilie, jenes Konglomerat dessen Tentakel bis in die Automobilindustrie reichten und reichen.
00:41:24: Eine Biografiedunkel und verworren wie ein Kapitel das man aus den Schulbüchern heraus schneidet.
00:41:30: In denen später wieder aufgetauchten Vernehmungsprotokollen schilderte der Industrielle den Beamten überaus diskret den Beginn dieser Affäre.
00:41:38: Es war im April oder Mai, da sich an einem Abend auf die Idee kam, die Nitri Bit aufzusuchen.
00:41:46: Gab Quant zu Protokoll.
00:41:48: Und wie setzt ein Mann seiner Klasse so eine spontane Idee in die Tat um?
00:41:53: Er lässt sich chauffieren!
00:41:55: Doch er wusste bei seiner Aussage nicht einmal mehr genau, in welchem seiner Luxuswagen er an jenem Abend eigentlich vorfuhr.
00:42:03: Entweder – so gab er Nüchtern an geschah dies in seinem Mercedes-Benz Zweihundertzwanzig Cabriolet mit dem Frankfurter Kennzeichen X-Näun und Neunzig oder in seinem grauen Mercedez Dreihundert SL Roadster.
00:42:19: Ein Mann, der sich zu einer prostituierten Fahren lässt und sich nicht erinnern kann ob sein Chauffeur dafür das mondäne Cabriolee oder den Dreihundert SL roadster Das Fahrzeug dass die Zeitschriften als schönstes Auto der Welt feierten aus der Garage holte.
00:42:37: Das sind keine bloßen Fortbewegungsmittel mehr, das sind Fahrzeuge bei deren Anblick ein Polizist auf der Straße nicht den Arm zum Anhalten hebt.
00:42:47: Er grüßt – er winkt durch!
00:42:49: Dieser elitäre Fuhrpark selbst fungierte als diplomatische Immunität auf vier Rädern.
00:42:55: Doch ist Ihnen der Widerspruch aufgefallen verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer?
00:43:02: Wenn Harald Quandt erstmals im April oder Mai, und dann war bei Rosemarie, dann konnte er nicht Harald der Erste sein.
00:43:11: Denn Harald von Bohlen und Halbach gab an die Nitri-Bit bereits im März kennengelernt zu haben.
00:43:17: Konnte oder wollte Harald Quant sich nicht an sein erstes Treffen erinnern?
00:43:22: Im Gegensatz zu Harald dem zweiten versteckte Quant seine Bekanntschaft mit der Halbwelt nicht in abgedunkelten Wohnzimmern!
00:43:30: Rose Marie Nitribit tauchte sogar offen auf seinen legendären, ausschweifenden Partys in seiner Bad-Homburger Villa auf.
00:43:38: Doch betrachten wir nun die forensische Aktenrealität oder besser gesagt – Betrachten wird das was nicht mehr da ist!
00:43:47: Wenn Sie heute in das hessische Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden gehen um die Ermittlungsakten zu diesem Mann zu studieren werden sie Zeuge eines bürokratischen Wunders.
00:43:58: Die Bestände wurden, wie die Journalistin Helga Dierichs in den neunziger Jahren herausfand still und leise um mehrere hundert Seiten erleichtert.
00:44:07: Die persönlichen Vernehmungsprotokolle von Harald Quant – sie fehlen in den Beständen völlig!
00:44:13: Der Name des Industriellen taucht nur noch schemenhaft in den Aussagen anderer Zeugen auf, getarnt hinter dem Kürzel HQ oder als Diplom-Ingenieur Harald Quandt.
00:44:25: Warum diese beispiellose staatliche Protektion?
00:44:29: Harald Quant war nicht nur der Stiefsohn von Josef Göbbels.
00:44:32: Er war ein zutiefst traumatisierter Mann, dessen Mutter am Ende des Krieges seine sechs Halbgeschwister im Führerbunker vergiftet hatte bevor sie gemeinsam mit ihrem Mann mit Blausäure Suizid beging.
00:44:44: und er war – und das ist entscheidend!
00:44:47: Der Vorstandsvorsitzende der Industriewerke Karlsruhe einer der wichtigsten Waffen- und Munitionsfabriken der jungen Republik.
00:44:55: Die Konsequenz einer ernsthaften Mordermittlung gegen diesen Mann, gegen das Gesicht der westdeutschen Rüstungsindustrie wäre in den Chefetagen des Bundeskanzleramts als Anschlag auf die Republik selbst verstanden worden.
00:45:08: Das Wirtschaftswunder war kein abstraktes Konzept!
00:45:12: Es hatte Namen, Gesichter, Aufsichtsratsposten – die Behörden wussten das und sie handelten entsprechend indem Sie Akten verschwinden ließen.
00:45:28: Der spätere Playboy und Fotograf, damals noch ein junger Lebeman.
00:45:32: Und sein älterer Bruder Ernst Wilhelm der Industrielle, der die Geschäfte der Fichtel- und Sachs AG dirigierte.
00:45:40: Ernst Wildhelm hatte definitiv eine sexuelle Beziehung zu Rosemarie.
00:45:44: Gegenüber der Schweinfurter Kriminalpolizei gab er zu dass sie ihn in seiner Privatwohnung besuchte dort mehrere Tage blieb und übernachtete.
00:45:53: Er gab wörtlich zu Protokoll, dass Verhältnis zwischen der Rosemarie Nitri Bitt und mir beruhte einzig und allein auf einer erotischen Grundlage ohne jegliche ernste Absichten.
00:46:06: Rose Marie Nitri-Bitt soll einer Vertrauten erzählt haben sie sei sehr verliebt in Ernst Sachs gewesen.
00:46:13: Sie besuchte ihn sogar in Schweinfurt In seiner Privatwohnung in der Frankenstraße.
00:46:18: Man muss sich diesen Moment vorstellen um seine psychologische Sprengkraft zu begreifen.
00:46:23: Das weisen Kind aus der Eifel betritt das Heiligtum der bürgerlichen Existenz.
00:46:29: Und sie nahm etwas mit aus dieser Welt!
00:46:32: Die Polizei fand in ihrem Nachlass eine professionelle Fotoserie von Ernstels Privatwohnung, diese Bilder zeigten das Interieur der Elite – Stilmöbel gepaart mit dem Kitsch des Wirtschaftswunders.
00:46:45: Und genau diese Fotos dienten der Edelprostituierten später als direkte Blaupause, als sie im Herbst nineteenhundertfünfundfünfzig versuchte in ihrem eigenen Frankfurter Appartement das Großbürgertum zu kopieren.
00:46:59: Ernst Wilhelm Sachs gab gegenüber der Polizei zu Protokolle er habe den Kontakt im Herbz neunzehnhundert fünfundfünftig endgültig abgebrochen.
00:47:08: eine glatte Lüge die die Ermittler höflich über sahen.
00:47:11: Tatsächlich saßen die beiden noch im Sommer, neunzehnhundertsechsundfünfzig gemeinsam in Frankfurter Restaurant Bruno.
00:47:19: Eine scheinbar unwichtige Randnotiz wenn da nicht dieses forensische Detail wäre – Bruno war exakt das geheime Codewort dass Rosemarie Nitri Bit beim telefonischen Auftragsdienst der Deutschen Bundespost verwendete.
00:47:34: Auch der jüngere Bruder Gunther hatte nachweislich Kontakt zu Rosemari.
00:47:39: Er verließ eine Party in Bad Homburg gemeinsam mit ihr und ihrer Freundin Inge.
00:47:44: Auch wenn es an diesem Abend nicht beim Smalltalk blieb, floss hier kein Geld für ihre Dienste.
00:47:51: Im Gegenteil – da Gunther keinen Auto dabei hatte, steckten Rosemarie und ihre Freundinnen dem industriellen Sohn sogar zwanzig Mark für ein Taxi zu.
00:48:01: Gunther Sachs versuchte die Verstrickung Ende der Neunzigerjahre in einem Interview zu vertuschen, indem er über seinen Bruder Ernst Wilhelm behauptete – ich glaube nicht dass er sie kannte.
00:48:13: Die damaligen Polizeiakten und das eigene Geständnis von Ernst Willhelm widerlegen diese Schutzbehauptungen jedoch vollständig.
00:48:21: Doch wie behandelte die Frankfurter Kriminalpolizei den jungen Multimillionär Gunther Sax als man ihn nach dem Mord in die Mangelnamen?
00:48:30: Wenn Sie die wahre Ausprägung der Elite de Vianz sehen wollen, dann hören sie gut zu.
00:48:36: Gunther Sax erinnerte sich Jahre später zynisch daran, dass die Mordkommission ihm gerade einmal zehn Minuten lang oberflächliche Routinefragen stellte.
00:48:46: Danach interessierten sich die ermittelnden Beamten plötzlich brennend für etwas anderes... Sie begannen mit dem Millionenerben fachsimpelnd über die Direkteinspritzung seines Mercedes, dreihundert SL-Flügeltürers zu diskutieren.
00:49:01: Die Technik eines hochgezüchteten Sportwagens war den Kriminalisten wichtiger als die Ermordungen einer Prostituierten.
00:49:22: In der forensischen Psychologie kennen wir die Maske der Normalität Jene Fähigkeit des Psychopathen, sein inneres Chaos hinter einer Fassade des Charms und der Normalität zu verbergen.
00:49:35: Im Kontext der Kriminalität der Eliten begegnen wir einem Verwandten aber weit aus effektiveren Phänomen – der Maske der Respektabilität.
00:49:45: Diese Maske wird nicht aus Charm gewoben.
00:49:48: Sie besteht aus Geld Aus Familiengeschichte Aus industriellem Einfluss aus dem Netzwerk der gegenseitigen Gefälligkeiten, dass die Ehre Adenauer wie ein unsichtbares Spinnennetz durchzog.
00:50:01: Betrachten wir vor diesem Hintergrund das Räderwerk der Ermittlungen, was mit einer geradezu obszönen zwei Klassenmechanik malte Heinz Polmann Handelsvertreter verschuldet Einflusslos wurde von der Presse gejagt Wie ein toll wütiges Tier.
00:50:18: Die illustrierte Quick startete eine Kampagne, für die der Begriff vor Verurteilung durch die Medien wie maßgeschneidert erscheint.
00:50:26: Der Mörder ist unter uns", titelte das Blatt.
00:50:29: Man veröffentlichte seine Memoaren.
00:50:31: Man bot Belohnungen an – man rief die Millionenleser Schaft zur Jagd auf!
00:50:36: Es war eine öffentliche Hinrichtung des Rufs noch bevor ein Richter das Wort ergriffen hatte.
00:50:47: Ihre Anwälte regelten Details im Hinterzimmer.
00:50:50: Ihre Namen blieben in den Akten und hinter den Akken unter Verschluss, für Jahrzehnte gesperrt im hessischen Hauptstaatsarchiv.
00:50:58: Wer ordnet so etwas an?
00:51:00: Ein Kriminalobermeister?
00:51:02: Ein Sachbearbeiter der Mordkommission?
00:51:04: Nein!
00:51:05: Solche Befehle kommen von ganz oben – von den Ebenen auf denen Telefonhöre als Waffen funktionieren.
00:51:13: Diese schützende Maske der Respektabilität führte zu einer Ermittlungslogik, die forensisch schlichtweg absurd war.
00:51:21: Nehmen wir die Alibis der elitären Junggesellen.
00:51:25: Männer wie Harald von Bohlen und Halbach oder Ernst Wilhelm Sachs besaßen hochgezüchtete Sportwagen.
00:51:32: Der Essener fuhr ein Jaguar XK – der Schweinfurter einen Mercedes-Dreihundert SL Flügeltyrer.
00:51:39: Über die damals nachts völlig leeren Autobahnen hätten diese Männer in etwas mehr als drei Stunden unbemerkt in die Frankfurter City rasen können.
00:51:47: Doch die Frankfurtagriminalpolizei schloss derartige nächtliche Fahrten zur Beweisvernichtung oder im Effekt kategorisch aus.
00:51:55: Warum?
00:51:57: Weil hier eine fatale, geradezu unterwürfige Dynamikgriff.
00:52:02: Soziale Annahmen traten an die Stelle harter forensischer Prüfungen.
00:52:07: Man unterstellte der Prominenz schlichtweg, nachts selbstverständlich und brav in ihren Betten gelegen zu haben.
00:52:13: Ganz besonders bei einem Spross wie Harald von Bohlen und Hallbach, der aus einer Familiendynastie stammte, deren Lebensführung von eiserner preußischer Stränge absurden Disziplinvorstellungen und patriarchalischer Härte geprägt
00:52:28: war.".
00:52:30: Wer aus so einem Haus kommt, der fährt nachts nicht im Jaguar zu einer Prostituierten um diese zu töten.
00:52:36: So dachte die
00:52:37: Kripo.".
00:52:39: Noch bequemer machte man es sich bei der eigentlichen Überprüfung – Die Frankfurter Ermittler setzten sich nicht etwa selbst in ein Auto, um die Fabrikanten in ihren Willen ins Kreuzverhör zu nehmen.
00:52:50: Sie delegierten diese lästige Pflicht einfach an die kleinen oft völlig eingeschüchterten örtlichen Polizeiposten in der Provinz.
00:52:58: Und wenn dort ein Dorfgenndarm vor dem größten Arbeitgeber der Region stand, reichte es den Beamten bereits völlig aus, wenn Hausangestellte oder wirtschaftlich abhängige Untergebene die Anwesenheit ihres Chefs bestätigten.
00:53:12: Belastbare Kreuzverhöre für die kritischen Nachtstunden?
00:53:16: Fehlanzeige!
00:53:17: Wenn die Polizei das Alibi eines Multimillionäres von dessen eigenen Angestellten absegnen lässt ist die Wahrheitsfindung bereits im Vorfeld gestorben.
00:53:28: Wenn sie nun aber glauben, die Kriminalpolizei habe generell mit Samthandschuhen und ehrfürchtiger Zurückhaltung ermittelt dann irren Sie sich.
00:53:38: Die Härte des Rechtsstaates existierte durchaus – sie traf nur zielsicher die Falschen!
00:53:43: Wenn wir das unfassbare Ausmaß dieser elitären zwei Klassenjustiz begreifen wollen müssen wir nun jenen Mann auf den Sektionstisch legen der diese Ermittlungen buchstäblich nicht überlebt hat.
00:53:55: Sein Name war Endler.
00:53:57: Im heiligen Kalender der Toten stand lediglich der kryptische Eintrag Rolf Endler, München-Schräg-Düsseldorf.
00:54:05: Die Düsseldorfer Polizei fand niemandem – doch die Münchner Kripo präsentierte im Herbst, in den ersten Jahren, in der IS Manninger Straße.
00:54:22: Ein unbescholtener Biedermann, der zwei Angestellte ernährte und mit dem Milieu nichts zu tun hatte.
00:54:28: Doch weil dieser Mann keine schützende Maske der Respektabilität in Form eines Millionen Vermögens trug entfesselte der Staat nun seine ganze blinde Härte.
00:54:39: Sieben Wochen lang machten die Ermittler diesem Kaufmann das Leben zur Hölle!
00:54:45: Er wurde massiv beschattet – bis zu fünf Stunden am Stück verhört für das Verbrecheralbum fotografiert.
00:54:52: Man nahm ihm Handflächenabdrücke ab und steckte ihn zwischendurch sogar ins Untersuchungsgefängnis.
00:54:58: Die forensische Logik der Kriminalbeamten war dabei von einer geradezu obszönen zerstörerischen Bösartigkeit.
00:55:05: Als Endler verzweifelt zu Protokoll gab, er habe als einfacher Mittelständler überhaupt nicht das Geld für eine Luxusfrau wie die Nitribit drehten die Beamten dies in ein eiskaltes Motiv um – eben!
00:55:17: Darum haben sie Sie auch ausgeraubt….
00:55:20: Und erinnern Sie sich an die Sportwagen-Logik der Elite?
00:55:24: Den Millionären attestierte man höflich, sie könnten mit ihren hochgezüchteten Jaguar und Mercedes-Sportwagen unmöglich über Nacht nach Frankfurt rasen.
00:55:32: Bei dem kleinen Lebensmittelhändler Endler jedoch reichte der bloße Besitz eines behäbigen VW-Transporters als tödliches Mordindiz.
00:55:42: Die Beamten blachten ihn an.
00:55:43: Na also!
00:55:44: Damit sind sie dann über Nacht in Frankfurt gewesen.
00:55:47: Am nächsten Morgen waren sie schon wieder zurück.
00:55:50: Dieses staatliche Mathürium endete erst am neunzehnten Januar, und zwei Kriminalbeamte tauchten im Geschäft des völlig zerstörten Kaufmanns auf.
00:56:01: Zündeten Juvial seine Kartalfotos vor seinen Augen an und verabschiedeten sich mit den Worten – Sie haben aber ein Mordsglück Herr Endler!
00:56:10: Es ist alles in Butter.
00:56:12: Jetzt können sie wieder ruhig schlafen.
00:56:15: Rudolf Endler schlief tatsächlich ruhig.
00:56:17: Knapp zwölf Stunden nach diesem Besuch erlag der Kaufmann in einem Münchner Krankenhaus einen massiven Herzinfarkt.
00:56:24: Er wurde zu Tode ermittelt, eine offizielle Entschuldigung der Behörden an seine Familie gab es nie – das verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer ist die absolute ungeschminkte Fratze der Elite de Vianz.
00:56:37: Während der Apparat vor den Werkstoren der Schwerindustrie kuscht bricht er dem einfachen Bürger das Genick.
00:56:55: Jedes große Theater-Stück braucht einen Schurken Und wenn der wahre Schurke zu mächtig ist, um ihn in den Zeugenstand zu zwingen muss die Dramaturgie einen Ersatz produzieren.
00:57:07: Auftritt Heinz Polmann – er war kein Freier, er war ein Freund, ein Handelsvertreter, verschuldet…ein Mann, der die Nitribit manchmal um Geld bat und dem sie manchmal gab was sie hatte.
00:57:21: Er war das schwächste Glied in der Kette derer, die Zugang zu ihr hatten.
00:57:28: Kein Industriekonglomerat im Rücken, keine Anwaltskanzlei mit direkter Leitung ins Kanzleramt.
00:57:35: Er war am neunzwanzigsten Oktober in der Wohnung gewesen.
00:57:38: Danach tauchte er plötzlich mit Geld auf, zahlte Schulden zurück, kaufte sich ein Fahrzeug – das Indiziennetz wirkte erdrückend wenn man bereit war einen Diebstahl mit einem Mordgleich zu setzen.
00:57:55: Und die Schatten der Mächtigen blieben, wo Schatten immer bleiben.
00:57:59: In der Dunkelheit.
00:58:01: Im nächsten Kapitel wird Anche uns mehr über Heinz Polmann und den gegen ihn geführten Prozess berichten.
00:58:13: Wenden wir uns der modernen Kriminalistik zu.
00:58:15: Neue Recherchen und Analysen legen ein Szenario nahe das ich Ihnen heute als Hypothese unterbreite Als forensisch plausibles Konstrukt dass mehr Widersprüche löst als die bisherigen Einzeltätertheorien.
00:58:29: Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, lassen Sie uns dieses Szenario als die zwei Täter-Hypothese bezeichnen.
00:58:37: Die beiden Täterprofile definieren wir dabei wie folgt – der emotionale Täter!
00:58:43: Der Mörder im eigentlichen Sinne.
00:58:44: Er ist Täter Nummer eins.
00:58:46: Die forensischen Befunde sprechen wenn man sie ohne ideologische Vorannahmen liest eine deutliche Sprache.
00:58:54: Rose Marie Nitribit wurde manuell erwürgt.
00:58:57: Zuvor erlitt sie ein Schädelhirntrauma, weil sie mit dem Hinterkopf mit der Wucht des freien Fals krachend auf die harte Kante einer Sessellehne aufschlug.
00:59:07: Kurz möchte ich hier noch ergänzen dass andere Quellen einen Schlag mit einem schweren stumpfen Gegenstand als Ursache vermuten wobei ein massiver Glasaschenbecher als plausibelster Kandidat gehandelt wird der auch nach ihr geworfen worden sein könnte.
00:59:24: als sie zum Telefongriff.
00:59:26: und dann Das Handtuch.
00:59:28: Ein Tuch sorgfältig unter ihren Kopf gelegt, um das Blut aufzufangen, um den Schaden zu begrenzen oder eine letzte instinktive Geste der Sorge zu vollziehen.
00:59:41: Ein professioneller Killer tut dies nicht – ein rationaler Raubmörder hat dafür keine Zeit und keine emotionale Kapazität.
00:59:50: Das Handtuch ist die Handschrift einer Person, die in diesem Moment nach der Tat Sekunden oder Minuten lang nicht kalt sondern überwältigt war.
01:00:00: Von Reue von Schock – von dem Versuch das unumkehrbare umzukehren.
01:00:07: Das Profil deutet auf jemanden aus dem persönlichen Umfeld hin.
01:00:11: Einen Liebhaber einen eifersüchtigen Jemandem der die Kontrolle verlor In einem Streit In einem Affekt, in dem kurzen fatalen Moment, in den Emotionen die Vernunft überrollt.
01:00:27: Der rationale Opportunist – der Dieb!
01:00:31: Er ist Täter Nummer zwei.
01:00:34: Hier kehrte Heinz Pullmann ins Bild zurück aber in einer anderen Rolle.
01:00:39: Das Szenario Pullman erscheint zu einem späteren Zeitpunkt in der Wohnung für einen vereinbarten Besuch Für ein Darlehensgespräch wie es zwischen ihnen üblich war.
01:00:50: Er findet die Tür unverschlossen oder besitzt einen Schlüssel.
01:00:54: Er tritt ein, er findet die Tote und er findet das Geld.
01:00:58: Es ist dokumentiert dass Rosemarie Nitri Bit erhebliche Summen in Bar in der Wohnung aufbewahrte.
01:01:05: Schätzungen belaufen sich auf rund zwanzig tausend.
01:01:08: Mark Polmann steht vor einer Entscheidung die in ihrer Grausamkeit rein rationalist.
01:01:14: Er ruft die Polizei dann wird er der verschuldete Vorbestrafte mit bekannten finanziellen Verbindungen zur Toten sofort zum Hauptverdächtigen.
01:01:25: Oder er greift das Geld, verlässt die Wohnung und schweigt?
01:01:29: Er will das schweigen!
01:01:31: Das erklärt seinen plötzlichen Reichtum, sein auffälliges Verhalten – es erklärt warum er weder überzeugend die Unschuld beteuern noch glaubwürdig die Wahrheit sagen konnte denn die Wahrkeit hätte ihn als Dieb
01:01:44: überführt.".
01:01:45: Dieses Szenario löst die zentralen Widersprüche des Fals.
01:01:50: Es macht Polmann zum Mitschuldigen, nicht am Mord sondern an der Vertuschung durchschweigen.
01:01:56: Es stellt aber die entscheidende Frage mit schonungsloser Schärfe – wer war Täter Nummer eins?
01:02:02: Wer hat Rose Marie Nitri-Bitt getötet?
01:02:05: und war dies jemand dessen Name im schwarzen Notizbuch stand und dessen Verfolgungen durch das Kraftfeld der Macht verhindert
01:02:13: wurde?".
01:02:14: Während die Polizei gespenstern hinterherjagte wie etwa der bereits von Antje erwähnten abstrusen Legende um eine angebliche Jugendliebe namens Peter, der Jahre zuvor in die fremden Legion geflüchtet sein sollte ignorierte sie handfeste brandgefährliche Motive in den allerhöchsten Kreisen völlig.
01:02:34: Denn das Kraftfeld der Elite birgt nicht nur Geld.
01:02:37: es birgt das Motiv der totalen Existenzvernichtung.
01:02:41: Nehmen wir Fritz Huschke von Handstein, den legendären Rennleiter von Porsche.
01:02:46: Ein Mann der Öffentlichkeit ein Held des Motorsports.
01:02:50: Jahre später gab er zu Protokoll dass er von Rosemarie Nitri Bit massiv erpresst worden sei.
01:02:57: Sie sei unangekündigt am Nürburgring aufgetaucht und habe knallhart gedroht, ihre Notizen über das Intimleben des Porsche-Fahrers zu veröffentlichen wenn von Handstein keine weiteren Rendezvous mit anderen Rennfahrern für sie arrangiere.
01:03:12: Eine Stadtbekannte prostituierte die dass aller Heiligste das Fahrerlager und die Ehe eines Prominentens infiltriert und ihn mit der Zerstörung seines Rufs erpresst?
01:03:24: Ein solch greifbares Erpressungsmotiv bietet forensisch unendlich viel mehr Sprengstoff als alle konstruierten Raubmord-Theorien.
01:03:32: Doch die Ermittler blickten höflich weg, wer die Macht besitzt sich seine eigenen Alibis auf hektografiertem Porsche Briefpapier selbst zu diktieren den fragt man nicht nach seinen Mordmotiven.
01:04:01: Ich möchte nun kurz aber präzise den theoretischen Rahmen abstecken der diesen Fall in einen größeren Kontext einbettet.
01:04:10: Der Begriff der Elite-Deviance beschreibt abweichendes und kriminelles Verhalten, das von den oberen gesellschaftlichen Schichten begangen wird.
01:04:18: Sie unterscheidet sich strukturell von der sogenannten Straßenkriminalität.
01:04:35: Im Fall Nitri Bit sehen wir die Mechanismen der Elite-Deviance in ihrer klassischen, reinsten Ausprägung.
01:04:42: Erstens Die Quanz und die Bohlen und Halbachs mussten nicht in einer zugigen Zelle auf dem Polizeirevier warten – sie wurden diskret zitiert oder ihre Anwälte erschienen stellvertretend.
01:04:55: Sie hatten Zugang zu Entscheidungsträgern.
01:04:57: Zweitens Die Presse skandalisierte die Hure schützte aber die Freia.
01:05:03: Die Elite hat die Macht zur Kontrolle der Narrative.
01:05:06: Drittens Akten verschwanden.
01:05:09: Archive wurden für Jahrzehnte gesperrt, wer hat die macht so etwas anzuordnen und die Justiz zu beeinflussen?
01:05:17: Wer hat die Kraft das Räderwerk der Strafverfolgung zum Stillstand zu zwingen?
01:05:23: Nicht durch illegale Eingriffe sondern durch den zarten kaum hörbaren Druck des Staatsresorts.
01:05:29: Verehrte Zuhörerinnen Wenn Sie glauben, dass spurlose Verschwinden von polizeilichen Vernehmungsprotokollen sei bereits der Gipfel der Elite de Vianz.
01:05:39: Dann lassen sie mich Ihnen nun die absolute Perversion dieses Systems präsentieren!
01:05:45: Was passiert wenn die Macht die Kontrolle über das Narrativ verliert?
01:05:50: Was passiert... ...wenn das auserkorene Bauernopfer Heinz Polmann den Spieß plötzlich
01:05:56: umdreht?!
01:05:58: Anfang neunzehnhundertneunundfünfzig Polmann war wieder auf freiem Fuß, witterte der ehemalige Handelsvertreter das große Geld.
01:06:07: Er begann seine detaillierten Memoaren an die illustrierte Quick zu verkaufen.
01:06:12: Als in den feinen Gesellschaften das Gerücht aufkam Die illustriierte Plane Prominente Namen zu nennen brach in den Chefetagen der Schwerindustrie die nackte Panik aus.
01:06:23: Und wie reagiert die Elite auf eine solche Bedrohung?
01:06:26: Sie kauft sie!
01:06:27: Niemand Geringeres als Harald von Bohlen und Hallbach in direkter Absprache mit Alfred Krupp und dem Konzernlenker Berthold Beitz heuerte heimlich einen Hamburger Medienanwalt an.
01:06:39: Der Auftrag dieses Juristen, der verdeckt als Vertreter einer Filmfirma-Auftrat war an Zynismus nicht zu überbieten – er sollte das Schweigen des Heinz Polmann juristisch wasserdicht erkaufen!
01:06:52: Die Kosten für diese verdeckte Operation, so war es intern vereinbart, sollte vorläufig die Firma Krupp übernehmen.
01:06:59: Lassen Sie sich diese Summen auf der Zunge zergehen!
01:07:07: Nach Verhandlungen stand man schließlich kurz vor dem Abschluss eines Vertrages über zweihundertfünfzigtausend Mark Schweigegeld, eine Viertelmillion mark angeboten von der mächtigsten Industrie-Dynastie der Republik und den Hauptverdächtigen im Mordfall Nitribit.
01:07:22: Der Deal platzte letztlich nur durch eine geradezu absurde Komplikation auf einem Münchner Filmball.
01:07:28: Ausgerechnet ahnt von Bohlen & Hallbach steckte Polmann dort ahnungslos wer seine Waren elitären Hintermänner waren.
01:07:37: Polmann brach die Verhandlungen mit der Illustrierten ab, doch als die Gruppfamilie den Deal daraufhin eilig abblies sah er keinen Pfennig.
01:07:46: Die beispiellose Arroganz dieses Vorfalls gipfelte darin das Heinz-Polmann dieses Schweigegeld noch bis in das Jahr nineteenhundert fünfundsechzig allen Ernstes gerichtlich einzuklagen versuchte – bis ein Richter den Vertragsentwurf als Sittenwidrig und oppressorisch abwies.
01:08:05: Doch als wäre dieser Bestechungsversuch nicht schon absurd genug, liefert uns die Münchner Hotelbar des Kontinental im Januar, neunzehnhundertneunundfünfzig noch eine weitere geradezu obszöne Facette.
01:08:19: Denn während die Kruppdynastie versuchte Polmans Wissen zu beerdigen, versuchter ein anderer Teil der feinen Gesellschaft genau daraus Profit zuschlagen!
01:08:29: Hier begegnen uns nun die Brüder Ernstel und Gunter Sachs wieder, jene Männer, die mutmaßlich in Rose-Marie's Appartement verkehrten und in den Ermittlungsakten vorkamen.
01:08:40: Diese beiden industriellen Söhne traten nun im Hotelkontinental an den vorläufig aus der Untersuchungshaft entlassenen Mordverdächtigen heran.
01:08:49: Ihr Ziel war kein Schweigegeld – ihr Ziel war ein lukrativer Filmdeal!
01:08:54: Nachts um drei Uhr saßen die Gebrüder Sax bei Whiskey mit Heinz Pullmann an der Hotelbar, um den mutmaßlichen Mörder ihrer ehemaligen Geliebten für Probeaufnahmen einer Nitribit-Dokumentation in dem Bavaria Filmstudios zu ködern.
01:09:08: Sie boten ihm ernsthaft zehntausend Mark plus sieben Prozent Umsatzbeteiligung an und scheiterten nicht etwa an späten moralischen Skruppeln – sie unterlagen lediglich einem anderen noch gerisseneren Münchner Produzenten Duo das sie überbot.
01:09:24: Das verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer ist auch ein elementarer Bestandteil der Elite de Vianz.
01:09:30: Wenn der Staat als Schutzschild nicht mehr ausreicht, greift die Schwerindustrie zum Schäckbuch um die Wahrheit endgültig zu beerdigen.
01:09:39: Und dann ist da die Ära selbst – Die Adenauer Republik Die Zeit der Leihwagenaffäre, die zeigte wie selbstverständlich Korruption und gegenseitige Gefälligkeit das politische Gewebe durchzogen.
01:09:54: Eine Hand wuchs die andere – beide Hände waren schmutzig aber gepflegt.
01:09:59: Im Zentrum stand Hans Kilp, der persönliche Referent von Bundeskanzler Konrad Adenauer.
01:10:05: Er nahm über Jahre hinweg kostenlos Luxusautos von Daimler-Benz an, die von ihm und der Kanzlerfamilie privat genutzt wurden.
01:10:14: In der Kriminologie kennen wir zudem die Neutralisierungstechniken nach Sykes und Matzer, Täter und deren Helfer in den Behörden rechtfertigen ihr Handeln um das eigene Selbstbild zu wahren.
01:10:27: Für die Eliten der Fünfziger Jahre war Rose Marie Nitribit möglicherweise kein Mensch mit unveräußerlichen Rechten – sie war ein Schmutzfleck auf der Weste der Republik.
01:10:38: Insbesondere die mentalen Strategien der Leugnung des Opferstatus und der Verurteilung, erlaubten es den Tätern und ihren institutionellen Komplizen ruhig zu schlafen.
01:11:12: Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer – wir haben nun ausführlich über den Schutz der Eliten gesprochen!
01:11:19: Doch das perfekte Verbrechen der Mächtigen benötigt oft gar keine direkten finsteren Befehle aus dem Kanzleramt.
01:11:26: Es reicht völlig aus, wenn der staatliche Ermittlungsapparat durch seine eigene beispiellose Inkompetenz die Wahrheit unauffindbar macht!
01:11:36: Ein chaotischer Tatort ist schlimm – eine chaotische Polizeibehörde jedoch ist der beste Komplize den sich ein Mörder wünschen kann….
01:11:45: Lassen Sie uns einen Blick auf die Personalentscheidung des Frankfurter Polizeichefs Albert Kalk werfen.
01:11:52: Wir sprechen hier über den spektakulärsten Mordfall der Jungen Bundesrepublik, ein Fall voller Prominenz, Sprengstoff und komplexer Psychologie.
01:12:02: Wem glauben sie übergab der Polizeichef die Leitung dieser hoch sensiblen Mordkommission?
01:12:08: Einem erfahrenen Profiler?
01:12:10: Einen brillanten Kriminalisten?
01:12:12: Nein!
01:12:13: Kalk übertrug die Leitung dieses Jahrhundertmordes allen Ernstes dem bisherigen Chef des Einbruchsdezernats.
01:12:20: Die Begründung dafür ist Anzenismus kaum zu überbieten, der Mann sollte sich durch diesen Fall für höhere Aufgaben profilieren.
01:12:29: Ein ausgewiesener Experte für Pelzdiebstähle durfte nun also auf dem Sektionstisch der Kriminalgeschichte
01:12:35: herumdoktern.".
01:12:36: Das Ergebnis war so absehbar wie katastrophal!
01:12:40: Der Pelz-Experte wurde von der schieren Flut an Hinweisen, Visitenkarten und Prominentennamen sofort und restlos überwältigt.
01:12:48: Er schwamm völlig hilflos in seinen eigenen Ermittlungen und musste nach nur zwei Wochen wieder abgelöst werden.
01:12:54: Die ersten aller wichtigsten dreihundertsechsunddreißig Stunden einer Mordermittlung, in denen Zeugen noch Erinnerungen haben und Täter noch Fehler machen wurden von einem überforderten Diebstahlsermittler buchstäblich in den Sand gesetzt und das Chaos eskalierte weiter.
01:13:12: Wegen des massiven Personalmangels wurden Beamte aus völlig anderen Dezernaten herangezogen, die Befragungen durchführen mussten ohne auch nur den geringsten Schimmer vom aktuellen Stand der Ermittlungen zu haben.
01:13:26: Die Hilflosigkeit dieser Beamten ging so weit dass manche in ihren eigenen Protokollen nicht einmal in der Lage waren den Namen Nitribit orthografisch korrekt zu schreiben Obwohl dieser Name damals jeden verdammten Tag in Zentimeter großen Lettern auf allen Titelseiten der Republik stand.
01:13:47: Werfen wir zum Abschluss dieses Trauerspiels einen Blick auf das amtliche Fazit, dass hessische Landeskriminalamt verfasste im September, neunzehnhundertneunundfünfzig ein Bericht an den leitenden Oberstaatsanwalt, indem es diese auffallend schleppende Bearbeitungsweise rügte.
01:14:05: Das Urteil der übergeordneten Behörde über die Aktenführung der Frankfurter Kollegen war forensisch und administrativ vernichtend.
01:14:13: Ich zitiere wörtlich, Die gesamte Akte ist weder nach zeitlichen noch anderen Gesichtspunkten irgendwie geordnet so dass jede Übersichtlichkeit überhaupt fehlt.
01:14:23: Ein Mordfall der die Grundfesten der deutschen Schwerindustrie hätte erschüttern können abgelegt in einem Haufen unsortierten Papiers Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer ist die Anatomie eines perfekten bürokratischen Versagens.
01:14:39: Wer seine Akten nicht ordnet, der muss am Ende auch keine unbequemen Fragen beantworten.
01:14:49: Verehrtet Zuhürerinnen oder Zuhöhre, damit nähern wir uns dem Ende des dritten Teils unserer intensiven Analyse- und Aufarbeitung des Falls Rosemarie Nitribit.
01:15:00: Was haben wir gefunden wenn wir ehrlich sind?
01:15:02: Wir haben eine Leiche mit einem falschen Todeszeitpunkt, manipuliert durch offene Fenster und konsequente institutionelle Gleichgültigkeit gegenüber den Grundprinzipien der Rechtsmedizin.
01:15:15: Wir haben einen Sündenbock, der durch die Maschinerie der Medien gejagt und schließlich angeklagt wurde.
01:15:37: Und wir haben ein Schädel im Formalienglas, der fünfzig Jahre lang in einem Museum stand und die stumme beräteste Anklage gegen eine Epoche
01:15:47: war.".
01:15:48: Die Kriminologie der Macht lehrt uns eine Lektion, die bitter ist – und keine Verfalldauer hat!
01:15:54: Das perfekte Verbrechen ist nicht jenes bei dem keine Spuren hinterlassen werden….
01:16:00: Das perfekte Verbrechen ist jenes, bei dem die Spuren von denjenigen beseitigt werden, die eigentlich für ihre Sicherung zuständig sind.
01:16:13: Ihr Kopf landete im Glas, ihre Akte landeten im Giftschrank.
01:16:33: Ihr Ruf landete in der Gosse, in der die Gesellschaft der Fünfzigerjahre ihn haben wollte.
01:16:38: Sie war der Spiegel – der Spiegel, in den die Bundesrepublik des Wirtschaftswunders nicht blicken wollte!
01:16:46: Denn in diesem Spiegl hätte sie ihre eigene Gier gesehen… Ihre eigene Lust … Ihre eigene gut gebügelte nach Bonawax riechende
01:16:56: Korruption.".
01:16:57: Und deshalb musste der Spiegel zerbrochen werden – gründlich, methodisch für Jahrzehnte.
01:17:40: um prominente Kontakte, um Ermittlungsakten, um das Bild eines angeblichen Adressbuches und um die Frage wie viel davon tatsächlich belegt ist.
01:17:51: Wichtig bleibt ein Name in einem Umfeld ist kein Beweis, ein Kontakt ist keine Schuld.
01:17:56: eine Vernehmung ist keine Verurteilung.
01:17:58: doch in einen Fall wie diesem zeigt sich wie schnell gesellschaftliche Stellung die Wahrnehmungen verändern kann.
01:18:04: Manche Menschen wurden hart überprüft, andere wurden auffallend diskret behandelt.
01:18:09: Ob daraus eine gezielte Protektion, institutionelles Versagen oder eine Mischung aus Überforderungen, Zeitgeist und sozialer Rücksichtnahme entstand bleibt einer der großen offenen Fragen dieses Falses.
01:18:20: Im vierten und letzten Teil richten wir den Blick auf Heinz-Christian Polmann auf die Anklage dem Prozess und den Freispruch aus Mangel an Beweisen.
01:18:29: Danach schauen wir darauf wie Rose Marinettribit nach ihrem Tod weiter lebte In Filmen, Medien, Gerüchten Erinnerungen und in einem Mythos der den Menschen dahinter oft überdeckt hat.
01:18:40: Wir hören uns nächste Woche!
01:18:42: Danke dass ihr mit uns durch die Schatten gereist seid Und bleibt wachsam für die Geschichten hinter den
01:19:23: Geschichten.
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