Rosemarie Nitribitt – Glanz, Moral und der schwarze Mercedes | Teil 1
Shownotes
Dies ist Teil 1 von 4 unserer gemeinsamen Reihe über Rosemarie Nitribitt.
In diesem ersten Teil legen wir den Grundstein für die Geschichte. Wir sprechen über das Frankfurt der Nachkriegszeit, über Wirtschaftswunder, gesellschaftliche Moral, Statussymbole und die strengen Erwartungen, die besonders an Frauen gestellt wurden.
Außerdem geht es um Rosemaries frühe Lebensjahre: ihre Kindheit, Fürsorge, Heime, Pflegefamilie, Behörden und ihren wiederholten Weg nach Frankfurt. Wir schauen auf ihren sichtbaren Aufstieg, auf den Ford Taunus, den Opel Kapitän, den später so berühmten Mercedes 190 SL, den weißen Pudel und die Wohnung in der Stiftstraße 36.
Dr. Maximilian von Schattenreich ergänzt diese Folge mit seinem forensisch-psychologischen Blick auf Rosemaries Leben, ihre Außenwirkung, ihre Verletzlichkeit, ihre öffentliche Rolle und die Doppelmoral der 1950er Jahre.
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Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir und Dr. Maximilian von Schattenreich.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.
Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.
Quellen und weiterführende Literatur zu Teil 1:
- Stiftung Haus der Geschichte / LeMO: Rosemarie Nitribitt – Biografie Grundlage für Rosemaries frühe Biografie, Fürsorge, Heimunterbringungen, Brauweiler, Frankfurt, Mercedes 190 SL, Pudel, Stiftstraße 36 und die gesellschaftliche Einordnung des Falls.
- LVR / Portal Rheinische Geschichte: Jennifer Striewski: Rosemarie Nitribitt Biografische Einordnung zu Kindheit, Pflegefamilie Niedermendig, Vergewaltigung, Fürsorgeerziehung, Arbeitsanstalt Brauweiler, Frankfurt, Opel Kapitän, Mercedes 190 SL, Stiftstraße 36, Pudel und späterer Beisetzung des Schädels.
- Stiftung Haus der Geschichte / LeMO: Wirtschaftswunder Hintergrundquelle zum wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik in den 1950er Jahren.
- Stiftung Haus der Geschichte / LeMO: Wirtschaft und Gesellschaft im Westen Hintergrundquelle zu Wohlstand, Konsum, gesellschaftlichem Wandel, Auto als Statussymbol und Lebensgefühl der 1950er Jahre.
- Stiftung Haus der Geschichte / LeMO: Frauenarbeit Hintergrundquelle zu Frauenbild, Hausfrau-und-Mutter-Ideal, rechtlicher Ungleichheit und gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen in den 1950er Jahren
- Deutsches Historisches Museum: Die Hausfrau – ein Beruf im Wandel Ergänzende Quelle zum westdeutschen Hausfrauenideal der 1950er Jahre.
- Top Magazin Frankfurt: „Nitribitt-Haus“ in der Stiftstraße ist jetzt Kulturdenkmal Quelle zur späteren denkmalrechtlichen Einordnung des Gebäudes Stiftstraße 34–36 und zur Bedeutung des sogenannten „Nitribitt-Hauses“ für die Frankfurter Nachkriegsgeschichte.
- Dieter Wunderlich: Rosemarie Nitribitt – Zeittafel / Biografie Ergänzende chronologische Übersicht zu Rosemaries Lebensstationen, Mozes Natus, San Remo, Stiftstraße 36, Mercedes 190 SL, Pudel, Tod und späterer Rezeption.
Literaturhinweise:
- Helga Dierichs: Rosemarie Nitribitt – Tod einer Hure, in: Helfried Spitra Hg., Die großen Kriminalfälle, München 2003.
- Martina Keiffenheim: Edelhure Nitribitt. Die Rosemarie aus Mendig, Aachen 1998. Wendelin Leweke: Gretchen und die Nitribitt. Frankfurter Kriminalfälle, Frankfurt am Main 1991.
- Christian Steiger: Rosemarie Nitribitt. Autopsie eines deutschen Skandals, Königswinter 2007.
- Bernd Ulrich: Rosemarie Nitribitt, in: Joachim Scholtyseck / Bernd Ulrich Hg., Skandale in Deutschland nach 1945, Bielefeld 2007.
Hinweis:
Diese Folge verbindet belegbare historische Quellen, zeitgenössische Einordnung und forensisch-psychologische Deutungen. Wo über Motive, Wirkung oder innere Dynamiken gesprochen wird, handelt es sich um interpretierende Einordnungen.
Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSC
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Transkript anzeigen
00:00:03: Chronik der Schatten.
00:00:03: zwischen Legende und Wahrheit suchst du nach.
00:00:06: Jede Seite ein Flüstern, das tief in dir spricht bis die Realität...
00:00:59: Meine lieben Shadows, schön dass ihr wieder da seid!
00:01:02: Heute beginnt eine Folge, die keine einzelne Folge bleibt.
00:01:05: Sie ist der Auftakt zu einer vierteiligen Kooperation zwischen Mia, Antje von Chronik Der Schatten und Dr.
00:01:11: Maximilian vom Podcast jenseits der Beweise.
00:01:15: Einige von euch kennen ihn sicher schon, wir hatten schon mal eine Kooperationswoche über die Hinterkäifeckmorde zusammengemacht.
00:01:22: Gemeinsam widmen wir uns jetzt einem Fall der bis heute mit einem Namen verbunden ist, der in der deutschen Kriminalgeschichte Hängen geblieben ist Rose Marie Nitribet.
00:01:32: Viele kennen diesen Namen vielleicht als Schlagwort, als Skandal, als Filmfigur und als Symbol für das Frankfurt der jährlich-künftigen Jahre.
00:01:40: Für Wirtschaftswunder, schnelle Autos, teure Hotels, gesellschaftlichen Aufstieg und eine Moral die nach außen sauber wirken wollte – während hinter den Fassaden sehr viel komplizierter war als es auf den ersten Blick schien!
00:01:54: In diesem ersten Teil schauen wir zunächst auf Rosemarys Weg.
00:01:58: Auf ihre Kindheit, ihre Frühnbrüche, ihre Zeit in Heimen und Fürsorgeeinrichtungen – auf ihren Weg nach Frankfurt und den sichtbaren Aufstieg einer jungen Frau die sich in einer Welt bewegte, in der Status, Geld- und Diskretion eine enorme Rolle spielten.
00:02:14: Dabei geht es nicht darum, Rosemaria auf ein Klischee zu reduzieren!
00:02:17: Es geht darum, sie wieder als Mensch sichtbar zu machen.
00:02:20: Mit einer Biografie mit Entscheidungen und Verletzungen, Stärke und einem Leben das schon vor ihrem Tod von vielen Projektionen überlagert wurde.
00:02:34: Achtung Triggerwarnung.
00:02:36: In dieser Reihe geht es um Gewalt, Tod, Sexualität, Prostitution, Machtverhältnisse, mögliche Ausbeutung oder Ermittlungen in einem Mordfall.
00:02:46: Bitte hört nur weiter wenn ihr euch damit wohl fühlt!
00:02:54: Und damit beginnt Teil eins unserer Reihe über Rosemarinetribit.
00:02:58: Eine Geschichte über Frankfurt, über Glanz, über Fassaden und über eine Frau die bis heute viel zu oft hinter ihrem eigenen Mythos verschwindet.
00:03:23: Stellt euch einen Raum vor der nach Neubegen aussieht.
00:03:26: Luxus ist es nicht was ihn prägt.
00:03:28: Es ist dieses frische Unverbrauchte glatte Oberflächen, helles Holz.
00:03:33: Chrom, dass das Licht zurückwirft.
00:03:35: eine Wohnung die gerade erst bezogen ist vielleicht noch nicht perfekt eingerichtet aber mit einem klaren Versprechen zwischen den Zeilen.
00:03:44: es geht wieder vorwärts.
00:03:46: Die fünftiger Jahre in Westdeutschland werden oft als ein Jahrzehnt erzählt indem sich der Alltag sichtbar verändert.
00:03:52: nach Krieg und unmittelbarer Nachkriegszeit rückt für viele Menschen etwas in den Vordergrund das lange fehlte Sicherheit im Kleinen Ein geregelter Tagesablauf, ein eigener Haushalt.
00:04:04: Dinge die nicht nur praktisch sind sondern auch eine Botschaft tragen an die Nachbarn und Familie vielleicht sogar an sich selbst.
00:04:13: Wir sind wieder wer oder zumindest wir sind auf dem Weg dahin.
00:04:19: An dieser Stelle kommt ein Möbelstück ins Bild das bis heute wie eine Abkürzung für diese Jahre funktioniert.
00:04:25: Der Nierentisch geschwungene Formen, dünne schräg angesetzte Beine modern fast futuristisch und zugleich wohnlich.
00:04:34: Ein Nierentisch ist mehr als nur ein Tisch.
00:04:37: Er steht für eine Zeit in der man sich einrichtet In der Wohnung Und in der eigenen Rolle darin In einem Leben das wieder planbar wirken soll Denn dieses neue Einrichten betrifft mehr als Möbel.
00:04:50: Es geht um ein Lebensgefühl Um Aufbruch Aber im sehr bestimmten Rahmen.
00:04:56: Die Fünfziger sind geprägt vom Wunsch nach Normalität.
00:04:59: Und Normalität bedeutet in vielen bürgerlichen Vorstellungen dieser Zeit Ordnung, Disziplin, Kontrolle ein klares Familienbild Respektabilität die man nach außen zeigt.
00:05:12: Ich nenne das hier moralische Sauberkeit.
00:05:14: Gemeint ist damit ein gesellschaftliches Ideal dass damals stark wirkte.
00:05:19: Nach Außen soll alles stimmen Der Ruf, das Auftreten.
00:05:22: Das was die Nachbarn sehen und worüber sie reden könnten.
00:05:26: In einer Umgebung in der die Erinnerung an Chaos- und Zusammenbruch noch nah ist bekommt er Eindruck von Stabilität einen eigenen Wert.
00:05:34: Stabilitet ist mehr als ein Zustand – Sie wird zur Leistung!
00:05:38: Und zu einem Schutz dem Mann verteidigt.
00:05:41: Und dieser Schutz hat Regeln.
00:05:42: Regeln darüber wie eine anständige Frau aufzutreten hat wie ein richtiger Mann zu sein hat, was man sagt und was man besser nicht sagt.
00:05:51: Was man öffentlich zeigt und was lieber im Privaten verschwinden
00:05:55: soll.".
00:05:56: Es ist eine Zeit in der vieles Hintertüren bleibt – in Andeutungen, im Schweigen, im Ungesagten.
00:06:03: Offen verhandelt wird nur wenig.
00:06:05: Dabei denken längst nicht alle Menschen gleich!
00:06:08: Die gesellschaftlichen Erwartungen sind aber so stark dass jeder sie mitdenkt.
00:06:12: Wer auffällt spürt das?
00:06:14: Wer aus der Reihe tanzt wird nicht immer offen angegriffen, aber er wird gesehen, eingeordnet und bewertet.
00:06:22: Diese Spannungsfeld trägt unsere Geschichte!
00:06:25: Auf der einen Seite der sichtbare Aufstieg das moderne Leben die neuen Möglichkeiten auf der anderen Seite ein moralisches Raster dass sehr genau unterscheidet zwischen dem was als sauber gilt und dem was man als schmutzig abstempelt selbst wenn es mitten in der Gesellschaft stattfindet.
00:06:43: Damit ist dieses Zeitbild mehr als nur eine Kulisse.
00:06:47: Es bildet den Rahmen, in dem bestimmte Menschen überhaupt erst zur Projektionsfläche werden können.
00:06:52: Eine Zeit formt nicht nur Lebenswege – sie kann Menschen auch benutzen!
00:06:57: Als Symbol, als Warnung, als Skandal, als Geschichte die man weiter erzählt weil Sie an der Oberfläche glänzt und darunter Unruhe auslöst.
00:07:06: Denn in den Fünfzigern ist Oberflächen keine Nebensache.
00:07:09: Oberfläche ist Aussage, sie ist Status.
00:07:12: Sie ist Schutzschild und manchmal auch Maske.
00:07:15: Und jetzt nehmen wir genau dieses Bild diese glänzende ordentliche Oberfläche und stellen sie in eine Stadt die wie kaum eine andere für Tempo Geld- und Widersprüche steht.
00:07:25: Frankfurt.
00:07:58: Frankfurt ist in den Fünfzigang kein stilles Nachkriegsbild.
00:08:01: Frankfurt ist Bewegung Eine Stadt die sich neu zusammensetzt Wiederaufbau Verwaltung Handel Banken Messe Menschen, die pendeln Heimkern neu anfangen.
00:08:12: Man kann durch diese Straßen gehen und spüren dass hier vieles auf Geschwindigkeit ausgelegt ist.
00:08:18: Wer hier isst will etwas Einen Job Ein Platz Eine Chance Oder den nächsten Schritt nach oben.
00:08:24: Gleichzeitig ist Frankfurt nicht eine Welt.
00:08:27: Frankfurt sind mehrere Welten die nebeneinander liegen Manchmal sogar Tür an Tür Und doch nach völlig unterschiedlichen Regeln funktionieren.
00:08:36: Da ist die Innenstadt mit ihren Schaufenstern, dem Büros den besseren Adressen.
00:08:41: Orte an denen man nicht nur einkauft oder arbeitet sondern sich zeigt.
00:08:45: Wer hier auftritt sendet ein Signal Ich gehöre dazu Oder ich will dazugehören Und gerade in einer Zeit in der Oberfläche so viel bedeutet wird dieses Dazuge hören schnell zu einer Frage von Details Kleidung Auftreten Umgang Selbstverständlichkeit.
00:09:03: Und dann gibt es Viertel, in denen die Stadt eine andere Sprache spricht – praktischer, direkter, rauer.
00:09:10: Dort spielt sich vieles ab, worüber man am Nierentisch lieber schweigt, obwohl es fest zur Stadt gehört.
00:09:15: Auch diese Orte sind Teil derselben Wirklichkeit nur eben weniger repräsentativ, weniger vorzeigbar.
00:09:22: Eine Stadt kann sehr gut darin sein ihre eigenen Widersprüche zu ordnen, sichtbar dort unsichtbar hier und doch eng miteinander verbunden!
00:09:32: Wichtig ist mir dabei etwas, das wir sauber halten müssen.
00:09:35: Frankfurt ist weder pauschal ein moralisch verrufener Ort noch romantische Unterwelt.
00:09:41: Das wären Klischees und Klischee verzernen.
00:09:44: Es geht nicht darum Viertel zu stempeln oder Menschen automatisch zu kriminalisieren.
00:09:49: es geht um die Funktion.
00:09:51: Frankfurt bietet Räume in denen man aufsteigen kann Und Räime in denen Man fällt oder sich versteckt.
00:09:59: Und manchmal sind es dieselben Räume nur zu unterschiedlichen Tageszeiten, unter anderen Blicken mit anderen Regeln.
00:10:06: Frankfurt ist auch eine Stadt der sozialen Schichtung – man sieht sie nicht nur am Kontostand sondern am Zugang!
00:10:12: Wer kennt wen?
00:10:13: Wer kommt durch welche Tür?
00:10:15: Wer wird vom Portier gegrüßt und wer wird erst einmal gemustert?
00:10:19: Wer kann in einem Café sitzen ohne dass es auffällt und wer fällt auf sobald er den Raum
00:10:24: betritt?!
00:10:25: In einer Stadt in der Tempo und Status so sichtbar sind, wird Zugehörigkeit manchmal leiser entschieden als gedacht.
00:10:32: Nicht durch Worte sondern durch Blicke!
00:10:45: Ein falscher Umgang, ein Name zur falschen Zeit.
00:10:57: Eine Person die nicht in die Schublade passt oder die sich nicht damit abfindet dass sie dort hineingesteckt wird.
00:11:04: In diesem Stadtbild entsteht die Bühne für unsere Geschichte.
00:11:08: eine Stadt die modern wirken will und modern wird in der zugleich ein strenges Bild davon herrscht wer dazugehört und wer nicht.
00:11:16: Eine Stadt in der sich Wege kreuzen macht und Geld Sehnsucht und Risiko oft ohne dass darüber offen gesprochen wird.
00:11:25: Man arrangiert sich, man schaut weg oder man schaut hin und macht daraus eine Erzählung Denn Orte sind nicht nur Orte.
00:11:34: Eine Adresse ist nicht nur eine Adresse.
00:11:36: Ein Viertel ist nicht ein Viertell.
00:11:38: In einer Stadt wie Frankfurt sind sie Signale – ein Code!
00:11:43: Frankfurt wirkt dabei wie ein Beschleuniger.
00:11:45: Wer hier ist kann sich neu erfinden Und sich ebenso schnell unbeliebt machen.
00:11:50: Wer sichtbar zwischen den Welten wechselt, zieht Blicke an.
00:11:53: Oft geschieht das schon dann wenn jemand eine Grenze berührt die viele Menschen gern stabil halten würden.
00:12:01: In dieses Stadtbild tritt nun die Figur die in der Erzählung immer wieder als Kontrastpunkt auftaucht – Rosemarie.
00:12:08: Am Anfang steht bei ihr kein Mythos und keine Schlagzeile.
00:12:12: Am Anfang ist ein Mensch mit einer Biografie die beginnt lange bevor überhaupt jemand ihrem Namen kennt.
00:12:54: Bevor wir Rose Marie als die Frau im Schwarzen Mercedes vor uns sehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen.
00:12:59: Denn dieses spätere Bild Glanz Aufmerksamkeit Das Auffallen im öffentlichen Raum steht nicht am Anfang.
00:13:07: Am Anfang steht etwas das in der Sprache der Zeit beinahe harmlos klingt und doch ein Leben formen kann Aktenvermerke Fürsorge Unterbringung Ein Dasein dass nicht zuerst von Freiheit erzählt sondern von Verwaltung.
00:13:23: Rosemarie Nitribit wird am ersten Februar in Ratingen bei Düsseldorf geboren.
00:13:29: Ihre Kindheit ist geprägt von Armut und instabilen Verhältnissen, in den frühen Jahren greift das Jugendamt ein.
00:13:36: Rosemary wird zusammen mit einer Halbschwester in Einrichtungen der Fürsorge untergebracht Kinderheim Erziehungsheim Stationen die weniger Nacht zu Hause klingen als nach System.
00:13:48: In Darstellungen zu ihrem früheren Leben taucht vor allem eines immer wieder auf In den folgenden Jahren wechseln sich Unterbringungen, kurze Arbeitsstellen und wiederholte Fluchten häufig Richtung Frankfurt ab.
00:14:01: Das ist wichtig!
00:14:02: Wir wollen hier kein Drama aufblasen – es geht darum die erste Linie dieser Geschichte sichtbar zu machen.
00:14:08: Rosomarie wächst nicht in einem Umfeldauf in dem Zugehörigkeit selbstverständlich ist.
00:14:13: Sie wächst in einem System auf das sie einordnet, dass sie verwaltet dass nach damaligen Maßstäben darüber entscheidet, ob jemand als verwahrlos, schwer erziehbar oder gefährdet gilt.
00:14:25: Worte die Nüchtern wirken können aber über Jahre hinweg wie Etiketten am Menschenhaften.
00:14:31: Irgendwann wird sie einer Pflegefamilie in der Eifel zugeteilt – sie geht nach Niedermending!
00:14:38: Auf dem Papier sieht das aus wie ein Neuanfang raus aus den Heimen rein in ein gepflegtes Umfeld.
00:14:45: Doch ein geregeltes Umfeld ist nicht automatisch ein gutes Umfeld und vor allem ist es kein Garant dafür, dass jemand zur Ruhe kommt!
00:14:53: Man kann den Ordnung leben und sich trotzdem innerlich heimatlos fühlen – man kann untergebracht sein und doch nirgendwo wirklich ankommen.
00:15:02: In ihrer Jugend gerät Rosemarie wiederholt im Konflikt mit Behörden und Polizei.
00:15:07: Nicht als große spektakuläre Geschichte Eher als diese Reihe von Akteneinträgen, die in ihrer Häufung eine klare Botschaft tragen.
00:15:15: Sie passt nicht in die Rolle, die man ihr zugedacht hat!
00:15:18: Es gibt kurze Haft, es gibt Fürsorgeanordnungen und weitere Unterbringungen.
00:15:23: Zu diesen Stationen gehört auch Brauweiler.
00:15:27: Er wird in der berüchtigten Arbeitsanstalt bei Köln gebracht.
00:15:33: Der Ort trägt bereits damals eine schwere Geschichte in sich.
00:15:37: In der NS-Zeit waren Gebäude des Geländes als Gestapogefängnis genutzt worden.
00:15:42: Für Rosemarie bedeutet diese Station keinen Schutzraum und keinen echten Neuanfang, sie muss dort Tüten kleben und in der Weberei arbeiten.
00:15:51: In späteren Darstellungen ist von einer Arbeitsprämie von nur thirty fünf Pfennig am Tag die Rede.
00:15:57: Wer an dieser Stelle von Fürsorge spricht, spricht deshalb von einem System das streng verwaltet, diszipliniert und Menschen auf Aktenvermerke reduziert.
00:16:06: Bei Rosemarie zeigt sich immer wieder dieselbe Bewegung.
00:16:09: Weg aus dem Ort, weg aus der Kontrolle hinein in die Großstadt.
00:16:14: Es wirkt als suche sie dort etwas das sie in den vorgesehenen Bahnen nicht findet Luft Anonymität Handlungsspielraum oder wenigstens die Möglichkeit selbst zu entscheiden wer sie sein will.
00:16:27: an dieser Stelle müssen wir sehr sauber bleiben weil später vieles ineinander geschoben wird Gesicherte Stationen auf der einen Seite, ausgeschmückte Legenden auf der anderen.
00:16:36: Klar erzählen lässt sich folgendes.
00:16:39: Rosemarie zieht es nach Frankfurt am Main und das wiederholt.
00:16:43: Frankfurt ist für sie mehr als ein Ortswechsel – Frankfurt ist ein Ausweg!
00:16:47: Eine Stadt in der sie nicht automatisch die aus dem Heim ist, eine Stadt in deren man untergehen kann und in der im Verschwinden manchmal die Chance auf einen Neuanfang liegt.
00:16:57: Dieser Neuanfang bleibt allerdings nicht abstrakt….
00:17:00: In Frankfurt sucht Rosemarie Abstand zu den alten Zuschreibungen, aber auch eine Möglichkeit sich durchzuschlagen und eigenen Handlungsspielraum zu gewinnen.
00:17:10: Dort beginnt der Weg auf dem sie sich Schritt für Schritt in einem Milieu bewegt das später Eng mit ihrem Namen verbunden sein wird.
00:17:18: Frankfurt ist die Stadt in der Sie sich Schritt-für-Schritt im Rotlichtmiljö bewegt.
00:17:22: Am Anfang steht dabei noch nicht das Bild das später über sie geschrieben wird.
00:17:26: Noch gibt es kein Schlagwort, keine fertige Figur.
00:17:30: Zunächst sehen wir eine junge Frau die versucht irgendwie zu überleben, irgendwie Geld zu verdienen, irgendwie Kontrolle über das eigene Leben zu bekommen.
00:17:38: Das bedeutet nicht dass jede Entscheidung frei war.
00:17:41: Ebenso wenig sollte man daraus eine romantische Aufstiegserzählung machen Doch es zeigt etwas das für diese Geschichte zentral bleibt Rosemarie wird nicht plötzlich zur Skandalfigur.
00:17:52: Über Jahre wird sie zu jemanden der lernt sich durchzusetzen.
00:17:56: Das Bild der naiven ungebildeten Randfigur greift dabei zu kurz.
00:18:01: Gesichert ist, dass sie an ihrem Auftreten arbeitete, Sprachunterricht bekam und sich sehr bewusst in einer Welt bewegte – in der Bildung, Sprache und Selbstkontrolle über Zugehörigkeit entschieden.
00:18:13: Sie lernt sich eine Rolle zu bauen und sie zu spielen.
00:18:17: Gleichzeitig lebt sie in einem Land in dem Frauen sehr schnell beurteilt werden sobald sie außerhalb des vorgesehenen Rahmens auftreten.
00:18:24: Wenn wir an dieser Stelle bei dem bleiben, was sich sauber erzählen lässt, entsteht die Spannung fast von selbst.
00:18:30: Da ist eine junge Frau deren Leben lange von Heimen, Pflegefamilien und Behörden geprägt ist.
00:18:35: Dazu kommt die Großstadt schnell hart und voller Möglichkeiten.
00:18:40: Über allem liegt ein Jahrzehnt das nach Außenordnung und Anständigkeit ausstellen will.
00:18:46: An diesem Punkt wird Rosemarie als Figur sichtbar noch nicht als ikonisches Foto Noch nicht als Name, der durch Schlagzeilen wandert.
00:18:55: Zuerst sehen wir einen Menschen, der anfängt sich selbst zu entwerfen Schritt für Schritt gegen die Schubladen, die andere für sie bereithalten.
00:19:04: Darum trifft der erste Eindruck so stark.
00:19:07: Wenn Sie später mitten in der Stadt auftaucht dort wo Blicke hängen bleiben ist das mehr als nur auffällig.
00:19:13: Darin liegt ein leiser langsamer Bruch mit dem was man von ihr erwartet.
00:19:19: So kommen wir zum Bild das bis heute hängen bleibt.
00:19:49: Es gibt in dieser Geschichte einen Moment, der weniger ein Datum ist als sein Bild.
00:19:53: Ein Bild das sich fest setzt weil es so perfekt in diese Zeit passt.
00:19:58: Rosemarie sichtbar auffällig mitten in Frankfurt.
00:20:02: Dieses Bild beginnt aber wie gesagt nicht erst mit dem berühmten Mercedes.
00:20:06: Ihr äußerer Aufstieg verläuft schrittweise und man kann ihn fast an ihren Autos ablesen.
00:20:12: Zunächst fährt sie einen gebrauchten Ford Taunus XII M, danach folgt ein Opelkapitän deutlich repräsentativer größer auffälliger.
00:20:23: Mit diesem Wagen wird sie in Frankfurt überhaupt erst statt bekannt.
00:20:26: In Darstellungen taucht dafür später sogar der Beinahme Captain Lady auf.
00:20:31: Erst in den letzten Jahren kommt der Mercedes-Benz MZS-SL hinzu, der sich bis heute am stärksten in das öffentliche Bild von Rosemarie eingebrannt hat.
00:20:42: Der MZR ist also nicht der Anfang ihrer Sichtbarkeit – er ist ihre Zuspitzung!
00:20:47: Ein Wagen, der in den Fünfzigern weit mehr ist als ein Fortbewegungsmittel.
00:20:51: Ausweis, Signal, Statussymbol… ein Zeichen dass man nicht erklären muss weil es jeder versteht.
00:20:59: Ein Hundertneunzig SL steht für Geld, für Stil und Zugang.
00:21:03: Für ein Lebensstil, den sich viele ansehen aber nur wenige leisten können.
00:21:07: Darin liegt die Wucht dieses Bildes.
00:21:10: Rosemarie kommt nicht aus einem Umfeld in dem solche Symbole als selbstverständlich gelten.
00:21:15: Ihr Weg beginnt wie ihr gehört habt fern von Willen großen Familiennamen und sicheren Startbedingungen.
00:21:21: Er beginnt in Führsorge, Unterbringung – in einem Leben das stärker von Kontrolle als von Freiheit geprägt ist!
00:21:28: Wenn Rosemarie in Frankfurt sichtbar wird, geschieht das Mitten in der Stadt.
00:21:33: Dort wo man gesehen und sofort einsortiert
00:21:35: wird.".
00:21:36: Dafür muss niemand ihre ganze Geschichte kennen!
00:21:39: In dieser Zeit reicht oft schon der erste Eindruck um eine Meinung zu haben.
00:21:43: Dabei müssen wir nüchtern bleiben – es geht nicht um die Märchenformel vom plötzlichen Reichtum oder vom Sprung in die Elite über Nacht….
00:21:51: was sich sagen lässt ist viel simpler...und gerade deshalb so wirksam.
00:21:55: Rose Marie wird in Frankfurt mit einem Auftreten verbunden, das auffällt.
00:22:00: So ein Auftritt bleibt nicht neutral – er setzt etwas in Gang weil Bilder oft schon ausreichen!
00:22:06: Ein Wagen wie dieser macht aus einem Vorbeifahren einen Moment der Hengen bleibt.
00:22:10: Kurze Stille, ein Blick dann das leise weiter erzählen….
00:22:15: In der Innenstadt wird daraus sofort eine kleine Bühne.
00:22:18: Man sieht hin, man taxiert, man ordnet ein und bevor jemand überhaupt einen Namen kennt steht schon die erste Vermutung im Raum.
00:22:26: Erst die einfache Frage – wo kommt das her?
00:22:29: Und direkt danach die zweite – wie kommt sie zu so etwas?
00:22:34: Rosemarie ist in diesen Erzählungen zudem nicht allein mit dem Wagen verbunden.
00:22:38: Ende des Jahres nineteenhundertsechsemfünfzig taucht auch ein Detail auf dass das Bild weiter und endgültig verdichtet.
00:22:45: Ein weißer Pudel!
00:22:47: Ein Geschenk eines Bekannten, der in vielen Darstellungen als ihr Markenzeichen erwähnt wird.
00:22:52: Auch das ist kein harmloses Beiwerk!
00:22:54: In der damaligen Wahrnehmung gehört ein Hund dieser Art eher in ein bestimmtes Milieu zu einem bestimmten Frauenbild – elegant gepflegt repräsentativ.
00:23:04: Es ist ein Accessoire, dass den Auftritt nicht nur begleitet sondern unterstreicht, zumindest so wie es auf Außenstehende wirkt.
00:23:12: Wichtig ist….
00:23:13: Wir bewerten das nicht.
00:23:15: Wir halten fest, wie diese Kombination wirkt weil sie erklärt warum Rosemarie später zur Projektionsfläche werden konnte.
00:23:22: Denn ihre Geschichte ist nicht nur die Geschichte einer jungen Frau Es ist auch die Geschichte darüber wie ein Umfeld reagiert wenn jemand sichtbar zwischen Schichten steht Wenn jemand Codes benutzt die eigentlich anderen zugeschrieben werden und wenn jemand dabei nicht demütig wirkt sondern selbstbewusst.
00:23:40: An diesem Punkt entsteht das was später vieles überlagert Die Reaktionen auf das Bild.
00:23:46: Das Raunen, das Einsetz bevor irgendjemand etwas Konkretes weiß.
00:23:51: Die Zuschreibungen!
00:23:52: Die Gerüchte die sich an eine Erscheinung heften weil eine Erscheinung manchmal stärker provoziert als eine Wahrheit.
00:23:59: Darum ist der Hundertneunzig SL kein Beweis für irgendetwas.
00:24:03: er ist ein Symbol Ein sichtbares Zeichen dafür, dass Rosemarie sich in einem Raum bewegt der gewöhnlich über Zugang geregelt wird und das sie diesen Zugang aus welchen Gründen auch immer und auf welchen Wegen auch immer zumindest zeitweise hat.
00:24:18: So wird sie in der Logik dieser Zeit automatisch interessant.
00:24:22: In manchen Köpfen wirkt sie damit automatisch gefährlich.
00:24:26: Gemeint ist keine Gefahr im strafrechtlichen Sinn sondern eine Gefahr für ein Selbstbild Für die Vorstellung, dass die Schichten sauber getrennt bleiben dass man weiß, wer wohin gehört.
00:24:37: Hinzu kommt der nächste harte Kontrast, der dieses Bild erst vollständig macht – Der Wagen, der Auftritt und die Adresse.
00:24:45: Stiftstraße thirty-six Nähe Aschenheimer Turm Innenstadt Eine zentrale Lage ist Ninogeografie.
00:24:54: Sie ist ein Signal.
00:24:55: sie sagt Wer hier wohnt ist angekommen oder möchte, dass es so aussieht.
00:24:59: Und in den Fünfzigern, in denen Oberfläche Status ist, ist eine solche Adresse mehr als praktisch – sie wird Teil der Erzählung die man über sich selbst nach außen trägt.
00:25:09: Durch den Ortern dem man lebt, durch das was man damit zeigt und durch das, was andere daraus
00:25:15: machen.".
00:25:16: Damit entsteht der schärfste Kontrast dieser Geschichte!
00:25:19: Auf der einen Seite eine Biografie, die nach Verwaltung klingt Heim, Pflegefamilie, Fürsorge, Weglaufen zurückholen wieder von vorn.
00:25:28: Auf der anderen Seite das Frankfurt-Bild – Innenstadt.
00:25:31: Bessere Lage, Sportwagen, Aufmerksamkeit!
00:25:35: Es ist fast als hätte jemand zwei Filme übereinandergelegt die nicht zusammenpassen wollen und aus diesem Grund schaut man hin.
00:25:43: Eine Adresse wie diese löst in vielen Köpfen sofort eine Frage aus.
00:25:47: Sie richtet sich an die Menschen die Rose Marie sehen….
00:25:50: Wie kommst du?
00:25:51: Von dort nach hier In einer Gesellschaft, die gern so tut als wären Wege klar und ordentlich ist ein Sprung zwischen Schichten ein Störgeräusch.
00:26:00: Wenn jemand zu schnell sichtbar aufsteigt reagieren Menschen oft nicht mit Neugier sondern mit Bewertung.
00:26:06: Und in den Fünfzigern kippt diese Bewertungen besonders schnelle Moral.
00:26:10: Nicht zuerst was es passiert Sondern Was sagt das über dich aus?
00:26:15: Aber hier müssen wir juristisch konsequent bleiben.
00:26:17: Wir behaupten nicht, was Rosemarie getan hat um dort zu leben!
00:26:21: Wir stellen keine Kausalitäten her die wir nicht belegen können.
00:26:24: Wir bleiben bei dem was sich an dieser Stelle sicher erzählen lässt.
00:26:28: Sichtbarkeit, soziale Codes, Wahrnehmung – der Ort das Bild, die Reaktion darauf.
00:26:34: Wenn wir die Stiftstraße an dieser stelle setzen dann nicht um das Ende zu erzählen sondern um den Rahmen zu schließen.
00:26:41: Wir haben das Jahrzehnt in dem Aufbruch und strenge Normen nebeneinander existieren.
00:26:46: Wir haben die Stadt als Beschleuniger- und Schichtsystem, wir haben eine Biografie, die nicht oben beginnt!
00:26:52: Wir haben ein Bild, dass Aufmerksamkeit erzeugt – und wir haben auch eine Adresse an der Oberfläche und Herkunft so hart aufeinander prallen, dass man versteht warum diese Geschichte später so aufgeladen wird.
00:27:05: Und jetzt gehen wir tiefer hinein… In das was dokumentiert ist, in dass was Zeitungen daraus machten.
00:27:11: In die Stellen an denen Akten klar sind und in die Stellen, an denen sie Lücke lassen oder widersprechen Und auch in das was später als Mythos darüber gelegt wurde.
00:27:22: Denn bis hierher bleiben wir bewusst auf der Oberfläche Nicht weil die Oberflächen alles wäre Sondern weil sie in dieser Geschichte der Auslöser ist Das was Blicke zieht Was Gerüchte erzeugt Was aus einer Frau eine Figur macht.
00:27:37: So nimmt diese Geschichte ihren Anfang, mit einem Bild das zu groß ist um es zu übersehen.
00:27:42: Mit einer Erscheinung die Blicke bindet, Fragen auslöst und schon früh mehr über die Reaktionen ihrer Umwelt erzählt als über den Menschen selbst.
00:27:51: An diesem Punkt übernimmt Dr.
00:27:52: Maximilian von Schattenreich und führt tiefer hinein in die Welt hinter der Oberfläche.
00:28:04: Ein Bild, das so grotesk ist, dass es eher einem Roman von Mary Shelley entstammen könnte als der deutschen Justizgeschichte.
00:28:16: Sehen Sie das Regal?
00:28:18: Sehen sie den Staub, der im Lichtkegel tanzt?
00:28:21: Dort zwischen vergilbten Akten und beschlagnahmenden Tatwaffen stand über fünf Jahrzehnte lang ein Objekt, das eins zu einem Menschen gehörte – Der Schädel von Rosemarie Nitribit Präpariert, nummeriert, inventarisiert.
00:28:37: Er stand im Frankfurter Kriminalmuseum ausgestellt zu Lehrzwecken.
00:28:42: Man muss sich die Monstrosität dieser Tatsache vergegenwärtigen.
00:28:46: Das Opfer eines bis heute ungeklärten Kapitalverbrechens wurde buchstäblich zum Objekt degradiert zur Trophäe einer Justiz, die unfähig war ihren Mörder zu finden aber sehr wohlfähig ihren Kopf zu konservieren.
00:29:01: Warum beginne ich meine Ausführungen mit diesem Bild verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer?
00:29:07: Weil es die Quintessenz dessen ist, was wir gemeinsam setzieren werden.
00:29:13: Rosemarie Nitribit war zu Lebzeiten eine Projektionsfläche für sexuelle Gier, für moralische Entrüstung für den Neid der Besitzlosen und die Hybris der Mächtigen – und im Tod blieb sie genau das!
00:29:27: Ein Ding ein Exponat.
00:29:30: Wir werden heute versuchen, diesem Schädel wieder ein Gesicht zu geben.
00:29:35: Anche hat es bereits treffend gesagt diese Geschichte lässt sich nicht einfach nur erzählen.
00:29:42: man muss sie schicht für schicht betrachten.
00:29:45: Lassen Sie uns also damit beginnen, genau diese Schichten aus Make-up bürgerlichen Vorurteilen und polizeilicher Willkür abzutragen.
00:29:55: um zur psychologischen Realität einer Frau vorzudringen die vielleicht das erste wirkliche Opfer der Bundesrepublik Deutschland war.
00:30:04: War sie die manipulative Edelhure, die eiskalt die Schwächen der Männer ausnutzte?
00:30:11: Oder war sie ein schwer traumatisiertes Kind, das sich in einer Welt aus Männern eine Rüstung aus Geld und Arroganz schmiedete?
00:30:21: Um Antworten zu finden reisen wir zurück in eine Zeit, wo der Rauch von Virginias und Opium-Zigaretten die Luft schwängerte und unter dem Pflaster des Wirtschaftswunders der Morast der Vergangenheit brodelte.
00:30:46: Bevor wir uns der Frau im Mercedes widmen, müssen wir wie Antje ausführte jeden Schritt zurück in die Welt der Aktenvermerke, der Fürsorge und der Verwaltung gehen.
00:30:56: Um die Ikone zu verstehen, müssen mir zuerst das verwaltete Mädchen im Heim betrachten.
00:31:02: Wir müssen eine forensische Anamnese erstellen, die weit vor dem ersten Schritt auf den Frankfurter Asphalt beginnt Denn die Psychologie lehrt uns Das Verhalten eines Erwachsenen ist oft nur das Echo der Schreie eines Kindes.
00:31:19: Rosalie-Marie Auguste Nitribit wurde am ersten Februar in Ratingen bei Düsseldorf geboren – ein Jahr, dass wie eine Narbe in der deutschen Geschichte klafft.
00:31:33: Sie wurde in eine Welt hineingeboren die sich gerade aufmachte, die Menschlichkeit abzuschaffen.
00:31:40: Ihre familiären Verhältnisse waren das, was man in den bereits von anche erwähnten sterilen Akten der Jugendfürsorge als zerrüttet bezeichnete.
00:31:50: Aber hinter diesem bürokratischen Euphemismus verbirgt sich das Elend der emotionalen Verwahrlosung.
00:31:57: Sie kamen neunzehnhundertneinunddreißig zu Pflegeeltern und wurde herumgereicht wie ein unliebsames Paket.
00:32:06: In der forensischen Entwicklungspsychologie sprechen wir hier von einer fundamentalen Bindungsstörung.
00:32:12: Wenn die primären Bezugspersonen fehlen oder wechseln, entsteht im Kind ein tiefes Gefühl der existenziellen Unsicherheit.
00:32:20: Die Welt wird nicht als sicherer Ort wahrgenommen sondern als feindliches Territorium in dem man nur durch Manipulation oder Härte überlebt.
00:32:30: Die Akten der damaligen Zeit sind durchträngt von einem biologischen Determinismus, der uns heute schaudern lässt.
00:32:37: Die Mutter wurde von den Behörden als siddlich tiefstehende Frau klassifiziert.
00:32:42: Man achte auf die Wortwahl – nicht arm!
00:32:46: Nicht überfordert sondern Siddlich-tiefstehend.
00:32:50: Damit wurde der kleinen Rosalie der Stempel der Minderwertigkeit quasi genetisch aufgedrückt.
00:32:56: Man erwartete von ihr das sie scheitert.
00:32:59: Man wartete förmlich darauf.
00:33:02: Im Jahr nineteenhundert vierundvierzig Rosalie ist elf Jahre alt, geschieht das was in der Kriminologie als Initialzündung für viele spätere Deviianzen gilt Sie wird vergewaltigt von einem achtzehnjährigen aus der Nachbarschaft.
00:33:19: Lassen sie uns diesen Moment analysieren nicht mit dem voyeuristischen Blick der Boulevardpresse sondern mit der kühlen Präzision der Traumaforschung.
00:33:28: Ein elfjähriges Kind mitten im Krieg erfährt die totale Ohnmacht.
00:33:33: Ihr Körper, ihre letzte Bastion des eigenen wird gewaltsam in Besitz genommen.
00:33:39: In einer Zeit in der Sexualität tabuisiert und Opferbeschuldigung die Norm war gab es für sie keine psychologische Betreuung, keinen sicheren Hafen oder eine Aufarbeitungsmöglichkeit.
00:33:52: Was macht eine kindliche Psyche mit einer solchen Erfahrung?
00:33:56: Es gibt im Wesentlichen zwei Überlebensstrategien.
00:34:00: Erstens die totale Unterwerfung und Zerbrechlichkeit, das Opfer zieht sich zurück, verstummt wird unsichtbar.
00:34:09: Zweitens die aggressive Kompensation und Dissoziation.
00:34:13: Das Opfer beschließ oft unbewusst dass es nie wieder ohnmächtig sein wird.
00:34:19: Rosalie wählte getrieben von einem fast übermenschlichen Überlebendsinstink den zweiten Weg.
00:34:25: Wenn der Körper ohnehin zur Ware gemacht wird, wenn andere sich nehmen was sie wollen dann so die tragische Logik des Missbrauchs muss man den Preis dafür selbst bestimmen.
00:34:38: Es ist der verzweifelte Versuch die Kontrolle über die eigene Victimisierung zu erlangen.
00:34:43: Die spätere Prostitution war in diesem Licht betrachtet kein moralischer Fall sondern ein psychologischer Schutzmechanismus.
00:34:52: Indem sie Geld verlangte, wandelte sie die Demütigung in eine Transaktion um.
00:34:58: In einer Transaktionen gibt es Regeln – in einer Trans-Aktion hat man Macht, solange man das Begehrte gut besitzt!
00:35:06: Für die junge Rosalie war dies der einzige Weg aus der Rolle des hilflosen Opfers in die Rolle der handelnden Akteuren zu wechseln….
00:35:15: doch Diese unbewusste Strategie der Autonomie führt das junge Mädchen Rosalie geradewegs in die nächste Katastrophe.
00:35:23: So viel Nachbarn in ihrem Pflegeort niedermendig in der Eifel auf, dass sie sich bereits im Alter von dreizehn Jahren mit zwei älteren Prostituierten angefreundet hatte.
00:35:33: Im näheren Umfeld befand sich ein Militärflugplatz und für die französischen Besatzer war es offensichtlich kein disciplinarisches Vergehen in ihren barackennächtlichen Damenbesuch zu empfangen.
00:35:44: Wir schreiben Anfang nineteenhundertsiebenundvierzig.
00:35:48: Rosalie ist gerade vierzehn Jahre alt geworden, nachts klettert das halbe Kind aus dem Fenster ihres Zimmers um ihre neu gefundene gefährliche Macht zu testen.
00:35:58: Sie bleibt oft über Nacht bei den Soldaten auf dem Flugplatz und bringt Nylons und Parfum mit nach Hause.
00:36:04: Gegenüber Mitschülerinnen brüstete sie sich damals damit täglich in einem anderen Soldatenbett zu liegen.
00:36:11: Bei späteren amtlichen Befragungen bestand sie jedoch darauf, nur einen einzigen französischen Freund gehabt zu haben mit dem Sie mehrfach geschlafen habe.
00:36:20: Aus diesen sexuellen Kontakten mit dem oder den französischen Soldaten resultierte schließlich eine Schwangerschaft.
00:36:27: Und hier, verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer müssen wir uns einer forensischen Realität stellen die in den Akten nur als kühle Randnotiz existiert.
00:36:38: In Wahrheit aber ein absoluter Albtraum aus Blut und Rohr physischer Gewalt war.
00:36:44: Rosalie lässt einen Eingriff vornehmen eine illegale Abtreibung die beinahe mit ihrem Tod endet.
00:36:51: Stellen Sie sich die Szenerie einer heimlichen Abtreibung in der ländlichen Provinz, der späten nineteenhundertvierziger Jahre vor.
00:36:59: Wir sprechen hier nicht von sterilen Kliniken oder Narkosen!
00:37:03: Wir sprechen von Küchentischen, schmutzigen Hinterzimmern oder feuchten Kellern.
00:37:08: Ein vierzehnjähriger vom Primärtrauma ohnehin schon gezeichneter Kinderkörper wird der Brutalität einer stümperhaften Engelmacherin
00:37:17: ausgeliefert.".
00:37:18: Kaltes, unsteriles Metall dringt gewaltsam in sie ein.
00:37:22: Gewebe wird ohne Betäubung zerrissen, kratzend und schabend aus dem Uterus entfernt!
00:37:29: Es ist ein Akt der Verzweiflung, der in einem massiven kaum zu stillenden Blutverlust mündet.
00:37:35: Der Geruch von rostigem Eisen- und dem penetranten süßlichen Gestank von frischem und gerinnendem Blut muss übel gewesen sein.
00:37:44: Rosalie verblutet beinahe auf diesem Tisch.
00:37:47: Dass ihr junger Körper diese Metzgerarbeit, den extremen Blutverlust und die unweigerlich folgende fiebrige Infektion überhaupt überlebt, grenzt an ein physisches Wunder.
00:37:58: Psychologisch gesehen ist diese fast fatale Hämorrhagie jedoch mehr als nur ein medizinischer Notfall – es ist der ultimative blutige Preis für ihren verzweifelten Versuch, die Herrschaft über ihren eigenen Körper zu behalten!
00:38:13: Sie war bereit, sich buchstäblich aufschlitzen zu lassen und in einer Lage ihres eigenen Blutes zu sterben nur um die Folgen des Kontrollverlustes auszulöschen.
00:38:24: Doch wie reagierte das Umfeld auf dieses beinahe verblutende sterbende Kind?
00:38:30: Der Dorffahrer der Gemeinde notierte in seinem Schreiben an das Kreisjugendamt Mayen lediglich sie sei durch ihre uneheliche Mutter erblich sehr belastet und siddlich höchst gefährdet, wenn nicht schon weitgehend verdorben.
00:38:46: Die Reaktion des Staates auf dieses traumatisierte Mädchen war bezeichnend für die Geisteshaltung der Nachkriegsjahre.
00:38:53: Statt Therapie gab es Zuchthaus – statt Verständnis gab es die Fürsorgeerziehung.
00:38:59: Rosalie landete in Heimen, in denen Drill-und Gehorsam herrschten.
00:39:03: Sie Flo wurde wieder eingefangen und Flo erneut.
00:39:07: Die Akten der Sittenpolizei füllten sich, man nannte sie triebhaft, verwahrlost oder moralisch gefährdet.
00:39:15: Diese Begriffe sind wichtig – Sie zeigen dass der Staat nicht das Trauma sah sondern nur die Störung der öffentlichen Ordnung.
00:39:23: Für die Behörden war Rosalie kein Kind das Hilfe brauchte, sondern ein Problem das verwaltet werden musste.
00:39:30: Hier sehen wir bereits den Keim für ihren späteren Hass auf Autoritäten und gleichzeitig ihr Bedürfnis genau dieser Gesellschaft zu beweisen, dass sie besser ist.
00:39:42: Wir müssen also festhalten!
00:39:44: Bevor Rosemarie Nitribit den ersten Freier im Frankfurter Hof empfing war ihre Seele bereits ein Schlachtfeld.
00:39:52: Sie war eine Kriegerin gezeichnet von Wunden die niemand sehen wollte bewaffnet mit der einzigen Waffe, die man ihr gelassen hatte.
00:40:02: ihrer Sexualität.
00:40:17: Wir verlassen nun die düsteren Kapitel der Jugend und betreten die Bühne auf der Rosemarie Nitribit zur Legende werden sollte.
00:40:25: Frankfurt am Main in den neunzehnhundertfünfziger Jahren.
00:40:29: Um die Dynamik ihres Aufstiegs und ihres Falls zu verstehen müssen wir die Atmosphäre dieser Stadt atmen.
00:40:36: Wir müssen den Staub des Wiederaufbaus schmecken und das Glimmen der Leucht-Reklamen in den Pfützen sehen.
00:40:43: Frankfurt war in den Fünfzigern ein Ort, der extremen Kontraste an dem Aufstieg und Fall eng beieinander lagen.
00:40:51: Auf der einen Seite die Trümmergrundstücke, die noch immer wie Zahnlücken im Gebiss der Stadt klaften.
00:40:58: Auf einer anderen Seite wuchsen die ersten Bankentürme in den Himmel – Symbole einer neuen aggressiven Potenz.
00:41:05: Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, ein Begriff der heute fast nostalgisch klingt aber damals eine brutale Realität beschrieb.
00:41:15: Wer arbeitete, wer Ellbogen hatte, wer verdrängen konnte – der stieg auf!
00:41:21: Wer schwach war blieb liegen.
00:41:23: Die Gesellschaft war zutiefst gespalten An der Oberfläche herrschte die bleierne Moral der Adenauer-Ära.
00:41:31: Die Kirche predigte Keuschheit, die Politiker beschworen die abendländischen Werte – die Frau gehörte an den Herd.
00:41:39: Es war eine Welt der grauen Anzüge, der steifen Hüte und der verordneten Verdrängung der Nazi-Vergangenheit.
00:41:47: Die Männer, die tagsüber das Land aufbauten, die Helden des Wiederaufbaus waren oft dieselben Männer, wie Jahre zuvor in Uniform durch Europa marschiert waren.
00:41:57: Sie waren traumatisiert emotional verhärtet und hungrig.
00:42:02: Hungrig nach Leben, nach Vergessen, nach Macht!
00:42:06: Während nach außen hin die von Anche beschriebene Ordnung und Disziplin gewahrt wurde, brodelte es unter dieser glatten Oberfläche gewaltig.
00:42:15: Die Sehnsüchte, die am Nierentisch keinen Platz fanden, suchten sich in den dunklen Winkeln.
00:42:20: Frankfurt ihre Ventile – und Frankfurt, die amerikanischste aller deutschen Städte, bot ihnen das Ventil….
00:42:27: Die US-Soldaten brachten Jazz, Nylonstrümpfe, Zigaretten und eine Lockerheit die faszinierend und bedrohlich zugleich wirkte.
00:42:36: Das Bahnhofsviertel wurde zum Sperrbezirk zur Zone der geduldeten Sünde.
00:42:42: Hier galten die bürgerlichen Regeln nicht – hier herrschte die Nacht!
00:42:47: Mitten in dieser Stadt wie ein Insel des alten feudalen Glanzes.
00:42:51: im Meer des Neubaubetons lag das Steigenberger Hotel Frankfurter Hof.
00:42:57: Lassen Sie mich sie in die Bar dieses Hotels führen, einem Ort an dem die moralische Sauberkeit rissig wurde!
00:43:05: Wir schreiben das Jahr nineteenhundert sechsundfünfzig.
00:43:09: Stellen Sie sich vor, Sie durchschreiten die schwere Drehtür.
00:43:13: Der Lärm der Baustellen, Das Hupen der Käfer und der Straßenbahnen wird schlagartig ausgesperrt.
00:43:20: Sie betreten eine andere Welt.
00:43:22: Die Luft hier drinnen ist schwer und süßlich Eine Mischung aus teurem Parfum und dem Rauch von Havanna-Zigaren.
00:43:30: Das Licht ist gedämpft, fast intim – es bricht sich in den Kristallgläsern und den polierten Mahagoniflächen.
00:43:38: Das Interieur schreit förmlich nach Diskretion und Geld.
00:43:42: Roter samt an den Wänden schwere Teppiche die jeden Schritt verschlucken….
00:43:47: hier halt nichts!
00:43:49: Hier wird
00:43:49: geflüstert.".
00:43:51: In dieser Bar saß die Elite der Jungen Bundesrepublik Großindustrielle aus dem Ruhrgebiet, die hier ihre Bankgeschäfte abwickelten Politiker aus Bonn, internationale Geschäftsleute.
00:44:03: Und mittendrin saß Rosemarie Nitribit?
00:44:07: Nein verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer!
00:44:10: Genau hier müssen wir den romantisierten Film-Mythos mit dem Skalpell der Aktenrealität aufschneiden.
00:44:17: Rosemary Nitribitt saß nicht im Inneren dieses elitären Zirkels.
00:44:22: Die großen Frankfurter Hotels nahmen den puritanischen Kuppelei-Paragrafen der fünftiger Jahre nach außen hin äußerst ernst.
00:44:30: Die Stadtbekannte Hure hatte im Frankfurther Hof ein striktes Hausverbot, doch das macht die Dynamik dieser Machtverhältnisse nur noch bizarrer.
00:44:40: Rosemarie Nitri Bit war nicht die exotische Blüte drin – sie war die eiskalte Provokation draußen!
00:44:47: Während die Feinen herren im roten Samt versanken, parkte sie ihren schwarzen Mercedes-einhundertneunzig SL provozierend genau vor dem Haupteingang dieses Tempels.
00:44:58: Sie saß in ihrem stehlernen unantastbaren Exoskelett und blinzelte die potenziellen Kunden der Elite wie etwa den rennbaroen Husche von Handstein schlichtweg mit der Lichthupe an.
00:45:10: Und hier – genau an dieser Türschwelle offenbarte sich die ganze verlogene Heuchelei dieser Gesellschaft.
00:45:16: Das Hotel verweigerte der Prostituierten zwar aus Gründen der bürgerlichen Moral den Zutritt, aber die diskreten Hotelportiers fungierten bereitwillig als Kuppler der Elite und reichten die Telefonnummer der Nitribit heimlich an ihre zahlungskräftigen Stammgäste weiter.
00:45:33: Rosemarie verstand die Architektur der Verführung instinktiv doch ihr Terrain war nicht der rote Samt der Hotelbar sondern das Rote Leder ihres Mercedes.
00:45:45: Sie jagte nicht versteckt in einer dunklen Ecke, aber auch nicht vulgär an einem Tresen wie die gewöhnlichen Mädchen aus dem Bahnhofsviertel.
00:45:54: Sie trug keine billige Kleidung – sie trug Maßanfertigungen, Pelze echten Schmuck!
00:46:00: Sie kopierte den Stil der Ehefrauen ihrer elitären Kunden, aber sie fügte ihm eine unverkennbare Note der Verruchtheit hinzu.
00:46:09: Ein etwas zu tiefer Ausschnitt Ein etwas zu intensiver Blick aus dem Autofenster.
00:46:15: Die Straße vor dem Frankfurter Hof war ihr Jagdrevier und sie jagte nicht mit dem groben Netz, sondern mit dem Köder.
00:46:24: Der Köder war ihre scheinbare Unnahbarkeit.
00:46:28: In einer Umgebung in der eigentlich alles käuflich war, inszenierte sie sich als etwas das man sich verdienen musste.
00:46:36: Die Akten belegen eindrucksvoll, mit welcher atemberaubenden Geschwindigkeit und methodischen Kälte sie diesen elitären Aufstieg vollzog.
00:46:44: Bereits im Herbst, in der Mitte des Jahrhunderts neunzehn Hundertdreiundfünfzig leistete sich für stolze Einhundertzwanzig Mark Monats Miete ein eigenes Altbauzimmer mit Bad im Frankfurter Stadtzentrum.
00:46:56: Sie war keine ungebildete Straßendirne mehr!
00:46:59: Um ihre bürgerliche Rüstung zu perfektionieren, belegte das einstige Heimkind Benimmkurse eines Frankfurter Spezialinstituts für höhere Töchter.
00:47:08: Sie sprach fließend Englisch und lernte Französisch – sie miemte die Weltgewandte in Perfektion!
00:47:16: Und genau hier verehrte Zuhörerinnen und Zuhörper müssen wir das spöttische Bild, dass die Boulevardpresse später von ihr zeichnete, forensisch demontieren….
00:47:27: Noch Jahrzehnte später reduzierten Nachrichtenmagazine Rosemarie auf eine infantile Figur mit schwacher Intelligenz und einer bizarren Vorliebe für Reisbrei.
00:47:38: Dieser Milchreis, dem man später auch bei ihrer Obduktion in ihrem Magen fand, galt Journalisten fortan als sicherer Beleg für ihren primitiven krankhaften Geiz.
00:47:49: Niemand monierte die Absurdität, dass sich Geiz und der Genuss eines nagelneuen Mercedes-C-Des-Ainhundert neunzig SL grundlegend widersprechen.
00:47:58: Die Aktenrealität aber zeigt etwas völlig anderes.
00:48:02: Reisbrei war in den damaligen Manekörnkreisen schlichtweg ein äußerst beliebtes Diätgericht.
00:48:08: Auch der viel zitierte Analfabetismus entpuppt sich bei näherer Prüfung als weitverbreitete Rechtschreib- und Leseschwäche.
00:48:16: Wer der echten Rosemarie Nitri Bit begegnete, traf auf eine junge Frau die neben Schlagern auch modernen Free Jazz hörte und glaubhaft über die Werke von Stefan Zweig oder Marcel Proust plaudern konnte.
00:48:29: Als die Kriminalpolizei später ihre Wohnung betrat lag dort auf dem Wohnzimmertisch ein anspruchsvoller Bildband über die Architekturdenkmale des Barock.
00:48:39: Unter der kühlen, käuflichen Oberfläche verbarkt sich ein intellektueller Hunger den die Öffentlichkeit ihr schlichtweg absprechen wollte.
00:48:48: Der beispiellose Aufstieg in das Establishment lässt sich auch in nackten Zahlen messen.
00:48:53: Wir wissen dass Rosemarie Nitribit allein im Jahr.
00:49:05: Manche Quellen schreiben ihr dies bereits für das Jahr nineteenhundertvierundfünfzig zu.
00:49:11: Lassen Sie diese Dimension auf sich wirken, verehrte Zuhörerinnen und Zuhöre!
00:49:16: Ein durchschnittlicher Industriearbeiter verdiente in jenen Tagen etwa vierhundert Mark im Monat – selbst ein Abteilungsleiter in der Industrie musste hart verhandeln um auf zwanzigtausend Mark Brutto im Jahr zu kommen.
00:49:30: Doch Rosemarie begnügte sich längst nicht mehr mit dem bloßen Ansammeln von Reichtum.
00:49:35: Sie bereitete eiskalt ihren endgültigen Ausstieg aus dem Milieu vor.
00:49:40: Die Akten belegen, dass sie im Sommer und Herbst in den letzten Jahren die Aktien von der Meldung von Städtern besucht haben.
00:49:45: Die akten Belegungen befinden sich nach Investitionen in Rennpferde, eine Taunus-Ponktion und ein Zigarngeschäft erkundigte.
00:49:54: Für die Beteiligung an einer chemischen Reinigung hielt sie bei einer Autofahrt durch Frankfurt sogar bereits Hunderttausend Mark in Bar bereit.
00:50:04: Sie stand kurz davor, das Rotlichtviertel endgültig gegen das besitzende Großbürgertum einzutauschen.
00:50:11: Für die Männer aus der Bar war sie längst mehr als eine Prostituierte – sie war ein wandelndes Status-Symbol.
00:50:18: Wer aus der schweren Drehtür des Hotels heraus trat und unter den Blicken der anderen in ihren schwarzen Roadster steigen durfte, der hatte es geschafft!
00:50:27: Es war ein Spiel um Macht und Anerkennung aufgeführt, auf dem Asphalt der City unter den Augen der Neider.
00:50:35: Man muss diese psychologische Dynamik verstehen – die Elite brauchte diese Doppelmoral!
00:50:40: Der Generaldirektor konnte in der Anonymität ihres Appartements der Jäger sein oder das bedürftige Kind.
00:50:47: Rosemarie bot ihm beides.
00:50:49: Sie war die perfekte kühle Leinwand, auf die diese Männer ihre unterdrückten Sehnsüchte projizieren konnten….
00:50:56: aber Es war ein gefährliches Spiel.
00:50:58: Ein Ritt auf der Rasier klinge, denn wer sich mit der absoluten Macht ins Bett legt, der muss damit rechnen irgendwann von ihr erdrückt zu werden.
00:51:27: Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer lassen sie uns eine forensisch-psychologische Analyse der Persönlichkeit Rosemarie Nitribitzwagen.
00:51:36: War Sie die kühle Manipulatorin als die sie später dargestellt wurde?
00:51:41: Oder war sie ein Spielball von Kräften die sie nicht kontrollieren konnte?
00:51:45: Um diese Frage zu beantworten, müssen wir tiefer graben als die Schlagzeilen der Boulevardpresse.
00:51:51: Wir müssen die Dynamik ihres Narzissmus und ihrer Isolation verstehen.
00:51:56: Betrachten wir Nitribitsverhalten – Die zur schaugestellten Pelze Der Mercedes Das demonstrative Flanieren auf der Kaiserstraße Das Buch führen über ihre Einnahmen.
00:52:08: Auf den ersten Blick wirkt das wie eitle Geltungssucht Doch in der forensischen Psychologie erkennen wir hier das Muster eines kompensatorischen Nazismus.
00:52:19: Tief im Inneren fühlte sich Rosemarie womöglich noch immer wie das beschmutzte, wertlose Heimkind Rosalie.
00:52:26: Aus Sicht der forensische Psychologie liegt die Vermutung nahe dass dieses tiefe Gefühl der Minderwertigkeit – das Beschädigte selbst so unerträglich war, dass es als Schutzmechanismus durch ein überhöhtes grandioses Selbstbild im Außen überdeckt werden musste.
00:52:44: Hier müssen wir uns im Detail ansehen wie radikal und blutig dieser unsichtbare Prozess der Selbstüberschreibung im Inneren ablief.
00:52:53: Es handelte sich hierbei nicht um eine bloße kosmetische Namensänderungen für das Geschäft.
00:53:00: Forensisch betrachtet Glicht dieser Akt vielmehr einer psychologischen Autoamputation.
00:53:05: Das Missbrauchte von drakonischen Heimen gezeichnete Kind musste gewaltsam sterben, damit die mondäne Frau auf dem Frankfurter Asphalt überhaupt atmen konnte.
00:53:16: Stellen Sie sich diesen mentalen Eingriff wie eine chirurgische Operation an der eigenen Seele vor!
00:53:23: Mit der eiskalten Präzision eines Skalpels schnitt sie ihre eigene Vergangenheit aus sich heraus.
00:53:29: Sie trennte die emotionalen Nervenstränge zu den Pflegeeltern in der Eifel und den Zuchthäusern am Niederrhein.
00:53:36: Sie entfernte die Identität des wehrlosen, vergewaltigten Heimkinds Rosalie wie nekrotisches infiziertes Gewebe aus ihrem eigenen Wesen um den psychologischen Mundbrand zu
00:53:47: stoppen.".
00:53:48: Aus dieser mentalen Haltung stieg eine völlig neue, markellose Kunstfigur Empor.
00:53:54: Sie legte sich fortan das Pseudonym Rebecca zu – ein Name der nicht zufällig gewählt war sondern offenbar als eiskaltes Kalkül direkt dem berühmten düsteren Hitchcock Film entlehnt wurde.
00:54:08: Zeitweise trieb sie diese Neuerfindung sogar soweit dass sie zusätzlich unter dem völlig frei erfundenen Nachnamen Rosenbaum auftrat.
00:54:18: Das filmische Phantom der Rebecca war eine Frau, die unnahbar elegant und von einem dunklen bedrohlichen Geheimnis umgeben ist.
00:54:26: Sie war die perfekte Blaupause für Rosemaries gesellschaftliche Rüstung.
00:54:32: Um nicht länger das wehrlose Opfer zu sein, musste sie ihren bürgerlichen Taufnamen Rosalie Marie Auguste oder entsprechend anderer Quellen Maria Rosalia Auguste endgültig ablegen.
00:54:45: Das Ziel dieser grausamen psychologischen Verstümmelung war es, die pochenden Wunden der kleinen Rosalie unter dem unantastbaren Glanz der Rebecca mit groben Stichen zu vernähen.
00:54:56: Der neue Name ermöglichte ihr eine mentale Neuerfindung und radikale Überschreibungen ihrer Identität und bisherigen Lebensgeschichte.
00:55:05: An dessen Stelle trat die glänzende Kühle und geheimnisvolle Fassade.
00:55:10: Diese neue Identität half ihr tiefste Minderwertigkeitsgefühle zu überdecken und den einflussreichen Männern vor dem Frankfurter Hof exakt die mystifizierte, verruchte Projektionsfläche zu bieten, die diese begehrten.
00:55:25: Doch wer seine eigene Identität derart radikal herausschneidet bei dem heilen die Ränder nie?
00:55:33: Unter der sündhaft teuren Ottkouture verdeckt vom schweren süßlichen Chanel-Parfon eiterte das abgetrennte Primärtrauma unsichtbar weiter.
00:55:43: Die Logik ist folgende, wenn ich den teuersten Wagen fahre, wenn die reichsten Männer mich wollen dann kann ich nicht wertlos sein.
00:55:52: Jeder Luxusgegenstand war ein Pflaster auf der Wunde ihrer Seele.
00:55:56: Der Mercedes war nicht nur ein Auto er war der Beweis ihrer Existenzberechtigung.
00:56:02: aber diese Art von Selbstwert ist extrem fragil.
00:56:05: Er hängt zu einhundert Prozent von der Bestätigung durch andere ab.
00:56:09: Bleibt der Applaus aus oder noch schlimmer wird sie gedemütigt, was in ihrem Gewerbe an der Tagesordnung war, droht das künstliche Selbstbild zu zerbrechen.
00:56:19: Wenn wir heute mit dem forensischen Handwerkszeug der modernen Psychiatrie auf ihre Ermittlungsakten blicken, erkennen wir keine bloße verwahrlose Hysterikerin wie die Sittenpolizei.
00:56:36: Wir blicken auf das hochkomplexe, tragische Lehrbuchbeispiel einer schweren Borderline-Persönlichkeitsstörung.
00:56:44: Ihre Seele war ein extremes unkontrollierbares Pendel – Auf der einen Seite litt sie unter furchtbaren Paranoidenängsten.
00:56:52: Diese Ängste waren so massiv dass sie die Art ihrer eigenen Ermordung mit einer geradezu grauenhaften Präzision voraussagte.
00:57:01: Gegenüber einem Begleiter äußerte sie einmal wörtlich ihre größte Befürchtung.
00:57:06: Irgendwann schlägt mir noch einer den Schädel ein.
00:57:10: Auf der anderen Seite dieser extremen Ängste stand jedoch eine emotionale Kälte und skrupellose Manipulationsfähigkeit, die forensisch ihresgleichen sucht.
00:57:21: Und hierfür gibt es einen ultimativen Beweis, der zeigt wie radikal sie sich emotional von sich selbst abgetrennt hatte.
00:57:29: Wir haben vorhin über jenes schreckliche Primärtrauma gesprochen, die reale blutige beinahe tödliche Hinterhofabtreibung, die sie als vierzehnjähriges Kind auf einem schmutzigen Küchentisch erleiden musste.
00:57:43: Ein solches Trauma zerstört die meisten Menschen.
00:57:47: Rosemarie Nitri Bitt jedoch drehte dieses Trauma Jahre später um und machte daraus eine eiskalte berechnende Waffe.
00:57:55: Sie erfand eine skrupellose Erwerbsquelle, in dem sie freiern plötzlich fiktive Schwangerschaften präsentierte und Geld für angebliche Abbrüche forderte.
00:58:05: Dass sie vor solchen Methoden nicht zurückschreckte war sogar justiziabel.
00:58:10: Bereits im Jahr nineteenhundertvierundfünfzig stand sie genau wegen solcher Erpressungen vor Gericht profitierte damals jedoch von einem Freispruch.
00:58:19: Unbeirrt log sie mit geradezu systematischer Fantasie weiter und untermauerte ihre Forderungen in mindestens einem Fall sogar mit einem ärztlichen Attest.
00:58:30: Wie bizarr sie diese Masche inszenierte, zeigte sich nineteenhundert fünfundfünfzig oder sechsundfünftig.
00:58:37: Sie ließ sich von einem zahlenden Kunden eigens bis nach Straßburg fahren wo sie für mehrere Stunden in der Innenstadt verschwand um als vermeintlich frisch operierte Frau zurück zu kehren.
00:58:48: Bei diesem speziellen Begleiter fiel sie zwar durch, er glaubte ihr kein Wort doch wie sich später herausstellte hatte sie sich mit genau dieser Methode bei anderen Männern mehrfach lukrative Nebeneinnahmen gesichert.
00:59:02: Wer bereit ist das eigene fast tödliche Trauma derart systematisch und kaltblütig zu monetarisieren hat jegliche Verbindung zu seinem eigenen Schmerz gekappt.
00:59:13: Diese fingierten Abtreibungen sind der absolute, forensische Beweis.
00:59:18: Unter der glänzenden Oberfläche der Frankfurter Edelhure existierte kein weiches verletzliches Herz mehr.
00:59:25: Dort schlug mutmaßlich nur noch ein emotionaler Tresor.
00:59:30: Warum waren die Männer so fasziniert von ihr?
00:59:33: Es war nicht nur der Sex – Sex gab es billiger und diskreter!
00:59:38: Rosemarie bot ihnen etwas anderes — emotionale Regression ohne Konsequenzen.
00:59:43: Diese Männer trugen die Last des Wiederaufbaus.
00:59:46: Sie mussten stark, rational und moralisch unantastbar sein.
00:59:51: Bei Rosemarie durften sie schwach sein – sie durften abweichende Praktiken ausleben, sie durfte weinen, sie dürften reden.
01:00:01: Nitribit fungierte als Therapeutin, Beichtmutter und Dominar in einem.
01:00:06: Aber… Und hier liegt die Gefahr … sie wusste zu viel!
01:00:11: Ein Skandal hätte eine Karriere schnell vernichten können.
01:00:15: Rosemaris Wissen war eine Waffe und das Mädchen von der Straße wusste instinktiv wie man Waffen benutzt, ob sie tatsächlich erpresste ist juristisch umstritten aber psychologisch übte sie Macht aus – die Macht der Geheimnissträgerin.
01:00:32: Für einen Mann in einer Machtposition ist die Abhängigkeit von einer, in seiner Diktion als Hure zu bezeichnenden Frau eine unerträgliche narzistische Kränkung.
01:00:44: Die Faszination kann blitzschnell in Hass umschlagen.
01:00:48: Stellen Sie sich die junge Rose Marie vor wie sie in ihrem schwarzen Mercedes-Benz-Ainhundertneunzig SL durch die Straßen Frankfurts gleitet!
01:00:57: In ihrem Kopf existierte eine vollkommen andere Welt als in den Köpfen der Männer, die sie auf ihrem Beifahrersitz empfing.
01:01:05: Rosemarie glaubte fest daran – ich gehöre jetzt dazu!
01:01:09: Ich bin eine Dame der Gesellschaft.
01:01:11: Sie trug Pelz, sie bewohnte ein luxuriöses Apartment, sie war prominent.
01:01:17: Doch forensisch betrachtet war dies eine dramatische Überreizung ihrer sozialen Akzeptanz.
01:01:23: Für die Quanz, die Saxes oder die Krupps dieser Zeit war sie niemals eine ebenbürtige.
01:01:29: In ihrer Welt blieb sie das was sie im Kern für sie war ein amüsantes käufliches Spielzeug – ein Objekt dass man benutzt und dann wenn es unbequem wird wie ein altes Möbelstück entsorgt.
01:01:42: Rosemary betrachtete ihr Wissen über Abgründe und Geheimnisse der Elite als vermeintliche Lebensversicherung Vielleicht der gefährlichste Punkt ihrer Biografie.
01:01:53: Mein Wissen ist meine Macht, es schützt mich", mag sie gedacht haben.
01:01:59: Vielleicht war da tatsächlich dieses Tonbandgerät von dem immer wieder die Rede ist?
01:02:05: Doch genau hier liegt die forensische Tragik!
01:02:08: Was für das Mädchen von der Straße eine Absicherung war stellte für einen Mann der Macht eine existenzielle Bedrohung dar.
01:02:16: Und eine Bedrohung.
01:02:17: in diesen Kreisen wird nicht verhandelt, sie wird beseitigt.
01:02:21: Eine gefährliche Fehleinschätzung des
01:02:24: Risikos.".
01:02:25: Rosemarie Genoss das Gefühl – ich bestimme den Preis!
01:02:30: Es gab ihr eine Illusion von Autonomie.
01:02:33: Doch forensisch gesehen liegt die ökonomische Macht niemals bei demjenigen der die Ware anbietet sondern bei dem, den gesamten Markt oder in diesem Fall das Leben der Anbieterin zu kontrollieren.
01:02:48: Die Macht lag zu jedem Zeitpunkt bei den Männern mit den Schäckbüchern, wenn wir die psychologische Ebene betrachten sehen wir eine tiefe Sehnsucht.
01:02:58: Rosemarie suchte in diesen Männern oft nach Vaterfiguren nach Bedeutung.
01:03:03: Sie wollte glauben sie brauchen mich.
01:03:06: ich bin wichtig für sie.
01:03:08: Doch die Realität der Kunden war rein funktional.
01:03:11: Sie suchten keine Partnerin, sie suchten eine Dienstleisterin zur Bedürfnisbefriedigung.
01:03:18: Diese einseitige emotionale Bindung machte sie blind für die Kälte mit der man ihr begegnete sobald die Tür des Luxusapartements ins Schloss fiel.
01:03:39: Wenn wir über Rosemaries verzweifelte Suche nach Vaterfiguren sprechen, verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer müssen wir eine Schlüsselfigur ins Licht zerren die heute fast völlig verblasst ist.
01:03:51: Einen Mann der tatsächlich kein Funktionaler freier war sondern Retter, Beschützer und Liebhaber in einem.
01:04:00: Sein Name war Moses Natus Ein reicher, poliglotter türkischer Unternehmer, den sie im Spätsommer in Italien kennenlernt.
01:04:10: Er ist vierzig Jahre älter als Sie.
01:04:13: Er fährt amerikanische Straßenkreuzer, schreibt ihr liebevolle Briefe und verspricht die helle Seite des Lebens zu zeigen!
01:04:21: Als sie im Dezember, den alten Fort Taunus zu Schrott fährt, ist er es der ihr sofort per internationaler Postanweisung das Geld für einen luxuriösen schwarzen Opel Kapitän schickt.
01:04:34: Natus ist ihr Katalysator.
01:04:37: Er ist der Beweis für Rosemarie dass es da draußen Männer gibt die sie nicht nur für eine Stunde mieten sondern die sie wirklich versorgen wollen.
01:04:47: Im März nineteenhundert fünfundfünfzig reist sie mit ihrem neuen Opel nach San Remo an die Riviera.
01:04:54: Im noblen Hotel Savoyer treffen Sie sich und leben eine Woche lang wie ein ganz normales Ehepaar, Die Illusion des perfekten bürgerlichen Glücks scheint zum Greifen nahe.
01:05:06: Doch am zwanzigsten März neunzehnhundert fünfundfünfzlich offenbart die menschliche Biologie ihre ganze Brutalität.
01:05:16: Nathus erleidet in ihrem gemeinsamen Hotelzimmer einen massiven Herzschlag.
01:05:20: Werfen wir einen nüchternen, forensischen Blick auf diese Szene!
01:05:25: Ein Myokartinfarkt ist kein sanftes Entschlafen wie es uns alte Hollywood-Filme gerne suggerieren.
01:05:32: Es ist ein erbärmlicher, erstickender Überlebenskampf.
01:05:36: Die Coronagefäße verstopfen Der Herzmuskel stirbt rasend schnell durch akuten Sauerstoffmangel ab Die Haut des sechzigjährigen Natus verfärbt sich fahl und ashgrau.
01:05:48: Kalter, klebriger Schweiß bricht aus während der Brustkorb unter vernichtenden Schmerzen förmlich zusammengepresst wird.
01:05:56: Stellen Sie sich die junge Rosemarie vor!
01:05:59: Sie muss in diesem luxuriösen italienischen Hotelzimmer mit ansehen wie Ihr Beschützer Ihre einzige echte Vaterfigur, röchelnd und unter Schmerzen windend darum kämpft dem nahenden Tod noch einmal zu entkommen und bei ihr zu bleiben.
01:06:15: Sie hört sein verzweifeltes Schnappen nach Luft bis die Augen brechen der Körper erschlafft und Moses Herz endgültig zum Stillstand kommt.
01:06:25: Rosemarie fällt in eine tiefe Depression zurück.
01:06:28: in Frankfurt versucht sie verzweiffelt den Verbleib des Leichnahms zu klären Doch die Realität holt sie mit gnadenloser Härte ein.
01:06:37: Natus ist in Istanbul verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.
01:06:42: Das Hotelmanagement speist die weinende Geliebte, mit einem kühlen dreizeiligen Brief ab, in dem lediglich steht der Leichnam sei nach Mailand überführt worden.
01:06:55: Psychologisch betrachtet ist dieser röchelnde Tod in San Remo der absolute Wendepunkt.
01:07:01: Dieser Moment zerschmettert ihre allerletzte Illusion von Geborgenheit, wenn selbst die aufrichtigste Liebe in einem brutalen Defekt endet und sie wieder mit völlig leeren Händen als niemand dasteht – dann so lernt Sie kann man sich auf nichts verlassen nur auf sich selbst!
01:07:20: Und auf eiskalte vertraglich geregelte Transaktionen.
01:07:25: Es ist der Tag, an dem sich Rosemarie Nitribit eine Art Rüstung aus Arroganz, Härte und Kälte als psychologischer Schutzmechanismus zulegte um in der Frankfurter Gesellschaft nie wieder in die Rolle des wehrlosen Opfers zu geraten.
01:07:56: Bevor wir uns nun dem widmen was hinter verschlossenen Türen mit ihrer Seele geschah müssen wir diese Tünen zunächst einmal öffnen.
01:08:05: Lassen sie uns den späteren Tatort begehen Noch nicht als Spurensicherer, sondern als Psychologen.
01:08:12: Die Adresse lautete Stiftstraße thirty-six ein Neubau in bester Citylage am Eschenheimer Turm.
01:08:21: die Architektur dieses Gebäudes schrie förmlich nach der kühlen rationalen Effizienz des Wirtschaftswunders.
01:08:28: Es war ein hypermodernes, luxuriöses Haus mit großen Panoramafenstern, einem massiven Marmour-Foyer, Fahrstuhl und einer durchlaufenden Fußbodenheizung.
01:08:39: In jenen Tagen ein beinahe dekadentes Detail – eine Festung aus Beton und Glas die Diskretion und Unnahrbarkeit ausstrahlte.
01:08:49: Doch wenn man im vierten Stock die Tür zu Appartement einundvierzig öffnete, prallten zwei Welten mit einer derartigen Brutalität aufeinander, dass es forensisch hochspannend wird.
01:09:01: Im Inneren gab es nichts von der kühlen Mondänen-Eleganz, die sie im Frankfurter Hof so perfekt inszenierte – kein klares puristisches Design von Walter Knoll oder Wilkhan.
01:09:14: Was sich stattdessen offenbarte, war die exakte groteske Materialisierung dessen wie sich ein entwurzeltes Heimkind aus der Arbeitsanstalt Brauweiler die große weite Welt vorstellt.
01:09:27: Die Wohnung war eine völlig überladene erstickende Höhle aus künstlichem Barock biederem Chippendale und massiven teuren Möbeln.
01:09:36: Das Prunkstück war das gewaltige Musik-Trohenmodell Dubari III von Ilse Tonmöbel, für dessen Kaufpreis von ´Ainthausendvierhundert Mark ein Mechaniker damals sechshundert Stunden hätte arbeiten müssen.
01:09:50: Es war eine beklemmende ästhetische Schizophrenie – außen die eiskalte Rebecca in das weinende hortende Kind Rosalie, dass sich mit künstlichem Gold und schwerem Holz zu Panzern versuchte.
01:10:03: Und zwischen diesem teuren Mobiliar fand sich Bizarra fast schon obsöner Kitsch.
01:10:09: Auf einem neo-barocken Wandleuchter im Flur thronte eine Bildlili, eine vollbusige Vorläuferin der Barbiepuppe wie ein stummer spöttischer Wasserspeier.
01:10:20: Auf einen Tisch stand ein geschmackloser Gluttöter.
01:10:23: Dazu gesellte sich ein kleines porzellan Schwarzwaldhäuschen das mit einer undefinierbaren Flüssigkeit gefüllt war.
01:10:31: und hier Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer bekommt dieser bizarre Kitsch eine grauen, erregende physische Dimension.
01:10:40: Denn an jenem unheilvollen Tag Ende Oktober, der von Anche noch genauer beschrieben werden wird, wird dieses billige Souvenir zum Stummenzeugen des Überlebenskampfes seiner Besitzerin in dessen Verlauf es zu Boden fällt.
01:10:58: Hinter der Fassade des Skandal Rosemarie verbarg sich eine zutiefst traumatisierte, einsame Frau auf der Suche nach Zuneigung.
01:11:07: Laut Zeugen-Aussagen und Polizeiberichten soll sie verzweifelt versucht haben Freundschaften zu kaufen.
01:11:14: Sie lud wildfremde in ihre Wohnung ein, bewirtete sie königlich nur um nicht allein zu sein.
01:11:21: Ihre Freunde waren oft Parasiten die von ihrem Glanz profitieren wollten.
01:11:26: Echte Intimität, die nicht auf Geld basierte kannte sie kaum.
01:11:30: Der einzige der ihr bedingungslos treu war, war Ihr Hund.
01:11:35: Aber betrachten wir diesen Hund einmal genauer Denn er verrät uns eines der am besten gehüteten Geheimnisse ihrer Seele.
01:11:44: Dieser weiße Pudel hieß ursprünglich Showing Doch irgendwann im Sommer, in den Sonnen der Jove-Line um.
01:11:57: Dieser Name war kein Zufall – er gehörte zu Joe Savinole, einem damals vierundzwanzigjährigen österreichischen Jazz-Pianisten, den sie im Oktober nineteenhundertsechs und fünfzig im Frankfurter Jazzkeller kennengelernt hatte.
01:12:12: Bei diesem jungen, mittellosen Musiker brauchte sie keine Fassade aufrecht zu erhalten.
01:12:18: Zavinul erlebte eine Frau die wild aber sehr sensibel war – Sie erzählte ihm nichts von reichen Freunden oder bürgerlichem Glanz sondern offenbarte ihm ungeschützt ihre wahre Herkunft, Ihre Kindheit in der Eifel und den Heim.
01:12:33: Zavinul war einer der wenigen Männer in ihrem Leben, denen sie nicht als zahlenden Freier schätzte, sondern als echten
01:12:40: Freund.".
01:12:41: Sie glaubten, so erinnerte sich Zavinul später wirklich ineinander verliebt gewesen zu sein.
01:12:47: Dass sie ausgerechnet ihren Pudel ihr einziges treues unbestechliches Lebewesen nach diesem Mann benannte ist ein stummer aber gewaltiger Beweis für ihre emotionale Isolation.
01:13:00: Es zeigt die verzweifelte Sehnsucht nach einer Liebe, die zur Abwechslung nicht auf eine finanziellen Transaktion beruhte.
01:13:09: Doch Zavinulturte weiter Und Rosemarie blieb allein in Frankfurt zurück.
01:13:14: Fast ein halbes Jahrhundert nach ihren letzten gemeinsamen Begegnungen setzte der mittlerweile zu Weltruhm aufgestiegene Jazzmusiker seiner einstigen Freundin, ein unerwartetes und berührendes Denkmal.
01:13:26: Als Joe Zavinul im Jahr two-thausendeins sein Album Faces and Places veröffentlichte viel aufmerksame Musikjournalisten ein markantes Detail auf dem collagenhaften Plattencover ins Auge.
01:13:39: Darauf war das Foto einer jungen Frau abgebildet, die in einem amerikanischen Coupé der Siebzigerjahre saß.
01:13:46: Obwohl das bekannte Originalfoto sie eigentlich im offenen Mercedes-Benz S.L.
01:13:52: zeigte.
01:13:53: Es handelte sich eindeutig um Rosemarie Nitribit –.
01:13:56: dass Savinul ihr auf diesem späten Werk einen so prominenten Platz einräumte und ihre Identität vor Journalisten liebevoll bestätigte ist der schönste Post-Hume Beweis für eine Zuneigung, die den Tod und die Skandale um Jahrzehnte überdauerte.
01:14:12: Doch damals konnte auch ein Pudel namens Joe Rosemarie's zerschlagene Seele nicht heilen.
01:14:19: Diese Isolation machte sie verwundbar.
01:14:22: Ein Mörder hat leichtes Spiel mit jemandem, denen niemand wirklich vermisst, sondern nachdem alle nur fragen wenn Sie etwas
01:14:30: wollen.".
01:14:31: Wenn Rosemarie nicht ans Telefon ging, dachten ihre Freier vermutlich sie hat einen anderen.
01:14:37: Niemand dachte ihr ist etwas zugestoßen.
01:14:41: Zumindest nicht sofort!
01:14:43: Rosemary Nitri Bit spielte mit in einem Spiel dessen Regeln von Männern gemacht wurden die Sie am Ende fallen ließen wie eine heiße Kartoffel.
01:15:02: Es ist unmöglich über Rosemari Nitri Bitt zu sprechen ohne näher auf Ihr bereits von Anche vorgestelltes Auto einzugehen Der schwarze Mercedes-Einhundertneunzig SL mit den roten Ledersitzen.
01:15:15: In der kollektiven Erinnerung sind Frau und Maschine zu einem hybriden Wesen verschmolzen, aber aus krimineologischer Sicht ist dieses Auto weit mehr als ein Fortbewegungsmittel – es ist ein psychologisches Schlüsselsymbol.
01:15:37: Er war der kleine Bruder des legendären, dreihundert SL-Flügeltürers und kostete damals rund sechzehntausendfünfhunderd D-Mark.
01:15:45: Zum Vergleich – ein durchschnittlicher Industriearbeiter verdiente etwa vierhundert D Mark im Monat.
01:15:52: Ein Arbeiter hätte also fast dreieinhalb Jahre lang jeden Fennig sparen müssen ohne zu essen oder zu wohnen um dieses Auto zu kaufen!
01:16:00: Dass eine vierundzwanzigjährige Frau, die offiziell keinen Beruf ausübte dieses Autofuhr war eine ungeheure Provokation.
01:16:09: Es war ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Bevölkerung und eine ironische Fratze gegenüber den Ehefrauen ihrer Kunden, die oft bescheidene Wagen fuhren.
01:16:23: Zwei Wagen in einem vereinigen sich in dem neuen Mercedes-Benz Tourensportwagen Typ onehundertneunzig SL Als Reisewagen.
01:16:32: wie für die tägliche Fahrt im Stadtverkehr bietet der rassig elegante, zweisitzige Roadster für einen wagensportlichen Charakter ein ungewöhnlich hohes Maß von Fahrkomfort, Zuverlässigkeit und Sicherheit.
01:16:45: Zeitsparende Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit und leichte Bedienung machen ihn zum vorzüglichen Gebrauchsfahrzeug.
01:16:53: Darüber hinaus ermöglichen seine hohe Leistung und imponierenden Fahreigenschaften die erfolgreiche Teilnahme an motorsportlichen Wettbewerben.
01:17:01: In der Formschönheit und Harmonie der Linien spiegelt sich echte Sindelfinger Karosserie-Baukunst.
01:17:07: Die niedere Motorhaube gewährt hervorragende Sicht auf die Fahrbahn bis unmittelbar vor den Wagen, einen guten Blick über die Kotflügel.
01:17:16: Fahrkomfort und Ausstattung bestätigen die glückliche Verbindung von sportlicher Note & Leistung mit der Bequemlichkeit des Reisewagens.
01:17:24: Die eingebaute Lüftung und Heizung, auf jeder Seite getrennt regulierbar, sorgt stets für ein angenehmes Klima.
01:17:32: Spielend leicht zu bedienende Lenkung und Schaltung sowie eine fülle kleiner Annehmlichkeiten von der Druckknopf-Türöffnung bis zur Leselampe machen jeden Kilometer in dem schmucken, sportlichen Roadster zur Freude!
01:17:44: Sicheren Halt- und bequemen Sitz bei jeder Fahrweise geben die für diesen schnellen Wagen entwickelten Spezialsitze.
01:17:51: Sie sind in Längsrichtung verstellbar, können nach vorn umgeklappt werden.
01:17:56: Außerdem kann im Fond ein dritter Sitz quer zur Fahrtrichtung angebracht werden.
01:18:01: Die geräumigen Taschen an den breiten Türen sind oben mit einem lang gestreckten Wulst versehen der gleichzeitig als Armstütze und Zugriff dient.
01:18:10: Reichlich Platz bietet der große Kofferraum für den auf Sonderwunsch drei Spezialkoffer geliefert werden.
01:18:17: Zwei weitere Koffer nimmt der Raum hinter den Sitzen auf.
01:18:20: Der Vierzylindermotor mit zwei Solex-Register Flachstromvergasern, leistet eine Hundertfünf Pferdestärken und verleiht dem Typ einhundertneunzig SL Eine Spitzengeschwindigkeit von ca.
01:18:32: Einenhundertachtzig Kilometer pro Stunde.
01:18:35: Alle vier Vorwärtsgänge sind zwangsynchronisiert.
01:18:39: Die günstige Abstufung des Getriebes und die kurzen Schaltzeiten lassen den Typ-einhundertneunzig SL eine ganz hervorragende Beschleunigung erreichen.
01:18:49: Dabei kann der zweite Gang bis neunzig Kilometer pro Stunde, und der dritte Gang mit einer Geschwindigkeit von einhundertfünfundvierzig Kilometer per Stunde ausgefahren werden.
01:19:04: Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, was Anche zuvor bereits zutreffend als Statement- und Statussymbol beschreibt ist aus psychologischer Sicht für mich noch mehr.
01:19:14: Ich vertrete die These dass der Hundertneunzig SL für Rosemarie Nitri Bit als Psychologisches Exoskelett fungierte.
01:19:23: Ohne das Auto war sie angreifbar – zu Fuß auf der Straße war sie den Blicken, den Kommentaren und der Sittenpolizei ausgeliefert.
01:19:31: Aber im Auto hinter dem glänzenden Krom und dem schwarzen Blech war sie unberührbar.
01:19:37: Der Wagen gab ihr physischen Schutz, er war eine Barriere zwischen ihr und der Welt.
01:19:44: Geschwindigkeit und die Möglichkeit jederzeit zu fliehen.
01:19:49: Flucht war ihr lebenslanges Motiv Die Flucht aus dem Heim Und die Flucht Aus der Armut.
01:19:56: Soziale Elevation.
01:19:59: Im Auto war sie auf Augenhöhe mit den Mächtigen.
01:20:02: An der Ampel blickte sie nicht zu ihnen auf, sondern zu ihnen hinüber.
01:20:07: Das offene Verdeck war dabei Teil der Inszenierung.
01:20:11: Sie versteckte sich nicht – sie präsentierte sich.
01:20:15: das weiße Kopftuch die Sonnenbrille Der Pudel auf dem Beifahrersitz – das war eine perfekt choreografierte Performance.
01:20:24: Seht her Schrie dieser Wagen, ich habe es geschafft.
01:20:27: Ihr verachtet mich aber ihr begehrt was ich
01:20:30: habe.".
01:20:32: Der Beifahrersitz ist dabei ein Detail das in seiner Traurigkeit kaum zu überbieten ist.
01:20:38: Dieser Sitz war oft leer oder er war besetzt von ihrem Pudel.
01:20:43: Ein zweisitziger Roadster ist ein Auto für Paare – Für Ausflüge ins Grüne und für romantische Wochenenden.
01:20:50: Bei der Nitri Bit war der Roadster ein Fahrzeug der Einsamkeit.
01:20:54: Sie fuhr stundenlang sinnlos durch Frankfurt, um gesehen zu werden.
01:20:59: Aber vielleicht auch, um der stille und unerträglichen emotionalen Isolation in ihrer Wohnung in der Stiftstraße zu entkommen?
01:21:08: Denn Prestige und eine glänzende Fassade können keine Wunden heilen!
01:21:13: Der Motorlärm übertönte die inneren Dämonen – Die Bewegung simulierte Fortschritt auch wenn sie sich nur im Kreis drehte.
01:21:21: Das Auto war ihr einziger wirklicher Partner.
01:21:24: Es enttäuschte sie nicht, es verlangte nichts außer Benzin und es glänzte immer so lange man es polierte.
01:21:31: In gewisser Weise war ihre Beziehung zu dem Mercedes die stabilste Beziehungen ihres Lebens.
01:21:44: Und damit kommen wir zum Fazit dieses Kapitels.
01:21:47: Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer.
01:21:50: War Rosemarie Nitri Bit eine Manipulatorin?
01:21:53: Vielleicht?
01:21:55: Aber in einer Welt, in der Männer die Macht hatten und Frauen nur Figuren auf dem Schachbrett waren war Manipulation ihre einzige Formen der Selbstverteidigung.
01:22:04: Sie spielte falsch – aber sie spielten an einem Tisch, an dem die Karten von Anfang angezinkt waren.
01:22:11: War sie ein Opfer ihrer Zeit?
01:22:13: Zweifel los!
01:22:15: Sie war das Opfer einer Gesellschaft, die Sex wollte, aber Sexualität hasste.
01:22:21: Einer Gesellschaft, aber den Aufsteiger verachtete, wenn er aus der falschen Klasse kam.
01:22:29: Rosemarie Nitribit hielt der jungen Bundesrepublik den Spiegel vor und weil den mächtigen Männern nicht gefiel was sie darin sahen ihre eigene Gier, ihre eigene Lehre, ihrer eigene Doppelmoral musste der Spiegl zerbrochen
01:22:45: werden.".
01:23:06: Damit endet der erste Teil unserer vierteiligen Reihe über Rosemarinitribit.
01:23:11: Heute haben wir vor allem auf den Menschen hinter dem bekannten Namen geschaut.
01:23:15: Auf Rosemaris Herkunft, ihre frühen Erfahrungen, ihren Weg nach Frankfurt und auf den Aufstieg der sie sichtbar machte – sichtba für Männer mit Geld, sichtbaar für eine Stadt im Wandel, suchtbar für eine Gesellschaft die gerne über Moralsprach während Sie Ihre eigenen Widersprüche lieber verschwieg.
01:23:33: Doch genau diese Sichtbarkeit machte Rosemaria auch angreifbar!
01:23:36: Denn je mehr sie auffiel, desto mehr wurde sie zur Projektionsfläche.
01:23:40: Für Neid, für Gerüchte, für Fantasien und für spätere Deutungen.
01:23:45: Im nächsten Teil gehen wir an den Ort, an dem aus Rosemarys Leben ein Mordfall wurde – in ihrer Wohnung in der Stiftstraße-Sechsendreißig.
01:23:53: Wir sprechen über die Aufwinde-Situationen, über die ersten Ermittlungen und über die vielen Fehler, die diesen Fall bis heute
01:23:59: begleiten.".
01:24:00: Wir hören uns nächste Woche.
01:24:02: Danke, dass ihr heute mit uns durch die Schatten gereist.
01:24:04: seid und bleibt wachsam für die Geschichten hinter den
01:24:43: Geschichten!
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