The Mad Gasser of Mattoon - Die Angst, die eine Stadt angriff
Shownotes
In dieser Folge reisen wir nach Mattoon, Illinois, in den September 1944. Eine Kleinstadt, geprägt vom Zweiten Weltkrieg, von Zeitungsberichten, Kriegsangst und der Erinnerung an Giftgas aus dem Ersten Weltkrieg.
Innerhalb weniger Tage melden mehrere Menschen seltsame Gerüche und körperliche Beschwerden. Die lokale Presse spricht bald von einem „Anesthetic Prowler“, also sinngemäß einem „betäubenden Herumschleicher“, und später vom „Mad Gasser“, dem „verrückten Gasangreifer“. Die Polizei sucht nach Hinweisen, Bürger patrouillieren bewaffnet durch die Straßen, die Angst wächst.
Wir schauen uns an, was damals berichtet wurde, welche Rolle die Presse spielte und warum der Fall bis heute als bekanntes Beispiel für Mass Sociogenic Illness, also eine massensoziogene Erkrankung, beziehungsweise Mass Psychogenic Illness, also eine massenpsychogene Erkrankung, diskutiert wird.
Gleichzeitig geht es auch um offene Fragen: mögliche Industrieemissionen, das Tuch bei Beulah Cordes, die Sichtung bei Aline und Bert Kearney und die spätere, umstrittene Theorie rund um Farley Llewellyn.
Wichtig: Farley Llewellyn wurde nie wegen der Mattoon-Vorfälle angeklagt oder verurteilt. Diese Theorie bleibt eine spätere Deutung und wird in der Folge ausdrücklich als solche eingeordnet.
Am Ende bleibt die Frage: Hat die Zeitung die Angst in Mattoon nur begleitet — oder hat sie mit ihren Schlagzeilen selbst dazu beigetragen, dass aus einem unklaren Vorfall eine moderne Schreckfigur wurde?
Triggerwarnung:
Diese Folge thematisiert mögliche Gasangriffe, körperliche Beschwerden, Angst, Panik, bewaffnete Bürgerwehren und die öffentliche Verdächtigung eines Mannes, dessen Schuld nie bewiesen wurde. Es geht um keinen Mordfall und um keine detaillierten Gewaltdarstellungen. Die Stimmung der Geschichte kann trotzdem belastend sein.
Schreibt mir eure Gedanken dazu gerne auf Instagram: @chronik.der.schatten_podcast
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Danke, dass ihr heute wieder mit mir durch die Schatten gereist seid.
Bleibt wachsam — für die Geschichten hinter den Geschichten.
Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.
Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.
Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.
Quellen und weiterführende Hinweise: Die Folge basiert unter anderem auf zeitgenössischen Berichten des Mattoon Daily Journal-Gazette aus dem September 1944, auf Donald M. Johnsons Studie „The Phantom Anesthetist of Mattoon: A Field Study of Mass Hysteria“ aus dem Jahr 1945, auf späteren Einordnungen von Robert E. Bartholomew und Simon Wessely zur massensoziogenen Erkrankung sowie auf Scott Marunas Gegenhypothese aus dem Buch The Mad Gasser of Mattoon: Dispelling the Hysteria.
Außerdem wurden Übersichten und Archivmaterialien der University of Illinois Library, der Eastern Illinois University, Belt Magazine, Illinois Times, Damn Interesting, Time Magazine sowie toxikologische Informationen von ATSDR/CDC herangezogen. Unterschiedliche Deutungen werden in der Folge klar voneinander getrennt. Wo etwas offen bleibt, wird es auch als offen benannt.
Mein Mikro findet ihr hier: https://amzlink.to/az0fmj3oRmgSC
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Transkript anzeigen
00:00:03: Willkommen bei Chronik der Schatten.
00:01:01: Schön, dass ihr wieder dabei seid!
00:01:03: Heute reisen wir in eine Geschichte, bei der ich selbst beim Recherchieren immer wieder dachte, dass es irgendwie schwer zu greifen.
00:01:10: Es gibt keinen klassischen Tatort, keinen verurteilten Täter und bis heute keine eindeutige Antwort.
00:01:16: Trotzdem hat diese Geschichte damals unglaublich viel ausgelöst!
00:01:27: Die folgende Episode thematisiert mögliche Gasangriffe, körperliche Beschwerden, Angst, Panik bewaffnete Bürgerwehren und die öffentliche Verdächtigung eines Mannes dessen Schuld nie bewiesen wurde.
00:01:39: Es geht heute um keinen Mordfall und um keine detaillierten Gewaltdarstellungen – die Stimmung der Geschichte kann trotzdem belastend sein!
00:01:47: Bitte hört nur weiter wenn ihr euch damit wohl fühlt.
00:01:55: Bevor ich anfange, einmal wieder kurz zur Einordnung.
00:01:58: Was ich euch heute erzähle basiert auf Belegbankquellen.
00:02:01: Es geht um zeitgenössische Zeitungsberichte, spätere Auswertungen, wissenschaftliche Arbeiten und historische Einordnungen.
00:02:08: Wo etwas belegt ist, sage ich das.
00:02:11: Wo es nur eine Theorie ist, sag' ich das auch.
00:02:14: Das ist heute besonders wichtig weil diese Geschichte bis heute keine klare Auflösung hat Keine kurze Verunsicherung, die nach ein paar Minuten wieder vorbeigeht.
00:02:27: Es war eine Angst, die blieb!
00:02:29: Eine Angst vor einem Mann den niemand wirklich greifen konnte.
00:02:32: Vor einem Gas das niemand eindeutig nachweisen konnte.
00:02:36: Von Nächten in denen Menschen plötzlich krank wurden und niemand sicher sagen konnte warum.
00:03:11: Ungefähr auf halber Strecke zwischen St.
00:03:13: Louis und Indianapolis.
00:03:15: Im September nineteenhundertvierzig leben dort rund achtzehntausend Menschen, es ist keine Großstadt – eher eine typische Kleinstadt des mittleren Westens mit Wohnstraßen, Nachbarschaften, Kirchen, Geschäften, Bahnlinien und Fabriken.
00:03:30: Die Eisenbahn spielt für Matoun schon lange eine wichtige Rolle und auch die Industrie gehört zum Stadtwelt.
00:03:37: Gleichzeitig ist der Alltag vom Zweiten Weltkrieg geprägt.
00:03:40: Viele Männer sind im Militärdienst, Familien warten auf Nachrichten von der Front, Zeitungen bringen täglich Kriegsberichte.
00:03:48: Mitun ist also kein Ort an dem man eine internationale Schlagzeile erwarten würde – eher eine Stadt in der jeder ungewöhnliche Vorfall schnell zum Gespräch wird!
00:03:58: Der zweite Weltkrig befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einer entscheidenden Phase.
00:04:02: Die Landung der Alliierten in der Normandie, der sogenannte D-Day liegt zu diesem Zeitpunkt ungefähr drei Monate zurück.
00:04:09: Die Allierten kämpfen sich durch Frankreich – im Pazifik geht der Krieg mit großer Härte weiter!
00:04:15: Auch Methuen hat Männer an die Front geschickt.
00:04:17: Zu Hause bleiben Frauen, Kinder, ältere Menschen, Familien, die warten, hoffen, Briefe lesen und die Zeitungen verfolgen.
00:04:25: Diese Zeitungen sind wichtig für diese Geschichte.
00:04:32: keine sozialen Medien, keine Push-Nachrichten.
00:04:35: Für viele Familien ist die Lokalzeitung die wichtigste Verbindung zur Außenwelt – was dort steht prägt Gespräche es präagt Sorgen Es präght auch wie Menschen ungewöhnliche Dinge in ihrer Umgebung deuten.
00:04:48: Man darf dabei nicht vergessen wie klein die Informationswelt vieler Menschen damals war.
00:04:53: Heute würden wir wahrscheinlich mehrere Quellen prüfen.
00:04:56: Wir würden nach Bildern suchen, nach Polizeistatements, nach Gegendarstellungen und nach Expertenmeinungen.
00:05:06: ...wenn die Lokalzeitung am Frühstückstisch lag war sie für viele Menschen die wichtigste Informationsquelle.
00:05:12: Diese Zeitung wanderte weiter vom Küchentisch auf die Arbeit, vom Einkauf zurück in die Nachbarschaft.
00:05:18: von Haus zu Haus In einer Kleinstadt verbreitet sich eine Geschichte über Papier, aber auch von Mund zu Mund.
00:05:26: Jeder spricht darüber – jeder fragt sich ob er selbst etwas gehört, gerochen oder gesehen hat.
00:05:32: Jede Beobachtung bekommt plötzlich eine neue Bedeutung!
00:05:36: Wenn in so einer Umgebung von einem Mann berichtet wird der nachts durch die Straßen schleicht und Menschen mit einem unbekannten Gas betäubt bleibt diese Information nicht abstrakt.
00:05:46: sie geht mit ins Schlafzimmer Sie steht nicht am offenen Fenster Sie sitzt mit am Bettrand, wenn draußen ein Geräusch zu hören ist.
00:05:54: Das ist wichtig, weil Matoun eine Stadt war in der sehr schnell viele Menschen dieselbe Erklärung für seltsame Dinge bekam.
00:06:02: In der Kriegsberichterstattung spielt die Angst vor Giftgas eine reale Rolle.
00:06:06: Die Erinnerung an den ersten Weltkrieg ist damals noch sehr präsent.
00:06:27: In dieser Atmosphäre beginnt die Geschichte.
00:06:36: Krieg Zeitungsberichte, Angst vor Giftgas, offene Fenster in warmen Nächten.
00:06:42: Eine Stadt die ohnehin unter Spannung
00:06:44: steht.".
00:07:00: Die ersten Berichte tauchen Ende August und Anfang September, nineteenhundertvierzig auf.
00:07:06: In der Nacht vom einendreißigsten August auf den ersten September soll er einen Mann namens Urban Reef in seinem Schlafzimmer aufgewacht worden sein.
00:07:14: Er roch etwas Seltsames – ihm wurde schlecht!
00:07:17: Er fühlte sich schwach.
00:07:18: Seine Frau soll versucht haben, aufzustehen und berichtete später sie habe ihre Beine zeitweise nicht richtig bewegen können.
00:07:26: Solche frühen Berichte sind schwer einzuordnen – Sie werden im Rückblick wichtig weil sie zu dem passen was kurz darauf in Methuen zum großen Thema wird.
00:07:34: Ein seltsamer Geruch Übelkeit Schwäche Kribbeln Lemungsgefühle.
00:07:40: Die Nacht die den Fall wirklich ins Rollen bringt ist aber die nacht vom ersten auf den zweiten September.
00:07:48: In den Quellen wird ihr Vornahme teils leicht unterschiedlich wiedergegeben.
00:07:52: Ich bleibe hier bei Eileen Kearney, sie liegt in ihrem Schlafzimmer in der Marshall Avenue.
00:07:57: Ihr Mann Burt Kearnee ist Taxifahrer und zu diesem Zeitpunkt nicht Zuhause – ihre Schwester ist im Haus.
00:08:03: auch ihr kleines Kind schläft dort.
00:08:06: Eileen Kerney hat das Fenster offen.
00:08:08: die Nacht ist warm.
00:08:09: Sie bemerkt einen Geruch süßlich ungewöhnlich.
00:08:13: später wird dieser Geruch in vielen Berichten mit billigem Parfüm verglichen.
00:08:18: Erst denkt sie wohl an Blumen oder etwas aus der Umgebung, dann wird der Geruch stärker.
00:08:24: Ihr wird übel – Sie fühlt sich schwach!
00:08:26: Sie versucht aufzustehen und berichtet später dass ihre Beine sich nicht richtig bewegen ließen.
00:08:32: Sie ruft nach Hilfe.
00:08:33: Ihre Schwester bemerkt den Geruch ebenfalls, die Polizei wird verständigt.
00:08:38: Die Beamten finden zunächst keinen eindeutigen Hinweis auf einen Täter, kein festgestellter Einbruch, kein nachgewiesenes Gas Keine gesicherte Spur, die erklärt was passiert sein soll.
00:08:50: Als Bördkönig später nach Hause kommt berichtet er, er habe in der Nähe eines Fensters eine Gestalt gesehen – einen Mann sich entfernt haben.
00:08:59: Diese Aussage wird wichtig weil sie der Geschichte eine Form gibt.
00:09:02: Aus einem Geruch aus Übelkeit und Angst wird in der Zeitung schnell ein nächtlicher Eindringling.
00:09:09: Am nächsten Morgen berichtet es mit Toon Daily Journal Gazette auf der Titelseite.
00:09:15: Die Schlagzeile lautet Anesthetic-Prowler on loose, also sinngemäß.
00:09:20: Ein betäubender Herumschleicher ist unterwegs.
00:09:23: Schon diese Formulierung ist entscheidend – die Zeitung berichtet von einer Frau, die einen seltsamen Geruch wahrgenommen und Symptome erlebt hat.
00:09:31: Gleichzeitig gibt sie der Sache eine Figur.
00:09:34: Einen Prowler, einem Mann, der herumschleicht…einen Angreifer!
00:09:39: Die Schlagzeilen der nächsten Tage lesen sich fast wie Kapitelüberschriften einer Geschichte, die sich selbst immer wieder weiterschreibt.
00:09:46: Erst ist da der Anesthetik-Prowler – also der betäubende Herumschleicher.
00:09:51: Dann kommen weitere Opfer dazu.
00:09:53: Aus dem Herumschleicher wird ein Mad Anesthetic.
00:09:57: Später ein Mad Gesser – also sinngemäß der verrückte Gasangreifer!
00:10:02: Allein diese Namensänderung ist spannend, denn Sprache verschiebt Wahrnehmung.
00:10:07: Ein Pauler isst jemand der herumschleicht!
00:10:09: Ein Anesthetik klingt schon nach jemandem, der gezielt betäubt.
00:10:13: Ein Gesser iß noch drastischer – das Wort klingt gefährlich, kriegerisch fast militärisch.
00:10:20: Je öfter die Begriffe gedruckt werden, desto fester wird die Figur.
00:10:24: Am Anfang iß da ein unklarer Geruch dann eine mögliche Gestalt am Fenster, dann eine Schlagzeile, dann einen Name.
00:10:32: Dann eine Stadt, die glaubt sie werde von einem nächtlichen Angreifer heimgesucht.
00:10:37: An dieser Stelle wirkt der Fall fast erschreckend modern.
00:10:40: Eine unsichere Information bekommt ein starkes Wort.
00:10:44: Dieses Wort verbreitet sich.
00:10:46: Danach wird es immer schwieriger die Geschichte wieder kleiner zu machen.
00:10:50: Ob dieser Mann tatsächlich existierte?
00:10:52: Ob Burt Kearney wirklich jemanden sah?
00:10:55: Ob diese Gestalt etwas mit dem Geruch zu tun hatte All das bleibt offen.
00:11:00: Aber die Geschichte hat jetzt einen Namen, ein Rahmen eine Bedrohung, die man sich vorstellen kann.
00:11:29: In den folgenden Tagen melden sich weitere Menschen.
00:11:32: Die Beschreibungen ähneln sich Ein süßlicher Geruch Übelkeit Schwäche Kribbeln Zeitweise Lemungsgefühle Brennen in Mund oder Hals.
00:11:41: Für die Menschen im Matun muss das unglaublich beängstigend gewesen sein.
00:11:45: Stell dir das vor.
00:11:46: Du liest morgens in der Zeitung dass jemand nachts durch die Straßen schleicht und Menschen mit Gas betäubt.
00:11:52: Am Abend gehst du ins Bett, draußen ist es dunkel.
00:11:56: Vielleicht steht ein Fenster offen?
00:11:58: Vielleicht riecht irgendwo etwas ungewöhnlich!
00:12:01: Ein Lösungsmittel Blumen Abgase Rauch Ein Tier Irgendetwas das an einem anderen Tag vielleicht keine große Bedeutung gehabt hätte.
00:12:10: In dieser Woche bekommt jeder Geruch ein Gewicht.
00:12:14: Besonders furchteinflößend war die Vorstellung eines Täters der gar nicht direkt angreifen musste.
00:12:20: Bei einem Einbrecher gibt es Spuren, eine aufgebrochene Tür, Fußabdrücke gestohlene Gegenstände.
00:12:26: Bei einem körperlichen Angriff gibt es Verletzungen Zeugen vielleicht auch Kampfspuren.
00:12:32: Hier aber geht es um etwas Unsichtbares Um ein Geruch, um einen Gas, um etwas das durch ein Fenster kommen konnte während man schlief.
00:12:40: Das verändert die Art der Angst.
00:12:42: Man kann eine Tür abschließen Man kann ein Licht brennen lassen Man kann einen Hund im Haus haben Aber wie schützt man sich vor Luft?
00:12:51: Diese Unsichtbarkeit macht den Matt Gesser so wirksam als Schreckfigur.
00:12:55: Er musste nicht laut sein, er musste nicht gesehen werden, er muss nicht einmal bewiesen werden!
00:13:01: Es reichte das Menschenglaubten.
00:13:03: irgendwo in der Dunkelheit könnte jemand stehen, der etwas in ihre Häusersprühte.
00:13:08: Die Berichte nehmen zu – die Stadt beginnt nach einem Mann zu suchen, den kaum jemand klar gesehen hat.
00:13:15: Manche sprechen von einer Gestalt in dunkler Kleidung Andere von einer Kappe.
00:13:20: Wieder andere beschreiben eine Art Sprügelät, ähnlich einer alten Insektenspritze.
00:13:25: Es gibt Sichtungen, Vermutungen, Geräusche und Schatten.
00:13:30: In der Nacht des fünften September kommt es zu einem Vorfall, der dem Fall noch rätselhafter macht.
00:13:36: Karl-und Biola Cordes kehren gegen Abend nach Hause zurück.
00:13:40: Auf ihrer Veranda liegt ein Tuch.
00:13:42: Biola cordes hebt es auf und riecht daran – danach wird ihr schlecht!
00:13:46: Sie berichtet von einem heftigen körperlichen Gefühl, von Brennen im Mund- und Rachenbereich.
00:13:52: Von Schwäche!
00:13:53: In manchen späteren Darstellungen ist auch von Verletzungen oder Blut im Mundbereich die Rede.
00:13:59: Neben dem Tuch wurden außerdem ein Lippenstift und einen sogenannten Skelettschlüssel gefunden – also ein einfacher alter Schlüsseltyp der bei bestimmten Schlössern mehrere Türen öffnen konnte.
00:14:11: Was diese Gegenstände dort zu suchen hatten, ist nie abschließend geklärt worden….
00:14:17: Waren sie zufällig dort, wurden sie abgelegt?
00:14:20: Hatten Sie mit dem Vorfall zu tun?
00:14:22: Wir wissen es nicht.
00:14:24: Das Tuch wird untersucht – der entscheidende Punkt ist kein eindeutiger chemischer Nachweis gefunden, der die geschilderten Symptome erklären könnte!
00:14:33: Das beweist natürlich nicht automatisch das nie etwas auf dem Tuch war.
00:14:37: Es beweist aber auch keinen Angriff.
00:14:39: Hier liegt eines der großen Probleme dieses Falls….
00:14:42: Die Berichte klingen dramatisch ….
00:14:44: die Beweise bleiben schwach.
00:14:45: Trotzdem ist der Fall längst in den Schlagzeilen und dort bleibt er auch.
00:14:59: Was als Lokalnachricht beginnt, wird innerhalb weniger Tage zu einer nationalen Geschichte.
00:15:04: Zeitungen aus Chicago interessieren sich für Methuen – auch überregionale Medien greifen dem Fall auf!
00:15:10: Die Sprache wird immer dramatischer.
00:15:12: Aus einem unbekannten Geruch wird in manchen Berichten ein gefährliches Gas.
00:15:16: Aus unsicheren Sichtungen wird ein nächtlicher Angreifer.
00:15:19: Aus einzelnen Meldung wird eine Stadt im
00:15:22: Belagerungszustand.".
00:15:24: Eine Zeitung spricht sogar von einem Deadly-Nerve-Gas, also einem tödlichen Nervengas.
00:15:30: Das ist ein gewaltiger Sprung!
00:15:32: Denn ein solches Gas wurde nicht nachgewiesen.
00:15:34: Kein Laborbefund bestätigt diese Formulierung – aber sie steht in der Welt.
00:15:39: Sobald so ein Wort einmal gedruckt ist, verändert es wie Menschen die Lage wahrnehmen.
00:15:44: Auch der Mad Gasser selbst bekommt durch die Berichterstattung immer mehr Gestalt.
00:15:49: Er wird als großer, dünner Mann beschrieben mit dunkler Kleidung.
00:15:53: Mit einer Kappe und einer Vorrichtung in der Hand lautlos, gefährlich und schwer zu fassen.
00:15:59: Keine dieser Beschreibungen beruht auf einer gesicherten Identifikation.
00:16:03: Es sind Berichte einzelner Menschen meist nachts oft unter Angst teilweise nach dem Wahrnehmen eines unbekannten Geruchs aber die Details setzen sich fest.
00:16:14: Der Met Gesser ist zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Gerücht.
00:16:17: er ist eine Figur geworden Eine Gestalt über die gesprochen wird, Über die Zeitung auf der Straße in den Häusern und am Küchentisch.
00:16:26: Mit tun verändert sich Die Polizei fährt mehr Streife.
00:16:31: Der Fall beschäftigt die lokalen Behörden Und auch Ermittler von außerhalb interessieren sich für die Meldungen.
00:16:37: In zeitgenössischen und späteren Darstellungen wird außerdem erwähnt Dass das FBI eingeschaltet oder zumindest mit dem Fall in Verbindung gebracht wurde.
00:16:45: Für die Menschen vor Ort reicht es aber nicht.
00:16:47: Sie haben Angst.
00:16:48: Viele wollen nicht einfach abwarten, ob es noch einmal passiert.
00:16:52: Also beginnen Bürgerinnen und Bürger selbst nach dem Gässer zu suchen.
00:16:56: Nachts patrouillieren Menschen durch die Straßen – einige sind bewaffnet!
00:17:00: Es ist von Schrotflinten, Pistolen, Knüppeln und Baseballschlägern die Rede.
00:17:05: Manche Frauen verlassen das Haus nur noch bewaffnete oder schlafen mit einer Waffe in der Nähe.
00:17:10: Andere ziehen vorübergehend zu Freunden, Nachbarn oder Verwandten weil sie sich allein im eigenen Haus nicht mehr sicher fühlen….
00:17:18: Damit wird die Lage für die Polizei noch gefährlicher.
00:17:21: Denn wenn eine Stadt voller Angst nachts bewaffnet durch die Straßen- und Hinterhöfe läuft, reicht am Ende ein Schatten-, ein Geräusch oder eine falsche Bewegung.
00:17:30: Dann kann jemand verletzt oder sogar erschossen werden – obwohl vielleicht überhaupt kein Angreifer dort ist!
00:17:36: Die Behörden warnen deshalb vor diesen Suchtrupps.
00:17:39: Plötzlich wirkt die Panik selbst greifbarer und gefährlicher als der Mann nach dem alle suchen….
00:17:45: Das ist für mich einer der unheimlichsten Punkte an dieser Geschichte.
00:17:49: Selbst wenn es diesen Täter nie gegeben hat, war die Wirkung real!
00:17:53: Die Menschen hatten Angst – sie fühlten sich in ihren eigenen Häusern nicht mehr sicher.
00:17:57: Sie schliefen unruhig, achteten auf jedes Geräusch und manche griffen sogar zu Waffen.
00:18:02: Eine ganze Stadt reagierte auf eine Gefahr, die niemand wirklich beweisen konnte….
00:18:07: Der Mapgäser musste nicht einmal sichtbar sein um Matun zu
00:18:10: verändern.".
00:18:29: Am elften September, nineteenhundertvierzig änderte sich der Ton in der lokalen Berichterstattung.
00:18:35: Das Methune Daily Journal Gazette veröffentlicht eine Schlagzeile die deutlich skeptischer klingt als die ersten Meldungen.
00:18:42: Sinngemäß viele Polarmeldungen wenige echte Fälle.
00:18:47: das ist bemerkenswert denn dieselbe Zeitung die den Fall mit einer sehr starken Schlagzeit groß gemacht hatte beginnt nun die eigene Geschichte vorsichtiger zu betrachten.
00:18:57: Am zwölften September folgt eine Erklärung von Polizeichef C.E.
00:19:02: Cole.
00:19:04: Cole sagt sinngemäß, es gebe keinen Mann der nachts durch Methuen schleicht und Häuser mit Gas füllt – die gemeldeten Gerüchte könnten von der Atlantis Imperial Dysal Energy Company stammen und durch Windverhältnisse in Wohnungsgebiete getragen worden
00:19:18: sein.".
00:19:19: Zusätzlich, so die polizeiliche Deutung, könnten Angst und Aufregung viele Meldungen verstärkt oder überhaupt erst ausgelöst haben.
00:19:28: Wichtig ist – diese Erklärung der Polizei war keine endgültige Lösung!
00:19:33: Zwar wurden später mögliche Industrieemissionen- und Lösungsmittel wie Kohlenstoff-Hitraklorid oder Trichlorethyläne diskutiert, die bei entsprechender Exposition tatsächlich Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel-, Übelkeit oder Benommenheit auslösen können….
00:19:49: Bewiesen wurde dadurch aber nicht, dass solche Stoffe die Vorfälle im Methuen verursacht haben.
00:19:54: Die Atlas-Vertreter widersprachen der Darstellung und verwiesen unter anderem darauf das eigene Beschäftigte keine entsprechenden Beschwerden gemeldet
00:20:03: hätten.".
00:20:05: Damit bleiben zwei Dinge gleichzeitig wahr – die Erklärung der Polizei war ein Versuch, die Stadt zu beruhigen und eine rationale Erklärungen zu benennen.
00:20:13: Gleichzeitig war diese Ursache nicht abschließend bewiesen.
00:20:17: Coles Erklärung sollte man tun zurück auf den Boden holen.
00:20:20: Aus dem unheimlichen Täter am Fenster wurde eine Mischung aus Industrie, Wind, Geruch und Angst.
00:20:26: Aber eine polizeiliche Erklärungen ist keine emotionale Lösung.
00:20:29: Wer nachts im Bett gelegen und geglaubt hatte die Beine nicht mehr bewegen zu können hörte.
00:20:34: nun vielleicht war es Angst?
00:20:36: Vielleicht ein Geruch?
00:20:37: Vielleicht war da nie jemand.
00:20:40: Das kann beruhigen!
00:20:41: Es kann auch kränken... Denn es klingt schnell so, als sei der eigene Schrecken weniger wert gewesen.
00:20:48: Diese Schwierigkeit begegnet uns bis heute.
00:20:50: bei solchen Fällen – eine rationale Erklärung nimmt die Erfahrung nicht automatisch ihre Wucht.
00:20:55: Die Angst war ja da!
00:20:56: Die körperlichen Symptome wurden erlebt.
00:20:59: Die Stadt hatte sich verändert.
00:21:00: Selbst wenn der Met Gesser nie existierte, hatte die Geschichte reale Macht.
00:21:05: Trotzdem passiert nach dieser öffentlichen Einordnung etwas Auffälliges.
00:21:09: Die große Welle klingt aus, Beton beräugt sich.
00:21:15: Der Metgesser wird nie gefasst!
00:21:17: Niemand wird wegen der angeblichen Gasangriffe rechtskräftig verurteilt – es gibt keine eindeutige Täter-Identifikation, kein Geständnis, keinen gerichtsfesten Beweis.
00:21:28: Was bleibt ist ein Fall, der plötzlich fast so verschwindet wie er gekommen ist, schnell, beängstigend und ohne klare
00:21:35: Auflösung.".
00:21:56: Der Fall mit Thun wäre vielleicht eine merkwürdige Lokalgeschichte geblieben, wenn er nicht kurz darauf wissenschaftlich untersucht worden wäre.
00:22:03: Ein Psychologe bzw.
00:22:05: Psychologie-Student der University of Illinois Donald M Johnson beschäftigt sich intensiv mit den Ereignissen.
00:22:13: Er wertet Polizeiakten aus, betrachtet die Berichterstattung und analysiert die Dynamik in der Stadt.
00:22:22: Im Journal of abnormal and social psychology veröffentlicht er einen Aufsatz mit dem Titel The Phantom Anesthetist Of Methuen, a field study of mass hysteria.
00:22:34: Also auf Deutsch?
00:22:35: Der Phantom Anästhesist von Methuen Eine Feldstudie über Massenhistorie.
00:22:41: Dieser Aufsatz wird später zu einer der bekanntesten frühen US-Fallstudien über Massenhistorie beziehungsweise massensoziogene Erkrankungen.
00:22:50: Johnson kommt zum Schluss, dass die Ereignisse im Methuen am besten als Massenhistorie zu erklären sein.
00:22:56: Er sieht die Zeitung als entscheidendem Verstärker.
00:22:59: Seine These lautet vereinfacht.
00:23:01: ein erster Bericht schafft eine Erwartung.
00:23:03: diese Erwartungen verändert wie Menschengerüche Geräusche Schatten und körperliche Empfindungen interpretieren.
00:23:10: Je mehr berichtet wird, desto stärker achten Menschen auf mögliche Anzeichen.
00:23:15: Je mehr Menschen sich melden, destorierler wirkt die
00:23:18: Bedrohung.".
00:23:19: Johnson betont außerdem das viele Betroffene ähnliche Symptome schilderten – Übelkeit, Schwäche, Kribbeln, Lehmungsgefühle brennen.
00:23:28: Solche Symptomen können auch durch Angst-, Hyperventilationen, Stress- und Erwartungen entstehen.
00:23:35: Damit wird niemandem eine Lüge unterstellt!
00:23:38: Die Beschwerden können trotzdem real erlebt worden sein.
00:23:41: Körper können auf Angst reagieren, heftig sichtbar und für die Betroffenen absolut real!
00:23:48: Der Begriff Hysterie ist heute problematisch – das muss man klar sagen.
00:23:52: Er hat eine lange medizinische und gesellschaftliche Geschichte in der vor allem Frauen abgewertet und pathologisiert wurden.
00:23:59: Der Begriff wurde oft benutzt um weibliche Wahrnehmungen als übertrieben oder irrational
00:24:04: abzutun.".
00:24:06: In der modernen Wissenschaft spricht man eher von Masssoziogänik-Illness oder Masspsychogenic Illness.
00:24:12: Auf Deutsch könnte man von Massensoziogener oder Massenpsychogener Erkrankungen sprechen.
00:24:18: Gemeint ist damit, Menschen erleben echte körperliche Symptome.
00:24:21: Diese Symptomen entstehen ohne einen nachweisbaren Erreger ein Gift oder eine organische Ursache die alle Fälle erklären würde.
00:24:30: Auslöser können Stress Angst Erwartung Soziale Ansteckung und die Art sein, wie Informationen weitergegeben werden.
00:24:39: Bei massensoziogenen Erkrankungen geht es nicht um bewusstes Vortäuschen – Menschen erleben echte körperliche Symptome.
00:24:46: Angst, Erwartung und Stress können den Körper massiv beeinflussen.
00:24:50: Schneller Puls, flacher Atem, Schwindel, Kribbeln, schwäche Gefühl, Übelkeit!
00:24:56: Wer hyperventiliert kann Taubheitsgefühle bekommen.
00:24:59: Wer große Angst hat, kann das Gefühl bekommen die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren.
00:25:05: In einer Gruppe kann sich so etwas verstärken.
00:25:08: Einer riecht etwas – eine andere Person hört davon und eine Dritte achtet nun ebenfalls auf Gerüche!
00:25:15: Dann kommt eine Schlagzeile….
00:25:17: dann erzählt jemand er habe auch etwas gespürt.
00:25:20: Plötzlich ist aus einem einzelnen Vorfall ein Muster geworden.
00:25:24: Sobald ein Musta im Kopf ist suchen Menschen nach Bestätigung.
00:25:28: Das hat nichts mit Dummheit zu tun.
00:25:30: Auch bewusste Täuschung muss dafür keine Rolle spielen!
00:25:33: Unser Gehirn versucht Gefahr zu erkennen, es versucht Zusammenhänge zu finden – im Zweifel schlägt es lieber einmal zu viel Alarm als einmal zu
00:25:43: wenig.".
00:25:44: Für Methuen bedeutet das selbst wenn kein Täter existierte war die Angst nicht künstlich.
00:25:50: sie war eine reale Reaktion auf eine Bedrohung die für Menschen plausibel wirkte.
00:25:56: Das klingt vielleicht erst einmal schwer greifbar, aber jeder Mensch kennt im Kleinen das Angst körperlich werden kann.
00:26:02: Herzrasen, Übelkeit, Zittern, Schwäche, Schwindel – das alles kann real sein ohne dass ein äußeres Gift im Raum ist!
00:26:11: Bei Matun kommt ein weiterer Faktor dazu Krieg, Giftgasangst Männer an der Front Frauen und Familien zu Hause Zeitungen voller Kriegsnachrichten Eine Kleinstadt in der sich Gerüchte schnell verbreiten.
00:26:25: Dazu kommt ein Medium, das aus unsicheren Vorgängen eine Figur macht.
00:26:29: Den Matt Gesser Der Historiker und Forscher Robert E. Barsolemiu der viel zu massen Panik und ähnlichen Ausbrüchen gearbeitet hat sieht mir tun ebenfalls als klassisches Beispiel dafür wie Angst Wahrnehmung und Medienberichterstattung zusammenwirken können.
00:26:47: Nach dieser Einordnung war der Metgesser weniger ein Mensch aus Fleisch und Blut als eine Gestalt, die durch Berichte, Erwartungen und Angst immer deutlicher wurde.
00:26:56: Das ist bis heute die am häufigsten vertretene wissenschaftliche Erklärung des
00:27:00: Fals.".
00:27:00: Matun war allerdings nicht der einzige Fall in dem Menschen von einem unbekannten Gasangreifer berichteten.
00:27:07: Schon nineteenhundertdreiunddreißig und neunzehnhundertvierund dreißig gab es in Virginia, besonders im Bodytout County und in der Umgebung von Roanoke ähnliche Meldungen.
00:27:18: Auch dort erzählten Menschen von seltsamen Gerüchen, Übelkeit, Atembeschwerden, Schwäche und nächtlichen Angriffen.
00:27:24: Auch dort wurde über einen unbekannten Täter gesprochen der angeblich Gas in Häuser leitete oder sprühte.
00:27:31: Daraus folgt keine gemeinsame Ursache.
00:27:34: auch eine direkte Verbindung zwischen Virginia und Methuen ist damit nicht belegt.
00:27:38: es zeigt aber dass die Vorstellung eines unsichtbaren nächtliche Gasangriffs schon vor Methuen existierte.
00:27:45: Solche Geschichten entstehen selten völlig im luftleeren Raum.
00:27:48: Sie greifen Ängste auf, die bereits vorhanden sind Angst vor Chemie, Angst vor Krieg, Angst vorm Unsichtbaren, Angst davor, im eigenen Haus nicht sicher zu sein.
00:27:59: Der Met Gesser ist deshalb mehr als ein möglicher Täter.
00:28:02: Er isst auch ein Motiv Eine moderne Schreckfigur passend zum zwanzigsten Jahrhundert chemisch unsichtbar technisch und anonym.
00:28:11: Früher fürchteten Menschen vielleicht den Mann mit der Maske im Wald.
00:28:15: In den letzten Jahren feuchten sie einen Mann mit einer Sprühvorrichtung am Schlafzimmerfenster.
00:28:20: Dadurch wird Betoun zu einer Geschichte, die irgendwo zwischen Kriminalfall, Medienpanik und moderner Legende steht – damit ist sie echt passend für Chronik der Schatten!
00:28:45: Trotzdem gibt es Menschen, die die Massen-Panikerklärung nicht für ausreichend halten.
00:28:50: Einer von ihnen ist Scott Maruna.
00:28:53: Im Jahr zwei tausend drei veröffentlichte Scott Marunna ein Buch mit dem Titel The Mad Gasser of Sinngemäß der verrückte Gasangreifer von Methuen.
00:29:02: Der Untertitel lautet übersetzt etwa, die Historie widerlegen.
00:29:07: Mewuna ist Chemielehrer bzw.
00:29:09: Lehrer für Chemie und Physik und stammt aus der Region.
00:29:13: Er widerspricht der reinen Massenhistorie-Erklärung.
00:29:16: Seine These lautet, einige spätere Meldungen könnten durch Angst oder Medienwirkung entstanden sein.
00:29:23: Die ersten Vorfälle hält er aber für real.
00:29:26: Er glaubt also, dass es zumindest am Anfang tatsächlich eine Person gegeben haben könnte die eine chemische Substanz einsetzte.
00:29:34: Maruna nennt einen Namen Fali-Lulan Ab.
00:29:37: hier ist besondere Vorsicht wichtig.
00:29:39: Fali Lulan wurde nie wegen der Methuenvorfälle angeklagt.
00:29:43: er wurde nie verurteilt.
00:29:45: Nach allem was öffentlich bekannt ist wurde diese Theorie nie gerichtsfest bewiesen.
00:29:50: Alles was ich jetzt erzähle ist Marunas spätere These Keine feststehende Tatsache.
00:30:09: Maruna beschreibt Luli als ein Mann mit Chemiekenntnissen, der in Methun lebte und ein privates Labor gehabt haben soll.
00:30:17: Laut Maruna war Luli sozial isoliert und in der Stadt als Sonderling bekannt.
00:30:23: Außerdem soll es in der Vergangenheit Hinweise auf Experimente oder Vorfälle mit Chemikalien gegeben.
00:30:29: Maruna argumentiert, dass einige gemeldete Vorfälle geografisch in einem Bereich lagen der zu Lulis Wohnort gepasst habe.
00:30:38: Außerdem hält er bestimmte geschilderte Symptome für vereinbar mit chemischen Substanzen die jemanden mit entsprechenden Kenntnissen hätte nutzen können.
00:30:47: Das klingt auf den ersten Blick wie eine mögliche Kriminalhypothese aber es gibt große Probleme.
00:30:54: Viele von Marunas Schlussfolgerungen beruhen auf späteren Erinnerungen, lokalen Erzählungen, Zeitungsberichten oder Deutungen.
00:31:02: Kritiker bemängeln das belastbare Nachweisefehlen.
00:31:06: Einige Annahmen sind spekulativ – auch die Verbindung zwischen einer bestimmten Person, bestimmten Chemikalien und konkreten Vorfällen bleibt indirekt.
00:31:15: Außerdem gibt es einen starken Einwand gegen die Täterthese!
00:31:19: Wenn ein realer Täter über Tage oder Wochen aktiv gewesen wäre, warum brechen die Meldungen fast vollständig ab nach dem Polizei und Zeitung skeptischer werden?
00:31:28: Dieses Muster passt sehr gut zu einer Medien- und Panikdynamik.
00:31:32: Gleichzeitig sollte man Johnsons Massenhistoriedeutung auch nicht völlig unkritisch übernehmen!
00:31:38: Seine Studie entstanden in den letzten Jahren im Jahrtausend.
00:31:41: Sie verwendet Begriffe und Annahmen, die heute kritisch betrachtet werden müssen.
00:31:45: Spätere Autoren haben unter anderem darauf hingewiesen, dass Frauen damals eben wie schon bereits erwähnt schneller als hysterisch eingeordnet wurden und das manche männliche Symptome unter Beobachtungen möglicherweise weniger stark berücksichtigt wurden.
00:32:01: Das heißt die Massenpanikerklärung ist stark – sie erklärt sehr viel aber auch sie ist kein perfektes lückenloses Beweisdokument!
00:32:10: Am Ende bleiben zwei große Deutungen.
00:32:13: Die erste sagt, es gab keinen Täter.
00:32:16: Es gab Gerüche, Angst, Kriegsspannung, körperliche Reaktionen und eine Presse die der Bedrohung eine Gestalt gab.
00:32:24: Die zweite sagt vielleicht gab es am Anfang tatsächlich eine reale chemische Ursache?
00:32:29: Vielleicht durch Industrie oder durch eine Person?
00:32:33: Vielleicht wurden später echte Vorfälle- und Panikreaktion miteinander vermischt?
00:32:37: Was wir seriös sagen können….
00:32:39: Fali Lulin ist eine spätere umstrittene Theorie, bewiesen es sie nicht.
00:32:44: Bevor wir diesen Fall einordnen möchte ich kurz bei den Menschen bleiben die damals betroffen waren oder glaubten betroffen zu sein.
00:32:52: Denn in vielen Darstellungen werden Sie sehr schnell zahlen – zu fällen, zu Symptomen und zu belegen für eine Theorie.
00:32:59: Eileen Kearney war eine junge Frau deren Mann nachts arbeitete.
00:33:03: Sie lag mit ihrem Kind im Haus, das Fenster offen in einer Stadt in der Krieg und Unsicherheit ohnehin zum Alltag gehörten.
00:33:10: Sie roch etwas Ungewöhnliches – sie bekam Angst!
00:33:13: Sie fühlte sich körperlich beeinträchtigt.
00:33:16: Ob der Auslöser chemisch war?
00:33:17: Psychisch eine Mischung aus Beidem oder etwas ganz anderes?
00:33:21: Ihr Schrecken war real.
00:33:23: Bula Cordes hob ein Tuch auf, dass auf ihrer Veranda lag.
00:33:26: Danach berichtet sie sie von körperlichen Beschwerden.
00:33:29: Auch hier können wir heute nicht sicher sagen, was passiert ist.
00:33:33: Die Untersuchung des Tuchs brachte keinen eindeutigen chemischen Nachweis – das ist wichtig!
00:33:38: Es heißt aber nicht automatisch, dass Biolakor das gelogen hat… es heißt nur, dass der Beweis
00:33:43: fehlt.".
00:33:45: Diese Unterscheidung ist mir wichtig ….
00:33:46: wenn ein Fall möglicherweise durch Massenpanik erklärbar ist, bedeutet das nicht, dass Betroffene sich alles bewusst ausgedacht haben.
00:33:54: Ihre Angst war deshalb nicht albern.
00:33:56: Methuen war.
00:33:59: Die Angst vor Gas war kulturell und historisch vorhanden.
00:34:02: Die Zeitungen lieferten jeden Tag neue Bilder und neue Worte für diese Angst.
00:34:07: Was aus heutiger Sicht unangenehm auffällt, ist die Art wie schnell besonders Frauen damals abgewertet wurden.
00:34:13: Frauen galten schnell als nervös, überreizt irrational und aufmerksamkeitssuchend – das hatte ich ja schon mehrfach erwähnt!
00:34:20: Viele damalige Deutungen sagen deshalb auch etwas über die Gesellschaft der neunzehntenhundertvierzig Jahre aus….
00:34:26: Matun ist also eine Geschichte über einen angeblichen Gasangreifer.
00:34:29: Gleichzeitig ist es die Geschichte darüber, wem geglaubt wird – wie Medien Angstformen und Behörden reagieren wenn sie keine Spuren finden?
00:34:37: Wie schnell aus Unsicherheit ein Urteil über Menschen entstehen kann?
00:34:41: Was macht den Met Gesser auf Matun so nachhaltig relevant?
00:34:44: Für mich ist es vor allem das Zusammenspiel von Angst, Medien und Gemeinschaft!
00:34:50: Am Anfang steht ein Ereignis, das schwer zu greifen ist.
00:34:53: Ein Geruch körperliche Beschwerden vielleicht einen Schatten vor einem Fenster?
00:34:57: Dann kommt eine Zeitung und gibt diesen Eregnis eine Form Anesthetik-Prowler – ein betäubender Herumschleicher.
00:35:04: Plötzlich hat die Angst ein Gesicht.
00:35:07: Danach beginnt eine Schleife.
00:35:08: Die Zeitung berichtet Menschen lesen Menschen achten Stärke auf Gerüche und Geräusche Neue Meldungen entstehen Die Zeitungsbericht wieder Die Bedrohung wird größer Die Stadt reagiert heftiger.
00:35:20: Als die Zeitung und die Polizei den Ton ändern, bricht diese Schleife weitgehend ab.
00:35:25: Das macht Methuen zu einem so wichtigen Fall!
00:35:27: Er zeigt das Berichterstattung eine Bedrohung nicht nur abbilden kann – sie kann ihr auch eine Form geben.
00:35:33: Sie kann festlegen welche Wörter Menschen benutzen, welche Bilder sie im Kopf haben und welche Erklärungen ihnen am plausibelsten erscheint.
00:35:41: Die Verantwortung allein bei den Zeitungen zu suchen wäre aber zu einfach….
00:35:45: Die Zeit war angespannt.
00:35:46: Die Menschen hatten echte Sorgen und viele körperliche Symptome wurden tatsächlich erlebt.
00:35:51: Außerdem gab es durchaus offene Fragen, etwa die Gerüche das Tuch bei Biolakordis oder einzelne Sichtungen.
00:35:58: Aber der Fall zeigt wie mächtig Sprache ist.
00:36:01: Seltsamer Geruch klingt anders als Gasangriff.
00:36:05: Unbekannte Ursache Klingt anders als tödliches Nervengas.
00:36:10: Eine Frau berichtet von Symptomen klingt anders, als ein Angreifer ist auf freiem Fuß.
00:36:17: Worte verändern nicht nur wie ein Fallkling, sie verändern wie Menschen ihn erleben!
00:36:21: Damit sind wir plötzlich sehr nah an der Gegenwart.
00:36:24: Heute verbreiten sich Informationen schneller als nineteenhundertvierzig, Gerüchte brauchen keine Lokalzeitung mehr – ein Post, ein Video, eine Schlagzeile, einen Kommentar reichen aus um Angst zu verbreitern, manchmal sogar weltweit!
00:36:39: Der Met Gesser auf Methuen ist deshalb mehr als eine merkwürdige Geschichte aus einer Kleinstadt.
00:36:43: Er isst ein Lehrstück darüber wie Angst entsteht, wie sie sich verbreitet und wie schwer es wird sie wieder
00:36:49: einzufangen.".
00:36:49: Vielleicht fragst du dich jetzt, warum diese Geschichte so gut zu Chronik der Schatten passt.
00:36:54: Es gibt keinen klaren Täter, keine eindeutige Auflösung, keine Grenze an der man sicher sagen kann – bis hierhin ist alles Fakt.
00:37:02: ab hier beginnt die Legende!
00:37:05: Und dieser Punkt macht den Fall für mich so spannend….
00:37:07: denn Chronik Der Schatten bewegt sich genau in diesem Zwischenraum Dort, wo belegbare Ereignisse, menschliche Angst, Erzählungen und spätere Deutungen ineinander übergehen.
00:37:17: Beim Met Gesser auf Methuen geht es nicht nur um die Frage ob damals wirklich jemand durch die Straße schlicht – Es geht auch darum wie aus Unsicherheit eine Geschichte wird!
00:37:26: Wie Medien eine Bedrohung formen?
00:37:28: Wie eine ganze Stadt auf etwas reagiert das niemand eindeutig beweisen
00:37:32: kann?!
00:37:33: Der Met Gässer auf Methun ist kein Fall der mit einem klaren Punkt endet.
00:37:39: Vielleicht ist das der Grund, warum er bis heute erzählt wird.
00:37:42: Manchmal liegt das Unheimlichste an einer Geschichte in der Frage, ob es die Gestalt im Schatten überhaupt gegeben hat?
00:37:49: Ich will am Ende sehr klar trennen!
00:37:51: Was wissen
00:37:51: wir?!
00:37:52: Wir wissen dass es im September nineteenhundertvierzig in Methuen eine Reihe von Meldungen über seltsame Gerüche und körperliche Beschwerden gab.
00:37:59: Je nach Quelle-und-Zehlweise ist von rund dreißig Polizeimeldungen – und etwa dreißzig bis dreientreißig Personen die
00:38:06: Rede.".
00:38:06: Wir wissen, dass viele Betroffene ähnliche Symptome beschrieben – Übelkeit, Schwäche, Kribbeln, Brennen, zeitweilige Lehmungsgefühle.
00:38:15: Wir wissen das niemand an dem Vorfall starb und dass kein Täter rechtskräftig verurteilt wurde!
00:38:20: Wir wissen die lokale Presse den Fall mit starken teils alarmierenden Schlagzeilen begleitete.
00:38:26: Wir wissen, dass Polizeichef C. E. Cole später die Möglichkeit von Industrieemissionen und Panikreaktionen ins Spiel brachte….
00:38:33: Bekannt ist auch, dass diese Industrie-Erklärung nicht abschließend bewiesen wurde und von Atlas zurückgewiesen wurde.
00:38:40: Wir wissen das Donald M Johnson den Fall
00:38:42: nr.h.,
00:38:44: als Massenhistorie deutete und dass diese Erklärung später sehr einflussreich wurde!
00:38:49: Wir wissen, dass Scott Maruna Jahrzehnte später eine Gegenhypothese veröffentlichte und Farley Luley als möglichen Verdächtigen nannte.
00:38:58: Diese These wurde nie bewiesen.
00:39:00: Aber was wissen wir nicht?
00:39:02: Wir wissen nicht sicher, ob die ersten Vorfälle eine reale chemische Ursache hatten.
00:39:07: Wir wissen NICHT SICHER, ob Gerücher aus einer Fabrik beteiligt waren!
00:39:11: Wir wissen Nichtsicher, ob ein einzelner Mensch in den ersten Nächten tatsächlich etwas in Häuser oder ein Fenster gebracht hat.
00:39:17: Wir WISSEN NICHTSICHER wer die Gestalt war, die Bird Kearney gesehen haben will, falls er sie richtig gesehen hat.
00:39:29: Offen bleibt auch, wie viele der späteren Meldungen durch Angst, Erwartung und Berichterstattung ausgelöst wurden.
00:39:36: Der Mad Gesser auf Methun bleibt offiziell ungeklärt – der Fall erinnert weniger an einen klassischen Coldcase mit Leiche, Tatwaffe und Verdächtigen.
00:39:44: Er wirkt eher wie ein historisches Rätsel darüber, wie eine Stadt in Angst geraten konnte oder ob diese Angst einen realen Kern hatte oder sich durch ihre eigene Erzählung immer weiter verstärkte.
00:40:26: Das war der Mad Gässer auf Methuen Eine Geschichte, die sich bis heute jeder einfachen Einordnung entzieht.
00:40:33: Keine Anklage, kein Urteil, kein sicherer Täter!
00:40:36: Trotzdem versetzte sie eine ganze Stadt in einen Ausnahmezustand.
00:40:40: Menschen rochen etwas, Menschen wurden krank, Menschen hatten Angst – Die Zeitung berichtete, die Polizei suchte, Bürger bewaffneten sich….
00:40:50: Am Ende blieb eine Frage, die bis heute nicht vollständig beantwortet ist … War da draußen wirklich jemand?
00:40:56: Oder hat eine Stadt in einer angespannten Zeit aus Gerüchen, Schlagzeilen, Kriegsorgen und körperlicher Angst eine Gesellschaft erschaffen die es nie gab?
00:41:06: Ich komme jetzt zu meiner Frage an euch.
00:41:08: Wenn ihr euch diese Berichterstattung vorstellt, die Schlagzeilen, die Sprache.
00:41:12: Die Art wie aus einem unklaren Vorfall ein betäubender herumschleicher wurde und wenn ihr wisst dass diese Meldungen deutlich abnahm als Zeitung und Polizei skeptischer wurden.
00:41:23: Glaubt ihr?
00:41:38: auf Instagram unter chronik.der.chatten.
00:41:42: Unterstrich Podcast.
00:41:44: Ich würde mich sehr freuen wenn ihr auch da dazu kommt, wenn ihr nicht schon bei meiner kleinen Shadows Community auf Instagram dabei seid und ich bin wirklich gespannt wie ihr diesen Fall einordnet.
00:41:54: Danke dass Ihr heute wieder mit mir durch die Schatten gereist seid und bleibt wachsam für die Geschichten hinter den Geschichten Bis die Realität durch die Finsternis bricht.
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