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Vlad der Pfähler - Wie aus einem Fürsten Dracula wurde

Shownotes

In dieser Folge geht es um:

  • Vlad III. Drăculea, bekannt als Vlad Țepeș — der Pfähler
  • Die Walachei im 15. Jahrhundert zwischen Osmanischem Reich und Ungarn
  • Die Bedeutung von Dracul, Drăculea, Drache und Teufel
  • Vlads Geiselzeit am osmanischen Hof
  • Seine drei Herrschaften: 1448, 1456–1462 und 1476
  • Das Pfählen als Herrschafts- und Abschreckungsmittel
  • Die deutschen Flugschriften und Michel Beheims Dracula-Dichtung
  • Die siebenbürgischen Sachsen und die Entstehung des westlichen Schreckbildes
  • Peter Plogojowitz, Arnold Paole und der Vampirglaube des 18. Jahrhunderts
  • Bram Stoker, Whitby und der Moment, in dem aus „Count Wampyr“ Dracula wurde
  • Warum die Vámbéry-Geschichte spannend klingt, aber nicht sicher belegt ist
  • Dracula als moderner Roman voller Technik, Akten, Telegramme und Bluttransfusionen
  • Schloss Bran, Poenari und der touristische Dracula-Mythos

- Dracula in Film und Popkultur: Nosferatu, Bela Lugosi und Christopher Lee

Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.

Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.

Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.

Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.

Kontakt: Ihr findet mich unter Chronik.der.Schatten_podcast. Dort geht es um meinen Alltag, meine Tiere, Gedanken, kleine Einblicke hinter die Kulissen und natürlich auch um kommende Folgen.

Wenn euch die Folge gefällt, freue ich mich sehr über eine Bewertung des Podcasts. Kommentare und Nachrichten lese und beantworte ich auf Instagram, Podimo und Spotify. Auf anderen Plattformen kann es sein, dass mir Kommentare leider nicht angezeigt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Universität Gießen: Corpus Draculianum — zentrale Quellenedition zu Vlad III. Drăculea mit Briefen, Urkunden, Chroniken, Verwaltungsdokumenten, Bildquellen, Inschriften, Münzen und Siegeln aus dem Zeitraum 1448 bis 1650. Diese Quelle ist besonders wichtig für den historischen Vlad hinter späteren Legenden.

  • Kunsthistorisches Museum Wien / Schloss Ambras: Vlad III. Tzepesch, der Pfähler, Woywode der Walachei — Porträt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, heute in Schloss Ambras Innsbruck nachweisbar.

  • Universität Gießen / Corpus Draculianum alt: Überblick zur historischen Figur Vlad Țepeș Drăculea, seinen Herrschaften und zur späteren Verbindung mit Bram Stokers Dracula.

  • Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters: Von ainem wutrich der hies Trakle waida von der Walachei — Eintrag zu Michel Beheims Dracula-Dichtung und den frühen deutschen Dracula-Texten.

  • Österreichische Nationalbibliothek: Untot seit dem 18. Jahrhundert: Der erste Vampirhype — Überblick zum Vampirglauben im 18. Jahrhundert, Maria Theresia, Gerard van Swieten und der medizinisch-aufklärerischen Einordnung angeblicher Vampirfälle.

  • Österreichisches Staatsarchiv: Vampire? Archivale des Monats April 2020 — Einordnung zu Vampirvorkommnissen, Gerard van Swietens Traktat und Maria Theresias Vorgehen gegen Aberglauben und Magia Posthuma.

  • English Heritage: How Dracula Came to Whitby — Informationen zu Bram Stokers Aufenthalt in Whitby 1890, seiner Arbeit an einem Vampirroman und der Figur „Count Wampyr“.

  • Project Gutenberg: John William Polidori, The Vampyre; A Tale — frühe literarische Vampirerzählung von 1819, wichtig für die Entwicklung des aristokratischen Vampirs.

  • Project Gutenberg: Sheridan Le Fanu, Carmilla — Vampirerzählung, veröffentlicht 1872, eine der wichtigsten literarischen Vorläuferinnen von Bram Stokers Dracula.

  • Christie’s: Dracula, first issue, Bram Stoker, 1897 — Angaben zur Erstveröffentlichung von Dracula am 26. Mai 1897 und zur Erstauflage von 3.000 Exemplaren.

  • European IP Helpdesk: Nosferatu: the copyright-infringing masterpiece — Überblick zur nicht autorisierten Dracula-Verfilmung Nosferatu von 1922, zum Rechtsstreit mit Stokers Nachlass und zur angeordneten Vernichtung der Kopien.


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Transkript anzeigen

00:00:03: Kronik der Schatten.

00:00:03: zwischen Legende und Wahrheit suchst du nach.

00:00:06: Jede Seite ein Flüstern, das tief in dir spricht bis die Realität... Bekommt.

00:00:59: zurück bei Kronick Der Schatten!

00:01:01: Heute reisen wir an einen Ort, der in vielen Köpfen sofort Bilder auslöst.

00:01:06: Dunkle Wälder, Nebel über alten Burgen schmale Wege durch die Kapaten Und irgendwo dazwischen eine Gestalt, die seit mehr als hundert Jahren durch Bücher, Filme und Erzählungen geistert.

00:01:18: Wenn ich euch gleich einen bestimmten Namen nenne, werdet ihr vermutlich sofort etwas vor Augen haben – ein schwarzen Umhang, spitze Zähne, Transsilvanien, Unsterblichkeit!

00:01:29: Ein Grafen der in der Nacht erwacht und sich vom Blut der Lebenden ernährt….

00:01:34: Der Name lautet Dracula.

00:01:37: Aber heute geht es nicht in erster Linie um diese Figur.

00:01:40: Heute geht es um den Mann, dessen Name später in einen Roman eingebaut wurde wie ein Knochen im Körper.

00:01:54: Einen Fürsten des fünften Jahrhunderts, der sich gegen das Osmanische Reich stellte, seinen eigenen Adel fürchtete wie vergiftetes Wasser seine Feinde auf Holzpfähle spießen ließ und dabei je nach Leesart entweder als grausamer Gewalt herrscher oder als unerbittlicher Verteidiger eines kleinen Landes zwischen zwei Weltmächten erinnert wurde.

00:02:17: Die Frage, die diese Folge trägt lautet – wie wird aus diesem Mann diesen konkreten historisch belegten kompromisslosen Fürsten des fünften Jahrhunderts der Vampir den die ganze Welt kennt?

00:02:30: Welchen Weg legt ein Name zurück von den Schlachtfeldern an der Donau bis in die victorianischen Salons Londons.

00:02:37: Was bleibt von Vlad übrig wenn Bram Stoker mit ihm fertig ist?

00:02:46: Ich war selbst schon in Whitby, an diesem Ort der so eng mit Dracula verbunden ist.

00:02:50: Ich stand dort oben bei der berühmten Ruine und ich kann euch sagen es ist wunderschön dort!

00:02:56: Diese alten Mauern über der Küste, der Blick aufs Meer, der Wind die Weite dieses leise düstere Gefühl ohne dass der Ort dadurch weniger schön wird.

00:03:06: Man versteht sofort warum so ein Ort in der Fantasie hängen bleibt.

00:03:11: Ich habe mir dort auch ein Buch von Bram Stoker gekauft.

00:03:13: Damals war es für mich vor allem dieser besondere eindrucksvolle Ort an der Küste!

00:03:18: Heute schauen wir uns an, wie viel Geschichte, Recherche und Missverständnis hinter dieser Atmosphäre steckt – Schritt-für-Schritt, chronologisch mit allem was belegt ist und mit einem klaren Wort dazu wo die Überlieferung beginnt und die gesicherten Tatsachen enden.

00:03:35: Bevor wir beginnen….

00:03:36: Die Folge hat zwei Ebenen... gestützt unter anderem auf das Corpus Draculianum, eine kritische Quellenedition die an der Universität Gießen erarbeitet wurde.

00:03:48: Auf zeitgenössische spätere Quellen aus osmanischer, deutscher, ungarischer und rumänischer Überlieferung und auf ein späteres Portrê-Vlatz aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, dass heute zur Sammlung des Kunsthistorischen Museums bzw.

00:04:03: Schloss Ambras

00:04:04: gehört.".

00:04:05: Die andere Ebene ist Literatur, Mythos und die Geschichte wie Überlieferungen wachsen und sich verwandeln.

00:04:11: Ich sage euch immer was was isst!

00:04:14: Und jetzt fangen wir an... Um Vlad zu verstehen müssen wir zuerst in die Wallachrei schauen weg von Dracula-Bildern, weg vom Nebel, Vampierschloss und Fledermäusen.

00:05:01: Die Wallachrei des fünften Jahrhunderts war kein Schauplatz einer Gruselgeschichte.

00:05:05: Sie war ein politischer Grenzraum, eingeklemmt zwischen mächtigen Nachbarn und ständigen Interessen von außen.

00:05:12: Sie lag südlich der Kapaten zwischen Gebierge und Donau – diese Lage bestimmte fast alles!

00:05:18: Die Kapaten konnten Schutz bieten, die Donau konnte Grenze sein Handelsweg, Verteidigungslinie und Einfallstor zugleich.

00:05:26: Wer dort herrschte regierte an einer Nahtstelle Europas.

00:05:30: Im Süden und Osten stand das osmanische Reich, dass seit Jahrzehnten immer weiter nach Europa vordrang.

00:05:36: In den letzten Jahren stammten die Städte im Norden und Westen in der Nähe von Städten aus.

00:05:41: Seit dem Jahrzehn war es ein Schock – für die Länder im Südosten Europas bedeutete es noch stärkeren Druck!

00:05:50: Im Norden oder Westen stand das Königreich Ungarn ebenfalls mit eigenen Interessen, eigenen Bündnissen und eigenem Anspruch auf Einfluss.

00:05:58: Die Wallachai lag also zwischen zwei größeren Machtblöcken.

00:06:02: Für einen Voivoden hieß das, jede Entscheidung konnte gefährlich werden.

00:06:07: Zu viel Nähe zum Sultan konnte Ungarn provozieren.

00:06:11: Zu viele Nähe zu Ungarn konnte den Sultan herausfordern.

00:06:14: Eine wirklich sichere Position gab es kaum – Herrschaft war ein Ballonsakt bei dem ein falscher Schritt reichen konnte!

00:06:28: Dieses Amt kann man sich aber nicht wie eine stabile Erbmonarchie vorstellen, bei der der älteste Sohn folgt und alle es akzeptieren.

00:06:35: In der Wallachai war Herrschaft viel unsicherer – Söhne, Brüder, Fettern, Halbrüder!

00:06:41: Rivalisierende Linien der Herrscherfamilie.

00:06:43: Viele konnten Anspruch auf den Thron erheben.

00:06:47: Dazu kamen Kandidaten die von außen unterstützt wurden… Von Ungarn, von den Osmanen, von einflussreichen Adelsgruppen oder von Städten jenseits der Kapaten.

00:06:56: Der Thron war also kein Besitz, den man einfach behielt.

00:06:59: Er war ein Ziel um das immer wieder gekämpft wurde – wer ihn erreichte musste sofort damit rechnen ihm wieder zu

00:07:06: verlieren.".

00:07:07: Eine besonders wichtige Rolle spielten die Bojaren der Wallachische Hochadel.

00:07:11: Sie waren keine stillen Untertanen.

00:07:13: sie besaßen Land Einfluss Gefolgschaften und politische Erfahrung.

00:07:18: Sie konnten einen Herrscher stützen ihn aber auch zu Fall bringen.

00:07:22: Für jeden Voivoden waren sie unverzichtbar und gefährlich zugleich.

00:07:26: Wer sie gegen sich hatte, regierte auf dünnem

00:07:29: Eis.".

00:07:31: Das Ergebnis war dauernde politische Unsicherheit.

00:07:34: In den Jahrzehnten vor Vlad's Hauptherrschaft wechselten die Herrscher der Wallachai immer wieder.

00:07:39: Macht war dort kein Zustand, auf dem man sich ausruhen konnte – Macht musste jeden Tag neu gesichert werden!

00:07:46: Dazu kam der Druck des Osmanischen Reiches.

00:07:48: Die Wallachai musste Tribute leisten, es ging um Geld, um Loyalität und politische Unterordnung – manchmal auch um Menschen die als Sicherheiten oder Geiseln an den Osmanischen Hof gegeben wurden.

00:07:59: Wer zahlte, kaufte sich Zeit!

00:08:02: Wer sich widersetzte, riskierte Strafaktionen, Einmarsch oder die Unterstützung eines rivalisierenden Thronkandidaten?

00:08:10: Auf der anderen Seite stand Ungarn.

00:08:12: Auch dort erwartete man Loyalität, militärische Unterstützung und politische Verlässlichkeit.

00:08:18: Die Wallachie war für Ungarn ein wichtiger Prüfer gegen die osmanische Expansion.

00:08:23: Für den Woewoden bedeutete das Er wurde von beiden Seiten gebraucht kontrolliert und unter Druck gesetzt.

00:08:29: Diese Lage machte Herrschaft hart.

00:08:31: Schwäche wurde schnell ausgenutzt.

00:08:33: Ein unentschlossener Fürstverlohr verbündete.

00:08:36: Ein zu nachgiebiger Fürst verlor Autorität.

00:08:40: Ein Fürst ohne Rückhalt verlor am schlimmsten Fall erst den Thron und dann sein Leben.

00:08:46: In dieser Welt wuchs Vlad auf, zwischen Tributen, Geiseln, wechselnden Bündnissen, Adelsverschwörungen und militärischem Druck – wer in der Valachai herrschte musste verhandeln können, kämpfen können, urteilen können und vor allem überleben.

00:09:00: Vlad Cepesh kommt aus dieser politischen Wirklichkeit.

00:09:04: Aus einer Welt in der Macht niemals sicher war!

00:09:06: Ein Herrscher konnte heute gebraucht werden, morgen verraten werden und übermorgen tot sein.

00:09:12: Bevor wir aber seinen eigenen Weg erzählen – seinen Vater, seinen Namen, seine Geiselzeit und seinen späteren Kampf um den Thron müssen wir noch kurz die Landkarte sortieren.

00:09:22: Denn auch DIE wurde später Teil des Dracula Mythos!

00:09:25: Viele Orte, Begriffe und Bilder sind heute so eng miteinander vermischt dass man schnell das Gefühl bekommt Vlad, Dracula, Transsilvanien und die Wallachai seien ein und dasselbe.

00:09:37: Historisch war es deutlich komplizierter!

00:09:58: Wenn heute über Dracula gesprochen wird fällt fast automatisch ein Wort – Transsilvanie Nebel Kapaten Dunkle Wälder Ein Schloss auf einem Felsen.

00:10:08: Dieses Bild ist so stark geworden, dass viele Menschen Vlad Cepesh sofort mit Transsilvanien gleichsetzen.

00:10:14: Die Valachai lag südlich der Kapaten zwischen den Bergen und der Donau – dort lag Vlad's politische Basis.

00:10:21: Dort kämpfte er später um den Thron.

00:10:23: Dort führte er Krieg, stellte Urkunden aus und versuchte die Macht des Adels zu brechen.

00:10:29: Sieben Bürgen oder Transsilvaniën lag auf der anderen Seite der kapaten.

00:10:34: Es stand im fünften Jahrhundert stark im Einflussbereich des Ungarischen Königreichs und war durch Städte, Burgen, Handelswege und die sieben bürgisch-sextrischen Gemeinden geprägt.

00:10:45: Wlad hatte Verbindungen dorthin – seine Familie bewegte sich in diesem Raum, sein Vater hielt sich zeitweise dort auf und Schäßburg wird traditionell als Geburtsort genannt.

00:10:56: Seine Herrschaft aber gehörte zur Wallachai.

00:11:00: Dann gab es noch Moldau östlich der Kapaten.

00:11:03: Auch sie war ein eigenes Fürstentum.

00:11:05: Ebenfalls eingeklemmt zwischen größeren Mächten, ebenfalls ständig gezwungen zwischen Bündnissen, Tributen und Kriegsgefahr zu manövrieren.

00:11:14: Wallachai, Siebenbürgen, Moldau – drei Räume die in der späteren westlichen Fantasie oft zu einem einzigen dunklen Osten verschmolzen.

00:11:22: Für Bram Stoker seine Leserinnen und Leser und später für Film, Tourismus und Popkultur wurde aus dieser komplexen Region eine Bühne Eine Bühne mit Nebel, Bergen und einem Vampirschloss.

00:11:34: Für Vlad selbst war diese Bühnen keine Fantasielandschaft – sie war politische Realität!

00:11:40: Die spätere Dracula-Figur ist deshalb schon geografisch verschoben.

00:11:44: Vlad war valachischer Voivode.

00:11:46: Stokers Dracula wird ein Graf aus Transsilvanien.

00:11:50: Zwischen diesen beiden Sätzen liegt bereits einen Teil der ganzen Verwandlung.

00:12:18: Der genaue Geburtsort ist nicht sicher belegt.

00:12:21: Schesburg, heute Sigishuara in sieben Bürgen wird traditionell genannt.

00:12:26: Beweisen lässt sich das aber nicht – auch das Taufdatum ist nicht überliefert.

00:12:31: Sein Vater heißt Vlad II.

00:12:33: Dracul.

00:12:34: Das Wort Dracool hängt mit dem lateinischen Drako zusammen – Drache.

00:12:38: Vlad II.

00:12:39: war Mitglied des Drachenordens, einer Ritterbruderschaft die Siegismund von Luxemburg damals König von Ungarn und später römisch-deutscher Kaiser IVIII gegründet hatte.

00:12:52: Der Orden sollte hochrangige Adeliege zur Verteidigung des Christentums gegen die Osmanen verpflichten.

00:12:58: Der Drache im Ordenssymbol war ein christliches Schutz- und Kampfsymbol – er stand im Kontext dieses Ordens für den Kampf gegen das Böse!

00:13:05: Er verkörperte es nicht selbst….

00:13:08: Aber das rumänische Wort Drak bedeutet eben auch Teufel.

00:13:11: Das ist Sprachgeschichte!

00:13:13: Im Rumänischen entwickelte sich der lateinische Drako in eine Richtung, die sowohl mit Drache als auch mit Teufeln verbunden wurde.

00:13:21: Für Menschen ohne Kenntnisse der Ordensgeschichte konnte Dracula daher ganz anders klingen.

00:13:26: Vlad III.

00:13:27: nannte sich Draculea – Sohn des Drakul.

00:13:30: Das konnte als Sohn dess Drachen verstanden werden.

00:13:33: In anderer Leseart klang darin Der Sohn Des Teufels mit Je nachdem, wer zuhörte und was er verstehen wollte.

00:13:41: Dieser Doppelsinn ist der erste Baustein der späteren Verwandlung.

00:13:45: Der Name trug von Anfang an zwei Gesichter... Wlad ist zu diesem Zeitpunkt etwa elf Jahre alt.

00:14:29: Sein jüngerer Bruder Rado ist noch ein Kind.

00:14:32: Diese Geiseln lebten am Osmanischen Hof nicht unbedingt wie Gefangene in Ketten, sie konnten eine höfische Ausbildung erhalten, Sprachen lernen, reiten, kämpfen und politische Abläufe aus nächster Nähe beobachten.

00:14:45: Trotzdem waren Sie Geiseln!

00:14:47: Ihre Sicherheit hing davon ab ob ihr Vater Vlad II seine Zusagen gegenüber dem Sultan einhielt.

00:14:53: Wenn er sich gegen die Osmanen stellte, konnte das unmittelbare Folgen für seine Söhne haben.

00:14:59: Mehrere Jahre prägten Vlad in dieser Zeit.

00:15:02: Er lernte den osmanischen Machtapparat aus nächster Nähe kennen.

00:15:05: Auch das Fehlen als Hinrichtungsmethode war im osmanischem Herrschaftsraum bekannt und wurde zur Abschreckung eingesetzt.

00:15:13: Ob Vlad diese Methode dort zum ersten Mal sah oder dort besonders intensiv wahrnahm lässt sich nicht sicher rekonstruieren.

00:15:21: Plausibel ist aber, seine Zeit am Osmanischen Hof brachte ihn mit Praktiken, Symbolen und Mechanismen der Macht in Berührung die später in seiner eigenen Herrschaft eine Rolle spielten.

00:15:33: Sein jüngerer Bruder Rado entwickelte sich in eine andere Richtung – er blieb eng mit dem Osmanischen Hoch verbunden und wird später von den Osmanen als Gegenkandidat gegen Flatt unterstützt!

00:15:45: Ob und in welcher Form Rado zum Islam übertrat, wird in der Forschung nicht überall gleich abgesichert.

00:15:50: Sicher ist die Brüder standen später politisch auf entgegengesetzten Seiten.

00:16:07: In solchen mittelalterlichen Berichten konnte das bedeuten, dass die Augen verletzt, ausgestochen oder ausgebrannt wurden.

00:16:21: Anschließend soll Mircha lebendig begraben worden sein!

00:16:26: Ob jedes Detail dieser Schilderung historisch sicher greifbar ist bleibt schwierig – aber die Überlieferung zeigt wie brutal die Machtkämpfe in der Wallachai geführt wurden.

00:16:35: Für Vlad bedeutete das, sein Vater war ermordet Sein älterer Bruder war auf grausame Weise getötet, die eigene Familie war fast ausgelöscht und er selbst befand sich noch immer im Machtbereich der Osmanen.

00:16:49: Er erfährt den Tod seines Vaters und seines Bruders aus der Entfernung – und kann nichts tun!

00:16:56: Was das mit einem sechzehn oder siebzenjährigen Macht beschreiben?

00:16:59: die Quellen nicht direkt….

00:17:00: Aber das Verhalten, dass Vlad später zeigt – die Härte gegenüber Boyaren.

00:17:04: Die Kompromisslosigkeit gegenüber Fahrrad.

00:17:07: Seine Fixierung auf Kontrolle lässt sich vor diesem Hintergrund zumindest besser einordnen.

00:17:13: Denn mit dem Tod seines Vaters endet für Vlad nicht nur einen Familienkapitel.

00:17:17: Es öffnet auch eine politische Tür.

00:17:20: Vlad II war tot.

00:17:21: Mircha der ältere Bruder ebenfalls!

00:17:24: Damit wurde Vlad selbst zu einem möglichen Anwärter.

00:17:29: Doch ein Anspruch bedeutete in der Wallachai noch lange keine gesicherte Herrschaft.

00:17:34: Vlad brauchte Unterstützer, er brauchte den richtigen Moment und er musste sich im genau jenem Machtspiel behaupten das seine Familie gerade fast ausgelöscht hatte.

00:17:45: Ab jetzt wird aus dem Fürstensohn ein Thronkandidat.

00:18:03: Vlad bestieg den Thron der Wallachei drei Mal.

00:18:06: Das erste mal, fourzehnhundert achtenvierzig war kurz – sehr kurz nur wenige Monate.

00:18:12: Aber diese erste Herrschaft zeigt bereits, wie Vlad sich in dem gefährlichen Machtspiel seiner Zeit bewegte.

00:18:18: Nach dem Tod seines Vaters und seines älteren Bruders war Vlad also ein möglicher Anwärter auf den Wallachischen Thron.

00:18:25: Doch auf diesem Thron saß inzwischen Vladislav

00:18:27: II.,

00:18:28: jener Herrscher der mit Johann Hunyadi, dem mächtigen ungarischen Reichsverweser und Herführer verbunden.

00:18:35: Im Herbst, vierzehnhundertachtundvierzig ergab sich für Vlad eine Gelegenheit.

00:18:40: Vladislav II zog mit Hunyadi gegen die Osmanen auf dem Balkan.

00:18:44: Die Wallachai war damit für einen kurzen Moment verwundbar – Vlad nutzte diese Lücke!

00:18:50: Mit osmanischer Unterstützung drang er in die Wallachaje ein und setzte sich auf den Thron seines Vaters.

00:18:56: Das klingt zunächst wie eine Rückkehr.

00:18:58: In Wahrheit war es eine Herrschaft auf wackeligen Boden.

00:19:02: Wlad kam nicht als unabhängiger Befreier zurück, sondern mit Hilfe jener Macht bei der er selbst jahrelang als Geisel gelebt hatte.

00:19:10: Das zeigt wie kompliziert seine Lage war!

00:19:13: Der junge Wlad musste mit den Kräften arbeiten die gerade verfügbar waren – selbst wenn diese Kräfte später zu seinen größten Feinden werden sollten.

00:19:23: Zeitgleich kämpfte Hunyadi gegen die Osmanen.

00:19:26: Am siebzehnten und achtzenden Oktober vierzehnhundert achtundvierzig kam es zur zweiten Schlacht auf dem Amselfeld Hunyadis.

00:19:33: Herr wurde geschlagen.

00:19:34: Für Vlad hätte das zunächst wie eine Stärkung seiner Position aussehen können, sein ungarisch gestützter Gegner war geschwächt – doch Vladeslav II kehrte mit den Resten seines Heeres in die Wallachheit zurück.

00:19:46: Damit war Vlads erste Herrschaft praktisch beendet.

00:19:50: Gegen Vladaslav II und dessen Rückhalt konnte er sich nicht halten.

00:19:54: Bereits Ende fourzehnhundertachtundvierzig musste Vlad wieder fliehen wahrscheinlich zurück in den Osmanischen Machtbereich.

00:20:01: Diese erste Thronbesteigung war also kein stabiler Herrschaftsbeginn.

00:20:05: Sie war eher ein Testlauf, ein kurzer Griff nach der Macht.

00:20:08: Vlad hatte gesehen wie man eine Gelegenheit nutzt – er hat aber auch erfahren, wie schnell ein Thron wieder verloren gehen konnte!

00:20:16: Danach folgen Jahre über die wir weniger sicher wissen als über seine spätere Herrschaft.

00:20:21: Vlad bewegt sich zwischen den Machtblöcken.

00:20:24: Erst steht er nahe bei den Osmanen und später sucht er Anschluss an ungarische Kreise.

00:20:29: Er hält sich zeitweise in Moldau auf, später wieder im Umfeld Ungarns.

00:20:34: Diese Jahre sind keine einfache Exilzeit – sie sind eine politische Leerzeit!

00:20:39: Vlad lernt das in der Wallachai niemand dauerhaft herrscht wenn er nur einen Unterstützer hat.

00:20:46: Er braucht verbündete militärische Kraft den richtigen Moment und die Fähigkeit alte Feinde zu neuen Werkzeugen zu machen.

00:20:55: Das zweite Mal kommt Vlad im Jahr fourteenhundertsechsundfünfzig auf den Thron.

00:20:59: Dieses Mal wirkt seine Rückkehr deutlich gezielter als in den letzten Jahren.

00:21:05: Inzwischen hatte sich vieles verändert, Vlad war kein unerfahrener Junge mehr der nur kurz eine Gelegenheit nutzte.

00:21:11: Er hat die Jahre zwischen dem Machtblöcken verbracht – er kannte den Osmanischen Hof aus nächster Nähe!

00:21:17: Er hatte erlebt wie schnell ein Thron gewonnen und wieder verloren werden konnte ….

00:21:21: Und er wusste ohne Unterstützung von außen würde er in der Wallachai kaum eine Chance haben….

00:21:27: Auf dem Thron saß zu dieser Zeit immer noch Wladislaw II.

00:21:31: Für Vlad war er mehr als ein politischer Gegner, in der Erinnerung an seine Familie war Wladislav mit jener Ordnung verbunden unter der Platzvater und sein älterer Bruder Mirchams Leben gekommen waren – für Vlad ging es also um Herrschaft, um Rache, um Macht…und um die Frage wer die Wallachai künftig kontrollieren würde!

00:21:52: Seine Unterstützung kam nun aus dem ungarischen Machtbereich.

00:21:55: Johann Hunyadi, der mächtige ungarische Heerführer lebte noch in den letzten Jahren.

00:22:01: Er war auf dem Amselfeld geschlagen worden, aber er war dort nicht gefallen.

00:22:08: Auch Jahre später spielte er weiterhin eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Osmanen.

00:22:13: Für diese Politik war Vlad ein brauchbarer Thronanwerter Ein Mann aus der valachischen Herrscher-Familie, der gegen osmanische Einfluss eingesetzt werden konnte.

00:22:23: Dann überschlagen sich die Ereignisse!

00:22:25: Im Sommer verteidigt Hunyadi Belgrad erfolgreich gegen die Osmanen.

00:22:31: Kurz darauf, am elften August fürzehnhundertsechsundfünfzig stirbt er.

00:22:35: Fast zur selben Zeit setzt Blatt zurück in die Valachei an – die genaue Chronologie ist in den Quellen schwierig.

00:22:42: Seine Rückkehr wird teils auf April, teils auch Juli oder August fourteenhundertsechsundfünfzig datiert.

00:22:49: Fest steht – Vlad dringt vierzehnhundert sechsundfünftig mit Unterstützung aus dem ungarischen Machtbereich in die Wallachai ein.

00:22:56: Sein Gegner Vladislav II kommt während dieses Machtwechsels ums Leben.

00:23:01: Manche Überlieferungen erzählen, Vlad habe ihn im direkten Kampf getötet.

00:23:05: Andere Darstellungen bleiben vorsichtiger!

00:23:08: Greifbar ist, Vladislav II.

00:23:10: verschwindet aus der Herrschaft, Vlad übernimmt den Ton und dieser Wechsel geschieht gewaltsam!

00:23:17: Am zehnten September, vierzehnhundertsechsemfünfzig tritt Vlad bereits als regierender Voivode auf.

00:23:22: In einem Schreiben an die Bürger von Kronstadt – dem heutigen Brashov in sieben Bürgen – spricht er als Herrscher der Wallachai.

00:23:29: Dieser Brief zeigt wie schnell Vlad nach seiner Rückkehr begann politische Beziehungen zu ordnen.

00:23:35: Er brauchte die Städte jenseits der Kapaten, aber er misstraute ihn auch.

00:23:40: Er suchte Unterstützung gegen die Osmanen und musste zugleich verhindern dass aus sieben Bürgen erneut ein rivalisierender Thronkandidat gegen ihn aufgebaut wurde.

00:23:50: Diese zweite Herrschaft unterscheidet sich deutlich von seinem kurzen Griff nach der Macht im Jahr fourzehnhundert achtenvierzig – diesmal bleibt Blatt mehrere Jahre!

00:24:02: Er geht gegen Gegner im eigenen Land vor, besonders gegen Teile des Adels.

00:24:09: Er versucht die Macht der Bojaren zu brechen, die Zentralmacht zu stärken und seine Position so abzusichern, dass er nicht wieder nach wenigen Monaten vertrieben wird.

00:24:19: Aus dem zurückgekehrten Thronanwerter wird jetzt der Herrscher, der später als Vlad Zepes in die Geschichte eingeht – und hier beginnt auch jener Teil seiner Herrschaft, der sein Bild bis heute prägt!

00:24:31: Die brutale Ausschaltung politischer Gegner, die öffentliche Inszenierung von Strafe und der Versuch durch Angst Ordnung zu schaffen.

00:24:41: Er beginnt sofort seine innenpolitischen Gegner auszuschalten – die Boyaren, die mit dem Mord an seinem Vater und seinem Bruder verbunden wurden oder als unzuverlässig galten geraten in seinen Fokus.

00:24:53: Wer sich nicht unterwarf musste mit brutalster Strafe rechnen!

00:24:57: Zu den bekanntesten Erzählungen gehört eine spätere Überlieferung über das Osterfest in Tirguviste, der Wallachischen Hauptstadt.

00:25:05: Danach soll Wlad Boyaren des Landes zu einem Festmal eingeladen haben.

00:25:10: Während oder nach diesem Essen sollen ältere und einflussreiche Boyaren gefehlt worden sein – andere die noch arbeitsfähig waren seien gezwungen worden an der Burg Poenari in den Kapaten zu bauen!

00:25:22: Diese Episode gehört zu den berühmtesten Geschichten über Vlad.

00:25:26: Sie passt zu dem Bild eines Herrschers, der die Macht des Adels brechen wollte.

00:25:30: Als minutiös gesicherte Tatsachenbericht darf sie aber nicht behandelt werden – sie ist Überlieferung!

00:25:36: Was sich sicher sagen lässt?

00:25:38: Vlad ging äußerst gewaltsam gegen Teile des valachischen Adels vor und versuchte die Macht der Bojaren massiv einzuschränken.

00:25:46: Das klingt nach brutaler Willkür Aus der Perspektive eines Mannes, dessen Vater von Bojaren ermordet worden war und er gesehen hatte wie sehr die Instabilität der Valachai das Land schwächte – war es zugleich Machtpolitik.

00:25:59: Grauenvolle Machtpolitik!

00:26:01: Eine Wahnsinns-Tat eines Geistesgestörten daraus zu machen wäre eine moderne Vereinfachung, die der historischen Lage nicht gerecht

00:26:08: wird.".

00:26:09: Die Forschung betont immer wieder.

00:26:11: Vlats innenpolitische Herrschaft bestand aus mehr als Gewalt, seine Grausamkeit ist der Teil, der sich eingebrannt hat aber dahinter stand auch ein politisches Ziel.

00:26:21: Vlat wollte die Wallachai stabilisieren.

00:26:24: Das klingt erst mal trocken ist aber wichtig, denn die Wallachai war über Jahrzehnte von wechselnden Herrschern rivalisierenden Familien und mächtigen Bojaren geprägt gewesen.

00:26:34: Ein Voivode konnte auf dem Thron sitzen und trotzdem abhängig bleiben vom genau den Adelsgruppen, die ihn morgen wieder fallen lassen konnten.

00:26:43: Flatt hatte am Beispiel seine eigenen Familie gesehen wohin das führen konnte – also griff er genau dort an bei der Macht.

00:26:50: Er wollte offenbar verhindern, dass der Adel weiter nach Beliebenfürsten stützt, verrät oder austauscht.

00:26:57: Seine Maßnahmen gegen Teile der Bojaren waren grausam – aber sie waren auch machtpolitisch berechnet!

00:27:04: Wer ihm gefährlich werden konnte wurde eingeschüchtert, ausgeschaltet oder ersetzt.

00:27:08: Damit machte Vlad deutlich… Der Voivode sollte wieder die zentrale Macht im Land

00:27:13: sein.".

00:27:14: Dazu passt auch, dass aus seiner Kanzlei Urkunden erhalten sind.

00:27:19: Sie zeigen Vlad als Herrscher der Besitz bestätigt, rechte regelt mit Städten kommuniziert und Verwaltung betreibt.

00:27:26: Das ist ein anderer Blick auf ihn als der aus den späteren Schauergeschichten – da steht kein Vampir-und keine reine Legendenfigur!

00:27:33: Da steht einen Fürst, der versucht ein unsicheres Land unter Kontrolle zu bringen.

00:27:39: Auch Bucharest taucht in diesem Zusammenhang auf….

00:27:43: Die früheste bekannte, urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahr fourteenhundertneun und fünftig.

00:27:49: Aus Vlatts eigener Kanzlei!

00:27:51: Das heißt natürlich nicht dass Vlad Bukarest einfach aus dem nichts gegründet hätte aber es zeigt das dieser Ort in seiner Herrschaftszeit politisch und administrativ greifbar wird.

00:28:02: Spätere valachische Überlieferungen zeichnen Vlad deshalb als harten, aber ordnenden Herrscher.

00:28:08: In diesen Geschichten wird erzählt, dass Diebstahl Korruption und Verrat unter ihm kaum noch gewagt wurden weil jeder die Strafen fürchtete.

00:28:18: Besonders bekannt ist die Erzählung vom goldenen Trinkgefäß an einem öffentlichen Brunnen.

00:28:23: Es soll dort für alle bereit gestanden haben Und niemand habe es gestohlen Weil die Angst vor Vlad größer gewesen sei als jede Versuchung.

00:28:31: Ob solche Geschichten wörtlich stimmen lässt sich nicht beweisen.

00:28:35: Sie sind Teil der Überlieferung, aber sie zeigen wie Vlad in der valachischen Erinnerung gedeutet wurde – als grausamer Herrscher?

00:28:43: Ja!

00:28:43: Aber auch als jemand der Ordnungsschuf, wo vorher Unsicherheit

00:28:47: herrschte.".

00:28:49: So entsteht dieses doppelte Bild.

00:28:51: im Westen wird Vlad zur Schreckensfigur.

00:28:54: In Teilen der rumänischen Erinnerung wird er zum unerbittlichen Fürsten, der Diebe, Verräter und korrupte Adelige in Angst versetzt.

00:29:02: Beides greift auf denselben Mann zurück – beides wählt aus was zur eigenen Erzählung passt!

00:29:23: Wenn man nur die späteren Geschichten über Vlad liest entsteht schnell ein verzerrtes Bild.

00:29:27: dann sieht man den Pfähler, dem Mann der Grausamkeiten, die Schreckensfigur die andere aus ihm gemacht haben.

00:29:34: Aber Vlad ist nicht nur durch Erzählungen seiner Feinde überliefert, es gibt auch Dokumente aus seiner eigenen politischen Welt.

00:29:41: Briefe, Urkunden kanns leischreiben, diplomatische Spuren – wir haben gerade kurz darüber gesprochen!

00:29:47: Diese Quellen sind wichtig weil sie einen anderen Vlad zeigen… Einen Herrscher der nicht einfach durch Legenden geist hat sondern der schreibt, segelt bestätigt droht verhandelt und befielt.

00:29:59: In Urkunden erscheint Vlad als Voivode, als Machthaber mit Kanzlei und Verwaltungsapparat.

00:30:04: Er bestätigt Besitz, regelt Rechte, kommuniziert mit Städten- und politischen Akteuren.

00:30:10: Das klingt trocken – fast bürokratisch.

00:30:12: Aber genau darin liegt der Wert.

00:30:14: Diese Dokumente holen Vlad aus dem Nebel der Schauergeschichten heraus Und setzen ihn zurück in die reale spätmittelalterliche Politik.

00:30:22: Da ist ein Mann, der Herrschaft organisieren musste Der Bündnisse brauchte, der mit wirtschaftlichen Interessen umgehen musste.

00:30:29: Der Städte- und Handelsbeziehung nicht ignorieren konnte, der sich gegenüber Ungarn den Osmanen, dem Bojaren und den Nachbarfürstentümern behaupten musste.

00:30:38: Das macht ihn nicht weniger gewaltsam – es macht ihn historischer!

00:30:42: Denn eine reine Gruselgestalt braucht keine Kanzlei.

00:30:45: Ein Herrscher

00:30:46: schon.".

00:30:47: Diese nüchternen Quellen zeigen besonders deutlich, weshalb es zu einfach wäre, Vlad nur als blutrünstige Sagengestalt zu erzählen.

00:30:54: Seine Gewalt war real – seine politische Rolle war's auch!

00:30:58: Zwischen beidem bewegt sich die eigentliche Geschichte.

00:31:14: Das Pfählen War eine Hinrichtungsmethode bei der das Opfer auf einen angespitzten Holzfall gesetzt oder mit dem Pfahl durchbohrt wurde.

00:31:24: Die Pfele wurden in den Boden gerammt und die Körper verblieben zur Schau für Stunden oder Tage.

00:31:29: Vlad hatte diese Methode vermutlich während seiner Geiselzeit bei den Osmanen kennengelernt, oder dort zumindest aus nächster Nähe als Herrschafts- und Abschreckungsinstrument wahrgenommen.

00:31:40: Sie war auch in Europa bekannt – In mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen finden sich Beschreibungen der Pfählung als Strafe für bestimmte

00:31:48: Vergehen.".

00:31:49: Was Vlad von vielen anderen her schon unterschied, war weniger die Methode selbst.

00:31:54: Es war das Ausmaß und die Theatralik – keine einzelnen Hinrichtungen im Verborgenen dafür öffentlich ausgestellte Körper vor Städten entlang von Straßen an den Grenzen seines Landes als

00:32:06: Botschaft.".

00:32:07: Osmanische Quellen im Corpus Draculeanum beschreiben, wie Mehmet II.

00:32:12: bei seinem Feldzug vierzehnhundertsechzig auf ein Feld von gefälten osmanischen Soldaten und Gefangenen stieß.

00:32:19: Die Zahl wird in der Überlieferung teils mit etwa zwanzigtausend angegeben.

00:32:24: Ob diese Zahl korrekt ist oder von Chronisten dramatisiert wurde lässt sich historisch nicht abschließend verifizieren.

00:32:31: Das Flatt Massempfehlungen durchführen liest, ist durch mehrere voneinander unabhängige Quellen gut belegt.

00:32:37: Diese Quellnage ist wichtig – Platzgewalt ist kein reines Fantasie-Produkt späterer Erzähler!

00:32:43: Aber die Art wie seine Taten im deutschsprachigen Raum weiterverbreitet wurden hatte sehr viel mit Feindschaft, politischem Interesse und Sensationslos zu tun.

00:32:52: Diesen Weg schauen wir uns gleich genauer an….

00:33:16: Sultan Mehmet

00:33:17: II.,

00:33:18: der Eroberer Konstantinopels, einer der mächtigsten Männer seiner Zeit zieht gegen die Wallachai.

00:33:24: Zeitgenössische Chronisten nennen gewaltige Heereszahlen teils weit über einhunderttausend Mann.

00:33:30: Moderne Schätzungen fallen deutlich vorsichtiger aus – in jedem Fall stand Vlad einer militärischen Übermacht gegenüber.

00:33:37: Vlad hatte den Tribut verweigert, er hatte Osmanische Gesandte schwer misshandelt oder töten lassen.

00:33:43: Eine bekannte aber Quellen kritisch vorsichtig zu behandelnde Überlieferung erzählt – Er habe Osmanischen Gesanden die Kopfbedeckungen mit Nägeln am Kopf befestigen lassen weil sie diese vor ihm nicht abnehmen wollten!

00:33:55: Er provozierte den Krieg bewusst.

00:33:57: Gewinnen konnte er ihn in einer offenen Feldschlacht kaum, die Wallachai war zu klein seine Armee zu schwach für einen klassischen Kampf gegen ein großes osmanisches Herr.

00:34:07: also führte er einen anderen Krieg Zermürbung verbrannte Erde vergiftete Brunnen Angriffe aus dem Hinterhalt.

00:34:14: Er ließ die Bevölkerung aus dem Vormarschgebiet evakuieren und versuchte dem Gegner keine Nahrungsvorräte zu hinterlassen.

00:34:21: In der Nacht vom sechzehnten auf den siebzehnten Juni, vierzehnhundertsechzig greift Vlad das osmanische Hauptlager mit einer schnellen Reitertruppe an.

00:34:32: Ziel war offenbar Sultan Mehmet persönlich.

00:34:35: Der sogenannte Nachtangriff von Tiergewischte gilt als eine des spektakulärsten militärischen Aktionen in Vlads Leben.

00:34:42: Mehmet entkam, aber die Osmanische Armee erlitt Verluste und die psychologische Wirkung war erheblich.

00:34:48: Für einen Herrscher mit Platz begrenzten Mitteln war dieser direkte Angriff auf das osmanische Lager ein außergewöhnlich riskantes Unternehmen.

00:34:56: Das Ende dieser Episode ist bitter – Vlad hält sich noch einige Monate muss aber schließlich fliehen!

00:35:02: Wohin?

00:35:03: Zu seinem Verbündeten Matthias Corvinus dem ungarischen König.

00:35:08: Der nimmt ihn fest für ungefähr zwölf Jahre.

00:35:23: Warum ließ Matthias Corvinus seinen angeblichen Verbündeten Wlad inhaftieren?

00:35:29: Diese Frage ist einer der rätselhaftesten Punkte in Wlads Leben.

00:35:33: Ende fourteenhundertzechzig ist Vlad in einer schwierigen Lage, Der osmanische Feldzug hat die Wallachreihe erschüttert.

00:35:40: Viele Bojahren und Teile der Bevölkerung haben sich seinem Bruder Rado angeschlossen, der von den Osmanen unterstützt wird.

00:35:47: Vlad zieht sich in Richtung Kapaten zurück und sucht Hilfe bei Matthias Corvinus, dem König von Ungarn.

00:35:54: Eigentlich wäre Corvinos der naheliegende Verbündete gewesen – Ungarn hatte ein Interesse daran die osmanische Expansion aufzuhalten!

00:36:02: Vlad hatte kurz zuvor gegen Mehmet II gekämpft.

00:36:06: Außerdem hatten der Papst und Venedig Geld für einen Krieg gegen die Osmanen bereitgestellt.

00:36:11: Corvinous stand also unter Erwartungsdruck.

00:36:16: Doch genau das tat er nicht.

00:36:17: Statt mit Vlad gemeinsam gegen die Osmanen weiterzukämpfen, ließ Corvinus ihn festnehmen.

00:36:23: Nach den Quellen geschah das in der Nähe von Ruker – also im Grenzraum zwischen Valachai und Transylvanien.

00:36:29: Beauftragt wurde offenbar Johann Jesgra vom Brandis ein böhmischer Söldnerführer in ungarischen Diensten.

00:36:37: Vlad wurde zunächst festgesetzt und später nach Visegrad gebracht.

00:36:41: Dort blieb er viele Jahre in unjarischer

00:36:43: Gefangenschaft.".

00:36:45: Nach außen brauchte Corvinus eine Erklärung und diese Erklärungen waren angebliche Briefe.

00:36:51: Corvinos legte drei Schreiben vor, die Vlad am siebten November fourteenhundertzechzig verfasst haben soll.

00:36:58: Sie waren angeglich an Sultan Mehmet

00:37:00: II.,

00:37:01: an Mahmud Pasha und an Stefan von Moldau gerichtet.

00:37:04: In diesen Briefen soll Vlad angeboten haben sich mit den Osmaneln gegen Ungarn zu verbünden falls der Sultan ihn wieder auf dem Wallachischen Thron

00:37:12: bringe.".

00:37:13: Das wäre Hochverrat gewesen und damit eine passende Begründung, Vlad aus dem Spiel zu nehmen.

00:37:19: Das Problem?

00:37:20: Die Forschung behandelt diese Briefe überwiegend als Fälschungen oder zumindest als politisch hochverdächtige Dokumente.

00:37:27: Schon der Zusammenhang wirkt auffällig!

00:37:29: Vlad hatte gerade einen extremen riskanten Krieg gegen die Osmanen geführt – er hat sich durch seine Angriffe auf osmanisches Gebiet und durch den Nachtangriff auf Mehmet

00:37:39: II.,

00:37:40: als feind des Sultans positioniert.

00:37:42: Ausgerechnet in diesem Moment soll er dem Sultan seine Dienste gegen Ungarn angeboten haben.

00:37:48: Möglich ist in der Geschichte vieles, aber diese Wendung passt auffallend gut.

00:37:52: zudem was Corvinus brauchte – eine Rechtfertigung!

00:37:56: Auch die Sprache der Briefe wurde kritisiert.

00:37:59: Historiker verweisen darauf, dass Stil-, Unterwürfigkeit-, Formulierungen- und Latein nicht gut zu dem passen was man sonst über Vlad und seine Kanzlei weiß.

00:38:09: Corvinus eigener Hofhistoriker Antonio Bonfini schrieb später «der Grund für Platzgefangenschaft sei nie wirklich geklärt worden».

00:38:17: Damit bleibt eine politische Leseart sehr plausibel!

00:38:21: Corvinus wollte oder konnte zu diesem Zeitpunkt keinen großen Krieg gegen die Osmanen führen.

00:38:26: Gleichzeitig musste er gegenüber Papst und Venedig erklären, warum aus dem geplanten Kreuz Zug nichts wurde.

00:38:32: Vlad war da für unbequem!

00:38:34: Als lebender Verbündeter hätte er Hilfe eingefordert – als angeblicher Verräter konnte man ihn einsperren und die Verantwortung verschieben.

00:38:43: Für Vlad bedeutete das Er hatte den Sultan überlebt, den osmanischen Feldzug überstanden und sich zu einem christlichen Verbündeten durchgeschlagen.

00:38:51: Doch dort fand er keine Rettung – er fand eine Zelle!

00:38:55: Die Haft dauerte von fourteenhundertzeigundsechzig bis in die Mitte der vierzehnhundertsiebziger Jahre.

00:39:01: Flatt sitzt zunächst im Umfeld von Wischegrad.

00:39:04: Er ist kein gewöhnlicher Gefangener.

00:39:06: Er darf offenbar jagen, er hält Besuch und heiratet während dieser Jahre eine Frau aus dem Umfeld des ungarischen Hochadels.

00:39:18: Zeitgenössische oder zeitnahe Berichte erzählen außerdem, Vlad habe in der Gefangenschaft kleine Tiere gefangen und gefehlt.

00:39:25: Diese Geschichte gehört zu den bizarsten Zügen seiner Überlieferung – ob sie verlässlich etwas über sein Verhalten aussagt oder Teil einer feindlichen Darstellung ist bleibt unklar.

00:39:35: Sicher sagen lässt sich auch während seiner Gefangschaft wuchs das Bild eines grausamen, unheimlichen Vlad

00:39:42: weiter.".

00:39:43: Dann verändert sich die politische Lage erneut.

00:39:46: In der Wallachai herrscht inzwischen Bazarab-Layotte.

00:39:49: Er steht unter Osmanischem Einfluss und wird von Sultan Mehmet II als rechtmäßiger Herrscher anerkannt.

00:39:56: Für Ungarn und die Moldau ist das ein Problem, denn ein osmanisch gestützter Herrschern in der Wallachei bedeutet «der Druck auf die ganze Region bleibt bestehen».

00:40:05: Wladt wird dadurch wieder nützlich!

00:40:08: Im Sommer fourteenhundertfünfundsebzig kommt er auf Bitten Stefans III.

00:40:12: von Moldow auch Stefan der Große genannt frei.

00:40:15: Stefan braucht in der Wallachai einen Verbündeten gegen den osmanischen Einfluss.

00:40:20: Auch Matthias Corvinus erkennt Vlad nun wieder als möglichen rechtmäßigen Fürsten der Wallachei an – das bedeutet aber noch nicht, dass Vlad sofort zurück auf den Thron kann!

00:40:29: Erst muss er Unterstützer sammeln, kontakte er Neujarn und militärisch wieder ins Spiel kommen.

00:40:42: Aus dieser Zeit sind Hinweise erhalten, dass er mit Städten wie Herrmannstadt und Kronstadt in Verbindung steht.

00:40:48: Im Herbst-Vierzehnhundertfünfundsiebzig zieht er wieder in Richtung Buda.

00:40:53: Anfang Vierzehundertsechsensechzig kämpft er sogar in der Armee des Matthias Corvinus gegen die Osmanen in Bosnien.

00:41:00: Er ist also nicht mehr nur ein Gefangener – er wird wieder zu einem politischen Werkzeug!

00:41:04: Ein Mann den man jahrelang weggesperrt hatte, wird plötzlich wieder gebraucht….

00:41:09: Im Herbst, der Moment.

00:41:13: Eine ungarisch-siebenbürgische Streitmacht unter Stefan Batori von Edgett rückt in Richtung Wallachai vor.

00:41:20: Bei diesem Namen klingelt es vielleicht bei einigen von euch – Batori!

00:41:24: Diese Familie begegnet uns in der Geschichte später noch einmal, v.a.

00:41:28: durch Elisabeth Batori.

00:41:30: Über sie habe ich vor langer Zeit auch schon eine Folge gemacht.

00:41:34: Falls ihr sie noch nicht kennt könnt ihr hier nach gerne einmal da rein hören….

00:41:38: Für Vlad spielt Elisabeth Batory aber keine direkte Rolle.

00:41:41: Sie wurde erst viele Jahrzehnte später geboren, hier geht es um Stefan Batori von Edgid – einem militärischen Befehlshaber im Dienst von Matthias Corvinus.

00:41:52: Gleichzeitig greift Stefan der Große von Moldau also ein….

00:41:56: Das Ziel ist klar!

00:41:58: Bazarap La Jotaer soll vertrieben werden, Vlad soll zurück auf den Thron.

00:42:02: Im November fourteenhundertsechsen-siebzig gelingt dieser Plan zunächst.

00:42:06: Bazarab flieht, Tiguwischte wird eingenommen und Vlad kehrt ein letztes Mal als Voivode der Wallachai zurück.

00:42:13: Er ist etwa forty-fünf Jahre alt.

00:42:16: Aber diese dritte Herrschaft steht von Anfang an auf brüchigen Boden.

00:42:20: Vlad verdankt seine Rückkehr fremder Unterstützung – seine alten Gegner sind nicht verschwunden!

00:42:26: Bazarap Lajotte gibt nicht auf….

00:42:28: Und die Osmanen haben kein Interesse daran, Vlad noch einmal dauerhaft in der Wallachei zu

00:42:33: dulden.".

00:42:34: Wlad hat seinen Thron zurück, doch diesmal bleibt ihm kaum noch Zeit.

00:42:38: Er hält sich nur noch wenige Wochen!

00:42:40: Um die Jahreswende, vierzehnhundertsechsen, siebzig-vierzehn-hundertsieben, stirbt Wlad.

00:42:45: Die Umstände sind nicht eindeutig belegt – wahrscheinlich vieler im Kampf gegen Osmanische Truppen oder in einem Hinterhalt.

00:42:53: Osmanische Chronisten berichten sein Kopf sei in Honig eingelegt und dem Sultan als Trophäe übersandt worden.

00:42:59: Ob das stimmt lässt sich sicher nicht verifizieren.

00:43:02: Was sicher ist, Vlad III.

00:43:04: Draculea der einfache Voivode der Wallachai starb irgendwo in der Nähe vom Bukarest im Winter fourteenhundertsechsen-siebzig oder frühen vierzehnhundertsieben-sebzig – er war etwa fünfundvierzig oder sechsundvierzig Jahre alt.

00:43:18: Sein Grab ist nicht mit Sicherheit bekannt!

00:43:43: Um zu verstehen warum gerade im deutschsprachigen Raum ein so extremes Bild von Vlad entstand, müssen wir auf einen Konflikt schauen, der im Hintergrund vieler Geschichten steht… Vlads Verhältnis zu den siebenbürgischen Sachsen.

00:43:55: Die siebenbürgischen Saxen waren deutschsprachige Siedlergemeinschaft in Transsilvanien, ihre Städte darunter Kronstadt und Hermanns Stadt waren wirtschaftlich stark gut vernetzt und politisch wichtig.

00:44:06: Sie lagen im Grenzraum in dem Handel Machtpolitik und militärische Sicherung eng miteinander verbunden war.

00:44:13: Für Vlad waren diese Städten Verbündete Rivalen und Bedrohungen zugleich.

00:44:17: Sie konnten Handelspartner sein, sie konnten aber auch konkurrierende Thronanwärter unterstützen.

00:44:23: In einer Welt ohne stabile Erbfolge war das gefährlich!

00:44:26: Ein Fürst der in der Wallachai Herrschte musste immer damit rechnen dass aus Siebenbürgen ein neuer Kandidat auftauchte unterstützt mit Geld, Kontakten und militärischer Hilfe.

00:44:37: Vlad reagierte auf solche Bedrohungen mit äußerster Härte erführte Strafaktionen gegen siebenbürgische sächsische Städte und ihr Umland durch.

00:44:45: Menschen wurden getötet, Orte verwüstet, Gefangene gefehlt.

00:44:49: Die Städte wiederum hatten ein klares Interesse daran Vlad als grausam Tyran darzustellen.

00:44:54: Hier entsteht ein entscheidender Teil der späteren Dracula-Überlieferung Denn die deutschen Berichte über Vlad kam aus einem Raum, der selbst betroffen war.

00:45:02: Sie entstanden aus Angst, Feindschaft politischem Interesse und tatsächlichem Leid.

00:45:07: Die sieben bürgischen Sachsen hatten reale Gründe, Vlad zu hassen.

00:45:12: Vlad hatte reale Gewalt gegen sie eingesetzt.

00:45:14: Aus dieser Lage entstand Erzählstoff.

00:45:17: Je weiter diese Erzählungen wanderten, desto stärker lösten sie sich vom konkreten Konflikt.

00:45:23: Der politische Gegner wurde zum Tyrandenbild.

00:45:25: Der gewaltsame Herrscher wurde zur Schreckensfigur.

00:45:28: Regionale Gewalt verwandelte sich in europäische Sensation.

00:45:32: Damit sind wir schon mitten in der Frage dieser Folge.

00:45:35: Wie wird Geschichte zu Mythos?

00:45:37: Nicht auf einmal!

00:45:39: Zuerst wird sie erzählt – dann zugespitzt, gedruckt und weitergegeben… immer wieder.

00:45:56: Schon zu Lebzeitenplatz begann seine Verwandlung in eine Figur des Schreckens, zunächst ohne übernatürliche Zuschreibung dafür durch politische Propaganda.

00:46:06: Die deutschen Flugschriften gedruckt ab fourteenhundertzehnundazweihensechzig verbreitet vor allem in Nürnberg, Bamberg, Augsburg und anderen Städten trugen Titel wie von dem erschrecklichen und wütenden Tyran genannt Dracula Veda.

00:46:21: Sie beschrieben oft mit Holzschnitten illustriert Zehen massenhafter Grausamkeit.

00:46:25: Ein Mann speist inmitten seiner Gepfälten, ertränkt Brot in Blut.

00:46:30: Menschen werden auf grausame Weise gefoltert und getötet.

00:46:34: Einige Motive haben möglicherweise einen historischen Kern – vieles ist nicht verifizierbar.

00:46:39: Ziel dieser Schriften war keine nüchterne Genauigkeit!

00:46:42: Es ging um politische Mobilisierung, Feindbildproduktion und den Verkauf durch

00:46:47: Sensation.".

00:46:48: Man könnte sagen, sie waren eine Art Boulevardpresse des fünften Jahrhunderts.

00:46:53: Und sie verkauften sich gut!

00:46:55: Gleichzeitig entstand in der Wallachai und in Moldau eine ganz andere Überlieferung – blatt als gerechter, harter aber letztlich notwendiger Herrscher.

00:47:05: Ein Mann, der das goldene Trinkgefäß am Brunnen aufstellen ließ, dass niemand zu stehlen wagte…und es blieb

00:47:10: unberührt.".

00:47:12: Ein Mann, der auch mächtige Bojaren bestrafte wenn sie Unrecht hatten.

00:47:15: Diese Tradition wurde in Rumänien später zu einem wichtigen Baustein der nationalen Heldenerzählung.

00:47:22: Die selbe Person zwei vollständig entgegengesetzte Bilder.

00:47:26: beide greifen auf dieselbe historische Realität zurück und beide wählen aus.

00:47:52: Vlad wurde nicht erst durch Bram Stoker zur literarischen Figur.

00:47:55: er wurde schon im fünften Jahrhundert erzählt verdichtet und ausgeschmückt.

00:47:59: Eine wichtige Rolle spielt dabei der deutsche Dichter Michael Beheim.

00:48:16: Es erzählt von Grausamkeiten, Bestrafungen, Massenmordenfolterung.

00:48:29: Es gehört zu den frühen deutschen Dracula-Texten und zeigt wie schnell Vlad nach seinem Krieg gegen die Osmanen und seinen Konflikten mit sieben Bürgen in eine erzählerische Form gebracht wurde.

00:48:40: Wichtig ist auch hier – Beheim schrieb keine nüchterne Biografie!

00:48:44: Er schrieb Dichtung.

00:48:45: Er arbeitete mit Stoffen, die bereits im Umlauf waren.

00:48:48: Er formte aus politischer Gewalt eine erzählbare vortragbare

00:48:52: Geschichte.".

00:48:53: Und dann kam etwas hinzu, dass Platznachleben entscheidend veränderte.

00:48:57: Der Druck Im fünften Jahrhundert verändert sich.

00:49:01: die Druckerpresse Europa Nachrichten, Pamphlete – also kurze meist zugespitzte Streitschriften oder Flugschriften Sensationsberichte und politische Texte können nun viel schneller verbreitet werden als handschriftliche Abschrifte.

00:49:15: Das bedeutet auch Feindbilder reisen schneller.

00:49:19: Aus Wlad dem regionalen Herrscher der Wallachai wird durch diese Texte eine Figur des europäischen Schreckens.

00:49:25: Die Geschichten über ihn werden gedruckt, weitergegeben, neu erzählt und ausgeschmückt.

00:49:30: Sie wandern durch deutsche Städte, Höfe, Kroniken oder Sammlungen von grausamen Beispielen.

00:49:36: Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Dracula.

00:49:39: Bevor Vlad zum Vampir werden konnte, musste er in der europäischen Vorstellung erst als Mensch des Schreckens überleben – als Tyran, als grausamer Fürst, als Name, den man sich merken konnte.

00:49:51: Die Druckerpresse macht aus Vlad kein Fabelwesen aber sie machte ihn erzählbar und was Erzählbar isst kann überleben!

00:50:00: Um zu verstehen, wie Vlad zu Dracula wurde muss man zunächst verstehen was ein Vampir im ursprünglichen Volksglauben war.

00:50:08: Diese Figur hatte mit dem späteren Grafen im Umhang nur wenig zu tun.

00:50:13: Der Vampier glaube in Südosteuropa etwa in Serbien Bulgarien Rumänien der Wallachai und im Kapatenraum ist ein volksreligiöses Phänomen mit alten Wurzeln.

00:50:25: Ein Vampier war in der Überlieferung ein Toter der das Grab verlässt keine elegante aristokratische Gestalt, eher ein aufgedunsener blutiger Leichnamen der zurückkommt und lebendes Schwäch oder tötet.

00:50:38: Der Glaube hatte eine Funktion – er erklärte warum Menschen nach dem Tod eines Familienmitglieds krank wurden oder starben.

00:50:45: Er erklärzte Seuchen, rätselhafte Todesfälle und unverstandene Krankheiten.

00:50:51: Ethnologen- und Kulturhistoriker verorten zentrale Strenge des europäischen Vampierglaubens im südosteuropäischen Raum.

00:50:58: Das Wort Vampir taucht ab dem frühen VIII.

00:51:01: Jahrhundert in der deutschsprachigen Literatur auf und ist zlawischer Herkunft, besonders mit dem serbischen Sprachraum verbunden.

00:51:09: Die entscheidenden Fälle die das Wort im westeuropäischen Diskurs brachten sind dokumentarisch belegt.

00:51:15: Wenn ihr schon länger bei Chronik der Schatten bzw.

00:51:19: damals noch Blutvergießen dabei seid, erinnert euch vielleicht!

00:51:23: Eine ähnliche Geschichte hatten wir hier schon einmal – damals ging es um Jure Grandot und die Ursprünge der Vampirangst.

00:51:29: Jure Grando gehört zu den frühen überlieferten Gestalten aus dem südosteuropäischen Vampir- und Wiedergängerglauben.

00:51:36: Auch dort ging es um einen Toten der angeblich zurückkehrte, um Angst in einer Dorfgemeinschaft, um Krankheit, Tod und den Versuch das Unerklärliche irgendwie greifbar zu machen.

00:51:47: Falls ihr auch diese Folge noch nicht gehört habt, hört doch auch dort einmal rein!

00:51:51: Der Fall Peter Plogoyovitz führt uns nun in dieselbe Welt der Angst – aber mit einem wichtigen Unterschied.

00:51:58: Diese Geschichte gelangte durch harbsburgische Verwaltungsberichte und Druck viel stärker im westeuropäischen Diskurs.

00:52:06: Dies ist einer der bekanntesten Fälle und er beginnt in Kisolova, dem heutigen Kiseljevo in Serbien.

00:52:14: Damals gehörte dieser Ort zum harbsburgischen Einflussgebiet.

00:52:17: In den Quellen erscheint der Name des Mannes als Peter Plugojovic.

00:52:21: Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine deutsch überlieferte Schreibweise des serbischen Namens Peter Blagojowicz.

00:52:28: Plugoyovics war einige Wochen tot, als im Dorf plötzlich mehrere Menschen starben….

00:52:34: Nach dem zeitgenössischen Bericht waren es neun Personen innerhalb von acht Tagen.

00:52:38: Die Krankheiten sollen sehr kurz gewesen sein – manche starben nach nur einem Tag, andere nach zwei.

00:52:45: Kurz vor ihrem Tod sollen die Erkrankten erzählt haben, Plugoyovitz sei nachts zu ihnen gekommen und habe sie gewürgt.

00:52:52: Auch seiner Frau soll er nach der Überlieferung erschienen sein.

00:52:55: In manchen Darstellungen heißt es, er habe nach seinen Schuhen oder nach seinen Opanken

00:53:00: verlangt."

00:53:01: Also nach traditionellem Schuhwerk, wie es in der Region getragen wurde.

00:53:06: Für die Menschen im Dorf war das ein Zeichen – der Tote war nie wirklich fort!

00:53:10: Die Dorfbewohner gerieten in Panik, sie fürchteten dass weitere Menschen sterben würden also verlangten sie das Grab zu öffnen.

00:53:18: Zuständig war Ernst Frumbalt ein kaiserlicher Kameralprovisor Also ein Verwaltungsbeamter im harbsburgischen Dienst.

00:53:26: Er war kein Vampirjäger, er war ein Beamter der mit einer Situation konfrontiert wurde die aus Sicht der Behörden vor allem Unruhe bedeutete.

00:53:34: Vrom Bald wollte die Verantwortung offenbar nicht allein tragen – trotzdem gab er dem Druck der Dorfbewohner nach.

00:53:41: Gemeinsam mit einem Priester wurde das Grab geöffnet.

00:53:44: Was sie sahen, passte für die Menschen vor Ort genau zudem was sie für einen Vampir hielten.

00:53:50: Der Körper wirkte kaum verweßt.

00:53:52: Die Haut soll frisch ausgesehen haben.

00:53:54: Haare, Bart und Nägel schienen gewachsen zu sein.

00:53:57: Alte Haut und alte Nägel sollen sich gelöst haben.

00:54:00: Darunter sah man neue.

00:54:02: An Mund- und Körperöffnungen soll Blut gewesen sein.

00:54:05: Heute lässt sich vieles davon mit normalen Vorgängen nach dem Tod erklären.

00:54:09: Haut trocknet aus und zieht sich zurück.

00:54:12: Dadurch können Haare und Nägel länger wirken, Flüssigkeiten können aus Mund- und Nase austreten, Gase verändern den Körper.

00:54:20: Unter bestimmten Bedingungen kann ein Leichnam weniger verwäßt aussehen als Laien es erwarten würden.

00:54:26: Für die Menschen in Kisolova war diese Erklärung aber nicht verfügbar – sie sahen einen Toten der für sie lebendig wirkte!

00:54:33: einen Toten, der angeblich zurückgekehrt war.

00:54:36: Einen Toten den Sterbende kurz zuvor als ihren nächtlichen Angreifer beschrieben hatten.

00:54:42: Daraufhin wurde Plo Gojovitz gefehlt.

00:54:45: In dem Berichten heißt es beim Durchstoßen des Körpers sei Blut ausgetreten – danach wurde der Leichnam verbrannt.

00:54:52: Frombald schrieb ein Bericht über den Vorfall.

00:54:55: Dieser Bericht wurde am XXI.

00:54:57: Juli-Jubil-Titel im wienerischen Diarium veröffentlicht unter dem Titel Kopia, eines Schreibens aus dem Gradiska-Distrikt in Ungarn.

00:55:06: Zusätzlich kursierte ein Flugblatt über die entsetzliche Begebenheit von Kisolova.

00:55:12: Damit blieb der Fall nicht im Dorf – er gelangte in die Zeitungen, in gelehrte Kreise und schließlich in die europäische Vorstellung vom Vampir!

00:55:20: Der Vampir kam also nicht als eleganter Graf nach Westeuropa, er kam als Verwaltungsfall.

00:55:26: Als Bericht über Angst, Krankheit, Tod geöffnete Gräber und einen Beamten der aufschreiben musste was in einem kleinen Dorf an der harbsburgischen Grenze geschehen war.

00:55:36: Der zweite große Fall der den Vampierglauben in Westeuropa bekannt machte führt uns nach Medvedsha ebenfalls ins serbische Habsburger Gebiet.

00:55:44: Die eigentliche Untersuchung findet erst Seventeenhundertdreißig und Anfangseventeenhundertzeinfahrt statt.

00:55:50: Im Mittelpunkt steht ein Mann, der zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre tot ist – Arnold Paole.

00:55:57: In den Quellen erscheint sein Name auch als Arnold Paola, Arnold Paolo oder Arnold Paul.

00:56:04: Schon diese unterschiedlichen Schreibweisen zeigen, wie sehr Namen, Orte und Erzählungen in den Berichten dieser Zeit durch Übersetzung, Verwaltungssprache und Weitergabe verändert wurden.

00:56:15: Arnold Paole war nach der Überlieferung ein serbischer Heiduck – also ein bewaffneter Grenzsoldat oder milizionär im diesem harpsburgisch-osmanischen Grenzraum.

00:56:24: Zu Lebzeiten soll er erzählt haben, er sei während eines Aufenthalts in einer anderen Gegend von einem Vampir geplagt

00:56:31: worden.".

00:56:32: Um sich zu schützen, habe er angeblich Erde aus dem Grab dieses Vampirs gegessen und sich mit dessen Blut eingerieben.

00:56:39: Für uns klingt das heute wie eine extreme Form von Aberglauben – in der Logik dieser Zeit war es ein Schutzritual!

00:56:45: Wenn ein Toter Macht über die Lebenden hatte, versuchte man diese Macht durch Kontakt mit seinem Grab, seinem Blut oder seiner Erde zu

00:56:53: brechen.".

00:56:54: Paole starb vermutlich um seventeenhundertsundzwanzig.

00:56:58: Nach der Überlieferung fiel er von einem Heuwagen, verletzte sich schwer und starb kurz darauf.

00:57:03: Etwa zwanzig bis dreißig Tage nach seinem Tod sollen Dorfbewohner berichtet haben – er erscheine ihnen nachts!

00:57:10: Vier Menschen sollen in der Folge gestorben sein.

00:57:13: Die Dorf-Bewohner öffneten daraufhin seinen Grab.

00:57:16: Was sie sahen, deuteten sie als Vampierzzeichen.

00:57:19: Der Körper wirkte kaum

00:57:20: verwesst.".

00:57:21: Aus Augen, Nase, Mund und Ohren soll Blut ausgetreten sein.

00:57:25: Auch seine Kleidung und der Sarg sollen blutig gewesen sein!

00:57:28: Daraufhin wurde der Körper gefehlt und verbrannt.

00:57:31: Auch die vier Menschen, die angeblich durch ihn gestorben waren wurden nachträglich behandelt weil man glaubte Opfer eines Vampirs könnten selbst wieder zu vampieren werden.

00:57:41: Damit hätte die Geschichte eigentlich enden können.

00:57:43: Doch Ende des Seventeenhundertdreißig beginnt in Metwetscher eine neue Welle von Todesfällen.

00:57:49: Innerhalb weniger Wochen sterben mehrere Menschen.

00:57:52: Die Dorfbewohner führen diese Todesfälle wieder auf Vampire zurück, ihre Angst richtet sich inzwischen nicht mehr allein auf Arnold Paole.

00:57:59: sie glauben sein Einfluss habe sich weiter verbreitet.

00:58:02: sogar Vieh spielt in dieser Erzählung eine Rolle.

00:58:05: Paole soll angeblich auch Tiere angegriffen haben.

00:58:08: Wer Fleisch von diesen Tieren gegessen hatte galt plötzlich ebenfalls als gefährdet.

00:58:13: Die Angst im Dorf wurde so groß, dass die harbsburgerischen Behörden eingreifen mussten.

00:58:18: Zuerst wurde ein Arzt namens Glasa nach Medvedja geschickt – einen sogenannten Kontagionsmedikus.

00:58:25: Er sollte prüfen ob eine ansteckende Krankheit hinter den Todesfällen steckte.

00:58:30: Glasa fand keine eindeutigen Hinweise auf eine solche, sah aber wie stark die Dorfbewohner von der Vampirerklärung überzeugt waren.

00:58:38: Danach wurde eine offizielle Kommission entsandt….

00:58:41: Geleitet wurde sie von Johann Flückinger, einem Feldschärer des Fürstenbushischen Regiments.

00:58:47: Ein Feldschärer war eine Art Militär-Schirurg – also kein Arzt im heutigen Sinn aber jemand mit medizinischer und chirurgischer Erfahrung.

00:58:57: Am siebten Januar die Untersuchung in Medvedja begann.

00:59:02: Flückiger und die Kommission hörten Zeugen an ließen sich die Vorgeschichte um Arnold Paole erzählen und öffneten mehrere Gräber.

00:59:10: Insgesamt wurden siebzehn Leichnahme untersucht.

00:59:13: Ein Teil der Körper war verwest, andere wirkten aus Sicht der Kommission auffallend gut erhalten.

00:59:18: Bei mehreren Toten beschrieben die Untersucher frisches Blut weiche Haut unveränderte Organe oder scheinbar nachgewachsene Nägel.

00:59:27: Ein besonders oft erwähnter Fall ist eine junge Frau namens Tanioka oder Stana.

00:59:32: Sie soll kurz zuvor nach wenigen Tagen Krankheit gestorben sein, bei der Exhumierung beschrieben die Untersucher ein rötliches lebensna wirkendes Gesicht Blut aus der Nase und frische innere Organe.

00:59:44: Aus heutiger Sicht lassen sich solche Beobachtungen wie bereits erwähnt mit normalen Verwesungsprozessen erklären.

00:59:50: Körperflüssigkeiten, Gasbildung, Temperatur, Bodenverhältnisse, Austrocknung der Haut und fehlendes medizinisches Wissen.

00:59:57: Für die Menschen in Medvedsha passte das alles in ein anderes Deutungsmuster – Vampirismus!

01:00:02: Nach der Untersuchung wurden die Körper, die man für verdächtig hielt enthauptet und verbrannt.

01:00:07: Die Asche wurde in die Morava geworfen.

01:00:13: Flückinger schrieb darüber seinen Bericht.

01:00:15: Visum et Repertum, singemäß heißt das gesehen und festgestellt.

01:00:20: Der bericht wurde am sechsenzwanzigsten Januar seventeenhundertzeinunddreißig in Belgrad abgeschlossen und an die Behörden weitergeleitet.

01:00:28: Er war keine einfache Gruselgeschichte.

01:00:30: er war ein offizielles Dokument aus einer harbsburgischen Grenzregion unterschrieben von Anwesenden Militärs- und medizinischem Fachleuten.

01:00:39: Dadurch wurde der Fall so wichtig.

01:00:42: Hier prallen Volksglauben, Militärverwaltung Medizin und Aktenführung aufeinander.

01:00:47: Ein Dorf fühlt sich von seinen Toten bedroht.

01:00:50: Die Behörden versuchten die Lage zu kontrollieren.

01:00:53: Die Untersucher beschrieben was sie sahen konnten es aber noch nicht so erklären wie wir's heute können.

01:00:58: Der Bericht verbreitete sich schnell Er wurde gedruckt, nachgedruckt diskutiert und löste in Europa eine regelrechte Debatte aus.

01:01:06: Gelehrte Ärzte und Theologen stritten darüber wie solche angeblichen Vampire zu erklären seien.

01:01:12: Der Fall Arnold Paole wurde damit zu einem der wichtigsten Momente in der Geschichte des europäischen Vampirbilders.

01:01:19: Er zeigt wie aus lokaler Angst ein Aktenfall wurde – und aus einem Aktenfall ein europäisches Thema!

01:01:26: Zusammen mit dem Fall Peter Plugoyovitz macht er außerdem deutlich, die Menschen, die diese Gräber öffneten sahen tatsächlich etwas das sie erschreckte.

01:01:35: Ihre Deutung war aus heutiger Sicht falsch – ihr erleben war real!

01:01:39: Dieser Vampirglaube lebte in Südosteuropa.

01:01:42: Erlebte in Regionen, die in späteren westlichen Blick mit Wallachai, Siebenbürgen, Serbien und dem Kapatenraum verbunden wurden also im selben weiteren Kulturraum in dem Flat der Pfähler regiert

01:01:54: hatte.".

01:01:56: Eine direkte Verbindung zwischen Vlad und dem Vampirglauben seiner Zeit gibt es in den Quellen allerdings nicht.

01:02:02: Zeitgenossen nannten ihn viele Dinge, einen Vampir nannten sie ihnen nicht.

01:02:24: Der Vampir war lange ein lokaler Glaube – Ein Dorf hatte Angst eine Gemeinde verlor mehrere Menschen, ein Grab wurde geöffnet, ein Körper sah merkwürdig aus.

01:02:33: die Erklärung lautete Vampir.

01:02:36: Im achzehnten Jahrhundert veränderte sich das der Vampir wird zu einem europäischen Thema.

01:02:42: Solche Fälle bleiben nicht mehr in ihren Dörfern.

01:02:44: Sie werden aufgeschrieben, weitergeleitet, gedruckt und diskutiert.

01:02:48: Beamte, Ärzte, Theologen, Militärs und Gelehrte beschäftigen sich plötzlich mit einer Frage die auf den ersten Blick absurd klingt – gibt es Vampire!

01:02:57: Für die Habsburger Monarchie war das mehr als ein Aberglaube am Rand des Reiches.

01:03:02: Es war ein Problem der Ordnung – wenn Dorfgemeinschaften Leichen ausgruben, sie pfeilten, enthaupteten oder verbrannten, griffen Sie in Friedhofsruhe religiöse Ordnung und staatliche Autorität ein.

01:03:14: Aus Angst wurde Handlung, aus Handlung wurde Unruhe.

01:03:18: Mitte des achzehnten Jahrhunderts erreicht dieser Vampir-Hype einen Höhepunkt.

01:03:23: Berichte über angebliche Untote verbreiten sich.

01:03:26: In manchen Regionen werden Verstorbene geöffnet und untersucht.

01:03:30: Körper, die anders verwest aussehen als man es erwartet gelten als verdächtig.

01:03:35: Blut an Mund oder Nase ein gebläter Bauch scheinbar gewachsende Haare oder Nägel alles wird als Zeichen gelesen.

01:03:43: Kaiserin Maria Theresia reagiert schließlich.

01:03:46: Ihr Leibarzt Gerard van Svieten untersucht solche Fälle und kommt zu einer nüchternen Erklärung, was die Menschen für Vampirzeichen halten lässt sich mit Verwesung Bodenbeschaffenheit Temperatur Krankheit und Unwissen erklären.

01:03:59: das ist ein entscheidender Moment.

01:04:01: der Vampir verschwindet dadurch nicht sofort aus den Köpfen aber er wird entzaubert.

01:04:06: Die Aufklärung legt sich über den Aberglauben und sagt, wir brauchen keine Untoten um das zu erklären.

01:04:12: Wir brauchen Medizin, Beobachtung und

01:04:14: Vernunft.".

01:04:15: Für unsere Geschichte ist dieser Moment wichtig weil der Vampir im achtzehnten Jahrhundert dadurch zweifach sichtbar wird – als Angstfigur des Volksglaubens und als Thema europäischer Debatten!

01:04:27: Er wandert aus dem Dorf in die Zeitung, aus dem Friedhof in die Verwaltungsakte, aus der Erzählung in die gelehrten Welt….

01:04:34: Noch ist dieser Vampir kein Graf, er trägt keinen Umhang.

01:04:37: Er lebt nicht in einem Schloss – aber erst angekommen!

01:05:02: Zwischenplatz Tod, fourteenhundertsechsen, siebensiebzig und Bram Stokers Roman, achtzehnhundertsiebenundneunzig liegen mehr als vier Jahrhunderte.

01:05:11: Was passierte in dieser Zeit?

01:05:13: Vlad bleibt in Westeuropa zunächst eine Figur aus Kroniken, Flugschriften und gelehrten Erzählungen.

01:05:19: Papst Pius

01:05:20: II.,

01:05:20: geboren als Eneer Silvio Piccolumini erwähnte ihn bereits im fünften Jahrhundert im Zusammenhang mit Grausamkeit und politischer Gewalt.

01:05:29: Die deutschen Drucken und Erzählungen kursieren weiter, verloren aber nach und nach an unmittelbarer Aktualität.

01:05:36: Der Vampir hingegen nimmt im achzehnten Jahrhundert einen anderen Weg!

01:05:40: Durch Berichte, Verwaltungsakten und gelehrte Debatten wird der Invest-Europa bekannt.

01:05:45: Aus einem südosteuropäischen Wiedergänger wird ein Thema über das Ärzte geistlicher Aufklärer und Leserin und Leserdiskutieren.

01:05:53: Im Neunzehnten Jahrhundert erreicht er Vampir die englische Literatur.

01:05:59: Polidoris the Vampire.

01:06:01: Und jetzt passiert etwas Entscheidendes!

01:06:04: Polidoris Vampir ist kein aufgedunsener Bauer aus einem serbischen Dorf, er ist Lord Wuthvern ein aristokratischer verführerischer eleganter englischer Edelmann.

01:06:15: Polidori formt den Volksvampir zur Figur der aristokratischen Bedrohung.

01:06:20: Zeitgenössische Leser erkannten darin Anspielungen auf Lloyd Byron in dessen Umfeld polidorige arbeitet hatte.

01:06:28: Der aristokratische Vampir ist geboren.

01:06:48: In der Forschung wird außerdem diskutiert, ob Stokas später veröffentlichter Text Dracula's Gäst aus einem frühen Dracula-Kontext stammt und deutliche Nähe zu Le Fenyus' Vampir Tradition zeigt.

01:07:02: Der Boden für Stokers Figur ist bereitet, was noch fehlt, ist der Name.

01:07:37: Abraham Stoker wird am acht November eighteenhundertsiebenundvierzig in Klondhaf bei Dublin geboren als drittes von sieben Kindern einer protestantischen irischen Familie.

01:07:47: bis zu seinem siebten Lebensjahr ist er schwer krank.

01:07:50: Er kann nicht stehen, nicht gehen.

01:07:52: Die Ärzte verstehen nicht, was mit ihm los ist.

01:07:55: Dann plötzlich unerklärlich erholt es sich!

01:07:59: Er wird nicht nur gesund – er wird Sportler.

01:08:02: Am Trinity College in Dublin ist er erfolgreich, athletisch und körperlich aktiv.

01:08:07: Der Sprung von dieser Kindheit, von Bettlegerigkeit und Hilflosigkeit zu körperlicher Stärke hat seine Biografen immer wieder

01:08:13: beschäftigt.".

01:08:15: Stoker selbst deutete diese frühe Krankheit später als prägende Erfahrung.

01:08:20: Die Nähe zu Schlaf, Schwäche, Tod und Wiederkehr lässt sich in seinem Werk zumindest als Hintergrund mitdenken.

01:08:26: Der Mann der den bekanntesten Untoten der Literaturgeschichte schrieb hatte als Kind selbst Jahre zwischen Krankheit und Genesung erlebt.

01:08:34: Nach dem Studium arbeitet Stoker als Beamtein Dublin nebenbei als Theaterkritiker.

01:08:41: In den letzten Jahren trifft er Henry Irving, einen der bedeutendsten Theater-Schauspieler seiner Zeit.

01:08:47: Ein Mann von charismatischer fast hypnotischer Bühnenpräsenz.

01:08:51: Stoker folgt ihm nach London und wird sein persönlicher Assistent und Geschäftsführer des Lysium Sietta.

01:08:57: Dreißig Jahre lang ist Erving Schatten – der Mann, der alles organisatorische trägt, damit Erwing glänzen kann!

01:09:05: Literarisch wird immer wieder vermutet, dass Stoker in Dracula auch Züge seines Chefs Irvings verarbeitete.

01:09:11: Die überwältigende Persönlichkeit – die Kontrolle, die er über andere ausübt… die fast hypnotische Wirkung!

01:09:18: Dracula der Vampir, der den Willen seiner Opfer aussaugt, könnte damit eine Allegorie auf eine Beziehung sein, in der Bewunderung und Auszählung dicht beieinander liegen.

01:09:28: Das bleibt Interpretation aber eine gut

01:09:31: begründete.".

01:09:33: Im Sommer, verbringt Bram Stoker seinen Urlaub im Seebad Whitby an der Küste von Yorkshire.

01:09:39: Er ist zweiundvierzig Jahre alt.

01:09:41: er trägt bereits die Idee eines Vampirromans mit sich.

01:09:45: in seinen Notizen erscheint eine Figur namens Count Wembeer.

01:09:48: Die Handlung sollte ursprünglich nicht zwingend in Osteuropa spielen.

01:09:53: In Whitby betritt Stoker die lokale Lei Bibliothek und stößt auf ein Buch des englischen Konsuls William Wilkinson, erschienen.

01:10:08: Stoker macht sich Notizen.

01:10:09: Diese Notizen sind erhalten und wurden später wissenschaftlich ediert.

01:10:14: Was er in Wilkinsons Buch findet ist für die Literatur Geschichte entscheidend.

01:10:19: Wilkinsen erklärt Dracula bedeute in der valachischen Sprache Teufel.

01:10:23: Außerdem schreibt er sinngemäß Die Valachen hätten diesen Beinahmen Personen gegeben, die sich durch Mut grausame Taten oder Liste hervorgetan.

01:10:33: In Stokas Notizbuch ist die entsprechende Notiz erhalten.

01:10:36: Der Name Dracula bedeutet in der valachischen Sprache Teufel, er streicht Count Vampir, er schreibt Count Dracula.

01:10:45: Whitby gibt ihm noch mehr!

01:10:47: Die Abteiruine auf der Klippe, sie taucht im Roman auf.

01:10:51: Die onehundertneunundneinzig Stufen zum Kirchhof, Sie tauchen auf!

01:10:55: Ein russisches Schiff namens Dimitri dass, achtzehnhundertfünfundachtzig vor Whitby Strandete gilt sehr wahrscheinlich als Vorlage für die Demeter.

01:11:03: das Schiff auf dem Dracula nach England kommt.

01:11:06: Stoker war ein akribischer Rechercheur.

01:11:08: Whitby war sein Fundstück.

01:11:47: Eine der bekanntesten Geschichten über die Entstehung von Dracula klingt fast so, als wäre sie selbst schon Teil eines Romans.

01:11:54: Wir stellen uns London vor!

01:11:56: Das Lyciums Theatre Ende des neunzehnten Jahrhunderts.

01:11:59: Graham Stoker arbeitet dort also als Geschäftsführer für Henry Irving – einen der berühmtesten Schauspieler seiner Zeit.

01:12:06: Das Theater ist ein Ort für Künstler, Schriftsteller, Reisende, Geleerte und Menschen, die Geschichten aus der ganzen Welt mitbringen.

01:12:13: Und dann taucht ein Mann auf, der perfekt in diese Atmosphäre passt… Aminus Vembury.

01:12:19: Vembrey war ein ungarischer Orientalist, Reisender und Sprachgelehrter.

01:12:24: Er hatte Zentral Asien bereist, schrieb über den Osten, sprach mehrere Sprachen und galt in London als faszinierende Figur – einen Mann der an einem Abendbrotisch Geschichten erzählen konnte die Klangen als kämen sie aus einer anderen Welt!

01:12:38: Der Legende nach trifft Bram Stoker ihn achtzehntundant neunzig.

01:12:41: bei einem Dinner im Lazyensirta Wembury soll Stoker von Osteuropa erzählt haben, von dunklen Herrschern, alten Kämpfen, grausamen Fürsten und schließlich von Vlad dem Fehler.

01:12:52: So soll Stokker zum historischen Dracula gefunden haben!

01:12:56: Man kann sofort sehen warum diese Geschichte so beliebt ist – da sitzt der irische Schriftsteller, der gerade an einem Vampir rumanarbeitet, ihm gegenüber sitzt ein ungarischer Gelehrter, der scheinbar das Tor zu einer fremden, unheimlichen Welt öffnet….

01:13:10: Ein Abendessen?

01:13:12: Ein Gespräch?

01:13:13: Ein

01:13:13: Name?!

01:13:13: Und daraus entsteht Dracula.

01:13:16: Das klingt großartig, es hat nur ein Problem!

01:13:19: Beweise fehlen.

01:13:20: Die Literaturwissenschaftlerin Elizabeth Miller hat Stokers erhaltene Arbeitsnotizbücher und die bekannten Quellen sorgfältig ausgewertet, ihr Fazit ist ziemlich eindeutig!

01:13:31: Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür das Vampires Stoker-Informationen über Vlad gab – die Informationen über Vlad, die Wallachai und Transsilvanien, die im Umfeld des Romans auftauchen lassen sich auf andere Quellen zurückführen, die Stoker nachweislich nutzte.

01:13:47: Wilkinsons Buch über die Wallachai und Moldau, Emily Gerrards Arbeiten über sieben bürgischen Aberglauben, William Bonas Reisebericht über Transsilvanien und weitere Literatur.

01:13:58: Vampire taucht im Roman selbst indirekt auf!

01:14:01: Van Helsing erwähnt seinen Freund Aminius aus Budapest als Quelle über Dracula's Geschichte.

01:14:07: Dieser Name hat die Vermutung befeuert dass der literarische Aminus auf den echten Aminios Vampire zurückgeht... Eine direkte Verbindung zwischen Vamburi und Stokas Dracula lässt sich vorsichtig über den Roman selbst erstellen.

01:14:21: Dort erwähnt Professor van Helsing einen Freund namens Arminius aus Budapest, der ihm Informationen über Dracula's Geschichte geliefert habe – weil Vambri mit Vornamen Arminios hieß, als Ungarn stammte und Stoker ihn nachweislich kannte, entstand später die Vermutung dass dieser literarische Arminius auf den echten Arminis Vambry anspielt.

01:14:40: Bewiesen ist das allerdings nicht!

01:14:43: Eine literarische Anspielung ist eben kein Beweis für ein reales Gespräch über Vlad.

01:14:48: Stoker und Vanbury haben sich wahrscheinlich tatsächlich getroffen, wann genau wie oft und worüber sie sprachen lässt sich aber nicht sicher greifen!

01:14:56: In Stokers eigenen Erinnerungen erscheint Vanbury vor allem im Zusammenhang mit Anekdoten über Zentralasien – Über Vlad?

01:15:03: Kein Wort….

01:15:05: Die Wembury Geschichte bleibt deshalb eine der schönsten Legenden über Dracula's Entstehung.

01:15:09: Sie ist atmosphärisch, sie ist einprägsam – sie passt fast zu gut!

01:15:14: Vielleicht ist etwas daran?

01:15:16: Vielleicht erzählte Wembrey tatsächlich von Regionen, Namen oder Geschichten die Stokers Fantasie fütterten.

01:15:21: Möglich ist das….

01:15:23: bewiesen ist es nicht Und damit gehört auch diese Erzählung in den Zwischenraum um den es heute immer wieder geht Zwischen Geschichte, Literatur und dem Moment in dem eine gute Geschichte anfängt wie Wahrheit zu klingen.

01:16:10: Stoker arbeitete mehrere Jahre an Dracula.

01:16:13: Der Roman erschien am sechsenzwanzigsten Mai-Achtzehnhundertsiebenundneunzig verlegt von Archibald Constable & Company London in einer Erstauflage von dreitausend Exemplaren.

01:16:24: Ihm voraus ging am achtzehnten Mai- Achtzehundertsebeneunzig eine szenische Lesung Offiziell zur Sicherung der Dramatisierungsrechte, in der Praxis eine Art Uraufführung.

01:16:36: Das Buch war kein unmittelbarer Welterfolg – die Kritiken waren gemischt!

01:16:40: Zu Stokas Lebzeiten brachte es ihm keine großen Einnahmen.

01:16:43: Er starb Ninzehundertzwölf in finanziell bescheidenen Verhältnissen.

01:16:47: Den Weltbekanntheitsgrad den sein Roman heute hat, hat er nicht erlebt.

01:16:52: Was der Roman aus Wlad macht ist dramatisch verschoben….

01:16:55: Aus dem valachischen Voivoden wird ein Graf aus Transsilvanien.

01:16:59: Aus einem spätmittelalterlichen Fürsten und Herrführer wird ein Untoter als Zuckrat, aus einer historischen Grenzregion mit komplexen Machtverhältnissen wird eine literarische Landschaft.

01:17:09: aus Schloss, Nebel- und

01:17:11: Bedrohung.".

01:17:13: Stoker machte sieben Bürgen zur Heimat seines Grafen, vermutlich weil diese Region für sein britisches Publikum fremder, ferner und geheimnisvoller wirkte.

01:17:22: Der Roman enthält eine Passage die eindeutig auf Vlad und die Kämpfe gegen die Osmanen verweist – Vendrakula sinngemäß von einem seiner Vorfahren spricht der als Voivode die Donau überschritt und die Türken auf ihrem eigenen Bodenschlug.

01:17:35: Mehr Vlad steckt im Roman im Kern kaum!

01:17:38: Und doch hat Stoker das Entscheidende getan….

01:17:41: Er nahm den Namen.

01:17:42: Den Namen Dracula, Sohn des Drachen, Sohnt des Teufels und übertrug ihn auf eine Figur die mit dem historischen Träger dieses Namens nur noch lose verbunden

01:17:52: ist.".

01:17:53: Es wäre leicht Dracula als altmodischen Grusel-Roman abzutun – ein Schloss, ein Vampir, ein Pfahl, ein Kreuz….

01:18:00: aber das greift zu kurz!

01:18:02: Denn Stoker's Dracula isst auf einem merkwürdige Weise hochmodern.

01:18:05: Die Figuren bekämpfen dem Vampir mit Knoblauch, Kruzifixen und Holzfehlen.

01:18:10: Aber eben auch mit den Mitteln ihrer Zeit!

01:18:13: Tagebüchern, Briefen, Zeitungsartikeln, Telegrammen, Eisenbahnfahrplänen, Schreibmaschinen, Phonografen und medizinischen Eingriffen.

01:18:22: Der Roman ist fast wie eine Akte aufgebaut – verschiedene Stimmen liefern einzelne Dokumente.

01:18:28: Jonathan Haka schreibt Tagebuch.

01:18:30: Mina tippt Texte ab und ordnet Informationen Dr.

01:18:33: Stuart spricht in seinen Phonographen.

01:18:36: Telegramme über Brückenentfernungen, Zeitungsberichte liefern Hinweise.

01:18:40: aus einzelnen Fragmenten ersteht ein Gesamtbild.

01:18:44: Das ist kein Zufall!

01:18:45: Dracula isst eine Bedrohung aus einer alten Welt aber seine Gegner arbeiten mit moderner Technik.

01:18:51: Sie sammeln Daten sie vergleichen Aussagen Sie erstellen Chronologien Sie rekonstruieren Bewegungen.

01:18:57: Man könnte fast sagen sie führen eine Ermittlung.

01:19:00: Auch medizinisch ist der Roman auffällig.

01:19:03: Lucy erhält mehrere Bluttransfusionen, für heutige Leserinnen und Leser klingt das selbstverständlich.

01:19:28: Stoker benutzt eine moderne medizinische Technik, die damals zugleich hoffnungsvoll und gefährlich war.

01:19:35: Blut ist im Roman deshalb mehr als Symbol – es ist Leben, Sexualität, Krankheit, Medizin, Gefahr und Macht zugleich!

01:19:44: Dracula ist also keine reine Rückkehr des Mittelalters.

01:19:47: Der Vampir bricht in eine Welt ein, die sich selbst für modern hält – in einer Welt, die glaubt mit Wissenschaft, Technik und Organisation alles erfassen zu können.

01:19:56: Darin liegt ein Teil des Schreckens.

01:19:58: Dracula zeigt, moderne Mittel helfen aber sie erklären nicht alles!

01:20:03: Sie ordnen die Angst, sie besiegen sie nicht

01:20:06: sofort.".

01:20:40: In Rumänien ist Vlad Zepes keine reine Gruselgestalt.

01:20:43: Er gehört dort zu einer anderen Erinnerungskultur.

01:20:46: Rumänische Geschichtsbilder behandeln Vlad häufig als Verteidiger gegen das Osmanische Reich, als entschlossenen Herrscher der einem kleinen Fürstentum Stabilität geben wollte und als Figur die mit Ordnung Härte- und staatlicher Autorität verbunden wird.

01:21:01: Der Dichter Mihai Eminescu, einer der bedeutendsten rumänischen Autoren des neunzehnten Jahrhunderts, griff Vlad in seinem politischen Gedicht Lisoarea III auf.

01:21:10: Dort steht die bekannte Zeile Humnovitu Tepeshtoamne.

01:21:15: Sinngemäß?

01:21:16: Warum kommst du nicht Herr Tepesh?

01:21:18: Eminesku nutzte Vlad als Bild für einen unerbittlichen Ritter über Korruption, Feigkeit und moralischem Verfall.

01:21:26: Dieses Motiv wirkt bis heute nach.

01:21:28: Wenn in Rumänien über Korruption, Bürokratie und politische Schwäche gesprochen wird kann Vlad als Schiffre für harte unnachgiebige Gerechtigkeit auftauchen!

01:21:38: Die westliche Dracula-Figur wird in Teilen der rumänischen Geschichtskultur kritisch gesehen weil aus einem historischen Herrscher und nationalem Erscheinungsbild eine internationale Schreckfigur wurde.

01:21:49: Zugleich ist Dracula längst auch Teil des romanischen Tourismus geworden….

01:21:55: Sigishoara, Bran, Transylvanien, Souvenir-Leden, Vampir-Merchandise.

01:21:59: Das führt zu einer merkwürdigen Doppelung – der Westen sucht Dracula dem Vampir!

01:22:04: Rumänien erinnert an Vlad Zeppes oft als historische Herrschaftfigur.

01:22:09: Beide Bilder stehen nebeneinander sie berühren sich aber sind nicht dasselbe.

01:22:37: Wenn heute Menschen nach Rumänian reisen um Dracula zu sehen landen viele von ihnen an einem Ort Schloss Bran.

01:22:43: das Schloss sieht aus wie man sich ein Dracula-Schloss vorstellt Türme, Mauern, Felsen, Kapatenlandschaft.

01:22:50: Es passt perfekt in die Fantasie, die Filme Bücher und Werbebilder über Jahrzehnte geformt

01:22:55: haben.".

01:22:56: Historisch ist die Verbindung zwischen Vlad Zebysch und Bran aber schwach.

01:23:00: Vlad war kein Schlossherr von Bran im Sinne der Dracula-Legende, das Schloss liegt in Transsilvanien und wurde im Tourismus sehr stark mit Dracula verbunden weil es aussieht als könnte dort ein Vampirgraf wohnen!

01:23:12: Die Wirkung ist stärker als der historische Beleg.

01:23:15: Poinari ist anders – die Festung Poinare liegt in der Wallachei hoch in den Bergen.

01:23:20: Sie ist enger mit der Vladdüberlieferung verbunden und wird häufiger als die Burg genannt die besser zu vlat dem historischen Herrscher passt als Brand.

01:23:27: Sie ist weniger bequem, weniger märchenhaft und weniger sofort als Dracula-Kulisse vermarktbar – dadurch wirkt sie näher an der historischen Weltplatz!

01:23:37: Schwer erreichbar, militärisch, rau, strategisch.

01:23:40: Diese Gegenüberstellung macht sichtbar was mit Vlad passiert ist.

01:23:45: Bran gehört vor allem zum Dracula der Popkultur.

01:23:48: Poenari gehört stärker zu Vlad der Geschichte.

01:23:51: Beide Orte werden heute touristisch genutzt – beide leben von der Spannung zwischen Fakten, Legenden und Erwartungen.

01:23:58: So entsteht der moderne Abschluss dieser Verwandlung.

01:24:01: Aus einem Fürsten wurde ein Name, aus einem Namen wurde eine Romanfigur.

01:24:05: Aus einer Romanfigure wurde ein Filmythos.

01:24:08: Aus einem Filmytors wurde eine Reiseroute.

01:24:11: Menschen fahren nach Rumänien um Dracula zu sehen und finden dort immer zwei Gestalten – dem Vampir der den Westen erfunden hat und den Voivoden, den die Geschichte nie ganz frei gibt!

01:24:50: Stokas Roman ist nicht nur eine Gruselgeschichte, er ist auch ein Spiegel der viktorianischen Gesellschaft und das macht ihn bis heute lesbar und Forschungsrelevant.

01:24:58: Der Vampir als Eindringling aus dem Osten – Aus einem Raum, der in der westeuropäischen Vorstellung des neunzehnten Jahrhunderts häufig als wild rückständig und gefährlich markiert wurde.

01:25:08: Bringt das Fremde, das sexuelle und das bedrohliche in das bürgerliche England?

01:25:13: Er bedroht Frauen!

01:25:20: Literaturwissenschaftler haben in Dracula daher viele Subtexte gelesen.

01:25:25: Imperiale Angst, also die Furcht dass das Fremde zurückkommt und das Zentrum der Empire angreift.

01:25:31: Sexuelle Repressionen weil Dracula verlangen sichtbar macht, dass die viktorianische Moral kaum offen benennen durfte.

01:25:38: Einwanderungsangst – Weil der fremde Aristokrat nach London kommt, Grundbesitz erwirbt und die Einheimischen aushüllt.

01:25:45: Keiner dieser Subtext war ein Platzgeschichte angelegt!

01:25:48: Blatt war ein realer Politiker und Kriegsherr eines kleinen Fürstentums.

01:25:52: Dracula ist eine westeuropäische Projektionsfläche, auf die die Angst der Moderne geschrieben wurden.

01:25:59: Dracula wurde weltberühmt vor allem durch den Film.

01:26:02: In der Mitte des Films kam Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu.

01:26:07: Eine nicht autorisierte Verfilmung von Dracula gegen Stokers Witwe Florence erfolgreich vorging.

01:26:13: Ein Gericht ordnete die Vernichtung der Kopien an – Nosferato überlebte trotzdem.

01:26:18: Heute gilt der Film als Meisterwerk des deutschen Expressionismus.

01:26:25: Und damit wurde die Figur, wie viele sie heute kennen endgültig geprägt.

01:26:38: Lugoshi selbst war Ungas, sprach Englisch mit starkem Akzent und gab Dracula eine fremde anziehende unheimliche Qualität, die weit über Stokers Text hinaus wirkte.

01:26:48: In den letzten Jahren folgt Hamas.

01:26:51: Dracula mit Christopher Lee.

01:26:53: Groß, dunkelhaarig... physisch bedrohlich, deutlich stärker sexuell aufgeladen.

01:26:58: Lee spielte die Figur in mehreren Filmen.

01:27:01: Jeder Film entfernte sich weiter vom Roman und baute Dracula in eine eigene Popkulturmythologie aus.

01:27:07: – was von Vlad in alledem noch übrig ist?

01:27:10: Der Name!

01:27:11: Und die Waageverbindung zu einem Mann aus dem mittelalterlichen Südosteuropa der gewaltsam regierte.

01:27:17: an der Grenze zur osmanischen Expansion lebte dünne Faden der beide Figuren verbindet.

01:27:26: Alles andere, der Umhang die Fledermaus, die Zähne und Sterblichkeit das Schloss im Borgo Pass der aristokratische Vampir gehört zur Literatur zum Theater, zum Film oder zur Popkultur.

01:28:11: Fazit was übrig bleibt.

01:28:13: Die Frage dieser Folge war wie wurde Vlad der Fehler zu Dracula?

01:28:17: Die Antwort ist, schrittweise über Jahrhunderte durch eine Abfolge von Transformationen die jede für sich erklärbar ist.

01:28:25: Erste Stufe?

01:28:27: Vlad war real und sein Name trug von Anfang an mehrere Bedeutungen – Drache, Teufel, Herkunft, Macht- und Missverständnis.

01:28:35: Das war die erste Doppelbedeutung, die später wichtig werden

01:28:38: sollte.".

01:28:39: Zweite Stufe.

01:28:40: Vlad lebte im einem Grenzraum zwischen Wallachai, Siebenbürgen, Moldau, Ungarn und dem Osmanischen Reich.

01:28:47: Später wurde diese komplexe Landkarte immer stärker vereinfacht.

01:28:51: Aus den wallachischen Woivoden wurde in der westlichen Fantasie ein transsilvanischer Graf.

01:28:56: Dritte Stufe – politische Gegner, darunter sieben bürgisch-sächstische und ungarische Kreise verbreiteten Propagandaliteratur die aus seinem realgewaltsamen Verhalten ein Schreckbild formten.

01:29:07: Das Bild des Tyrannen entstand nicht aus dem Nichts aber es wurde dramatisiert.

01:29:12: Vierte Stufe.

01:29:14: Die Druckerpresse und frühe deutsche Texte machten Vlad über seinen eigenen Herrschaftsraum hinaus bekannt.

01:29:19: Michel Beheim und die Dracula-Flugschriften zeigen, Vlad war schon Jahrhunderte vor Stoker eine literarisch geformte Schreckfigur.

01:29:28: Fünfte Stufe – der Vampirglaube Südosteuropas drang im frühen achzenten Jahrhundert durch österreichische Militär- und Verwaltungsberichte nach Westeuropa.

01:29:37: Dort wurde aus dem bäuerlichen Wiedergänger nach und nach einer literarischen Figur Schließlich ein aristokratischer Verführer.

01:29:45: Sechste Stufe Ein irischer Schriftsteller fand in einer Fußnote eines englischen Reisebuchs einen Namen, Strichkaun Wambia durch und schrieb Count Dracula.

01:29:55: Er wusste vergleichsweise wenig über Vlad und interessierte sich soweit die Forschung erkennen lässt vor allem für den Namen und seine Wirkung.

01:30:01: Den Rest formte er aus Literatur, Volklore, Victorianischen Ängsten und eigener Fantasie.

01:30:07: Siebte Stufe.

01:30:08: Der Film machte aus dem Roman eine Weltikone, Bela Lugosi und Christopher Lee schufen eine Figur die mit Vlad III.

01:30:16: Dracula nur noch über einen dünnen historischen Faden verbunden ist.

01:30:19: Was bleibt?

01:30:20: Ein Wallachischer Fürst des fünften Jahrhunderts der in einer extrem schwierigen geopolitischen Lage mit grausamen Mitteln regierte – ein Mann, der von Gegnern zur Schreckfigur geschrieben und späteren Generationen zum Nationalhelden geformt wurde!

01:30:34: Ein Name, der durch Zufall, Recherche und Literatur Geschichte zum Synonym für das ewige Monster wurde.

01:30:41: Vlad selbst hätte wahrscheinlich lieber als Verteidiger des Christentums gegen die Osmanen gegolten – Die Geschichte hat anders entschieden.

01:31:12: Danke dass ihr mit mir durch die Schatten gereist seid!

01:31:14: Wenn euch diese Folge gefallen hat freue ich mich sehr wenn ihr mir eine positive Bewertung dalasst….

01:31:19: Das hilft Kronik der Schatten wirklich weiter Und wenn ihr noch mehr Einblicke, Abstimmungen und kleine Blicke hinter die Kulissen möchtet folgt mir gerne auf Instagram unter chronik.der.chatten-Unterstrich Podcast.

01:31:31: Bleibt wachsam für die Geschichten hinter den Geschichten!

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