Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Geisterstädte - Vier Orte, die von der Welt verschwanden (Hörerwunsch-Folge)

Shownotes

In dieser Folge von Chronik der Schatten geht es um vier Orte, die auf sehr unterschiedliche Weise leer geworden sind:

Kolmanskop in Namibia, Oradour-sur-Glane in Frankreich, Varosha auf Zypern und Bodie in Kalifornien.

Themen dieser Folge: Kolmanskop und der Diamantenboom in Deutsch-Südwestafrika Oradour-sur-Glane als bewusst erhaltenes Mahnmal Varosha und der bis heute ungelöste Zypernkonflikt Bodie als Geisterstadt des Goldrauschs

Warum verlassene Orte Menschen bis heute faszinieren

Musik-, Stimm- und Produktionsrechte Gesprochener Text, Stimme, Skript, Bearbeitung und Produktion dieser Episode liegen – soweit nicht anders angegeben – bei mir.

Die Musik dieser Folge wurde von mir selbst erstellt. Verwendete KI-gestützte Musik und musikalische Elemente wurden mit Suno erstellt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.

Weitere verwendete Audioelemente, Sounds oder Medien stammen gegebenenfalls aus PowerDirector 365. Auch hierfür lag mir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die erforderliche Lizenz vor.

Alle Rechte an der konkreten Zusammenstellung, Bearbeitung und Einbindung in diese Episode liegen bei mir, soweit rechtlich zulässig und soweit nicht anders gekennzeichnet.

Ihr findet mich auf Instagram unter: chronik.der.schatten_podcast

Dort könnt ihr mir auch jederzeit Themenwünsche schicken. Ich lese alles mit und freue mich sehr über euren Austausch.

Quellen:

Kolmanskop / Namibia .

  • Kolmanskuppe – Ghost Town Tours, offizielle Betreiberseite mit Geschichte, -Besucherinfos, Führungen und Permit-Hinweisen.
  • N. Alexander: Kolmanskop: An Industrial Heritage Resource or Only a Tourist Attraction? - Masterarbeit, University of Cape Town, 2010.
  • University of Cape Town, Volltext der Arbeit zu Kolmanskop als Industrie- und Erinnerungsort.

Oradour-sur-Glane / Frankreich:

  • United States Holocaust Memorial Museum: Oradour-sur-Glane – Überblick zum Massaker, zur Einheit „Das Reich“, zur Zerstörung des Dorfes und zur Nachgeschichte.
  • United States Holocaust Memorial Museum: Fotogalerie zu Oradour-sur-Glane.
  • Destination Limoges: Village martyr & centre de la mémoire d'Oradour-sur-Glane – offizielle Besucher- und Erinnerungsinformationen.
  • Chemins de mémoire / französisches Erinnerungsportal: Centre de la mémoire d'Oradour.
  • Visit Limousin: aktuelle Informationen zum Centre de la mémoire und zu Führungen durch das village martyr.

Varosha / Zypern:

  • Britannica: Überblick zur Republik Zypern, zur Verfassungsordnung von 1960, zur Krise von 1963/64 und zur Teilung der Insel.
  • UNFICYP – United Nations Peace Operations: offizielle Geschichte der UN-Friedensmission auf Zypern.
  • UN-Sicherheitsrat, Resolution 550 (1984): offizieller Text zur Unzulässigkeit einer Besiedlung Varoshas durch andere als seine ursprünglichen Einwohner.
  • UN-Sicherheitsrat, Resolution 789 (1992): offizieller Text zu vertrauensbildenden -Maßnahmen und zur geforderten Rolle der UN in Varosha.
  • UN-Sicherheitsrat, Präsidentenerklärung vom 9. Oktober 2020 zu Varosha.
  • UN-Sicherheitsrat, Präsidentenerklärung vom 23. Juli 2021 zu Varosha.
  • Rat der Europäischen Union: Erklärung des Hohen Vertreters zu Varosha vom 27. Juli 2021.
  • Reuters zur Verurteilung der Öffnungsschritte in Varosha durch den UN-Sicherheitsrat, 23. Juli 2021.
  • Reuters zu den informellen Zypern-Gesprächen in Genf und den dort gemeldeten Fortschritten, März 2025.
  • Reuters zur fortbestehenden politischen Auseinandersetzung um den künftigen Status Zyperns, März 2025.
  • Reuters zu neuen Kontakten und vorsichtigem Optimismus im Dezember 2025.

Bodie / Kalifornien:

  • California State Parks: Bodie State Historic Park – offizielle Informationen zu Geschichte, Erhaltungszustand und Besuch.
  • National Park Service: Bodie Historic District – Einordnung als boomtown, „arrested decay“ und historische Bedeutung.
  • Bodie.com: Hintergrundmaterial zur Erhaltung im Zustand des „arrested decay“.

Zur kulturgeschichtlichen Einordnung von Ruinen / Geisterstädten:

  • EHNE – Encyclopedia of European History: The Ruin as Monumental Object in European Architecture.
  • Metropolitan Museum of Art: Romanticism – zur ästhetischen und emotionalen Bedeutung von Vergangenheit, Landschaft und Ruinen im 19. Jahrhundert.
  • Metropolitan Museum of Art: Neoclassicism – zur Verbreitung von Ruinenbildern und archäologischen Stätten in Europa.

Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Transkript anzeigen

00:00:03: Willkommen zurück zu Chronik der Schatten.

00:01:02: Die heutige Folge ist ein höherer Wunsch, das Thema wurde sich in den Kommentaren unter meiner Centralia-Folge gewünscht und ich habe mir diesem Wunsche natürlich notiert!

00:01:10: Mit der Umsetzung hat es ein bisschen gedauert... Aber genau so arbeite ich oft.

00:01:15: Ich schreibe mir eure Themenvorschläge auf und greife sie nach und nach auf.

00:01:19: Genau das möchte ich in Zukunft auch regelmäßiger machen, vielleicht einmal im Monat oder alle zwei Monate – damit hier immer wieder neue Folgen entstehen die direkt aus euren Wünschen kommen!

00:01:30: Wenn ihr also Themen habt über die ich unbedingt mal sprechen soll dann schreibt mir sehr gern Am besten bei Spotify, bei Podimo oder auf Instagram unter chronik.der.chatten-Podcast.

00:01:43: Auf diesem Plattform lese ich alles mit und ich freue mich wirklich immer über jeden netten Austausch mit euch!

00:01:50: Nach Centralia kam ein Wunsch besonders oft – mehr Geisterstädte, mehr Orte die einmal voller Leben waren und heute leer sind, mehr Geschichten über Städte die nicht einfach verschwunden sind sondern Spuren hinterlassen haben….

00:02:04: Für diese Folge habe ich vier Orte ausgewählt.

00:02:07: Nicht einfach nur die bekanntesten oder gruseligsten, sondern vier Orten, die auf ganz verschiedene Weise zeigen wie Städte verschwinden können.

00:02:15: Vier Orte, die jeweils ihre ganz eigene Geschichte erzählen!

00:02:19: Bevor wir beanfangen ist mir wie immer noch etwas besonders wichtig.

00:02:23: Alles was ich euch heute erzähle ist historisch belegt – wenn es an irgendeiner Stelle Überlieferungen, Deutungen und Unsicherheiten gibt sage ich euch das ganz klar….

00:02:33: Diese Orte brauchen keine Ausschmückung, ihre echten Geschichten sind eindrucksvoll genug.

00:02:39: Vier Orte vier Arten zu verschwenden.

00:02:42: fangen wir also an Stadt eins Kolmanskop Namibia die reichste Stadt Afrikas Namibias.

00:03:11: damals heißt das Gebiet Deutsch Südwestafrika.

00:03:14: Die Namib ist eine kühle Küstenwüste, die sich fast einen Tausend neunhundert Kilometer entlang des Atlantiks zieht.

00:03:21: Sie gilt als älteste Wüste der Erde und gehört zu den trockensten Landschaften im südlichen Afrika.

00:03:27: Fast regenlos ist sie trotzdem nicht völlig wassallos.

00:03:30: Viele Flussläufe führen dort nur nach seltenen Regenfällen Wasser.

00:03:34: Dazu kommt ein anderer Faktor, der diese Landschaft prägt – Nebel!

00:03:39: Der kalte Bengela-Strom kühlt die Luft über dem Atlantik ab und dieser Küstennebel dringt immer wieder in die Wüste hinein.

00:03:46: Rund um Lüderitz bedeutete das zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine harte Kageumgebung aus Fels, Sand Wind und salziger Feuchtigkeit.

00:03:56: Im April arbeitet Zacharias Levalla auf der Eisenbahnlinie zwischen Lüderitzbucht und Aus.

00:04:03: Er räumt Sand von den Gleisen, eine alltägliche Arbeit in einer Gegend, in der der Wind die Bahnstrecke immer wieder zusetzt.

00:04:11: Dabei findet er einen auffälligen Stein – und zeigt ihn seinem vorgesetzten August Stauch!

00:04:17: Dieser Moment ist der Ausgangspunkt für alles was danach kommt….

00:04:21: August Stauch ist zu diesem Zeitpunkt nicht einfach nur irgendein vorgesetzter, sondern ein Mann der sofort erkennt welche Tragweite der Fund haben könnte.

00:04:29: Der Stein gelangt weiter zur Prüfung und die Sache wird ernst genug dass der kaiserliche Regierungsgeologe Paul Range sich damit befasst.

00:04:38: Range hatte Gerüchte über Diamantenfunde in der Region zunächst für wenig glaubhaft gehalten.

00:04:44: Nachdem er jedoch einen solchen Stein gesehen und die Gegend selbst untersucht hatte, meldete er der Kolonialverwaltung nach Windhoek das bei Coleman's Cop an der Bahnstrecke zwischen Kilometer vierzehn-und sechzehn Diamanten gefunden worden sein – und ein wirtschaftlich nutzbares Vorkommen vorliege!

00:05:01: Spätestens in diesem Moment wird aus einem einzelnen Fund kein Zufall mehr, sondern eine Rohstoffmeldung mit kolonialer Sprengkraft.

00:05:10: Die Reaktion der deutschen Kolonialverwaltung folgt schnell – das Reichskolonialamt erkennt sofort den Wert des Fundes.

00:05:17: Große Teile des Gebietes werden noch in den letzten Jahren zum Sperrgebiet erklärt.

00:05:22: Damit wird der Zugang kontrolliert, der Abbau politisch und wirtschaftlich gebündelt und der neue Rohstoff nicht dem freien Zugriff

00:05:29: überlassen.".

00:05:30: Gleichzeitig werden die geförderten Roh-Diamanten besteuert und einer Pflichtablieferung nach Berlin unterworfen.

00:05:37: Dort entsteht mit der Berliner Diamantenregiegesellschaft ein eigenes Verkaufsmonopol für Roh- Diamanten aus Deutsch, Südwestafrika.

00:05:46: Juristisch und wirtschaftlich wird also in erstaunlich kurzer Zeit aus offenem Wüstenboden ein streng kontrollierter kolonialer Rohstoffraum.

00:05:55: In den amtlichen Unterlagen ist das Sperrgebiet ausdrücklich auf die Verfügung des Zweihnzwanzigsten September Ninzehundertach zurückgeführt.

00:06:04: Der eigentliche Grund, warum sich die Entwicklung so rasant beschleunigt liegt auch in der Art der Lagerstätte – Die frühen Diamantenfunde in diesem Teil der Namib lagen in vielen Bereichen vergleichsweise oberflächennah und konnten teils direkt aus dem Wüstensanden gewonnen werden.

00:06:21: Das machte die Förderung schneller und billiger!

00:06:24: Aus kolonialer Sicht war das ein Glücksfall.

00:06:27: Wenig Vorlauf, schnelle Gewinne, hohe Kontrolle!

00:06:30: Nur etwa dreizehn Kilometer östlich von Lüderitz entsteht Ninzehundert acht also Kolmanskop.

00:06:37: Die Siedlung liegt damit nicht zufällig dort sondern direkt im Einflussbereich dieser neuen Diamantenfelder.

00:06:44: Kolmanskop ist von Anfang an kein gewachsener Ort sondern einen Ort der aus einem Rohstofffund heraus geplant und hochgezogen wird.

00:06:53: Wichtig ist aber auch, was in vielen kurzen Erzählfassungen fehlt.

00:06:57: Dieser Boom war von Anfang an ein koloniales Arbeitsregime – eine neuere historische Untersuchung zeigt dass in der Kolonie bald weit über tausend indigene Arbeiter pro Monat an der Gewinnung der Diamanten beteiligt waren.

00:07:11: Viele von ihnen kamen als Wanderarbeiter aus dem Norden vor allem aus Ovambo-Gebieten.

00:07:17: Die Arbeit war hart die Unterbringung beengt und Hygienisch schlecht und die Bezahlung war niedrig.

00:07:23: In der Studie ist von Löhnen, von bis zu thirty-fünf Mark pro Monat die Rede.

00:07:28: Zugleich werden Gewalt, willkürliche Behandlung und überfüllte Unterkünfte beschrieben.

00:07:34: Das ist wichtig für die Einordnung weil Koimans Kopf später oft als spektakuläre Wüstenstadt erzählt wird Sein Reichtum aber auf einem kolonialen Ausbeutungssystem beruhte.

00:07:46: Von da an geht alles schnell Unternehmen, Spekulanten und Kolonialvertreter drängen in die Region.

00:07:52: Unter deutscher Kolonialherrschaft werden dort schließlich mehr als fünf Millionen Karatrodiamanten gewonnen.

00:07:58: Aus einem Stein im Sand wird also nicht nur ein lokaler Fund, sondern der Beginn eines Systems – ein Sperrgebiet, ein Verkaufsmonopol, eine neue Bergbaulandschaft und schließlich eine Stadt in der Wüste die ohne diesen Fund nie entstanden wäre!

00:08:14: Darin liegt schon am Anfang die Tragik von Kohlmannskopf.

00:08:18: Ein Ort, der allein wegen eines Rohstoffs gegründet wird trägt sein späteres Ende von Anfang an in sich.

00:08:37: Was danach entstand war keine provisorische Siedlung mehr sondern unter deutscher Kolonialherrschaft ein streng organisierter Bergbauort.

00:08:44: Coleman's Kopf lag rund drei Zentimeter östlich von Lüderitz und entwickelte sich zum Wohnen Verwaltungs- und Versorgungszentrum der umliegenden Diamantenfelder.

00:08:54: Gerade dieser Gegensatz macht den Ort bis heute so bemerkenswert draußen Wüste, Wind und Sand.

00:08:59: Und mitten darin eine gezielt aufgebaute koloniale Siedlung.

00:09:04: Der Name Kolmans Kop wird in der Überlieferung meist auf einen Transportfahrer namens Johnny Coleman oder Coleman zurückgeführt.

00:09:13: Demnach soll sein Ochsenwagen Jahre vor dem Diamantenboom bei einem Sandsturm an einem Hügel in der Gegend stecken geblieben sein.

00:09:21: Wichtig ist auch die Chronologie.

00:09:23: Kolmannskopf stand nicht sofort in der Form da, in der man den Ort heute aus Bildbänden kennt.

00:09:28: Die Stadt wurde in mehreren Ausbauschritten entwickelt.

00:09:31: Schon früh gab es nahe dem Bahnhof eine Polizeistation, eine Fleischerei und eine Bäckerei.

00:09:38: In Lüderitz war ein Kraftwerk gebaut, das die Diamantenfelder und damit auch Kolmanns Kopf mit Strom versorgte.

00:09:45: Wasser war dabei ein zentrales Problem.

00:09:47: Für die Aufbereitung der Funde musste zunächst Wasser per Bahn herangeschaft werden.

00:09:53: Ebenfalls anfangs kam Trinkwasser per Schiff aus Kapstadt nach Lüderitz und von dort weiter per Bahn nach Kolmannskop.

00:10:00: Ab hier wurde diese Versorgung durch Wasser aus der Quelle von Garub ergänzt.

00:10:07: Selbst in dieser lebensfeindlichen Umgebung entstand eine Infrastruktur, die für einen so abgelegenen Ort außergewöhnlich war.

00:10:14: Das Krankenhaus verfügte nach einer akademischen Bestandsaufnahme über das erste Röntgengerät im südlichen Afrika.

00:10:21: Immer wieder wird erzählt, dass es auch zur Kontrolle von Diamantenschmuggel eingesetzt wurde – sicher.

00:10:27: belegt ist vor allem seine medizinische Bedeutung!

00:10:30: Gesichert sind außerdem eine Schule, ein voll mechanisiertes Bäckereigebäude, eine allgemeine Ladenstraße, freie Wasser- und Stromversorgung für die Bewohner sowie die Herstellung von Eis in der Wüste.

00:10:44: Dieses Eis entstand als Nebenprodukt der Kühlanlagen der Fleischerei und wurde über ein innerörtliches Schiedensystem an die Haushalte verteilt.

00:10:53: Auch die Freizeitinfrastruktur.

00:10:55: Kolmanskop ist kein Mythos, aber sie war nicht von Anfang an in dieser Form vorhanden – Der Ort wuchs über Jahre zudem aus was man heute mit ihm verbindet.

00:11:05: Ein besonders gutes Beispiel dafür ist der Casino-und Turnhallenkomplex im Ortszentrum.

00:11:11: Er wurde in die Mitte von dem Jahr und errichtet.

00:11:16: Das vorgefertigte Stahlgerüst kam aus Deutschland, die Ziegel wurden verwendet vor Ort.

00:11:22: Das Gebäude war das gesellschaftliche Herz Kolmannskops mit Halle, Kino, Tourenraum, Küche, Bar, Klubräumen und einer Kegelbahn im Untergeschoss.

00:11:33: Gerade solche Gemeinschaftsbauten markieren deshalb weniger den Anfang als viel mehr den Höhepunkt des Ortes.

00:11:41: Zur Wasserversorgung gehört auch ein Detail, das fast unwirklich klingt aber gut belegt ist.

00:11:48: In der Küste wurde bei Elisabeth-Bucht eine Pumpstation gebaut und über eine rund dreißig Kilometer lange Leitung gelangte mehr Wasser zu einem großen Reservoir bei Kohlmannskoppe.

00:11:59: Dieses Reservoire diente nicht nur der Aufbereitung in der Diamantwäsche sondern auch den Bewohnern als öffentliches Schwimmbäcken.

00:12:07: Gerade an solchen Details sieht man, wie stark technische Aufwand und kolonialer Reichtum hier ineinandergriffen.

00:12:15: Bei den Bewohnern lohnt sich eine präzise Reformulierung als in vielen Kurztexten.

00:12:19: Kolmanskop selbst war vor allem Wohn- und Verwaltungsort für die europäische Betriebs- und Angestellten Schicht.

00:12:26: Ein großer Teil der afrikanischen Arbeiter lebte nicht in denselben Straßen und Häusern sondern in getrennten Unterkünften nahe den Arbeitsanlagen.

00:12:36: Für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist in einer wissenschaftlichen Arbeit ausdrücklich von rund achthundert Vertragsarbeitern aus Ovamboland die Rede, die in einem siegregierten Kumpound südöstlich vom Kollmannskopf mit eigenem Hospital untergebracht waren.

00:12:52: Schon vor dem Erste Weltkrig arbeiteten auf den Diamantfeldern insgesamt mehrere tausend Ovambo- und Capecaller Arbeiter.

00:12:59: der Wohlstand des Ortes beruhte also nicht nur auf den Diamanten, sondern ebenso auf einem streng getrennten kolonialen Arbeitsregime.

00:13:08: Wirtschaftlich erreichte Kolmannskopf sehr schnell eine enorme Bedeutung – bereits neunzehntundertzwölf wurden dort rund eine Million Karat-Diamanten pro Jahr gewonnen, was etwa elf Komma sieben Prozent der damaligen Weltproduktion entsprach.

00:13:22: Diese Zahl ist belastbar und stark genug für sich!

00:13:26: Formulierungen wie die Reichsstadt Afrika oder mehr als zwanzig Prozent der Weltproduktion klingen zwar eindrucksvoll, sind aber in dieser Schärfe schwächer abgesichert.

00:13:37: Kolmannskop war in seiner Blütezeit ein außergewöhnlich wohlhabender und technisch aufwendig ausgestatteter Bergbauort dessen Reichtum in keinem Verhältnis zu seiner Lage mitten in der Wüste stand.

00:14:09: Das Ende von Kolmanns Kop kam nicht als plötzliche Katastrophe – es kam als Verlagerung!

00:14:15: Der Ort war von Anfang an an die Diamantenfelder gebunden, die ihn hervorgebracht hatten.

00:14:21: Solange die Förderung in seiner unmittelbaren Umgebung wirtschaftlich sinnvoll war, blieb Coimonskop ein wichtiger Wohnverwaltungs- und Versorgungsort der südlichen Diamantenküste.

00:14:31: Doch dieser Vorteil hielt nicht dauerhaft – schon in den späten neunzehntundzwanziger Jahren verschob sich das Gewicht des Diamantengeschäfts weiter nach Süden.

00:14:40: Ausschlaggebend war vor allem die Entdeckung deutlich reicherer Vorkommen im südlichen Sperrgebiet, besonders im Bereich der Küstenterassen nahe der Oraniermündungen.

00:14:51: Damit war das Schicksal Coleman's Kopf im Grunde entschieden – Der Ort verlor nicht von heute auf morgen alle Funktionen aber seine wirtschaftliche Grundlage begann zu wandern.

00:15:01: Hinzu kam die Weltwirtschaftskrise.

00:15:03: Im April, im April, wurde die Produktion in Kolmans Kopf abrupt eingestellt.

00:15:08: Die zentrale Aufbereitungsanlage – die Zentralwäsche – ging nur noch in einen Erhaltungsmodus über.

00:15:15: Man hoffte zunächst offenbar noch den Betrieb bei besseren Bedingungen wieder aufnehmen zu können.

00:15:20: Dazu kam es aber nicht mehr!

00:15:22: Die verbliebenen Vertragsarbeiter wurden entlassen und in den Norden Namibias zurückgebracht.

00:15:30: Der Niedergang war damit nicht nur ein technischer oder wirtschaftlicher Vorgang, sondern auch ein sozialer Einschnitt der die letzten Reste des alten Betriebsmodells auflöste.

00:15:40: Die nächste Verschiebung folgte.

00:15:42: wenige Jahre später – weil die reicheren Felder weiter südlich lagen, verlagerte Consolidated Diamond Mines seinen Schwerpunkt zunehmend an die Oraniemündung – das hatte ich eben schon einmal kurz erwähnt!

00:15:59: Werkstätten wurden abgebaut und in der neuen Bergbaustadt Oranie-Mund wieder aufgestellt.

00:16:04: Sogar der markante Urturm, der einst vor den Verwaltungsgebäuden von Kolmanskop stand wurde demontiert und in Oranie Mund wieder neu errichtet.

00:16:15: Kolmanskop war zu diesem Zeitpunkt also nicht mehr das Zentrum einer expandierenden Industrie sondern einen Ort aus dem man brauchbare Infrastruktur abzog weil sie anderswo dringender gebraucht wurde.

00:16:28: Trotzdem war der Ort noch nicht sofort völlig verlassen.

00:16:32: Das Krankenhaus blieb zunächst weiter in Betrieb und ergänzte die medizinische Versorgung im Orangemund.

00:16:38: Auch das Eisenbahn- und Versorgungssystem spielte eine Rolle, weil Kolmanskop weiterhin als nördlicher Versorgumpunkt für die südlich gelegene Felder diente.

00:16:48: Erst mit dem Bau der Oppenheimer Brücke, im Jahr nineteenhunderteinundfünfzig die Oranjemund mit dem Hafen von Port Nolles verbannt, verlor auch diese Funktion ihren Sinn.

00:16:59: Danach wurde die bisherige Nachschubroute geschlossen, die nördlichen Felder wurden aufgegeben und Kolmans Kopp wurde endgültig überflüssig.

00:17:07: Ninzehundertsechsenfünftig verließen die letzten Bewohner den Ort.

00:17:11: Im selben Jahr schloss auch das Krankenhaus seine Türen.

00:17:16: Was danach folgte, war kein sofortiger Zusammenbruch sondern ein jahrzehntelanger Prozess des Abtrags der Demontage und des Verfalls.

00:17:24: Zum Zeitpunkt der Schließung maß man dem Ort nach späterer Einschätzung zunächst kaum historischen oder kulturellen Wert bei.

00:17:32: In den neunzehnhundertsechziger Jahren wurden deshalb alle leicht zugänglichen Stahlteile und ein großer Teil der Gleisanlagen entfernt.

00:17:40: Selbst Teile der Zentralwäsche wurden gesprengt oder als Schrott zerlegt.

00:17:44: Andere, größere Stahlkonstruktionen wurden demontiert und in Orangemund wieder aufgebaut.

00:17:50: Das ist für die Geschichte Kolmanskop wichtig weil der Ort nicht einfach nur von der Wüste verschluckt wurde – ein Teil seiner Substanz wurde ganz bewusst weggenommen lange bevor man begann ihn als historischen Ort ernst zu nehmen.

00:18:04: Parallel dazu setzte das ein was Kolmandskop heute so berühmt macht….

00:18:08: Der langsame unaufhaltsame Zugriff In vielen Gebäuden drank Sand durch offene Türen, zerbrochene Fenster und beschädigte Dächer ein.

00:18:19: In der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme des Ortes ist ausdrücklich beschrieben dass die Stadt heute unbewohnt ist Die Gebäude sich in sehr unterschiedlichen Stadien des Verfalls befinden Und der Wüstensand in manchen Bereichen ganze Baukörper erfasst.

00:18:33: Diese Mischung aus originaler Bausubstanz und natürliche Überformung prägt das heutige Bild.

00:18:39: Die Ruine ist dort nicht einfach bloß zerstört worden.

00:18:42: Sie ist über Jahrzehnte von Wind, Trockenheit und Sand umgeformt wurden.

00:18:47: Erste ernsthafte Schritte in Richtung Erhaltung kam erst spät.

00:18:51: Neunzehnundertneunensebzig entschied CDM Kolmanskop als Museum zu entwickeln.

00:18:57: In den frühen Neunzenhundertachzigerjahren begann eine schrittweise touristische und konservatorische Erschließung.

00:19:03: Heute ist Kolmanskop eine touristisch erschlossene historische Geisterstadt im ehemaligen Diamantensperrgebiet Namibias.

00:19:12: Teile des Ortes wurden gesichert und restauriert, andere Gebäude hat man bewusst so belassen wie die Wüste sie hinterlassen hat.

00:19:19: Wichtig ist dabei, Kolmanskop selbst gehört nicht zum UNESCO-Weltkulturerbe – das UNESCO Naturerbe in Namibia ist die Namib Sanci im Namib Naukluffpark.

00:19:31: Kolmannskop ist stattdessen ein historischer Erinnerungsort im früheren Sperrgebiet.

00:19:36: Der touristische Schwerpunkt liegt heute im ehemaligen Casino und Freizeithallenkomplex, laut der Bestandsaufnahme ist dieses Gebäude vollständig restauriert und beherbergt inzwischen Besucherzentren, Coffee Shops, Verkaufsräume und Museumsausstellungen.

00:19:52: Von dort starten auch die Führungen – Die heutige Betreiberseite nennt feste Öffnungszeiten und täglich geführte Touren.

00:19:59: Besucher können zusätzlich den Ort auf eigene Faust erkunden.

00:20:03: Die alte Kegelbahn ist noch vorhanden und wurde als Museumsexponat bewahrt.

00:20:08: Viele andere Gebäude dagegen wurden bewusst nicht vollständig restauriert, einige Räume wurden vom Sand freigeräumt und mit Ausstellungen versehen.

00:20:16: der größere Teil der Bauten blieb hier doch ruinös.

00:20:20: Dieser Kontrast zwischen restaurierten Kern und offenem Verfall macht die Wirkung des Ortes aus.

00:20:25: Was Coleman's Cop heute zeigt, ist deshalb mehr als nur eine hübsche Geisterstadt in der Wüste – Der Ort erzählt sehr präzise wie engkoloniale Bergbausiedlungen an Rohstoffe gebunden waren.

00:20:36: Solange die Diamanten da waren, lohnt es sich jeder technische Aufwand!

00:20:40: Als reichere Vorkommen anderswo entdeckt wurden wanderte Kapital-, Infrastruktur- und Bevölkerung weiter….

00:20:47: Zurück blieb ein Ort, der zuerst wirtschaftlich entleert dann baulich ausgeschlachtet und schließlich von der Wüste überformt wurde.

00:20:55: Coleman's Kopf ist damit kein plötzliches Ende sondern ein langsames Verschwinden in Etappen – über Jahrzehnte und aus sehr konkreten wirtschaftlichen Gründen.

00:21:10: Statt zwei Oradur Ceglan, Frankreich Rund, zwanzig bis dreinzwanzig Kilometer nordwestlich von Limosh am Fluss glan.

00:21:25: Vor dem Krieg leben hier rund dreihundertfünfzig Menschen – doch der Krieg verändert auch diesen Ort!

00:21:31: Oradur wird für manche zu einem Zufluchtsort, für Menschen die anderswo nicht mehr sicher sind, darunter Flüchtlinge aus dem Elsass, aus Spanien und aus anderen Teilen Frankreichs.

00:21:42: Trotzdem wirkt Orador im Juni nineteenhundertvierzig nicht wie ein Ort am Rand einer Katastrophe.

00:21:48: Das Dorf ist belebt.

00:21:50: Es gibt Geschäfte, Handwerksbetriebe, Schulen und Verbindungen nach Limoges und Saint-Genisieng.

00:21:56: Deshalb halten sich dort an diesem Samstag deutlich mehr Menschen auf als die eigentliche Einwohnerzahl vermuten lässt.

00:22:04: Als der zehnte Juni, nirgonzehnhundertvierzig beginnt sind ungefähr sechshundertfünfzig Menschen im Ort – es ist ein Tag wie viele andere im Krieg!

00:22:13: Kein friedlicher Tag, aber für die Menschen in Oradour zunächst ein Tag des Alltags.

00:22:18: Besorgungen werden gemacht, Kinder sind im Dorf, andere kommen aus der Umgebung hinzu.

00:22:23: Nichts deutet in diesem Moment daraufhin dass dieser Ort wenige Stunden später zum Schauplatz eines der schwersten deutschen Kriegsverbrechen an Zivilisten in Frankreich werden wird.

00:22:34: Während den Oradur dieser Alltag weiterläuft bewegt sich eine Einheit auf das Dorf zu, die zur zweiten SS-Panzerdivision Das Reich gehört.

00:22:42: Diese Division hatte lange an der Ostfront gekämpft und war Anfang nineteenhundertvierzig nach Südfrankreich verlegt worden.

00:22:50: Nach der alliierten Landung in der Normandie am sechsten Juni nineteenhundertvierzig erhält sie den Befehl, nach Norden zu rücken und zugleich gegen die Resistanz vorzugehen.

00:23:01: Schon einen Tag vor den Ereignissen in Oradur zeigt sich mit welcher Brutalität diese Divisione der Region vorgeht.

00:23:09: Am neunten Juni, nineteenhundertvierzig lassen Angehörige der selben Division in Tülle neunundneinzig Männer erhängen.

00:23:16: Was am nächsten Tag im Oradur-Sögland geschieht steht also nicht für ein isoliertes Verbrechen – es gehört zu einer Eskalation von Gewalt die in diesen Tagen bereits in vollem Gange

00:23:28: ist.".

00:23:30: Am frühen Nachmittag des zehnten Juni, nineteenhundertvierzig regeln Soldaten der dritten Kompanie das ersten Battalion des SS Panzergrenadier Regiments IV, der Führer, das Dorf ab.

00:23:43: Das Battalion steht unter dem Kommando von Adolf Diekmann.

00:23:47: Die Bevölkerung wird auf den Marktplatz beziehungsweise dem Chantevoir beschrieben.

00:23:52: Den Menschen wird eine Kontrolle angekündigt dann werden die Männer von den Frauen und Kindern getrennt.

00:23:59: Warum gerade Euradur Sögelan ausgewählt wurde, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

00:24:04: Verschiedene Erklärungen wurden diskutiert doch keine konnte historisch eindeutig bewiesen werden.

00:24:11: Sicher ist nur das Dorf wird systematisch umstellt.

00:24:15: die Bevölkerung wird zusammengetrieben getrennt und anschließend Opfer eines gezielten Massenverbrechens.

00:24:23: Die Männer werden nach der Trennung in mehrere Scheunen, Garagen und Nebengebäuden am Rand des Dorfes gebracht.

00:24:29: Nach den gängigen Darstellungen sind es onehundertsebundneinzig Männer.

00:24:34: Dort stehen die Maschinengewehre bereits bereit.

00:24:37: Auf ein Signal hin eröffnen die Täter das Feuer.

00:24:40: Wenn ich sofort stirbt bleibt schwer verletzt zwischen Toten und Sterbenden liegen.

00:24:45: Danach setzen die SS-Männer die Gebäude in Brand.

00:24:49: Nur wenige entkommen, weil sie unter Leichen liegenblieben und später fliehen konnten.

00:24:54: Die Frauen- und Kinder werden in die Dorfkirche getrieben.

00:24:57: Dort werden zweihundertvierzig Frauen und zwehundert fünf Kinder eingesperrt.

00:25:02: Im Inneren der Kirche zünden die Täter eine Vorrichtung aus der zunächst Rauchaustritt.

00:25:07: Als Panik ausbricht und Menschen zu den Ausgängen drängen werfen die SS Männer Granaten, schießen in die Menge und setzen schließlich das Gebäude im Brand.

00:25:17: Die Kirche wird damit zur Falle.

00:25:19: Die einzige Überlebende aus diesem Teil des Verbrechens ist Margaret Rufansch.

00:25:24: Schwer verletzt gelingt ihr die Flucht durch ein Fenster, sie versteckt sich bis zum nächsten Tag in einem Garten oder Gebüsch in der Nähe der Kirche.

00:25:32: Ihre Aussage wird später zu einer der wichtigsten Zeugenaussagen für die Rekonstruktion des Tatablaufs.

00:25:39: Insgesamt überleben das eigentliche Massaker nur sieben Menschen – sechs Männer und eine Frau!

00:25:45: Nach den Morden plündern die Täter die verlassenen Häuser und setzen das Dorf systematisch in Brand.

00:25:51: Insgesamt werden dreihundertachtundzwanzig Gebäude zerstört, noch am selben Abend beginnt die Vertuschung.

00:25:58: Adolf Dieckmann verpflichtet seine Offiziere und Unteroffiziere zum Schweigen und gibt vor man solle im Fall von Nachfragen behaupten es habe im Dorf einen Kampf mit Aufständischen gegeben.

00:26:09: diese Legende wird anschließend weiterverbreitet.

00:26:12: Am Ende sind mindestens sixhundertzwanzig Menschen tot.

00:26:16: In neueren Recherchen ist teils auch von sechshundertdreinvierzig die Rede.

00:26:20: Oradur Söglan gilt damit als das zahlenmäßig größte Massaker deutscher Truppen an Zivilisten in Westeuropa während des Zweiten Weltkriegs.

00:26:31: Es war kein Gefecht, kein Kollateralschaden und keine militärische Notwendigkeit.

00:26:36: Es war ein gezielt verübtes Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung eines Dorfes.

00:26:41: Nach dem Krieg trifft Frankreich eine bewusste Entscheidung.

00:26:45: Oradour Seglane soll nicht einfach wieder aufgebaut und damit in den normalen Lauf der Zeit zurückgeführt werden.

00:27:11: Diese Entscheidung prägt den Ort bis heute.

00:27:14: Wer durch die Ruinen geht, sieht nicht nur Mauern sondern Spuren eines abrupt unterbrochenen Alltags Ausgebrannte Fahrzeuge Werkstätten Straßenzüge Hausreste.

00:27:25: Die Kirche Oradur ist dadurch keine gewöhnliche verlassene Siedlung sondern ein bewusst erhaltener Ort der Erinnerung.

00:27:34: Auch die juristische Aufarbeitung wird für viele Hinterbliebene zu einem zweiten Trauma.

00:27:41: In Bordeaux stehen in der ehemaligen Division das Reich vor Gericht.

00:27:46: Zwanzig von ihnen werden verurteilt, doch das Urteil bringt für viele Hinterbliebenen nicht das Gefühl von Gerechtigkeit.

00:27:54: Unter den Angeklagten sind sieben Deutsche und vierzehme Männer aus dem Elsass, von denen viele gegen ihren Willen in die Waffen SS eingezogen worden waren.

00:28:03: Daran entzündet sich schon während des Prozesses heftiger Streit!

00:28:08: Im Limousin fordern viele eine harte Bestrafung der Täter.

00:28:12: Im Elsass wächst gleichzeitig der Druck, die zwangsrekrutierten Angeklagten nicht wie freiwillige SS-Männer zu

00:28:19: behandeln.".

00:28:21: Das Urteil fällt im Februar nineteenhundertdrehen fünfzig.

00:28:24: Zwei Angeklagte erhalten Todesurteile, andere Zwangsarbeit oder Gefängnisstrafen.

00:28:30: Doch nur wenige Tage später beschließt das französische Parlament ein Amnestiegesetz für die zwangsrekrutierten Elsässer – sie kommen kurz darauf frei!

00:28:40: Die übrigen Strafen werden in den folgenden Jahren ebenfalls gemildert und umgewandelt.

00:28:45: So sind am Ende innerhalb weniger Jahre alle Verurteilten wieder auf freiem

00:28:49: Fuß.".

00:28:50: Für viele Familien in Oradur fühlt sich das wie ein zweites Unrecht an.

00:28:55: Erst das Massaka, dann ein Prozess nach dem fast niemand dauerhaft bestraft bleibt.

00:29:01: Der unmittelbare Verantwortliche vor Ort Adolf Diegmann wird nie juristisch belangt weil er bereits am neunzwanzigsten Juni, Auch der Divisionskommandeur Heinz Lamadink entgeht einer wirksamen Bestrafung.

00:29:17: Er wird in Bordeaux in Abwesenheit zum Tode verurteilt, aber nicht an Frankreich ausgeliefert und stirbt in Westdeutschland.

00:29:30: Wird das Zondredella Memoir eröffnet, dass die Geschichte des Massakas seine Vorgeschichte und seine Nachwirkungen dokumentiert.

00:29:39: Die Ruinen selbst bleiben dennoch der eigentliche Kern des Ortes.

00:29:44: Jedes Jahr besuchen rund dreihunderttausend Menschen die Ruinen und die Gedenkstätte von Oradours zu Glanne.

00:29:50: Ein besonders symbolischer Moment ist der vierte September.

00:29:54: An diesem Tag besucht Bundespräsident Joachim Gauck gemeinsam mit François Hollande den Ort.

00:30:01: Gauck sagt dort selbst, dass erstmals der höchste Repräsentant Deutschlands eingeladen worden sei in Oradur zur Gland zu sprechen.

00:30:09: Der Besuch gilt deshalb als wichtiges Zeichen deutsch-französischer Erinnerung und Verantwortung.

00:30:16: Einer der bekanntesten Überlebenden ist Robert Ebra.

00:30:20: Er stirbt am elften Februar, im Alter von siebenundneunzig Jahren.

00:30:25: Mit seinem Tod endet die Zeit der unmittelbaren Überlebenden von Ora Durs Zyrglen.

00:30:31: Seitdem tragen die Ruinen, die Dokumente und die Erinnerungsarbeit noch stärker die Aufgabe das Geschehensichtbar zu halten.

00:30:39: Oradurs-Cyglène ist deshalb keine Geisterstadt im üblichen Sinn – der Ort wurde nicht verlassen weil seine wirtschaftliche Grundlage verschwand oder weil die Bewohner einfach weiterzogen.

00:30:50: Er blieb als Ruinenort erhalten, weil ein Massaker ihn ausgelöscht hat und weil Frankreich entschieden hat dass diese Lehre sichtbar bleiben

00:30:58: soll.".

00:30:59: Oradur ist kein Ort romantischem Verfalls.

00:31:02: Es ist ein Mahnmal, ein Ort der bewusst nicht verheilen soll.

00:31:16: Zypern – östliches Mittelmeer.

00:31:18: Am sechzehnten August, die britische Kolonialherrschaft endet und die Republik Zypern wird gegründet.

00:31:25: Die neue Verfassung soll ein Gleichgewicht zwischen den beiden großen Bevölkerungsgruppen schaffen.

00:31:31: Vorgesehen sind ein griechisch-zupriotischer Präsident, ein türkisch zuprioticer Vizepräsident mit Veturecht, einen nach Bevölkerungsgroupen aufgeteiltes Parlament sowie feste Quoten in Regierung, Verwaltung, Armee.

00:31:46: Dazu kommen getrennte kommunale Vertretungen und die Garantieverträge mit Großbritannien, Griechenland und der Türkei.

00:31:53: Auf dem Papier soll dieses System Machtteilen und den neuen Staat absichern.

00:31:58: In der Praxis macht es ihn aber von Anfang an schwerfällig- und konfliktanfälligs.

00:32:03: Viele griechische Zyprioten empfinden die Ordnung als zu starr und als Hindernis auf dem Weg zur Enosis – also zur Vereinigung mit

00:32:11: Griecheland.".

00:32:12: Viele türkische Zyprioten sehen trotz der zugesicherten Schutzrechte ihre Sicherheit und ihren politischen Einfluss nicht dauerhaft garantiert.

00:32:21: Schon in den ersten Jahren zeigte sich, wie belastet dieses Modell war.

00:32:25: Immer wieder gab es Streit über die praktische Umsetzung der Verfassung – besonders bei Fragen der Gemeindeverwaltung, der Besteuerung und der Machtverteilung im Staatsapparat.

00:32:35: Ende der Jahre schlug Präsident Makarios drei Zentverfassungsänderungen vor, die aus seiner Sicht den blockierten Staat funktionsfähiger machen sollten.

00:32:45: Türkisch-zypriotische Vertreter und die Türkei lehnten diese Vorschläge jedoch ab weil sie darin einen Abbau der zugesicherten Schutzrechte sahen.

00:32:54: Kurz darauf eskalierte die Lage – die Krise ging später als Bloody Christmas in die Geschichte ein!

00:33:00: Es kommt zu Kämpfen zwischen beiden Gemeinschaften.

00:33:03: Menschen werden getötet, Wohngebiete werden verlassen und das ohnehin fragile politische Gleichgewicht der jungen Republik zerbricht weiter.

00:33:11: Die von türkischen Zyprioten kontrollierten Gebiete schrumpfen in der Folge auf wenige voneinander getrennte Gebiete zusammen.

00:33:19: In Nicosia entsteht eine Waffenstillstandslinie aus der später die Green Line hervorgeht – zunächst wird sie von britischen Truppen überwacht!

00:33:28: Damit bleibt es nicht bei einer kurzen Krise.

00:33:31: In den folgenden Monaten ziehen sich viele türkische Zyprioten aus staatlichen Institutionen zurück oder werden aus ihnen verdrängt, der gemeinsame Staat funktioniert nur noch eingeschränkt.

00:33:42: Im März hier richten die Vereinten Nationen deshalb die Friedensmission Jürgen Fissib ein.

00:33:49: Ihr Auftrag ist es ein erneutes Aufflammen der Kämpfe zu verhindern sowie eine Herstellung von Ruhe und Ordnung beizutragen und eine Rückkehr zu normalen Verhältnissen zu erleichtern.

00:34:00: Die Spannungen reißen aber nicht ab, noch in den letzten Jahren greift die türkischen Luftwaffe nach erneuten Kämpfen im Nordwesten der Insel ein – auch in den folgenden Jahren bleibt die Lage instabil.

00:34:23: Dass schon vier Jahre nach der Unabhängigkeit eine UN-Mission nötig wurde, zeigt wie brüchig das politische Gleichgewicht auf Zypern von Anfang an war.

00:34:33: Die Spannungen, die später in der Teilung der Insel mündeten, begannen also nicht erst in den letzten Jahren.

00:34:39: Sie waren schon in der Gründungsordnung des Staates angelegt und traten sehr früh offen zu Tage.

00:34:45: Trotzdem sah nicht jeder Ort auf der Insel in diesen Jahren nach Krise aus.

00:34:50: Während die politische Lage immer wieder ins Wanken geriet, entstand an der Ostküste zugleich das Bild eines modernen offenen und erfolgreichen Ferienziels.

00:34:59: Wer in den späten neunzehntundertsächsiger- und frühen neunzenhundertsiebzigerjahren nach Varosha kam, spürte von der politischen Zareisprobe auf Zypern zunächst erstaunlich wenig.

00:35:09: Der Stadtteil von Famagusta an der Ostküste der Insel erlebte in diesen Jahren einen enormen Bauboom.

00:35:16: Entlang der Küste entstanden Hochhaushotels, Apartmentanlagen, Geschäfte und Vergnügungsbetriebe.

00:35:22: In den frühen Neunzehntundertsiebzigerjahren verfügte Varoscha über mehr als Zehntausend Hotelbetten und galt als eines der wichtigsten touristischen Zentren der Insell.

00:35:32: Varosha war damit nicht einfach nur ein Badeort, sondern eines der bekanntesten und wirtschaftlich bedeutendsten Ferienzentren Zyperns.

00:35:40: Ein Ort, der wie kaum ein anderer für Wohlstand, Modernität und den touristischen Aufstieg der Insel stand.

00:35:47: Spätere Rückblicke beschreiben Varoscha als wohlhabenden und modernen Ferienort, der auch internationale Prominenz anzog.

00:35:54: Entscheidend ist aber weniger welche berühmten Namen dort am Strand gelegen haben, sondern wofür Für Wohlstand, Modernität und das Versprechen mediterraner Leichtigkeit.

00:36:06: Während die Republik Zypern politisch längst unter Spannung steht, verkauft Varosha noch immer das Bild eines offenen glänzenden Ferienortes.

00:36:14: Hotels füllen sich, Investoren bauen weiter – an der Küste scheint die Zukunft gesichert!

00:36:20: Im Sommer- Am Morgen des Fünfzehnten Juli, hier beginnt auf Zypern ein bewaffneter Putsch.

00:36:43: Einheiten der zyprischen Nationalgarde geführt von Offizieren aus Griechenland und unterstützt vom griechischen Militärjunter greifen dem Präsidentenpalast in Nicosia an.

00:36:54: Das Ziel ist nicht nur Makarios den Dritten zu stürzen, sondern die politische Richtung der Insel mit Gewalt zu ändern und den Weg zur Enosis frei zu machen.

00:37:03: Also zum Anschluss Zyperns an Griechenland!

00:37:06: Der Präsidentenpalast wird schwer beschädigt doch Makarios entkommt im Angriff.

00:37:12: Kurz darauf verbreitet das Radio bereits die Falschmeldung er sei tot.

00:37:16: Stattdessen gelingt es ihm sich nach Paphos abzusetzen und von dort aus zu erklären dass er noch lebt.

00:37:23: An die Stelle von Makarios tritt Nikos Samson, ein früheres EOK-Mitglied und radikaler Verfechter der Enosis.

00:37:31: Der Machtwechsel ist damit nicht nur symbolisch sondern ein offenes Signal – Die Kräfte hinter dem Putsch wollen die bisherige Ordnung auf Zypern beenden.

00:37:41: Innerhalb weniger Stunden kippt die Lage auf der Insel.

00:37:44: Der Putsch verschärft den ohnehin bestehenden Konflikt dramatisch, weil er aus türkischer Sicht nicht nur einen innerzyprischen Machtkampf darstellt sondern eine direkte Bedrohung des verfassungsmäßigen Gleichgewichts von nineteenhundertsechzig.

00:37:58: Und dieser Umsturz wird wenig später zum unmittelbaren Auslöser der türkischen Intervention.

00:38:05: Fünf Tage später am zwanzigsten Juli nineteenhundertvierundsiebzig beginnt die türkische Militärintervention.

00:38:11: Die Türkei beruft sich dabei auf ihre Rolle als Garantie-Macht aus dem Vertregen von n.a.

00:38:17: und erklärt ihr Vorgehen mit dem Schutz der türkisch-zypriotischen Bevölkerung und der Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung.

00:38:25: Zunächst landen türkische Truppen wie Curena im Norden der Insel und schaffen einen Korridor nach Nicosia.

00:38:32: Nach gescheiterten Verhandlungen folgt ab dem vierzehnten August eine zweite Offensive.

00:38:37: Bis Mitte August kontrolliert die Türkei etwa den nördlichen Teil der Insel.

00:38:42: Für Varosha wird diese zweite Phase entscheidend.

00:38:45: Als sich die Kämpfe Fakma-Gusta nähern, fliehen tausende griechische Zyprioten aus dem Stadtteil.

00:38:50: Je nach Darstellung ist von rund sieben dreizig bis neun dreißigtausend Bewohnern die Rede.

00:38:55: Viele lassen fast alles zurück weil sie glauben bald wieder nach Hause zu können – für die meisten fühlt es sich in diesem Moment nicht nach Abschied an sondern eher nach einer Flucht auf Zeit!

00:39:06: Nach der Einnahme des Gebietes wird Varosha von türkischen Streitkräften militärisch abgesperrt.

00:39:11: Der Stadtteil wird eingezäunt, bewacht und für Zivilisten unzugänglich gemacht.

00:39:16: Aus einem der bekanntesten Ferienorte des östlichen Mittelmeers wird innerhalb weniger Tage ein gesperrter leerer Stadtteil.

00:39:23: Der Tourismus endet abrupt – Hotels, Wohnhäuser, Geschäfte und öffentliche Gebäude bleiben zurück während die Stadt selbst aus dem normalen Leben verschwindet!

00:39:33: Nicht jedes dieser Details lässt sich heute noch in allen Einzelheiten nachprüfen.

00:39:37: Sicher ist aber, der Stadtteil wurde in den letzten Jahren ausgestattet und blieb danach jahrzehntelang unbewohnt.

00:39:56: Baroscha bleibt abgesperrt – nicht für Monate sondern Jahrzehnte!

00:40:08: Einen Teil war Roschers durch andere als seine ursprünglichen Einwohner zu besiedeln.

00:40:17: und fordert zusätzliche Schritte zur Entspannung des Konflikts.

00:40:24: Dazu gehört ausdrücklich auch Varosha, dass nach dem Willen der Vereinten Nationen unter UN-Kontrolle gestellt werden sollte.

00:40:31: Damit ist der Ort völkerrechtlich nicht einfach nur ein leerer Stadtteil sondern einen Raum dessen Zukunft seit Jahrzehnten an den ungelösten Zyperkonflikt gebunden

00:40:41: bleibt.".

00:40:43: In der Praxis bedeutet das, Varosha bleibt unter türkischer Kontrolle eingezäunt und für die ursprünglichen Bewohner unzugänglich.

00:40:50: Hotels, Wohnhäuser, Geschäfte und Straßenzüge stehen leer.

00:40:54: Die Stadt wird damit zu einem politischen Pfand in einem Konflikt denn nie wirklich beendet wurde.

00:41:00: Varoscha ist nicht zerstört wie ein Kriegsgebiet nach Bombardierungen – es ist eingefroren!

00:41:05: Aber das macht den Ort so verstörend….

00:41:07: Alles bleibt äußerlich vorhanden … aber das Leben kehrt nicht

00:41:11: zurück.".

00:41:12: Während die politischen Verhandlungen stocken, setzt in den Gebäuden das ein was an verlassenen Orten fast immer geschieht.

00:41:19: Ohne in Standhaltung beginnen Beton Metall Glas und Holz langsam nachzugeben Fenster zerbrechen Fassaden verwittern Korrosion frisst sich durch Geländer und Leitungen Pflanzen wachsen in Risse Über Balkone und durch aufgeplatzte Böden.

00:41:34: Wissenschaftliche und journalistische Beschreibungen der letzten Jahre zeigen Varosha deshalb nicht als intakte Stadt, sondern als eine Ruinenlandschaft in der Jahrzehnte langer Stillstand- und Verfall sichtbar geworden sind.

00:41:48: Der Ort wirkt auf Fotografien oft wie eine Kulisse – tatsächlich ist er das Ergebnis von fast fünfzig Jahren Abwesenheit!

00:41:56: Auch die Küste verändert sich in diesen Jahrzehnten.

00:41:59: Weil dort über lange Zeit kein Tourismus mehr stattfindet, keine Strandtotels betrieben werden und kein dichter Badebetrieb herrscht wird der Strand von Varoscha nach und nach wieder zu einem ruhigeren Raum.

00:42:11: Die jahrzehntelange Abwesenheit der Menschen verändert diesen Küstenstreifen sichtbar.

00:42:16: Für Menschen wurde Varoschas stillgelegt für die Landschaft selbst begann damit aber eine langsame Veränderung.

00:42:23: Was für die früheren Bewohner ein eingefrorener Verlust ist, wurde für den Ort über die Jahre zu einer stillen Umformung.

00:42:30: Nicht plötzlich – nicht spektakulär sondern ganz langsam!

00:42:50: Im Oktober-Zw.A.

00:42:52: beginnt sich der Status Varosha erstmals sichtbar zu verändern.

00:42:56: Er sind Tatar damals noch Premierminister der türkischen Republik.

00:43:00: Nordzüpern kündigt gemeinsam mit dem türkischem Präsidenten Recep Tajib Erdogan die Öffnung eines Strandabschnittes für die Öffentlichkeit an.

00:43:09: Im Oktober-Zw.

00:43:11: wird zunächst ein Strandabstitt geöffnet, im Juli-Zweißen-Einenundzwanzig folgt der nächste Schritt.

00:43:17: Bei einem Besuch in Nordzüpern kündigen Erdogan und der türkisch-zypriotische Führer er sind Tata an, dass ein weiterer Teil des eingezäunteten Gebiets für Zivile Nutzung geöffnet und einen Verfahren vorbereitet werden solle über das Eigentumsansprüche gelten gemacht werden können.

00:43:38: Die internationalen Reaktionen fallen deutlich aus.

00:43:41: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die einseitigen Schritte in einer Präsidentenerklärung vom XXIII.

00:43:47: Juli, und fordert die sofortige Umkehr dieses Kurses sowie die Rücknahme aller seit Oktober, in waroscher unternommenen Schritte.

00:43:57: Die Europäische Union schließt sich dieser Bewertung an, spricht von unzulässigen einseитigen Maßnahmen und verlangt ebenfalls die soforte Rücknahme der Schritte seit Oktaubert, Auch die USA reagieren scharf.

00:44:10: Schon die Öffnung des Strandabschnitts im Oktober, bezeichnet Außenminister Mike Pompeo als provokativ und verlangt ihre Rücknahme.

00:44:19: Nach den Ankündigungen vom Juli, nennen Anthony Blinken den Schritt erneut provokative und inakzeptabel.

00:44:27: Die Republik Zypern bewertet das Vorgehen als illegal und inaktzeptabel!

00:44:32: Seit diesen Entscheidungen ist Varosha nicht mehr vollständig so verschlossen wie in den Jahrzehnten

00:44:36: zuvor.".

00:44:37: Teile des Areals sind für Besucher zugänglich und der Ort ist damit in einen merkwürdigen Zwischenzustand geraten.

00:44:44: Nicht wirklich wiederbelebt, aber auch nicht mehr völlig unberührbar!

00:44:48: Für die ursprünglichen Bewohner hat das jedoch keine umfassende Rückkehr bedeutet – Varosha ist bis heute kein zurückgegebenes Viertel sondern ein umstrittener Raum inmitten eines weiterhin ungelösten Konfliktes.

00:45:01: Zwar gab es zuletzt wieder neue Gespräche und vertrauensbildende Schritte, eine politische Lösung für den Status des Ortes gibt's aber bis heute nicht.

00:45:09: Varosha ist deshalb keine Geisterstadt wie die anderen in dieser Folge!

00:45:13: Es gibt hier kein abgeschlossenes Ende – es gibt einen Ort der jahrzehntelang eingefroren war, seit Jahrzehnten schrittweise geöffnet wurde und trotzdem politisch ungelöst bleibt….

00:45:25: Hinter den leeren Hotels und den Stillenstraßen steht bis heute dieselbe Frage wie hier in der Stadt.

00:45:31: Wem gehört dieser Ort?

00:45:33: Und wer darf zurückkehren?

00:45:43: Wir verlassen Europa, wir verlassen auch die Geschichte von Krieg und politischem Stillstand.

00:45:48: Die vierte Stadt in dieser Folge stirbt aus einem anderen Grund Nicht durch ein Massaker, nicht durch einen eingefrorenen Konflikt sondern durch den Aufstieg und den Niedergang eines Bergbauortes.

00:46:00: Bodie liegt im Mono County in Kalifornien hoch oben in dem Bodihilz östlich des Sierra Nevada auf mehr als zweitausendfünfhundert Metern höher.

00:46:10: Die Lage ist trau.

00:46:11: noch heute waren die offiziellen Parkinformation vor unberechenbaren Winterwetter starkem Wind Whiteout Bedingungen und Temperaturen weit unter null.

00:46:22: Schon im neunzehnten Jahrhundert bedeutete das für die Menschen dort ein Leben in großer Höhe mit langen, schneereichen Wintern und einer Umgebung, die eher zum Überleben zwang als dass sie Komfort bot.

00:46:34: Die Geschichte des Ortes beginnt im Sommer.

00:46:36: eighteenhundertneinundfünfzig.

00:46:38: William S. Bodie entdeckt gemeinsam mit E.S.

00:46:41: Taylor Gold im Monobasin und steckt dort ein Gebiet für den Abbau ab.

00:46:46: Noch im Winter, eighteenhundertneunundfünfzig auf achtzehnhundertsechzig stirbt Bodhi bei einem Schneesturm auf einer Versorgungsfahrt.

00:46:54: Der spätere Ort wird nach ihm benannt wobei sich aus Bodhi beziehungsweise Bodhi mit Y mit der Zeit die schreibweise Bodi mit IE durchsetzt aber das nur kurz am Rande.

00:47:06: Zunächst bleibt die Ansiedlung klein.

00:47:08: noch Jahre später stehen dort weniger als zwanzig Gebäude.

00:47:12: Der eigentliche Boom setzt als achtzehnhundertsechsen-siebzig ein.

00:47:16: In diesem Jahr werden in der Bunker Hillmeilen größere Gold und Silbervorkommen entdeckt, Achtzehntundat siebenundsiebtzig übernimmt die Standardcompany.

00:47:24: Die Miene investiert im größerem Stil und aus einem kleinen Lager wird in kurzer Zeit eine Boomtown.

00:47:31: Bis aachzehntenhundertneunundsibtzig wächst Bodhi auf mehrere Tausendeinwohner an.

00:47:36: Je nach Darstellung ist von rund achttausendfünfhundert bis zehntausend Menschen die Rede.

00:47:40: Die Hauptstraße zieht sich über mehr als eine Meile durch den Ort.

00:47:44: Es gibt nun eine Schule, eine Wells Fargo Bank, vier freiwillige Feuerwehren, Hotels, ein Gefängnis, Fliete für Geschäfte, Kirchen, Zeitungen und sogar ein Bestattungsunternehmen.

00:47:56: Baudi ist damit nicht mehr bloß ein Minencamp sondern eine vollentwickelte Bergbaustadt.

00:48:01: Zu diesem schnellen Wachstuben gehört auch eine chinesische Gemeinde.

00:48:05: Ab aus dem Süden China kommen viele chinesische Arbeiter nach Bodhi.

00:48:11: Weil sie in ihren örtlichen Minen diskriminiert werden, arbeiten viele von ihnen in anderen Bereichen.

00:48:17: Sie betreiben Wäsche rein, handeln mit Gemüse, liefern Holzkohle und versorgen die Stadt mit Brennholz.

00:48:23: In Chinatown leben zeitweise mehrere hundert Menschen – auch das gehört zur Geschichte vom Bodhi!

00:48:29: Nicht nur Reichtum-und-Wachstum sondern auch soziale Trennung und Ausgrenzung.

00:48:34: Mit dem Boom wächst auch der Ruf des Ortes.

00:48:37: Im Bodhi entstehen Brauereien, Saloons, Bordelle ein Rotlichtviertel und Glücksspielstätten.

00:48:44: mit ihnen wachsen die nächtlichen Schießereien Messersteche rein und Schlägerein.

00:48:49: schon in den Achtzehntetachziger Jahren gilt Bodhi deshalb als besonders harte Stadt des amerikanischen Westens.

00:48:56: Der Ausdruck a bad man vom Bodhi wird damals zu einer Redewendung für einen besonders gefährlichen oder unangenehmen Menschen.

00:49:05: Selbst unter Kindern ist der Ort berüchtigt.

00:49:07: Überliefert ist der Satz, Zitat Good by God I am going to Bodhi.

00:49:13: Bodhi steht damit für das widersprüchliche Leben einer westamerikanischen Boomtown.

00:49:18: Reichtum und Enge Hoffnung und Gewalt Aufstieg und Ausgrenzung Das macht den Ort für diese Folge so interessant.

00:49:26: Bodhi zeigt, wie schnell eine Stadt aus fast nichts wachsen kann wenn die Aussicht auf Reichtum groß genug ist.

00:49:32: Und Bodhi zeigt, wie eng das gesamte Leben eines Ortes an genau diesen einen Rohstoff gebunden sein kann!

00:49:53: Der Niedergang beginnt im Bodhi schon in den letzten Jahren.

00:49:56: Der große Boom ist vorbei – die reichsten Erzlager sind schwerer zugänglich, die Förderkosten steigen und viele Menschen ziehen weiterhin dorthin wo der nächste Fund schnelleres Geld verspricht.

00:50:07: Die Einwohnerzahl sinkt von da an nach und nach.

00:50:10: Aus der Boomtauen mit tausendem Bewohnern wird zuerst eine kleinere Bergbaustadt, später ein Ort, der immer stärker vom Glanz seiner Vergangenheit lebt.

00:50:26: Trotzdem verschwindet Bodey noch lange nicht vollständig.

00:50:29: Der Ort bleibt über Jahrzehnte bewohnt, wenn auch in deutlich kleinere Maßstab als in seiner blüte Zeit.

00:50:35: Noch in den letzten Jahren leben dort laut Volkszählung hundertzwanzig Menschen.

00:50:40: Bodeys ist zu diesem Zeitpunkt längst ein Ort des Abschwungs – aber noch immer kein völlig verlassener Fleck!

00:50:52: Diesmal gehen große Teile des Geschäftsviertels verloren.

00:50:55: Danach bleibt nur noch ein Bruchteil des früheren Bodys

00:50:58: stehen.".

00:50:59: Das Bild des Ortes, das man heute kennt ist also das Ergebnis von Beidem – vom wirtschaftlichen Niedergang und von mehreren verheerenden Feuern die Bodys Stück für Stück verkleinerten!

00:51:10: Das eigentliche Ende des Bergbaus kommt twohundzehnhundertzwierzig.

00:51:15: Während des Zweiten Weltkriegs ordnet das War Production Board an dass der Goldbau als nicht kriegswichtig eingestellt wird.

00:51:23: Damit verlieren auch die letzten verbliebenen Minen ihre Grundlage, kurz darauf schließen Postamt und andere Einrichtungen und die letzten Bewohner verlassen den Ort nach und nach.

00:51:33: Bodie wird auf diese Weise zur Geisterstadt – langsam über viele Jahrzehnte hinweg!

00:51:39: Was dann geschieht ist für eine Geisterstatt des amerikanischen Westens tatsächlich ungewöhnlich….

00:51:44: Bodhi wird nach seiner Aufgabe nicht einfach sich selbst überlassen und auch nicht vollständig ausgeschlachtet.

00:51:50: Schon in den neunzehntundertvierziger Jahren blieb Bodhi durch seine abgelegene Lage vergleichsweise gut erhalten – vor der Parkgründung gab es zu dem Aufsichtspersonen, die den Ort überwachten.

00:52:01: Gerade diese frühe Bewachung ist ein Grund dafür das von Bodhi überhaupt doch so viel erhalten geblieben ist.

00:52:07: Neunzehnundertsechzig wird Bodhi zum National Historic Landmark District erklärt.

00:52:14: In den letzten Jahren folgt die Ausweisung als Bode State Historic Park.

00:52:19: Mit diesem Schritt beginnt das, was den Ort bis heute besonders macht.

00:52:23: Bode wird nicht rekonstruiert, nicht geschniekelt und nicht künstlich in einen vermeintlich schönen historischen Zustand zurückversetzt.

00:52:31: Stattdessen wird der Ort in einem Zustand erhalten, den die amerikanische Denkmalpflege später berühmt als Arrested Decay bezeichnet – als aufgehaltenen Verfall!

00:52:41: Das heißt, man stabilisiert was noch da ist aber man baut die Stadt nicht wieder auf.

00:52:47: So erklärt sich auch warum Bodhi heute so eigentümlich wirkt!

00:52:50: Nur ein kleiner Teil der einst rund zweitausend Gebäude steht noch, doch in den erhaltenen Häusern und Geschäften liegen bis heute Möbel, Waren- und Alltagsgegenstände.

00:53:00: Viele Innenräume bleiben weitgehend so wie sie von Bewohnern verlassen wurden.

00:53:05: Dadurch wird Bodie zu einem Ort an dem der Alltag einer untergegangenem Bergbaustadt noch im Bruchstücken sichtbar ist.

00:53:12: Zu Bodie gehört bis heute auch eine lokale Legende – der sogenannte Bodiekurs!

00:53:17: Die Geschichte dahinter ist fast so interessant wie der Fluch selbst.

00:53:21: Nach späteren Berichten aus dem Park wurde diese Erzählung vor Jahren von Rangern mitverbreitet, um Besucher davon abzuhalten, Souvenirs zu nehmen.

00:53:31: Die Botschaft war einfach – wer etwas aus Bodhi mitnimmt nimmt Unglück mit nach Hause!

00:53:36: Gemeint waren damit keine großen Beutesstücke sondern oft ganz kleine Dinge ein Nagel eine Scherbe ein Stück Metall eine Flasche eine Münze oder ein Stein.

00:53:48: Ein belegbarer Fluch ist das natürlich nicht.

00:53:50: Belegt es aber, dass den Park seit Jahren tatsächlich Gegenstände zurückgeschickt werden?

00:53:56: Immer wieder gehen dort Briefe und kleine Pakete ein – oft mit Entschuldigung, manchmal anonym, manchmal mit langen Schilderungen von Pech-und Unglück!

00:54:05: Darin schreiben Menschen von Autopannen, Unfällen, Streit, Trennungen, Krankheiten oder einfach einer ganzen Serie schlechter Ereignisse die sie mit dem mitgenommenen Gegenstand in Verbindung bringen.

00:54:18: Manche schicken nur ein paar Zeilen Andere schreiben seitenlange Briefe und bitten darum, dass das Stück wieder nach Bodhi zurückgebracht wird.

00:54:25: Für die Parkmitarbeiter ist das bis heute ein reales Problem.

00:54:29: Jeder zurückschickte Gegenstand muss als gestohlenes Objekt behandelt werden –

00:54:33: d.h.,

00:54:34: es braucht jedes Mal einen eigenen Vorgang!

00:54:37: Dazu kommt ein weiteres Problem….

00:54:39: Selbst wenn etwas zurückkehrt, lässt sich oft gar nicht mehr sagen woher es ursprünglich genau kam.

00:54:45: Ein Nagel eine Flasche oder ein Stein verliert in dem Moment seinen Zusammenhang indem er aus dem Ort entfernt wird.

00:54:52: Für die Denkmalpflege ist das wichtig weil auch kleine Gegenstände Teil der Geschichte des Ortes sind.

00:54:58: Im Museum von Bodhi werden inzwischen solche Briefe aufbewahrt.

00:55:02: Sie gehören heute selbst zur neueren Geschichte des Ortes, dort sieht man dann nicht nur die Überreste der alten Boomtown sondern auch die Reaktionen moderner Besucher auf diesem verlassenen Ort.

00:55:14: Der Fluch ist also nicht als übernatürliche Tatsache belegbar.

00:55:18: Belegbar ist aber das Menschen an den Glauben Dinge zurück schicken und damit ungewollt eine neue Schicht der Bodigechichte geschaffen haben.

00:55:27: Zu dieser Geschichte gehört sogar ein besonderes auffälliges Beispiel.

00:55:31: Noch bevor Bodee in two hundred sixty-two State Historic Park wurde, verschwand einmal ein ganzes Klavier aus dem Ort.

00:55:39: Später wurde es zurückgebracht nachdem seine Besitzer von Unglück berichtet hatten.

00:55:44: Heute steht das zwar wieder im Bodey doch auch bei so einem Stück Geld.

00:55:48: sein ursprünglicher Platz und seinen genauer Zusammenhang lassen sich nachträglich kaum noch sicher rekonstruieren!

00:55:55: So ist der Bodicurs am Ende weniger eine Geistergeschichte als eine Mischung aus Aberglauben, Schuldgefühl und Denkmalpflege.

00:56:03: Der Fluch selbst lässt sich nicht beweisen – die Briefe, die zurückgeschickten Gegenstände und die Geschichten dahinter gibt es dagegen wirklich!

00:56:12: Heute gilt Bodi als einer der am besten erhaltenen Geisterstädte des amerikanischen

00:56:16: Westens.".

00:56:18: Nach Angaben des National Park Service stehen noch mehr als einhundert historische Gebäude.

00:56:23: Besucher kommen aus aller Welt, um durch einen Ort zu gehen der nicht restauriert wurde sondern in seinem Alter erhalten blieb.

00:56:32: Im Winter ist Boudi wegen seiner Höhenlage und der Wetterverhältnisse oft nur schwer erreichbar.

00:56:37: Schnee, Wind und Whiteout-Bedingungen gehören dort bis heute zur Realität.

00:56:42: Gerade das verstärkt den Eindruck dass Bodhi nicht nur eine historische Kulisse ist sondern ein Ort in dem Klima, Abgeschiedenheit und Vergangenheit noch immer zusammenwirken.

00:56:54: Bodhi erzählt damit etwas sehr Grundsätzliches über den amerikanischen Westen.

00:56:58: Der Ort entstand aus der Hoffnung auf Reichtum verlor mit dem Ende des Bergbaus seine Grundlage und blieb dennoch erhalten als stillgelegte Zeitkapsel und als Ort, an dem Vergangenheit sichtbar geblieben ist.

00:57:12: Geblieben sind Holz, Staub, leere Straßen und die Spuren eines Lebens das an diesem Ort einmal mit voller Wucht stattgefunden hat.

00:57:27: Kolmans Cop und Baudi folgen im Kern derselben Logik.

00:57:31: Beide Orte entstehen aus einem Rohstoffboom, verlieren ihre Grundlage sobald dieser Boom endet.

00:57:36: Solange Diamanten, Gold oder Silbergewinnversprechen wachsen solche Orte in erstaunlicher Geschwindigkeit.

00:57:43: Sobald die Förderung zurückgeht, die Erträge sinken oder anderswo reichere Vorkommen locken beginnt ihr Niedergang.

00:57:49: Der Unterschied liegt im Verlauf.

00:57:51: In Coleman's Kopf verlagert sich das Zentrum der Förderung an andere Orte, reichere Diamantenvorkommen werden weiter südlich erschlossen, Kapital-, Infrastruktur- und Bevölkerung ziehen mit – und der Ort wird Schritt für Schritt überflüssig!

00:58:05: Im Baudi bricht der große Gold- und Silberboom nach und nach zusammen Die Erzlager werden schwieriger zugänglich die Kosten steigen, der Ort verliert seine Anziehungskraft und immer mehr Menschen ziehen weiter.

00:58:18: Oradurs zu glannen wird durch ein Verbrechen ausgelöscht.

00:58:21: Unter diesen vier Orten ist es der Einzige, der durch ein Massaker ausgelöscht wurde.

00:58:26: Zugleich ist es das einzige Ort in dieser Folge dessen Ruinen bewusst erhalten wurden.

00:58:31: Frankreich entschied nach dem Krieg Oradour als Village Matur zu erhalten – als sichtbares Zeichen dafür dass dieses Verbrechen nicht im normalen Lauf der Zeit verblassen soll.

00:58:42: Darin liegt auch der große Unterschied zu einer klassischen Geisterstadt.

00:58:49: Varosha wird durch Politikstil gelegt.

00:58:52: Die Gebäude bestehen über Jahrzehnte weiter, doch die Menschen fehlen.

00:58:56: Seit hier ist der Stadtteil an den ungelösten Zypernkonflikt gebunden.

00:59:01: Die Resolution-Fünfhundertfünfzig des UN-Sicherheitsrats hält ausdrücklich fest, dass eine Besiedlung Varoshas durch andere als seine ursprünglichen Einwohner unzulässig ist.

00:59:11: So wird der Ort zu einem eingefrorenen Raum zwischen Besitzansprüchen internationalem Recht und politischem Druck.

00:59:18: Varosha ist damit keine Stadt, die auf gewöhnliche Weise ausgestorben ist.

00:59:23: Die Lehre dieses Ortes ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und wurde über Jahrzehnte aufrecht

00:59:28: erhalten.".

00:59:39: Es gibt eine Frage, die mich seit der Centrelia Folge beschäftigt – und die auch in vielen eurer Nachrichten mitschwingt selbst wenn sie nicht immer direkt so gestellt wird!

00:59:48: Warum faszinieren uns solche Orte überhaupt?

00:59:51: Die nahenliegendste Antwort wäre, weil Sie gruselig sind… Aber das trifft es nur unzureichend.

00:59:58: Oradur Söglan ist nicht gruselig, sondern erschütternd.

01:00:01: Varoscha isst nicht grusellig, sonder traurig!

01:00:04: Baudi wirkt nicht wie ein Spukort, sondern wie eine angehaltene Vergangenheit und Kolmans Kopf ißt weniger unheimlich als unwirklich.

01:00:13: Jeder dieser Orte löst etwas anderes aus – doch ziehen sie Menschen auf ähnliche Weise

01:00:18: an.".

01:00:19: Der eigentliche Grund liegt wohl darin, dass Geisterstädte zeitsichtbar machen….

01:00:24: In bewohnten Orten verschwinden Veränderungen auf dem Alltag.

01:00:27: An verlassenen Orten ist das anders, dort wird unmittelbar erkennbar was sonst leicht übersehen

01:00:33: wird.".

01:00:34: Verfall, Unterbrechung, Stillstand der Laufe von Jahrzehnten.

01:00:38: Man sieht wie Häuser altern, wie Materialien nachgeben und wie ein Ort auch ohne Menschen weiter existiert.

01:00:45: Geisterstädte wirken deshalb oft stärker als klassische Museen.

01:00:49: sie zeigen Vergangenheit nicht hinter Glas sondern direkt im Raum.

01:00:55: Für diese Faszination gibt es auch eine kulturgeschichtliche Erklärung.

01:00:59: Die ästhetische Anziehungskraft von Ruinen wird in Europa bereits seit dem späten achtzehnten Jahrhundert sichtbar und prägt dann auch das neunzehnte Jahrhundert.

01:01:08: Reisende, Künstler- und Schriftsteller suchen damals gezielt antike Städte zerfallene Bauwerke und überwucherte Orte auf.

01:01:16: Ruinen werden nicht mehr nur als Überreste betrachtet sondern als Bilder der Vergänglichkeit – als Orte für Nachdenken Erinnerung und Stimmung.

01:01:25: Heute ist das nicht verschwunden.

01:01:27: Man erkennt ähnliche Impulse in Fotografie, Denkmalpflege, Geschichtstourismus, Urban Exploration und der Faszination für Lost Places wieder!

01:01:39: Der Impuls dahinter scheint bis heute ähnlich zu sein.

01:01:42: Solche Orte erinnern uns daran, dass nichts was Menschen bauen selbstverständlich dauerhaft ist.

01:01:48: Städte können verschwinden, Häuser können leer werden, ganze Lebenswelten können enden und trotzdem bleiben Spuren.

01:01:56: Vielleicht ziehen uns Geisterstädte genau deshalb so an weil sie etwas sichtbar machen das wir im Alter lieber verdrängen.

01:02:03: nicht nur das Zeit vergeht sondern alles was wir für festhalten irgendwann Vergangenheit wird.

01:02:26: Was wird aus diesen Orten?

01:02:28: Kolmanskop ist heute kein aufgegebener Ort mehr, sondern eine betreute historische Geisterstadt im ehemaligen Sperrgebiet bei Lüderitz.

01:02:36: Besucher können das Gelände besichtigen an Führungen teilnehmen und durch Restaurierte wie auch ruinöse Gebäude gehen.

01:02:42: Dieser Kontrast prägt den Ort bis heute.

01:02:45: Einige Häuser und zentrale Bauten wurden gesichert und wieder in Stand gesetzt.

01:02:50: Andere hat man bewusst in dem Zustand belassen, indem die Wüste sie über Jahrzehnte geformt hat.

01:02:56: Der Sand der früher in Wohnräume, Flure und Treppenhäuser drang ist heute selbst Teil dessen was Menschen dort fotografieren.

01:03:03: Kolmanskop ist damit kein Museum im klassischen Sinn sondern ein Ort an dem Erhaltung und Verfall nebeneinander stehen.

01:03:10: Heute wird der Ort über Führungen, Permits und Besuche touristisch genutzt und zugleich als historischer Erinnerungsort erhalten.

01:03:19: Oradur-Cyglan bleibt dagegen vor allem eines, ein Mahnmal.

01:03:23: Das zerstörte Dorf wurde bewusst nicht wieder aufgebaut sondern als Village Mathieu erhalten.

01:03:29: Das Zentre de la Memoire ergänzt diesen Ort der Erinnerung seit de l'anneunzeinundneunzig.

01:03:35: Jedes Jahr besuchen rund dreiehunderttausend Menschen die Ruinen und die Gedenkstätte von Orador-Cyglain.

01:03:41: Auch das Gedenken selbst ist nicht nur historisch, sondern gegenwärtig.

01:03:45: Der zehnte Juni der Jahrestag des Massakas ist bis heute ein zentraler Tag der Erinnerung in Oradours-Zöglern.

01:03:53: Mit dem Tod von Robert Ebra im Februar.

01:03:56: es ist kein unmittelbarer Überlebender des Massakers mehr am Leben – damit ist die Erinnerungen noch stärker an den Ort selbst, an Dokumente, Zeugnisse und öffentliche Gedenkformen

01:04:08: gebunden.".

01:04:09: Verosha befindet sich bis heute in einem Zustand, der weder echte Rückkehr noch wirklich einen Abschluss bedeutet.

01:04:15: Seit Jahrzehnte sind Teile des Gebiets wieder zugänglich – doch der politische Grundkonflikt ist nicht gelöst.

01:04:22: Die Schritte zur Öffnung werden von der Republik Zypern, von den Vereinten Nationen und von der Europäischen Union kritisiert weil sie aus ihrer Sicht den UN-Resolutionen geprägten Status des Gebiet einseitig verändern.

01:04:36: Für die ursprünglichen griechisch-zypriotischen Bewohner hat das keine normale Heimkehr bedeutet.

01:04:42: Varosha hat deshalb bis heute kein abgeschlossenes Schicksal, der Ort bleibt umstritten.

01:04:47: Seine Zukunft ist offen weil dort bis heute Vergangenheit, Eigentum, Völkerrecht und politische Macht ineinandergreifen.

01:04:55: Bodhi schließlich bleibt im Zustand des aufgehaltenen Verfalls erhalten.

01:05:00: Seit seiner Ausweisung als State Historic Park wird der Ort nicht rekonstruiert, sondern gesichert damit er nicht vollständig verschwindet.

01:05:09: Noch heute stehen dort mehr als einhundert historische Gebäude und gerade diese Zurückhaltung der Denkmalpflege macht Bodys so besonders!

01:05:17: Der Ort soll nicht wieder jung aussehen, sondern alt bleiben.

01:05:21: Gleichzeitig arbeitet die Zeit weiter.

01:05:24: Wetter, Trockenheit, Frost, Schnee und Wind setzen den Gebäuden Jahr für Jahr zu.

01:05:29: Auch dieser Ort ist nicht für die Ewigkeit gerettet, er bleibt sichtbar so lange man seinen Verfall verlangsamt.

01:05:40: Fazit Ihr habt diese Folge mit euren Nachrichten nach der Centralia-Folge mit angestoßen und das sag ich nicht nur so!

01:05:48: Eure Reaktionen eure Fragen auch die Orte die ihr immer wieder in den Raum werft prägen mit welche Geschichten ich für Chronik der Schatten auswähle.

01:05:58: Das hat man bei dieser Folge besonders gemerkt.

01:06:00: Aus einer Geschichte über eine brennende Stadt wurde eine Reise zu vier Orten, die auf ganz unterschiedliche Weise leer geworden sind.

01:06:08: Vier Geisterstädte – vier Wege des Verschwindens.

01:06:12: und trotzdem verbindet sie etwas.

01:06:14: Städte sterben oft nicht einfach weil Menschen fortgehen.

01:06:18: Sie sterben weil das was sie getragen hat verschwindet Ein Rohstoff Sicherheit politischer Frieden oder ein wirtschaftliches Versprechen.

01:06:27: Was mich an dieser Folge am meisten beschäftigt, ist Oradur und Varosha.

01:06:45: Die Vereinten Nationen halten weiter daran fest, dass eine Besiedelung durch andere als die ursprünglichen Einwohner unzulässig ist.

01:06:54: Das hatten wir schon ein paar Mal gesprochen.

01:06:56: Zugleich gab es zuletzt wieder Gespräche und einzelne vertrauensbildende Schritte – Eine politische Lösung für den Status Varoschas gibt's bis heute aber trotzdem nicht!

01:07:06: Und irgendwo auf Zypern leben bis heute Menschen, die in der Stadt von Varocha fliehen mussten und deren Rückkehr nie zu einer einfachen selbstverständlichem Heimkehr geworden.

01:07:17: Das könnte der Grund sein, warum dieser Ort so lange nachhalt.

01:07:21: Weil er nicht nur von Vergangenheit erzählt sondern von etwas das für viele nie wirklich vorbei war.

01:07:27: Danke dass ihr heute mit mir durch die Schatten gereist seid.

01:07:30: bleibt wachsam für die Geschichten hinter den Geschichten.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.