Der Mann mit der eisernen Maske - Das Rätsel um den geheimnisvollen Gefangenen
Shownotes
Ein Mann, dessen Gesicht verborgen werden sollte. Ein Name, der nie sicher feststand. Und ein Rätsel, das bis heute nicht verstummt ist.
In dieser Folge von "Chronik der Schatten" schauen wir auf einen der bekanntesten geheimen Gefangenen der europäischen Geschichte: den Mann mit der eisernen Maske.
Dabei geht es um die belegbaren historischen Fakten rund um seine Haft, seine Verlegungen und die Männer, die dieses Schweigen über Jahrzehnte absicherten.
Wir folgen den Spuren von Pignerol über Exilles und Sainte-Marguerite bis in die Bastille. Wir schauen auf Saint-Mars, Louvois, Nicolas Fouquet, Eustache Dauger und die Frage, wie aus schwarzem Samt später die berühmte eiserne Maske wurde.
Außerdem geht es um die wichtigsten Theorien:
- die Spur zu Eustache Dauger,
- die Mazarin-These,
- mögliche Verbindungen zur Affäre der Gifte,
- Ercole Antonio Matthioli,
- Nicolas Fouquet selbst,
- den geheimen Bruder des Königs
- und den später entschlüsselten Brief um General Bulonde.
Diese Folge trennt bewusst zwischen dem, was historisch belegbar ist, und dem, was auf späteren Deutungen, literarischen Ausschmückungen oder Spekulationen beruht.
Schön, dass ihr da seid und mich auch diesmal wieder auf dieser Reise begleitet. Auf Instagram findet ihr mich unter: chronik.der.schatten_podcast
Hier ist der Text nochmal, direkt zum Kopieren für die Shownotes:
Quellen & Grundlage der Folge Diese Episode basiert auf zeitgenössischen Dokumenten, Archivmaterial und historischer Forschung. Überlieferungen, spätere Berichte und Theorien sind im Skript entsprechend gekennzeichnet.
Primärquellen (Auswahl):
- Brief von Louvois an Saint-Mars vom 19. Juli 1669
- Lettre de cachet Ludwigs XIV. gegen Eustache Dauger vom 28. Juli 1669
- Bastille-Register und Einträge von du Junca zur Ankunft 1698 und zum Tod 1703
- Korrespondenz zwischen Saint-Mars, Louvois und Barbezieux
- Brief von Barbezieux an Saint-Mars vom 13. August 1691
- Brief der Princesse Palatine von 1711
- Zeitgenössische Berichte der Gazette d’Amsterdam von 1698
- Inventarlisten aus dem Umfeld von Saint-Mars
Historische Forschung & Fachliteratur (Auswahl):
- Jean-Christian Petitfils – Le Masque de Fer
- Paul Sonnino – The Search for the Man in the Iron Mask
- John Noone – The Man Behind the Iron Mask
- Frantz Funck-Brentano – historische Analyse zum Maskenrätsel
- Georges Mongrédien – Studien zur Identität des Gefangenen
- George Agar Ellis – frühe Untersuchung zum Fall
Ergänzende Quellen & Einordnungen:
- Encyclopædia Britannica
- National Geographic
- History Today
- History Hit
- University of California / UC News
- Ministère de la Justice
- Louvre-Lens
- Early Modern France Journal
Zur literarischen Überlieferung und Legendenbildung:
- Voltaire – Le Siècle de Louis XIV.
- Voltaire – Questions sur l’Encyclopédie
- Alexandre Dumas – Le Vicomte de Bragelonne
- Étienne Bazeries – Les Chiffres secrets de Louis XIV.
Credits / Rechtehinweis für die Shownotes Sprecherin, Skript, Recherche, Aufnahme, Schnitt und Produktion: Antje / Chronik der Schatten
Die in dieser Folge verwendete Stimme liegt bei mir. Die Musik und musikalischen Trenner dieser Folge wurden von mir selbst mit Suno erstellt. Für die Veröffentlichung lag mir die entsprechende Nutzungslizenz vor.
Zusätzlich verwendete Audioelemente, soweit in dieser Folge vorhanden, stammen aus PowerDirector 365. Für die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung genutzten Inhalte lag mir die entsprechende Lizenz vor.
Alle Rechte an der Zusammenstellung, dem gesprochenen Text und der fertigen Produktion dieser Folge liegen, soweit nicht anders angegeben, bei "Chronik der Schatten".
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Transkript anzeigen
00:00:03: Willkommen zurück zu Chronik der Schatten.
00:01:02: Schön, dass ihr wieder hier seid in diesem Raum zwischen Geschichte und Rätsel, zwischen dem was wir wissen und dem was uns die Vergangenheit vorenthält.
00:01:10: Heute nehme ich euch mit an eine der bemerkenswertesten Geschichten, die das siebzehnte Jahrhundert hervorgebracht hat Und trotzdem fühlt es sich an, als dürfte sie so eigentlich gar nicht geben.
00:01:20: Es ist die Geschichte eines Mannes dessen Identität und Gesicht vor Außenstehenden verborgen bleiben sollten.
00:01:27: Dessen Name nicht offensirkulieren durfte der mehr als drei Jahrzehnte unter strengster Bewachung in Staatsgefängnissen verschwand isoliert überwacht und bis heute nicht eindeutig identifiziert.
00:01:40: Er hat keinen Namen hinterlassen zumindest keinen dem wir mit Sicherheit als seinen echten Namen bezeichnen können.
00:01:46: Was er hinterlassen hat, ist das Rätsel selbst.
00:01:49: Und das hat Könige, Philosophen, Schriftsteller und Historiker durch die Jahrhunderte beschäftigt – bis heute!
00:02:09: Alles, was über diese gesicherte Grundlage hinausgeht – Theorien, Spekulationen oder spätere Überlieferungen ohne eindeutigen Beleg wird in dieser Folge ausdrücklich als solches gekennzeichnet.
00:02:20: Ihr werdet es hören!
00:02:21: Ihr könnt einschätzen, was Fakt ist und was Deutung.
00:02:25: Also lasst uns anfangen mit der Mann mit der Eisernen Maske.
00:02:44: Zunächst möchte ich euch einmal noch sagen, das ist wieder eine Geschichte die in Frankreich spielt und….
00:02:48: Das hatten wir ja dabei, dass Bies von Gévent D'Or schon.
00:02:52: Meine französische Aussprache ist nicht gut, ich habe es nie gelernt.
00:02:55: Ich versuche aber mein bestes, aber... ...ich kann nicht versprechen dass ich's richtig ausspreche.
00:03:04: Stellt euch Frankreich im Jahr sixteenhundertneunundsechzig vor!
00:03:08: Acht Jahre zuvor hat Ludwig XIV nach dem Tod Masaren die Regierung ohne einen ersten Minister selbst übernommen.
00:03:16: Der Devolutionskrieg liegt erst kurz zurück Der Frieden von Aachen ist kaum ein Jahr alt und Frankreich tritt mit dem Selbstbewusstsein einer Monarchie auf, die ihre Macht im Inneren festigen und nach außen sichtbar machen will.
00:03:29: Versaille ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht der feste Sitz von Hof- und Regierung, zudem es erst-sächzehnhundertzweinachtzig wird – aber der Ort wächst bereits zu einer bühneköniglicher Selbsterstellung heran!
00:03:41: Nähe zum König entscheidet über Ansehen, Einfluss und Aufstieg.
00:03:46: Am Hof ist nichts belanglos.
00:03:48: Kleidung, Krank die genauen Regeln des Hoflebens selbst die Frage wer den König wann sehen darf sind Teil einer Ordnung in der Sichtbarkeit Macht bedeutet.
00:03:58: daher wirkt die Geschichte die hier beginnt so verstörend.
00:04:01: In einer Welt in der Ludwig XIV Herrschaft sichtbar inszenieren lässt verschwindet ein Mann fast vollständig aus dem Blick.
00:04:09: es gibt keinen öffentlichen Prozess keine Verteidigung kein Urteil das vor alle Augen gesprochen wird.
00:04:15: Statt eines offenen Verfahrens greift ein königlicher Haftbefehl, der Haft ohne regulären Rechtsweg durchsetzen konnte.
00:04:23: Der Mann wird nach Penier-Roll gebracht – einer abgelegenen Festung im damals französisch kontrollierten Piemont.
00:04:30: Dort beginnt die lange strengkontrollierte Gefangenschaft, die seinen Fall bis heute so außergewöhnlich macht.
00:04:36: Zuständig ist Benin Duvern de Sengmar Der Gouverneur der Festung.
00:04:42: Ein Mann, der in den kommenden Jahrzehnten eng mit seinem Schicksal verbunden bleiben wird.
00:04:47: Sengmar erhält dafür genaue Anweisungen.
00:04:50: Er soll dem Gefangenen persönlich überwachen.
00:04:52: Die Unterbringung muss besonders gesichert sein.
00:04:54: Mehrere Türen sollen verhindern das Gespräch nach Außendring.
00:04:58: Der Mann darf keinen freien Kontakt haben.
00:05:01: Er darf nicht offen darüber sprechen wer er ist Woher er kommt und aus welchem Grund er festgesetzt wurde.
00:05:08: Schon in diesen frühen Anweisungen wird deutlich, wie ernst die Sache genommen wird.
00:05:12: Der Eindruck ist klar – hier sitzt nicht einfach irgendein Heftling!
00:05:16: Hier sitzt jemand dessen Identität, Wissen oder Vergangenheit als Heikel
00:05:21: gelten.".
00:05:22: Was wir an diesem Punkt nicht haben, ist Gewissheit darüber wer dieser Mann wirklich war?
00:05:26: Es gibt keinen öffentlich verhandelten Fall, keine offene Anklage, kein Urteil und keinen Namen den wir mit Sicherheit als seinen echten Namen bezeichnen können….
00:05:36: Es gibt nur einen Gefangenen, der plötzlich in den Akten auftaucht und zugleich fast vollständig aus der sichtbaren Welt verschwindet.
00:05:44: Die Jahre vergehen – und der Gefangene bleibt zunächst im Pinniroll, jener abgelegenen Festung, in der auch andere politisch heikle Gefangne sitzen!
00:05:52: Dort taucht er im Umfeld Nikola Foké auf des gestürzten Finanzministers des Königs.
00:05:58: Das allein macht die Sache schon merkwürdig genug.
00:06:01: Denn wenn dieser Mann wirklich nur ein unbedeutender Diener gewesen wäre, warum behandelt man ihn dann mit einer Strenge, die eher zu einem Staatsgeheimnis passt?
00:06:10: Doch der Gefangene bleibt nicht für immer dort – später wird er verlegt!
00:06:14: Erst nach Exil, dann abgeschiedener und schwerer zugänglich… Dann auf die Insel Senkmar geredet vor der Küste von Kahn.
00:06:22: Auch dorthin geht Semmar mit.
00:06:24: Gerade das ist eine der auffälligsten Punkte dieser Geschichte.
00:06:28: Der Gefangene wird an verschiedene Orte gebracht, doch sein Bewacher bleibt derselbe.
00:06:32: Über viele Jahre hinweg begleitet Senkmar ihn weiter.
00:06:35: Das legt nahe das weniger die Festung wichtig war als die strenge Kontrolle über genau diesen einen Mann.
00:06:42: Spätestens in diesen späteren Jahren verdichtet sich auch das Bild, dass bis heute mit ihm verbunden ist – ein Gefangener dessen Gesicht verborgen werden soll, sobald die Gefahr besteht, dass andere ihn sehen könnten.
00:06:54: Noch nicht die literarische eiserne Maske, die später berühmt werden wird!
00:06:58: aber ein Gesicht, das nicht offen gezeigt werden darf.
00:07:01: Ein Gefangener, den man transportiert, bewacht, abstirmt und aus dem normalen Blickfeld der Welt
00:07:07: heraushält.".
00:07:24: Symbol königlicher Macht, der Ort für politisch heikle Fälle – für geheimhaft!
00:07:28: Für Menschen die verschwinden sollen ohne ganz ausgelöscht werden zu können.
00:07:33: Dort taucht der Gefangene in den Aufzeichnungen wieder auf.
00:07:36: Das Rätsel ist zu diesem Zeitpunkt noch immer ungelöst.
00:07:40: Ein alter Gefangener ein Mann mit verborgenem Gesicht Ein Name der nicht offen gesagt werden soll Selbst nach all den Jahren behandelt man ihn weiterhin so als dürfte seine Identität auf keinen Fall im Umlauf geraten.
00:07:52: Am neunzehnten November drei stirbt er in der Bastille.
00:07:56: Begraben wird er unter dem Namen Akiali, einem Namen, der bis heute eher neue Fragen aufwirft als alte zu beantworten.
00:08:04: Nach seinem Tod wird seine Zelle geräumt.
00:08:06: Aus späteren Berichten geht hervor dass man Wände und Böden möglicherweise sogar auf verborgene Schriftstücke untersuchte.
00:08:14: Sicher ist also Auch nach seinem Tod wollte die Verwaltung verhindern, dass aus seinem Nachlass noch etwas von Bedeutung nach Außendrang.
00:08:21: Und trotzdem mislingt genau das – denn irgendetwas an diesem Fall überlebt!
00:08:27: Vielleicht gerade wegen dieser übertriebenen Geheimhaltung?
00:08:30: Vielleicht weil zu viele Menschen merkten, dass hier etwas nicht
00:08:33: zusammenpasst?!
00:08:34: Ein Mann, angeblich unbedeutend wird behandelt wie ein Staatsgeheimnis.
00:08:39: Ein Gefangener ohne öffentliches Verfahren wird über Jahrzehnte bewacht, verlegt und
00:08:43: abgeschirmt.".
00:08:45: Ein Toter bekommt einen Namen, der nichts auflöst und aus all dem wächst etwas das stärker ist als jede Mauer.
00:08:52: Ein Rätsel!
00:08:53: Ein Rädsel, dass nicht mit seinem Tod endet sondern dort eigentlich erst beginnt.
00:09:13: Kommen wir nun zunächst zu dem was gesichert ist.
00:09:15: Zu dem was Dokumente tatsächlich belegen.
00:09:18: Zudem was Historiker in Archiven gefunden haben trotz aller Lücken in der Überlieferung Der Brief von Louvain.
00:09:41: Der Name taucht in Briefen, in anderer Handschrift auf als der Rest des Textes.
00:09:53: Historiker haben darin ein mögliches Indiz gesehen, dass der Name nachträglich eingeführt wurde und somit einen Deckname gewesen sein könnte.
00:10:02: Lovar bezeichnet ihn mit der Formulierung Er ist nur ein Diener.
00:10:06: Wie wörtlich diese Bezeichnung zu nehmen ist, ist in der Forschung umstritten.
00:10:09: Sie kann einen Diner meinen wird aber auch als bewusste Herabstufung oder Verschleierung gelesen.
00:10:15: In diesem Brief formuliert Lová auf jeden Fall die Bedingungen der Haft Mehrfach gesicherte Türen kein Kontakt zur Außenwelt und eine besonders enge Kontrolle durch Semmar persönlich.
00:10:27: Diese Strenne war selbst für ein französisches Staatsgefängnis des siebzehnten Jahrhunderts außergewöhnlich, schon sechzehntundertsiebzig schrieb Semmar das die Anfragen nach diesem Gefangenen so häufig sein dass er den Leuten andere Geschichten erzählen müsse um sie in die Irre zu führen.
00:10:43: Im selben Jahr ließ Ludwig XIV zudem den Festungsexperten Bobang die Zelle und die Sicherung der Festung prüfen.
00:10:51: Beides zeigt, wie früh sich um diesen gefangenen außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen und gezielte Abschirmung legten.
00:10:58: Ein Detail verdient besondere Beachtung – das Schreiben zur Verhaftung vom XXIII.
00:11:03: Juli, die sogenannte Lettre de Caché wurde im Namen des Königs ausgestellt und von Michel L'Hautier unterzeichnet, einem der ranghöchsten Staatsmänner Frankreichs.
00:11:15: Ein solches königliches Verhaftungsdekret war ohne Richterliches Verfahren wirksam und konnte Menschen, ohne öffentliche Anklage auf unbestimmte Zeit in Haft bringen.
00:11:25: Es war eines der schärfsten Werkzeuge absoluter Macht.
00:11:28: Ende August, sixteenhundertneunundsechzig trifft der Gefangene Impinirol ein – überführt wird er von Alexandre Devorva dem Surgeon Major der Zitadelle und statt Dünnkirchen.
00:11:39: Auffällig ist wie stark die gesamte Operation abgeschirmt.
00:11:43: Für Alexandres Abwesenheit wurde in einem gesonderten Schreiben ein Vorwand geliefert, wo die Festnahme genau stattfand ist nicht abschließend geklärt.
00:11:52: In der Forschung wird sie meist eher im Raum Calais als direkt in Dünnkirchen verortet.
00:11:57: Gesichert ist auf jeden Fall der gefangene erreichte Pinierollende August, die Überstellung durch Alexandre und die bewusst verdeckt organisierte Operationen sind dokumentiert.
00:12:07: Der genaue Tag wird in der Literatur aber nicht ganz einheitlich angegeben.
00:12:12: Piniroll war kein gewöhnliches Gefängnis.
00:12:14: Die Festung diente der Unterbringung von Gefangenen, deren Fälle für den Staat oder den Hof besonders heikel waren.
00:12:21: Einer der bekanntesten unter ihnen war Nicola Fuké, der frühere Finanzminister Ludwig
00:12:26: XIV.,
00:12:27: über ihn habe ich in der Einleitung schon kurz gesprochen.
00:12:30: Sein Sturz hatte in Frankreich großes Aufsehen erregt.
00:12:33: Fuké war lange einer der mächtigsten Männer des Reiches.
00:12:36: Seit sixteenhundertdrehenfünfzig hatte er das Amt des Sointendanten der Finanzen inne und gehörte damit zum engsten Machtkreis des Königs.
00:12:45: Am siebzehnten August sechzehnhunderteinundsechzig veranstaltete er auf dem Schloss Voleux-Vicompt, ein aufwendiges Fest zu ehrenlutwigstes Vierzenten.
00:12:54: Wenige Wochen später – am fünften September sechziehnhundertsechszig wurde er in Nantes verhaftet!
00:13:01: Es folgte einem Prozess, der sich über mehrere Jahre hinzog….
00:13:04: Das Gerichtssprach am Ende auf Verbannung.
00:13:07: Ludwig XIV verschärfte dieses Urteil jedoch zu lebenslanger Haft.
00:13:11: Am siebenzwanzigsten Dezember, sechzehnhundertvierundsechtzig wurde Fouquet nach Pignoll gebracht.
00:13:17: Dort blieb er bis zu seinem Tod im Jahr sechzenhundertachtzig.
00:13:20: Als einige Jahre später der geheimnisvolle Gefangene in Pignol eintrifft begegnet uns ein Name erneut – L'Hautelier.
00:13:28: Beim Schreiben zur Verhaftung war bereits Michel L'hautelier aufgetaucht.
00:13:32: nun tritt sein Sohn in den Vordergrund, François Michel de Tullier.
00:13:37: Besser bekannt als Louvoir.
00:13:39: Er war der Kriegsminister Ludwigs des Vierzenten und der Mann über den die Anweisungen zur Haft dieses Gefangenen liefen.
00:13:47: Seine Briefe an Zemma zeigen wie stark die Überwachung war und wie vorsichtig jede Information über diesem Mann behandelt werden sollte.
00:13:54: Hier wird der Fall besonders auffällig.
00:13:56: Der geheimnisvolle Gefangene über den Kriegsminister Luvore schreibt, er sei nur ein Diener und wird später ausgerechnet im Umfeld von Nicolas Fouquet eingesetzt – also bei einem der politisch bedeutendsten Gefangenen in Pignyroll.
00:14:12: Das geschieht allerdings unter strenger Aufsicht.
00:14:15: Schon zuvor hatte Sema vorgeschlagen diesen Mann einen anderen Häftling als Dina zu geben… Und zwar Luzeng, einem in ungarter Gefallenen Adeligen.
00:14:24: Louvoir lehnte das ab.
00:14:26: Der Grund war aufschlussreich, der Gefangene könnte etwas preisgeben dass mit seiner eigenen Inhaftierung zusammen hängt.
00:14:33: Als man ihn später bei Fouquet einsetzte zeigt sich also bereits dass es hier um weit mehr geht als um einen unbedeuteten Bediensteten.
00:14:42: Das wird noch deutlicher als Fouket auf Erleichterung seine Haft hofft.
00:14:46: in diesem Zusammenhang wollte Ludwig der Vierzenthe wissen ob der gefangene der in den Akten Esthash Tushé auftaucht in Gegenwart vom Phukes anderem Dina Larivier je etwas über sein früheres Leben oder seine frühere Tätigkeit erzählt hatte.
00:15:01: Selbst nach Jahren war für den König also noch immer entscheidend, ob dieser Mann etwas von seiner Vergangenheit preisgegeben haben könnte.
00:15:09: Diese Vorsicht endet auch nach Phukés Tod im Jahr sixteenhundert achtzig nicht!
00:15:14: Im Gegenteil – die Kontakte des Gefangenen werden erneut strenger überwacht.
00:15:18: Kurz darauf entdeckt man eine heimliche Verbindung zwischen Zellen, über die Gefangene offenbar miteinander kommunizieren konnten.
00:15:25: Die Reaktion fällt sofort scharf aus – Trennung, Verlegung noch weniger Austausch.
00:15:33: Das ist ein wichtiger Punkt, weil man daran sieht dass hier nicht einfach einen Heftling an einem bestimmten Ort festgehalten wird.
00:15:43: Entscheidend ist der Mann selbst!
00:15:45: Wo Semmar hingeht, dorthin wird auch dieser Gefangene gebracht.
00:15:49: Die besondere Überwachung bleibt also bestehen – auch wenn sich der Haftort ändert.
00:15:54: Auch dies habe ich in der Einleitung schon kurz angesprochen.
00:16:06: Auch dort bleibt er streng überwacht.
00:16:08: Als Larivier, der weitere Diener aus Fouquets Umfeld-Sechzehnhundertsiebenundachzig stirbt, fällt einer der wenigen Menschen weg die über längere Zeit zu seinem unmittelbaren Umfeld gehört hatten.
00:16:20: Der Gefangene bleibt weiter unter strenger Bewachung und fast vollständig von anderen abgeschnitten.
00:16:25: Im Mai Sechzehnundachsiebundachzlich folgt die nächste Verlegung.
00:16:29: Zengna bringt ihn auf die Insel Sémagrid vor der Küste von Kahn.
00:16:34: Der Transport erfolgt in einer Semfte, also in einem getragenen geschlossenen Tragesitz vollständig verhüllt.
00:16:42: Spätere Berichte aus dem Umfeld von Sema schildern, dass Bauern bei einem Zwischenstopp auf dem Gut Paltot den Gefangenen aus der Ferne gesehen hätten – mit schwarzem Gesichtsschleier.
00:16:54: sichtbar sein nur Mundpartie und Haare gewesen.
00:16:57: Sema soll gemeinsam mit ihm gegessen haben!
00:17:00: Mit geladenen Pistolen in Reichweite.
00:17:03: Wichtig ist hier zur Einordnung.
00:17:05: Diese Schilderung stammt aus einem späteren Familienbericht aus dem Umfeld von SEMMAR, nicht aus einem zeitgleichen amtlichen Protokoll.
00:17:13: Sie ist eine häufig zitierte Überlieferung aber kein gleich starkes Beweistück wie Ministerbriefe oder Bastille-Register Auf SEMMA.
00:17:21: GRIT verbringt der Gefangene die nächsten elf Jahre.
00:17:24: Auch in dieser Zeit bleibt die Geheimhaltungsstreng.
00:17:27: Wie wichtig sie noch immer ist zeigt ein Brief aus dem Jahr.
00:17:32: Levois ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot.
00:17:34: Sein Sohn und Nachfolger Barbes Yul schreibt Ansemar, dass bei jeder Mitteilung über diesen Gefangenen dieselbe Vorsicht gelten soll wie bisher.
00:17:43: Das macht die Sache so auffällig!
00:17:44: Das Geheimnis endet nicht mit dem Tod eines Ministers – es wird weitergeführt.
00:17:50: Über viele Jahre hinweg halten verschiedene Männer im Dienst des Königs dieselben strengen Sicherheitsregeln aufrecht.
00:17:56: Spätestens hier wird deutlich, dass die Abschirmung dieses Gefangenen längst Teil eines festen Systems geworden ist.
00:18:18: Im Sommer-Sechtenhundertachtundneunzig auf dem Weg zur Bastille beginnen die ersten Gerüchte zu kusieren – es ist die Phase in der die Legende eine eisernen Maske erstmals Gestalter nimmt.
00:18:30: Manche Historiker vermuten das SEMA selbst zum Mythenbildung beigetragen haben könnte….
00:18:35: Beweisen lässt sich das jedoch nicht!
00:18:38: Am achtzehnten September, sechzehnhundertachtundneunzig tritt Sema sein neues Amt als Gouverneur der Bastille in Paris an.
00:18:46: Und wieder bringt er den Gefangenen mit!
00:18:48: Damit erreicht die Geschichte jenen Ort, mit dem sie bis heute am stärksten verbunden ist.
00:18:53: Leutnant Duchengar – Der zweite Offizier der Bastile hält die Ankunft schriftlich fest.
00:18:58: Er beschreibt einen alten Gefangenin von Sema, der seit langem eine Maske aus schwarzem Samntrage und dessen Name nicht ausgesprochen werden dürfe.
00:19:06: Dieser Eintrag gehört zu den wichtigsten Quellen des Fals, denn hier zeigt sich sehr klar was später aus der Legende oft gemacht wurde und was die Akten tatsächlich hergeben.
00:19:17: Die zeitgenössischen Aufzeichnungen sprechen an dieser Stelle von schwarzem Sand nicht von Eisen – das berühmte Bild der eisernen Maske entsteht also erst später durch Gerüchte, literarische Ausschmückungen und Autoren wie Voltaire, In den erhaltenen Akten begegnet uns zunächst kein Mann mit eiserner Maske, sondern ein Gefangener dessen Gesicht mit dunklem Stoff verborgen wurde.
00:19:43: Doch was genau war diese Maske?
00:19:46: Historiker gehen davon aus dass es sich um eine sogenannte Lu-Maske gehandelt haben könnte also um eine in der frühen Neuzeit bekannte Halbmaske aus Stoff oder Samt die den oberen Teil des Gesichts bedeckte.
00:19:59: das eine solche Maske dauerhaft getragen wurde gilt eher als unwahrscheinlich.
00:20:04: Plausibler ist, dass der Gefangene sie dann tragen musste wenn er gesehen werden konnte.
00:20:08: Bei Verlegungen auf dem Hof oder auf dem Weg zur Messe.
00:20:12: Voltaires spätere Behauptung die Maske sei aus Eisen gewesen und habe sogar einen beweglichen Unterkiefer besessen gilt als literarische Ausschmückung ohne gesicherte dokumentarische Grundlage.
00:20:24: In der Bastille lässt sich seine Unterbringung etwas genauer fassen als in vielen früheren Stationen.
00:20:30: Als Semmar am achtzehnten September, sechzehnhundertachtundneunzig sein Amt als Gouverneur antritt bringt er den Gefangenen mit nach Paris.
00:20:38: Zunächst wird der Mann bis zum Abend in einem anderen Turm festgehalten.
00:20:43: noch in derselben Nacht kommt er dann in das dritte Zimmer des Berthoudière-Turms.
00:20:47: Der Offizier Duschenka hält fest dass dieses Zimmer schon vor der Ankunft auf Anweisung von Semmar eingerichtet worden war.
00:20:55: Außerdem sollte Rosage ein Vertrauter aus dem Maß umfällt, den Gefangenen bedienen und versorgen.
00:21:01: Das zeigt auch in der Bastille blieb seine Haft besonders organisiert und eng kontrolliert.
00:21:07: Was sich aus den Quellen belegen lässt ist also keine mehrchenhafte Luxusunterbringung sondern eine auffällig vorbereitete streng geregelte Sonderbehandlung innerhalb des Gefängnisses.
00:21:17: Am neunzehnten November, drei stirbt er.
00:21:21: Dushinkar vermerkt einen unbekannter Gefangener, der stets eine Maske aus schwarzem Samt getragen habe, sei gegen zehn Uhr abends gestorben.
00:21:30: Am nächsten Tag wird er unter dem Namen Markiali auf dem Friedhof St.
00:21:33: Paul beigesetzt.
00:21:34: Sein Alter wird dort mit ungefähr forty-fünf Jahren angegeben – sein Zimmer wird danach geräumt.
00:21:40: Gegenstände, Kleidung und Inventar werden entfernt oder vernichtet.
00:21:44: Alles was helfen könnte seine Identität festzuhalten verschwindet aus dem greifbaren Bestand!
00:21:50: Jahre nach seinem Tod taucht der Gefangene noch einmal in einer anderen Art von Quelle auf, in einem Brief Elisabeth Charlottes von der Pfalz.
00:21:59: Der Schwegerin Ludwig XIV aus dem Jahr seventeenhundert elf findet sich die Schilderung.
00:22:04: der gefangene Habe bei Wegen zur Messe bewacht werden müssen und sein Gesicht verborgen halten sollen.
00:22:24: Doch um dieses Rätsel wirklich zu begreifen reicht der Blick auf den Gefangenen allein nicht aus.
00:22:29: Wir müssen auch auf die Männer schauen, die seine Haft organisierten, überwachten und über Jahre hinweg absicherten.
00:22:36: Wer war Semar?
00:22:37: Und wer war Louvoir?
00:22:40: Bernin Duvern de Semar war ein Mann des Königlichen Dienstes!
00:22:44: In den Quellen begegnete er uns als Gouverneur, der den geheimnisvollen Gefangenen über Jahrzehnte hinweg bewacht.
00:22:50: Sein Name ist eng mit mehreren Haftorten verbunden – mit Pinyroll später mit Exil dann mit der Insel Semmar-Geried und schließlich mit der Bastille in Paris.
00:23:00: Diese Laufbahn macht ihn für den Fall so wichtig!
00:23:03: Denn der Gefangene bleibt wie wir jetzt wissen nicht einfach in einer bestimmten Festung zurück — er folgt immer wieder Semmar.
00:23:09: Das zeigt sehr deutlich, dass die Krone gerade ihm diese Bewachung anvertraute und das die Person des Gefangenen wichtiger war als der einzelne Haftort.
00:23:19: Seymard taucht in den erhaltenen Briefen- und Registereinträgen deshalb immer wieder als der Mann auf, der die Anweisungen ausführt, die Überwachung organisiert und den Gefangenenden von Station zu Station
00:23:30: übernimmt.".
00:23:31: Außerdem wissen wir, dass Seymar-Sechzehnhundertsechzig vom König in den Adelsstand erhoben wurde.
00:23:37: Auch das zeigt, daß er kein unbedeutender Unterbeamter war, sondern ein Mann dessen Dienste von der Krone sichtbar belohnt wurden.
00:23:45: François Michel d'Otelier – besser bekannt als Louvoir stand noch einmal auf einer ganz anderen Ebene!
00:23:51: Er war der Sohn von Michel de Tellier jenem hohen Staatsmann dem wir im Zusammenhang mit dem Haftbefehl schon begegnet
00:23:58: sind.".
00:23:59: Der Vater hatte den Kriegsetat und die Militärverwaltung unter Ludwig XIV entscheidend geprägt.
00:24:05: Der Sohn wurde von ihm gezielt für diese Laufbahn aufgebaut.
00:24:09: Bereits ab der Zeit durfte Levoire die Amtsgeschäfte seines Vaters in bestimmten Fällen ausüben.
00:24:15: In der Zeit erhielt er das Recht, die Geschäfte des Kriegssekretariats im Gegenwart seines vaters vollständig zu führen.
00:24:24: Spätestens ab sechzehnhundert siebenundsebzig gehörte er zu den einflussreichsten Ministern Ludwigs des Vierzenten.
00:24:32: In der Forschung gilt er für die Jahre sechziehnhundert sieben und siebzig bis sechzenhundert neunneinzig sogar als einer der mächtigsten Männer der Regierung, das ausgerechnet ein solcher Minister die Anweisungen zur Haft dieses Gefangenen kontrollierte ist eine der stärksten Hinweise darauf dass es hier nicht um einen gewöhnlichen Heftling ging.
00:24:52: Louvoir war nicht nur irgendein Verwalter, er half dabei das französische Heer unter Ludwig XIV zu einem schlagkräftigen Instrument der Krone.
00:25:01: In den Überblickstarstellungen zur Epoche wird immer wieder betont dass Michel L'Otelier und sein Sohn Louvoir gemeinsam maßgeblich zur Neuordnung des Königlichen Heeres beitragen.
00:25:13: Darum ist seine Rolle in diesem Fall so aufschlussreich!
00:25:17: Wenn ein Mann, der sich normalerweise mit Krieg-, Armeeorganisation und den großen Interessen des Staates befasste – sich mit den Haftbedingungen eines einzelnen Gefangenen beschäftigt, dann spricht das für die politische Brisanz der Angelegenheit.
00:25:31: Levois war also der Mann in Paris, der den Rahmen vorgab.
00:25:34: Sémar war der Mann vor Ort, der diesen Rahmen umsetzte.
00:25:39: Levoire starb am sechzehnten Juli, sixteenhundertneunzig.
00:25:43: Doch mit seinem Tod endete die besondere Vorsicht in diesem Fall nicht.
00:25:47: Sein Sohn Louis François-Marie L'Étulier, bekannt als Barbessieux, trat ihm im Kriegsministerium nach.
00:25:54: Bereits in seinem ersten bekannten Schreiben an Sémard vom dreizehnten August, sixteenhunterneunzig verlangte er das bei Mitteilungen über den Gefangenen dieselbe Vorsicht gelten solle wie zuvor.
00:26:07: Das macht diesen Punkt so wichtig.
00:26:09: Das Geheimnis hing längst nicht mehr an einer einzelnen Person, es war Teil eines staatlichen Umgangs mit diesem Gefangenen geworden der über Jahre hinweg fortgeführt wurde.
00:26:20: Um das Jahr sixteenhundertneunundsebzig erschütterte ein Skandal den französischen Hof ,der in seiner Dimension kaum zu überschätzen ist.
00:26:28: Für das Verständnis des maskierten Gefangenens ist er trotzdem wichtig.
00:26:32: Er macht sichtbar, in welcher politischen Welt dieser Gefangene lebte und welche Art von Geheimnissen ein König um jeden Preis begraben wollte.
00:26:41: Es begann mit dem Tod des Chevaliers Goudin de Saint-Croix im Jahr sechzehntundertzweihundsiebzig.
00:26:48: In seinem Nachlass fand man Briefe seiner Geliebten Marie Madeleine Magritte D'Obré Der Markiste brengen will je sowie Stoffe und Unterlagen die mit Gift in Verbindung gebracht wurden.
00:27:00: Die Ermittlungen nahmen dadurch neue Fahrt auf.
00:27:03: Später gestand die Marquise ihrem Vater und zwei ihrer Brüder vergiftet zu haben, sie wurde aus der Geschichte von den Pariser Behörden entdeckten war kein Einzelfall sondern ein Netzwerk – Giftlieferanten, Wahrsagerinnen, angebliche schwarze Messen und Kundschaft aus den höchsten Schichten der Aristokratie.
00:27:29: Im Zentrum dieses Netzes stand eine Frau namens Kathrin Deschis, genannt Lavoising.
00:27:35: Sie wurde sixteenhundertneunundseipzig verhaftet.
00:27:38: Ludwig XIV ließ daraufhin eine besondere Untersuchungskommission einrichten – die sogenannte Chambre Adon.
00:27:46: Ein kleiner gesicherter Fakt hierzu, die Chambre d'Ardent wurde im April sixzehnhundertneunundsiebzig eingerichtet.
00:27:52: Sie tagte im Arsenal in Paris, hielt zweihundertzehn Sitzungen ab, er liest dreihundert neunzehn Haftbefehle und sprach sechsunddreißig Todesurteile.
00:28:02: Lavoisin wurde am zwanzwanzigsten Februar sechzehnthundertachtzig hingerichtet – aber was vor ihrem Tod ausgesagt worden war verschwand nicht einfach!
00:28:11: In den Aussagen tauchten Namen auf, die das Gericht und dem König in höchster Alarmbereitschaft versetzten.
00:28:18: Der heikelste Name war der seiner eigenen Metresse – Madame de Montesbanne Die Favoritin des Königs und Mutter mehrerer seiner Kinder wurde in Aussagen aus dem Umfeld der Affäre belastet.
00:28:31: Bewiesen wurden die Vorwürfe gegen sie jedoch nicht.
00:28:34: Was tat Ludwig XIV?
00:28:36: Ergriff ein Die Ermittlungen wurden begrenzt, besonders Heikle-Namen sollten nicht unkontrolliert weiterverbreitet werden und am Ende wurde das Sondertribunal aufgelöst.
00:28:48: Hier ist auch ein gesicherter Fakt dass Ludwigs Einflussnahme auf Verlauf und Grenzen der Ermittlung durch Korrespondenz und Aktennotizen belegt ist.
00:28:57: Die politische Brisanz des Falz ist unter Historikern unstrittig.
00:29:02: Später wurden belastende Unterlagen vernichtet oder gingen verloren.
00:29:06: Gerade deshalb ist die Affäre der Gifte bis heute nur bruchstückhaft rekonstruierbar, was wir wissen stammt aus erhaltenen Protokollen, Kopien und Notizen nicht aus einem vollständigen Bestand.
00:29:19: Aber warum erzähle ich euch das?
00:29:21: Weil die Affere der Giphte zeigt wozu dieser Hof fähig war wenn ein Skandal zu nah an den inneren Kreis der Macht drückte!
00:29:29: Die Affäre selbst explodierte zwar erst Jahre nach Verhaftung des Gefangenen Aber sie macht sichtbar, wie sensibel Ludwig IV.
00:29:38: auf Wissen reagierte, dass seinen Hof seine Favoritinnen oder seine politische Ordnung hätte beschädigen können.
00:29:45: Dass der Haftbefehl gegen Daujet in die Fähre des Kriegsministers viel und nicht als gewöhnlicher Justizfall behandelt wurde ist deshalb ein wichtiges Indiz.
00:29:55: Hier ging es um Politik – nicht um ein normales Strafverfahren!
00:29:59: Wenn ihr diesen Teil der Geschichte noch genauer kennenlernen möchtet….
00:30:02: dann gehört im Anschluss gern in meine Folge zur Affäre der Gifte rein.
00:30:07: Diese Geschichte ist mindestens genauso spannend wie
00:30:10: erschreckend.".
00:30:11: Damit kommen wir zu der Frage, die über allem steht – wenn dieser Mann so streng bewacht, verborgen und über Jahrzehnte abgeschirmt wurde?
00:30:20: Wer war er dann
00:30:21: eigentlich?!
00:30:37: Jetzt betreten wir jenes Territorium das Historiker, Philosophen, Schriftsteller- und Verschwörungstheoretika über Jahrhunderte beschäftigt hat!
00:30:45: Wer war dieser Mann?
00:30:47: Warum musste er schweigen?
00:30:49: Warum durfte niemand sein Gesicht
00:30:51: sehen?".
00:30:52: Nicht jede berühmte Theorie hält schon der belegten Chronologiestand.
00:30:56: Einige populäre Identitäten scheitern bereits daran, dass sie zeitlich nicht zu den gesicherten Stationen zwischen sixteenhundertneunundsechzig und siebzehnhundertdrei passen.
00:31:06: Was folgt sind Theorien.
00:31:08: Manche davon haben historische Substanz Andere sind literarische Spekulation.
00:31:14: Ich sage euch klar Was was ist?
00:31:21: Theorie eins.
00:31:23: Öztas Stoge, der Name in den Akten.
00:31:26: Die nüchternste Arbeitshypothese lautet bis heute Der Gefangene ist der Mann, der in den Quellen als Öztah Stogee erscheint.
00:31:34: Sicher ist zunächst nur dieser Name in dem Akten.
00:31:37: Sicher ist dagegen nicht ob es sein wirklicher Name war oder nur die Bezeichnung unter der man ihn führte.
00:31:44: Hier wird es kompliziert.
00:31:45: Es gab nämlich einen realen Mann namens Decavoire.
00:31:50: Er wurde aus einer kleineren Adelsfamilie in Paris stammt und unterschrieb selbst mit dem Namen Estage de Cavoir.
00:32:01: Lange Zeit wirkte er deshalb wie ein naheliegender Kandidat, zu seinem Leben gehören mehrere dunkle Punkte.
00:32:09: In den letzten Jahren tauchte er im Zusammenhang mit einem skandalösen Osterwochenende in Roisillon-Brie auf.
00:32:17: Einige Jahre später geriet er erneut in Schwierigkeiten.
00:32:21: In den überlieferten Darstellungen heißt es, dass er sechzehnhundertfünfundsechzig nach einer tödlich endenden betrunkenen Auseinandersetzung in der Nähe von Seng Shemeng Ong Le seine militärische Stellung verlor.
00:32:34: Kurz darauf geriet auch sein Verhältnis zur Familie immer weiter aus dem Gleichgewicht.
00:32:39: Im Testament seiner Mutter wurde er weitgehend übergangen und aus den Unterlagen geht hervor das er stark verschuldet war.
00:32:47: Diese Lebensgeschichte machte ihn für ältere Forscher so interessant.
00:32:50: Ein adeliger Mann mit fast demselben Namen, ein persönlicher Absturz, Konflikte, Schulden und schließlich Haft.
00:32:58: Das klang für viele nach einer Spur – doch die heute entscheidenden Dokumente sprechen in eine andere Richtung!
00:33:08: bereits seit etwa- sechzehnhundert achtensechzig in Senglasar, in Paris festsaß.
00:33:20: In einem Brief vom zwanzigsten Juni-sechzehnt achtundsiebzig an seine Schwester schreibt er selbst Er sei schon seit mehr als zehn Jahren eingesperrt.
00:33:30: In einen weiteren Schreiben an Ludwig XIV bittet er um Freilassung.
00:33:35: Der König antwortet am siebzehnten August sechzehnundat achtundsiebzig, dass Montju de Covoir mit niemanden verkehren solle.
00:33:43: Nicht einmal mit seiner Schwester außer im Gegenwart der zuständigen Aufsicht.
00:33:48: Damit ist er zur gleichen Zeit nachweisbar in Saint-Lazare während der andere Eustache Stoché längst unter Sémar's Impinieroll setzt.
00:33:57: Aus diesem Grund trennen Historiker beide Männer heute in der Regel klar voneinander.
00:34:02: Was also bleibt?
00:34:04: Für den Gefangenen von Pingirol bleibt der Aktenname Ês-Tashto Gé.
00:34:09: Er taucht im Brief Levoir vom neunzehnten Juli sixteenhundertneunundsechzig eindeutig auf.
00:34:15: Auffällig ist dabei, dass dieser Name im Schreiben in einer anderen Handschrift steht als der übliche Text.
00:34:22: Manche Historiker halten es deshalb für möglich das es sich um einen Haftnamen oder um eine bewusst gewählte Bezeichnung handelte.
00:34:30: Bewiesen ist das nicht!
00:34:31: Und darin liegt die Stärke und zugleich die Schwäche dieser Theorie.
00:34:35: Der Name ist greifbar, der Mensch hinter diesen Namen bleibt es bis heute nicht.
00:35:06: Antoine-Équil Picor stammte.
00:35:09: Picor gehört zu den Männern, die mit den finanziellen und administrativen Angelegenheiten nach dem Tod Kardinals Mazarins befasst waren.
00:35:17: Der Kern von Soninos Überlegung liegt dabei nicht in einer sensationellen Familiengeschichte, sondern in Geld Papieren und Wissen.
00:35:26: Nach seiner Deutung könnte Duje als Dina Dinge mitbekommen haben die mit Mardarengs Nachlass mit Inventaren und mit finanziell heiklen Vorgängen zu tun hatten.
00:35:37: Gerade weil Dina in der Nähe ihrer Herren lebten hörten und sahen sie oft mehr als für sie gut war.
00:35:44: Sonino verbindet diese Spur mit dem Testament, Masarengs und der Frage wie dessen gewaltiges Vermögen nach seinem Tod behandelt wurde.
00:35:52: In seiner Rekonstruktion gerieten Colbert und Männer aus seinem Umfeld darunter auch Picot in eine Lage in der Belasten des Wissen besser unter Verschluss blieb.
00:36:02: Dorgé wäre in dieser Deutung also kein hochgeborener Geheimprinz gewesen sondern ein Mann niedrigen Ranges der zu viel über Angelegenheiten wusste die bis in die Spitze Rates reichten.
00:36:15: Die englisch-französische Diplomatie der späten sixteenhundertsechziger Jahre spielt bei Sonino ebenfalls eine Rolle, aber eher als politischer Hintergrund.
00:36:25: Der eigentliche Kern des Geheimnisses liegt für ihn im Umfeld Maserengs – in den Nachlassangelegenheiten und in der Gefahr dass ein Diener zur falschen Zeit zu viel wusste oder zuviel sagte.
00:36:38: Die Theorie ist Quellenbasiert und in Forschung ernst genommen worden!
00:36:42: Fachrezessionen betonen, dass Sonino sehr breit mit Archivmaterial arbeitet und eine plausible Hypothese vorlegt.
00:36:49: Gleichzeitig gilt seine Deutung nicht als gesicherte Lösung.
00:36:54: Gerade die Verbindung duges zu Piccant wird eher als starke Wahrscheinlichkeit behandelt als als lückenlos bewiesener Tatbestand.
00:37:07: Theorie III Eine weitere Deutungen setzt weniger bei einem bestimmten Namen an als bei der politischen Welt in dieser Gefangene verschwand.
00:37:16: Gemeint ist die Affäre der Gifte, jener große Skandal, der den französischen Hof in den Späten, Sechzehntundertsiebziger und Frühen sechzehnhundertachtziger Jahren erschütterte.
00:37:26: Ausgehend von Ermittlungen nach dem Tod – Codeng de Saincroix weitete sich der Fall immer weiter aus.
00:37:33: Es ging um Gift-, um Wahrsagerei-, um heimliche Geschäfte- und um Aussagen, die bis in die höchsten Kreise des Hofs reichten!
00:37:40: Ludwig IV.
00:37:41: liest dafür, wie bereits erzählt sogar ein besonderes Sondergericht einsetzen – die sogenannte Chambre Adon.
00:37:47: Für diese Theorie ist vor allem wichtig was dieser Skandal über den Hof selbst zeigt.
00:37:52: Er macht deutlich wie gefährlich Wissen in der Nähe der Macht werden konnte.
00:37:56: Sobald Gerüchte Aussagen oder Verdächtigungen zu nah an dem Innersten Kreis des Königs heranreichten wurde die Sache politisch brisant.
00:38:05: In einer solchen Welt lebte auch der Gefangene, der in den Akten als Ouestage-Tougé auftaucht.
00:38:11: Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der diese Deutung für manche Historiker plausibel macht.
00:38:16: In beiden Zusammenhängen begegnet uns derselbe Machtapparat – im Fall des geheimnisvollen Gefangenen laufen die Anweisungen über Levoire dem Kriegsminister Ludwig XIV.
00:38:26: Auch die Giftaffäre war keine gewöhnliche Kriminalgeschichte sondern eine Vorgang, der den Staat und den Hof unmittelbar berührte.
00:38:34: Wer in einer solchen Umgebung zu viel wusste, konnte für die Mächtigen zum Problem werden.
00:38:39: Solange er lebte, weil er reden konnte und nach seinem Tod wenn dieser neue Fragen auf warf.
00:38:45: Daraus entstand die Vermutung der Gefangene könnte ein Mitwisser, ein Boote oder ein Helfer gewesen sein, der etwas über die dunklen Seiten des Hofes wusste – vielleicht über Vergiftungen?
00:38:56: Vielleicht über belastende Kontakte?
00:38:58: Vielleicht Über Vorgänge, die nie vor einem öffentlichen Gericht hätten ausgebreitet werden sollen!
00:39:03: Belegen lässt sich das bis heute nicht.
00:39:06: Es gibt kein erhaltenes Dokument, dass Öztas Stojé eindeutig mit der Giftaffäre verbindet.
00:39:12: Trotzdem ist diese Theorie mehr als bloße Fantasie – sie passt in die politische Logik der Zeit!
00:39:18: Ein König, der um Autorität und Kontrolle bemüht war, konnte sich Menschen die gefährliches Wissen in sich trugen nur schwer leisten.
00:39:25: Aus diesem Grund gilt diese Deutung bis heute eine mögliche Erklärung für die außergewöhnliche Härte- und Geheimhaltungs seiner
00:39:32: Haft.".
00:39:33: Sie bleibt aber eine Deutung des Umfelds, keine nachgewiesene Identität.
00:39:43: Theorie IV Ein weiterer ernsthafter Kandidat ist Ercolé Antonio Matteoli – er war ein italienischer Diplomat im Dienst des Herzugs von Mantua und spielte eine Rolle in den geheimen Verhandlungen über die Festung Casal.
00:39:58: Diese Festung war für Ludwig XIV vom großer strategischer Bedeutung weil sie Frankreich in Oberitalien erheblichen Einfluss verschaffen konnte.
00:40:06: Sechzehnhundert achtundsiebzig wurde über einen verdeckten Verkauf an Frankreich verhandelt.
00:40:12: Mattioli war daran beteiligt, verriet die Abmachung dann aber andere Mächte.
00:40:17: Für Ludwig XIV war das ein schwerer Verrat.
00:40:20: Sechziehnhundert neunundsevzig ließ er Mattiolis deshalb heimlich festsetzen und nach Pinieroll bringen.
00:40:26: Das machte ihn lange zu einem besonders naheliegenden Kandidaten.
00:40:30: Mattioly war in realer politischer Gefangener.
00:40:32: Er saß tatsächlich unter seinem Mars in Haft.
00:40:36: Dazu kam, dass der Name Machiali oder Machioli – unter dem der unbekannte Tote von drei Beerdigt wurde – klanglich an Machiolis erinnert.
00:40:47: Schon früher Autoren und besonders mehrere Historiker des neunzehnten Jahrhunderts hielten diese Spur deshalb für überzeugend und kamen zu dem Schluss, das Machiolis und der maskierte Gefangene identisch gewesen sein könnten!
00:41:00: Heute wird diese Theorie deutlich vorsichtiger beurteilt.
00:41:03: Der wichtigste Grund ist die Chronologie.
00:41:05: Nach heutigem Forschungsstand starb Mattioli bereits im April, der Gefangene aus der Bastille starb dagegen erst am neunzehnten November, in Paris.
00:41:17: Wenn diese Daten stimmen kann Mattiolis nicht der Mann sein, der später als Gefangener mit der Maske berühmt wurde.
00:41:24: Daher hat diese Theorie zwar historische Substanz und war über lange Zeit sehr einflussreich, gilt heute aber überwiegend als nicht überzeugend.
00:41:38: Theorie V Auch Nicola Fouquet selbst wurde immer wieder als möglicher Kandidat genannt.
00:41:44: Diese Theorie knüpft an seine enorme politische Bedeutung an.
00:41:48: Fouket war über Jahre einer der mächtigsten Männer Frankreichs.
00:41:53: Als Surintendant der Finanzen gehörte er zum Inneren Machtkreis des Königs, bis er sixteenhundertsechzig verhaftet wurde und nach einem viel beachteten Prozess schließlich lebenslang in Haft blieb.
00:42:05: Hier haben wir schon kurz drüber gesprochen.
00:42:08: Ein Mann wie Er wusste viel über Geld, Macht, Netzwerke und die empfindlichen Stellen des Hofes.
00:42:14: Allein das machte ihn in den Augen mancher späterer Autoren zu einem möglichen Ursprung.
00:42:20: Hinzu kommt, dass Fouquet und der geheimnisvolle Gefangene in Pinyroll tatsächlich aufeinandertrafen.
00:42:27: Der Mann, der in den Akten als Estache dujet auftaucht wird – wie ich euch schon berichtet habe – zeitweise im Umfeld Fouquets eingesetzt.
00:42:36: Dadurch entstand später die Vorstellung hinter den Mauern von Pinyrol könne mehr geschehen sein als die Quellen offen sagen!
00:42:44: Manche gingen deshalb so weit zu vermuten, Fouquet's Tod sei nur vorgetäuscht worden.
00:42:49: Der berühmte Maskierte gefangene wäre in dieser Deutung also Fouket selbst gewesen – verborgen unter einer neuen Identität und endgültig aus der Öffentlichkeit entfernt.
00:42:59: Gerade diese Theorie hält der belegbaren Überlieferung jedoch kaum Stand.
00:43:04: Fouquets Haft ist über Jahre hinweg dokumentiert.
00:43:07: Auch sein Tod im Jahr sixteenundachtzig ist durch mehrere zeitgenössische Quellen belegt!
00:43:12: Dazu kommen Berichte aus seinem Umfeld und die weitere Korrespondenz aufs Pinieroll.
00:43:17: Für eine heimliche Fortsetzung seiner Gefangenschaft unter einer Maske gibt es dagegen keinen belastbaren Nachweis.
00:43:23: Deshalb gilt diese Theorie heute in der Forschung als kaum tragfähig, sie lebt vor allem von Phokés Ranc, von seiner politischen Brisanz und von der geheimnisvollen Atmosphäre rund um Pinierol.
00:43:37: Als historische Erklärung überzeugt sie jedoch nicht.
00:43:40: Fouquet bleibt wichtig für diese Geschichte, weil der geheimnisvolle Gefangene in seinem Umfeld auftaucht.
00:43:46: Der Mann mit der Maske war nach heutigem Forschungsstand aber sehr wahrscheinlich nicht Fouket selbst!
00:43:57: Theorie VI – Dies ist die bekannteste aller Theorien und zugleich DIEjenige, die durch Literatur am stärksten weitergetragen wurde.
00:44:04: Voltaire machte diese Richtung besonders einflussreich!
00:44:07: In seinen späteren Schriften vertrat er die Auffassung der Gefangene sei ein Bruder des Königs gewesen.
00:44:13: Die eigentliche Zwillingsversion wurde dann vor allem durch spätere Autoren populär und schließlich durch Alexandre Dumas weltberühmt gemacht.
00:44:25: Brajlor wird aus dem rätselhaften Gefangenen ein geheimer Zwillingsbruder Ludwig XIV.
00:44:31: Die Idee dahinter ist so wirkungsvoll, weil sie einfach und dramatisch zugleich ist.
00:44:35: Zwei Brüder mit dem selben Gesicht – aber nur einer darf König sein!
00:44:40: Der andere muss
00:44:41: verschwinden.".
00:44:42: Genau daraus entstand die Vorstellung, seinen Gesicht habe verborgen werden müssen, weil es eben dem des Königs glich.
00:44:49: Historisch belegt es diese Version jedoch nicht.
00:44:52: Es gibt keine zeitgenössischen Akten, die auf einen geheimgehaltenen Zwillingsbruder Ludwigs des Vierzenten hindeuten – auch die Geburt Ludwig des Vierzenten selbst ist gut dokumentiert!
00:45:02: Er wurde am fünften September, der Sechzehnhundertdreißig geboren und galt nach dreiundzwanzig kinderlosen Ehejahren seiner Eltern als lange erwarteter Thronerbe.
00:45:12: Daher sehen Historiker diese Theorie sehr kritisch….
00:45:15: Zum einen fehlt jeder belastbare Nachweis für einen zweiten heimlich verschwundenen Sohn, zum anderen passt die gesicherte Überlieferung über den Gefangenen nur schwer zu einem geheimen Prinzen.
00:45:27: In den Akten taucht er sixteenhundertneunundsechzig als Estache Duget auf und Levoire bezeichnet ihn dort als nur ein Diener.
00:45:35: Später wird der im Umfeld Fouquets eingesetzt – das ist schwer mit der Vorstellung zu vereinbaren hier sei in Wahrheit ein Bruder des Königs verborgen worden.
00:45:43: Hinzu kommt noch etwas….
00:45:45: Die Quellen sprechen bei der Maske nicht von Eisen, sondern eben von schwarzem Samt.
00:45:50: Auch das berühmte Bild der Alsarnmaskel gehört also stärker zur Legende als zu gesicherten Geschichte!
00:45:56: Trotzdem verschwand die Theorie nie ganz.
00:45:59: Im zwanzigsten Jahrhundert griff Marcel Panjolzi erneut auf, in seinem nineteenhundertfünfundsechzig erschienenen Essay Le Masque de Ferre, den er neunzehnhundertdreihensebzig als «lössecré du masque de ferre» überarbeitet veröffentlichte, vertrat er wieder die Auffassung der Gefangene sei ein Zwillingsbruder Ludwigs des Vierzenten gewesen.
00:46:21: Seine Darstellung war einflussreich und trug dazu bei dass diese Idee bis heute
00:46:25: weiterlebt.".
00:46:26: Als historische Lösung gilt sie dennoch nicht.
00:46:28: Nach heutigem Forschungsstand gehört der Zwillingsbruder des Sonnenkönigs in dem Bereich der literarischen Überlieferung faszinierend, wirkungsmäßig aber ohne tragfähige zeitgenössische Belege.
00:46:45: Theorie Sieben Erst im späten neunzehnten Jahrhundert bekam die Debatte neuen Stoff.
00:46:51: Der französische Kryptoanalytiker Etienne Baserie arbeitete sich über Jahre in den sogenannten Groschifre ein einen besonders komplizierten Geheimkot aus der Zeit Ludwig des Vierzenten.
00:47:03: Um eighteenhundertdreinneunzig gelang ihm ein Durchbruch, unter den entschlüsselten Schreiben fand sich auch ein Brief über General Vivien de Belon.
00:47:13: Belon hatte sich sixteenhunderteinundneunzig bei Cuneo schwer blamiert als er den Angriff überstürzt Abbrach und verwundete Vorräte- und Geschütze zurückließ.
00:47:23: Ludwig der Viercente orderte daraufhin an den Fest zu nehmen.
00:47:28: Für Baserie wurde es genau an dieser Stelle spannend.
00:47:31: In dem Brief stehen zwei Zahlengruppen, dreihundertdreißig und dreihundertneun deren Bedeutung er nicht sicher aus anderen Schreiben ableiten konnte weil sie dort sonst nicht auftauchten.
00:47:42: Er deutete diese Stelle so als müsse Boulogne tagsüber mit einer Maske bewacht oder vorgeführt werden und glaubte deshalb in ihm den berühmten Mann mit der eisernen Maske gefunden zu haben.
00:47:54: Dieser Schluss ist heute aber umstritten.
00:47:56: die Zahlen lassen sich nicht eindeutig Prüfen und spätere Einwände weisen darauf hin, dass Baserie hier wohl mehr hineinlas als der Brief sicher hergab.
00:48:05: Hinzu kommt ein noch größeres Problem – die Chronologie!
00:48:09: Der geheimnisvolle Gefangene, der später berühmt wurde ist bereits seit sixteenhundertneunundsechzig in den Quellen greifbar.
00:48:19: Belongtsfall gehört dagegen ins Jahr sixteenhundertneunzig.
00:48:24: Zudem wurde Belongt noch im selben Jahr wieder frei gelassen und starb erst siebzehntenhundert neun.
00:48:29: Als Lösung des Rätsels taug dieser Brief deshalb nur sehr eingeschränkt, er zeigt eher das Pinieroll auch für andere militärisch- und politisch heikle Gefangene genutzt wurde.
00:48:39: Bis hierhin haben wir uns durch Akten, Briefe, Register und Theorien gearbeitet.
00:48:44: Vieles lässt sich belegen – manches bleibt deutung, manches hat die Zeit endgültig verschluckt.
00:48:49: Doch selbst wenn wir all diese Spuren nebeneinander legen, bleibt eine Frage bestehen, die vielleicht noch wichtiger ist als jeder einzelne Name?
00:48:57: Wie konnte ein Mensch über Jahrzehnte hinweg so konsequent verborgen
00:49:01: werden?".
00:49:10: Das System hinter dem Geheimnis?
00:49:13: Wir haben die Fakten!
00:49:14: Aber es gibt eine Frage, die wir noch nicht gestellt haben und vielleicht die wichtigste ist.
00:49:21: Nicht wer war er, sondern wie funktioniert ein solches System der Stille?
00:49:26: Denn was hier geleistet wurde, ist keine Kleinigkeit!
00:49:29: Über vierunddreißig Jahre über mehrere Ministergenerationen, mehrere Gefängnisstandorte und zahlreiche Beteiligten blieb dieses Geheimnis im wesentlichen Intakt.
00:49:40: Kein zeitgenössisches Dokument hat seine Identität belastbar enthüllt.
00:49:44: Wie ist das möglich?
00:49:46: Der erste Mechanismus ist die sogenannte Lettre des Schad.
00:49:49: Das königliche Verhaftungsschreiben ohne öffentliche Anklage, ohne ordentliches Verfahren, ohne feste Frist!
00:49:57: Im Frankreich des Absolutismus gab es kein modernes Recht auf Anhörung wie wir's heute kennen – der König war Quelle der politischen Entscheidung war ein Blankutscheg für Freiheitsentzug.
00:50:10: Aber sie allein erklärt nicht, warum der Gefangene am Leben blieb – Sie erklärt nur das er verhaftet wurde!
00:50:16: Der eigentliche Mechanismus des Schweigens liegt woanders… In der Architektur der Geheimhaltung die Louvain und Sengmar um diesen Gefangenen aufgebaut haben.
00:50:26: Mehrfach gesicherte Türen, persönliche Kontrolle, möglichst wenig Kontakt, kein unüberwachter Austausch, kein frei zirkulierendes Schriftstück und eine Überlieferung, die uns heute nur in Fragmenten
00:50:37: erreicht.".
00:50:38: Hinzu kam personelle Kontinuität – nicht nur Sema blieb über Jahrzehnte an seiner Seite!
00:50:45: Auch ein kleiner Vertrauterkreis von Untergebenen zog mit ihm durch die verschiedenen Haftorte….
00:50:51: Gerade diese enge, überschaubare Bewachung macht es überhaupt erst möglich das Geheimnis über so lange Zeit unter Kontrolle zu halten.
00:50:59: Diese Struktur hatte im absolutistischen Frankreich eine politische Grundlage – raison d'etat, Staatsraison!
00:51:06: Die Idee dass der Staat verkörpert im König berechtigt sei im Namen seiner Sicherheit über gewöhnliche Regeln hinauszugehen.
00:51:14: Ludwig IV.
00:51:15: Verkörperte dieses Denken wie kaum ein anderer Herrscher seiner Epoche.
00:51:19: Der berühmte Satz, leta cimois der Staat bin.
00:51:23: ich wird ihn zwar bis heute zugeschrieben ist in dieser Form aber in keinem gesicherten zeitgenössischen Dokument belegt.
00:51:30: Trotzdem steht er sinnbildlich für genau dieses Prinzip.
00:51:34: Was das System des maskierten Gefangenen so verblüffend macht es seine Konsequenz Kein Brief der die Identität eindeutig nennt Kein Verhörprotokoll, das den Grund der Haft erklärt.
00:51:45: Keine Akte die das Rätsel sauber auflöst.
00:51:48: und doch bleibt der Mann über Jahrzehnte in Haft versorgt, bewacht, versteckt!
00:51:53: Das bedeutet er durfte offenbar nicht frei sein aber er wurde auch nicht einfach beseitigt.
00:51:58: genau diese Spannung ist das eigentliche Zentrum der Geschichte.
00:52:17: Treten wir nun einen Schritt zurück.
00:52:20: Wir schauen uns an was seine Existenz über Macht verrät.
00:52:23: Ludwig der Vierzehnte war ein Herrscher, der Härte kannte und ausübte.
00:52:28: Wer ihm politisch gefährlich wurde konnte fallen verschwinden oder lebenslang ausgeschaltet werden.
00:52:33: aber dieser eine Mann diese eine Gefangene blieb am Leben Jahrzehntelank auf Kosten des Staates unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen.
00:52:41: Warum?
00:52:42: Die Antwort darauf muss in der Natur dessen liegen was er wusste oder dessen was man in ihm sah.
00:52:48: Hier hatten wir schon drüber gesprochen, denn jemanden so leben zu lassen ist komplizierter als ihn aus der Welt zu schaffen.
00:52:54: Es verbindet Geld, Menschen Aufmerksamkeit.
00:52:58: Es schafft Zeugen, Sigma, Wachen, Offiziere Schreiber – es verlängert das Geheimnis statt es mit einem Schlag zu beenden!
00:53:06: Irgendetwas zwang Ludwig XIV oder seinen Apparat zu dieser Entscheidung etwas das schwerer Vogue als die Einfachheit einer endgültigen Lösung?
00:53:16: Darüber lässt sich spekulieren, mehr nicht.
00:53:18: Und genau das ist das Wesen dieses Rätsels!
00:53:21: Es ist mit dem was wir heute besitzen, nicht abschließend lösbar.
00:53:26: Was wir haben sind Fragmente, einen Brief mit einem auffälligen Namen, Registereinträge über einen unbekannten Midsamtmaske, vernichtete Gegenstände, Lücken in der Korrespondenz – was wir nicht haben ist Gewissheit und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Geschichte?
00:53:43: Das macht nicht nur durch das funktioniert, was sie tut sondern auch durch das was sie verbirgt.
00:53:49: Dass das größte Werkzeug eines absoluten Herrschers nicht immer das Schwert ist, sondern das kontrollierte Schweigen.
00:53:55: Ein Mann mit einer Maske – vierunddreißig Jahre kein sicherer Name keine öffentliche Anklage keine eindeutige Wahrheit Nur die Maske.
00:54:05: Was nach dem Tod des maskierten Gefangenen geschah ist in gewisser Weise genauso faszinierend wie sein Leben Denn das Königreich hatte zwar alles getan, um die Spur zu vernichten – aber die Spuhr lebte in den Köpfen der Menschen weiter.
00:54:36: Die erste frühe schriftliche Erwähnung eines Mannes mit einer eisernen Maske findet sich in einer späteren handschriftlichen Ergänzung zu einem Text über Bastille-Gefangene vermutlich um siebzehnt hundert elf.
00:54:48: Voltaire, der siebzenhundertsebzehn selbst in der Bastille inhaftiert war, griff dem Fall später auf und schilderte den Gefangenen als edle bei nahekönigliche Gestalt.
00:54:58: Diese Darstellung gilt heute jedoch eher als literarisch geprägt und nicht als nüchterne Wiedergabe der gesicherten Primärquellen.
00:55:06: In seiner Geschichte Ludwig XIV zenten machte Voltaire die eiserne Maske berühmt, später fügte er Details hinzu – Eisen, Nieten ein beweglicher Unterkiefer!
00:55:16: Und genau an dieser Stelle beginnt der literarische Mythos, der sich von den Akten entfernt….
00:55:22: Warum tat Voltaires das?
00:55:23: Historiker sehen darin nicht nur sensationslos, sondern auch Kritik an absolutistischer Willkür.
00:55:30: Der maskierte Gefangene wurde im Diskurs der Aufklärung zum Symbol eines Staates der Menschen verschwinden lassen konnte ohne Rechenschaft abzulegen.
00:55:38: Alexandre Dumas machte aus der Geschichte schließlich Weltliteratur.
00:55:43: in seinem Roman Der Vicord de Brachelor griff ja eine bereits bekannte Spekulation auf und machte aus dem maskierten Gefangenen den geheimen Zwillingsbruder Ludwig XIV.
00:55:53: Hier von habe ich euch bei der Theorie VI berichtet!
00:55:56: So wurde aus einer älteren Spekulation nach und nach eine Legende, die bis heute weiterlebt... Von da an war der Fall kaum noch von seiner literarischen Wirkung zu trennen.
00:56:05: Die Fiktion schubte sich immer stärker vor die Fakten.
00:56:09: Aus dem Schwarzen Samt wurde Eisen, aus einem unbekannten Gefangenen wurde der geheime Bruder des Königs.
00:56:15: Dumas Roman ist ausdrücklich Fiktionen – er beruht auf literarische Vorlagen und Spekulation nicht auf belastbaren historischen Belegen.
00:56:23: Trotzdem hat er das Bild dieses Falls bis heute geprägt!
00:56:27: Im neunzehnten Jahrhundert analysierte der Brite George Ellis Archivmaterial.
00:56:32: Der französische Historiker Jules Léa stellte später die Verbindung zwischen dem Maskierten Gefangenen und den Namen des Taschtougers her.
00:56:40: Im zwanzigsten Jahrhundert überprüften Forscher wie Jean-Christien Pétifise die Korrespondenz neu.
00:56:47: Zwei Tausend Fünfzehn wurden wichtige Inventare aus dem Umfeld von Sémar wiedergefunden.
00:57:00: Die Suche nach dem echten Mann hinter der Maske ist also nie wirklich beendet worden.
00:57:05: Bis heute ist die Zelle auf der Ilse-Margrie für Besucher zugänglich.
00:57:10: Wer das vor Royal besucht, kann einen Ort sehen an dem der Gefangene möglicherweise einen langen Teil seiner Haft verbrachte – die Mauern geben keine Antwort!
00:57:19: Aber sie machen begreifbar, wie real dieses Rätsel einmal war.
00:57:36: Lass uns noch einmal auf ein Instrument blicken das diese Geschichte überhaupt erst möglich machte und dass weit über den maskierten Gefangenen hinaus Bedeutung hat Die Lettre der Caché Wörtlich Der Brief mit dem Siegel.
00:57:49: Mir fällt gerade auf.
00:57:50: Ich habe es glaube ich ein paar mal ganz falsch ausgesprochen.
00:57:52: Sorry Sie war eines der Werkzeuge absolutistischer Herrschaft schlechthin Ein versiegelter Befehl des Königs, ohne öffentliches Verfahren, ohne richterliche Auseinandersetzung, ohne Begründung die dem Betroffene mitgeteilt werden musste.
00:58:07: Der Empfänger konnte verhaftet und auf unbestimmte Zeit festgesetzt werden.
00:58:11: Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert wurden lettrede Caché nicht nur gegen Staatsfeinde eingesetzt Auch in familiären und sozialen Konflikten kam sie zum Einsatz.
00:58:22: Wohlhabende Familien konnten auf diesem Weg unbequeme Angehörige, verschwenderische Söhne oder als untragbar geltende Verwandter aus dem öffentlichen Leben entfernen lassen.
00:58:33: Die Lettre de Caché war also weit mehr als ein politisches Machtmittel!
00:58:37: Sie war zugleich ein Werkzeug sozialer Kontrolle.
00:58:41: Der Fall des maskierten Gefangenen zeigt, wozu dieses System weh ich war wenn es in den Dienst eines Geheimnisses gestellt wurde das man nicht vor Gericht verhandeln wollte.
00:58:51: Die lettriste Caschée wurden im März hier durch die französische Nationalversammlung abgeschafft – wenige Monate nach dem Sturm auf die Bastille.
00:59:00: Dieser Tag wurde am vierzehnten Juli, als Tag der Befreiung berühmt.
00:59:06: Tatsächlich saßen an diesem Tag nur sieben Gefangene in der Bastille.
00:59:10: Der Mann mit der Eisern Maske war da längst Geschichte und doch gehörte seine Legende schon zu dem Bild, dass die Menschen mit der Bastile verbanden.
00:59:23: Ich glaube das ist es was dieses Rätsel so beständig macht – nicht die Theorie die es auflöst!
00:59:29: Nicht der Name, der vielleicht nie enthüllt wird.
00:59:32: Sondern die Frage selbst – was muss ein Mensch gewusst haben, gesehen haben oder gewesen sein damit ein König ihn nicht freilassen konnte und ihn dennoch nicht einfach verschwenden ließ?
00:59:48: Immer derselbe Wächter an seiner Seite und am Ende ein fremder Name auf einem Grab, ein geräumtes Zimmer vernichtete Dinge frisch gelöste Spuren als hätte es ihn nie gegeben.
01:00:00: Aber er hat existiert!
01:00:02: Das ist der Punkt in dem alle belastbaren Quellen zusammenlaufen – wer war das?
01:00:07: bleibt im Schatten.
01:00:09: Das macht diese Geschichte bis heute so
01:00:10: stark.".
01:00:11: Ein Mensch wurde über Jahrzehnte festgehalten, aus dem Blick der Welt gedrängt und trotzdem nie ganz ausgelöscht.
01:00:18: Zurück blieb ein Rätsel das bis heute nicht verstummt ist.
01:00:22: Ich freue mich sehr dass ihr auch heute wieder mit mir durch diese Geschichte gegangen seid!
01:00:26: Es bedeutet mir wirklich viel dass ihr euch die Zeit nehmt mit mir in solche Fälle einzutauchen Spuren zu folgen und gemeinsam dorthin zuschauen wo Geschichte uns keine einfachen Antworten hinterlässt.
01:00:37: Wenn ihr mögt, schaut auch gern auf Instagram vorbei unter chronik.der.chatten-Podcast.
01:00:44: Ich freue mich wenn ihr auch dort zu meiner kleinen Shadows Community dazustoßt.
01:00:48: Und nochmal sorry für die vermutlich recht schlechte Aussprache.
01:00:53: Danke dass ihr heute mit mir durch den Schattenkreis seid.
01:00:56: Passt gut auf euch auf und bleibt wachsam Für die Geschichten hinter den Geschichten Denn dir spricht, bis die Realität finsternis bricht.
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